

Zeitroman
Zeitroman (Fach Deutsch)
Einleitung
Der Zeitroman ist eine besondere Form des Romans: Er will die Gegenwart seiner Entstehungszeit möglichst umfassend darstellen und dabei zeigen, wie Gesellschaft und Lebensbedingungen auf den einzelnen Menschen wirken. Oft ist der Zeitroman auch Zeitkritik: Er beschreibt nicht nur, wie eine Epoche ist, sondern fragt, warum sie so ist – und welche Folgen das für Figuren, Werte und Entscheidungen hat.
Du lernst in diesem aiMOOC, woran man einen Zeitroman erkennt, wie du ihn analysierst und wie du selbst zeitromanartige Texte planen kannst.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst du …
- den Begriff Zeitroman sicher erklären und vom historischen Roman sowie Gesellschaftsroman unterscheiden.
- typische Merkmale (z.B. Montage, Simultantechnik, Multiperspektivität, Zeitkritik) erkennen.
- eine Analyse mit passenden Textbelegen schreiben (Thema, Figuren, Zeitbezug, Erzähltechnik, Sprache).
- Beispiele aus unterschiedlichen Epochen einordnen (z.B. Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit).
- eine eigene Idee für einen kurzen Zeitroman-Plot entwickeln.
Orientierung: Wichtige Begriffe als Links
- Roman: Längere epische Erzählform mit komplexer Handlung.
- Gegenwart: Zeit, in der ein Text entsteht und die er abbildet.
- Zeitkritik: Kritik an Zuständen einer Epoche (z.B. Politik, Wirtschaft, Moral, Medien).
- Milieu: Soziales Umfeld (z.B. Klasse, Beruf, Stadt/Land).
- Montage: Einbau von Textsorten wie Zeitung, Werbung, Lied, Protokoll.
- Simultantechnik: Gleichzeitigkeit verschiedener Ereignisse/Orte/Stimmen.
- Multiperspektivität: Mehrere Blickwinkel auf Ereignisse und Figuren.
- Erzählperspektive: Wer erzählt? (Ich, personal, auktorial, neutral)
- Erzählzeit und erzählte Zeit: Zeit des Erzählens vs. Zeitspanne der Handlung.
Input: Der Zeitroman im Überblick
Definition
Ein Zeitroman versucht, die Gegenwart seiner Zeit vollständig und nachvollziehbar darzustellen. Er analysiert Gesellschaft und Lebensbedingungen und zeigt deren Auswirkungen auf Individuen. Häufig entsteht dabei ein kritisches Zeitbild (Zeitkritik).
Entstehung und Entwicklung
Der Begriff Zeitroman wurde früh im 19. Jahrhundert geprägt. Das Genre ist im 19. Jahrhundert wichtig und gewinnt im 20. Jahrhundert – besonders rund um die Weimarer Republik – neue Bedeutung. Zeitromane sind jedoch nicht auf eine Epoche begrenzt: Auch nach 1945 schreiben Autorinnen und Autoren Romane, die ihre Gegenwart als Zeitbild untersuchen.
Typische Merkmale
- Gegenwartsbezug: Die Handlung spiegelt zentrale Konflikte der Entstehungszeit (z.B. Modernisierung, Krise, Wertewandel).
- Zeitkritik: Figuren und Handlung machen Probleme sichtbar (z.B. soziale Ungleichheit, Kriegserfahrung, Medien, Moral).
- Querschnitt: Der Roman zeigt verschiedene Milieus und Lebensbereiche einer Zeit.
- Dokumentarisches Erzählen: Faktennähe, Beobachtung, manchmal protokollartige Passagen.
- Montage: Einbau von Zeitungssprache, Reklame, Behördenstil, Liedern, Listen, Funksprüchen.
- Simultantechnik: Nebeneinander von gleichzeitigen Ereignissen (Stadt als „Stimmenraum“).
- Figuren als Zeittyp: Protagonistinnen/Protagonisten stehen oft exemplarisch für eine Generation oder soziale Lage.
- Sprache als Zeitzeichen: Slang, Fachsprache, Medien- und Werbesprache, Bürokratiesprache.
Zeitroman und ähnliche Gattungen
- Gesellschaftsroman: Schwerpunkt auf sozialen Strukturen; Zeitroman geht oft darüber hinaus und will ein umfassendes Epochenbild.
- Historischer Roman: Spielt in der Vergangenheit; Zeitroman fokussiert die (damalige) Gegenwart.
