1988 - Lied Lern Leben

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Ein prägendes Jahr.


Liederleben

In diesem Jahr kam das Ella-Lied heraus :-)


Sonst so

Toten Hosen - Hier kommt Alex

Auf welchen Film bzw. welches Buch bezieht sich der Song des Toten-Hosen-Albums "Ein kleines bisschen Horrorschau"? Tipp: Der Hauptdarsteller heißt ebenfalls Alexander. (A Clockwork Orange) (!The Shining) (!The Rocky Horror Picture Show) (!A Nightmare on Elm Street)



...



Schlüsselerlebnis

Ich wünsche Dir schöne Schlüsselerlebnisse. Hin und wieder müssen wir aber auch schlechte Erfahrungen ertragen. Und manchmal ist es so: gerade die negativsten Augenblicke des Lebens prägen das Dasein am nachhaltigsten. Aber auch – und das ist das erstaunliche – im Positiven. Mich hat beispielsweise eine Schlägerei in meiner Jugend nachhaltig positiv geprägt obwohl aber auch gar nichts positives am Ereignis zu finden ist. Die Kurzfassung: 1. Lagerfeuer am See. 2. Ich (ca. 16 Jahre alt) geh zu einem anderen Lagerfeuer, um die Leute dort kennenzulernen (das hat man damals noch so gemacht.) 3. Ich ging wieder, da die betrunkenen Jugendlichen nicht gerade sympathisch waren. 4. Mein bester Freund geht rüber. Ich habe ihn vor den Jungs gewarnt. 5. Ich hab ein schlechtes Gewissen und geh kurze Zeit darauf hinterher. 6. Am Lagerfeuer sehe ich meinen Freund auf dem Boden liegen. 7. Bevor ich meine Frage diesbezüglich aussprechen kann, habe ich bereits (auch) eine Faust im Gesicht. 8. Zwei andere Freunde von mir kommen nach. Versuchen zu schlichten. Ich hab genug von der Szene und denke, die bekommen das schon in den Griff. 9. An unserem Lagerfeuer angekommen, merke ich, dass niemand mehr zurück kommt. 10. Ein übrig gebliebener Freund und ich verstecken uns in der Dunkelheit im Schilf am Wasser. 11. Die grundlos aggressiven Jungs kommen rüber an unser Feuer. Wir beobachten, wie sie über unser Zeug herfallen. Aber das war egal. Zu der Zeit hatte ich schon Angst um mein Leben. Vermutlich ein zentraler Satz, aber weiter... 12. Irgendwann entdecken sie meinen Kumpel und lassen ihn laufen. 13. Ich versuche über einen Umweg den Ausgang zur Straße zu erreichen. Schlechte Idee. Sie haben eine Wache aufgestellt, die mich entdeckt und die anderen informiert. 14. Ich renne. Damals war ich eigentlich sehr fit. Zu protzen wäre hier unangebracht, aber teilweise bin ich schon längere Strecken gelaufen und auch geschwommen. Und mit meinem schlechten Schwimmstil bin ich sogar an manchem Tag den kompletten besagten Baggersee auf- und abgeschwommen. Jedenfalls konnte ich vor Schock nicht mehr rennen, wie das ansonsten üblich gewesen wäre. 15. Darum suchte ich ein nahes kleines Waldstück als Versteck. Leider hatten meine Verfolger das gesehen. Ich beobachtete, wie die 5 Verfolger sich Zeichen gaben, um mich hören und aufspüren zu können. 16. Sie fanden mich, zerrten mich aus dem Versteck, schlugen mich und traten mich, als ich schon am Boden lag. Beim Aufstehen kickte mir einer seinen Stiefel ins Gesicht. 17. Sie fragten nach meinem Kumpel, den sie unbedingt finden wollten. In dem Versteck im Schilf hatte ich mitbekommen, dass niemand von meinen Leuten mehr am See zu sein schien. Darum log ich die Leute an. Lügen soll man nicht, aber in diesem Fall wollte ich mal eine Ausnahme machen. 18. Die aggressivsten drei gingen mit der Drohung auf die weitere Suche: „Wenn Du irgendjemandem davon erzählst, haben wir Deine Adresse.“ Dabei hielten Sie meinen Personalausweis in der Hand. Ich weiß nicht mehr, ob Geld aus meinem Geldbeutel fehlte. War auch nicht mehr so wichtig, da ich zu diesem Zeitpunkt noch mehr Angst um mein Leben hatte als zuvor schon. 