

Macht
Einleitung
Macht ist ein zentrales Thema der Literatur: In Geschichten wird sichtbar, wer über wen verfügt, wodurch diese Macht entsteht (Geld, Wissen, Gewalt, Sprache, Status), und wie sie legitimiert oder infrage gestellt wird. Im Literaturunterricht untersuchst Du Macht nicht nur als Inhalt, sondern auch als Wirkprinzip von Texten: Erzählweisen, Perspektiven, Symbole und sprachliche Strategien können Machtverhältnisse herstellen, verbergen oder kritisieren.

Warum Macht in Texten so wichtig ist
Texte erzählen Machtkonflikte oft als:
- Konflikt zwischen Figuren (Dominanz, Abhängigkeit, Manipulation)
- Herrschaft und Legitimität (Wer darf entscheiden? Warum?)
- Gewalt und Recht (Zwang vs. Regeln)
- Wissen und Überwachung (Kontrolle durch Information)
- Sprache und Diskurs (Wer bestimmt, was „wahr“ oder „normal“ ist?)
Lernziele (Du kannst am Ende ...)
- Machtverhältnisse in literarischen Texten beschreiben (Akteure, Ziele, Mittel, Folgen).
- Textstellen analysieren: Erzählperspektive, Rhetorik, Symbol und Motiv als Machtinstrumente.
- Machtkonzepte (z.B. Max Weber, Michel Foucault, Pierre Bourdieu) auf Literatur anwenden.
- Eigene Deutungen begründen und alternative Interpretationen fair prüfen.
Medienimpulse (Video)
Grundlagen: Was ist Macht?
Begriffe unterscheiden: Macht, Herrschaft, Autorität
Macht bedeutet: Jemand kann das Verhalten anderer beeinflussen oder Entscheidungen durchsetzen – auch gegen Widerstand.
Herrschaft ist Macht, die als „gültig“ anerkannt wird (z.B. durch Tradition, Recht, Charisma).
Autorität meint anerkannte Geltung, oft ohne offenen Zwang (z.B. Lehrkraft, Richterin, Expertin).
Klassische Perspektiven, die in der Literaturanalyse helfen
- Max Weber: Herrschaftsformen (traditionell, charismatisch, legal-rational) – hilfreich für Königreiche, Diktaturen, Institutionen im Text.
- Michel Foucault: Macht wirkt auch „unsichtbar“ über Diskurse, Normen, Überwachung und Disziplin – sehr passend für moderne Romane, Schule, Klinik, Gefängnis, Bürokratie.
- Pierre Bourdieu: Symbolische Macht durch Habitus, Kapital (ökonomisch, kulturell, sozial) – passend für Klassenunterschiede, Bildungsaufstieg, Status.
Macht literarisch analysieren: Werkzeugkasten
1. Figuren und Beziehungen
Untersuche eine Figur nicht isoliert, sondern als Teil einer Figurenkonstellation:
- Wer entscheidet?
- Wer gehorcht (freiwillig oder gezwungen)?
- Wer profitiert?
- Wer leidet?
- Welche Abhängigkeiten bestehen (Geld, Angst, Liebe, Schuld, Wissen)?
2. Mittel der Macht (im Text sichtbar machen)
Typische Machtmittel in Literatur:
- Gewalt und Drohung (körperlich, psychisch)
- Sprache und Rhetorik (Befehl, Ironie, Euphemismus, Propaganda)
- Wissen und Geheimnisse (Akten, Briefe, Daten, Gerüchte)
- Rolle und Institution (Amt, Uniform, Titel, Regeln)
- Symbole (Krone, Waffen, Geld, Räume, Kleidung)
3. Erzähltechnik als Machtfaktor
Die Erzählperspektive steuert, was Du wissen darfst:
- Ich-Erzähler: Kann manipulieren oder täuschen (unzuverlässiges Erzählen).
- Auktorialer Erzähler: Wirkt wie „allwissend“ – das kann Autorität erzeugen.
- Personales Erzählen: Macht durch Begrenzung des Blicks – Du teilst Ohnmacht oder Wissen einer Figur.
4. Raum, Körper, Blick: Macht als Inszenierung
Macht wird oft über Räume und Blicke gezeigt: Thronsaal, Gericht, Klassenzimmer, Büro, Gefängnis.
Frage: Wer darf wohin? Wer beobachtet wen?