- Tendenzliteratur: Deutliches Ziel, zu überzeugen; Zeitroman kann engagiert sein, muss aber nicht plakativer Meinungstext sein.
- Neue Sachlichkeit: Literarische Strömung der 1920er/1930er, die Beobachtung, Faktennähe und Montage betont; viele Zeitromane dieser Phase wirken „neusachlich“.
Methodenkasten: Zeitroman analysieren (Schrittfolge)
- Zeitbezug klären: Welche gesellschaftlichen Themen sind zentral? (Arbeit, Krieg, Krise, Stadtleben, Medien, Moral, Technik)
- Raum untersuchen: Welche Orte dominieren? (Großstadt, Arbeitswelt, Wohnung, öffentliche Räume)
- Milieus vergleichen: Wer hat Macht? Wer ist ausgeschlossen? Welche Klassen/Gruppen treten auf?
- Figuren lesen: Sind Figuren „Zeittypen“? Welche Konflikte tragen sie aus?
- Erzähltechnik bestimmen: Perspektive, Erzählsituation, Tempus, Montage, Simultanität.
- Sprache analysieren: Register, Jargon, Medienzitate, Ironie, Lakonie, Rhythmus.
- Zeitkritik formulieren: Welche Diagnose über die Epoche legt der Text nahe?
- Deutung mit Belegen: Jede Aussage mit Textbelegen absichern.
Beispiele (als Orientierung, ohne Pflichtlektüre)
- Berlin Alexanderplatz (Alfred Döblin): Großstadt, Montage, Simultanität, soziale Wirklichkeit.
- Im Westen nichts Neues (Erich Maria Remarque): Generationserfahrung und Zeitkritik des Krieges.
- Der Zauberberg (Thomas Mann): Zeitdiagnose, Ideendebatten, Gesellschaft im Umbruch.
- Der Mann ohne Eigenschaften (Robert Musil): Zeitbild, Ideenkritik, Moderne und Orientierungsverlust.
Medienimpuls (Video)
Nutze das Video als Einstieg in die Frage: Wie wird eine Zeit „erzählbar“ gemacht? Achte besonders auf Montage-Effekte, Milieus und Zeitkritik.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das zentrale Ziel eines Zeitromans? (Die Gegenwart seiner Entstehungszeit möglichst umfassend darzustellen und zu analysieren) (!Eine Fantasy-Welt mit eigenen Gesetzen zu erfinden) (!Ausschließlich historische Ereignisse des Mittelalters nachzuerzählen) (!Nur eine Liebesgeschichte ohne gesellschaftlichen Kontext zu erzählen)
Welche Technik passt besonders häufig zum Zeitroman der Großstadtmoderne? (Montage) (!Hexameter) (!Reine Dialogform ohne Erzähler) (!Märchenformeln mit Zaubersprüchen)
Was bedeutet Simultantechnik im Roman? (Gleichzeitiges Nebeneinander verschiedener Ereignisse, Orte oder Stimmen) (!Eine Handlung wird streng chronologisch und ohne Sprünge erzählt) (!Der Roman hat nur eine Figur und keinen Nebenplot) (!Alle Kapitel enden mit derselben Pointe)
Welche Aussage beschreibt Zeitkritik am treffendsten? (Kritische Darstellung von Zuständen und Problemen einer Epoche) (!Lobgesang auf eine perfekte Gesellschaft ohne Konflikte) (!Ausschließlich naturwissenschaftliche Erklärungen im Roman) (!Reines Nacherzählen ohne Deutung)
Welche Textsorte wird in Zeitromanen oft eingearbeitet, um Wirklichkeitseindruck zu erzeugen? (Zeitungsbericht) (!Zauberformel) (!Heldensage) (!Reimlexikon)
Woran erkennst du besonders gut den Gegenwartsbezug eines Zeitromans? (An konkreten sozialen, politischen oder kulturellen Konflikten der Entstehungszeit im Text) (!An der konsequenten Verwendung von Latein) (!An einem durchgängigen Happy End für alle Figuren) (!An der Tatsache, dass der Roman nur aus Gedichten besteht)
Welche Figurenfunktion ist im Zeitroman typisch? (Figuren stehen exemplarisch für Milieus oder Generationserfahrungen) (!Figuren sind ausschließlich übernatürliche Wesen) (!Figuren haben keine Vergangenheit und keine Beziehungen) (!Figuren sprechen nie und handeln nie)
Welche Unterscheidung ist korrekt? (Historischer Roman erzählt eine vergangene Epoche, der Zeitroman fokussiert die Gegenwart seiner Entstehungszeit) (!Zeitroman ist immer älter als historischer Roman) (!Historischer Roman hat nie Figuren, Zeitroman immer nur eine) (!Zeitroman ist immer ein Drama)
Welche Aussage zur Sprache im Zeitroman ist plausibel? (Sprache kann als Zeitzeichen wirken, z.B. Jargon, Werbung, Bürokratie) (!Sprache ist immer feierlich und ausschließlich in Versform) (!Sprache darf keine Fremdwörter enthalten) (!Sprache ist nur in Stichpunkten erlaubt)
Was ist eine sinnvolle erste Analysefrage an einen Zeitroman? (Welches Zeitbild und welche Gesellschaftsdiagnose entsteht durch Handlung und Figuren?) (!Wie viele Buchstaben hat der längste Satz im Text?) (!Welche Farbe hat das Buchcover?) (!Wie oft kommt der Buchstabe „e“ vor?)
