DylanArt

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Dylan in Art History von Bob Joblin



Dylan ist Kunst.

(von Diether Rot)


Warum ist Bob Dylan Kunst? Die einfachste Antwort auf diese Frage ist bestimmt: Er hat sich einen Künstlernamen gegeben und lebt diese Kunstfigur seit Jahrzehnten. Aber es gibt noch weitere Merkmale, die Bob Dylan nicht nur als mehrfachbegabten Künstler im Bereich Musik, Literatur und auch der Bildenden Kunst auszeichnen. Von diesen Erkennungszeichen sei hier die Rede.

Es steht wohl außer Frage, dem Ausnahmegenie Dylan alle Ehren im Bereich Musik zu gönnen. Er hat alle Preise abgeräumt, die es gibt. Manche mehrfach. Manche mit einem mehrdeutigen Lächeln. Manche unter Protest. Derzeit versüßt sich der gereifte Mann das lange Warten auf den Literaturnobelpreis mit Pulitzerpreis und Livekonzerten. Dass der mehrfach nominierte den Preis nicht bekommen wird, steht für Dylankenner nicht zur Debatte. Nach einigen Ausstellungen mit seiner „Drawn Blank Series“ und den „Brazil Series“ ist er auch für die Bildende Kunst interessant geworden. Die Kunst ist aber auch für Bob Dylan in mehrfacher Sichtweise entscheidend geworden. Er könnte nicht nur durch seine „Dylan-Art“, sondern auch als Kunstfigur in die Kunstgeschichte eingehen.

Passt Dylan in einen Kunstbegriff? Um die Frage beantworten zu können, muss klar sein, wer an die Kunst herantritt. Es gibt drei Klassen, welche alle anderen Unterkategorien hinter sich sammeln.

1) Individuelles Interesse: Das persönliche Beantworten der Frage, was Kunst sei und was nicht, wird immer bestehen. Es unterliegt den demokratischen Gesetzen der Freiheit und Gleichheit. Jeder kann alles als Kunst empfinden. Hier hat jeder eine gleichberechtigte Stimme. Relevant für die Kunstgeschichte sind Massenbewegungen, die ein Ignorieren der Kunst aufgrund der Zustimmung in der Öffentlichkeit unmöglich machen.

2) Kunstmarktinteresse: Die Antwort des Kunstmarktes auf die Frage, was Kunst sei und was nicht, unterliegt den Gesetzen des Kapitals. Kunst ist, was Kapital bringt. Kapital heißt im Kunstmarkt vor allem das rar gewordene Gut der Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Das Zusammenspiel der digitalen Welt und der Werbeverseuchung der Gehirne hat zur Folge, dass maximal ein Einzeiler zur Erklärung der Kunst von Nöten sein darf, um Aufmerksamkeit zu erregen. Noch besser ist ein Name, der mehr sagt als tausend Bilder.

3) Wissenschaftliche Anerkennung: Die Antwort, was Kunst sei und was nicht, unterliegt auf dieser Ebene strengen, wissenschaftlich gesicherten Richtlinien. Oftmals treten immer wieder die beiden anderen Oberkategorien in diesen Bereich mit ein. Man nehme nur die Vermarktung von Damien Hirst bzw. Jeff Koons. Wesentlich bleibt hier aber festzuhalten: der Eingang in den kunsthistorischen Olymp erfolgt erst durch jahrelange Analyse der Kunst. Zu prüfen ist zum einen zwar die gesellschaftliche Relevanz und die Marktentwicklung, aber auch die biographische und kunstgeschichtliche Weiterentwicklung.

Zu 1) An Bob Dylan besteht in mehrfacher Hinsicht ein breites individuelles Interesse. Viel Menschen sind nicht mehr explizit an der Musik oder seiner Kunst interessiert; sie wollen die Person kennenlernen, wie sie ein Kunstwerk verstehen wollen. Sein ganzes Leben lang versuchten Menschen Dylan zu katalogisieren. Sie untersuchten seinen Müll, schrieben (meist unautorisierte) Bücher über ihn, interviewten ihn, gingen auf Konzerte, sogen alle Infos über den zum Mythos gewordenen Künstler auf.

Menschen gehen nicht auf Dylankonzerte, um durch eine verrammelte Stimme, eine übersteuerte Mundharmonika, einen mittelmäßigen Gitarristen oder durch einen meist schlecht gelaunten, zum Rhythmus wippenden Greis einen Entertainmenthochgenuss zu erleben. Es ist Bob Dylan als Kunstfigur, den sie noch einmal sehen möchten („Bevor er stirbt!“).

