STORYLINE - Erster Entwurf

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>>ES LOHNT SICH UNZUFRIEDEN ZU SEIN<<



!!! DAS DREHBUCH ZUM FILM !!!

Es ist dein Film. Genieße deine Vorstellung


PROLOG Hardy (nicht visuell eingeblendet) redet über die Radioshow „Storyline“ zu Kurzszenen aus Kultfilmen und dem Vorspann. Zu dem von Hardy vorgelesenen Prolog wild durcheinander geschnittene Kultfilmausschnitte: Star Wars, Harold and Maude, Frankenstein, Zwei glorreiche Halunken, Hair, Star Trek, Rocky Horror Picture Show, Titanic, Sieben, Dracula, ...

>>10. Juli: Machen wir uns nichts vor! Die Geschichten, die wir den Tag über leben, sind es nicht gerade wert unser Dasein durchzuziehen. Da könnten wir unser Hirn manchmal schon gelungener zum ausglühen bringen. Klar sind unsere Freunde in Ordnung und unsere Familie, ja, unsere Bekannten gaben uns einiges zum weitererzählen, das schon den Anschein hatte, lebenswert zu sein. Mit einigen, die man später nie als Freunde bezeichnen würde, hatte man sogar schon die „Laune der Welt“ erlebt. Es gibt alle nur erdenklichen (auch unelektrischen) Dinge, die uns das irdische Dahinfahren erleichtern. Wir haben gesundheitsfördernde Mikrowellen, abartig große, schnurlose Bildschirme, verbilligte CD-Brenner, die Müllabfuhr, schönheitsprüfende Körperfettmesser, stufenlos aufdrehbare Weihnachtsfensterverzierungen und so weiter (dummerweise sind mir jetzt doch vor allem elektrische Zufriedensteller eingefallen, egal). Und trotz allem: mal ehrlich, das ist noch nicht alles, oder?

Ich hab mal einen vermutlich typischen Talk-Show-Spruch gehört: „Seit ich mich zum ersten mal selbst befriedigt habe, wußte ich, daß es mir nie wieder langweilig werden würde!“ Der Typ, der das behauptete, meinte natürlich genau das, an was wahrscheinlich jeder zuerst denkt, wenn man den Spruch so hört. Ich vermute, daß er noch viel richtiger mit seiner Meinung lag, als er es wollte. Jeder ist für seinen eigenen Spaß oder Nichtspaß oder seine Langeweile und den ganzen Kram selbst zuständig. Nichts ist so perfekt und grausam für uns, wie die eigene Vorstellung. Wenn wir uns selber unterhalten müssen, ist das schon mehr als gut genug, weil uns niemand die Möglichkeiten nimmt, die wir uns selber geben können.

[Natürlich bin ich mir auch im Klaren darüber, daß es besser ist, von anderen unterhalten zu werden, weil es eben einfach bequemer ist.]

Alles ausloten, die Leute kennen lernen, genau das machen, was sie nie von sich wollen: sie einordnen und dazu faul im Sessel liegen und sich von ihren Stories berieseln lassen! Will das nicht jeder, irgendwie? Egal was die anderen uns erzählen, wie sie uns voll quatschen, was auch immer sie uns für einen Bären aufbinden, wie erstunken einiges auch sein mag und sich vielleicht sogar erlogen anhört (obwohl man nie wirklich lügen kann, wie ich glaub. Aber das ist ein anderes Thema). Was wir daraus machen, ist, was wir daraus gewinnen. Man hört sich die Schose an, findet es je nach dem und läßt seiner Meinung dazu freien Lauf. Und weil das so genial einfach, bequem und angenehm ist, fassen wir hier unsere Geschichten zusammen und lassen uns sein wie wir wollen.

Klar, die Leute, die hier etwas zum Besten geben sind keine Goethes, keine Shakespeares, Douglas Adams oder gar Tom Robbins, nein, darüber bin ich mir bewußt, aber mit denen hab ich sowieso schon so ziemlich abgeschlossen. Natürlich kann man in verschiedenen Situationen immer mal wieder auf die zeitlosen Geister zurückgreifen und man war ja auch dankbar über die verschiedenen Lektüren zu verschiedenen Lebensabschnitten. Mit wem könnte man beispielsweise besser Hand in Hand durch seine Jugend gehen, als mit den Werken von Hesse; wie gern erlitt man noch einmal sein eigenes Liebestrauma mit Werther; wer kann die Stimmung in Sartres Existentialismus so genial ausleben, wie sie verfaßt wurde? Für jede Phase im Leben gibt es Bücher, die etwas für uns haben. Das Miese ist nur: ich war schon lang nicht mehr mit dem zufrieden, was die Verleger uns auftischen. Oft muß ich nur die ersten Seiten von einem Buch anfangen und mir gähnt bereits der übliche Handlungsverlauf ins Gesicht. Bei vielen Büchern hab ich mich dazu durchgerungen sie fertig zu lesen und ich hab zu meiner Langeweile feststellen müssen, daß sich meine tristen Erwartungen erfüllten: der übliche Handlungsverlauf oder genau das Gegenteil davon (so denken manche Autoren kreativer zu sein). Mir dürstet förmlich danach höchstens die Zusammenfassungen von dem endlosen Geprabbel zu bekommen; aber nicht von dem üblichen, sondern von Leuten, die nichts (oder noch nichts) mit Verlagen, Auflage, Arbeiten mit fremden Lektoren und all dem, was scheinbar dazu gehört zu tun haben. Ich möchte die Geschichten haben, wie sie aus den Menschen heraus drängen, nur so weit selbst überarbeitet, daß ich mir ein eigenes Bild davon entwickeln kann. Das reicht für den Film in meinem Kopf. Was sich aus meiner eigenen Vorstellung entwickelt ist schließlich eh das Entscheidende!!! Wünsch‘ dir was!!! Es geht los!!! <<

Crosstown Traffic (Jimi Hendrix)

[Mit Bildern von Gitarrespieler und einem 28-jährigen überschneiden sich. Der junge Mann geht gerade ins Kino. Jimi Hendrix läuft in seinem Walkman. Er kauft sich eine Kinokarte, kauft Popkorn und 3 Bier. Er sitzt eine Weile vor dem Kinosaal und steuert schließlich auf seinen Platz zu. Er muß noch Jugendliche von seinem Platz verweisen. Er zeigt ihnen die Nummer auf der Karte. Die Werbung läuft. Die Trailer. Der Vorhang schließt sich. Der Vorhang öffnet sich wieder. Er nimmt den Kopfhörer ab. „Crosstown Traffic“ ist gerade am Ende.]

STORYLINE 1. Eine Geschichte wird von einem Anrufer vorgestellt. [Der Zuschauer weiß noch nicht, daß es sich bei dem zu sehenden nur um die Vorstellung handelt, die Hardy in die Geschichte mit einbringt. Hardy stellt sich den Film actiongeladen in schnellen Schnitten und Szenenwechseln – ähnlich einem Trailer – vor]

Jenni und Den ziehen durch die Großstadt und legen alle möglichen Leute um, um an mehr als genug Geld zu kommen. Sie knacken Banken, Computergesellschaften und jeder für sich alle möglichen Lebenspartner. Jeder hat in dem Blitzleben Unmengen an Beziehungen, die meist daran scheitern, weil Jenni oder Den zu ihren Partnern zu ehrlich sind, was ihren Job angeht. Jenni und Den sind ständig auf der Flucht, da sie von einem tolpatschigen Polizistenpärchen verfolgt werden, das sich an dem Ruhm, die gefürchtetsten Verbrecher hinter Schloß und Riegel gebracht zu haben, selbst befriedigen wollen. Einmal werden sie in einem Hotel auf dem Land aufgespürt. Mit Müh, Not und Schußverletzungen können sie aber entkommen. Sie finden im Dachboden eines Studentenwohnheims vor der Polizei Unterschlupf. Da begegnen sie dem „Ficken 2020 Team“, das aus 57 Mädchen besteht. Alle von ihnen sind zwischen 15 und 23 Jahre alt. Sie leben normalerweise auf der Straße; dementsprechend sehen ihre Kleider aus, augenblicklich haben sie vorerst aber von der katholischen Heimleitung eine außerordentliche Genehmigung bekommen: sie dürfen sich für 3 Wochen auf dem Dachboden aufhalten. Die Mädchen sind Straßenkinder, die gewöhnliche Kleidung kann aber nicht über die Tatsache hinweg täuschen, daß es sich bei jeder einzelnen um eine Schönheitsgöttin handelt. Sie verhalten sich gleichgültig abgebrüht, aber nicht gestelzt cool, als Jenni und Den vollkommen erschöpft ankommen. Die 23-köpfige Verfolgergruppe können sie locker mit ihren weiblichen Reizen von dem Versteck der beiden Verbrecher ablenken. Als die Polizei am nächsten Morgen wieder zum Dienst muß, können Jenni und Den endlich wieder aus den Showsärgen, mit denen das „Ficken 2000 Team“ Sommers auf Tournee geht.

Im Studio Jürgen: Weiter bin ich noch nicht. Ich weiß nur, daß ein Einzelkämpfer, ein vollkommener Langweiler und massig Studenten dazu kommen und sich das meiste dann um eine riesige Party dreht, zu der alle irgendwie Beteiligten kommen: die Polizisten kommen in zivil, die Angehörigen der Jenni-Den-Opfer sind wieder fröhlich, der Einzelkämpfer kommt im Lendenschürz und das „Ficken 2000 Team“treten in ihren Zirkuskostümen auf. Das ist gerade voll in Arbeit. Hardy: Das nenn ich mal eine zeitgemäß überfrachtete Geschichte. Es klingt nach einer Mischung aus mehreren Filmen. Anfangs erinnert etwas an „Harry and Sally“, aber vielleicht doch eher noch an ein paar abgeschwächte Frequenzen von „Natural born killer“. Dazu müßte es aber noch Alice Cooper oder der Typ von „Danzig“ überarbeiten. Die Polizisten könnten aus einem Burt Reynoldsfilm kommen, oder? Die beste Idee ist das mit dem „Ficken-2000-Team“. Jürgen: 2020! Hardy: Das wird bestimmt mal Scharen in die Kinos locken, wenn du dran bleibst und die Geschichte fertig schreibst. Insgesamt eine angenehme Mischung aus Action- und Gangster-Sex-Komödie. Wenn die richtigen Schauspieler, wie bei „Wild Things“ mitspielen, gehen bestimmt auch diejenigen Leute in deinen Film, die sich mal gern einen inoffiziellen Softporno reinziehen. Jürgen: War das Gesamte nach deiner Meinung jetzt eher positiv oder was? Hardy: Klar, schon in Ordnung! Zu solchen Filmen, die sich im Endeffekt nie so gekünstelt, verrationalisiert wichtig nehmen, find ich, gehört vor allem ein Abspann, der die besten Pannen der Dreharbeiten zeigt. Jürgen, danke für deinen expressionistischen Beitrag, wir hören bestimmt voneinander. Und du weißt, vielleicht meldet sich noch jemand bei dir. Also, ich konnte mir einiges unter deiner Geschichte vorstellen. Jürgen: Alles klar, bis dann. Hardy: Und damit ist die Zeit für heute auch schon wieder abgelaufen. Multiple: (spielt ein Gejammer-Jingle) Hardy: Ihr wißt, wann es wieder so weit ist. Gute Zeit! – Musik!

Christoph: (versucht eine neue Mitarbeiterin, Jody, vorzustellen, die heute im Studio eingetroffen ist) He Hardy! Hardy: (noch in irgendwelche Zettel auf seinem Tisch vertieft) Hm? Christoph: War o.k. heute oder? Hardy: Ja, manchmal denkt man wirklich, daß man einige Leute produzieren sollte. Naja, der Letzte hatte eine abartige Neurose, aber so lang er beim schreiben bleibt schubst er schon keine Omas vom Rad. Christoph: (etwas verlegen) Ach ja, übrigens, deine neue Mitarbeiterin ist heute angekommen. Hier ist sie. Darf ich bekannt machen: Jody! Tja, und das ist Hardy, der Moderator der Sendung. Jody: (etwas aufgeregt, mit einem Zittern in der Stimme) Er ist ja wohl bekannter als ein bunter Hund. Hardy: (sieht zum ersten mal hoch, ist überrascht und über Christoph verärgert zugleich) Ehm, ja! Christoph: (versucht ein drohendes unangenehmes Schweigen zu verhindern) Erzähl ihr doch noch einiges über den Sender, die Vorrichtungen ... . Multiple: Apropos Vorrichtungen, warum werde ich nicht vorgestellt? Hardy: (zieht Christoph beiseite) Ich hab dir tausendmal gesagt, daß ich keinen Assistenten brauche und wenn dann bestimmt keine Frau! Christoph: (hält Hardy einen alten Zettel vor) Hardy: Au Mann! Mist! Das gibt’s doch nicht. Das ist aber das letzte mal, daß das (zeigt auf das Blatt) funktioniert. Multiple: (stellt sich währenddessen selbst vor) Servus Jody, ich bin die wichtigste Einrichtung hier, ich bin der Musik-Misch-Jingle-Roboter, der für die eigentliche Unterhaltung sorgt. Das Gequassle nebenher kann man vollkommen abhaken. Mir unverständlich, wie die Show in der Öffentlichkeit als beste Radiosendung seit 100 Jahren ausgezeichnet werden konnte. Wahrscheinlich liegt es daran, das die Jury täglich mehr wegschnupft, als man Kalk zum Fußballplatzstreuen braucht ... . Christoph: (immer noch mit Hardy in einer Ecke) Tja, tut mir leid, obendrein wirst du heute Abend erst einmal mit ihr zum Essen gehen und nebenher einen Plan für die nächsten Folgen ausarbeiten. Hardy: Du bist wohl nicht mehr ganz sauber. Ich hab heute schon eine Verabredung ... . Christoph: Ja, klar! Mit deiner Glotze, oder was? (Wedelt mit dem alten Papier). Und denk daran, ich möchte grundlegende Änderungen, die den Hörern auch auffallen. Wir hatten schon ewig keine Neuigkeiten mehr. Hardy: Was hältst du davon, wenn ich mir endlich mal selbst jemanden suche und nicht immer wieder solche Nieten von dir aufgedrückt bekomme. Christoph: Du wirst schon sehen, die hat einiges auf dem Kasten. Sie hat mir ein paar gute Ideen unterbreitet. Hör ihr zu und du wirst froh an ihr werden. Hardy: Oh Gott. Multiple: (beendet seinen Monolog) ... und darum bin ich der einziger der nicht früher oder später wegrationalisiert wird. Herzlich willkommen!!! Christoph: Was soll denn das schon wieder, Multiple? Hören sie nicht auf ihn, er labert viel wenn der Tag lang ist. Hardy: Sein Programmierer war ein Arschloch! Multiple: Und deiner war ein Einfallspinsel. Hardy: Er ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen. Multiple: Dann geht’s mir ja ähnlich wie der Menschheit. Christoph: Schon gut. Wir haben es kapiert, daß das Arbeitsklima Spitze ist. – Jody, du weißt Bescheid. Die Rechnung geht auf mich, laßt es euch gut gehen. Jody: Danke. Ich werde die Karte nicht großartig belasten. Hardy: Du gibst ihr deine Kreditkarte? Christoph: Ich hatte kein Bargeld parat! Hardy: Ziß, ich hatte kein Bargeld parat, mir hast du sie noch nie ausgehändigt! Christoph: (ironisch) Darüber würde ich mir keine Gedanken machen – nein. Hardy: (dreht sich abwinkend zur Seite) Äh. Christoph: Vergeßt nicht, es als Überstunden aufzuschreiben. Hardy: Darauf kannst du Gift nehmen. Christoph: (im gehen) Viel Spaß! Hardy: (leise) Idiot! (geht ebenfalls) Multiple, ich vermiß dich jetzt schon. Multiple: Manchmal bin ich froh, keine Beine zu haben. Jody: Ich hoffe es wird ein schöner Abend. Hardy: Wissen sie, man redet die ganze Zeit, das braucht nicht auch noch zum Hobby werden.

In einem noblen Restaurant Jody: (langsam und genügsam beim Essen) Möchten sie mir nicht erzählen, wie sie zu dem Sender gekommen sind und was sie bislang so alles erlebt haben. Hardy: (hastet das Essen runter) Erstmal: nennen sie mich Hardy! Zweitens: Vielleicht kommen wir nach dem Essen zu einem kleinen Gespräch. Jody: Warum schlingen sie denn so? Bekommen sie sonst nichts zum Essen? Sie müssen doch genügend Geld mit ihrer Radioshow verdient haben, um sich des öfteren ein Restaurantbesuch zu gönnen. Hardy: (hebt die Hand um etwas zu sagen, kann allerdings nicht, weil sein Mund zu voll ist) Jody: Ah nee, lassen sie mich raten, sieht die Antwort ungefähr so aus: Sie sind zu faul um aus dem Haus zu gehen und können nur Fertigpizza kreieren. Hardy: (hat runtergeschluckt) Nein, die Antwort sieht eher so aus: Ich schröpfe Christoph da, wo es irgendwie geht und wenn wir schneller essen, können wir das hier auch schneller beenden. Jody: Wie galant! Hardy: Obendrein verdient ein Radiomoderator nicht gerade ein Schaustellerhonorar. Na ja, was soll‘s. Wie viele Kinder haben sie? Jody: Ich bin noch unverheiratet. Hardy: Warten sie mal, - , was habe ich noch einmal gefragt? Jody: Nein, ich habe keine! Was ist jetzt mit der Geschichte, wie sie zu dem Sender gekommen sind. Hardy: Sie sind vielleicht hartnäckig. Wollen sie die ganze Geschichte? Jody: Ehrlich gesagt lieber eine Kurzfassung davon, aber das muß man ihnen ja nicht erzählen, oder? Hardy: (legt seinen Löffel beiseite, mit dem er sogar das Fleisch auf dem Teller zerstückelte)

