Innensicht


Innensicht

Einleitung
Du schreibst eine Geschichte – und plötzlich wirkt sie ganz anders, obwohl die Handlung gleich bleibt. Der Grund ist oft die Erzählperspektive: Wer nimmt wahr? Wer weiß was? Und wie nah bist Du an den Gedanken einer Figur?
In diesem aiMOOC lernst Du die Innensicht als Erzählform kennen und sicher anzuwenden – für Aufsatzunterricht, Textanalyse und eigenes kreatives Schreiben. Du erkennst typische sprachliche Signale, unterscheidest Innensicht und Außensicht und übst, Perspektiven gezielt zu wechseln.
Was bedeutet Innensicht?
Innensicht bedeutet: Du bekommst Einblick in die Gedanken, Gefühle, Bewertungen und Wahrnehmungen einer Figur. Innensicht ist ein zentrales Mittel, um Nähe, Spannung und Identifikation zu erzeugen.
Innensicht kann in unterschiedlichen Erzählformen auftreten:
- Ich-Erzähler: Die Figur erzählt selbst in der Ich-Form und kann ihre Innenwelt direkt zeigen.
- personales Erzählen: Erzählt wird in der Er-/Sie-Form, aber an die Wahrnehmung einer Figur gebunden (Du siehst die Welt „durch ihre Augen“).
Innensicht und Außensicht unterscheiden
Außensicht zeigt nur das, was von außen beobachtbar ist: Handlungen, Worte, sichtbare Reaktionen. Innensicht ergänzt das Beobachtbare um das „Innenleben“.
Merksatz: Außensicht ist wie eine Kamera. Innensicht ist wie ein Blick in den Kopf.
Typische sprachliche Signale der Innensicht
Du erkennst Innensicht oft an:
- Gefühlswörtern: „ängstlich“, „wütend“, „erleichtert“
- Gedankenverben: „denken“, „glauben“, „hoffen“, „fürchten“
- Bewertungen: „zum Glück“, „leider“, „typisch“, „unfair“
- Nähe zur Figurensprache: Ausrufe, Fragen, kurze Sätze
- Formen der Gedankenwiedergabe: Innerer Monolog, Erlebte Rede, Direkte Rede
Formen der Innensicht: Gedanken darstellen
Die Gedanken stehen scheinbar „ungefiltert“ da, oft in der Ich-Form, emotional und spontan. Häufig ohne „dachte er/sie“.
Beispiel: „Nicht jetzt. Bitte nicht jetzt. Warum passiert mir das immer?“
Die Gedanken einer Figur erscheinen in der Er-/Sie-Form, meistens im Präteritum, oft mit Ausrufen oder Fragen. Die Erzählinstanz tritt zurück, die Figur wirkt „nah“.
Beispiel: „Warum musste ausgerechnet er das sagen? Das war doch völlig unnötig!“
Gedankenbericht
Gedanken werden zusammenfassend berichtet, oft mit Einleitungen wie „Er dachte, dass …“. Das schafft etwas mehr Distanz.
Beispiel: „Sie dachte darüber nach, ob sie zurückgehen sollte.“
Innensicht in der Praxis: Wirkung im Aufsatz
Innensicht hilft Dir beim Schreiben, weil Du:
- Spannung aufbaust (innere Konflikte, Zweifel, Entscheidungen)
- Figuren glaubwürdig machst (Motivation, Gefühle, Ziele)
- Leserlenkung betreibst (Mitleid, Verständnis, Überraschung)
- Atmosphäre erzeugst (Angst, Vorfreude, Unsicherheit)
Abgrenzung: Erzählform und Erzählverhalten
Im Deutschunterricht werden Begriffe manchmal vermischt. Wichtig ist:
- Erzählform meint oft: Ich-Form oder Er-/Sie-Form.
- Erzählsituation unterscheidet z.B. personal, auktorial, neutral.
- Fokalisierung fragt: Durch wessen Wahrnehmung wird erzählt? Innensicht ist meist interne Fokalisierung.
Mini-Beispiel: Außensicht vs. Innensicht
Außensicht: „Tom stand vor der Tür, klopfte und wartete.“
Innensicht: „Tom stand vor der Tür. Sein Herz hämmerte. Wenn jetzt niemand öffnete, war alles umsonst.“
Medien zum Lernen

Erklärvideos
Üben nach Niveau: Innensicht sicher anwenden
Niveau 1: Grundlagen
- Erzählperspektive erkennen: Nimm einen kurzen Prosatext (5–10 Sätze) und markiere alle Stellen, an denen Du Gedanken oder Gefühle einer Figur findest. Begründe kurz.
