Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane


Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
Einleitung
Irrungen, Wirrungen ist ein zentraler Roman des poetischen Realismus von Theodor Fontane. Im Mittelpunkt steht eine Liebe, die an Standesgrenzen und gesellschaftlichen Konventionen scheitert: Der Offizier Botho von Rienäcker und die bürgerlich-kleinbürgerliche Näherin Lene Nimptsch erleben Nähe, Verantwortung und Zuneigung – und geraten doch in ein Netz aus Erwartungen, Pflichten und „Vernunft“. Du lernst, wie Fontane mit scheinbar „alltäglichen“ Szenen ein präzises Bild der Gesellschaft im Kaiserreich zeichnet und warum der Roman bis heute im Deutschunterricht gelesen wird.




So arbeitest Du in diesem aiMOOC
Du liest Input-Texte, löst interaktive Aufgaben und bearbeitest offene Aufgaben von Leicht bis Schwer. Am Ende überprüfst Du Dein Verständnis mit einer Lernkontrolle und sammelst OER-Materialien.
Lernziele
Was Du nach dem Kurs kannst
- Handlung und Figurenkonstellation sicher zusammenfassen (ohne wichtige Wendepunkte zu verwechseln).
- Zentrale Themen wie Standesunterschied, Ehe, Geschlechterrolle und Sozialkritik am Text belegen.
- Fontanes Erzählweise (z. B. Erzählperspektive, Dialog, Ironie) analysieren.
- Eine begründete Deutung formulieren: Warum treffen Figuren „vernünftige“ Entscheidungen – und was kostet sie das?
- Bezüge zur Gegenwart herstellen (z. B. soziale Milieus, Beziehungserwartungen, Karriere-/Familienentscheidungen).
Input: Autor, Werk, Kontext
Theodor Fontane und der poetische Realismus
Theodor Fontane gilt als Hauptautor des deutschen Realismus. Typisch für Fontane sind genaue Milieuschilderungen, subtile Ironie und Dialoge, die gesellschaftliche Regeln sichtbar machen. Der poetische Realismus zeigt Wirklichkeit nicht „roh“, sondern künstlerisch geformt: Das Alltägliche wird zum Spiegel für große Fragen (Liebe, Moral, Macht, Freiheit).
Entstehung und Veröffentlichung
Irrungen, Wirrungen erschien zunächst 1887 als Fortsetzungsdruck (Zeitungs-/Zeitschriftenpublikation) und 1888 als Buch. Der Untertitel der Erstveröffentlichung verweist auf eine „Berliner Alltagsgeschichte“: Berlin ist nicht nur Kulisse, sondern sozialer Resonanzraum, in dem Klassen- und Rollenbilder ständig mitschwingen.
Schauplätze und soziale Räume
Fontanes Berlin ist ein Netz aus Orten, die zugleich soziale Grenzen markieren:
- Garten-/Sommeridylle (Rückzug, scheinbare Freiheit, intime Gespräche)
- Stadt und Repräsentation (Beobachtung, Gerede, Erwartungsdruck)
- Militärisches und Adeliges Umfeld (Ehre, Karriere, Heiratslogik)
- Kleinbürgerliche Arbeitssphäre (Existenzsicherung, Pragmatismus, Solidarität)
Figuren (Überblick)
- Lene Nimptsch: Näherin; reflektiert, warmherzig, realistisch; sie kennt die Grenzen ihrer Zeit und wägt Verantwortung gegen Wunsch.
- Botho von Rienäcker: Offizier aus dem Adel; sympathisch, aber in Pflichtgefühle, Standesnormen und Karrierepfade eingebunden.
- Käthe (Käthe von Sellenthin): „passende“ Heirat aus Sicht der Gesellschaft; steht für Standeslogik, Familieninteressen und Repräsentation.
- Frau Nimptsch (Lenes Pflege-/Bezugsperson): Stimme der Erfahrung; Alltagsethik statt romantischer Ideale.
- Nebenfiguren (Freunde, Familie, Bekannte): Sie erzeugen „Hintergrundrauschen“ aus Gerede, Normen, Erwartungen – also sozialen Druck.
Input: Handlung und Deutung
Handlung in verständlichen Schritten
Fontane erzählt keine „Action“, sondern eine präzise Entwicklung von Bindung und Trennung:
- Botho und Lene nähern sich an: Zuneigung entsteht in Gesprächen, gemeinsamen Wegen, stiller Vertrautheit.
- Beide wissen früh, dass ihre Beziehung gesellschaftlich „nicht passt“: Der Standesunterschied ist dauerhaft präsent.