Die Binnenhandlung (Hardys Version) Hardy: Hardy, also ich, ein ungestümer, frecher, witziger Radiomoderator kommt eines Tages auf die Idee eine Sendung mit unbekannten Künstlern zu machen. Es war nicht immer einfach meine Idee durchzusetzen. Es gab viele Konservative ... Konservative 1: Das ist alles zu riskant. Konservative 2: Wie soll man das finanzieren? Konservativer 3: Warum produzieren wir nicht eine Techno-Hitparade? Hardy: Es gab viele Neider ... Neider 1: (zu Neider 2) Wir müssen ihn irgendwie stoppen. Neider 2: Aber wie, er ist so sexy! Neiderin 3: Wie er das nur alles macht. – Ich will ihn! Hardy: Aber vor allem gab es viele, die meine Idee erst überhaupt nicht verstanden. Verständnisloser 1: Jetzt schiebt er schon wieder eine andere gedankliche Wirklichkeit ein. Verständnisloser 2: Die extreme Beanspruchung der Illusion überfordert den Zuhörer! Verständnisloser 3: (sitzt auf dem Boden und schlägt sich an den Kopf) Hardy: Na ja, ich hatte es wirklich nicht leicht, da ich allerdings eine gute Anstellung im Sender hatte ... Fernsehmoderator: Der Preis für die höchsten Einschaltquoten in diesem Jahrzehnt geht an Hardy-Hardcore-Sonders Hardy: ... konnte ich den frühere Programmchef geradezu dazu erpressen, mir eine Stunde Sendezeit täglich zu überlassen. Später wurden dann – aufgrund des Erfolges – 2 daraus. Bis ich bei „Radio Seven“ das Ruder in die Hand nahm, ging dort alles drunter und drüber. Jody: (verdreht nur gelangweilt ihre Augen) Hardy: (hält eine Rede vor einer Menschenmenge, die sich in einem mittelgroßen Fußballstadion zusammenpfercht) Meine Damen und Herren, es ist mir eine Freude sie zur heutigen Eröffnung des Nonplusultra-Programms: „Storyline“ begrüßen zu dürfen. Hardy: (lehnt sich in seinem Restaurantstuhl zurück) Ja, und so läuft es nun schon eine geraume Zeit, du kennst die Show ja. Allerdings weiß ich auch, daß meine Freunde mir geholfen haben. Flopp: (im Studio, vor einem Mikro) ... und da ist er wieder der Meister der Worte, der kritische, berühmt und berüchtigte Gottvater der Idee: Hardy „Hardcore“ Sonders!!! Mit: Storyline, der Show für unentdeckte Talente... Hardy: Ja, ja, schon recht, Flopp! Bleib locker im Slip. Ich bin bestimmt nicht der Star der Sendung. Ich will ja nicht herumschleimen, aber alles kommt auf euch an, nach euch wird diese Sendung schlapp, erweiternd oder nur interessant. Ich bin gespannt, was ihr mir heute zu bieten habt. Und wir legen auch gleich los: wen hat mir da mein Vorhörer Flopp zugeteilt? Die schnelle Anfangsrunde der „Hot Shots“: ... Jody: Ich dachte, die Leute vom Weltethos hätten Storyline ins Leben gerufen!?? Hardy: Firlefanz! Die hab ich praktisch wie eine Sekte auf der Straße aufgelesen und sie aus Mitleid am Projekt beteiligt, um sie auf den rechten Weg zu führen. Jody: Und ich dachte immer, das sei eine größere Gruppierung mehrerer Religionen, die sich zum Ziel des Weltfriedens auf ein gemeinsames Minimum moralischer Werte zusammenschloß!?? Hardy: Könnte man meinen, aber mal ehrlich, wer interessiert sich den schon groß für die, wenn sie nicht richtig publik gemacht werden? Niemand! Klar, ihre Versuche sind lobenswert und ihre Inhalte und Ziele sind vernünftig, aber was bringt das, wenn die Methode nicht stimmt, das den Leuten deutlich zu machen. Jody: Da könntest du recht haben. Hardy: Ich kann dir ja noch weitere Erfolge erzählen, die auf mich zurückzuführen sind ... !?? Jody: Gern, ein andermal. Jetzt sollten wir allerdings noch das Programm besprechen, oder. Hardy: Ach paperlapap, schreib mir doch deine Ideen auf und ... Jody: Hab ich schon. Hardy: Um so besser, her mit dem Wisch. Ich muß mich sowieso jetzt vom Acker machen. Ich hab Kopf- und Magenschmerzen, (mh-)eine Frau wartet daheim und obendrein muß ich früher ins Bett, weil ich Morgen früh raus muß. Jody: (gibt ihm das Blatt mit den Programmänderungen) Ich dachte sie haben keine Frau. Hardy: Lassen sie das mal mit der Karte, das erledige ich für sie. (Nimmt sich die Karte, die Jody beim ausräumen ihrer Handtasche auf den Tisch gelegt hatte, steht auf, geht zum Kellner und zahlt mit der Karte) Jody: Aber Christoph hat doch ... . Hardy: Kein Problem, ich geb‘ sie ihm morgen wieder. Christoph und ich sind gute Freunde ... Jody: Ja dann, – . (sie gehen nach außen) Hardy: Also Jody, tut mir leid, wenn ich jetzt schon gehen muß, aber es ist ja auch schon kurz nach 10. Handschlag! Bis bald. Jody: Ehm, ja. Hardy: Schlafen sie gut. Jody: Gute Besserung! Hardy: Danke, träumen sie was süßes. Jody: Ja. Hardy: Gute Zeit! (geht die Straße entlang, sieht sich nach Jody um und winkt noch einmal und geht seiner Wege) Jody: (schüttelt den Kopf) Ziß. (sie zieht ihre Jacke an und steigt auf ihr Fahrrad. Als sie bereits einige Meter gefahren ist, fällt ihr auf, daß sie ihre Handtasche im Restaurant liegen lassen hat und fährt daraufhin zurück. Wieder am Restaurant angekommen sieht sie in der Ferne, wie Hardy in eine Kneipe mit lauter Musik geht. Sie ist verärgert, möchte ihn allerdings nicht zur Rede stellen, holt ihre Tasche und fährt nach Hause.)


ON-AIR-Vision

Fisch (von Barsch) Die Radio hörende Hausfrau, die am Bügeltisch steht, stellt sich vor, hier würde es sich um einen Science-fiction handeln, der von einem Autor in der Sendung mit rauher Stimme erzählt wird. Die Plakate in ihrer Wohnung untermauern die Vermutung, daß es sich bei ihr um eine Star Wars Anhängerin handelt und sie deshalb an dem Zeitrad mehr oder weniger bewußt dreht. Albert Groß ist der geizige, dauerhaft schlecht gelaunte Geschäftsführer von dem Helikoptervertrieb „Betz“. Betz ist wegen Albert Groß Ellenbogenengagements weltweit führend. Sie kaufen alle kleine Firmen auf, wollen auch die Helikopterherstellung übernehmen und ihr Gewerbe um den Bereich der Privatflugzeuge erweitern. Kurz: Albert Groß hat alles andere als genügend Zeit für seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn oder um sich um einen Penner, der sein Eigenheim (ein Bungalow am Strand) umlagert, zu kümmern. Als er mit seiner Limousine, die er schon seit jeher stolz selbst chauffiert, einen jungen Mann mit dessen frisch verlobten Frau anfährt, verändert sich sein zwar streßiges, aber angstloses Workaholicleben. Die 21-jährige Frau stirbt noch an dem Unfallsort, der Mann, Holger G., ist für den Rest seines Lebens querschnittsgelähmt an den Rollstuhl gefesselt. Albert, der nicht alkoholisiert, aber gestreßt Auto gefahren ist, denkt, er kommt mit dem Schrecken davon, bald schon plagt ihn allerdings sein schlechtes Gewissen in das Behindertenheim, wo Holger – seit er aus dem Krankenhaus kam – lebt. Er bemerkt, daß sein anfänglicher Versuch, mit Geld alles wieder gut zu machen keinen Sinn oder nur die geringste Bedeutung hätte, da Holger mit dieser Art Entschädigung nichts mehr anfangen kann. Zu seiner körperlichen kam eine geistige Behinderung. Er reagiert nur mit ständigem Nicken auf äußere Einflüsse. Er ist ein vollkommener Pflegefall. Albert unterhält sich mit Holgers Familie, sie bringen trotz der schrecklichen Situation für Albert Verständnis auf (ganz im Gegensatz zu den Eltern der verunglückten Frau). Holgers Schwester, Brigitte; zeigt ihm Bilder und Videoaufnahmen von dem glücklichen Pärchen das der Familie, die freudige Botschaft der baldigen Vermählung nicht einmal mehr verkünden konnten. Albert sucht bei seiner Frau Trost und Halt, diese hat ihn inzwischen allerdings heimlich mit dem herumsträunenden Penner betrogen und verhält sich ihm gegenüber kalt und abweisend. Seine 14- und 16-jährigen Kinder leben aufgrund der elterlichen Nachlässigkeiten ihr Leben bereits selbst und sind völlig desinteressiert an den Problemen des Buisnessvaters. Nach über 25 Jahren geht er erstmals wieder in die Kirche und macht einsame Spaziergänge. Seine Geschäfte drohen schlecht zu gehen, aber er besucht Holger immer öfter und vernachlässigt sein bisheriges Leben beinahe völlig. Er freut sich über jeden Fortschritt, den Holger macht; beispielsweise, wenn man hinter seinem starren Blick ein Grinsen über Albernheiten der Sozialarbeiter wahrzunehmen meint oder wenn seine Brigitte, die im Behindertenheim eine Stelle angenommen hat, ihm den Kopf streichelt. Albert und Brigitte treffen sich immer öfter im Krankenhaus. Sie kommen sich näher, wagen sich aber nicht zu küssen. Die Heimleitung gibt den beiden zu verstehen, daß Holger keine besonders hohe Lebenserwartung mehr habe und sie ihm täglich höhere Dosen schmerzstillender Mittel verabreichen müßten, da sich sein Zustand ständig verschlechtern würde. Von Holgers Freunden erfährt er, daß Holger vor dem Unfall immer gern spazieren ging und immer davon schwärmte einmal zu fliegen, wenn er es sich irgendwann einmal leisten könnte. Obwohl es ihm die Ärzte verbieten, ladet Albert Holger in einen seiner Miethubschrauber. Er mußte Holger, um dessen „letzten Wunsch“ zu erfüllen, aus dem Behindertenheim entführen. Als sie über Alberts Haus (in dem seine Frau gerade wieder einmal mit dem Straßenvagabund Liebestechniken ausprobiert) in die weite See hinaus fliegen, stellt Albert auf Autopilot: der Helikopter steht in der Luft über dem Wasser. Albert sitzt vor Holger und spricht mit ihm über das was geschehen ist, seine Schuld, seine Bekehrung zum einfachen Leben, seiner inoffiziellen Trennung von seiner Familie, der zukunftslosen Zuneigung zu Brigitte und seinem wachsenden Glauben an einen unberechenbaren Gott. Er öffnet die Tür, verabschiedet sich und schiebt Holger hinaus. Dann fliegt er weiter. Ins Unbestimmte.

Hardy: Wieder ein großer deutscher Roman der großen Gefühle, die nichts mit Liebe zu tun haben. Barsch: Alles hat mit Liebe zu tun. Aber du hast schon recht, es ist keine schöne Geschichte, so wie man sie vielleicht erwartet. Hardy: Mir gefällt vor allem die vielschichtige Ausbaufähigkeit der Charaktere. Barsch: Ja, die ausformulierte Version birgt noch mehrere Gags in sich. Hardy: Wie kommst du eigentlich auf den Titel? Barsch: Mir ist nichts anderes eingefallen wie „Fisch“. Aber vielleicht kann man etwas hinein interpretieren, zum Beispiel daß es deshalb so heißt, weil eine Hauptperson im Meer landet, vielleicht weil sich eine Hauptperson wie ein Fisch windet, um sich der Verantwortung für sein Handeln zu entziehen. Hardy: Irgend etwas, das einen Hauch von Intelligenz vermuten läßt, wäre nicht schlecht, wenn die Geschichte offen endet. Den Plot an sich find ich auf jeden Fall gut genug, um sich mit ihm näher auseinanderzusetzen. Barsch: Ich kann dir das Ausformulierte zuschicken. Hardy: Kannst du natürlich, mach weiter, dann hören wir bestimmt mal wieder voneinander. Multiple: Und jetzt endlich mal Bob Dylan ... Bender: Oh no! Hardy: Gähn! Sam: Scheiße! Will: Unglaublich! Daß er sich nie zurückhalten kann, das gibt’s doch nicht.

Like a Rolling Stone (Bob Dylan)

Christoph: (zu Jody, die gerade in das Studio kommt) Was habt ihr gestern gemacht? Hardy kam vollkommen fertig hier an, wie wenn er keine Sekunde geschlafen hätte. Jody: Also, -, ich ... Christoph: Kein Problem, ich weiß ja, daß ihr auch etwas gearbeitet habt. Hardy hat 4 Stunden aufgeschrieben. Jody: Ehm ... Christoph: Ich bin wirklich darauf gespannt, was sie uns heute Nachmittag vorstellen werden. Ich habe extra die Herren vom WERT, dem Welt-Ethos-Radio-Team, bestellt, damit sie gleich hören können, was sie erarbeitet haben. Jody: Ich ... Christoph: Ich weiß, ich weiß, manchmal ist er schwer zu nehmen, aber lassen sie ein wenig Zeit verstreichen und sie werden ihn auch lieben lernen. Jody: Lieben? Christoph: Sie werden schon sehen. Sie beide werden dem Management schon zeigen, was in Zukunft von der Show zu erwarten sein wird! (schon am Gehen) Bis später, ich freu‘ mich! Jody: (immer noch nicht zu Wort gekommen) Scheiße! (sie sieht verärgert zu Hardy hinüber, welcher gerade mit einem Anrufer spricht) Hardy: (mitten im Gespräch) Ich weiß sowieso nicht, was viele unter „Anspruch“ verstehen, den Willen intellektuell zu wirken oder das ewige „Anders-sein“; oder das immer passende uneindeutigste Urteil: wie der Streifen „gemacht“ ist. Ich meine, was bedeutet das schon, wenn man sagt, der Film ist gut gemacht? Hat man aus einem miserablen Schauspieler durch die Maske und Kameraeinstellung einen hervorragenden Schauspieler gemacht? Wird alles so brillant ins Licht gesetzt, daß man die Farben gut gemischt findet oder ist die Bewertung eine Lobeshymne auf die Tontechnik? Machen wir’s kurz: Auf meiner Richterskala bekäme dein Film 2 Sternchen für eine bestimmt zu erwartende Spannung, eines für den sarkastischen Humor, eins für den benannten Anspruch und 3 von meinen Bewertungssternchen würde ich dir für die Kategorie „Psychologische Folgeschäden“ geben, Kwentin. Kwentin: Nicht übel, dann hab ich ja mein Ziel erreicht. Hardy: Das hab ich mir gedacht. Wenn es nach mir geht, würde ich ganz gern mal wieder etwas ganz normales hören. Ich bin übersättigt von der Sucht Extreme zu entwickeln. Aber es ist auch einzusehen, daß es hier vermutlich auf nichts weiter herauslaufen wird. Und obendrein muß ich zugeben, daß ich sowieso einer der Abhängigsten bin. Weiter im Text! Ohne Eigenvorstellung, gib alles, wer du auch bist: Vorsteller Nr.17: Also meine Geschichte beginnt so: Adam und Ela werden grundlos auf einem Inselgefängnis festgehalten und von Kameras überwacht, was sie nicht wissen. Irgendweshalb versuchen Wärter und andere Gefangene die beiden zusammen zu bringen. Hardy: Verstehe, Liebe von außen ... Vorsteller Nr.17: Genau, Liebe als ein Fundament aus Sand ... Bender: (vor dem Fenster zum Studio) Er biegt es immer irgendwie hin, daß man es verstehen kann. Jody: Ich weiß nicht, auf was das Talent beruht. Bender: Auf jeden Fall auf einen guten Überblick. Aber erst einmal Hallo, ich bin Bender, der Vorhörer. Und sie sind seine neue Kollegin, wie ich annehme!?? Jody: Ja, Jody! Hallo. Angenehm. Ich frag mich wirklich wie er das auf die Reihe bekommen hat, den Sender hier so zum laufen zu bringen; aber vor allem frage ich mich, wie er in 2 Stunden ein neues Konzept für seine Sendung entwickeln möchte, weil gestern wurde da bestimmt nicht viel entwickelt. Bender: Wie meinen sie das mit „den Sender hier zum laufen zu bringen“? Jody: Na ja, das alles hier. Das wurde doch von ihm in die Wege geleitet – natürlich hat er, als er mir die Geschichte erzählte, bestimmt ein wenig übertrieben, aber auch zur Organisation und zum Einbezug der WERT gehört doch einiges an Genie und Mitgefühl ... Bender: Was? Noch einmal, er hat ihnen erzählt, daß er alles geschaffen hat und das Welt-Ethos-Radio-Team gnädiger Weise aufgenommen hat, ja? Jody: Ja, wieso, stimmt was nicht daran? Bender: (lacht) Hm, ich würde ihre Frage anders formulieren. Jody: (spielt mit ihren Augenbrauen) Was stimmt daran??? Multiple: Ja, ja. Gelaber. Jetzt wird wieder Musik gemacht. Hardy: Aber kein Dylan! Multiple: Gibt es dafür einen Grund? Hardy: Ja, Langeweile! Multiple: Pfh, Banausen!

Big Yellow Taxi (Joni Mitchel)

Binnenhandlung (Benders Version) Bender: Das Weltethos-Komitee von Berlin bekam von dem Sender „RADIO SEVEN“ („come to heaven“) eine Stunde Sendezeit täglich zur Verfügung gestellt. Zu der besagten Zeit steht allerdings kein weiterer Radiomoderator bereit, der die „Show“ organisieren hätte können und sich mit dem neuen Musikcomputer Multiple auskennt. Jody: Den hab ich schon gesehen. Bender: Nach längerer Suche kommen sie allerdings auf einen „alten Hasen“ im Radiogeschäft: Hardy Sonders. Hardy war nicht sonderlich begeistert von der Idee bei dem Projekt mitzumachen, weil er gegenüber Religionen eigentlich zu gleichgültig ist, um sich richtig dafür einzusetzen. Darin sehen die Organisatoren des Weltethos-Radioteam allerdings auch heute noch einen entscheidenden Knackpunkt: WERT-Mensch 1: Auch nichtreligiöse Menschen müssen sich zwangsläufig mit Ethik befassen. Bender: Und ... WERT-Mensch 2: Gerade ein eher Nichtreligiöser hat die größte Glaubwürdigkeit, wenn er sich für das Zusammenfinden von Weltreligionen einsetzt. Jody: Oh Mann! Bender: Schließlich gab Hardy nach, um eine Sendung durchzuziehen und zu sehen wie es ist. Er hat sich allerdings nicht von den „Weltethosleuten“ überreden und auch nicht überzeugen lassen, (so wie er es darstellt) sondern sah in dem Umstand, daß seine Ex-Frau, ständig von Rechtsradikalen belästigt wurde, einen direkten Anlaß, gegen Gewalt auf der Straße vorzugehen. Jody: Ist er wieder mit der Frau zusammen. Bender: Nein! Jody: Warum nicht? Will sie mit keinem Lügner zusammen sein? Bender: Nein, sie ist tot. Jody: Dann hat er eine andere Freundin? Er hat von einer gesprochen! Bender: Nein, er ist zu einem Musterjunggesellen geworden. SAK! Sofa, Arbeit, Kneipe. Jody: (ein wenig angewidert) Äh! Bender: Es könnte höchstens sein, daß er wieder damit begonnen hat, sich seine Ex-Frau vorzustellen. Da könnte ich ihnen Geschichten erzählen. Aber ich hab gedacht, daß er da drüber hinweg wäre ... . Jody: Also, ich will jetzt nicht seine ganze Lebensgeschichte hören, wie ging das mit dem Sender weiter? Bender: Hardy verband seine Anstellung mit der Forderung, daß Künstlern durch diese Sendung auch eine Chance gegeben werden sollte. Er wollte seinen früheren Traum verwirklichen eine „Geschichtenshow“ zu machen, die den Namen „Storyline“ tragen sollte. Das WeltEthos-RadioTeam (WERT) sah deren eigene Idee in den Hintergrund gedrängt und überlegte, wie sie sich doch wieder ins Licht rücken können. Parallel zu der „Verpflichtung“ von Hardy kam das WeltEthos-RadioTeam auf die Idee, nicht immer einen ihrer Vertreter ihrer Reihen in die Show einzubringen, sondern der Sendung mehrere Leute, als Begleiter für Hardy zu geben. Durch ein Auswahlverfahren, das von dem Weltethos-Radioteam bestimmt wird, kommen bald noch weitere 5 Personen hinzu. Du bist die einzige, die nicht vom WERT ausgesucht wurde, sondern nur von unserem Programmdirektor. Natürlich war Hardy nicht damit einverstanden, nachdem die erste Sendung allerdings gelaufen ist, werden wir schon sehen, daß das der Anfang einer hervorragenden Radiosendung ist! Jody: Ich glaub, ich spinne. So ein verlogener Saftsack.


