

Kolloquium

Einleitung
Ein Kolloquium ist eine strukturierte, meist mündliche Prüfungs- oder Gesprächsform, in der Du Wissen nicht nur wiedergibst, sondern vor allem erklärst, begründest und im Dialog verteidigst. Im Fach Deutsch steht dabei häufig die Fähigkeit im Mittelpunkt, literarische und sachtextliche Inhalte zu interpretieren, Argumente aufzubauen und sprachlich angemessen zu kommunizieren. Ein Kolloquium kann in Schule (z.B. als Mündliche Prüfung oder im Rahmen von Abitur-Formaten), in Ausbildung oder an der Universität (z.B. im Kontext von Präsentationen, Seminaren, Projekt- oder Abschlussgesprächen) vorkommen.
Im Deutsch-Kolloquium geht es typischerweise um:
- Textinterpretation (z.B. Kurzgeschichte, Dramaauszug, Gedicht, Rede)
- Literaturanalyse und Kontext (Epoche, Autor, Motivik, Figuren, Erzählweise)
- Argumentation und Erörterung (These, Begründung, Beispiele, Gegenargumente)
- Rhetorik und Gesprächskompetenz (klar, strukturiert, adressatenorientiert)
- Fachsprache, Stilmittel und präzise Begriffe (z.B. Metapher, Ironie, Erzählperspektive, Symbol)
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- ein Kolloquium im Fach Deutsch sicher planen und strukturieren
- Texte zielgerichtet analysieren und interpretieren
- eine überzeugende Argumentation aufbauen und auf Nachfragen reagieren
- Deine mündliche Darstellung mit Mitteln der Rhetorik verbessern
- typische Bewertungskriterien verstehen und Strategien gegen Prüfungsangst anwenden
Was ist ein Kolloquium im Fach Deutsch?
Ein Deutsch-Kolloquium ist ein prüfungsnahes Fachgespräch, häufig mit einem Impuls (Text, Material, Leitfrage, Aufgabe). Je nach Rahmen kann es enthalten:
- einen Kurzvortrag (z.B. Einordnung, Analyse, Deutungshypothese)
- ein Prüfungsgespräch (Nachfragen, Vertiefungen, Transfer)
- ggf. eine Präsentation mit anschließender Diskussion
Wichtig ist die Balance aus Inhalt und Darstellung:
- Inhalt: Textverständnis, Analyse, Deutung, Begriffe, Belege
- Darstellung: Struktur, Sprache, Tempo, Blickkontakt, Gesprächsführung

Typische Abläufe und Formate
Kurzvortrag und Gespräch
Ein verbreitetes Muster:
- Einstieg (Thema, Leitfrage, Deutungshypothese)
- Analyse (Aufbau, Sprache, Figuren, Erzähltechnik, Argumentationsgang)
- Deutung/Interpretation (Aussage, Wirkung, Intention, Kontext)
- Transfer (Vergleich, Aktualitätsbezug, andere Texte/Medien)
- Gespräch (Nachfragen, Begründungen, Einwände, Vertiefung)
Materialgestütztes Kolloquium
Du bekommst z.B. einen Sachtext, eine Rede, Statistik-Auszüge oder Karikaturen (im Deutschunterricht oft zur Erörterung oder Analyse). Ziel ist:
- Kernaussagen erfassen
- Argumentationsstruktur rekonstruieren
- Position begründet entwickeln
- Sprachliche Mittel und Wirkung deuten
Literaturbezogenes Kolloquium
Hier steht ein literarischer Text oder ein Werk im Zentrum:
- Werkverständnis (Thema, Konflikt, Figuren)
- Analyse (Erzähltechnik, Dramaturgie, lyrisches Ich, Symbolik)
- Deutung und Belege (Textstellen als Nachweis)
- Kontext (Epoche, Gattung, Autor, Rezeptionsaspekte)
Bewertungskriterien im Deutsch-Kolloquium
Lehrkräfte/Prüfende achten häufig auf:
- Fachliche Qualität: richtige Begriffe, saubere Analyse, nachvollziehbare Deutung
- Belegführung: Textstellen gezielt nutzen (nicht nur behaupten)
- Struktur: roter Faden, klare Übergänge, sinnvolle Gliederung
- Sprache: präzise Formulierungen, Fachsprache, Angemessenheit
- Gesprächsfähigkeit: auf Fragen eingehen, nachdenken, begründen, ggf. korrigieren
- Eigenständigkeit: eigene Perspektive, Transfer, Vergleich, reflektierte Urteile
Vorbereitung: Schritt-für-Schritt-Plan
1. Aufgabenstellung entschlüsseln
Achte auf Operatoren wie analysieren, interpretieren, erörtern, charakterisieren, vergleichen. Daraus ergibt sich Deine Struktur.
