Ich liebe sie nicht

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Ich liebe sie nicht

Ich liebe sie nicht, weil sie unendlich hübsch ist
Das ist sie, doch nicht alles, was sie ist
Ich liebe sie nicht, weil sie mich küsst
Obwohl sie damit mein Leben versüßt

Ich liebe sie nicht, wegen ihrer tiefen Augen
Ein Blick von ihr und ich würd’ ihr alles glauben
Ich liebe sie nicht, wegen ihrer goldenen Haare
Das kann nicht sein, was ich von ihr erfahre

Ich liebe sie nicht, wegen ihrer roten Lippen
Manchmal würd’ ich gern an ihnen nippen
Ich liebe sie nicht, wegen ihrer langen Beine
Das wäre nicht die Liebe, die ich meine

Ich liebe sie nicht, wegen ihrem hellen Lachen
Die trübsten Tage kann sie bunter machen
Ich liebe sie nicht, wegen ihrer Phantasie
Manche ihrer Gedanken, die verstehe ich nie

Ich liebe sie nicht, weil sie mich braucht
Oder weil sie mich manchmal anfaucht
Ich liebe sie nicht, weil sie sich schminkt
Oder weil sie mich mit Blicken zu sich winkt

Ich liebe sie nicht, weil sie logisch denken kann
Wenn ich das nur will, schaff’ ich mir ‘nen Rechner an
Ich liebe sie nicht, weil die Leute sie ganz cool finden
Deshalb möcht’ ich nicht, dass sich uns’re Seelen verbinden

Ich liebe sie nicht, weil sie ihr Wort nie bricht
Oder weil sie mir ihr Vertrauen verspricht
Ich liebe sie nicht, weil sie das Aussehen hat
Von Blicken, von Blicken, wird mein Herz nicht satt
Wird mein Herz nicht satt

Warum ich sie liebe, das definiere ich nie
Es ist nur so: Ich liebe sie



Vorgeschichte: So ist das Leben. So ist es eben

(Mehrere schnell durcheinander)

Einer schwankt zwischen dem geringeren Übel und der großen Liebe
Einer wehrt sich im Fallen gegen seine Triebe
Einer beobachtet, wie sich Schicksal über sein Bewusstsein wälzt
Einer behauptet nichts weiter, als sich selbst

Einer denkt nicht an das an- sondern nur an das entkommen
Einer wird von seinem Eigentum in Besitz genommen
Einer realisiert seine Gegenwart erst demnächst
Einer wundert sich, was aus seiner Entscheidung wächst

Einer verlässt sich auf seines Partners Glück
Einer lässt selbst seine gemischten Stimmungen zurück
Einer liest die Todesanzeigen nach sich selber durch
Ein Unkündbarer hat vor nichts mehr Furcht

Einer fragt sich, was die Wahrsagerin mit dem großen Ereignis meinte
Einer versteht nicht, warum seine Vertraute über ihn weinte
Einer möchte seine Einschränkung mit Umtrieb verzieren
Einer ist gleichgültig und glaubt sich nicht am Verlieren

Einer provoziert Streit, weil er so friedliebend ist
Einer stiert vor sich hin und fragt sich, wo DU bist

So ist das Leben auch
Eben nicht immer, wie man’s braucht

Kurzchor: Wir sind der Samen der kleinsten Dinge
Und Gleichsam größer als jedes Sein
Kein Wort je unseren Inhalt finge
Wir sind nicht groß oder unendlich klein
Groß an Wille und Natur können wir uns nicht geben
Wir sind es pur und leben unser Leben

Wir können alles lassen
Wir können aber auch alles (neu er-)schaffen