Wann wurde die Synagoge in Ihringen zerstört? Novemberpogrome / Reichskristallnacht am...





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In welchem Jahr wurde beschrieben, dass die alte Synagoge "durch Spaltung zweier Wände eine gänzliche Reparatur vonnöten hat"?

Welche drei ehemalige Ihringer jüdischen Männer, die in Amerika lebten, übernahmen den Großteil der Renovierungskosten der Synagoge in Ihringen im Jahr 1927?

Seit welchem Jahr erinnert ein Gedenkstein an das Schicksal der Synagoge in Ihringen?

Wer hat die Pläne und den Kostenvoranschlag für die an der Bachenstraße erbaute Synagoge ausgeführt?

In welchem Jahr wurde ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus in Ihringen eingerichtet?

Wie lautet die hebräische und deutsche Inschrift, die im Bogenfeld der Synagoge in Ihringen angebracht war?

Wie viele Sitzplätze sollte der Hauptteil der Synagoge laut Bauplan für Männer und Knaben bieten?

In welchem Jahr wurde die alte Synagoge als "längst total baufällig" beschrieben?

Wie wurde die Synagoge in Ihringen nach der Renovierung im Jahr 1927 beschrieben?

In welchem Jahr wurden die Pläne für die neue Synagoge von der Regierung des Oberrheinkreises genehmigt?

Wie viele in der NS-Zeit ermordete Ihringer Juden werden auf dem Gedenkstein, der seit April 2009 existiert, genannt?

Wann wurde die Synagoge in Ihringen zerstört?

Wann wurde die Synagoge in Ihringen umfassend renoviert und wieder eingeweiht?

Wie viele Sitzplätze sollte die Empore der Synagoge für Frauen bieten?

Wem gehörte das Grundstück, auf dem die Synagoge erbaut wurde?

Wem wurde die Pläne für die Synagoge in Ihringen im Juli 1861 zur Begutachtung vorgelegt?

In welchem Jahr wurde die Genehmigung zum Abriss des alten Schulhauses vor der neu erbauten Synagoge beantragt?

Wann wurde die neue Synagoge in Ihringen fertiggestellt?

Wann wurde der Bau der Ihringer Synagoge von Markgraf Karl Friedrich von Baden genehmigt?




Infos

1738 wurde ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus eingerichtet, das Marx Geißmar beziehungsweise zuletzt seiner Witwe gehörte. 1759 ist das Haus mit dem Betsaal an den Ihringer Bürger Matthis Jakob verkauft worden, wodurch die jüdische Gemeinde zur Einrichtung eines neuen Betsaals gezwungen war. Nun suchte man bei den Behörden um die Genehmigung des Baus einer Synagoge nach. Markgraf Karl Friedrich von Baden genehmigte am 1. März 1760 mit eigenhändiger Unterschrift den Bau der Ihringer Synagoge. Sie wurde auf dem von Jacob Geismar unentgeltlich zur Verfügung gestellten Grundstück erbaut.

Jahrzehntelang tat die erste Synagoge ihren Dienst, dann befand sie sich in einem schlechten Zustand. 1826 war bereits deutlich, dass die Synagoge "durch Spaltung zweier Wände eine gänzliche Reparatur vonnöten hat". Auch sei der Raum für die Frauen zu klein. Im März 1826 wurde deshalb ein Bauausschuss aus den Herren Salomon Geismar, Hirschel Bloch, Philipp Kahn und Herz Günzburger gebildet, die sich Gedanken zur Vergrößerung der Synagoge machen sollten. Zunächst überprüften sie, ob die alte Synagoge erweitert werden könnte. Alle Bausachverständigen, die man hierzu befragte, rieten davon allerdings wegen der Gefahr des Einsturzes des alten Gebäudes dringend ab. Schließlich machte man sich Gedanken, ob der Neubau einer Synagoge durchführbar wäre. Seligmann Geismar hatte bereits unentgeltlich einen Bauplatz dafür angeboten. Allerdings erwies sich dieser als zu klein und auch so tief gelegen, dass das Gebäude hätte "in Wasser gesetzt werden müssen". Die Fundamentierung wäre so teuer gekommen, dass man gleich ein besseres Grundstück hätte kaufen können. Schließlich fand man ein außerordentlich günstig gelegenes Grundstück mit Hof und angrenzendem Garten, auf dem man bauen konnte. Nachdem der Bauausschuss gute Arbeit geleistet hatte, mussten die weiteren Entscheidungen von der Gemeinde getragen werden. Die Notwendigkeit eines baldigen Baubeschlusses war noch dringender als ein paar Jahre zuvor. 1842 wurde die alte Synagoge als "längst total baufällig" beschrieben. Sie sei "jetzt schon um die Hälfte zu klein". Vor allem hätte kaum ein Drittel der verheirateten jüdischen Frauen aus Ihringen Platz, was gar nicht sein dürfte, denn nach den Verordnungen im Großherzogtum Baden von 1824 mussten auch die Mädchen den Gottesdienst besuchen. In mehreren Gemeindeversammlungen fasste man die nötigen Beschlüsse. Im Februar 1842 einigte sich die Mehrheit der Gemeindeglieder auf den vorgezogenen Verkauf der Synagogenplätze, um möglichst bald einen Fond zum Bau zur Verfügung zu haben, damit man kein zu großes Darlehen aufnehmen müsse. Dadurch kamen innerhalb von zwei Jahren 4.400 Gulden zusammen. Der bürgerliche Gemeinde stimmte im Juni 1842 gleichfalls dem Bau zu.