5. Sprache, Stil und Ideologie
Achte auf:
- Wortfelder (Ordnung, Reinheit, Feind, Schuld, Ehre)
- Metaphern (Staat als Körper, Volk als Familie)
- Framing (Wie werden Gruppen benannt?)
- Sprechakte (Befehlen, Drohen, Versprechen, Entschuldigen)
Macht in Genres: typische Muster
Drama: Macht als Bühne, Maske, Konflikt
Im Drama erscheint Macht in direkten Dialogen, Drohungen, Unterwerfung und öffentlichen Szenen.
Achte auf Regieanweisungen: Wer steht wo? Wer unterbricht wen? Wer bekommt Applaus oder Schweigen?
Roman: Macht über Zeit, Innenwelt, Gesellschaft
Im Roman werden Machtverhältnisse oft komplex: Institutionen, Klassen, Familien, Liebesbeziehungen.
Besonders wichtig: Erzählzeit (Rückblenden), Innerer Monolog, Erzählinstanz.
Lyrik: Macht in Stimme, Perspektive, Form
In Lyrik kann Macht über „Stimme“ und Form wirken: Wer spricht? Wer wird angesprochen?
Achte auf Sprechsituation, Reim, Rhythmus, Anrede und Ironie.
Beispiele aus der Literatur (Anregungen für den Unterricht)
Macht und Staat
Typische Textfelder:
- Dystopie (Überwachung, Propaganda, Kontrolle)
- Utopie (ideale Ordnung – oft mit versteckter Unterdrückung)
- Totalitarismus in Erzählungen (Zensur, Angst, Gleichschaltung)
Macht und Karriere: Inszenierung von Größe
Macht wird häufig als Bild von „Größe“ inszeniert: Held, Feldherr, Retterfigur.
Analysiere: Ist das Bewunderung, Kritik oder Propaganda?