In bescheideneren Verhältnissen sind wir alle neben der realen Person auch Kunstfiguren. Selbst wenn wir uns keinen Künstlernamen geben. Das Spiel zwischen Inszenierung unser Selbst und dem, was wir glauben zu sein, das macht uns zu Kunst. Kunst in den Augen anderer. Kunst in unserer eigenen Betrachtungsweise. Ganz unabhängig von Kunstmarktinteressen und Wissenschaft. Dylan ist so gesehen „Kunst im großen Stil“.

Zu 2) Das Kunstmarktinteresse an Dylan besteht auch schon vor seinem Ableben. Es besteht ein Verlangen nach den Originalen. Es besteht eine Besessenheit nach Abbildungen jeglicher Art. Es besteht weiterhin ein unstillbarer Infobedarf an dem Kult(urgut) Dylan. Dylan bringt ein ungemeines Aufmerksamkeitskapital durch seine Person mit sich. Eine Ausstellung von Gouachen in Chemnitz hätte niemals einen solchen Ansturm an Besuchern aus aller Welt nach sich gezogen, wenn das Aushängeschild nicht der Künstler „Bob Dylan“ gewesen wäre.

Zu 3) Die wissenschaftliche Anerkennung Dylans als Kunst wird nach dem Tod Dylans nicht lange auf sich warten lassen. Wie große Kunstwerke weckt er allein durch seine Präsenz Emotionen. Er birgt etwas Mythisches in sich. Diese Person weckt bei manchen die Kunstliebe, bei anderen gehört er zum Lifestyle und „guten Ton“. Seine Authentizität birgt eine ganz besondere Ästhetik. Seine Weiterentwicklungen lassen den Entdecker in uns aufhorchen. Dylan ist omnipräsent. Er macht generationenübergreifend Musikgeschichte, hochstehende Literatur, Star-Kunst, Old-School-Radio, Damenunterwäsche-Werbung. Er wird zitiert, kopiert, vertont, verfilmt, vermarktet, besungen und betanzt. Er wird belächelt und doch verherrlicht und verehrt. Er ist für Intellektuell genauso begehrenswert wie für Sammler. Er ist ein Trendsetter für die Gesellschaftsgeschichte, eine Investition für Plattenfirmen, ein Risiko für Konzertveranstalter. Er ist Prestigeobjekt und doch individuell stilbildend. Er hat den Kult-Faktor. Er erfindet sich immer wieder neu und bleibt doch Robert Allen Zimmermann. Oder Bob Dylan?

Er wird in jeglicher Richtung nach seinem Tod erneut eine Aufwertung erfahren. Im Bereich Kunst wird dies eine Neuigkeit nach sich ziehen, welche mit der Subjektkunst und Meat-Art eng zusammenhängt. „Bob Dylan wird exemplarisch für die Menschen Kunst sein.“ Das zu erkennen verdanken wir Jack Joblin, der bereits in den 70er Jahren seine Subjektkunst und Meat-Art auf Stars wie Bob Dylan bezog, um an einem offensichtlichen Beispiel noch deutlicher zu machen, dass diese Kapazität in jedem Menschen bereit liegt. Den lebendigen Dylan bezeichnete Joblin damals bereits als „interaktivstes Kunstwerk der Welt“. Für den erweiterten Kunstbegriff bedeutete dies eine Sprengung der Grenzen auf mehreren Ebenen: Abgehoben von Richtungen wie Performance, Fluxus und Happening wurde der Künstler selbst zur Kunst erklärt. Dies war nicht als Entmenschlichung zu verstehen, sondern als Hochachtung einer bewussten Gestaltung des Künstlers als Kunst.

Diese induktive Herangehensweise Joblins vom Ausgangspunkt Dylan auf die Allgemeinheit wird heute noch vom Kunstmarkt und der Kunstwissenschaft kritisiert. Verständlicherweise, da sich eine solch extrem individuelle Kunst weder verkaufen noch angemessen analysieren lässt. Trotz allem bleibt Bob Dylan exemplarisch Kunst für den Markt, die Kunstgeschichte und er wird auch noch viele Generationen inspirieren. Wir bleiben im kleinen Rahmen Kunst für uns selbst und unsere Zeitgenossen. Das ist schon mehr als erwartet. D.R.





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