Dennoch sollte es nochmals fast 20 Jahre dauern, bis die neue Synagoge erbaut wurde. Die Pläne und der Kostenvoranschlag für die nun an der Bachenstraße (unmittelbar auf der Einmündung des heutigen Schulweges zwischen Bachenstrasse. 15 und 17; den Schulweg gab es damals noch nicht) erbaute Synagoge wurden von dem Freiburger Architekten Schneider ausgeführt. Dieser wird identisch mit dem Freiburger Gewerbeschullehrer Georg Jakob Schneider sein, der noch einige andere Synagogen in der Umgebung erbaut hat. Im Juli 1861 wurden die Pläne auf Ersuchen des Oberrats der Israeliten Badens von Oberbaurat Friedrich Theodor Fischer in Karlsruhe begutachtet. Am 18. März 1862 genehmigte die Regierung des Oberrheinkreises die nochmals abgeänderten Pläne. Die geschätzten Baukosten beliefen sich auf 13.338 Gulden. Bis 1863/64 wurde die neue Synagoge fertig. Über das genaue Datum der Einweihung liegen keine Angaben vor. Im Mai 1864 beantragte die israelitische Gemeinde die Genehmigung zum Abriss des alten Schulhauses vor der neu erbauten Synagoge.

Die Fassade der neuen Synagoge präsentierte sich (nach der Beschreibung von Carmen Ziwes) "als dreigegliedertes zweigeschossiges Bauwerk. Von einem breiten Mittelteil werden durch Lisenen zwei schmälere Seitenteile abgetrennt. Die geschossübergreifenden, durch farbigen Stein hervorgehobenen Lisenen durchstoßen das die Geschosse trennende Gesims und geben der Fassade so eine vertikale Ausrichtung. Im Mittelteil befindet sich der um sechs Stufen erhöhte Eingang in Form eines einfachen nahezu klassischen Rundbogenportals. Die dahinterliegende Vorhalle führt zur eigentlichen Türe. Eine im Bogenfeld angebrachte hebräische und deutsche Inschrift lautet ‚Hier die Pforte zum Tempel des Ewigen’. [...]. Die Fassade nimmt in den wesentlichen Elementen den Innenraum vorweg. auch dieser ist dreigegliedert und zweigeschossig. Von einem breiteren Mittelraum werden durch Säulen, die die Frauenemporen tragen, zwei seitliche, schmälere Raumteile abgetrennt. [...] Die Sitzbänke im eigentlichen Hauptraum der Synagoge, die laut Bauplan für 72 Männer und etwa 35 bis 40 Knaben bieten sollen, ordnen sich um die erhöhte Bima an. Inter dieser, wiederum etwas erhöht, befindet sich der Aron haKodesch [...], der mit einer reich verzierten Rundbogenarchitektur überfangen ist [...] Unmittelbar über dem Toravorhang sind in einem Wandfeld die Gebotstafeln angebracht, darüber befindet sich eine weitere Inschriftentafel sowie abschließend ein buntverglastes Rundbogenfenster. Die Flachdecke des Synagogenraumes ist in Anlehnung an die Ornamentik der Emporen und des Aron haKodesch ausgestaltet. Von ihr herab hängen zumindest drei Leuchter, die der Männersynagoge Licht spenden. Die Emporen sollten 72 Sitzplätze für Frauen bieten."

1927 wurde die Synagoge umfassend renoviert und im August 1927 wieder eingeweiht. Insbesondere drei ehemalige Ihringer jüdischen Männer - die in Amerika lebenden Brüder Maier, Hermann und Isaak Weil, übernahmen den Großteil der entstandenen Kosten von 10.000 Mark (siehe Bericht unten von 1928). Danach galt die Synagoge in Ihringen als "weit und breit eine der schönsten Synagogen in kleineren Gemeinden".

10 Jahre nach dem oben beschriebenen Ereignis, am 10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört. Die Ihringer Juden wurden von SS-Leuten vor ihrer Synagoge zusammengetrieben, wo sie aufs Übelste beschimpft wurden und mit ansehen mussten, wie ihr Gotteshaus den Flammen übergeben wurde.

Unweit des Synagogenstandorts erinnert seit 1980 ein Gedenkstein an ihr Schicksal. Vor wenigen Jahren wurde der Gedenkstein auf die andere Seite des Schulweges versetzt und eine Gedenkstätte "Synagogenplatz" eingerichtet. Seit April 2009 ist zusätzlich ein Gedenkstein mit den Namen von 57 in der NS-Zeit ermordeten Ihringer Juden vorhanden.

Quelle: Alemannia-judaica.de/ihringen_synagoge




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  2. Quellen: Wiki, Heimatmuseum, Jüdische Gemeinde, Ihringen.de, ...



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