

Glosse
Glosse (Deutsch / Aufsatzunterricht)

Einleitung
Eine Glosse ist ein kurzer, pointierter Meinungsbeitrag, der ein aktuelles Thema oft satirisch, ironisch oder polemisch beleuchtet. In Schule, Ausbildung und Studium ist die Glosse eine spannende Übungsform, weil Du dabei präzise formulieren, Stilmittel gezielt einsetzen und am Ende eine Pointe setzen musst. Du lernst, wie man aus einem scheinbar kleinen Anlass (z.B. eine Schulregel, ein Trend, ein Aushang, eine Nachricht) einen Text macht, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig unterhält.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- eine Glosse von Kommentar und Bericht unterscheiden
- Themen finden, zuspitzen und eine klare Haltung entwickeln
- typische Stilmittel wie Ironie, Übertreibung (Hyperbel), Wortspiel und Kontrast sicher nutzen
- eine Glosse strukturiert planen (Einstieg, Zuspitzung, Wendung, Pointe)
- Glossen überarbeiten (Sprachrhythmus, Kürzen, Schlussgag)
Medien zum Einstieg
Grundlagen: Was ist eine Glosse?
Definition und Abgrenzung
Die Glosse ist eine journalistische Textsorte: meist kurz, pointiert und mit einer erkennbaren Haltung. Sie greift häufig ein aktuelles Ereignis oder Problem auf und kommentiert es mit Witz, Spott oder eleganter Schärfe. Im Unterschied zum Kommentar wirkt die Glosse weniger „amtlich“ oder systematisch argumentierend, sondern eher spielerisch, überraschend und sprachlich „funkelnd“. Im Unterschied zum Bericht steht nicht die neutrale Information im Mittelpunkt, sondern die Bewertung und Zuspitzung.
Typische Merkmale
- Aktualität: Bezug zu einem Ereignis, Trend oder Alltagsphänomen
- Kürze: klare Auswahl, kein Abschweifen
- Zuspitzung: bewusstes Schärfen eines Aspekts
- Stil: Sprachwitz, Rhythmus, prägnante Bilder
- Stilmittel: Ironie, Hyperbel, Sarkasmus (sparsam), Wortspiel, Metapher
- Pointe: überraschender Schluss, der den Blick kippt oder das Thema „knackt“
Wo begegnet Dir die Glosse?
Glossen findest Du als Kolumne in Zeitung und Online-Journalismus, manchmal auch im Hörfunk oder Fernsehen. Häufig erscheinen sie regelmäßig an einer festen Stelle, damit Leserinnen und Leser den Stil der Autorin oder des Autors wiedererkennen.
Schreibwerkstatt: So entsteht eine Glosse

Schritt 1: Themen finden, die „glossentauglich“ sind
Gute Glossen-Themen sind „klein genug“ für Kürze, aber „groß genug“ für Bedeutung. Beispiele:
- Schulalltag: Handyregeln, Pausenhof-Phänomene, Mensa-Mythen
- Medien: Trends, Influencer-Sprache, Clickbait-Überschriften
- Alltag: Warteschlangen, Paketdienste, Nachbarschaftszettel
- Politik: nur wenn Du Fakten sauber trennst und keine falschen Behauptungen aufstellst
Schritt 2: Haltung und Blickwinkel festlegen
Eine Glosse braucht eine erkennbare Perspektive. Frage Dich:
- Worüber wundere ich mich?
- Was ist daran widersprüchlich?
- Welche Regel, Gewohnheit oder Sprache wirkt absurd?
- Welche Übertreibung macht das sichtbar?
Schritt 3: Glossen-Plan in 4 Bausteinen
- Einstieg mit Haken: Beobachtung, Mini-Szene, überraschende Frage oder scheinbar ernstes Statement
- Zuspitzung: ein Aspekt wird größer gemacht (Übertreibung, Vergleich, ironische Logik)
- Wendung: Du drehst den Blick (Kontrast, Perspektivwechsel, „eigentlich“-Moment)
- Pointe: kurzer, starker Schluss (unerwartet, aber passend)
Schritt 4: Sprache, die knallt (aber nicht schreit)
- Nutze konkrete Bilder statt allgemeiner Wörter (nicht „schlecht“, sondern „wie ein nasser Pappkarton“)
- Schreibe kurze Sätze für Tempo und Punch
- Setze Wortspiele nur dort ein, wo sie wirklich tragen
- Achte auf Ton (witzig, staunend, leicht bissig), aber ohne Beleidigungen
- Vermeide endlose Erklärungen: Eine Glosse lebt vom Auslassen und Andeuten
Schritt 5: Überarbeiten wie Profis
Überarbeitung ist bei der Glosse entscheidend:
- Kürze 20 Prozent: Streiche alles, was nicht zur Pointe führt
- Prüfe die Pointe: Kommt sie wirklich überraschend?
- Prüfe die Fakten: Keine erfundenen Behauptungen als Tatsachen
- Lies laut: Klang, Rhythmus, Komik funktionieren oft erst beim Hören
- Testleser: Versteht eine andere Person den Witz ohne Zusatz-Erklärung?
Stilmittel-Koffer für Glossen

