Raumkonzept


Raumkonzept
Einleitung
Ein Raumkonzept in der Schule beschreibt, wie Lernräume geplant, gestaltet und genutzt werden, sodass sie zum pädagogischen Konzept der Schule passen. Dabei geht es nicht nur um Möbel und Architektur, sondern um die Frage: Wie soll Lernen bei uns funktionieren – und welche Räume unterstützen das konkret? Ein gutes Raumkonzept verbindet Didaktik, Schulentwicklung, Inklusion, Digitalisierung, Gesundheit und Sicherheit zu einem stimmigen Ganzen.



Warum Raumkonzepte pädagogisch entscheidend sind
Räume beeinflussen Verhalten, Kommunikation, Konzentration und Kooperation. Ein Raum kann Differenzierung erleichtern (z.B. ruhige Zonen), Kooperatives Lernen fördern (z.B. Gruppeninseln) oder Selbstständiges Lernen unterstützen (z.B. Materialstationen, Lernbüros). Deshalb gilt: Pädagogik vor Architektur. Erst wird geklärt, wie gelernt werden soll – dann wird die räumliche Umsetzung geplant.
Leitprinzip: Raum folgt Lernen
Ein schulisches Raumkonzept entsteht in Abstimmung mit dem pädagogischen Konzept, zum Beispiel:
- Kompetenzorientierung (Lernaufgaben, Projekte, Präsentationen)
- Projektunterricht und Deeper Learning (Werkstatt, Ateliers, offene Lernlandschaften)
- Individualisierung (Lernbüro, Coaching, Rückzugsräume)
- Inklusion (Barrierefreiheit, flexible Settings, unterstützende Technik)
- Ganztagsschule (Rhythmisierung, Aufenthaltsqualität, Rückzugs- und Bewegungsräume)
Grundlagen: Pädagogisches Konzept und räumliche Anforderungen
Von Zielen zu Funktionen
Der wichtigste Schritt ist die Übersetzung des pädagogischen Konzepts in räumliche Funktionen. Typische Funktionsbausteine:
- Plenum (Input, gemeinsamer Start, Diskussion)
- Gruppenarbeit (Kooperation, Rollen, Produktentwicklung)
- Einzelarbeit (Konzentration, Übung, Diagnostik)
- Präsentation (Feedback, Ausstellung, Bühne)
- Experimentieren (MINT, Maker, kreatives Gestalten)
- Beratung (Coaching, Lernentwicklungsgespräche)
Raumtypen in Schulen
Ein Raumkonzept kann verschiedene Raumtypen kombinieren:
- Klassenraum als Basisraum (mit flexibler Möblierung)
- Lernlandschaft oder Cluster (mehrere Räume um einen gemeinsamen Bereich)
- Lernbüro / Selbstlernzentrum (Arbeitsplätze + Material + Betreuung)
- Makerspace / Werkstatt (Produktion, Prototypen, Kreativtechnik)
- Fachraum (z.B. Chemie, Musik, Kunst) mit Sicherheits- und Ausstattungsstandards
- Bibliothek / Learning Commons (Recherche, Lesen, Medienproduktion)
- Differenzierungsraum (Förderung, Ruhe, Diagnostik, Kleingruppen)
Planungsschritte für ein schulisches Raumkonzept
Schritt 1: Pädagogische Bedarfsanalyse
- Lernkultur klären: Wie soll Unterricht typischerweise ablaufen?
- Unterrichtsorganisation klären: Jahrgangsteams, Teamteaching, Fachsystem, Lernzeiten?
