

Erlebte Rede

Einleitung
Die Erlebte Rede (auch Freie indirekte Rede) ist eine besondere Erzähltechnik im Fach Deutsch, die zwischen direkter Rede und indirekter Rede steht. Sie erlaubt es Dir, Gedanken, Gefühle oder Wahrnehmungen einer Figur so darzustellen, dass sie wie „aus der Figur heraus“ wirken, aber grammatisch meist in der 3. Person erzählt werden. Dadurch verschmelzen Erzähler-Stimme und Figurenrede – ein typischer Effekt in Erzählungen, Romanen, Kurzgeschichten und auch bei anspruchsvollen Aufsätzen.
In der Praxis hilft Dir die erlebte Rede, eine Szene lebendiger und näher an der Figur zu erzählen, ohne ständig Anführungszeichen zu setzen oder „dachte er/sie“ dazuzuschreiben. Du lernst hier, wie Du erlebte Rede sicher erkennst, korrekt verwendest und bewusst als Stilmittel im Aufsatzunterricht einsetzt.
Medien-Impuls
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Erlebte Rede von direkter Rede und indirekter Rede unterscheiden.
- typische Sprachsignale (Fragen, Ausrufe, Wertungen, Modalwörter) in erlebter Rede erkennen.
- erlebte Rede passend zur Erzählperspektive und zum Erzähltempus einsetzen.
- Texte gezielt umschreiben (z.B. direkte Rede in erlebte Rede).
- Deinen Aufsatz stilistisch abwechslungsreicher und „näher an der Figur“ gestalten.
Vorwissen aktivieren: Was ist Figurenrede?
In Erzähltexten gibt es oft:
- Erzählerbericht: Der Erzähler berichtet sachlich, was passiert.
- Direkte Rede: Figuren sprechen wörtlich (mit Anführungszeichen).
- Indirekte Rede: Figurenäußerungen werden berichtet (oft mit Konjunktiv).
- Erlebte Rede: Gedanken/Empfindungen wirken figurnah, aber ohne Anführungszeichen, oft im Indikativ.
Grundlagen: Was ist erlebte Rede?
Definition und Kernidee
Erlebte Rede ist die Darstellung von Gedanken und Bewusstseinsinhalten einer Figur in einer Form, die zwischen Erzählerbericht und Figurenstimme steht. Häufig:
- 3. Person (er/sie)
- oft Präteritum (episches Erzählen)
- keine Anführungszeichen
- häufig Fragesätze oder Ausrufe wie in direkter Rede
- figurnahe Wörter (Wertungen, Gefühle, Umgangssprache) passen zur Figur
Vergleich: direkte Rede – indirekte Rede – erlebte Rede
Hier siehst Du denselben Inhalt in drei Formen:
Direkte Rede
Sie fragte sich: „Muss ich wirklich gehen?“
Indirekte Rede
Sie fragte sich, ob sie wirklich gehen müsse.
Erlebte Rede
Musste sie wirklich gehen?
Grammatik: Warum ist das keine indirekte Rede?
Die Indirekte Rede nutzt häufig den Konjunktiv (z.B. „müsse“, „habe“, „sei“), um Distanz zu markieren: Es wird berichtet, was jemand sagt oder denkt.
Die Erlebte Rede steht dagegen oft im Indikativ und klingt dadurch unmittelbarer, als würdest Du kurz in die Figur „hineinhören“, obwohl der Text weiterhin wie Erzählen wirkt.
Typische Merkmale und Signalwörter
Achte besonders auf:
- Modalpartikel und Wertungen: „doch“, „eben“, „wohl“, „bestimmt“, „zum Glück“
- Fragen und Ausrufe ohne Anführungszeichen: „Wie konnte das passieren!“
- Gefühlswörter und Figurensprache: „So ein Mist!“ (ohne „dachte er“)
- Perspektivnähe: Der Satz klingt, als stamme er aus dem Kopf der Figur.
- Erzähltempus bleibt oft wie im Text (häufig Präteritum).

Erzählform im Aufsatzunterricht: Wirkung und Einsatz
Wozu erlebte Rede?
Mit erlebter Rede kannst Du:
- Spannung erhöhen (Gedankenblitze, Zweifel, Vermutungen).