Wichtige Stilmittel (mit Wirkung)
- Ironie: Du sagst das Gegenteil, meinst aber das Richtige (Leserinnen und Leser müssen es merken können)
- Hyperbel: Du machst etwas bewusst zu groß oder zu klein
- Vergleich: Du setzt zwei Dinge überraschend in Beziehung
- Metapher: Du nutzt Bilder, um eine Idee zu verdichten
- Wortspiel: Doppeldeutigkeiten, Klangähnlichkeiten, überraschende Bedeutungswechsel
- Kontrast: ernst vs. komisch, groß vs. klein, offiziell vs. Alltag
- Rhetorische Frage: als Impuls, nicht als echte Frage
Mini-Beispiel (Struktur sichtbar)
Einstieg: Du beobachtest etwas scheinbar Normales.
Zuspitzung: Du tust so, als sei es ein weltpolitisches Problem.
Wendung: Du zeigst die Absurdität der Logik.
Pointe: Ein kurzer Satz, der alles umdreht.
Qualitätskriterien im Aufsatzunterricht
Eine starke Glosse erfüllt diese Kriterien:
- Themenbezug und Aktualität sind klar
- Haltung ist erkennbar, ohne zu predigen
- Kürze und Stringenz: keine Nebenwege
- Sprachliche Gestaltung (Stilmittel sinnvoll, nicht zufällig)
- Pointe ist wirklich ein Schluss, nicht eine Zusatz-Erklärung
- Adressatenbezug: Du schreibst so, dass Dein Publikum den Kontext versteht
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das zentrale Ziel einer Glosse? (Ein Thema pointiert und oft satirisch zu kommentieren) (!Ein Ereignis vollständig und neutral zu berichten) (!Eine wissenschaftliche Untersuchung zu dokumentieren) (!Eine Anleitung Schritt für Schritt zu erklären)
Welche Textsorte ist der Glosse am ähnlichsten? (Kommentar) (!Märchen) (!Protokoll) (!Sachbericht)
Welche Eigenschaft passt besonders zur Glosse? (Kürze und Zuspitzung) (!Lange Beweisführung mit Fußnoten) (!Reine Aufzählung von Fakten ohne Haltung) (!Mehrere Kapitel mit Unterkapiteln)
Welche Rolle spielt die Pointe? (Sie bildet einen überraschenden, passenden Schluss) (!Sie ist eine lange Einleitung) (!Sie ersetzt alle Fakten) (!Sie ist immer eine Beleidigung)
Welches Stilmittel ist für Glossen typisch? (Ironie) (!Alliteration als Pflicht in jedem Satz) (!Reim in jedem Absatz) (!Dialog als einzige Form)
Was bedeutet „Übertreibung“ als Stilmittel in der Glosse? (Einen Aspekt bewusst zu groß oder zu klein darstellen) (!Ein Thema ohne Beispiele zu erklären) (!Viele Fremdwörter zu benutzen) (!Alle Sätze gleich lang zu schreiben)
Woran erkennst Du, dass ein Text eher Bericht als Glosse ist? (Er informiert überwiegend neutral ohne Zuspitzung) (!Er endet mit einer überraschenden Pointe) (!Er arbeitet stark mit Ironie) (!Er spielt mit Wortbedeutungen)
Welche Überarbeitungsstrategie ist für Glossen besonders wichtig? (Kürzen und Schärfen bis zur Pointe) (!Mehr Nebenthemen hinzufügen) (!Jeden Satz in einen langen Satz umbauen) (!Alle Stilmittel entfernen)
Was ist beim Umgang mit Fakten in einer Glosse richtig? (Fakten müssen stimmen, auch wenn der Ton satirisch ist) (!In einer Glosse darf man Fakten frei erfinden) (!Je absurder, desto besser, egal ob wahr) (!Man soll Quellen grundsätzlich weglassen)
Welche Struktur ist für viele Glossen hilfreich? (Einstieg, Zuspitzung, Wendung, Pointe) (!Einleitung, Hauptteil, Literaturverzeichnis, Anhang) (!These, Beweis, Gegenbeweis, Beweis) (!Aufzählung, Aufzählung, Aufzählung, Aufzählung)
Memory
| Ironie | Gegenteil sagen, anderes meinen |
| Pointe | überraschender Schluss |