19. [Warum nummeriere ich diese Geschichte? Vielleicht weil ich sie so objektivieren möchte? Geht jedenfalls nicht. Unlogisch. Egal. Weiter.] Die zwei gemäßigten Jungs, die mich bewachten, konnte ich davon überzeugen, mich mit dem Ausweis gehen zu lassen. 20. Nach ca. einem Kilometer, der sich anfühlte wie ein Marathon, kam ich an der Vorstadtsiedlung an. Ich klingelte. Jemand kam an die Haustür. Öffnete diese aber nicht. Es war ein älterer Herr. Er meinte, er sei herzkrank und könne nicht öffnen. Auf meine Frage, ob er einen Krankenwagen holen könnte, gab er zur Auskunft, dass er herzkrank sei und nichts machen könne. Später hab ich den Mann verstanden. Zu dem besagten Zeitpunkt allerding hätte ich mich schon mehr Zivilcourage oder so etwas ähnliches gewünscht, da ich glaubte, dass die aggressiven Leute weiter hinter mir her sein werden, wenn sie herausbekommen, dass ich sie angelogen habe. Jedenfalls nehme ich dem Mann nichts übel. Schon ok. 21. Nächstes Haus. Nächstes Klingeln. Nächster Kontakt. Kontakt ja, aber auch nicht direkt. Dieses mal war ein Mann am Fenster, der von oben herab fragte, was los sei. Ich bat ihn, die Polizei oder den Krankenwagen zu rufen, wenn ich nicht ins sichere Innere könne. Er bejahte das. 22. In meinem Versteck im Gebüsch im wildfremden Garten wartete ich auf eine Sirene, aber auch auf Schritte von Verfolgern. Eigentlich rechnete ich jederzeit mit dem Eintreffen der aggressiven Jungs, da es nicht sehr viele Wege und Häuser in dem Teil der Siedlung gab. Eine Minute kam mir wie eine Ewigkeit vor. Solche Minuten habe ich vermutlich nicht mehr in meinem Leben erlebt. Da die Gewalt konkret war, ich sie gespürt hatte und vermuten musste, dass sie weiter gehen würde, hatte ich noch mehr Angst um mein Leben als zuvor. Was seltsam war, dachte ich doch zuvor, dass das nicht mehr möglich sein. 23. Nach etwa 10 Minuten klingelte ich erneut, um zu fragen, wann die Polizei oder der Notarzt eintreffen würden. Der Mann öffnete das Fenster über mir und sagte, dass er diese jetzt dann verständigen würde. Später verstand ich auch den Mann besser, aber in dieser Situation hätte ich mir doch jemanden mit besseren Augen gewünscht. Er musste doch meine blutverschmierte Lederjacke gesehen haben. 24. Nach weiteren 5 bis 10 Minuten (genau kann ich das nicht mehr sagen, hab spätestens da den Bezug zur realen Zeit verloren gehabt) kam ein Krankenwagen. 25. Im Krankenhaus stellt man verschiedene Prellungen, ein gebrochenes Nasenbein und Platzwunden fest. Die Wunde am Kopf wurde getackert. 26. Mein bester Freund lag im gleichen Krankenhaus und versicherte mir, dass er nichts gesagt oder getan hätte, was einen solche Gewalt der anderen Jugendlichen gerechtfertigt hätte. Halt. „Gerechtfertigt“ ist Gewalt eh nie. „Erklärbare Gewalt“ im Zusammenhang mit der Tatsache, dass es gewaltbereite Menschen gibt. So könnte man treffender formulieren. Entschuldige, das war nun doch keine Kurzfassung. Dabei wollte ich vor allem erklären, was ich daraus gelernt habe. Im Krankenhaus – dort lag ich meines Wissens nach drei Tage – hatte ich immer wieder die Vorstellung, wie es sein könnte, wenn ich mit meinen nun vorbereiteten Freunden diese Menschen zu fassen bekommen würden. Konkret bin ich dann bei der Vorstellung, wie ich einen von denen erwische und eine Waffe an die Schläfe halte aufgewacht und habe mich besonnen. Ich wollte diese Leute fragen „Wie fühlt sich das an?“ (Seltsam. Gerade erst kommt mir, dass mein Lieblingslied seit ich 18 Jahre alt bin gerade diese Zeilen im Refrain beinhalten.)