- Botho wird stärker an Erwartungen gebunden (Familie, Regiment, „Zukunft“): Die Beziehung gerät in die Logik der „Vernunft“.
- Die Trennung erfolgt nicht als Skandal, sondern als schmerzhafte Anpassung.
- Beide gehen neue Ehen ein: Formal „geordnet“, innerlich jedoch ambivalent – Fontane zeigt die Kosten der Konvention.
Zentrale Themen (mit Denkimpulsen)
- Standesunterschied und Sozialstruktur: Wer darf wen lieben – und wer entscheidet das?
- Konvention und Moral: Warum wirkt gesellschaftliche Sitte stärker als individuelle Gefühle?
- Ehe als Institution: Ist Ehe bei Fontane Liebe, Vertrag, Versorgung, Status – oder alles zugleich?
- Geschlechterrollen: Welche Handlungsspielräume haben Lene und Botho – und welche nicht?
- Kommunikation und Dialog: Wie wird in Gesprächen „nebenbei“ Macht ausgeübt (Andeutungen, Ton, Schweigen)?
- Ironie und leiser Kommentar: Fontane wertet selten direkt, aber macht Widersprüche sichtbar.
Erzähltechnik: Was macht Fontanes Stil aus?
Fontane nutzt häufig Dialoge und scheinbar beiläufige Beobachtungen. Gerade das Unausgesprochene (Blicke, Pausen, Formulierungen) zeigt soziale Regeln. Achte beim Lesen auf:
- Erzählperspektive und Distanz: Wie nah bist Du an einer Figur – und wann tritt der Erzähler zurück?
- Motive wie „Alltag“, „Gerede“, „Ordnung“, „Vernunft“.
- Symbolische Orte (Garten, Straße, Salon): Räume „sprechen“ über Gesellschaft.
Interpretation: Eine mögliche Leitthese
Eine starke Lesart lautet: Der Roman zeigt, wie eine Gesellschaft Beziehungen organisiert – und wie Menschen sich darin zugleich anpassen und leiden. Wichtig: Es geht nicht um „Schuld“ einzelner Figuren, sondern um ein System aus Klasse, Status, Abhängigkeit und Erwartung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer ist die zentrale weibliche Hauptfigur in „Irrungen, Wirrungen“? Lene Nimptsch (!Effi Briest) (!Jenny Treibel) (!Stine)
In welcher Stadt spielt der Roman überwiegend? Berlin (!München) (!Hamburg) (!Dresden)
Welche soziale Konstellation steht im Mittelpunkt des Konflikts? Liebe über Standesgrenzen hinweg (!Kriminalfall mit Detektiv) (!Reiseabenteuer in Italien) (!Politthriller im Reichstag)
Wie heißt der männliche Protagonist? Botho von Rienäcker (!Geert von Innstetten) (!Egon von Rautenberg) (!Leutnant Trotta)
Wie kann man Fontanes literarische Epoche am besten einordnen? Poetischer Realismus (!Expressionismus) (!Romantik) (!Sturm und Drang)
Was ist ein wiederkehrendes Spannungsfeld im Roman? Gefühl versus Konvention (!Magie versus Wissenschaft) (!Natur versus Technik) (!Mythos versus Religion)
Welche Rolle spielt die Ehe im Roman besonders? Sie erscheint als gesellschaftliche Institution mit Regeln (!Sie kommt gar nicht vor) (!Sie ist nur religiöses Ritual ohne soziale Bedeutung) (!Sie wird ausschließlich als Abenteuer dargestellt)
Welche Erzählweise prägt den Roman häufig? Dialogreiche, alltagsnahe Darstellung (!Ich-Erzählung als Tagebuch) (!Reimform wie Ballade) (!Nur Briefroman ohne Erzähler)
Was ist eine plausible Wirkung von Fontanes Ironie? Sie macht gesellschaftliche Widersprüche sichtbar (!Sie ersetzt jede Figurenentwicklung) (!Sie dient nur der Schockwirkung) (!Sie verhindert jedes Textverständnis)
Was ist ein typisches Merkmal der Handlung? Leise, schrittweise Entwicklung statt dramatischem Skandal (!Permanente Verfolgungsjagden) (!Fantastische Wesen bestimmen die Welt) (!Große Schlachten stehen im Zentrum)
Memory
| Poetischer Realismus | Alltagsnähe mit künstlerischer Form |
| Standesunterschied | soziale Grenze zwischen Figuren |
| Berlin | zentraler Handlungsraum |
| Dialog | wichtiges Mittel der Charakterisierung |
| Konvention | gesellschaftliche Erwartungsnorm |
| Ehe | Institution zwischen Gefühl und Pflicht |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stand | soziale Herkunft und Status |
| Konvention | gesellschaftliche Verhaltensregel |
| Dialog | Gespräch als Erzählmittel |
| Ironie | indirekter, oft leiser Kommentar |
| Milieu | soziales Umfeld und Lebensweise |
Kreuzworträtsel
| Rienaecker | Wie heißt Botho mit Nachnamen (ohne Umlaut)? |
| Nimptsch | Wie heißt Lene mit Nachnamen? |
| Berlin | In welcher Stadt spielt der Roman überwiegend? |
| Konvention | Was zwingt die Figuren zu „vernünftigen“ Entscheidungen? |
| Realismus | In welcher literarischen Strömung ist Fontane ein Hauptautor? |
| Vossische | In welcher Zeitung erschien die Erstveröffentlichung (ein Wort)? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Figurensteckbrief: Erstelle zu Lene Nimptsch einen Steckbrief mit 8–10 Eigenschaften und belege mindestens 3 davon mit kurzen Textstellen (Kapitel/Seitenangabe aus Deiner Ausgabe).
