

Tragödie

Einleitung
Die Tragödie ist eine zentrale Form der Dramatik und zählt zu den wichtigsten Gattungen der Literatur. In Tragödien geraten Figuren in existenzielle Konflikte, treffen folgenschwere Entscheidungen und erleben häufig einen unaufhaltsamen Absturz, der beim Publikum starke Gefühle auslöst. Besonders prägend ist die Theorie von Aristoteles in seiner Poetik: Tragödien sollen beim Zuschauen eine Katharsis bewirken, also eine innere „Reinigung“ bzw. Verarbeitung von Erregungen wie Mitleid und Furcht.
In der Schule begegnet Dir die Tragödie als Textform, als Theaterstück, als Analyseaufgabe und als kulturelles Modell: Von der antiken Bühne (mit Chor und Masken) bis zum bürgerlichen Trauerspiel und zu modernen Dramen. In diesem aiMOOC lernst Du, Tragödien zu erkennen, ihre Bausteine zu analysieren, Deutungen zu entwickeln und eigene tragische Szenen zu entwerfen.

Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du …
- Tragödien als Gattung der Dramatik erklären und von Komödie abgrenzen.
- zentrale Begriffe wie Mimesis, Katharsis, Peripetie, Hamartia und Hybris sicher anwenden.
- den Aufbau dramatischer Handlungen (z.B. Fünfaktstruktur) beschreiben und im Text nachweisen.
- Figurenkonflikte (Pflicht vs. Neigung, Individuum vs. Staat, Schuld vs. Schicksal) analysieren.
- eine tragische Szene planen, schreiben und reflektieren.
Einstiegsimpuls: Tragödie sehen und hören
Achte beim Video darauf: Wie erklärt die Stimme die Wirkung auf das Publikum? Welche Fachbegriffe fallen?
Grundlagen: Was ist eine Tragödie?
Die Tragödie ist ein dramatisches Werk, das eine ernste, bedeutsame Handlung zeigt, in der eine Figur (oder mehrere) in einen Konflikt gerät, der zu Leid, Scheitern oder Tod führen kann. Entscheidend ist nicht nur das „traurige Ende“, sondern die Art, wie der Konflikt entsteht, sich zuspitzt und welche Einsichten daraus entstehen.
Abgrenzung zur Komödie
Während die Komödie typischerweise auf Entspannung, Lachen und eine eher versöhnliche Auflösung zielt, arbeitet die Tragödie mit existenzieller Zuspitzung, Schuldfragen, Wertkonflikten und oft mit Unumkehrbarkeit. Trotzdem können Tragödien auch komische Momente enthalten, und moderne Stücke vermischen oft Gattungen.

Zentrale Wirkung: Katharsis
Katharsis bedeutet in der Tradition von Aristoteles eine Wirkung auf die Zuschauenden: Durch das Miterleben von Erschütterung, Mitleid und Furcht werden Emotionen geordnet, verarbeitet oder „geläutert“. Wichtig: In der Literaturwissenschaft gibt es unterschiedliche Deutungen, aber als schulischer Kern gilt: Tragödien zielen auf starke emotionale Beteiligung und Reflexion über menschliches Handeln.
Antike Tragödie
Die antike Tragödie entstand in Griechenland im Kontext religiöser Feste (Dionysien). Sie wurde im Theater aufgeführt, oft mit Masken, festem Rollenrepertoire und einem Chor. Der Chor kommentiert, bewertet, deutet und verbindet Szenen. Typische Stoffe stammen aus Mythologie und Heldensagen.
Bausteine der antiken Tragödie
- Chor als kommentierende Instanz zwischen Handlung und Publikum
- Mythischer Stoff mit Schicksals- und Schuldfragen
- Konflikt zwischen göttlichem Gesetz, staatlichem Gesetz und persönlicher Moral
- Sprache als feierlich, verdichtet, bildhaft (z.B. Metaphern, Anrufungen)
Typische Konfliktmuster
Aristoteles und die Poetik