STORYLINE Im Namen des Vaters oder: Die Bestimmung (von Athman)

Vortragsform: Es handelt sich hier um die Kommentare des Regisseurs, welche von Filmausschnitten begleitet werden. Der Vortrag wird immer wieder durch Hardy unterbrochen, der dem Erzählten nur ungeduldig folgt. Regisseur: Ein Geistesgestörter vergiftet alles, was ihm in die Finger kommt und läutet mit dieser Aktion eine Massenvernichtung ein. Der Unbekannte schleift Geldstücke an und vergiftet die Kanten. Er klebt die Geldstücke auf den Boden. Beim aufheben schneiden sich die Leute in die Finger und sterben an der Vergiftung. Hardy: Was soll denn das für einen Sinn haben? Regisseurs: Ich möchte eine klare Stellungnahme gegen den Kapitalismus einnehmen. Die Zielgruppe – also alle – sollen ein unendlich schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie kapitalistisch handeln. Ich versuche diesen Effekt durch bewußte Angsterzeugung zu erreichen. Nur so kann die Welt gerettet werden. Hardy: (lacht / ironisch) Ja genau, ich denke auch, daß das genau der pädagogisch richtigste Weg ist, Leute humaner, bewußter und verständnisvoller werden zu lassen. Regisseur: Der Unbekannte bricht scheinbar in verschiedene Firmen ein und treibt sein Unwesen. Er vergiftet Zigaretten, Alkohol und auch härtere Drogen. Unzählige unwissende Abhängige sterben an ihrem Suchtmittel. Kondome werden vergiftet, Pillen manipuliert. Jetzt wird erstmals angenommen, daß es sich nicht um einen Einzelnen Täter, sondern um eine organisierte Vereinigung gegen die Weltmächte handelt. In dieser Wirklichkeit gibt es allerdings keinen James Bond, der den Gerd Fröbe oder diese Organisation mit Charme und beiläufigen Triebspielchen vernichten oder nur entlarven könnte. Es gibt Spezialeinheiten, die alles mögliche versuchen, aber trotz allem tappen sie nur im Dunkeln. Bald ist diese Vergiftungswelle auf der ganzen Welt verbreitet. Neuartige Viren, die durch den normalen Stromkreis in die Systeme eindringen, legen beinahe alle Computer auf einen Schlag lahm. Auch diese Verantwortung für den Anschlag wird dem unbekannten Gegner zugeschrieben. Bargeld ist auf der ganzen Welt nicht mehr sicher, da es vergiftet und die Ursache für die Verbreitung von verschiedenen Epidemien zu sein scheint. Bargeld wird tonnenweise eingestampft und verbrannt. Hardy: (interessiert) Wer ist jetzt für den ganzen Schlamassel verantwortlich? Regisseurs: Viele Leute sterben durch diese Massenvernichtungsaktion, alle befinden sich in Gefahr. Man munkelt, daß es sich um religiöse Extremisten handelt, die die Menschen zu enthaltsamerem Leben zwingen wollen, da die Attentäter nach dem Motto: Gruppe von Extremisten: Zerstört die moralischen Zerstörer! Regisseur: ... fungieren. Verschiedene religiöse Gruppierungen bekennen sich zu den Anschlägen, um in die Medien zu kommen und dort ihre Botschaften zu verkünden: Extremist: Jeder der sich gegen Gottes Gesetze stellt, wird seinen Zorn spüren. Regisseur: Im letzten Moment weisen sie jedoch die volle Verantwortung für die Untaten von sich, um nicht Gefahr zu laufen, vom Staat aufgelöst zu werden. Um ethische Reinigungsaktionen konnte es sich auch nicht handeln, da Menschen den Anschlägen scheinbar wahllos auf dem ganzen Erdball verstreut zum Opfer fallen. Hardy: Also, zur Sache, wer war’s? Regisseur: Nur Geduld! Das kommt schon noch. Es wird mit politischen oder wirtschaftlichen Organisationen gerechnet, die sich irgendwann aus dem Dunkel erheben und ihre Forderungen an die Weltgesellschaft stellen würden. Rufe werden Laut, daß es sich um die wiedervereinigten Illuminaten handeln könnte, die nun endgültig aus dem Untergrund auftauchen und die Weltherrschaft an sich reißen würden. Es scheint sich aber auch nicht um eine Organisation mit finanziellen Interessen zu handeln. Die Bekennerparteien sind allesamt nicht in der Lage eine so breit gefächerte Unternehmung durchzuführen. Hardy: Wir müssen auf die Zeit achten ... . Regisseur: Die ganze Welt rätselt, wer sich gegen sie verschworen hat, aber es gibt keine Lösung. Mystiker vergleichen die Situation mit Babylon, da scheinbar die Unzüchtigkeit auf welchem Weg auch immer ausgerottet wird. Die Welt verstreitet sich untereinander noch viel entschiedener als bisher. Der Notstand muß wegen kleineren Rassenkriegen ausgerufen werden, die Bürgerkriege dauern aber nicht lange, weil alle Seiten feststellen müssen, daß die Gegenseite nicht für die Vergiftung ihrer Waffen verantwortlich sein können. Nachdem unendlich viele Geschosse nach hinten losgegangen und unzählige groß angelegte Angriffe nur die eigenen Reihen schädigten, verbünden sich die bislang verhaßtesten irdischen Feinde miteinander. Hardy: Wie angenehm und wunderbar, aber ... . Regisseur: Ost und West, Christen, Juden, Moslems, alle sind bereit einen gemeinsamen Krieg gegen den gemeinsamen Gegner zu führen. Man erkennt aber nicht einmal, wie das ganze Fiasko geschehen konnte. Die ganzen Vorsichtsmaßnahmen müssen durch neue Anschläge immer wieder erneuert werden. Zigaretten und Alkohol werden verboten. Geldgeschäfte werden auf unbegrenzte Zeit aufgeschoben. Die Börse ist sowieso wegen dem Computerchaos zusammengebrochen. Die letzten Werte sind nur noch auf Papieren notiert. Menschen einigen sich auf die Mittelalterliche Methode des Tauschgeschäfts. Menschen, die sich nicht an die Vorschriften halten und trotz allem auf irgendeine Weise gegen ihren eigenen Körper oder andere Menschen handeln, unterliegen gnadenlos der Bestimmung. So werden die Menschen immer eingeschränkter in ihren Möglichkeiten, von denen die Menschen doch glaubten, daß sie bis in den Himmel reichten. Die Bevölkerung flippt bei diesen Einschränkungen aus, weil sie einen anderen Standart gewohnt war. Bald sind die frisch gewonnenen Freunde wieder Feinde. Sie können kein anderes Feindbild entwickeln, also bekämpfen sie sich wieder untereinander, auch wenn sie sich mit jeder Kampfhandlung nur selbst schädigen. Schließlich hat sich nichts verändert: der Mensch zerstört sich selbst.

Hardy: Der Plot erinnert anfangs ein wenig an „Sieben“. Vor allem hat die Geschichte auch keinen „Bruce Willis“. Sie kommen ohne Superhelden aus. Zwischendurch erinnert deine Geschichte, wenn es um ethische Säuberung geht, an „Die Welle“ und natürlich an „23“ und die ganze „Illuminatus“-Geschichte. Natürlich ist es ganz nach meinem Geschmack, daß es nicht bei den Weisheiten und Einfällen bleibt, sondern, daß am Ende ein großes Fragezeichen bleibt. Athman: Danke! Hardy: Die Geschichte ist aber wirklich storylinemäßig erzählt. Im Film muß man sich da schon noch die verschiedensten Charaktere wie bei „The day after“, „Deep Impact“ oder „Independence Day“ oder solchen apokalyptischen Filmen vorstellen, weil diese den eigentlichen Film ausmachen. Obwohl das natürlich alles bescheuerte Filme sind! Athman: Klar, die Nonne, die kurz vor der Vernichtung ihr schönstes Erlebnis im fremden Schlafzimmer erlebt, muß man sich da jetzt schon dazu denken. Ich bin es einfach leid, mich die ganze Zeit mit ausgefallenen Persönlichkeiten auseinanderzusetzen, wenn das für mich am Ende eh keinen Sinn bekommt. Entscheidend ist der Verlauf der Geschichte. Ein paar abgefahrene Autoren-Typen aus Millionenstädten sollen die Geschichte zu dem Emotionsspektakel machen, das die Masse sehen will. Für mich zählt nur die Idee des Handlungsverlaufs. Hardy: Die Charaktere sind schon entscheidend; aber du hast auch recht: viele Filme unterscheiden sich nur durch die einfallsreichen Charaktere, sie leben von schnellen und ausgefallenen Sprüchen. Das kann mit der Zeit auch langweilig werden. Athman: Sprüche, auf die kann ich verzichten. Hardy: Jetzt kommen wir aber noch einmal zu der entscheidenden Frage: wer war denn nun für die ganze Schose verantwortlich, oder soll das tatsächlich im Unklaren bleiben? Athman: Es, sie oder er soll tatsächlich im Unklaren bleiben. Man soll sich kein Bild von dem Befreier machen können. Es soll Prophezeiungscharakter haben. Hardy: Du wirst ja schon wissen weshalb, mir kommt das aber noch alles ziemlich konfus vor. Leider ist unsere Stunde aber schon wieder zu Ende. Ich denke wir hatten genügend kreative Beispiele, die unsere Hirnzellen wieder einmal vom Nix-nützigen Wissen befreien können. Wir hören uns nächste Samstagnacht wieder. Bis dann, jetzt geht es mit Eljot und seiner Parade weiter.

An Land (Element of Crime)


HOT SPOTS

Kwaks (von Claudia von Wild)

Diesen Film stellt sich eine Abgeordnete vor. Statt die Übersetzung von dem russischen Außenminister anzuhören, dreht sie den Sender auf „RADIO SEVEN – STORYLINE“ und wohnt diesen Geschichten bei. Die Darsteller sind alle auch Abgeordnete ... . Die französische Gigo, die durch ihre Fleisch-Metall-Kunstwerke in den USA berühmt und reich geworden ist, will mit ihrer 10-jährigen Tochter Lisa zu ihrem Freund Silo nach Kwaks in Südwestafrika ziehen. Sie freut sich nicht nur auf die Begegnung mit Silo, sondern auch über ihr streßfreies weiteres Leben in der Abgeschiedenheit. Paparazzi machen ihr den Abschied von der Großstadt leichter. Sogar auf dem Flughafen und im Flugzeug wird belästigen sie Leute, die sie wieder erkennen und unbedingt ihre Interpretation von ihren Werken darstellen wollen. Das kleine afrikanische Dorf ist schwer erreichbar. Mitten in einer endlos erscheinenden Steppe streikt ihr Mietwagen. Die beiden haben nicht genügend Trinkwasser mit sich, laufen wäre sinnlos, also warten sie auf fremde Hilfe. Nach einer durchgewachten Nacht und einem heißen weiteren Tag kommt endlich ein voll bepackter Lieferwagen, in dem sie in 2 Särgen (zufällig ein Erwachsenen- und ein Kindersarg) mitfahren können. Sonst ist auf dem Wagen kein Platz mehr. Nachts in Kwaks angekommen, verabschiedet sich Gigo von ihrem freundlichen, liebenswerten, jungen, kenianischen Chauffeur, John und macht sich mit Lisa auf die Suche nach ihrem Mann. Sie werden von 2 jungen Pärchen überfallen. Die Verbrecher sind relativ freundlich, sie nehmen Gigos Bargeld und raten ihr von Kwaks zu verschwinden, da das besser für sie sei. Auch am Tag können sie Silo nicht finden, sie sind vollkommen erschöpft und niemand möchte ihnen helfen; im Gegenteil, sie kommen sich fremd und beobachtet vor, wie wenn die Einwohner ihnen nach dem Leben trachten würden, aber noch niemand entschlossen genug dazu wäre. Als die Nacht einbricht verhärtet sich diese Annahme. Mit Müh und Not entkommen sie einem Mordanschlag von 2 Heckenschützen. Der Verfolgungsjagd schießt sich das ganze Dorf an. Gigo und Lisa entkommen, indem sie sich im Dorfbrunnen verstecken. Im Innern des Brunnen ist ein Durchbruch. Eine Höhle, ein Geheimgang aus Kwaks. Als es wieder tagt, suchen sie verkleidet die Polizei auf, die ist allerdings gerade auf Urlaub. Die Kommunikation nach außen gelingt auch nicht, da die Telephonzellen demoliert sind. Sie treffen John, der die beiden schon überall suchte, um ihnen die ganze Angelegenheit erklären zu können. Er hat im Wirtshaus Leute belauscht, die von Gigo, Lisa und vor allem von ihrem Geld sprachen. Das Dorf hat von Gigos neuem Reichtum erfahren und beschlossen, sie umzubringen, um sich selbst das Geld unter den Nagel zu reißen. So könnte das Dorf vom Elend befreit werden. Es würde keine Hungersnot mehr geben, die Kinder könnten richtig ernährt und erzogen werden, Kranke könnten geheilt werden, die Häuser könnten saniert werden, etc. „Ein Leben für Tausend!“ John gibt ihnen weiter zu verstehen, daß sie vermutlich ihre Kreditkartennummer schon haben. Das konnten sie nur von Silo erpreßt haben. Wahrscheinlich hatten sie ihn irgendwo in ihrer Gewalt, folterten ihn. Oder sie hatten ihn bereits ermordet. John rät den beiden von Kwaks zu verschwinden, um sich nicht weiter in Gefahr zu bringen. Gigo möchte aber nicht ohne ihren Silo fahren, da sie noch Hoffnung hat, ihn lebendig zu finden. Sie macht sich mit Lisa weiter auf die Suche. John distanziert sich von den menschlichen Zielscheiben. In der Nacht werden Gigo und Lisa wieder von Einwohnern attackiert, die ihre Verkleidung durchschauten. Aus dem Hinterhalt kommt allerdings John und rettet den beiden ihr Leben. Im Schußwechsel kommen 2 „Menschenjäger“ ums Leben, die anderen flüchten. John wird jetzt ebenfalls nach dem Leben getrachtet, also machen sie sich von nun an gemeinsam auf die Suche nach Silo. John kennt in einem anderen Dorf einige ihm gut gesonnene Informationsgeber, durch die sie erfahren, wo sich Silo aufhält. Als sie den Überraschten in seinem Versteck, einer gut bewachten Berghöhle (die Wachen wurden überwältigt) auffinden, fällt Gigo ihm um den Hals und will ihn küssen. Er stößt sie von sich auf den Boden, zieht einen Revolver und erklärt ihnen drohend, wie sich alles verhält: Er ging früher wie nur nach Amerika, um dort Geld und das nötige Know-how zu bekommen, damit er später als Entwicklungshelfer in sein geliebtes Heimatland zurückkehren könnte. Das Wissen hat er bekommen, obendrein noch eine Frau und ein Kind, aber nicht das Geld für seine Familie und sein Dorf. Gigo hat von Silos Vorhaben nichts gewußt und schlägt ihm aber keinen Neuanfang an diesem Ort vor sondern fragt nur, was das mit ihr zu tun hätte und weshalb sie dafür sterben müsse. Silo kommt auf das 2te Problem zu sprechen: Es würde niemand mehr von seiner Familie leben, da sein Bruder und seine Eltern an einer eigentlich harmlosen Krankheit gestorben seien. Er wäre nun der einzige, der den Familiennamen weiter vererben müsse und das unmöglich zusammen mit jemandem aus dem verhaßten, arroganten, rücksichtslosen Amerika tun könne. Gigo begreift, daß das einzige, was an ihr noch für Silo interessant sei, ihr Nutzen für Kwaks ist: ihr Geld!!! Ihr eigener Mann hatte sie verraten und für das Wohl seines Volkes opfern wollen. Obendrein war er noch so feige, Gigo nicht selbst umzubringen. Er gab anderen Leuten den Auftrag das zu tun, um ihr nicht mehr in die Augen blicken zu müssen. Als Gigo ihn aus Wut mit einem Stein angreifen möchte, schießt er ihr in die Schulter. Sie sinkt zu Boden. Silo möchte auf sie zugehen und ihr hoch helfen. John zieht seine Pistole und erschießt Silo. Im Fallen erschießt Silo John. Lisa steht ein wenig abseits und sieht sich das Treiben lautlos entsetzt an. Im Morgenrot machen sich die verwundete Gigo und Lisa Hand in Hand zu Fuß auf den Heimweg.

Hardy: Ein riesiger Showdown, mit einem Kind als Zuschauer. Kraß! Die ganze Story hat von Zeit zu Zeit schon leichte „feministischer Indiand Jones“-Züge. Gut finde ich vor allem auch, daß Gigo nie auf die Idee kommt, etwas von ihrem Geld herzugeben. Im Normalfall verfällt man oft in die Moral, daß der Hauptdarsteller sich der Erpressung doch irgendwann beugt oder in deinem Fall „Brot für die unterbemittelte Welt“ spendet, weil die Wirklichkeit nie so heil aussieht. Claudia: Mir ist vor allem auch wichtig, daß die verschiedenen Sequenzen im Film herauskommen. Ganz am Anfang handelt es sich um gesellschaftskritische Szenen, die eigentlich zu einer Politsatire ausarten könnten. Dann wird die Handlung aber unvermittelt zu einem Roadmovie, dann zu einem Verschwörungs- und Verwechslungsspiels. Insgesamt könnte man es als Abenteueractionfilm bezeichnen. Hardy: Schon gesehen, das wird was. Wir hören bestimmt noch voneinander. Nächster.

Binnenhandlung Während der nächste Vorsteller seinen Beitrag einbringt, kommt Aimy in den Sender. Aimy: (begrüßt alle im Schnelldurchlauf) Tag Bender, Tach Dr. Chris (Christoph läuft kurz durch den Raum), Will! Sam! (2 Mädchen die fast immer nur herumstehen um Kaffee zu trinken). Jody: Tag! Aimy: (macht rücksichtslos die Tür zum Studio auf, in dem gerade gesendet wird, obwohl das Signal „ON AIR“ vor der Türe nicht zu übersehen ist) Tach Multiple. Multiple: Herzlich Willkommen! Meine Bytes sind erfreut! Aimy: (knallt die Tür wieder zu / zu Jody) Wer sind denn sie, mein Zuckerhase? Jody: Ich heiße Jody, ich werde in Zukunft in der Show mitwirken. Aimy: Mh, ja unglaublich. Und das läßt Hardy zu? Da muß er aber einmal einen schlechten Tag erwischt haben; besser gesagt einen guten. Jody: Ich kann mir vorstellen ... Aimy: Das soll selbstverständlich nicht gegen sie gerichtet sein. Bitte verstehen sie mich richtig. Ich meine nur, daß Hardy, so ein verbohrtes Ekel sein kann, wie kaum ein anderes Wesen in dem Universum. Bender: Sie meint es zu wissen, weil sie 3 Monate mit ihm zusammen war. Jody: ... und ihm jetzt aus Haßliebe hinterherlaufen? Aimy: (überrascht) Oh, ganz schön frech das kleine Ding. Sie sind wohl auch schon auf ihn spitz wie die beiden Grazien von nebenan (sie deutet auf Will und Sam) Jody: Alles nur das nicht. Er hat mich von den 20 Sätzen die wir maximal miteinander gewechselt haben in mindestens 19 belogen. Aimy: Das ist doch ein gutes Zeichen. Dr. Christ: (läuft wieder kurz durch den Raum) In den meisten billigen Affären fängt es so an. Sam: Ja, was sich liebt, das neckt sich! Will: (zu Sam) Hals zu! Jody: Nein, nein ich werde hier nur meinen Job erledigen; (Aimy ins Ohr) und obendrein bin ich eher auf den ruhigeren Bender scharf. Aimy: Ach Quatsch, Bender hat doch noch keine Erfahrung. Jody: (zuckt die Schultern) Dr. Christ: Wir werden ja sehen. Jody: Klingt wie inszeniert. Dr. Christ: Wer weiß! Bender: Ruhe, ich glaub jetzt kommt ein Lustiger!!!

