

Texterörterung

Einleitung
Die Texterörterung (auch Erörterung genannt) ist eine zentrale Schreibform im Deutschunterricht. Du setzt Dich dabei mit einer strittigen Frage auseinander, erklärst Hintergründe, ordnest Argumente und begründest ein Urteil. Ziel ist nicht „laut zu gewinnen“, sondern logisch, fair und nachvollziehbar zu argumentieren, damit Leserinnen und Leser sich eine begründete Meinung bilden können.
Im Unterricht begegnen Dir vor allem drei Varianten:
- Freie Erörterung: Du argumentierst ohne konkrete Textvorlage zu einer Sachfrage.
- Textgebundene Erörterung: Du nimmst eine Textvorlage als Ausgangspunkt, analysierst Kernaussagen und setzt Dich argumentativ damit auseinander.
- Materialgestütztes Schreiben: Du nutzt mehrere Materialien (Statistiken, Texte, Grafiken) und formulierst daraus eine begründete Position, mit klaren Quellenangaben.
Merksatz: Eine Texterörterung verbindet Verstehen (Thema/Text/Material) mit Bewerten (Argumente prüfen) und Begründen (eigener Standpunkt mit Belegen).
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du …
- den Zweck und die Merkmale einer Erörterung erklären.
- zwischen linearer und dialektischer Erörterung unterscheiden.
- eine sinnvolle Gliederung (Einleitung–Hauptteil–Schluss) erstellen.
- Argumente als These–Begründung–Beleg/Beispiel formulieren.
- Materialien korrekt auswerten und als Zitate oder Paraphrasen mit Quelle einbauen.
- typische Fehler erkennen und verbessern (Logik, Sprache, Struktur).
Medien zum Einstieg

Grundlagen: Was ist eine Texterörterung?
Eine Erörterung ist eine essayistische Textform. Du arbeitest die „Kernpunkte“ (Topoi) eines Sachverhalts heraus, ordnest sie und begründest ein Sachurteil. Im schulischen Kontext ist sie neben der Interpretation eine der wichtigsten Aufsatzformen.
Wann schreibt man eine Texterörterung?
Typische Anlässe im Deutschunterricht:
- Stellungnahme zu einer provokanten Aussage (z.B. „Sollte der Schultag später beginnen?“).
- Auseinandersetzung mit einem Kommentar/Artikel (textgebunden).
- Argumentieren auf Basis von Materialien (Diagramm, Statistik, Kurztexte).
Zentrale Qualitätskriterien
Eine sehr gute Texterörterung erkennt man an:
- Klarer Fragestellung: Die Leitfrage ist präzise und wird im Text beantwortet.
- Logischer Aufbau: Gedankengang ist nachvollziehbar, Absätze sind sinnvoll.
- Starke Argumente: Argumente sind begründet und durch Belege gestützt.
- Fairness: Gegenposition wird korrekt dargestellt und geprüft.
- Sprachliche Qualität: sachlich, präzise, passende Konnektoren, korrekte Zitat- und Quellenarbeit.
Arten der Erörterung
Lineare Erörterung
Bei der linearen (auch „steigernden“) Erörterung ordnest Du Argumente in einer Linie, häufig vom schwächeren zum stärkeren Argument.
- Vorteil: sehr übersichtlich, gut für klare Positionen.
- Risiko: Du vergisst die Gegenposition oder wirkst einseitig.
Dialektische Erörterung
Die dialektische Erörterung stellt Pro- und Contra-Argumente gegenüber und führt idealerweise zu einer begründeten Entscheidung oder einer vermittelnden Synthese.
- Vorteil: zeigt Abwägen, wirkt reflektiert.
- Risiko: Pro- und Contra-Teile bleiben unverbunden, wenn der Schluss nicht sauber entscheidet.
Textgebundene Erörterung
Du gehst von einer Textvorlage aus:
- Du erschließt Thema, Intention und Argumentationsgang.
- Du stellst zentrale Thesen des Textes dar.
- Du setzt Dich kritisch damit auseinander: zustimmen, ergänzen, widerlegen.
- Du kommst zu einer eigenen begründeten Position.