In der Poetik analysiert Aristoteles Tragödien und formuliert Grundideen, die bis heute für die Dramenanalyse wichtig sind. Für den Unterricht besonders bedeutsam:
Mimesis
Mimesis bedeutet „Nachahmung“: Drama stellt Handeln dar. Tragödie zeigt eine Handlung so, dass sie exemplarisch wirkt: Zuschauer erkennen Muster von Entscheidung, Irrtum, Schuld und Konsequenz.
Hamartia und Hybris
- Hamartia: eine Fehlentscheidung oder Verfehlung, oft aus Unwissenheit oder begrenzter Einsicht.
- Hybris: Überheblichkeit, Maßlosigkeit, Grenzüberschreitung, die häufig tragische Folgen auslöst.
Peripetie und Anagnorisis
- Peripetie: Umschwung, Wendepunkt, an dem die Handlung kippt.
- Anagnorisis: Erkenntnis, in der eine Figur Wahrheit über sich, andere oder die Lage begreift.
Aufbau: Klassisches Drama und Fünfaktstruktur
Viele Tragödien (vor allem in der Tradition der europäischen Klassiker) lassen sich mit der Fünfaktstruktur beschreiben. In der Schule wird häufig ein Modell verwendet, das grob so funktioniert:
Typische Stationen
- Exposition: Einführung in Figuren, Ort, Konflikt, Vorgeschichte
- Steigende Handlung: Konflikt verschärft sich, Entscheidungen verdichten sich
- Höhepunkt: größter Druck, entscheidende Konfrontation
- Peripetie: Wendepunkt, ab dem der Ausgang kaum noch aufzuhalten ist
- Katastrophe: tragische Lösung (Untergang, Verlust, Tod oder zerstörte Ordnung)
Schau Dir das Kurzvideo an und notiere: Welche Stationen erkennst Du in einem Drama, das Du kennst?
Tragische Figuren und Konflikte analysieren
Eine Tragödie lebt von Figuren, die in einem Konflikt handeln müssen. Dabei ist die Figur nicht „einfach böse“ oder „einfach Opfer“. Tragik entsteht oft dadurch, dass:
- eine Figur aus guten Gründen handelt, aber trotzdem Schaden anrichtet,
- Werte unvereinbar werden (z.B. Recht vs. Liebe),
- Wissen begrenzt ist und Entscheidungen zu spät korrigiert werden können.
Leitfragen für die Analyse
- Welche Ziele verfolgen die Figuren, und welche Werte stehen dahinter?
- Wo entsteht der zentrale Konflikt und wodurch verschärft er sich?
- Welche Entscheidung ist die zentrale Hamartia?
- Wo liegt die Peripetie und welche Folgen sind danach unvermeidlich?
- Welche Wirkung (z.B. Erschütterung, Mitleid, Furcht) erzeugt der Text, und wodurch?
Sprache und Inszenierung
Tragödien sind nicht nur Texte, sondern Theater. Deshalb lohnt sich immer auch ein Blick auf Inszenierungsfragen:
- Wie verändern Bühnenbild, Kostüm, Maske und Musik die Wirkung?
- Wie werden Pausen, Blicke, Nähe und Distanz gespielt?
- Welche Rolle hat das Publikum: Beobachter, Mitfühlende, Mitrichter?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt den Begriff Katharsis in der Tradition von Aristoteles am treffendsten? (Reinigung bzw. Verarbeitung starker Emotionen beim Publikum) (!Ein komisches Missverständnis, das die Handlung auflöst) (!Eine Bühnenanweisung für den Chor) (!Ein sprachliches Stilmittel der Ironie)
Welche Funktion hat der Chor besonders in der antiken Tragödie? (Kommentieren und Deuten der Handlung aus einer vermittelnden Perspektive) (!Er ersetzt die Hauptfiguren in allen wichtigen Szenen) (!Er sorgt ausschließlich für komische Entlastung) (!Er dient nur als Bühnenbild im Hintergrund)
Was ist eine Peripetie? (Ein Wendepunkt, an dem die Handlung entscheidend umschlägt) (!Die Einführung der Figuren am Anfang) (!Ein glückliches Ende nach Konfliktlösung) (!Ein Reimverfahren in Versdramen)
Was meint Mimesis im dramatischen Zusammenhang? (Darstellung von Handeln als Nachahmung der Wirklichkeit) (!Das Erzählen einer Handlung durch einen Ich-Erzähler) (!Das bloße Auflisten von Ereignissen ohne Figuren) (!Das Übersetzen antiker Texte ins Deutsche)
Was bezeichnet Hamartia am ehesten? (Eine Fehlentscheidung oder Verfehlung, die tragische Folgen auslösen kann) (!Eine Tanzform des Chores) (!Eine Regel, nach der Komödien enden müssen) (!Eine Figur, die immer die Wahrheit sagt)
Welche Aussage passt am besten zur Tragödie im Vergleich zur Komödie? (Tragödien fokussieren ernste Konflikte und existenzielle Konsequenzen) (!Tragödien haben immer ein Happy End) (!Komödien behandeln nie gesellschaftliche Probleme) (!Tragödien dürfen keine moralischen Fragen enthalten)