ON AIR

Hardy: ... dann leg dich ins Zeug Roman.

Streit um das langweiligste Leben der Welt (von Roman H.)

Roman: Eine Bedienung, ein Koch, ein Richterin und ein Straßenkehrer erleben ziemlich viel, wenn der Tag lang ist. Abwechslungsweise werden die voneinander unabhängigen Charaktere dargestellt.

1. Episode Eine Bedienung in einem Trucker-Cafe fühlt sich von der folgenden Radio-Geschichte besonders angesprochen. Eine Fülle von Bildern: Die Bedienung Tilly hat den ganzen Tag über verschiedene Affären. Tilly: (verabschiedet im Nachthemd einen LKW-Fahrer) Tschau John! John: Tschau Tilly! Jack: (der nächste steigt bereits aus seinem Truck! Er winkt erfreut) Tilly: (winkt noch John nach und möchte in ihrem Café das Schild „Geöffnet“ aufhängen; bemerkt dann allerdings Jack und legt das Schild wieder beiseite) Tach Jack! Jack: Tach Tilly!!! Weitere Gäste sind einem Trucker, der nicht alle Tage in das „verruchte Nest“ dort kommt; mit einem Geschäftsmann, mit dem sie täglich in den Hinterhof geht, um ihm endlich ein Kind anhängen zu können und mit einem 17jährigen jungen, der, als sie sich gerade wieder trennen wollen von Tillys Mann überrascht und verjagt wird. Ihr Mann ist stolz auf sich, weil er denkt, er hätte sie vorher erwischt und hätte das unsittliche vermieden. Bei einem Überfall klauen 2 alkoholisierte Jungs 3 Fässer Bier und machen Anstalten Tilly zu vergewaltigen. Ihr Mann wirft sich ihnen in den Weg. Er wird angeschossen und bleibt bewußtlos am Boden liegen. Hardy: Das muß ja Liebe sein! Also ich weiß nicht ... Hausfrau: (die sich mit Tilly identifiziert hat) Das kann ja wohl nicht wahr sein. Das soll ein Filmende sein? – Wie beschissen! (Sie stellt sich ihr eigenes Ende vor) Tilly: (Verfolgt die Jungs, schlägt sich mit ihnen, überwältigt sie und kann dabei die Waffe ergattern. Nachdem sie einige Zeit nachdenklich die Räuber bedroht) Laßt euch nie wieder hier blicken! (Sie geht ins Haus, ruft die Polizei. Zu ihrem verwundeten Mann, der vor ihr auf dem Boden liegt) Danke, daß du mich gerettet hast, aber das soll nicht über die Tatsache hinweg täuschen, daß du ein beschissener Ehemann bist. Du Null! Du weißt wie ich das meine! (Sie erschießt ihn!)

2. Episode Ein Hippie-Lehrer, der im Lehrerzimmer Radio hört, stellt sich die folgende Geschichte grau in grau vor: Hardy: Die nächste Episode von dir! Roman: Der Koch Willy hat heute seinen großen Tag: er soll zum Chefkoch befördert werden. An diesem Tag muß alles stimmen, aber gerade an diesem Tag gehen alle möglichen Kleinigkeiten schief. Willy steht schon kurz vor der Verzweiflung, als wie aus dem Nichts der allen unbekannte Alfred auftaucht. Alfred ist ein lebensfroher Alleskönner. Er bringt das ganze, aus der Ordnung geratene Restaurant wieder auf Vordermann und hilft zusätzlich den Gästen bei ihren privaten und geschäftlichen Anliegen. Durch seine Arbeit und seine Empfehlungen kehrt sich innerhalb von einer viertel Stunde alles zum Guten. Willy kommt er wie ein Geschenk vom Himmel vor. „Ja, Alfred muß ein Engel sein!“, dachte sich Willy. Allerdings machte Alfred dann nicht mehr das, was Engel in solchen Situationen (nachdem sich alles zum Guten gewendet hat) üblicherweise so tun: nämlich „wieder verschwinden“. Nein, Alfred blieb und wurde zum Chefkoch ernannt. Nach Ablauf der Kündigungsfrist verschwand dafür Willy.

Hippie-Lehrer: Scheiß Burn-Out, hat mir meine gesamte Phantasie geraubt.

3. Episode Die folgende Geschichte stellt sich ein Penner auf der Straße vor. Alle Figuren in dieser Episode sind total unpassend gekleidet, tragen unzeitgemäße Perücken (sowohl aus der Vergangenheit, als auch aus der Zukunft) und führen seltsame, in der Stimmung unpassende Dialoge, die den Anschein erwecken, als wären alle Beteiligten betrunken. Die Richterin Silly muß eine Verhandlung leiten, in der eine Frau wegen Sittenwidrigkeit angeklagt ist. Der Fall liegt eindeutig auf der Hand: die Frau hat einen kleinen Jungen zum Geschlechtsakt mit ihr genötigt. Silly spricht die Frau frei, trifft sich nach der Verhandlung mit ihr und will sie verführen. Die freigesprochene Frau schlägt sie nur ins Gesicht und geht.

4. Episode Ebenfalls von dem Penner interpretiert, der dabei tatsächlich einen Straßenarbeiter beobachtet. Jener fährt allerdings eine Kehrmaschine. Der Penner studiert dessen Gesicht, bis es sich zu seinem Spiegelbild verwandelt. Der Straßenkehrer Billy macht seine Straße sauber! Er braucht nicht nach oben zu sehen. Das ist seine Aufgabe!

Hardy: „Der Wettlauf um das langweiligste Leben“ gewinnt dann deiner Meinung nach bestimmt nicht der Straßenkehrer, oder? Roman: Keine Chance! Er hat zu viel Zeit sich mit sich selbst zu beschäftigen. Hardy: Das wollte ich hören. Nenn ihn doch Bepo. Roman: Mal sehn. Das „-illy“ paßt nicht überall. Hardy: Insgesamt kommt mir das alles allerdings noch ziemlich abgehackt vor. Roman: Na klar, ich hab auch versucht nur die wesentlichste Handlung hier für`s Radio herauszustellen. Hardy: Ja o.k., das sollte auch ein Tip für weitere Anrufer sein: wenn wir nicht HOT SHOTS bringen, dann können wir uns ruhig auch mal für eine größere Geschichte Zeit lassen. Die Frage an meinen Vorhörer Bender: Bender, haben wir jemanden in der Leitung, der eine Geschichte ausführlicher und vielleicht auch mit Dialogen hat. Bender: Hm, mal sehn. Ja, vielleicht hätten wir da einen auf Leitung 7. Steave, sind sie bereit! Steave: Na klar. Ich würde mein Stück allerdings gerne mit meinen Freunden zusammen vortragen. Unterschiedliche Stimmen helfen vielleicht, sich in unterschiedliche Charaktere hineinzuversetzen. Hardy: Hört sich gut an. Dann schieß mal los!


Rußland

„Die wahre Zerstörung des Menschen liegt in der Übereilung des Bewußtseins“

(von Steave und Freunden)

Bender stellt sich diese Geschichte vor, wie wenn Hardy Sergeij wäre und Jody Andrea. Er selbst spielt in seiner Vorstellung den Wirt.

Sergeij In einer heruntergekommenen Kneipe eines abgelegenen kleinen Dorfes 50 Kilometer östlich von Moskau herrscht an diesem Freitag Nachmittag reges Leben. Sergeij kommt deprimiert herein.

Wirt: He Sergeij, setz dich her. Heute schon so früh? Sergeij: (sagt nichts, läßt nur ein wenig seinen Kopf hängen) Wirt: Oh, schlecht drauf? Ein Freund schaltet sich ein Miro Vielleicht muß er heute wieder den ehelichen Pflichten nachkommen und fragt sich, wie er trotzdem seinem Schicksal ein wenig Befriedigung abgewinnen kann Ein weiterer Kneipenbewohner meldet sich zu Wort. Wasili: Ach laß ihn, du siehst doch, daß es ihm nicht besonders geht. (Er geht auf Sergeij zu, der sich an den Tisch gesetzt hat, faßt ihn um die Schulter) Vielleicht ist ja gerade seine Schwiegermutter zu Besuch und läßt ihn nicht einmal an die eingefahrene Freude heran. (Ein paar lachen) Sergeij: Laßt mich in Ruhe, ich bin seit einer halben Stunde gefeuert. - Einen Schnaps! Wirt: Was? Der Job bei Wodka? Sergeij: Ja! - Bring’ mir besser gleich zwei - nein - lieber zwei Flaschen. Miro: (Läuft dazu. Das tut mir leid, Sergeij. - Ich zahl’ eine Runde. Wie kann das sein? Die brauchen doch immer Kräfte? Sergeij: Trinkt einen Schnaps Wirt: Ja, Kräfte! Aber keine Menschen. Da machen doch jetzt alles die Maschinen, bald brauchen sie überhaupt niemanden mehr und die Maschinen bekommen ihr Geld selbst, weil sonst niemand mehr etwas für die Produktion tut. Aber wie wollen sie es dann ausgeben? (Er denkt ernsthaft nach) Miro: Ach, halt dein verblödetes Maul! (Der Wirt verschwindet wieder) Komm’ Sergeij, laß uns einen trinken, ich weiß wie dir zumute sein muß (sie trinken) Du weißt ja, daß mich damals meine Frau verlassen hat, weil ich ihr zu wenig Geld nach Hause gebracht habe. Aber Sergeij, he (er versucht Sergeijs Kopf hochzuziehen, was ihm nicht gelingt) du weißt es geht weiter. Geld ist nicht alles. Wasili: (Der sich auf der anderen Seite von Sergeij an der Theke plaziert hat) Ja genau, erzähl das mal seinen 3 Kindern. Wenn er nicht bald einen neuen Job hat, ist es vorbei. (Er trinkt) - Ich zahl’ noch eine Runde. Wirt: (Bringt zwei Flaschen Wodka) Wasili: Bist du gefühlskalt. Unfaßbar (hält dem Wirt die Wodkaflaschen vor seine Nase) Wirt: (Holt einen anderen Klaren) Uns geht es allen schlecht. Jeder muß um sein Brot kämpfen.... Miro: Ja, vor allem du. Du kannst hier ja wohl zufrieden sein. Wir drei bezahlen dir im Jahr beinahe einen Porsche. Wirt: (Geht wieder mit einer abwinkenden Handbewegung) Sergeij: (Trinkt in Halb-Minuten-Abständen)


Andrea Arzt: Es gibt zwei Wege glücklich zu werden: Entweder paßt du den Willen der Gesellschaft deinem Willen an oder dein Wille dem der Gesellschaft. Der zweite Weg ist wohl auch für die Jugendlichen der einfachere. Andrea: Ich hab sie nicht für kluge Sprüche, sondern für die Abtreibung bezahlt. (Sie unterschreibt noch ein Papier, packt ihre Tasche und geht).

Sergeij Wasili: Sergeij, ich weiß, daß du ein rechtschaffener Mann bist. Du bist vielleicht nicht mehr der jüngste, aber ich glaube schon, daß du noch einmal eine Arbeit bekommst. (Er schenkt sich und Sergeij ein). Miro: Ja, ich denke auch, daß du noch gute Chancen hast. (Er schenkt sich und Sergeij ein)


Andrea Stoppt auf einer abgelegenen Straße. Ein Macho-Typ nimmt sie mit seinem Mercedes mit.

Macho: Na Kleine, sieht’s aus? Wo geht’s hin? Andrea: Fahr einfach. Macho: Ach so - gut. (lächelt vor sich hin und fährt)

Nach einer Minute Fahrt hält er an einem Hotel an.

Macho: Warte mal noch hier. Ich komm’ gleich wieder Andrea: (Sieht eine Pistole, die unter dem Fahrersitz versteckt ist) O.k.

Sie nimmt die Pistole, packt sie in ihre Tasche und als der Macho außer Sichtweite ist, macht sie sich mit dem Mercedes aus dem Staub. Sie fährt aber nur eine halbe Stunde, steigt aus, läßt das Auto auf einem Supermarktparkplatz stehen und geht zu Fuß weiter.


Sergeij Zwei Flaschen haben die drei schon getrunken

Wasili: Langsam dunkelt es draußen (er sieht kurz verträumt aus einem trüben Fenster) Miro (Schenkt allen aus einer dritten Flasche ein. Sogar der Wirt trinkt einen mit. Sergeij sitzt immer noch mit gesenktem Kopf da.)


Andrea Läuft auf eine Tankstelle zu, in der nur noch der ca. für sie gleichaltrige Tankwart hinter der Kasse steht. Sie geht hinein. Von außen sieht ansonsten keiner, daß sie nur zwei, drei Sätze mit dem Verkäufer spricht, dann ihre Pistole zückt und nach einer kurzen Pause den Mann niederschießt. Sie nimmt sich alle Scheine aus der Kasse, einen Kaugummi und geht gemächlich aus dem Verkaufsraum ins Freie. Sieht sich um und verschwindet im nahe gelegenen Waldstück. Das Geld und die Pistole immer noch in ihren Händen.


Sergeij Vier leere Flaschen später: Wasili, Miro und der Wirt tanzen auf „Kalinka“ einen Freudentanz mitten in der Wirtschaft. Sergeij trinkt noch ein Schlückchen aus der Flasche. Dann wechselt die Musik auf „Ballad“ von Gang Green, Sergeij hebt zum ersten Mal seinen Kopf und grinst vor sich hin. Die anderen 3 wunderten sich und schäkern mit dem Publikum, das klatschend um sie herum steht. Wirt: Endlich wachte er auf Fallow: Das wird auch Zeit.

Sergeij steht auf und fängt torkelnd an zu tanzen. Das Publikum ist begeistert.


Andrea Läuft schneller durch den Wald. Es ist schon stockfinster, sie stolpert, rappelt sich auf, hält sich den Bauch, läuft weiter. Das Geld und die Pistole immer noch in ihren Händen.


Sergeij Sergeij tanzt was sein Zeug hält auf Beatles „Back in the U.S.S.R.“ und kippt irgendwann aus den Latsche, steht schwerfällig wieder auf, hält sich den Bauch und übergibt sich auf dem Weg nach draußen, teilweise über den Kneipenboden, über die Kneipenhocker und sogar über einige Kneipenbesucher.

Wirt: Ich Denk’, jetzt ist’s Zeit für dich zu geh’n. Ich ruf’ dir ein Taxi, ja. Sergeij: (Draußen über ein Geländer gebeugt) Schon gut.

Einige unangenehm Betroffenen schlagen verärgert die Tür zu, um andere davon abzuhalten, Sergeij kurz und klein zu schlagen. Sergeij wühlt in seiner Tasche und zieht nach einigen ausgedehnten Augenschlägen einen Schlüsselbund hervor.


Andrea Kommt an eine große Straßenkreuzung und beschließt wieder zu stoppen und tatsächlich kommt auch bald ein Auto. Sie steckt die Pistole in ihre Jackentasche. Das Auto fährt ziemlich schnell auf sie zu und sie hatte es schon beinahe aufgegeben mitgenommen zu werden, als sie sich wieder zum Scheinwerferlicht hin dreht und im Ausweichen wollen von der rechten Wagenseite erfaßt wird. Der Wagen hält. Andrea liegt regungslos im Staub. Sergeij steigt aus seinem Auto.


Andrea & Sergeij Sergeij läuft auf Andrea zu, beugt sich zu ihr hinunter. Andrea sieht Sergeij. Es war nicht gerade ein gewöhnlicher Tag für Andrea. Sie hatte eine Abtreibung, einen Mord und einen Diebstahl hinter sich und jetzt wurde sie zum krönenden Abschluß des Tages von einem Betrunkenen angefahren. Mit ironischem Lächeln auf ihren Lippen schließt sie ihre Augen. Sergeij sieht das auf der Straße liegende Geld, sammelt ein paar Scheine, erblickt die Pistole, nimmt sie aus Andreas Jackentasche und betrachtet sie fassungslos. Auf dem Boden sitzend und nach einer Erklärung suchend schläft er neben Andrea ein.


Gerichtsverhandlung Ankläger: Sergeij Surarow, sie werden beschuldigt, Ole Olwek erschossen und und Andrea Kallova im trunkenen Zustand mutmaßlich ermordet zu haben. Haben sie dazu etwas zu sagen? Sergeij: Ich kann mich an keine Tankstelle erinnern. Ich war niemals dort. Außerdem ist die Tatwaffe nicht von mir. Ankläger: Wie erklären sie sich dann ihre Fingerabdrücke auf der Tatwaffe, die neben ihnen lag, als wir sie bewußtlos neben ihrem zweiten Opfer am Samstag morgen fanden. Gestehen sie, zuerst haben sie den Tankwart ermordet, um die Tankstelle auszurauben und durch einen dummen Zufall haben sie auf ihrem Fluchtweg gerade seine Freundin mit dem Auto überfahren. Richter: Das Gericht zieht sich vor der Urteilssprechung noch einmal zur Beratung zurück.


Bilder aus dem Gefängnis ...Mißhandlung, Angst, Hitze, Folter, Gewalt, ...


Im Warteraum Verteidiger: (Holt Sergeij aus der Zelle) Du weißt wie deine Chancen stehen? Warum hast du es nicht noch einmal versucht alles zu erklären. Sergeij: Ich weiß wie meine Chancen stehen und ich weiß jetzt, wie es wirklich in unseren Gefängnissen aussieht. Seh’ mich an! (Er hat blaue Flecken und offene Wunden am ganzen Körper) Mein abmagern kommt nicht allein vom schlechten Essen. Es schlagen nicht nur die Wärter oder Bediensteten, das ist dir hoffentlich klar. Weißt du, was ein „Umschlag“ ist? Da werden dir die Beine bis hoch zum Kopf gedrückt! Und weißt du was sie hier unter dem Begriff „Schwalbe“ verstehen? Man muß ewig lang mit gekrümmtem rücken aushalten. Das sind die Routineübungen! Sie wollen noch wissen, wo ich den Rest des Diebesgutes versteckt habe; dabei weiß ich nicht einmal, welche Tankstelle sie überhaupt meinen. Wahrscheinlich wurde die nach dem Überfall noch ausgeplündert. Wenn ich da wieder zurück muß ..... Verteidiger: Aber zu leben ist doch immer noch besser als zu sterben, oder? Du hast eine Familie. Sergeij: Weißt du, wie es ist, wenn du mit 20 anderen netten Leuten in einer 50 Grad heißen Zelle vor dich hinvegitierst, die allerdings nur für 10 Leute eingerichtet ist? Das wird im Todestrakt dann wenigstens anders. - Ich hab gehört es warten 5 bis 6 Hundert auf ihre Hinrichtung. Verteidiger: Laß dich nicht so geh’n. Sei ein Mann. Sergeij: Es ist mir egal, was ich bin, ich will dort nicht mehr sein. Warum konnte ich nicht in ein anderes Land hinein geboren werden? Verteidiger: Komm jetzt, das Urteil wird gesprochen


Verhandlungssaal Richter: Wir erklären Sergeij Surarow der Anklage in vollem Ausmaß für Schuldig. Die Todesstrafe wird am folgenden Dienstag vollstreckt werden. Sergeij: Gott sei Dank! Dich gibt es doch und du bist gnädig.