- Außensicht umschreiben: Schreibe 6 Sätze Außensicht (wie eine Kamera) zu einer Szene „Jemand kommt zu spät“.
- Innensicht ergänzen: Ergänze zu Deinen 6 Außensicht-Sätzen jeweils einen Satz Innensicht (Gedanke oder Gefühl), ohne die Handlung zu ändern.
Niveau 2: Standard
- Innerer Monolog: Schreibe einen inneren Monolog (10–12 Sätze) einer Figur unmittelbar vor einer Entscheidung (z.B. Betrug zugeben, Mutprobe, Entschuldigung).
- Erlebte Rede: Schreibe dieselbe Szene in erlebter Rede (10–12 Sätze) in der Er-/Sie-Form.
- Fokalisierung prüfen: Erkläre an 5 Textstellen, woran man erkennt, dass die Wahrnehmung an eine Figur gebunden ist.
Niveau 3: Fortgeschritten
- Perspektivwechsel: Schreibe eine Szene zweimal (je 12–15 Sätze) aus Innensicht zweier Figuren, die dasselbe Ereignis unterschiedlich bewerten.
- Unzuverlässige Innensicht: Schreibe 12 Sätze Innensicht einer Figur, die sich selbst etwas schönredet. Markiere am Ende 3 Signale, die Zweifel wecken.
- Montage: Kombiniere Außensicht (4 Sätze) + Gedankenbericht (4 Sätze) + innerer Monolog (4 Sätze) zu einer stimmigen Mini-Erzählung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet „Innensicht“ in erzählenden Texten am treffendsten? (Einblick in Gedanken und Gefühle einer Figur) (!Beschreibung nur äußerlich beobachtbarer Handlungen) (!Wissen über alle Figuren und die Zukunft der Handlung) (!Erzählung ohne Erzählerstimme und ohne Figurenbindung)
Welche Erzählform verwendet typischerweise die Ich-Form? (Ich-Erzähler) (!Personaler Erzähler) (!Neutrales Erzählen) (!Auktorialer Erzähler)
Was ist ein typisches Signal für Innensicht? (Gedankenverben wie „denken“ oder „fürchten“) (!Viele Ortsangaben und Straßennamen) (!Nur wörtliche Rede ohne Begleitsätze) (!Ausschließlich Zeitangaben im Perfekt)
Welche Aussage passt am besten zur Außensicht? (Sie zeigt nur Beobachtbares wie Handlungen und sichtbare Reaktionen.) (!Sie zeigt immer die Gedanken aller Figuren.) (!Sie wird nur in der Ich-Form erzählt.) (!Sie ist identisch mit erlebter Rede.)
Welche Form gehört eindeutig zur Gedankenwiedergabe? (Innerer Monolog) (!Reim) (!Sachtext) (!Dialog)
Was kennzeichnet die erlebte Rede besonders häufig? (Gedanken in der Er-/Sie-Form mit Nähe zur Figurensprache) (!Gedanken in Klammern und mit Aufzählungszeichen) (!Gedanken nur als direkte Rede mit Anführungszeichen) (!Gedanken immer im Futur)
Wozu wird Innensicht im Aufsatz besonders genutzt? (Um Figurenmotivation und Spannung zu verdeutlichen) (!Um möglichst viele Fachbegriffe unterzubringen) (!Um jede Szene vollständig zu erklären) (!Um nur kurze Hauptsätze zu schreiben)
Welche Kombination ist typisch für personale Perspektive mit Innensicht? (Er-/Sie-Form und Wahrnehmung an eine Figur gebunden) (!Ich-Form und allwissende Erzählinstanz) (!Du-Form und neutraler Blick von außen) (!Wir-Form und ausschließlich Außensicht)
Was meint „Fokalisierung“ im Kontext von Innensicht am ehesten? (Durch wessen Wahrnehmung die Geschichte gefiltert wird) (!Wie viele Kapitel ein Text besitzt) (!Welche Textsorte im Unterricht behandelt wird) (!Ob ein Text gereimt ist oder nicht)
Welche Wirkung kann Innensicht besonders stark erzeugen? (Nähe und Identifikation mit einer Figur) (!Sachliche Distanz wie in einem Protokoll) (!Vollständige Objektivität ohne Perspektive) (!Ausschließlich komische Effekte)
Memory
| Innensicht | Gedanken und Gefühle |
| Außensicht | Beobachtbares Verhalten |
| Ich-Erzähler | Ich-Form |
| Personaler Erzähler | Figurenbindung |
| Erlebte Rede | Gedanken in Er-Form |
| Innerer Monolog | ungefilterte Gedanken |