- Schülerbeteiligung und Partizipation planen: Bedürfnisse sammeln (Interviews, Workshops)
- Inklusion und Barrierefreiheit als Pflichtdimension integrieren
Schritt 2: Nutzerprofile und Szenarien
Definiere typische Nutzungs-Szenarien (z.B. „Montag 2. Stunde: Lernzeit“, „Projektwoche: Ausstellung“). Erstelle dazu Nutzerprofile:
- Lernende (verschiedene Lern- und Unterstützungsbedarfe)
- Lehrkräfte (Teamarbeit, Material, Aufsicht)
- Sozialpädagogik / Sonderpädagogik (Beratung, Rückzug)
- Ganztag (Freizeit, Ruhe, Essen, Bewegung)
Schritt 3: Zonenmodell im Raum
Ein bewährtes Prinzip ist das Zonenmodell:
- 'Lernzone' (Arbeitsplätze, Tische, Strom, Medien)
- 'Ruhezone' (Akustik, Sichtschutz, Einzelarbeit)
- 'Kooperationszone' (Gruppentische, Whiteboards, Moderation)
- 'Präsentationszone' (Bühne, Display, Pinnflächen)
- 'Materialzone' (Stationen, Regale, klare Ordnung)
- 'Bewegungszone' (Steharbeitsplätze, kleine Bewegungselemente)
Schritt 4: Möblierung und Flexibilität
Ein pädagogisch passendes Mobiliar ist:
- modular (leicht umstellbar)
- robust (Schulalltag)
- ergonomisch (gesundes Sitzen und Stehen)
- inklusiv (z.B. unterschiedliche Sitzhöhen, barrierearme Wege)
- didaktisch sinnvoll (z.B. Whiteboards mobil, Pinnflächen, flexible Tische)
Schritt 5: Akustik, Licht, Luft, Sicherheit
Diese Faktoren entscheiden stark über Lernqualität:
- Akustik: Schallabsorption, Zonen, Lärmquellen reduzieren
- Beleuchtung: blendarm, flexibel, gutes Tageslichtmanagement
- Lüftung: Luftqualität, CO₂, regelmäßige Lüftungsroutinen
- Brandschutz: Fluchtwege, Materialien, Auflagen
- Datenschutz: Sichtschutz bei Geräten, sichere Ablagen, sensible Gesprächsbereiche
Schritt 6: Medien- und Digitalkonzept integrieren
Das Raumkonzept muss zum Medienkonzept passen:
- WLAN-Abdeckung und Stromversorgung
- Präsentationstechnik (Display/Beamer, Audio)
- Medienproduktion (Audio/Video-Ecke, Greenscreen optional)
- Aufbewahrung und Laden (Device-Management, Schließfächer)
- Analoge Ergänzung (Whiteboards, Pinnflächen, Material)
Beispiele für abgestimmte Raumkonzepte
Beispiel A: Kompetenzorientierte Lernlandschaft
- Basisklassenräume + offene Mitte (Teamzone)
- Differenzierungsräume (ruhig / Kleingruppe)
- Präsentationsflächen im Flur / in der Mitte
- Teamarbeitsplätze für Lehrkräfte im Cluster
Beispiel B: Lernbüro mit Coaching
- Arbeitsplätze in verschiedenen Schwierigkeitszonen
- Coaching-Tisch für Lernberatung
- Materialstationen nach Fächern/Kompetenzen
- Transparente Regeln für Ruhe, Hilfe, Abgabe, Feedback
Beispiel C: Makerspace und Projektlernen
- Werkbank-/Bastelzone, digitale Fertigung (wenn vorhanden)
- Ideenwand + Projektmanagement-Board
- Präsentations-/Ausstellungsbereich
- Sicherheitsregeln, Einweisung, Materiallogistik
Qualitätskriterien: Woran Du ein gutes Raumkonzept erkennst
- Passung zum pädagogischen Konzept: Räume unterstützen die Lernformen sichtbar.
- Flexibilität: Umstellen ist schnell, ohne Chaos.
- Orientierung: Lernende wissen, was wo passiert (Zonen, Beschilderung).
- Inklusion: Alle können teilnehmen (barrierearm, sensibel für Bedürfnisse).
- Classroom Management: Sichtlinien, Regeln, Materialien sind klar.
- Nachhaltigkeit: langlebige Materialien, pflegeleicht, ressourcenschonend.
- Evaluation: Nutzung wird regelmäßig überprüft und verbessert.
Vertiefende Medien
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist der zentrale Grundsatz bei der Entwicklung eines schulischen Raumkonzepts? (Raum folgt Lernen) (!Lernen folgt dem Möbelkatalog) (!Technik ist wichtiger als Didaktik) (!Räume müssen überall gleich aussehen)
Welche Zone unterstützt besonders die konzentrierte Einzelarbeit? (Ruhezone) (!Präsentationszone) (!Kooperationszone) (!Bewegungszone)
Welche Perspektive gehört zwingend in die Bedarfsanalyse eines Raumkonzepts? (Schülerbeteiligung) (!Nur die Architekturbüros) (!Nur die Schulträgerfinanzen) (!Nur die Prüfungsordnung)
Welche Kombination passt am besten zu projektorientiertem Lernen? (Makerspace und Präsentationsfläche) (!Nur Frontalbestuhlung in Reihen) (!Ausschließlich stille Einzelkabinen) (!Nur Computerraum ohne Material)
Welche Aussage zur Möblierung ist pädagogisch am sinnvollsten? (Modular und schnell umstellbar) (!Möglichst schwer und unbeweglich) (!Alle Tische fest verschraubt) (!Nur Sitzplätze, keine Stehoptionen)
Was ist ein typisches Ziel eines Zonenmodells? (Verschiedene Lernaktivitäten parallel ermöglichen) (!Alle Lernenden machen immer exakt dasselbe) (!Räume dürfen nicht beschriftet werden) (!Materialien sollen unsichtbar gelagert werden)