Materialgestützte Erörterung
Du nutzt mehrere Materialien (z.B. Statistik + Kommentar + Interviewauszug).
- Du vergleichst Materialien (passen sie zusammen, widersprechen sie sich?).
- Du gewichtest Quellen (Aktualität, Perspektive, Glaubwürdigkeit).
- Du zitierst/paraphrasierst korrekt und nennst eine Quelle.
Schritt-für-Schritt: So planst Du Deine Texterörterung
1) Thema klären und Leitfrage formulieren
Stelle sicher, dass Du die Fragestellung wirklich verstehst:
- Kläre Begriffe (z.B. „Pflicht“, „verboten“, „sollte“).
- Begrenze das Thema (Ort, Zielgruppe, Zeitraum).
- Formuliere eine Leitfrage als Satzfrage (nicht nur Stichworte).
2) Stoffsammlung: Ideen und Argumente finden
Hilfreiche Methoden:
- Mindmap oder Cluster: Aspekte sammeln (Gesellschaft, Schule, Gesundheit, Wirtschaft).
- W-Fragen (Wer? Was? Warum? Wozu? Welche Folgen?).
- Perspektivenwechsel: Betroffene Gruppen benennen (Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Politik, Arbeitgeber).
3) Argumente bauen: These – Begründung – Beleg
Ein überzeugendes Argument besteht aus drei Bausteinen:
- These: Deine Behauptung (klar, überprüfbar).
- Begründung: Warum gilt das? (Logik, Ursache–Wirkung).
- Beleg/Beispiel: Daten, Studien, Textstelle, Erfahrung, Beispiel (passend und glaubwürdig).
Mini-Beispiel (Schema): These: Späterer Schulbeginn verbessert Leistung. Begründung: Jugendliche haben biologisch späteren Schlafrhythmus. Beleg: Eine Studie/Statistik zeigt bessere Konzentrationswerte bei späterem Start.
4) Ordnen: Gliederung erstellen
Eine Standard-Gliederung:
- Einleitung: Hinführung + Thema + Leitfrage.
- Hauptteil: Argumentationsgang (linear oder dialektisch) mit Absätzen.
- Schluss: Ergebnis/Urteil + kurzer Ausblick oder Konsequenz.
Tipp zur Gewichtung:
- Stärkstes Gegenargument zuerst darstellen (zeigt Fairness).
- Eigene stärkste Argumente zum Ende hin platzieren (wirkt überzeugend).
Schreiben: Aufbau einer sehr guten Texterörterung
Einleitung
Die Einleitung soll Interesse wecken und das Thema sauber öffnen:
- Einstieg über aktuelles Beispiel, kurze Beobachtung oder begriffliche Klärung.
- Thema und Kontext nennen (Worum geht es genau?).
- Leitfrage formulieren (Worüber wird gestritten?).
Vermeide: zu lange Vorgeschichte, reine Nacherzählung, sofortige „Ich finde…“-Urteile ohne Kontext.
Hauptteil
Im Hauptteil argumentierst Du geordnet und nachvollziehbar:
- Ein Absatz = ein Hauptargument.
- Jeder Absatz beginnt mit einem klaren Satz (Kernaussage).
- Danach Begründung und Beleg/Beispiel.
- Nutze Konnektoren für Logik (z.B. deshalb, außerdem, hingegen, dennoch, folglich).
Dialektisch (mögliches Muster):
- Gegenposition mit 2–3 Argumenten (fair, sachlich).
- Übergang: Abwägung (Worauf kommt es an? Welche Argumente sind stärker?).
- Eigene Position mit 2–3 Argumenten (steigend, gut belegt).
- Optional: Synthese/Kompromiss (wenn sinnvoll).
Schluss
Der Schluss beantwortet die Leitfrage klar:
- Ergebnis in 2–4 Sätzen bündeln (kein neues Hauptargument).
- Bewertung: Warum ist dieses Urteil plausibel?
- Ausblick: Konsequenz, Empfehlung oder offene Folgefrage.
Sprache und Stil im Deutschunterricht
Sachlichkeit und Genauigkeit
- Nutze präzise Begriffe statt Übertreibungen („oft“ statt „immer“, wenn Du es nicht belegen kannst).