Hippie-Hirn bleibt Hippie-Hirn. Wie konnten sich solche Gedanken in mein Hippie-Hirn einschleichen. Zuvor war ich froh um meine pazifistische Einstellung. Kritisierte andere um ihre aggressiven Haltungen und nur wegen dieser – manche würden sagen – „Prüfung des Lebens“ würde ich zu einem Gewalttäter oder sogar Mörder werden. Das konnte nicht sein. Das wäre die totale Fremdbestimmung gewesen. Ich kam wieder zurück zu meiner Haltung, die nun nicht mehr nur theoretisch, sondern auch (für mich) praktisch untermauert war.

Wilde Vorstellungen. Dies war aber nicht der einzige Vorteil, den ich aus dem ansonsten schlimmen Ereignis ziehen konnte. Seit dem Tag hatte ich immer wieder wilde Vorstellungen, wie Dinge sich entwickeln können. Das erste Mal wurde mir dies voll bewusst, als ich in Basel mit ca. 18 einen Zwischenstopp auf einem Alleinurlaub nach Frankreich über eine Brücke ging. Zuvor hatten mich die dicken Ratten am Rheinufer erschreckt. Auf der Brücke kam mir ein Mann entgegen. Auf der langen Brücke konnte ich mir ausmalen, wie es sein würde, wenn mich dieser Mann hier in der Nacht erstens blöd anmachen, dann Gewalt androhen und mich schließlich zu schlagen versuchen würde. Gedanklich bereitete ich schon erst verbale Ausweichmanöver und alle erdenklichen Verteidigungsschläge bzw. auch heimliche Angriffsschläge vor (die ich beim späteren Polizeiprotokoll nie erwähnt hätte), um mich auf die Situation vorzubereiten. Als ich an dem harmlosen Mann vorbei war, drehte ich mich ungläubig nach ihm um. Er wollte mich seltsamerweise nicht totschlagen. Ich atmete durch und erkannte im gleichen Moment das riesenhafte Potenzial, das in dieser Vorstellung lag. Die Zeit bis zum Aufeinandertreffen mit dieser Person wurde von meinem Gehirn genutzt, um mir einen spannenderen Film zu bieten, als ich ihn im Kino (oder im Netz) jemals sehen würde.

Hippie-Hirn wird Hirn-Hippie. Man könnte es schon als Fluch bezeichnen, wenn man sich z.B. als Autofahrer in einer unübersichtlichen Linkskurve (A5 auf A 98) vorstellt, ein Geisterfahrer komme einem gleich entgegen. Sicherlich sind viele Menschen geplagt von den Ängsten, die sie sich ausmalen. Aber es ist eben auch eine Bereicherung für das Leben, wenn mit Phantasie an die Sache herangegangen wird. Viele meiner Geschichten wären nicht möglich gewesen, wenn ich nicht so wilde Vorstellungen in meinem Kopf hätte. Ehrlich gesagt glaube ich, alle Menschen haben wilde Gedanken. Die meisten machen einfach nichts damit. Muss man ja auch nicht. Für mich gilt: Der Schlüssel zu meiner Zufriedenheit ist es, wenn ich mir die Gedanken, Ängste, Aggressionen bewusst mache und versuche, positive Geschichten daraus zu entwickeln. Eigentlich bin ich nicht traurig in keiner Regenbogen-Lilly-Fee-Blase zu leben. Ich versuche meine Wirklichkeit bewusst zu erleben und manchmal neu zu deuten. Und das verdanke ich eben auch dem Schlüsselerlebnis meiner Jugend: Einer Schlägerei mit sinnloser Gewalt. Ah, ein Jahr nach dem Ereignis haben wir übrigens einen von den Typen in einer Kneipe getroffen. Es wäre ein Einfaches gewesen ihn draußen abzufangen und meine Vorstellungen so aggressiv wie beliebig umzusetzen. Es ist schön sich daran zu erinnern, dass meine Freunde und ich das nicht für nötig gehalten haben. Diese Erinnerung ist mir auch viel wert.

Nachtrag: Bewusstsein über Angst ist eine ständige Aufgabe. Damit ist man im Leben nie fertig. Vielleicht wird das mit dem Alter auch schwieriger. Darauf bin ich gespannt.


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