- Schauplatzbeschreibung: Suche ein historisches Bild von Berlin (19. Jahrhundert) und schreibe eine passende Schauplatzbeschreibung (120–180 Wörter) im Stil eines realistischen Erzählers.
- Dialoganalyse: Wähle einen Dialog zwischen Lene und Botho und markiere 5 Stellen, an denen „zwischen den Zeilen“ etwas Wichtiges mitschwingt (Andeutung, Schweigen, Tonfall).
- Beziehungsdiagramm: Zeichne ein Beziehungsdiagramm der wichtigsten Figuren und notiere zu jeder Verbindung ein Stichwort (z. B. Pflicht, Fürsorge, Status, Eifersucht).
Standard
- Interpretation: Formuliere eine Deutungsthese (1 Satz) und stütze sie mit 3 Argumenten aus dem Text (je 3–4 Sätze).
- Milieuanalyse: Beschreibe zwei Milieus im Roman (z. B. Adel/Militär vs. kleinbürgerliche Arbeitssphäre) und erläutere, wie Sprache und Orte die Milieus markieren.
- Symbol: Untersuche einen Ort (Garten, Straße, Salon) als Symbol für Freiheit oder Begrenzung und schreibe einen kurzen Analyseabschnitt (180–250 Wörter).
- Vergleich: Vergleiche die Entscheidungssituation von Botho oder Lene mit einer modernen Situation (z. B. Karriere vs. Beziehung, Familienerwartungen). Stelle 3 Gemeinsamkeiten und 3 Unterschiede heraus.
Schwer
- Szenische Interpretation: Inszeniere eine Schlüsselszene als kurzes Theaterstück (2–3 Seiten) und setze Regieanweisungen ein, die sozialen Druck sichtbar machen (Blicke, Abstand, Pausen).
- Erzählperspektive: Schreibe eine Szene aus Lenes Perspektive als inneren Monolog (250–350 Wörter) und reflektiere, welche Informationen dadurch neu wirken.
- Sozialkritik: Verfasse einen Essay (600–900 Wörter): Zeigt Fontane eher Individuen in Not oder ein gesellschaftliches System? Nutze mindestens 5 Textbelege.
- Kreatives Projekt: Produziere ein 2–4-minütiges Video oder Podcast-Segment, das die Leitthese „Gefühl versus Konvention“ erklärt. Baue 2 kurze Zitate (sinngemäß) ein und erkläre sie.


Lernkontrolle
- Transfer: Erkläre an einem selbstgewählten Beispiel aus dem Roman, wie ein Ort (z. B. Garten/Salon/Straße) eine soziale Regel sichtbar macht.
- Begründete Bewertung: War die Trennung aus Sicht der Figuren „rational“? Begründe differenziert: je 2 Argumente dafür und dagegen, bezogen auf die damalige Gesellschaft.
- Perspektivwechsel: Schreibe einen kurzen Brief (200–250 Wörter) von einer Nebenfigur an Lene oder Botho: Welche Normen werden darin verteidigt oder kritisiert?
- Ursache-Wirkung: Erstelle eine Kausalkette mit mindestens 6 Gliedern: Welche Entscheidungen führen schrittweise zum Ausgang? Beschreibe nicht nur Ereignisse, sondern Motive.
- Gegenwartsbezug: Entwickle ein aktuelles Fallbeispiel (z. B. soziale Milieus, Bildungswege, Familienerwartungen) und erkläre, welche Aspekte des Romans helfen, es zu verstehen – und wo der Roman an Grenzen stößt.
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