- Vermeide beleidigende oder abwertende Formulierungen.
- Schreibe in einem ruhigen, argumentativen Stil.
Konnektoren als „Argumentationskleber“
Beispiele für nützliche Konnektoren:
- Aufbau: außerdem, darüber hinaus, erstens, zweitens.
- Gegensatz: jedoch, hingegen, während, allerdings.
- Begründung: weil, da, denn, zumal.
- Folge: deshalb, daher, folglich, somit.
Materialien korrekt einbauen
- Zitiere kurz und passend (Textstelle als Beleg, nicht als Ersatz fürs Denken).
- Paraphrasiere: Inhalt in eigenen Worten zusammenfassen.
- Nenne Quellen: Material A/B oder Autor, Titel (wenn gegeben).
Typische Fehler und wie Du sie vermeidest
- Behauptungen ohne Beleg: Jede wichtige These braucht mindestens eine plausible Stütze (Begründung) und möglichst einen Beleg.
- Aneinanderreihung ohne Logik: Nutze Übergänge und begründe die Reihenfolge Deiner Argumente.
- Strohmann-Argumente: Stelle Gegenargumente korrekt dar, nicht lächerlich verzerrt.
- „Alles und nichts“-Texte: Begrenze die Fragestellung und bleibe beim Thema.
- Neues Argument im Schluss: Schluss ist Ergebnis, nicht neuer Hauptteil.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das Hauptziel einer Erörterung im Deutschunterricht? Eine begründete Urteilsbildung zu ermöglichen (!Eine Geschichte spannend zu erzählen) (!Einen Text möglichst kreativ umzuschreiben) (!Nur persönliche Gefühle auszudrücken)
Was ist typisch für eine dialektische Erörterung? Pro- und Contra-Argumente werden abgewogen (!Es werden nur Beispiele ohne Begründung gesammelt) (!Der Text besteht nur aus einer Zusammenfassung) (!Es gibt keinen Schluss)
Welche Reihenfolge passt am besten zu einem starken Argument? These – Begründung – Beleg/Beispiel (!Beleg – These – Schluss) (!Einleitung – Zitat – Ende) (!Gefühl – Behauptung – Übertreibung)
Wofür sind Konnektoren besonders wichtig? Für logische Verknüpfungen im Argumentationsgang (!Damit der Text länger wirkt) (!Um möglichst viele Fremdwörter zu benutzen) (!Damit Absätze überflüssig werden)
Was gehört NICHT in den Schluss einer Texterörterung? Ein neues Hauptargument (!Eine klare Antwort auf die Leitfrage) (!Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Gründe) (!Ein kurzer Ausblick oder eine Konsequenz)
Was ist ein Kennzeichen der textgebundenen Erörterung? Sie setzt sich argumentativ mit einer Textvorlage auseinander (!Sie besteht nur aus Stichpunkten) (!Sie ist immer eine Fantasiegeschichte) (!Sie hat keine Einleitung)
Wie sollte man Gegenargumente behandeln? Fair darstellen und begründet prüfen (!Ignorieren, damit die eigene Meinung stärker wirkt) (!Ins Lächerliche ziehen) (!Nur mit Ausrufezeichen markieren)
Was bedeutet materialgestützt schreiben? Mehrere Materialien werden als Quellen genutzt und ausgewertet (!Man schreibt ohne jede Planung spontan drauflos) (!Man schreibt ausschließlich auswendig) (!Man kopiert möglichst lange Textstellen)
Welche Formulierung ist am ehesten sachlich? Viele Lernende profitieren von klaren Regeln, wenn sie nachvollziehbar begründet sind (!Das ist immer total schlimm und geht gar nicht) (!Alle wissen doch, dass das Quatsch ist) (!Wer das anders sieht, hat keine Ahnung)
Welche Einleitung ist am passendsten? Hinführung zum Thema, Begriffe klären, Leitfrage formulieren (!Sofortiges Fazit ohne Begründung) (!Lange Nacherzählung ohne Bezug zur Frage) (!Viele neue Argumente, die später nicht mehr vorkommen)
Memory
| These | Behauptung |
| Begründung | Warum-Teil |
| Beleg | Nachweis |
| Konnektor | Verknüpfungswort |
| Synthese | Vermittlung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| These | Behauptung |
| Beleg | Nachweis |
| Gegenargument | Einwand |
| Konnektor | Verknüpfung |
| Schluss | Urteil |
...