- eine Figur psychologisch zeigen (Unsicherheit, Wunsch, Angst).
- schneller erzählen, ohne dauernd „dachte er/sie“ zu schreiben.
- die Erzählperspektive figurnäher gestalten.
Häufige Fehler und wie Du sie vermeidest
- Verwechslung mit indirekter Rede: Wenn Du konsequent im Konjunktiv schreibst, ist es eher indirekte Rede.
- Zu viele Ausrufe/Fragen hintereinander: Wirkung geht verloren – setze erlebte Rede gezielt ein.
- Unklare Perspektive ohne Absicht: In längeren Passagen kann das Stilmittel bewusst „schweben“, aber Du brauchst einen erkennbaren Bezug zur Figur.
- Zeitform-Chaos: Bleibe beim Erzähltempus (meist Präteritum) und wechsle Zeiten nur mit Plan.
Mini-Werkstatt: Umformen üben
Aus direkter Rede wird erlebte Rede
Direkt: „Ich schaffe das nie!“, dachte Lena.
Erlebt: Sie schaffte das nie. Oder doch? Vielleicht, wenn sie jetzt ruhig blieb.
Aus Erzählerbericht wird erlebte Rede
Bericht: Tom ging in den Raum und hatte Angst.
Erlebt: Was, wenn sie ihn auslachten? Er wollte am liebsten wieder umdrehen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet die Erlebte Rede am treffendsten? Darstellung von Gedanken einer Figur zwischen Erzählerbericht und Figurenstimme (!Wörtliche Rede mit Anführungszeichen) (!Berichtete Rede im Konjunktiv als Zitat) (!Reine Beschreibung ohne Figurenbezug)
Woran erkennst Du indirekte Rede typischerweise am ehesten? Am Konjunktiv (z.B. „sei“, „habe“, „müsse“) (!Anführungszeichen) (!Nur Präsens in der 1. Person) (!Ausschließlich Ausrufezeichen)
Welche Person ist in der Erlebte Rede häufig? 3. Person (er/sie) (!1. Person (ich)) (!2. Person (du)) (!Nur unpersönliches „man“)
Welche Satzform ist für Erlebte Rede besonders typisch? Frage- oder Ausrufesätze ohne Anführungszeichen (!Nur Passivsätze) (!Nur Nebensätze mit „dass“) (!Nur Imperative)
Welche Wirkung ist für Erlebte Rede besonders charakteristisch? Unmittelbarkeit und Nähe zur Figur (!Sachliche Distanz wie in einem Protokoll) (!Komik durch Reime) (!Faktenprüfung durch Quellenangaben)
Welche Form nutzt meistens keine Anführungszeichen und keinen Konjunktiv? Erlebte Rede (!Direkte Rede) (!Indirekte Rede) (!Wörtliches Zitat)
Welche Aussage ist korrekt? Erlebte Rede kann Erzählerstimme und Figurenstimme verschmelzen lassen (!Erlebte Rede ist immer ein Dialog) (!Erlebte Rede steht immer in der 1. Person Präsens) (!Erlebte Rede ist identisch mit indirekter Rede)
Was ist ein häufiger Fehler beim Schreiben von Erlebte Rede? Zeitform und Perspektive ohne Plan mischen (!Zu wenig Nebensätze verwenden) (!Zu viele Fachbegriffe markieren) (!Wörter nur in Großbuchstaben schreiben)
Welche Technik hilft, Erlebte Rede zu erzeugen? Wertungen und Gedankenimpulse der Figur einbauen, ohne „dachte er/sie“ (!Jeden Satz mit „sagte“ beenden) (!Alles in Anführungszeichen setzen) (!Nur Konjunktiv I verwenden)
Welche Aussage unterscheidet Innerer Monolog und Erlebte Rede am besten? Innerer Monolog ist häufig 1. Person, erlebte Rede häufig 3. Person (!Beide sind immer identisch) (!Erlebte Rede ist nur in Sachtexten erlaubt) (!Innerer Monolog nutzt immer Konjunktiv)
Memory
| Erlebte Rede | figurnaher Erzähleffekt ohne Anführungszeichen |
| Direkte Rede | wörtliche Figurenäußerung mit Anführungszeichen |
| Indirekte Rede | berichtete Äußerung oft im Konjunktiv |
| Konjunktiv | Modus zur Distanzierung in Redeformen |
| Erzählperspektive | Blickwinkel, aus dem erzählt wird |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Erlebte Rede | Gedanken figurnah ohne Anführungszeichen |
| Direkte Rede | wörtliche Rede mit Anführungszeichen |
| Indirekte Rede | berichtete Rede häufig mit Konjunktiv |
| Erzählerbericht | sachliche Darstellung des Geschehens |
| Innerer Monolog | Gedanken in der Ich-Form als Selbstgespräch |
...