| Hyperbel | bewusste Übertreibung |
| Kolumne | regelmäßig an fester Stelle |
| Zuspitzung | einen Aspekt schärfen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Einstieg | Beobachtung mit Haken |
| Zuspitzung | Aspekt wird größer gemacht |
| Wendung | Perspektivwechsel oder Kontrast |
| Pointe | kurzer Schluss mit Überraschung |
| Überarbeitung | Kürzen und Schärfen |
Kreuzworträtsel
| Ironie | Stilmittel: Gegenteil sagen, anderes meinen |
| Pointe | Glossen-Schluss: überraschender Dreh |
| Satire | Spöttische, kritische Darstellungsweise |
| Kolumne | Regelmäßiger Text an fester Stelle |
| Hyperbel | Fachbegriff für Übertreibung |
| Spott | Bissiger Witz mit Kritik |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Themenliste: Sammle zehn mögliche Glossen-Themen aus Deinem Schul- oder Alltagsleben und markiere drei davon, die sich am besten zuspitzen lassen.
- Perspektive: Schreibe zu einem Thema drei verschiedene Blickwinkel (z.B. Schülerin, Hausmeister, Smartphone) und notiere jeweils eine mögliche Pointe-Idee.
- Stilmittel: Formuliere fünf neutrale Sätze um, sodass sie jeweils eine klare Ironie enthalten, ohne beleidigend zu werden.
- Überschrift: Erfinde zu einer kurzen Nachricht (z.B. aus dem Schulchat) drei glossentaugliche Überschriften mit Wortspiel.
Standard
- Glossenplan: Erstelle für ein aktuelles Thema einen Plan mit Einstieg, Zuspitzung, Wendung und Pointe und schreibe danach eine Glosse mit 120–180 Wörtern.
- Hyperbel: Schreibe eine Glosse, in der Du einen kleinen Anlass (z.B. vergessene Hausaufgaben) so behandelst, als wäre es eine „Staatskrise“.
- Dialog: Verfasse eine Glosse, die an zwei Stellen kurze Mini-Dialoge nutzt (je 1–2 Zeilen), um die Zuspitzung zu steigern.
- Revision: Tausche Deine Glosse mit einer anderen Person. Markiere gegenseitig Stellen, die zu lang sind, und kürzt jeweils 15 Prozent, ohne die Pointe zu verlieren.
Schwer
- Medienkritik: Schreibe eine Glosse über Clickbait oder Trend-Sprache, aber baue dabei zwei echte Argumente ein, die unter dem Witz „mitlaufen“.
- Ton und Ethik: Überarbeite eine bissige Glosse so, dass sie kritisch bleibt, aber ohne Abwertung von Gruppen auskommt. Begründe Deine Entscheidungen im Nachsatz (3–5 Sätze).
- Stil-Experiment: Schreibe dieselbe Glosse zweimal: einmal „scheinbar ernst“ und einmal „offen witzig“. Vergleiche Wirkung und Pointe.
- Performance: Nimm Deine Glosse als Audio (1 Minute) auf und arbeite am Rhythmus: Pausen, Betonung, Pointe. Reflektiere anschließend, was sich am Text ändern musste.


Lernkontrolle
- Transfer: Erkläre an einem selbstgewählten Beispiel, wie Ironie und Hyperbel zusammenwirken, ohne dass der Text unfair oder beleidigend wird.
- Vergleich: Vergleiche eine Glosse mit einem Kommentar: Welche Wirkung hat die Textform auf Leserinnen und Leser und warum?
- Wirkungsanalyse: Analysiere, wie die Pointe Deine Bewertung des Themas verändert. Beschreibe den „Dreh“ in eigenen Worten.
- Überarbeitungskompetenz: Zeige an zwei Textstellen, wie Kürzen die Schärfe steigern kann. Begründe Deine Kürzungen.
- Adressatenbezug: Passe dieselbe Glosse an zwei Zielgruppen an (z.B. Unterstufe vs. Erwachsene). Was ändert sich bei Wortwahl, Kontext und Pointe?
OERs zum Thema
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