Hardy: Nur schade, daß es seit zirka 1997 dort keine Todesstrafe mehr gibt. Steave: Die Geschicht spielt auch um 1995, hab ich vergessen zu sagen. Aber laut dem Bericht von „amnesty“ gibt es auch noch heute zig Länder mit Todesstrafe und mindestens so schlechten Gefängnisbedingungen. Hardy: Gut, also kein Problem die Geschichte umzuschreiben. Trotz traurigem Ende bekennst du dich aber doch eindeutig gegen die Todesstrafe, oder? Steave: Ich bin mir da nicht so sicher. Ich arbeite noch an der Einstellung. Wenn das Verbrechen schlimm genug und eindeutig bewußt durchgeführt wurde, bewege ich mich auf Glatteis. Hardy: Auf jeden Fall denke ich, daß im Schluß die Schwäche von dem Stück liegt. Vielleicht solltest du nach dem Unfall Schluß machen? Steave: Das hab ich mir auch schon überlegt. Ich weiß nicht so recht. Hardy: Oder du machst nach dem Unfall einen so einschneidenden Schnitt, daß der ganze Film in einem neuen Licht erscheint. Steave: Extremer!?? Hardy: Wechsle das Genre! Steave: Mitten im Film? Hardy: Ja, das ist eigentlich auch nichts unbedingt Neues. Beispielsweis Tärentino hat das doch auch schon gebracht, oder. Wie hieß der Film nochmal? Steave: Keine Ahnung, aber du meinst doch den mit der Vampirkneipe, oder? Hardy: Ja! Peinlich, na egal! Steave: Laß mich doch noch eine Geschichte von mir vorlesen. Hardy: Das war nicht vorgesehen, aber das nächste mal vielleicht, ja? Steave: Ist gut! Hardy: Und schreib uns auch mal. Bis dann! Steave: Tschau!

Binnenhandlung

Jody: Wie lange geht die Sendung noch? Bender: Noch eine halbe Stunde! Jody: Dann werde ich mich wohl zurückziehen und das Treffen mit dem WERT vorbereiten. Dr. Christ: (zufällig wieder im Raum / stellt sich vor Jody auf) Ich dachte, das haben sie gestern bereits. Jody: Ehm, das haben wir auch, ich muß nur noch die Blätter ordnen. Dr. Christ: Sie wissen ja, daß die WERT dieses Treffen ziemlich ernst nehmen. Jody: Auf jeden Fall ... Dr. Christ: (hält Jodys Ellenbogen) Ich kann sie jetzt schon gut leiden. (geht) Jody: Also gut, dann werde ich mal. Aimy: Aber, ach was. Wir gehen erst einmal ins „Wirtschäftle“. Jody: Was soll denn das wieder sein? Aimy: Die Café-Kneipe von nebenan. Da hört man die Sendung auch immer. Sie verpassen also nichts von Hardys Gelaber. Jody: Das kann ich jetzt wirklich nicht bringen, (Pause) oder? Aimy: (wartet, bis sich Jody selbst dazu durchringt) Jody: Ein Kaffe, aber dann ... . Aimy: Irgendwie sind sie mir auch ein bißchen sympathisch. (Jody aus dem Studio ziehen) ich weiß noch nicht weshalb. Bender: (zu Sam und Will) Endlich hat sie eine gefunden, die sie beim vorabendlichen Saufen begleitet. Arme Jody. Will: Angenehm für uns!

STORYLINE

Hardy: ... das war auch bestimmt nicht nötig; ich meine das mit dem Butterdach! Bender, wen haben wir als nächstes? Bender: Also jetzt kommen wir zu einem Typ, Jerry Böle, ich weiß nicht, ob man tatsächlich so heißen kann oder ob das nur ein denkbar seltsames Pseudonym ist. Jerry, erzähl uns von deinen „Gekotzten Blumen“. Hardy: Moment, ist das der Titel oder wird das ein unangenehmer Erfahrungsbericht, der nicht nur indirekt mit bewußtseinserweiternden Drogen zu tun hat. Jerry: Ich weiß nicht, ob man die Drogen hier ausklammern kann, aber ... Hardy: Schon gut, ich wollt’s ja nur wissen. Film ab:

Gekotzte Blumen (von Jerry Böle) Sam stellt sich dieses Stück vor. Es ist gespickt mit wunderschönen Darstellern, die allerdings aufgrund des von Jerry erzählten allerdings mehr als Beobachter und weniger als aktive Teilnehmer den Raum füllen. Jerry: Das Stück besteht nur aus Bildern und Träumen, die irgendwann meinen Kopf streiften. Ich weiß weder woher sie kamen, noch was sie bedeuten. Vielleicht meinen manche, daß ich mich leichter in psychiatrische Behandlung geben sollte, aber ich stelle hier nur dar, was ich in meinen Gedanken als Wirklichkeit erlebt habe. Ein Bild sieht so aus, daß ein Hund einem anderen seine männlich, menschliche Geschlechtsteile abbeißt. Ohne, daß Blut strömt oder auch nur fließt, sieht man die wie Plastik wirkenden gelb-grünen, rot-braunen Innereien von dem toten Hund. Der andere Hund ißt die Genitalien und schaut dabei den Betrachter treuherzig an, während jener auf dem nächsten Klo Blumen speit. Deshalb der Titel. Hardy: Oh mein Gott, geht das so weiter? Jerry: Yeah! Hardy: Also gut, weiter! Jerry: Nein, nicht zwingend. Zum Teil werden auch Bilder gezeigt, indem sie von einem Träumer erzählend untermalt werden. Beispielsweise ein Pärchen, das seine Zeit wie John & Yoko tagelang im Bett verbringt, unterhält sich über das neu geträumte.

Ein Ausschnitt: Adam wälzt sich im Bett, in Schweiß gebadet unruhig hin und her. Elsa: (Schüttelt ihn wach) Du hast schlecht geträumt Adams: (Besinnt sich) So ein Horror-Traum. Ich glaub, ich hab gerade jemanden umgebracht. Elsa: Im Traum? Adams: Ja, ein alter Mann ist immer um mich herum gelaufen und getanzt und hat mich beschimpft. Ich wollte gut Freund mit ihm sein, aber er hat mich immer wieder fertig machen wollen. Erst machte er das mit seinen Sprüchen und dann hat er ein Messer ausgepackt und auf den Boden gelegt. Ich wußte genau, daß er es gleich nehmen wird und vor hat mich damit zu töten. Elsa: Bist du weg gelaufen? Adams: Nein, ich hab das Messer genommen. Indem ich ihn mit kleinen Stichen traktierte, verletzte ich ihn; allerdings ohne, daß Blut geflossen wäre. Da war noch eine dunkle, unbeteiligte Gestalt, die immer nur stumm herum stand. Ich weiß nicht, wer das war. Elsa: Vermutlich ich!?? Adams: Weiß nicht, vielleicht. Es war nur ein Schatten von Mensch, der immer anwesend alles beobachten kann und der wie Stille aus einem anderen Raum wirkt, die sich ohrenbetäubend in die von einer Uhr zerfressene Gedanken schneidet. Weiter: Der verletzte alte Mann stand auf, drehte sich von mir weg, wie wenn er auf jemand anderen warten würde und sagte, daß die anderen - wer das auch sein mag - jetzt, nachdem ich ihm so zugesetzt hätte, schon sehen würden, was ich für ein Mensch sei. Wieder fühlte ich mich bedroht und betrogen zugleich. Ich nahm das Messer und all meinen Mut und Haß und stach ihm von hinten durch sein knorpliges Herz. Er drehte sich um und sagte: „Endlich hast du mal einen richtigen Stich gemacht, nicht so halbherzig wie sonst...“ und er starb. Elsa: (Verzieht ihr Gesicht) Oh mein Gott. Adams: Dann ist er zusammengesackt, ja, zusammengefallen wie so eine aufblasbare Plastikpuppe mit einem faustgroßen Loch in der Brustmitte. Dann nahm ich ihn, faltete ihn an Knien und Becken und trug ihn zu meinem Wagen. Plötzlich ging sein Kopf nach hinten und ich dachte gleich beißt er mir in meinen Brustkorb, als für ihn noch einzig mögliche Rache, aber er war doch tot, ohne Luft in sich. Elsa: Hm. Und weiter. Adams: Ich stopfte ihn auf den Rücksitz meines Fahrzeuges. Es machte Probleme. Einmal waren die Beine noch draußen, dann schnalzte wieder der Kopf heraus, aber ich verstaute ihn gerade rechtzeitig, bis ein weiterer Wagen aus dem dichten Wald kam. Das heißt, es war kein Wagen, es war ein Flugzeug. Ich stieg als blinder Passagier in den gläsernen Laderaum am Hinterteil des Fluggeräts. Es startete und in meiner Magengrube wurde es flau und doch angenehm. Du kennst das doch? Elsa: Um die Gürtellinie herum? Adams: Ja genau. - Aber als wir in einer beträchtlichen Höhe ganz gemäßigt dahin flogen, geschah etwas Entsetzliches. Elsa: Der alte Mann ist wieder aufgetaucht? Adams: Nein, wäre aber auch eine Möglichkeit gewesen. Nein, die Maschine stürzte ab. Auf einmal stand ich im Cockpit, zwischen zwei Piloten, die geradewegs auf Festland zusteuerten. Die Landeklappen funktionierten wohl nicht, auf jeden Fall gab es keinen direkten Aufprall, sondern wir glitten mit einer rasenden Geschwindigkeit auf der Erdoberfläche entlang. Ich spürte, wie meine Füße, dann meine Schienbeine und Knie weggeschliffen wurden - Elsa: Igit Adams: - Und gerade als wir frontal auf ein Haus knallten, das aussah wie dieses Gebäude, hast du mich aufgeweckt. Elsa: Bist du etwa darüber böse? Adams: Nein, bestimmt nicht. Ich frag mich nur, was der eine mit dem anderen Traum zu tun hat. Elsa: Das ist mir auch schleierhaft. Adams: Das werden wir wohl nie herausfinden. Elsa: Da sind meine Träume richtig harmlos dagegen Adams: Wieso? Erzähl! Elsa: Nein, es war nur schon ziemlich oft so, daß ich mich in meinen Träumen verfolgt gefühlt habe und nicht weglaufen konnte. Adams: Wieso nicht? Elsa: Es war wie auf dem Mond, ich brachte meine Füße nicht mehr schnell genug auf den Boden und mußte mich mit allen Vieren hastig weiter hangeln. Es war wie eine Sanduhr unter meinen Füßen. Man hat mich nie richtig erwischt, denn ich bin bisher immer davor aufgewacht, aber ich war bislang doch immer auf der Flucht. Adams: Das ist wohl nicht minder schrecklich als meine Träume.

Und so weiter. Die beiden setzen sich zum Ziel, sich jeden Traum den sie haben zu merken und aufzuschreiben. Sie sind Tagelang im Bett und machen nichts weiter, als auf den nächsten Nacht- oder Tagtraum zu warten. Sie versuchen sich in den Träumen zu begegnen. Es entstehen nicht nur schreckliche, sondern auch schöne, liebesdurchtränkte Träume. Alles ist möglich und alles wird ausprobiert. Sie lernen, die Träume zu beherrschen, die eigenen Regisseure ihrer Bilder zu werden. Ihr wirkliches Leben leidet aber gewaltig darunter. Finanzielle Probleme, Essen und Trinken wecken sie immer wieder aus dem herrlichsten Schlaf. Die realen Probleme können auch nicht mehr durch die sexuelle Ablenkung miteinander zwischen den Träumen aus ihrem Unterbewußtsein herausgehalten werden. Immer mehr verlieren sie die Kontrolle über ihre Vorstellung. Angstzustände mischen sich ungewollt in ihr Gemüt. Sie können sich der Realität nicht mehr wehren und werden langsam aber sicher zu den Prototypen des Normalbürgers. Ihr lockeres, unbeschwertes, fröhliches Leben wird zur alltäglichen Hölle.

Im Wirtschäftle Während Aimy erzählt stellt sich Jody die Personen immer wieder vor, auch wenn sie diese bis dahin nur kurz gesehen hat. (Sie macht sich ein Bild von den Personen.) Aimy: Dr. Christ hat die ganze Sache mit Radio Seven ins Rollen gebracht. Ja, Dr. Christ: du fragst dich, wie es dazu kommt, daß der eigentlich 77-jährige immer noch in seinem Amt als Programmdirektor wirken kann? Jody: Nein! Ich kenne noch so gut wie niemanden! Aimy: Was? Ich hab gedacht, du wärst schon seit gestern hier! Jody: Willst du mich verarschen. Der „Dr. Christ“ ist so verplant, daß er schätzungsweise irgendwann vergißt, weshalb er mich eingestellt hat. Aimy: Ja, weshalb eigentlich? Na ja, das kannst du mir ja später erzählen. Jody: ... und Hardy ist so verlogen, dem glaub ich kein einziges Wort mehr. Aimy: Oh! Kellner: (kommt gelangweilt angewackelt) Aimy, wie sieht’s aus? Wie immer? Aimy: Klar! Kellner: Und was darf es für die junge Dame sein. Jody: (wundert sich noch ein wenig darüber, daß Aimy scheinbar Stammgast ist) Mir auch einen Kaffe! Kellner: (lacht) Ja genau, „auch“ (geht) Aimy: Also das mit Dr. Christ ist so, er ist der Programmdirektor von Radio Seven. Jody: Also so weit bin ich schon gekommen. Aimy: Er gibt vor 57 zu sein, um einer Pensionierung zu entgehen. Vor 11 Jahren, „im Jahr der großen Computerabstürze“ ging sein Ausweis verloren; in der darauffolgenden Bevölkerungsregistrierung gab er dann falsche Angaben und gründete damit praktisch eine neue Identität. Diese Information darf allerdings Mehmet nicht zukommen, weil jener schon längst auf den Posten des Programmdirektors scharf ist. Jody: Wer ist Mehmet. Aimy: Den hast du vielleicht noch nicht gesehen. Der hat gerade Urlaub. Aber du wirst ihn schon noch kennen lernen. Wenn man mich fragt leidet er unter Minderwertigkeitskomplexen. Er hätte im Normalfall unter Dr. Christ das Sagen in dem Studio, ist aber Hardy in allen Belangen – vor allem verbal – unterlegen und versucht sich bei ihm einzuschleimen, um ihm noch einen bindenderen Vertrag unterjubeln zu können.

Sie hören Hardy im Café-Radio Hardy: Abgefahren genug! Jerry: Ich hoffe doch. Der Film soll ein Feuerwerk an Bildern und Charaktere sein. Zum Höhepunkt ihrer Traumbeherrschung verändern die beiden fließend ihre Persönlichkeiten im Minutentakt. Hardy: Wirklich gute Idee. Das wird zeitgerecht schnelles Schauspiel, das die Flucht in die eigene Gedankenwelt kritisiert, aber als einzig wahre, freie, und selbstbestimmte ansieht. Deute ich das richtig. Jerry: Ja, ich denke, es hat auch einiges mit dem Sinn deiner Sendung zu tun. Hardy: Mein ich auch! Jerry: Ich finde, die Vorstellung ist das wichtigste, das einem Menschen gegeben ist. Was wäre er denn ohne sie? Hardy: Wenn du das allerdings nicht nur Drogen-Junkies vermitteln möchtest, dann rate ich dir von der zu abgefahrenen Darstellung ab. Das erschreckt doch die ... Jerry: Frommen und Reichen! Hardy: ... auch die normalen Leute, die es nicht gewöhnt sind, so viele Bilder auf einmal aufzunehmen und sich diejenigen herauszusuchen, die sie wirklich verwerten wollen. Und du möchtest doch schließlich von mehreren Leuten gehört und teilweise zumindest auch verstanden werden, oder? Jerry: Ich weiß nicht so recht, ob ich von allen verstanden werden möchte. Aber du hast es richtig erfaßt; ich möchte von vielen gehört werden. Hardy: Genau, und wenn du das willst, mußt du auch auf die Leute eingehen und nicht nur schocken und überfrachten. Jerry: Aber was machst dann du in deiner Sendung? Hardy: Ihr macht das Programm, das mir eigentlich auch ganz gut gefällt und ich probier die Möglichkeitenflut ausgeglichen in einen Rahmen zu fassen. Jerry: He Mann, du bist cool, ich find deine Show ja auch ganz geil. Hardy: Danke, dann werden wir wohl weiter machen, ja! Jerry: Ja Mann, bleib locker. Hardy: Nichts leichter als das.