Macht im Alltag: Schule, Familie, Arbeit
Literatur zeigt Macht oft in scheinbar „kleinen“ Situationen:
- Gesprächsdominanz (wer setzt Themen?)
- Schuld und Abhängigkeit
- Statussymbole
- Normen und „was man darf“
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt Macht im literarischen Kontext am treffendsten? (Die Fähigkeit, Verhalten und Entscheidungen anderer zu beeinflussen oder durchzusetzen) (!Nur körperliche Gewalt) (!Nur politische Ämter) (!Nur Reichtum)
Welche Erzählform kann besonders stark mit „unzuverlässigem Erzählen“ arbeiten? (Ich-Erzähler) (!Auktorialer Erzähler) (!Szenisches Erzählen) (!Stummes Erzählen)
Welche Kategorie passt am besten zu Webers „legal-rationaler“ Herrschaft? (Recht und Bürokratie) (!Magie und Orakel) (!Familienälteste ohne Regeln) (!Reine Körperkraft)
Wofür steht bei Michel Foucault das Panoptikum als Modell besonders? (Überwachung und Disziplin) (!Romantische Liebe) (!Naturerlebnis) (!Komödie)
Was ist ein typisches Machtmittel in Dialogen? (Rhetorik: Drohung, Befehl, Deutungshoheit) (!Nur Reime) (!Nur Landschaftsbeschreibungen) (!Nur Fußnoten)
Welche Analysefrage gehört zur Figurenkonstellation? (Wer ist von wem abhängig – und wodurch?) (!Wie viele Seiten hat das Buch?) (!Welche Schriftart wurde gedruckt?) (!Wie schwer ist der Roman?)
Was meint Symbolische Macht bei Pierre Bourdieu besonders? (Ansehen und kulturelle Deutungshoheit, die als „normal“ gilt) (!Nur militärische Stärke) (!Nur Zufall im Plot) (!Nur Lautstärke beim Sprechen)
Welche Erzähltechnik kann Macht auch durch Informationsentzug zeigen? (Personales Erzählen mit begrenztem Wissen) (!Alphabetische Kapitelordnung) (!Gedichtform Sonett) (!Reimlexikon)
Welche Aussage passt zur Analyse von Diskursen? (Sprache ordnet Wirklichkeit und kann bestimmen, was als „wahr“ gilt) (!Wörter sind in Literatur immer neutral) (!Diskurse betreffen nur Physik) (!Diskurse sind identisch mit Reimen)
Welche Ebene ist für „Macht als Inszenierung“ besonders relevant? (Raum, Körper, Blick, Bühne) (!Papierqualität) (!ISBN-Nummer) (!Druckerschwärze)
Memory
| Herrschaft | Legitimität |
| Diskurs | Deutungshoheit |
| Panoptikum | Überwachung |
| Symbol | Krone |
| Propaganda | Manipulation |
| Habitus | Status |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Akteur | handelt und entscheidet |
| Ressource | Mittel zur Durchsetzung |
| Legitimation | Begründung von Geltung |
| Sanktion | Strafe oder Konsequenz |
| Widerstand | Gegenwehr und Protest |
Kreuzworträtsel
| Herrschaft | Begriff für anerkannte Machtform |
| Diskurs | Sprachordnung, die „Wahrheit“ mitprägt |
| Charisma | Ausstrahlung als Quelle von Gefolgschaft |
| Habitus | Verinnerlichte Muster von Auftreten und Geschmack |
| Symbolik | Bedeutungswelt von Zeichen im Text |
| Zensur | Kontrolle von Veröffentlichungen und Aussagen |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Figurenanalyse: Wähle eine Kurzgeschichte und markiere drei Textstellen, in denen eine Figur Macht ausübt. Beschreibe jeweils Mittel und Wirkung.
- Erzählperspektive: Schreibe eine Szene (ca. 200 Wörter) einmal als Ich-Erzählung und einmal personal. Zeige, wie sich Macht durch Wissen verändert.
- Symbol: Sammle fünf Symbole für Macht (z.B. Krone, Uniform, Schlüssel) und erkläre, wie sie in einem Text eingesetzt werden könnten.
- Dialoganalyse: Nimm einen Dialog aus einem Drama und markiere Unterbrechungen, Befehle, Fragen. Deute: Wer dominiert warum?
Standard
- Diskursanalyse: Untersuche in einem Roman-Kapitel, welche Begriffe für „Ordnung“ und „Abweichung“ verwendet werden. Was gilt als normal?
- Figurenkonstellation: Erstelle eine Beziehungsgrafik (Wer beeinflusst wen?) und begründe mit Textbelegen, wo Abhängigkeiten entstehen.
- Rhetorik: Analysiere eine Rede im Text (oder eine monologische Passage): Welche Strategien (Versprechen, Angst, Feindbild) werden genutzt?
- Intertextualität: Finde ein Motiv der Macht (z.B. Thron, Gericht, Überwachung) in zwei unterschiedlichen Texten und vergleiche die Wirkung.
Schwer
- Foucault: Entwickle eine Deutung, wie „unsichtbare Macht“ im Text wirkt (Normen, Blicke, Routinen). Belege mit mindestens fünf Textstellen.
- Bourdieu: Analysiere eine Szene als Konflikt um kulturelles Kapital oder symbolisches Kapital. Wer gewinnt Anerkennung, wer verliert?
- Dystopie: Entwirf ein kurzes Dystopie-Konzept (Setting, Regeln, Sanktionen) und schreibe die Eröffnungsszene, die Machtstrukturen zeigt.
- Szenische Interpretation: Inszeniere (als Video oder Standbild-Serie) eine Machtumkehr-Szene: Einmal „Original“, einmal mit vertauschten Rollen.


Lernkontrolle
- Interpretation: Erkläre an einem Text, wie Machtmittel (Sprache, Raum, Wissen) zusammenwirken, statt nur einzelne Beispiele aufzuzählen.
- Transfer: Übertrage ein Machtkonzept (Weber, Foucault oder Bourdieu) auf eine aktuelle Situation (Schule, Social Media, Politik) und ziehe Parallelen zum Text.
- Perspektivwechsel: Schreibe eine Schlüsselszene aus Sicht der unterlegenen Figur um und begründe, wie sich Deine Deutung dadurch verändert.
- Argumentation: Formuliere eine These zur Legitimität von Macht im Text und widerlege Deine eigene These mit mindestens zwei Gegenargumenten.
- Ethik: Diskutiere, wann Widerstand im Text moralisch gerechtfertigt erscheint. Nutze Textbelege und mindestens ein ethisches Prinzip (z.B. Menschenwürde).
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