| Gedankenbericht | zusammenfassendes Denken |
| Fokalisierung | Wahrnehmungsfilter |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Innensicht | Gedanken und Gefühle sichtbar |
| Außensicht | nur Handlung und Beobachtbares |
| Ich-Erzähler | Erzählen in der Ich-Form |
| Erlebte Rede | Nähe zur Figur in Er-Form |
| Gedankenbericht | Denken wird zusammengefasst |
Kreuzworträtsel
| Innensicht | Wie heißt die Perspektive, die Gedanken und Gefühle zeigt? |
| Aussensicht | Wie heißt die Perspektive, die nur Beobachtbares schildert? |
| Monolog | Wie heißt die Form, in der Gedanken direkt „mitlaufen“? |
| Fokalisierung | Fachwort dafür, durch wessen Wahrnehmung erzählt wird |
| Erzaehler | Wer vermittelt die Geschichte zwischen Text und Lesenden? |
| Distanz | Fachbegriff für Nähe oder Abstand zur Figur |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Innensicht-Markierung: Suche in einer Kurzgeschichte 8 Textstellen, die Innensicht zeigen, und erkläre jeweils in einem Satz, welches Signal Du erkannt hast.
- Außensicht-Kamera: Schreibe eine „Kamera-Version“ einer Szene (10 Sätze) ohne Gedankenwörter und ohne Bewertungen.
- Gefühle präzisieren: Erstelle eine Liste mit 15 Gefühlswörtern und setze 5 davon in eigene Beispielsätze zur Innensicht ein.
- Direkte Rede und Innensicht: Schreibe 8 Sätze Dialog und ergänze danach 4 Sätze Innensicht, die zeigen, was eine Figur dabei wirklich denkt.
Standard
- Innerer Monolog als Wendepunkt: Schreibe einen inneren Monolog (12–15 Sätze), in dem eine Figur erkennt, dass sie einen Fehler gemacht hat.
- Erlebte Rede umformen: Nimm Deinen inneren Monolog und wandle ihn in erlebte Rede um, ohne den Inhalt zu verändern.
- Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe Szene einmal in Innensicht und einmal in Außensicht (je 10 Sätze) und vergleiche die Wirkung in 5 Sätzen.
- Figurenprofil: Entwickle eine Figur (Alter, Ziel, Angst, Geheimnis) und schreibe dazu 2 Absätze Innensicht, die diese Eigenschaften indirekt zeigen.
Schwer
- Unzuverlässige Innensicht: Schreibe eine Szene (18–22 Sätze), in der die Innensicht einer Figur lügt oder verdrängt. Baue mindestens 4 subtile Hinweise ein.
- Mehrstimmigkeit: Schreibe eine Szene dreimal (je 10–12 Sätze) aus Innensicht von drei verschiedenen Figuren. Jede Version soll eine andere Bewertung haben.
- Stil-Mix: Schreibe eine Szene, in der Du bewusst zwischen Gedankenbericht, erlebter Rede und innerem Monolog wechselst. Begründe danach, warum Du wann wechselst.
- Mini-Analysevideo: Erstelle ein kurzes Erklärvideo (60–120 Sekunden) mit einem selbst gewählten Beispieltext, in dem Du Innensicht sprachlich nachweist.


Lernkontrolle
- Transfer: Erkläre an einem selbst gewählten Film- oder Serienbeispiel, wie Innensicht dort ohne „Gedanken-Sätze“ sichtbar wird (z.B. Kamera, Musik, Mimik) und übertrage das auf einen Erzähltext.
- Wirkung: Beschreibe, wie sich die Leserlenkung verändert, wenn Du eine Szene aus Außensicht in Innensicht umschreibst. Nenne mindestens 3 konkrete Textsignale.
- Figurenentwicklung: Zeige an einem selbst geschriebenen Textabschnitt, wie Innensicht eine Entscheidung vorbereitet. Markiere Auslöser, Zweifel, Wendepunkt.
- Perspektivkritik: Prüfe, ob eine Innensicht „zu viel“ erklärt. Entwickle zwei Überarbeitungen: eine mit mehr Außensicht, eine mit subtilerer Innensicht.
- Vergleich: Vergleiche personal erzählte Innensicht mit Ich-Erzähler-Innensicht anhand eines Beispiels (eigener Text oder Unterrichtstext) und bewerte Vor- und Nachteile.
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