Zurück zum direkten Geschehen im Wirtschäftle Jody: Manchmal kann er schon ziemlich arrogant wirken, nicht? Aimy: Klar, aber ich bin mir sicher, du wirst auch noch erkennen, welche Vorzüge er hat. Der Bastard! Jody: Einmal verfluchst du ihn, dann lobst du ihn in den Himmel. Aimy: (zuckt mit den Schultern) Jody: Na ja, kann mir ja egal sein. Mich interessiert Bender! Aimy: (verzieht ihr Gesicht) Nein wirklich, ich hab gedacht das war nur ein übler Gag. Jody: (lächelt) Aimy: Also gut, Bender ist ca. 35 und der „Vorhörer“, er überprüft die Anrufer, ob sie überhaupt etwas zu sagen haben und stellt die besten dann zu Hardy durch. Privat weiß ich so gut wie nichts von ihm (leise) Warum soll ich mich auch für eine solche Null interessieren! (Wieder laut) Mir persönlich sind andere ein Stück weit wichtiger. Kellner: (bringt wortlos eine Tasse Kaffe und einen Gin Tonic / stellt die Getränke absichtlich vor den verkehrten Gast) Jody: Zum Beispiel? Aimy: Der etwas schusselige Computer-DJ Multiple, der die Lieder aussucht, er legt mit Vorliebe „eine alte Scheibe“ von Bob Dylan auf, was den Rest der Crew natürlich langweilt. Mir ist das allerdings sympathischer als beispielsweise das Gehabe von der Brillenschlange Sack! Jody: Sack? Aimy: Den kennst du auch noch nicht? - Sack, ein penetranter Pedant, der immer mit dem Finanzamt in Kontakt steht. Er liebt es auf alle nur erdenklichen irdischen Verpflichtungen einzugehen - er hält sich an die 10 Gebote, den Koran, lebt koscher, hält den Sabbat ein und so weiter, nur um sicher zu gehen. Er ist Wahlhelfer und unterstützt alle radikalen Parteien finanziell. Meines Erachtens hat er einen Totalschaden. Jody: Und du selber? Bist Aim(y) ca. 35, war früher mit ihm zusammen; jetzt seid ihr gute Freunde ... . Ihr telephoniert von Zeit zu Zeit und reden normal miteinander, aber immer wieder werden schlechte Erinnerungen an die gescheiterte Beziehung wach und ihr beide seid schließlich doch froh, daß ihr voneinander weggekommen seid, oder? Aimy: (wendet sich schmunzelnd ab) So ungefähr! – Hardy, äh, Baby Doll! Zahlen! Jody: Wie sieht es eigentlich mit dem WERT aus? Aimy: Ach, eigentlich sind die doch harmlos, wenn man weiß, wie man sie nehmen soll. Jody: Nehmen? Aimy: Das WeltEthos-RadioTeam (WERT) besteht aus 3 grauen Männern und macht immer mal wieder Kontrollbesuche im Radio. Sie werden von allen gefürchtet, da sie darüber entscheiden können, wer seinen Job in dem Sender behalten kann und wer nicht. Allerdings ist sich auch jeder darüber im Klaren, daß dieses human gesonnene Komitee nichts entscheidendes gegen die immer populärer werdende „Sympathieträger“ unternehmen wird, da sie ein fester Bestandteil in der Veröffentlichungsarbeit des Weltethos-Komitees geworden sind. Übrigens hältst du dich leichter von den beiden Tussen fern, die da immer noch im Sender umhergeistern. Jody: Sam und Will? Aimy: Erraten. Sam(anta) ist die technische Mitarbeiterin, die den Programmablauf regelt und Hardy ab und an zu verführen versucht – wenn sie nicht gerade mit einem anderen Mann zusammen ist. Es scheint sich zwar eine Dauer-Liebe zu Hardy zu entwickeln, die allerdings von Hardy nie erwidert wird. Sams Modell-Freundin, Hardys holländische Austauschstudentin Wil will Hardy vernaschen. Sie hat ihren Namen nicht umsonst und hat immer wieder ein kleines obszönes Intermezzo. Sie sticht vor allem durch ihr scheinbar unerschöpfliches Kleiderangebot hervor. Sie trägt nur versehentlicher Weis ein einziges mal ein Kleid zweimal. Die im Radio höflichen, voll Wortwitz sprühenden, im wirklichen Leben allerdings vollkommen abgestumpften und doch ab und an sarkastischen Leroy und Lerry sind die Radiomoderatoren, die vor und nach Hardy auftreten und sich eigentlich ständig irgendwo im Studio herumtreiben. Von seinen Fans bekommt Hardy ständig Post. Vor allem ein Cartoonzeichner finde ich gut, der durch seine Faxe Hardy immer wieder Anstöße gibt und „wirklich“ zum Lachen bringt. Sowieso sind die Vorsteller ... Jody: ... also die Kleinkunstanrufer! Aimy: ... wenn man so will! Auf jeden Fall sind die Leute am anderen Ende des Hörers die eigentlichen Helden. Mehrere Gesichter schnell hintereinander geschnitten. Jody: Danke, Aimy. So kann ich mir jetzt schon ein besseres Bild von der Unmenge an Leuten machen. Aimy: Ziemlich viele, was? Jody: Ja, warum eigentlich? Und warum komme ich jetzt noch dazu? Und warum noch einmal 5 Leute? Aimy: Das WERT will die totale Abhängigkeit von Hardy vermeiden. Darum suchten sie in einem Casting noch ein paar Trottel aus, die von Hardy ablenken sollen und ihre Interessen besser vertreten als dies mit Hardy verwirklicht wurde. Jody: Und warum komme ich dazu. Aimy: Dr. Christ hat in einem Streit zwischen Hardy und dem WERT Hardys Position vertreten. Es liegt also in seinem Interesse, die Hardy-Front zu stärken, damit keine langweiligen Moralpredigten über den Äther geschickt werden. Jody: Aber ihr könnte doch einen eigenen Sender aufmachen. Aimy: Ihr? Ich gehöre da nicht wirklich dazu. Jody: Du bist nur die Schwatzbase über die alle Intrigen laufen, oder? Aimy: So ähnlich. Aber zu deiner Frage zurück, wenn sie tatsächlich einen neuen Sender gründen wollten, würde das bereits am Startkapital scheitern – und von mir bekommen sie dafür auch keinen Pfennig ... Jody: Obwohl du das Geld dafür hättest!?? Aimy: Na klar. Aber ich würde diesen Halodris dann auch bestimmt nicht die Unsummen als Gehälter geben, die sie von dem WERT in den PIEP geschoben bekommen. Jody: Verstehe, da sitzt also das Geld. Aimy: Genau, bei dem WERT. (zahlt) Wenn du noch eine Frage hast, was das Urteil über andere Leute betrifft, dann bist du bei mir an der richtigen Adresse. Jody: (lacht) Gut, ich werde auf dich zurückkommen. Kellner: Wie immer kein Trinkgeld! Aimy: (bereits aufgestanden) Wenn du endlich mal beim Servieren ausgezogen ankommst, dann könnten schon mal ein paar Groschen herausspringen, aber in dem häßlichen Schürz kann man dich ja nicht ansehen.

Im Radio läuft weiterhin STORYLINE

Chamäleon (von Rita Zucker) Diesen Film stellt sich ein melancholischer Typ, der im Wirtschäftle an der Theke sitzt, vor. Der wandelbare Will Sonders kann sich allen Menschen und Situationen perfekt anpassen. Die Anpassung ist instinktiv in ihm verankert. Er faßt allerdings seine besondere Fähigkeit nicht als außergewöhnlich auf und denkt, alle könnten sich so gut wie er anpassen, läßt er sich auf alle möglichen kleine Welten ein: Egal ob er mit einer konservativen Hausfrau, einer eleganten Tussie von Welt oder einem Massenmörder zusammen ist, man denkt stets, daß es sich bei ihnen um ein herzerfrischendes trautes Paar handelt. Geht es seinem Nächsten um Ordnung, wird auch Will in seiner Umgebung penibler. Geht es seinem Nächsten um Wissen, handelt Will in seiner Umgebung nur noch gebildet vernünftig. Will versteht die kleinen Nischen, die sich diese Leute in ihrem Leben als Raum verschaffen. Er kann sich bis in das kleinste Detail auf diese kleinen Welten einlassen und nichts außer ihnen betrachten. Nach vielen Beziehungen und Freundschaften stellt er allerdings fest, daß in ihm die Gabe der gelungenen Anpassung deshalb vorhanden ist, weil alle Welten bereits in ihm vorhanden sind. Will entdeckt sich als Spiegelgesicht von allem Gegebenen. Seiner, ihm übermenschlich erscheinenden Fähigkeit bewußt, sich über die Dinge hinwegsetzen zu können, schließt er mit allen kleinen Welten ab. Das Interessanteste ist ihm nicht mehr genug. Ihm, dem alles in die Wiege gelegt wurde, dürstet nach der Unendlichkeit seines eigenen Wesens. Die kleinen Welten sind ihm zu klein, Freundschaften sind ihm zu einseitig ... Er lernt Rita kennen, die sich eine schnucklige kleine Eigenwelt zusammengebastelt hat. Will weigert sich, wegen ihrer offensichtlichen Verträumtheit in dieser Welt, sie zu lieben. Rita, die ihrerseits Will sehr zugeneigt erscheint, versucht ihn nicht mit Worten zu überzeugen. Will erkennt für sich, daß es immer mehr Gründe zu finden gibt, die es dem eigenen Gewissen gestatten, Menschen zu verlassen, als eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Er gewinnt durch einen Umzug und nun totalen Verwerfen jeglicher kleinen Welt mehr Abstand zu dem wirklichen Leben. In vollkommener Abgeschiedenheit erkennt er immer mächtiger sein „inneres Wunder“. Er erkennt, daß erst durch seine Augen die Gegenstände Farben bekommen. Nur durch sein Erkennen bekommt die Natur ihre Vielfalt. Erst durch seine Definition erlangen Leute ihren Charakter. Und schließlich: nur durch ihn, Will Sonders, werden die Welten zu dem, was sie zu sein scheinen. Anfangs dachte er, daß sein Umfeld ihn bestimmen würde, jetzt war er so weit zu glauben, daß sich die Welten nach ihm entwickelten. Das nachahmende Chamäleon war gestorben, Will kann sich selbst zu etwas Besonderem bestimmen. Mit zunehmendem Bewußtsein darüber, wie perfekt er eigentlich schon immer war, wird er unzufriedener, weil die Anpassung ihm im wesentlichen am meisten Spaß gemacht hat. Er führt diesen Gedanken bis zum letzten aus, bis er schließlich mit Schrecken feststellen muß, daß er sich nun selbst eine kleine Welt geschaffen hat. Schließlich erkennt er, daß er wieder auf seine Anfänge zurückkommen muß. Will will den Kleinigkeiten im Leben, den Niedlichkeiten und auch Problemchen seines Lebens und mit seinen Freundschaften gleich viel Wert zumessen, wie seiner Gesamtheit seiner Perfektion. Er vergleicht seine Entwicklung mit einem Jungen vom Land, der dort alles hat und obendrein mit dem Erbe seines Vaters ein gesichertes Leben hätte; der aber abstruser Weise in die Stadt geht, um sich alles erarbeiten zu müssen, gepeinigt und mißhandelt zu werden, um sich schließlich, wenn er es einmal schaffen sollte, sich zu etablieren, die Hoffnung zu erhalten, sich irgendwann ein Häuschen auf dem Land zu kaufen. Als unzufriedener Will ist er am perfektesten; aber er geht zum Kleinsten zurück, um damit das Größte in sich zu ehren. Die Erinnerung an Rita erfüllt ihn mit Zauber. Er würde zurück gehen und mit ihr eine gemeinsame Welt schaffen, die es wert sei gelebt zu werden. Als er sie nach langer Suche wieder findet, schließen sie sich treuherzig in die Arme. Will erzählt von seinen Erlebnissen und Schlüssen, die er für sich gefaßt hat. Im erzählen kommt es ihm scheinbar so vor, wie wenn Rita ebenfalls so Weltenreich wäre wie er selbst. Will: Jeder denkt von sich, er sei der Wichtigste, er sei das, um was sich alles dreht. Rita: Man kann nur den Versuch machen zu verstehen. Will: Sich selbst und andere versteht man nie ganz. Rita: Davon bin ich ausgegangen.

Zucker: Daraufhin geht Rita und sie sehen sich vermutlich nie wieder; aber das entscheidet ganz allein der Hörer der Geschichte. Hardy: Wow. Erinnert mich an irgend so einen Woody Allen Film. Ein psychologisch-philosophisches Thema. Komplexe Handlung. Zucker: Angereichert mit Komplexen. Hardy: Nenn es doch „Welten“. Das hört sich angemessen vermessen an. Oder „Weltenreich“. Das ist doch eher der rote Faden als der Anfang als Chamäleon. Ist dein Will eigentlich dann immer nur so wie das Klischee es vorgibt gekleidet oder kann er sich auch an die Natur anpassen, wenn er sich, um sich bewußt zu werden, zurückziehen will? Zucker: Gute Idee, er soll auch unsichtbar werden können, genau, das muß ich mir gleich aufschreiben. Hardy: Hat die Hauptperson eigentlich nur zufällig meinen Nachnamen oder hab ich mich da verhört oder ... Zucker: Nur zufällig, na klar! Hardy: Ah ja, kannst du uns noch die Personen noch ein wenig näher beschreiben, weil bei einem Hot Shot ist es ja eindeutig nicht geblieben, da können wir auch gleich mal ein bißchen weiter fragen. Zucker: Ach die Hauptpersonen spielen nicht immer die entscheidende Rolle. Gerade weil „Der Egoist“ - übrigens auch ein Titelvorschlag - das Thema dieses Filmes ist, muß darauf geachtet werden, daß die Nebencharaktere, zwar oft namenlos, aber saftig ausgeprägt sind. Hardy: Na dann baller mal los.

Personen von „Chamäleon“ Jody kommt gerade wieder in das Studio und hört in der Kantine die Sendung. Sie versucht sich auf das Gespräch vorzubereiten, wird allerdings von der Vorstellung, daß diese Personen tatsächlich in der Kantine existieren könnten unterbrochen. Der Koch verwandelt sich in ihrer Vorstellung zu dem „Pfennigmann“, die Dame, der Essensausgabe wird zum Kadavertyp, ein Musikredakteur zu einer Hebamme usw. In Jodys Phantasie spielen sich auch die vorherigen Personen, die Amie ihr beschrieb.

Der Pfennigmann Ein blaubärtiger Mann, der Glückspfennige auf der ganzen Welt (auch ein Titelvorschlag: „Die ganze Welt“) verteilt. Manchmal legt er falsche aus, um in seinem Mythos nicht unumstritten zu bleiben. In seiner Freizeit schenkt er Kindern Lutscher.

Kadavertyp & Hebamme Ein Mann, der die toten Tiere vom Straßenrand (und sonst überall) aufliest und beiseite räumt, ist in eine schwangere Hebamme verliebt. Bei diesem Paar gibt es ein Happy End. Sie fallen in wilden Gestiken übereinander her.

Der Busfahrer (Dr. Christ) Der immer-gleiche eingefahren freundliche Busfahrer mit seinen immer-gleichen Fahrgästen macht nichts weiter als einen müden Eindruck. Vor allem, wenn er jugendliche Modeabhängige abkassiert oder den rollerfahrenden Poper-Exibitionisten sieht. Der ganze Bus ist voller Individualisten, in ihren begrenzten Welten. Auch:

Die Redner (oder Hardy) Auch im Bus, den die Hauptdarsteller immer benutzen gibt es ein Paar: eine etwa 70-jährige, wie eine Pennerin gekleidete quietsch-fidele, politisch revoltierende Frau kommt mit einem ebenfalls politisch interessierten 45-jährigen Mann zusammen. Beide reden immer laut vor sich hin und bemerken sich und die Tatsache, daß sie bislang aneinander vorbeigeredet haben erst, als ein Dritter, ein angenervter Pendler sie zusammen stellt. Als sie zusammen schweigen, steht ein bis dahin immer gut zuhörender dunkelhäutiger auf und beginnt laut Goethe, Dalai Lama, Sartre und andere zu zitieren. „Die Hölle, das sind die anderen.“ und so weiter.

Hardy: Abgefahren genug. Ein bißchen lang für die HOT SPOTS, aber da sind wir ja tolerant. Vielleicht lehnt noch auf dem Behindertensitz mit gesenktem Kopf der depressive Androide, von dem niemand je erfahren wird, daß er sich selber entwickelt hat, weil er sich in einem Atommüll-Endlager selbst kurz schließen wird. Zucker: Sugger, die Idee. Jody: (geht wieder aus der Kantine, die sie in den letzten Minuten als Bus erfahren hat) Oh Mannomann. Das geht ja wirklich ein bißchen weit. Wie bekommen die es immer nur so hin, daß sich einem die Phantasien regelrecht aufdrängen? (Im Gang stößt sie plötzlich auf Hardy) Ah, schon fertig? Hardy: Hoi, immer noch da? (läuft weiter) Jody: (läuft ihm hinterher) Auch wenn sie lügen wie gedruckt, sie werden mich nicht von meiner Arbeit abhalten. Wir müssen ... Hardy: Ich hab gedacht, wir duzen uns? Jody: Erst nach der ersten Nacht! Hardy: (reißt seine Augen auf) Jody: Im Radio! Und damit wären wir auch schon bei der ersten Änderung, die ich ihnen aufgeschrieben habe, die sie aber vermutlich im Wirtschäftle haben liegen lassen. Hardy: Sie haben mich gesehen, wie ich gestern noch ins Wirtschäftle bin? Jody: Ließ sich nicht vermeiden! Hardy: Ich hab mir nur noch Zigaretten geholt! Jody: Sie sind doch Nichtraucher, oder? Hardy: Wer weiß ... Jody: Mir auch gleichgültig, in einigen Minuten haben wir das Gespräch mit WERT. Hardy: Unsere Geld- und Ratgeber! Jody: Ich möchte ja nicht drängen, aber haben sie schon irgend etwas vorbereitet? Hardy: Wenn sie so fragen; nicht direkt! Jody: Und wie haben sie sich das dann alles vorgestellt? Hardy: (zuckt mit den Achseln)

Gespräch mit dem WERT Das Gespräch ist gerade am Ende. Alle Beteiligten (außer Jody) erheben sich von dem großen runden Verhandlungstisch. WERT 1: Herzlichen dank Hardy, wieder einmal ein zufriedenstellendes Ergebnis für uns alle. WERT 2: Ja, dieses mal haben sie sogar mich davon überzeugt, daß sich alles ändern wird. WERT 3: Ich bin ebenfalls überaus erfreut über den Verhandlungsverlauf. Das ist der richtige Weg, den wir gehen. Danke! Hardy: (begleitet die WERT-Leute bis zur Tür) Nein, nein, ich habe mich zu bedanken. Die Neuen werden hier freundlich aufgenommen werden. Eine gute Idee bleibt eine gute Idee! Bis bald. WERT 1: Leider werden wir uns nicht mehr so schnell sehen können ... Hardy: Wie schade WERT 2: ... Sie haben doch bestimmt schon erfahren, daß wir so etwas ähnliches wie eine „Mission“ in Rom, Mekka und Israel zu erfüllen haben. Hardy: Ach ja, ich steh auf ihrer Seite, nein, hoppla, nicht Seite ... WERT 3: Genau, wir sprechen nicht mehr von Seiten. Dr. Christ: Also gut, dann bis zum nächsten mal. Hardy: Gute Zeit! WERT 1-3: Tschüß! Dr. Christ: (nachdem die Tür hinter den WERT-Leuten zugefallen ist, fällt er Hardy um den Hals) Ihr habt es tatsächlich geschaft. (Er geht zu Jody, um ihr zu gratulieren) Jody: (hält apathisch ihre Hand zum schütteln hin) Dr. Christ: Ich hab genau gewußt, daß ihr ein prima Gespann seid. (Er geht) Ich freue mich auf die kommenden Sendungen! (Die Tür fällt hinter Dr. Christ zu) Jody: Ich kann das einfach nicht glauben. Du belügst das WERT und Dr. Christ? Und obendrein klaust du auch noch meine Ideen und behauptest, sie seien in einer langen Diskussionsnacht entstanden. Hardy: Damit können wir uns endlich Duzen. Jody: Die war doch erfunden! Hardy: Es war unsere erste Nacht, sie haben es geglaubt! Es war unsere erste Nacht. Jody: War es nicht! Hardy: Egal, sie haben es geglaubt! Jody: Außerdem möchte ich sehen wie freundlich du die neuen wirklich begrüßt. Hardy: Wahrscheinlich sogar eher unfreundlich muß ich gestehen, denn wenn sie von den Trotteln ausgesucht wurden, kann es sich ja nur um deren rückradlosen Ebenbilder handeln. Jody: Und ich sitz nur da und bin zu perplex, um die ganze Geschichte aufzudecken. Hardy: Warum möchtest du überhaupt dagegen ankämpfen, was macht das für einen Sinn? Jody: Na wenigstens werde ich in Zukunft noch ein Wörtchen mitreden. Hardy: Das werden wir ja noch sehn. (Er winkt und macht die Tür hinter sich zu) Jody: (sitzt auf ihrem Stuhl und nimmt einen Schluck Kaffe)