Memory
| Montage | Dokumente |
| Simultantechnik | Gleichzeitigkeit |
| Milieu | Sozialraum |
| Zeitkritik | Diagnose |
| Multiperspektivität | Blickwinkel |
| Großstadtroman | Metropole |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Montage | Einbau von Zeitungsstil und Dokumenten |
| Simultantechnik | Nebeneinander gleichzeitiger Ereignisse |
| Milieu | Soziales Umfeld einer Figur |
| Zeitkritik | Bewertung und Problematisierung der Epoche |
| Multiperspektivität | Mehrere Blickwinkel auf Handlung |
Kreuzworträtsel
| Gegenwart | Frage 1 |
| Montage | Frage 2 |
| Simultan | Frage 3 |
| Milieu | Frage 4 |
| Zeitkritik | Frage 5 |
| Realismus | Frage 6 |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zeitzeichen: Sammle 10 „Zeitzeichen“ aus deiner Gegenwart (Werbeslogans, Apps, Moden, Schlagzeilen) und erkläre, was sie über die Gesellschaft verraten.
- Milieu: Beschreibe zwei Figuren aus unterschiedlichen Milieus (z.B. Ausbildung vs. Studium) und formuliere je einen typischen Konflikt.
- Erzählperspektive: Schreibe eine Szene (200–300 Wörter) einmal personal und einmal neutral und vergleiche die Wirkung.
Standard
- Montage: Erstelle eine montierte Kurzprosaseite: Erzähltext plus zwei eingefügte Textsorten (z.B. Chatverlauf und Schlagzeile) zum selben Ereignis.
- Zeitkritik: Formuliere eine These zur Zeitkritik eines selbst gewählten Romans/Films und belege sie mit drei konkreten Beispielen.
- Figurenanalyse: Entwickle eine Zeitroman-Figur als „Zeittyp“ (Werte, Arbeit, Mediennutzung, Angst/Hoffnung) und schreibe ein Charakterprofil.
Schwer
- Simultantechnik: Schreibe eine Großstadtszene, in der fünf Stimmen/Ereignisse gleichzeitig wirken (z.B. U-Bahn, Werbung, Nachricht, Dialog, innerer Monolog).
- Vergleich: Vergleiche Zeitroman und Historischer Roman an einem selbst gewählten Stoff: Welche Zeit wird wie „sichtbar“ gemacht?
- Zeitbild: Entwirf ein Exposé (1 Seite) für einen Zeitroman über die nächsten 12 Monate in deiner Region: Konflikt, Milieus, zentrale Symbole, Erzähltechnik.


Lernkontrolle
- Transfer: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, wie Montage nicht nur „cooles Stilmittel“, sondern eine Aussage über Wirklichkeit und Medien sein kann.
- Ursache und Wirkung: Zeige an einer Figur, wie gesellschaftliche Bedingungen Entscheidungen beeinflussen (mit Kausalkette: Bedingung → Druck → Handlung → Folge).
- Perspektivwechsel: Schreibe denselben Konflikt aus zwei Milieus und erkläre, wie sich das Zeitbild dadurch verändert.
- Argumentation: Nimm Stellung: „Zeitromane sind immer politisch.“ Begründe mit Definition und Gegenbeispiel.
- Deutung: Entwickle eine Deutungshypothese (1–2 Sätze) und plane drei passende Textbelege, die du in einer Analyse suchen würdest.
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