Kreuzworträtsel
| Argument | Wie nennt man eine begründete Stütze für eine Position? |
| Struktur | Wie heißt der geordnete Aufbau eines Textes? |
| Konnektor | Wie nennt man Wörter, die Logik im Text verbinden? |
| Einleitung | Wie heißt der erste Teil der klassischen Dreiteilung? |
| Beleg | Wie heißt ein Nachweis durch Quelle oder Beispiel? |
| Synthese | Wie heißt eine vermittelnde Lösung nach Pro und Contra? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Themenfindung: Sammle fünf mögliche Leitfragen für eine Texterörterung aus Deinem Schulalltag und formuliere zu jeder Frage eine kurze Einleitung (2–3 Sätze).
- Argument: Schreibe zu einer Leitfrage drei Thesen und ergänze jeweils eine Begründung (noch ohne Beleg).
- Konnektoren: Überarbeite einen kurzen Text (z.B. aus Heft/Arbeitsblatt) und ergänze passende Konnektoren, damit die Logik klarer wird.
- Gliederung: Erstelle zu einer Leitfrage eine Gliederung mit Einleitung, drei Hauptargumenten und Schluss.
Standard
- Dialektische Erörterung: Erstelle eine Pro-Contra-Tabelle zu einer Leitfrage und ordne die Argumente nach Stärke (mit Begründung, warum).
- Textgebundene Erörterung: Nimm einen Zeitungs-Kommentar aus dem Unterricht und schreibe eine Zusammenfassung der Kernaussagen in 6–8 Sätzen, danach zwei eigene Gegenargumente.
- Materialgestütztes Schreiben: Suche zwei Materialien zum selben Thema (z.B. Statistik + kurzer Artikel) und schreibe einen Absatz, der beide Materialien sinnvoll verbindet und auswertet.
- Überarbeitung: Tausche Deine Erörterung mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler, gib Feedback zu Struktur, Belegen und Sprache und überarbeite danach Deinen Text.
Schwer
- Rhetorik: Analysiere in einer textgebundenen Erörterung, mit welchen sprachlichen Mitteln ein Autor überzeugen will (z.B. Beispiele, Wertungen, Zuspitzungen) und bewerte die Wirkung.
- Quellenangabe: Schreibe eine materialgestützte Erörterung (ca. 1–2 Seiten) und nutze mindestens drei Materialien, die Du korrekt einbaust (Zitate/Paraphrasen + Quellen).
- Argumentation: Entwickle zu einer kontroversen Leitfrage eine Synthese, die beide Seiten ernst nimmt, und begründe, warum Dein Kompromiss praktikabel ist.
- Schreibkonferenz: Plane und leite eine Schreibkonferenz in Deiner Lerngruppe: Kriterienkatalog erstellen, Texte anonym austauschen, Feedbackrunden moderieren, anschließend Verbesserungen dokumentieren.


Lernkontrolle
- Transfer: Wähle eine aktuelle Streitfrage aus der Schule und erkläre, welche Argumenttypen (Fakten, Werte, Autorität) dort vorkommen und welche am überzeugendsten sind.
- Perspektivenwechsel: Schreibe einen Absatz aus der Sicht der Gegenposition, der so stark ist, dass Du ihn selbst ernst nehmen musst, und begründe anschließend, wie Du darauf reagierst.
- Materialkritik: Vergleiche zwei Materialien zum selben Thema: Welche Interessen könnten dahinterstehen, welche Informationen fehlen, und wie beeinflusst das Deine Bewertung?
- Struktur: Du bekommst eine ungeordnete Argument-Sammlung: Entwickle daraus zwei mögliche Gliederungen (linear und dialektisch) und begründe die Unterschiede.
- Überarbeitungskompetenz: Nenne drei konkrete Verbesserungen, die Du an Deinem letzten Erörterungstext vorgenommen hast, und erkläre, wie sie die Überzeugungskraft erhöhen.
OERs zum Thema
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