Hirn (von Clever) Ein Fernfahrer!!! J. lebt!!! J. lebt in Lognorma, der Stadt der Roboter. Er ist, aus welchen Gründen auch immer, ein normaler Mensch. Dies zu entdecken brauchte für ihn seine Zeit. Jahrelang lebte er in der Gewißheit, daß seine vertraute Umgebung so natürlich wie er selbst war. Erst jetzt, im Alter von 27 kommt er durch einen dummen Zufall darauf, in welcher verhirnten Umgebung er sich seine ganze Jugend über befunden hat. Sein Freund wird durch J.s Unachtsamkeit von dem Rasenmäher erfaßt. Sein Freund-Roboter blutet, aber J. sieht ihm tiefer in sein Inneres, er ist aufs Tiefste von dem künstlichen Körper entsetzt, er kommt jedoch nicht dazu sich zu übergeben. Sogleich kommen Trost- und Ablenkungs-Roboter, die sich seiner annehmen. Die Überzeugung an der Schreckenserkenntnis ist jedoch unumstößlich. Schon früher hatte er Zweifel gegen seine Mitmenschen gehegt, die ihre Gedanken nur für egozentrische Zwecke verwendeten. Nach geraumer Zeit vertraut er auch seinen Eltern nicht mehr, denen er nie zur Arbeit folgen darf, die aber nach allem Anschein nach an der Verschwörung beteiligt sind. Die Welt wäre in Ordnung, so wie sie ist, aber sie ist künstlich. Alles war bislang so naturverbunden, herrlich banal und für die Einfachheit Bewunderung entwickelnd abgelaufen. Nichts deutete auf eine Verkompizierung durch künstliches Leben hin; ganz im Gegenteil: Maschinen wurden immer mehr verachtet und im allgemeinen Umgang gemieden. In allen Medien wurde stets dafür geworben, wie natürlich alles sei und es auch bleiben sollte. Deshalb hatte man ja die ganzen umweltschädlichen Technologien abgeschafft. Ihn erschüttert diese neue Betrachtungsweise der unnatürlichen „Lebensweise“ um ihn herum deshalb derart, er blieb darauf hin eine geraume Zeit lang, sich der Gesellschaft entschuldigend, mehr als resigniert und gelähmt in seinem Zimmerchen. Er betrachtet alles mit anderen Augen. Durch die Verachtung dieser Unmenschlichkeit ergriff er aber nach dem zu langen Herumhängen die Initiative, um gegen die Roboter zu kämpfen. (Wenn die Medien dafür werben, daß man menschlicher werden soll, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn man zum Revoluzzer wird und schließlich die Verursacher für das ständig neue Verlangen nach Bequemlichkeit durch Automatisierung: die Medien selbst und deren Untertanen, zur Rechenschaft zieht.) Das war sein neues, nach reichlicher Überlegung gereiftes Ziel, seine ausdrückliche Lebensaufgabe: nicht vorher zu ruhen, bevor nicht der letzte Roboter ausgeschaltet sei. Das warf allerdings einige große Probleme auf. Wie sollte er erkennen, ob nicht doch ein lebendiger Mitmensch existieren würde. Er entwickelte also zu erst eine Robot-Identifier, der an der Vorderseite wie ein Spiegel aussah. Wenn der Roboter identifiziert war, schaltete automatisch eine Laserkanone, die den Roboter außer Gefecht setzte. Er konnte sie stündlich aber nur ein einziges mal zünden. Einmal scheint ihm die werdende Leiche vor ihm ein tatsächlicher Mensch zu sein. Er hat allerdings keine Zeit mehr genau nachzusehen, da ihm die längst auf ihn aufmerksam gewordene Robot-Police auf den Fersen ist. Die letzten Worte des vielleicht wirklichen Menschen gehen J. nicht mehr aus dem Kopf: „Ich war einer von dir!“ Dieses Ereignis verdrängend, entwickelt J. sich zum unbarmherzig kaltblütigen Kämpfer gegen „das Böse auf seiner Welt“. In seiner erfolgreichen Untergrundarbeit stößt er auf den mysteriösen, menschlichen Herrn G., dem Js‘ Identifier nichts anhaben kann und der ebenfalls schon lange gegen die Wissenschaftsmacht angeht. Herr G. hat die verschiedensten Waffen entwickelt. Zum Beispiel arbeitet er mit Programmen, die die Computerhirne durch das Lesen von Zwischenzeilen in Büchern umpolen und die Roboter aus einem Anflug von scheinbarem Liebeskummer und Melancholie Zuhause verweilen lassen. So schaffte er sie anfangs aus dem Weg und konnte sie dann in ihrer Abgeschiedenheit leichter ganz beseitigen. Herr G. stellt ihm auch die verbündete Z. vor, in die sich J. verliebt obwohl Herr G. ihm bald erklärt, daß sie auch ein Roboter sei, jedoch nichts davon ahne, da sie eine beinahe perfekte Erinnerung an ihre Kindheit eingepflanzt bekommen hat. Es stellt sich heraus, daß die beiden sich Liebenden mehrere gemeinsame Interessen haben: vor allem sammeln sie gerne unnütze Gegenstände, die sie an den Glauben an eine rein menschliche Welt erinnern. Eine Vielzahl von einfach „netten“ Sachen, die einem Roboter nie ein Gefühl geben würden. Dinge, die durch ihre innere Wärme die Hoffnung auf ein Leben mit wirklichen Augen erhalten. Herr G. geht davon aus, daß er diese feindliche Welt nie ganz zerstören kann und vor allem auch nicht will, weil sie zu ihm gehört und auch noch andere Unschuldige dadurch sterben könnten. Selbst wenn nur einem dieser wunderbaren natürlichen Wesen, die vielleicht noch gar nichts von ihrer materialistischen Umgebung wußten, etwas zustoßen sollte, könnte Herr G. sein Handeln nicht mehr verantworten. Herr G. beobachtet aus seinem Standpunkt heraus mit Satellitenkameras die Roboterwelt und schlägt mit seinen Methoden dort zu, wo es nur geht, ist jedoch vernünftig genug, nicht den Haß überhand gewinnen zu lassen und unüberlegt zu handeln. Das steht im Gegensatz zu J. J. erzählt ihm von seinem verdrängten, wahrscheinlichen Mißgeschick mit einem „Wirklichen“. Nach anfänglichem Tadel tröstet Herr G. jedoch den vermeintlichen Mörder und gibt ihm die Gelegenheit mit ihm und Z. zusammen zu arbeiten. J. geht darauf ein und sie erarbeiten ein neuwertige Kunst- und Musikprogramme, da die depressiv stimmenden Bücher verboten wurden. Sie werden ein sich gut ergänzendes Gespann. Herr G entwickelt Programme zur Manipulation und neue Waffen. J. und Z. bauen die Waffen und setzen sie gleich probeweise ein. Ihre Fähigkeit zu manipulieren wird immer größer. Bei labilen Robotern können sie durch Kunst und Musik sogar bewirken, daß sie sich selbst zerstören. Die Beeinflussung geht teilweise so weit, daß man meinen könnte, die Feinde würden sich zu Emotionen hinreißen lassen. Der sanfte Weg der Manipulation ist J. jedoch zu langwierig und mit viel zu wenigen sichtbaren Erfolgen verbunden, deshalb bekommt er sich auch immer wieder mit Herrn G. in die Haare. In einem Filmstudio, in dem die drei einbrechen, um Kurzfrequenzen ihrer Programme mit einzuschneiden, werden sie erkannt. In einem Schußwechsel wird Herr G. getroffen. J. sieht die Wunde und stellt zu seinem Entsetzen fest, daß auch Herr G. in seinem Innenleben ein Roboter war. Noch bei Bewußtsein versichert Herr G. ihm stets auf seiner Seite gestanden zu haben und fordert ihn auf, ihn zu töten. J. bringt es nicht ums Herz, sieht unter Herrn G.s Mantel eine Art Spiegel hervorblitzen und erklärt sich damit die Abwehrkraft, die er gegen den anfangs auf ihn gefeuerten Identifie-Strahlen entgegenbringen konnte. J. läßt ihn liegen und kann, nun selbst verwundet, mit Z. fliehen. Bei seiner Rückkehr bemerkt er glücklicherweise rechtzeitig, daß sein Quartier von Robotern durchsucht und überwacht wird. Er verändert sein Aussehen und taucht in einem anderen Versteck unter. J. ist sich nicht mehr so sicher, ob Herr G. kein Verräter war und ihn nur in eine Falle locken wollte. Er setzt dem ungeachtet mit Z. die unvollendeten Arbeiten in Musik und Kunst fort. Er beobachtet die Außenwelt nicht mehr. Die Mütter und Väter und alle freudigen Ereignisse betreffen ihn nicht mehr, spielende Kinder sind ihm egal. Er hat sein früheres Ziel wieder aufgegriffen, die Welt von den Robotern zu befreien, auch wenn er der einzige Überlebende sein sollte. Sein Plan sieht vor, über Satellit die Erde mit einer für Roboter unerträglichen Strahlenfrequenz zu belasten, um mit einem Schlag alle Maschinen zum erliegen zu bringen. Erst durch Herrn G. bislang vor ihm verborgenen Programmen ist ihm dieser endgültige Schritt möglich. Z. unterstützt ihn in hingebungsvoller Liebe in diesem Vorhaben. Sie weiß nicht, daß sie damit ihr eigenes Todesurteil unterschreibt. J. spielt zwar mit dem Gedanken für Z. einen Schutzspiegel zu bauen, aber sie war viel zu clever, um schließlich nicht zu merken, daß sie auch ein Roboter war und das würde sie nie verkraften, da sich bei ihr der Haß gegenüber dem Feind am ausgeprägtesten entwickelte. Noch einmal bäumt sich die Roboter-Police zu einem Gegenschlag auf und erwischen J., Z. kann fliehen. J. hat jedoch noch eine Fernbedienung in seiner Tasche und zündet zu seinem Sieg die Satellitenstrahlen. J. braucht nur noch 10 Minuten in der Gefangenschaft überleben, dann würde alle Unmenschlichkeit um ihn herum ausgelöscht sein. Die Roboter ahnen nichts von seinem Vorhaben und probieren an der alten Identifie-Kanone herum. Sie richten sie auf J. der nur überlegen in den Lauf der Kanone sieht. Einer der nichtsahnenden Roboter drückt einen - für ihn beliebigen - Knopf und feuert somit einen Laserstrahl auf J.. Der kann es nicht fassen. Die Kanone hätte nicht zünden dürfen. Ist er selbst von ihnen? Er hatte den Spiegel nie auf sich selbst gerichtet! Während die Roboter noch darüber streiten, ob Lynchjustiz erlaubt sei, diese Aktion als Unfall oder Mißgeschick bewertet werden soll oder ob sie sich nach Menschenart in ein Handgemenge verstricken sollten, stirbt J. mit einem ungeklärten, aber doch ironischen Lächeln auf den Lippen. Kurz darauf kommt Z. mit einer moderneren Waffe und schießt alle Roboter in dem Raum nieder. Für J. kommt sie allerdings zu spät.

Hardy: Abgefahren genug! Wow, ja, wer weiß schon von sich selbst ob er nicht auch ein Roboter ist? Mit Kindheitserinnerungen und allem drum und dran und sogar so reichlich mit Phantasie ausgestattet, daß man seine eigene, wirkliche Herkunft sogar erfinden kann, wenn man sie dann auch nur als Geschichte abstempelt. Leider ist nicht genügend Zeit, um noch eine genauere Besprechung vorzunehmen, weil Bender bereits ein ganze Latte von Leuten in verschiedenen Leitungen hat, die jetzt in einer offenen Umfrage das diskutieren, was ihnen die Schriftsteller und Geschichtenerzähler hier über den Äther geschenkt oder aufgenötigt haben. Noch ein Wort von Multiple, dann rüber zur Umfrage. Multiple: Mir war zu wenig von Bob Dylan dabei, deshalb läuft er jetzt im Hintergrund. The man in me (Bob Dylan)

Jody: (zu Bender) jetzt bin ich gespannt, wie das läuft. Mitsprache für alle – und untereinander.

UMFRAGE Resonanz erfahren die „Vorsteller“ auch durch die Zuhörerumfragen, bei denen sich mehrere Leute in einem Gruppengespräch life im Radio über das amateurmäßige und manchmal beinah professionell hervorgebrachte unterhalten. Die unterschiedlichsten Leute stehen in einer extrem zeitbegrenzten Diskussion miteinander und urteilen, teils kritisch, teils bewundernd, über den hervorgebrachten Stoff. Eine Tendenz wird allerdings bald deutlich: es kristallisiert sich heraus, daß die Zuhörerschaft sehr von Hardys Kritik angetan ist und – wie er – immer mehr Ideenreichtum fordert und schnellere Vorträge propagiert. U.G.: Also ich fand die Liebesgeschichte auf dem Inselgefängnis langweilig. Der Fläth, oder wie der heißt, hätte viel mehr Leben in die ganze Angelegenheit bringen sollen. Da hat mir „Der Streit“ oder „der Wettlauf um das langweiligste Leben der Welt“ schon besser gefallen. Kirk: Find ich jetzt gar nicht! Im Gegenteil, durch den nötigen Tiefgang kommt man erst richtig ins Geschehen hinein. Natürlich muß man sich noch einiges an Tamm Tamm dazu denken. Ist doch klar, daß dieser Gefängnistyp von vorgestern nicht davon schreibt, wie die Hauptdarsteller aufs Klo gehen. Hardy: Ich will nicht unterbrechen, aber gebt bitte deutlich an, welchen „Film“ ihr gerade besprecht. Sack: Mich blähen die großen langen Geschichten schon ziemlich an. Da krieg ich immer einen Hals, wenn ich schon davon höre. Man merkt schon, daß sich die Leute mit der Materie genauer beschäftigt haben, ich find die spontaneren Ideen aber immer besser, wenn man merkt, daß man nicht der einzige Gestörte auf dem Planeten ist. Ilse: (dümmlich) Also ich wollte nur sagen: Storyline ist genial, man kann ganz genial darauf abspannen. Julia: Bei Jürgen, der „Why“ vorgestellt hat, fand ich gut, daß er ohne die üblichen weltverbessernden Moralen auskommt. Die „Heile-Welt-Prediger“ wollen sich doch nur selber befriedigen. XT Paul: Mir geht es so, wenn ich eine Geschichte höre, muß ich zuallererst meinen Kasten ausschalten, damit ich meinen eigenen Film im Kopf schieben kann. Manchmal brauch ich auch nur einen einzigen Satz, um eine eigene Geschichte daraus machen zu können, leider bekomm ich dann immer nur die Hälfte von der Sendung mit. Paula: Manchmal nehmen wir die Sendung auch auf und hören sie uns noch mal an, weil viele ihre Geschichten nur so runter rattern. U.G.: Ich find o.k., wenn es ein wenig zügiger geht, sonst schläft man doch ein. Wir leben das nächste Jahrtausend! Ilse: Ich wollte noch sagen, daß ich Hardy auch genial finde! Kirk: Die Karnevalsgeschichte war eine von meinen Lieblingsgeschichten beim Letzten mal. Da juckt es einen, selber mal wieder zu schreiben. XT Paul: Das „Chamäleon“ und „Aspik bitte“ fand ich wie Hardy: „abgefahren genug!“. Paula: Das war bei mir nun wieder ganz anders. Die 2 Geschichten waren viel zu extravagant, als das sie etwas Besonderes hätten sein können. Kirk: Kann man zu extravagant sein?

Hardy: Das war ja schon einmal ein guter Anfang. Eine mehr oder minder heiße Diskussion. Und nun wieder zu etwas bekannterem; unseren Hot Shots. Jody: (umarmt Sam) Brillant, das war 1A. Bender: Ja, die waren wie gekauft! Sam: Geil.

STORYLINE

Bobabba (von Christoph) Ein Zugfahrer! In meiner Geschichte geht es um einen abgefahrenen Bob Dylan-Fan und eine herumtingelnde Abba-Anhängerin, die in dem Zug von Berlin nach Stockholm zueinander finden. Sie ist eine unbeschwerte singsang Tänzerin, er ein gedankendurchtriebener Skeptiker. Sie passen also ideal zueinander. Sie hilft ihm, die Möglichkeiten des Vergessens wahrzunehmen, er macht sie im Gegenzug dafür depressiv. Eigentlich besteht der Großteil des Filmes nur aus einem Gespräch über Gott und die Welt. Während der Fahrt finden sie zueinander, aber in Stockholm ist die Fahrt zu Ende und sie trennen sich wieder ohne vom Gegenüber den ernsthaften Gedanken zu erwarten, daß man zusammen bleiben könnte, da man sowieso nichts Besseres vor hat. Während des gesamten Filmes läuft nur Abba und Dylan.

Multiple: Alles was mit Dylan zu tun hat, gefällt mir sowieso. Eine angemessene Biographie herauszubringen wäre auch mal eine Aufgabe, aber mach lieber an deinem Stück weiter, es gibt bestimmt geeignetere Leute für das Thema. Hardy: Weiter!

Das gelbe Haus (von Petri) Wills Vorstellung in Super 8. Eine Nacht im „Gelben Haus“ mit einer Prostituierten, ist das, was Gregor interessiert. Er möchte eine Kolumne über das Thema Prostitution schreiben, hat sich schon einen Berg voll Material darüber angesammelt und das Gerüst, das Konzept der Geschichte steht auch schon, aber er möchte trotzdem vor Ort seine Erfahrungen machen; selbstverständlich würde er das Mädchen bezahlen und sie nicht für seine Zwecke ausnützen. Auf keinen Fall würde er mit ihr schlafen („allein schon wegen der Krankheiten, die man sich dabei holen könnte“). Seine Kollegen sind von der Idee begeistert, seine Frau würde nie etwas davon erfahren. Eine Nacht mit einer Prostituierten kostet nicht viel, wenn man bedenkt, wie teuer heute Objekte geworden sind. Produkte, die sich nicht wehren können sind unangemessen teurer, wenn man den Vergleich anstellt.


Du sollst nicht ... (von Woody) Von einem Arbeiter am Fließband! Jill will Arnold heiraten. Um seine Treue zu prüfen, arrangiert sie ihm verschiedene Verabredungen mit weitläufigen Freundinnen von ihr. Von den 12 Verführerinnen gibt er sich 11 hin. Er gesteht Jill immer seine Flatterhaftigkeit und Untreue, da er mit der ungewohnten Beliebtheit noch nicht umgehen kann. Jill verzeiht ihm jedes mal, da sie von allen Freundinnen weiß, daß sie ihn nie als Freund akzeptieren würden und ihnen der außergewöhnliche Freundschaftsdienst für Jill mehr Überwindung gekostet hat, als er Freude hätte bringen können. Sie ist sich sicher, daß er nie wieder so begehrt sein wird, allerdings sind jetzt andere Mädchen auf Arnold - durch seine ständige weibliche Umlagerung - auf ihn aufmerksam geworden. Arnold läßt sich von den Verführungen nicht mehr erweichen, er hat sich die Hörner abgestoßen, er ist nicht mehr nur auf Sex besessen. Er hat sich aber bei den ganzen „guten Gelegenheiten“, die ihm von Jill zugespielt worden sind, in die letzte Freundin von Jill, mit der er nicht schlief, verliebt. Mit ihr flüchtet er am Hochzeitstag.