Was gehört besonders zur Verbindung von Raum- und Medienkonzept? (WLAN und Stromversorgung passend zur Nutzung) (!WLAN nur im Lehrerzimmer) (!Strom nur in der Aula) (!Keine Aufbewahrung für Geräte)
Welche Dimension wird bei der Lernqualität oft unterschätzt, ist aber zentral? (Akustik) (!Wandfarbe nach Mode) (!Nur die Anzahl der Pflanzen) (!Die Höhe der Garderobenhaken)
Wozu dienen Nutzer-Szenarien in der Planung? (Um reale Abläufe im Raum zu testen) (!Um Räume nur nach Foto-Vorlieben zu gestalten) (!Um Regeln zu vermeiden) (!Um jede Fachschaft getrennt zu planen)
Was ist ein Qualitätsmerkmal eines guten Raumkonzepts? (Evaluation und Weiterentwicklung) (!Einmal bauen und nie wieder anpassen) (!Nur auf Instagram optimieren) (!Regeln durch Zufall entstehen lassen)
Memory
| Zonenmodell | Lernaktivitäten räumlich strukturieren |
| Ruhezone | Konzentration und Rückzug |
| Kooperationszone | Gruppenarbeit und Austausch |
| Materialstation | Selbstständige Arbeitsorganisation |
| Präsentationsfläche | Ergebnisse zeigen und Feedback erhalten |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Bedarfsanalyse | Pädagogische Anforderungen sammeln |
| Nutzer-Szenarien | Reale Nutzungssituationen durchspielen |
| Zonenmodell | Bereiche für unterschiedliche Lernformen |
| Möblierungsstrategie | Flexibel und modular planen |
| Evaluation | Nutzung prüfen und verbessern |
Kreuzworträtsel
| Inklusion | Wie heißt das Prinzip, dass alle Lernenden teilhaben können? |
| Akustik | Welche Dimension reduziert Lärm und verbessert Verständlichkeit? |
| Plenum | Wie heißt die Lernform für gemeinsames Starten und Diskutieren? |
| Passung | Wie nennt man die Übereinstimmung von Raum und Pädagogik? |
| Flexibel | Welche Eigenschaft brauchen Möbel für schnelle Umstellungen? |
| Evaluation | Wie heißt das systematische Überprüfen und Weiterentwickeln? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lernumgebung: Fotografiere (oder skizziere) zwei Lernorte in Deiner Schule und beschreibe, welche Lernform dort besonders gut funktioniert und warum.
- Zonenmodell: Entwirf für einen Klassenraum ein Zonenmodell mit mindestens vier Zonen (z.B. Ruhe, Kooperation, Präsentation, Material) und begründe Deine Auswahl.
- Möblierung: Erstelle eine Liste von fünf Möbel- oder Ausstattungselementen, die flexibles Lernen fördern, und erkläre jeweils kurz den Nutzen.
- Schülerbeteiligung: Entwickle fünf Interviewfragen, mit denen Du Lernende zu ihren Raum-Bedürfnissen befragen kannst.
Standard
- Pädagogisches Konzept: Wähle ein Element (z.B. Projektlernen, Individualisierung) und leite daraus drei konkrete räumliche Anforderungen ab.
- Classroom Management: Plane eine Raumordnung, die sowohl Aufsicht als auch Gruppenarbeit ermöglicht, und beschreibe die Sichtlinien und Laufwege.
- Medienkonzept: Skizziere einen Medienbereich (Geräte, Laden, Aufbewahrung, Präsentation) und ergänze drei Regeln für sichere und faire Nutzung.
- Inklusion: Prüfe einen Raum auf Barrieren (Wege, Sitzmöglichkeiten, Lautstärke, Reize) und formuliere drei Verbesserungen.
Schwer
- Schulentwicklung: Erstelle ein Mini-Konzept für einen Lerncluster (drei Räume + Mitte) mit Funktionen, Nutzungsregeln und einem Beispiel-Tagesablauf.
- Evaluation: Entwirf ein Evaluationsinstrument (Kurzfragebogen oder Beobachtungsraster), um die Wirkung eines neuen Raumkonzepts nach 6 Wochen zu prüfen.
- Makerspace: Plane einen Makerspace inklusive Sicherheitsregeln, Materiallogistik und einer Beispiel-Projektaufgabe für eine Lerngruppe.
- Ganztagsschule: Entwickle ein Raumkonzept, das Lernen, Erholung und Bewegung rhythmisiert, und beschreibe, wie Konflikte (Lärm, Aufsicht, Wege) gelöst werden.


Lernkontrolle
- Transfer: Beschreibe an einem Beispiel, wie eine Veränderung in der Didaktik eine Veränderung im Raum erzwingt, und welche Risiken entstehen, wenn der Raum nicht angepasst wird.
- Systemdenken: Erkläre, wie Akustik, Classroom Management und Inklusion zusammenhängen und sich gegenseitig verstärken oder behindern können.
- Argumentation: Entwickle ein begründetes Plädoyer für oder gegen eine offene Lernlandschaft an Deiner Schule und nenne mindestens drei Bedingungen für Erfolg.
- Konfliktlösung: Entwickle eine Strategie, wie Du in einem flexiblen Raumkonzept Lärm- und Konzentrationskonflikte ohne ständige Lehrkraft-Intervention reduzierst.
- Planung: Leite aus einem gewählten pädagogischen Schwerpunkt (z.B. Projektunterricht) ein Raum- und Regelkonzept ab und zeige, wie Du es evaluieren würdest.
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