Kreuzworträtsel
| Stilmittel | Wie nennt man eine sprachliche Technik mit besonderer Wirkung? |
| Indikativ | Welcher Modus steht oft in der erlebten Rede? |
| Konjunktiv | Welcher Modus ist typisch für indirekte Rede? |
| Erzähler | Wer berichtet das Geschehen im Text? |
| Perspektive | Wie heißt der Blickwinkel des Erzählens? |
| Präteritum | Welche Erzählzeit ist in Geschichten sehr häufig? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Direkte Rede: Schreibe 6 Sätze direkte Rede (Dialog) und forme 3 davon in Erlebte Rede um.
- Erzählperspektive: Nimm eine kurze Alltagsszene (z.B. Bus, Schulhof) und schreibe 8 Sätze im Erzählerbericht, dann baue 2 Sätze Erlebte Rede ein.
- Gefühle: Erstelle eine Liste mit 10 Gefühlswörtern und schreibe zu 5 davon je einen Satz in Erlebte Rede.
Standard
- Kurzgeschichte: Schreibe eine Mini-Kurzgeschichte (ca. 200–300 Wörter) und verwende mindestens 6 Stellen Erlebte Rede.
- Stilmittel: Analysiere in einem selbst gewählten Erzähltext, an welchen Stellen Erlebte Rede vorkommt, und beschreibe die Wirkung (mindestens 5 Fundstellen).
- Umschreiben: Nimm einen Absatz mit viel Direkte Rede und schreibe ihn so um, dass mindestens die Hälfte als Erlebte Rede erscheint, ohne dass die Handlung verloren geht.
- Figurenrede: Erfinde eine Figur (Alter, Ziel, Angst). Schreibe eine Szene, in der sich diese Angst durch Erlebte Rede zeigt, ohne das Wort „Angst“ zu verwenden.
Schwer
- Erzähltechnik: Schreibe dieselbe Szene in drei Versionen: Direkte Rede, Indirekte Rede und Erlebte Rede. Vergleiche anschließend, welche Version am stärksten wirkt und warum.
- Erzählperspektive: Schreibe eine Szene in personaler Perspektive und baue längere Passagen Erlebte Rede ein. Markiere anschließend, wo Erzählerstimme und Figurenstimme „verschmelzen“.
- Literaturanalyse: Suche in einem Roman oder einer längeren Erzählung eine Passage mit Erlebte Rede. Erkläre, wie Sprache, Tempus und Wortwahl die Figur charakterisieren.
- Kreatives Schreiben: Drehe eine kurze Audio- oder Video-Szene (1–2 Minuten) und schreibe dazu ein Voice-over als Erlebte Rede, das die Gedanken der Figur zeigt.


Lernkontrolle
- Transfer: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Erlebte Rede die Beziehung zwischen Erzähler und Figur verändert.
- Wirkung: Beschreibe, wie sich Spannung und Tempo verändern, wenn Du Direkte Rede durch Erlebte Rede ersetzt.
- Erzählperspektive: Analysiere, ob Erlebte Rede in einer Ich-Erzählung anders wirkt als in einer Erzählung in der 3. Person.
- Stilentscheidung: Begründe, wann Du im Aufsatz lieber Erzählerbericht nutzt und wann Erlebte Rede sinnvoller ist.
- Textproduktion: Schreibe eine Szene mit Konflikt (z.B. Entscheidung, Streit, Prüfung) und zeige denselben inneren Konflikt einmal mit innerem Monolog und einmal mit Erlebte Rede. Vergleiche die Wirkung.
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