Welche Station gehört typischerweise zur Fünfaktstruktur? (Exposition) (!Fußnote) (!Epilog der Regie) (!Zwischentitel)
Wodurch entsteht Tragik besonders häufig? (Durch unvereinbare Werte und irreversible Entscheidungen) (!Durch zufällige Wortspiele ohne Konsequenzen) (!Durch das Auswendiglernen von Rollen) (!Durch das Fehlen von Konflikten)
Was ist eine Anagnorisis? (Eine Erkenntnis, in der eine Figur eine zentrale Wahrheit begreift) (!Ein Bühnenbild aus der Antike) (!Ein Vertrag zwischen Schauspielenden) (!Ein Reim am Ende jeder Szene)
Welche Rolle spielt häufig Hybris in Tragödien? (Überheblichkeit oder Grenzüberschreitung, die den Sturz begünstigt) (!Eine Technik, um Dialoge schneller zu sprechen) (!Ein Fachbegriff für Nebenrollen) (!Eine Abkürzung für Bühnenlicht)
Memory
| Mimesis | Nachahmung von Handeln |
| Katharsis | Emotionale Läuterung |
| Peripetie | Wendepunkt der Handlung |
| Hamartia | Tragische Fehlentscheidung |
| Chor | Kommentierende Gruppe |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Exposition | Einführung in Konflikt und Figuren |
| Steigende Handlung | Zuspitzung durch Entscheidungen |
| Peripetie | Umschwung der Handlung |
| Katastrophe | Tragischer Ausgang |
| Katharsis | Wirkung beim Publikum |
Kreuzworträtsel
| Katharsis | Wie heißt die „Reinigung“ bzw. emotionale Verarbeitung beim Publikum? |
| Mimesis | Wie nennt man die Nachahmung bzw. Darstellung von Handeln im Drama? |
| Peripetie | Wie heißt der entscheidende Wendepunkt der Handlung? |
| Hamartia | Wie nennt man die tragische Fehlentscheidung oder Verfehlung? |
| Hybris | Wie heißt maßlose Überheblichkeit, die den Sturz auslösen kann? |
| Chor | Welche Gruppe kommentiert in der antiken Tragödie häufig die Handlung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Tragödie: Schreibe eine kurze Definition in eigenen Worten und ergänze zwei typische Merkmale.
- Konflikt: Finde in einem bekannten Film oder einer Serie einen tragischen Konflikt und beschreibe ihn in fünf Sätzen.
- Figurenanalyse: Wähle eine Figur aus einem Drama, das Du kennst, und notiere Ziele, Werte und Hindernisse.
- Bühne: Entwirf ein einfaches Bühnenbild (Skizze oder Beschreibung) für eine tragische Schlüsselszene.
Standard
- Fünfaktstruktur: Teile ein Drama Deiner Wahl in fünf Stationen ein und begründe jede Zuordnung mit einem Textbeleg.
- Peripetie: Bestimme den Wendepunkt in einer tragischen Handlung und erkläre, warum danach „kein Weg zurück“ ist.
- Chor: Schreibe einen kurzen Chor-Kommentar (8–12 Zeilen) zu einer Szene, als würdest Du das Publikum ansprechen.
- Katharsis: Formuliere einen Reflexionstext: Welche Gefühle sollte das Stück auslösen und welche Einsicht bleibt?
Schwer
- Hamartia: Schreibe eine Szene, in der eine Figur eine Fehlentscheidung trifft, die zunächst sinnvoll wirkt, später aber tragisch wird.
- Hybris: Entwickle eine moderne Tragödie (Alltag, Politik, Sport, Social Media), in der Überheblichkeit den Konflikt verschärft.
- Inszenierung: Plane eine Regieidee: Wie würdest Du Licht, Geräusche und Pausen nutzen, um die Tragik zu steigern?
- Tragischer Held: Verfasse eine Figurenrede, in der die Hauptfigur ihre Motive rechtfertigt, obwohl das Publikum die Folgen ahnt.


Lernkontrolle
- Wertekonflikt: Erkläre an einem Beispiel, wie zwei „richtige“ Werte in einer Tragödie unvereinbar werden können und welche Wirkung das hat.
- Deutungshypothese: Formuliere eine Deutungshypothese zu einem Drama und zeige, wie mindestens drei Textstellen sie stützen.
- Inszenierungsanalyse: Beschreibe, wie eine Inszenierung (Ton, Licht, Körperhaltung) die Katharsis verstärken oder brechen könnte.
- Vergleich: Vergleiche eine Tragödie mit einer Komödie anhand eines gemeinsamen Themas (z.B. Familie, Macht, Liebe) und leite Unterschiede ab.
- Transfer: Übertrage das Modell Peripetie auf eine reale Konfliktsituation (z.B. Streit, Entscheidung, Krise) und reflektiere Chancen und Grenzen.
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