2. Textarbeit mit System
- Erste Lektüre: Thema, Konflikt, Kernaussage
- Zweite Lektüre: Markieren von Schlüsselstellen, Motiven, Auffälligkeiten
- Strukturieren: Sinnabschnitte, Argumentationsschritte, Szenen/Spannungsbogen
- Sprachliche Mittel: Wirkung und Funktion (nicht nur aufzählen)
3. Deutungshypothese formulieren
Eine gute Deutungshypothese ist:
- klar
- diskutierbar
- durch Textstellen belegbar
- offen für Vertiefung im Gespräch
4. Kurzvortrag trainieren
- Einleitung in 2–3 Sätzen (Leitfrage + Deutung)
- 2–3 Hauptpunkte (Analyse/Argumente) mit Belegen
- Schluss (Ergebnis + Transferfrage)
5. Gesprächssimulation
Übe typische Prüferfragen:
- Warum interpretierst Du das so?
- Welche Textstelle stützt das?
- Welche Alternative gäbe es?
- Wie passt das zur Epoche oder zur Gattung?
- Welche Wirkung hat dieses Stilmittel?
Mündliche Darstellung: Rhetorik und Kommunikation
Verständlich sprechen
- Kurze Sätze, klare Verben, präzise Begriffe
- Signale für Struktur: „Erstens…“, „Daraus folgt…“, „Im Gegensatz dazu…“
- Fachbegriffe erklären, wenn nötig (ohne zu dozieren)
Sicher wirken
- ruhiges Tempo, Pausen nutzen
- Blickkontakt, aufrechte Haltung
- bei Blackout: kurz ordnen, Leitfrage wiederholen, mit Textstelle neu starten
Umgang mit Nachfragen
- Nachfragen als Chance: „Ich präzisiere…“
- Unsicherheit transparent: „Ich bin mir bei X nicht ganz sicher; ich leite es aus Y ab.“
- Brücke bauen: von Frage zurück zur Leitthese
Prüfungsangst und Stressmanagement
Prüfungsstress ist normal. Hilfreiche Strategien:
- Zeitmanagement: realistische Übungspläne, kurze Wiederholungen
- Atmung: 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus, 5 Wiederholungen vor Start
- Mentale Struktur: Leitfrage + 3 Punkte als „Sicherheitsanker“
- Positive Routine: gleiche Vorbereitungsschritte vor jeder Simulation
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das zentrale Merkmal eines Deutsch-Kolloquiums? (Fachgespräch mit begründeter Analyse und Nachfragen) (!Nur das Auswendigaufsagen von Definitionen) (!Reines Diktat ohne Diskussion) (!Ausschließlich schriftliche Bearbeitung ohne Sprechen)
Wozu dient eine Deutungshypothese in der Textinterpretation? (Sie formuliert eine überprüfbare Deutung, die mit Textbelegen gestützt wird) (!Sie ersetzt das Zitieren von Textstellen vollständig) (!Sie ist eine feste Wahrheit ohne Alternativen) (!Sie besteht nur aus Inhaltsangabe)
Welche Aussage beschreibt gute Belegführung? (Textstellen werden gezielt genutzt, um Interpretationen zu stützen) (!Man nennt möglichst viele Stilmittel ohne Wirkung) (!Man vermeidet Textbezüge zugunsten freier Meinungen) (!Man zitiert sehr lange Passagen ohne Erklärung)
Welche Reihenfolge passt am besten zu einem Kurzvortrag? (Einstieg mit Leitfrage, Analysepunkte mit Belegen, Ergebnis/Transfer) (!Ergebnis, dann zufällige Beispiele, dann Einleitung) (!Nur Inhaltsangabe, dann Ende) (!Stilmittel-Liste, dann Autorbiografie, dann kein Fazit)
Was bedeutet im Kolloquium „Transfer“? (Einen Bezug über den Text hinaus herstellen, z.B. Vergleich oder Aktualität) (!Den Text wortwörtlich abschreiben) (!Nur die Seitenzahl nennen) (!Ausschließlich Grammatikregeln erklären)
Welche Formulierung unterstützt Struktur im Sprechen am stärksten? („Erstens… Zweitens… Daraus folgt…“) (!„Ähm… also… irgendwie…“) (!„Wie gesagt, wie gesagt, wie gesagt…“) (!„Das ist halt so.“)
Welche Reaktion auf eine kritische Nachfrage ist am sinnvollsten? (Die Interpretation begründen und eine Textstelle als Beleg anführen) (!Die Nachfrage ignorieren und weitersprechen) (!Sofort widersprechen ohne Argument) (!Das Thema komplett wechseln)
Worauf zielt Rhetorik im Kolloquium besonders ab? (Überzeugend und verständlich sprechen sowie Argumente klar ordnen) (!Möglichst viele Fremdwörter ohne Sinn nutzen) (!Sehr schnell sprechen, um Zeit zu sparen) (!Nur flüstern, um ruhig zu wirken)
Was ist eine häufige Fehlstrategie bei Prüfungsangst? (Ohne Übung zu hoffen, dass es schon klappt) (!Gesprächssimulationen zu machen) (!Mit Leitfrage und drei Punkten zu üben) (!Kurze Atemroutine vor der Prüfung zu nutzen)
Welche Aussage zu Stilmitteln ist im Kolloquium am treffendsten? (Stilmittel sind wichtig, wenn ihre Wirkung für die Deutung erklärt wird) (!Stilmittel zählen immer mehr als Inhalt) (!Wirkung ist unwichtig, Hauptsache man erkennt die Form) (!Stilmittel darf man im Kolloquium nicht erwähnen)
Memory
| Deutungshypothese | überprüfbare Kernaussage |
| Textbeleg | Nachweisstelle im Text |
| Transfer | Bezug über den Text hinaus |
| Operator | Arbeitsauftrag wie analysieren |
| Roter Faden | durchgehende Struktur |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Leitfrage | Fokus der Prüfung |
| Kurzvortrag | strukturierter Einstieg |
| Beleg | Textstelle als Nachweis |
| Gegenargument | mögliche Alternative |
| Fazit | Ergebnis der Deutung |
...
