Fleisch in der Kunstgeschichte - Teil 1

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Fleisch in der Kunstgeschichte
Von der Höhlenmalerei bis zur Meat-Art


Fleisch zieht seine blutige Spur durch die Kunstgeschichte. Offen oder geschlossen. Nackt oder bedeckt. Symbolhaft oder auf die Struktur reduziert. Fleisch tritt in der Kunst nicht nur als Motiv hervor, sondern ist teilweise auch der organische Werkstoff, aus dem Kunst gemacht wurde. Sogar als Farbersatz findet Fleisch seinen Platz in der Kunstgeschichte. Dabei ist nicht nur der Künstler selbst aus Fleisch und Blut, sondern auch derjenige, der an die Kunst herantritt. Diese Analyse des Fleisches in der Kunstgeschichte ermöglicht eine neue Sicht auf die Kunstgeschichte, das Fleisch an sich und den Menschen.


Fleischeslust in der Kunst

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Fleisch ist der Ursprung aller Kunstthemen. Schon bei der „Venus von Willendorf“ (Altsteinzeit / ca. 25.000 v. Chr.) ist das menschliches Fleisch das Motiv welches den Figuren ihre Form gibt. Der fleischliche Charakter der Venus von Willendorf galt bspw. als Fruchtbarkeitssymbol, welches als Nomaden-Kultobjekte transportabel war. Abb.: Venus von Willendorf (Altsteinzeit / ca. 25.000 v. Chr.)


Höhlen-Blutmalerei

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Das tierische Fleisch der Höhlenmalereien z.B. aus Altamira, Alt-Magdalénien (Jüngere Altsteinzeit ca. 12.000 – 15..000 v. Chr.) war aufgrund der Realität der damaligen Menschen ein sehr beliebtes Motiv: Pferde, Bisons, Hirsche usw. ließen Jagdszenen, Tierwanderungen, Technik des Tötens usw. als bildnerische Themen des Menschen als Jäger und Sammler erscheinen. Die Farbe setzte sich dabei aus Eisenoxiden, Holzkohle, diverse Gesteine, Erze und auch Blut zusammen. Fleisch galt schon hier als Symbol der Macht. Abb.: Höhlenmalerei aus Altamira, Alt-Magdalénien (Jüngere Altsteinzeit ca. 12.000 – 15..000 v. Chr.)

Beständigkeit des Fleisches

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Auch in der Tafelmalerei des Mumienportraits ist Fleisch das Leitmotiv. Die Mumifizierung sucht nach Beständigkeit und will Schönheit festhalten. Die körperliche, fleischliche Ähnlichkeit war nicht als Charakterdarstellung zu verstehen. Die Portraits war eine fleischliche Erinnerungen an Leben und Wirken und ein Begleiter im Tod. Abb.: Ägyptisches Mumienporträt (2. Jhh. n. Chr.)


Bibel-Fleisch

„Und das Wort ward Fleisch“ (Joh. Kap. 1). In der Bibel tritt das Wort Fleisch 305 mal in Erscheinung. (Das Wort „Leib“ 123 mal). Fleisch gilt hier vor allem als Symbol für Sünde, (Erb-) Schuld, Leid, Vergänglichkeit; aber auch als Leben, Liebe, Kraft und Macht. Der fleischgewordene Sohn Jesus Christus spielt hierbei eine zentrale Rolle.

3 wichtige Zitate:

  • „Und das Wort ward Fleisch geworden“ (Johannes 1,14) = Irdisch, Leiblich, Menschlich, Vergänglich
  • „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26,41) = Geist als Gegenbegriff des Fleisches
  • „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (Römer 7,14) = Negative Deutung: Fleischeslust & Abhängigkeit von der Sünde

Link: Fisch und Fleisch Redewendungen, Bibel-Fleisch, Bibel-Fisch



Meister des Inkarnats

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Hubert van Eyck galt vor allem in der Ausführung des „Genter Altars“ (1432 voll.) als Meister des Inkarnats (von ital. Carne, Fleisch) und verwandelte das Wort der Bibel in den Außenfiguren des Adams und der Eva in Perfektion zu Fleisch. Ohne Fleisch kein Mensch, kein Gott, kein Überleben, keine Kunst. Abb.: Hubert van Eyck – Genter Altar / Krieger Christi (1432 voll. / Ausschnitt: Adam und Eva)

„Alles Fleisch ist wie Gras ...“ (Petrus 1,24)


Sterblichkeit

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In Sandro Botticellis Gemälde ist die Sterblichkeit der Menschen das Leitmotiv, welche durch die Unsterblichkeit Gottes konfrontiert wird. Durch den Glauben an Gott werden die Wunden des Fleisches überwunden. Hier handelt es sich noch um seine sehr distanzierte, pietätvolle Darstellung der Wunden. Abb.: Sandro Botticelli: Der heilige Sebastian (1474 / Ausschnitt)


Anatomiestudien

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Durch die naturwissenschaftliche Betrachtung des Menschen in der Renaissance wurde das Wissen um das Fleisch durch die „Einsicht in das Fleisch“ vermehrt. Die Wissenschaft galt hier als Gegenspieler zur christlichen Lehre. Heimliche anatomische Studien von Leonardo da Vinci (er grub heimlich des Nachts ca. 30 frischbegrabene Leichen aus und sezierte sie) hatten vor allem einen künstlerischen Fortschritt zur Folge, da seine wissenschaftliche Entdeckung der Arteriosklerose nicht öffentlich gemacht werden durfte. Abb.: Leonardo Da Vinci – Embryologie (um 1500)


Das ist mein Leib

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Leonardo Da Vinci hatte aber nicht nur mit dem offenen Fleisch zu tun. Er war auch ein Meister des „Verweises auf das Fleisch“. Im Abendmahl spielt er beispielsweise durch die Ankündigung des Verrats in beinahe jeder Figur auf fleischliche Bibelereignisse an. Simon Petrus hält das Messer in der Hand, mit dem er Malchus das Ohr abschneiden wird. Judas hat sein Blutgeld bereits bekommen, das später unter dem Gehängten auf dem Blutacker liegen wird. Durch Jesus’ Handhaltung wird deutlich auf die Wunden der späteren Kreuzigung hingewiesen. Die im Bild unausgesprochenen Konsekrationsworte: „Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird.“ stehen als Zentrum der Glaubensgeschichte über der gesamten Szenerie, die nur noch von dem erhobenen Finger des ungläubiger Thomas ihre Bestätigung im Glaubensbekenntnis verlangt. Abb.: Leonardo Da Vinci – Das letzte Abendmahl (1495-1498)


Finger in der Wunde

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Der ungläubige Thomas legt den Finger in die offene Wunde um die Auferstehung des „fleischgewordener Sohn“ zu fassen. Die Überwindung der Fleischlichkeit findet durch die Gnade Gottes ihre Erlösung. Caravaggio stellt diese Szene nicht zurückhaltend, sondern sehr fleischlich dar. Abb.: Michelangelo Merisi da Caravaggio: Der ungläubige Thomas (1601-02 / Ausschnitt)


Vergänglicher fleischiger Reichtum

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In Handelshochburgen wie den Niederlanden waren Stillleben mit Fleisch ein Zeichen für Reichtum; aber auch für die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens. Stillleben mit Fisch legen die Verknüpfung mit Jesus nahe: griech.: ιχθύς = Ιησούς Χριστός Θεού υιός Σωτήρ = Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser – die ersten Buchstaben bilden das Wort „Fisch“ Abb.: Frans Snyders: Stillleben mit Wildbret, Obst und Gemüse auf einem Marktstand (1614)



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