Kreuzworträtsel
| Argumentation | Frage 1 |
| Interpretation | Frage 2 |
| Rhetorik | Frage 3 |
| Textbeleg | Frage 4 |
| Struktur | Frage 5 |
| Transfer | Frage 6 |
Frage 1 = Wie heißt der begründete Aufbau von Thesen und Belegen?
Antwortfuerfrageeins = Argumentation
Frage 2 = Wie nennt man die Deutung eines literarischen Textes? Antwortfuerfragezwei = Interpretation
Frage 3 = Wie heißt die Kunst des überzeugenden Sprechens? Antwortfuerfragedrei = Rhetorik
Frage 4 = Wie heißt die Stelle im Text, die eine Aussage stützt? Antwortfuerfragevier = Textbeleg
Frage 5 = Wie heißt der geordnete Aufbau mit rotem Faden? Antwortfuerfragefünf = Struktur
Frage 6 = Wie heißt der Bezug über den Text hinaus? Antwortfuerfragesechs = Transfer
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Kurzvortrag: Erstelle eine 2-minütige Einleitung zu einer selbst gewählten Kurzgeschichte (Leitfrage + Deutungshypothese).
- Stilmittel: Suche in einem Gedicht drei sprachliche Mittel und erkläre zu jedem die Wirkung in einem Satz.
- Zeitmanagement: Plane eine Lernwoche für das Kolloquium (3 Einheiten à 25 Minuten) und begründe die Reihenfolge.
Standard
- Textinterpretation: Schreibe eine Deutungshypothese zu einem literarischen Text und belege sie mit zwei passenden Textstellen.
- Argumentation: Entwickle zu einer aktuellen Streitfrage eine These, zwei Argumente und ein Gegenargument; formuliere daraus ein Mini-Prüfungsgespräch (Frage-Antwort).
- Präsentation: Erstelle eine Gliederung (Einleitung, 3 Analysepunkte, Fazit) für einen 5-minütigen Vortrag zu einem Sachtext.
Schwer
- Vergleichende Analyse: Vergleiche zwei Texte (z.B. Gedicht und Rede) hinsichtlich Thema, Sprache und Wirkung und formuliere einen Transfer.
- Rhetorik: Nimm Dich bei einer Kolloquiums-Simulation (Audio/Video) auf, analysiere Sprechtempo, Pausen, Füllwörter und verbessere gezielt zwei Punkte.
- Literaturepoche: Ordne einen Text einer Epoche zu (z.B. Aufklärung, Romantik, Realismus) und begründe die Zuordnung mit Merkmalen und Textbelegen.
- Interview: Führe ein kurzes Interview mit einer Person, die eine mündliche Prüfung absolviert hat, und erstelle daraus einen Leitfaden „Dos und Don’ts“ fürs Kolloquium.


Lernkontrolle
- Transferleistung: Erkläre an einem Beispiel, wie sich eine Deutung verändert, wenn man einen anderen Deutungsschwerpunkt wählt (z.B. Figur statt Symbolik).
- Begründungskompetenz: Formuliere eine mögliche Prüferfrage zu Deiner Interpretation und schreibe eine Antwort, die mindestens einen Textbeleg enthält.
- Strukturierung: Erstelle für denselben Text zwei unterschiedliche Kurzvortrags-Strukturen (z.B. chronologisch vs. thematisch) und bewerte Vor- und Nachteile.
- Kommunikation: Beschreibe, wie Du reagieren würdest, wenn Du im Gesprächsteil eine Frage nicht sofort beantworten kannst, ohne in Panik zu geraten.
- Kriterienreflexion: Entwickle ein eigenes Bewertungsraster (5 Kriterien) für ein Deutsch-Kolloquium und begründe, warum diese Kriterien fair sind.
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