Aspik bitte oder Ina, halts Maul (von Rainer Koma) Stellt sich Hardy selbst vor. Eine billige Schwarzweiß-Aufnahme. Die gesundheitsphanatische Vegetarier-Ina, die im Schneidersitz auf Barhockern sitzend den anderen Gästen im Schlemmerland, dem größten Freßtreffpunkt des gesamten Nahrungsballs, immer durch ihre Disziplin die Laune verderben will, wird von allen ausgelacht. Vor allem der Fleisch(fr)esser Jürgen Bach (ansonsten immer ausgeglichen und ruhig) verarscht Ina aufs herzhafteste. Sogar der depressive Trennkostverzehrer Juli Optom kann sich bei Ina nicht mehr zurückhalten, er besticht regelmäßig die Halbgötter in weiß: die Köche, damit sie ihr etwas von dem köstlichen, mit Farbstoff gebleichten, rohen Schweine-Hack in die Tofu-Schnitte mixen. Kleine niedliche Nicklichkeiten geben sich die Hand. Ein kurzer Auszug:

Jürgen: Vergiß nicht deinen Gemischten mit Wasser zu würzen. (Alle lachen so blöd, daß es schon wieder gut ist. Ina nicht!) Dick: (neben Alphons, dem Wurstmenschen, die preisgekrönte Sau beim Wettessen und in der olympisch gewordenen Disziplin des „Vielwiegens“) Alte, wenn du so viel Haarfett produzieren kannst, dann kannst du auch mal an die Entsorgung von Fett denken. (Alle lachen so blöd, daß es schon wieder gut ist. Ina nicht!) Jürgen: Naja, ich denke, wir haben ein bißchen übertrieben. Tut mir wirklich leid, ich mach das wieder gut. Wann ist denn dein Geburtstag? Ina: (überrascht, verschüchtert, zögernd) Ehm, wieso, ich ... Jürgen: Keine Angst. Ich will dir nichts Böses. Ina: Am Freitag. Jürgen: Da laden wir, die wir dir so viel Kummer und sogar unverblümte Verachtung zukommen ließen und das auch immer noch tun, da laden wir dich mal so richtig schön zum Essen ein. (Alle sehen sich verdutzt an.) Jürgen: Ins Steakhous! (Alle lachen so blöd, daß es schon wieder gut ist. Ina nicht!) Dick: Dann ramm ich dir meine Weißwurst rein. (Alle lachen so blöd, daß es schon wieder gut ist.)

Von so viel Haß umgeben ist es für die human und sicherheitshalber zusätzlich noch menschlich eingestellte Ina nur eine Frage der Zeit, bis sie ihr Gesicht fallen lassen, auf ihre Pflichten als gut Eßbürgerin verzichten, zum Küchenmesser greifen und alle Gegner ihrer Art aus dem Weg räumen würde. Sogar den Bäckergesellen, der ihr immer heimlich eine extra Portion Körner in ihren Kamillen-Stollen streute. Alle würde sie vernichten, bis auf den Diener auf Deck 57, der ihr willenlos genug erschien, um ihr die täglich Gerste zu bringen. Sie würde ganz langsam vorgehen: in den endlosen Kühlhallen in einem versteckten Winkelchen würde sie auf ihre Opfer warten und zum Schrecken von Schleckerland werden. Später, wenn alle bereits über Tag und Wochen hinweg in Angst und Furcht vor einem unbarmherzigen, perfekten Killer leben würden, wäre schließlich die Zeit für ihre große Lebensaufgabe gekommen. Lebensmittelvergiftung! An einer Fleischkrankheit und an Rattengift sollten alle nutzlosen Kreaturen das zeitliche segnen. Als ihr erstes, wahllos ausgesuchtes Messer-Opfer kauend, spuckend und rülpsend auf sie zu kam, dachte sie an das ganze dumpfe Geschwätz, die Illusionslosigkeit der zu eingefahrenen Triegesellschaft, den vergeudeten Stunden in den Restaurants; und sie dacht an die kommenden, bewußt zu genießenden Tage in seligem Frieden mit dem Essen, das für Menschen vorgesehen ist: Zucini . Vor lauter Gedankenversunkenheit vergaß sie zu morden. „Macht nichts, ich kann warten!“ Noch einmal würde sie jetzt in das „Alles-Lokal“ gehen. Oh wie süß, ja beinah niedlich, harmlos, arglos erscheint einem die verhaßte Welt, wenn der Abschied von ihr naht. Als sie sich wie immer schneidermäßig auf einen Barhocker setzen wollte, stellte sie zu ihrem Entsetzen fest, daß die Sitzfläche nicht wie so oft mit Aspik einbalsamiert war, sondern daß sich komischerweise eine Säure, die man zum Rinder ablaugen verwendet, durch ihre Haut fraß. Jürgen und alle lachten so blöd, daß es schon wieder gut war. Sie nahmen Ina, die scheinbar immer mehr mit ihrem Hocker zusammenwuchs, schubsten sie zu Erich dem Metzger, welcher sich nicht lange lumpen ließ und Ina in einer Art Anflug von Spontanität zu leckeren kleinen Häppchen verarbeitete. Die Festgesellschaft hatte ihren Spaß!

Hardy: Es ist immer ein gutes Zeichen für eine Geschichte, wenn dem Autor geraten wird, daß er statt der Veröffentlichung leichter psychiatrische Hilfe aufsuchen sollte. Du bist fließend vom Gegenwartsbericht zum Vergangenheits-Geschichtenerzählen gekommen. Hast du das bemerkt? Das war nicht abgelesen, oder? Koma: Klar, ich hab die Story auch gerade eben erst erfunden, da schleichen sich schon mal Stilfehlerchen ein. Deinem Vorhörer hab ich übrigens etwas ganz anderes von meinem Gaul erzählt. Hardy: Was? Das wollen wir nicht wissen! Bender: (Zu Will) Gott Lob gibt es noch den guten alten Regler, mit dessen Hilfe man einem Psychopathen den Hahn abdrehen kann. Hardy: Obwohl, erzähl doch mehr von daheim. Bender: (zu Sam) Was macht er denn, der will den doch nicht wirklich weiter machen lassen. (Gebt Hardy Zeichen zum aufhören). Hardy: (winkt ab / scheint die Konfrontation zu suchen)

Vogelfrei (Rainer Koma) >>Ein kurzer tonloser Comic<< Man sieht den Körper des Erzählers selbst, allerdings nicht sein Gesicht. Zwischendurch: kurze Sequenzen von einem Vogel, der sich selbst zerstümmelt. Koma: Eine Kohlmeise möchte nicht mehr fliegen, deshalb bindet er sich seine Flügel ... Hardy: Es heißt die Kohlmeise! Koma: Ich weiß, deshalb bindet er sich seine Flügel an sein Körperchen. Er macht sich auf den langen, beschwerlichen Weg hinauf zum Felsen, der Geier heißt. Jetzt erst erfährt er, was es heißt, Flügel zu besitzen, sich über alle erdlastigen Schwierigkeiten hinwegsetzen zu können. Mit müh und Not kann er sich vor einer Katze verstecken, ein Hund trampelt und schleckt ihn beinahe zu Tode. Mit viel Glück kann er dem vom Himmel herunterplätschernden Dünnpfiff einer Kuh ausweichen und erlebt noch so manches bis er am Gipfel des Geiers steht. Oben angekommen, stürzt er sich in die Tiefe. Ein Unfall? Ein Flugversuch eines lebendigen Steines? Was zum Geier spielte sich dort ab? Hat das Kohlmeislein überlebt? Kann man ohne Flügel überhaupt überleben? Wer weiß das schon? Das muß jeder selbst ausprobieren.

Hardy: Mich würde es nicht wundern, wenn das auch eine gerade entstandene Geschichte war. Koma: Genau: eine Schnapsidee. So wie vieles in eurer Sendung. Humbug. Gedankengewichse. Das hat doch nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Hardy: Das würde ich nicht sagen. Es beschäftigt sich nur nicht direkt mit den augenblicklichen Nachrichten. Hast du schon mal etwas von zeitloser Kunst gehört? Koma: Tut mir leid, ich kann nicht weitererzählen, meine Frau kommt gerade, wir müssen noch zur Maske; das heißt: nur sie ... Hardy: ... und vor ihr kannst du nicht weitererzählen? Frau Koma: Dieter, trag mal den Rest rein ... Hardy: Ein Dankeschön an Rainer Koma, das scheinbar in einer verkannten Welt lebende Phantasiegenie. Oder der Genie!?? Ein Tip für dich: mach Schluß mit deinem unscheinbaren, anonymen Leben und geh zur Werbung, da kannst du dick absahnen. Schade, daß er das bestimmt nicht mehr gehört hat. Das hören immer die Falschen und die Werbung bleibt so fad und grau, wie das ganze drum herum.

Hardy: Weiter im Text! Leg los, wer auch immer du bist.

Bender: Das war kein Spaßanruf. Mich würde wundern, wenn wir den heute zum letzten mal gehört hätten. Will: Hm, kein Problem, oder? Du kannst ihn ja einfach abservieren. Bender: Der Typ hat gerade schon die Stimme verstellt gehabt. Den habe ich schon ein paarmal abgewimmelt. Sam: Echt? Bender: Ja, und immer kommt er mit einer seltsamen Psychoscheiße an und dem Kritisieren der Sendung. Sam: Hardy macht das schon. Bender: Hoffen wir’s. Will: Gerade ist es ja noch gut gegangen. Aimy: (zu Bender) Mit zunehmender Nachfrage werden die Geschichten immer schneller, härter und Hardys Moderation ähnelt in der Sprechgeschwindigkeit einem 2 Minuten Bob Dylan Song, in dem 5 Seiten Text untergebracht sind. Vielleicht wird es ihm auch mal zu viel. Bender: Wir wollen mal den Teufel nicht an die Wand malen. Bisher geht sein Maul – eh – Mund noch ab wie Speedy Gonzales und labert alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Aimy: (verdreht die Augen und lacht)

Johannes der Säufer (von Karl)

Als Johannes anfing seine Leber zu trainieren, war jene kaum größer als eine ausgewachsene Wühlmaus; mit zunehmenden Mengen an Trainings- Stoff gelang es ihm jedoch sein Verarbeitungsinstrument bis auf die Größe eines ausgewachsenen Riesenkürbisses aufzuschwemmen. Nach dem Training konnte er nicht denken und wenn er nicht dachte, mußte er schlafen. Also schlief Johannes eine Hälfte seines Lebens, während er die andere mit Trainingseinheiten voll packte. Konditionstraining auf Länge und Menge! Er machte Höhentraining in Gletscherspalten und feilte vor allem auch an seiner Technik, wie zum Beispiel dem „Kehlkopfschuß„. Ein Arzt sagte ihm jedoch, daß seine Leber nicht immer diesen aufgeschwemmten Idealzustand beibehalten könne. Um Johannes dies Phänomen zu erklären, verglich der Arzt die Leber mit dem Hirn. Sein Training sei der Bildung vergleichbar, seine Leber dem Gehirn.

Arzt: „Irgendwann hat man den Höhepunkt des Wissens erreicht und wagt sich auf dem Hügel der Weisheit sitzen zu sehen. Da die Weisheit abfärben soll, ist dieser Ort dann überall wo man sich befindet, doch man realisiert nicht, daß es im gleichen Augenblick schon wieder weitergeht, weiter und weiter. Nämlich bergab (wohin auch sonst). Bergab bis zum Hirntod. So ist es auch mit der Leber. Auch die Leber wird nur in ihr Ende hineintrainiert, was ihr in ihrer Zirrhose nicht weiter hilft. Gehirn- oder Lebertraining, egal, beides unnötig, weil am Schluß der Verlust steht.“

Johannes war ein wenig betrübt über jene Erkenntnis, hatte er sich doch sein Lebtag bemüht ein guter Johannes zu sein, wenn aber durch den Verlust, der Schluß schon vorgegeben war, was machte dann alles für einen Sinn? Wo blieb der Sinn für einen Johannes den Säufer? So lädiert, setzte er sich an die nächste Theke, verlor da seine Beherrschung, sein Gleichgewicht und bald darauf die Lust an seinem Tagestraining, das ihm jetzt auf einmal so unnötig wie noch was erschien. Warum sollte er trinken und seine Leber trainieren, wenn da nichts war als Leere und Stille und kein Lichtblick am Ende des Tunnels. Er fragte sich selbstverständlich auch, was er sich nur zuvor dabei gedacht hätte. Johannes: „Was hab ich mir nur dabei gedacht?“ Da half auch die Wut auf den Arzt nichts, der ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte. Er brach sein sinnloses Training ab. Er saß bis zur Nüchternheit an der Theke. Aber das hatte einen Vorteil: weil er das Training abbrach, kam er auch endlich zum Überlegen. Kurz bevor er sein Ende in einen Stein meißeln lassen würde, mußte noch etwas geschehen. Ein Denkmal sollte von ihm entstehen, um Zeichen für die Nachgeborenen zu setzen. Der stets naheliegendste scheinbare Ausweg bei Ratlosigkeit ist der Erfolg. Also versuchte auch Johannes sein - schon als Kind zur Vollendung gebrachtes - Meisterwerk, das den Bundesadler darstellt, der gerade seinen Löffel abgibt, unter Wert zu verkaufen. Allerdings wollte niemand um die Summe eines Jahreshaushaltes eines X-beliebigen 3-Weltlandes sein Gemälde erwerben. Das Scheitern dieses ersten Planes machte ihm allerdings nichts aus. Johannes: „Ich muß weitermachen! Ich muß kämpfen!“ Da kam ihm ein durchaus perfekter Einfall. Er brauchte zur Verwirklichung nur ein gutes Photo seiner nun zerschrumpelten und mit Rissen durchzogenen Leber, um es auf ein T-Shirts zu drucken und am Oktoberfest das größte Geschäft seines Lebens zu machen. Das Leber-T-Shirt sollte außerdem einen "Argh"-Laut von sich geben, wenn auf die abgebildete Leber gedrückt wird (technisch natürlich kein Problem). So kannte er seine Schmerzrufe aus eigener Erfahrung und so realistisch sollte auch das Leber-T-Shirt werden. Seine Verkrampfung dabei dachte er durch kurze heftige Stromschläge deutlich machen zu können, die der Leber-T-Shirt-Träger durch ein Achselschalter, der von einem am Rücken befestigten Aggregat gespeist wird, am eigenen Leib erfahren sollte. Die Zuckungen und das Schreigeräusch würden so echt wirken, daß sich wohl niemand einer Besinnung und eines Lachers wehren könnte. Das war auch genau das, was Johannes jetzt, da ihm das Training wertlos erschien, bezwecken wollte. Für den technischen Schnickschnack war schnell gesorgt. Er braucht nur noch das Photo seiner verkrüppelten Leber. Also ließ er sich operieren und beauftragte einen Arzt damit, ein möglichst scharfes Photo seiner Leber auf einen Farbfilm zu bannen, um das Ausmaß seines Zuendegehens überdeutlich darzustellen. Was soll man sagen? Leider überlebte Johannes diese Operation wegen seiner Blutverdünnung nicht ganz und niemand wurde von der Unnötigkeit des Lebertrainings überzeugt oder wenigstens belustigt. Eigentlich schade, wenn man bedenkt wie herrlich kommerziell diese Idee gewesen wär. Glücklicherweise erzählte Johannes im Vorfeld seinem Vertrauensarzt von seinem Leber-T-Shirt-Einfall und jener war es auch, der als einziger die Unnötigkeit jeglichen Trainings für die Nachwelt visuell veranschaulichen konnte und das auch tat. Allerdings ein wenig anders als von Johannes geplant: er baute einen Helm, auf dem das Abbild eines blutlosen und erbleichten Hirns zu sehen war. Es war das Abbild des Hirntodes. Wenn man an dem Helm klopft, kommt allerdings nicht wie man vermuten möchte belangloses Fachwissen oder physikalische Formeln heraus, nein, wenn der Helm Berührung wahrnahm, drückte er den Kopf des Trägers durch sanfte Stromschläge nach vorne in eine tiefe Nickstellung und von dem gesenkten Kopf bekommt man dann nur noch zu hören: "Entschuldigung".


Hardy: Herzlichen Glückwunsch zu dieser Geschichte, Johannes! Karl: Karl! Hardy: Du hast recht, es wäre wirklich eine famos kommerzielle Idee; das mit dem Leber-T-Shirt. Karl: Hurra! Endlich einer, der meine Geschichte zu würdigen weiß! Hardy: Auf jeden Fall! Die Idee mit dem sich entschuldigenden Hirn-Helm ist ebenfalls eine absurd anmutende Geisteserweiterung, finde ich. Danke! Karl: Keine Ursache! Hardy: Weiter im Text! Bender? Wen haben wir am Handy? Tine: Ja, Hallo! Tine Täuber mein Name! Bin ich jetzt dran. Hardy: Hau rein. Tine: Meine Geschichte heißt entweder Tagesfliege Muckenmarie oder


Die Tagesfliege Tiffanie (von Tine Täuber) Die folgende Geschichte ist (wird) als Zeichentrickfilm gedacht. Ein Student hört im Vorlesungssaal STORYLINE ... Die Tagesfliege Tiffanie war im wunderbarsten Mittsommer Morgen aus dem Schatten eines Rosenbusches gemeinsam mit ihrer Schwester geboren. Ihre Schwester lauste nur herum und beteiligte sich eigentlich nie am gesellschaftlichen Leben. Tiffanie hingegen war schon kurz nach ihrem Wiegenfest so herrlich weiblich, daß ihren- wie Spaghetti an ihren Wangen herunter hängenden- Wimpern und ihrem Charme kaum eine männliche Fliege redsam widerstehen können sollte. „Wie das wohl kommen konnte„, fragten sich die meisten ihrer Neiderinnen. Tiffanie verbrachte den ganzen Vormittag damit, sich auf den Nachmittag vorzubereiten und hatte bereits um fünf vor zwölf ihrem ganzen Wesen, das heißt dem Äußer- und Inneren, derart ihre eigene Ordnung verpaßt, daß jeder Außenstehende sich vollkommen im Klaren darüber war, um was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit es sich bei der noch jugendlichen Tiffanie handelte. Sie war geistig wie auch körperlich auf der Höchststufe des Leistungsvermögens einer Tagesfliege. In diesem Bewußtsein, wollte auch keiner daran zweifeln, daß sie das diestägige Wettfliegen der Eintagsfliegen gewinnen würde, das traditionell auf einer für andere Tiere abgelegenen, für Tagesfliegen zentralen Wiese beginnen sollte. Tiffanie konnte sich sogar leisten, mit einigen Stubenfliegerichen herumzuschlawenzeln, die sich die ganze Show jeden Tag ihrer Stimmung gönnten. (Dadurch erhielten sie auch das Wort „Tradition„ in der kleinen Welt der Tagesfliegen) . Tiffanie war um vier Uhr zum Wettbewerb dermaßen vorbereitet, alle anderen Konkurrenten fragten sich, warum sie überhaupt noch antreten sollten. Der Startschuß - den eine früh gekommene Schnake abfeuerte, indem sie eine Raupe stach, die laut zu jaulen anfing - kam unerwartet plötzlich für die meisten Teilnehmer, nicht aber für Tiffanie. Nach ein-bis zweihundert Dezimetern hatte sie sich einen beachtlichen Vorsprung heraus gearbeitet. Ihr wurde die Strecke zuvor gut erklärt, deshalb wußte sie auch geschickt durch kleine Abkürzungen die kleinste Bahn zu wählen und den Weg des geringsten Widerstandes zu nehmen. Als sie nach halber Stecke auf eine Straße traf, welcher sie auf ein Meter Höhe bis zum Ziel entlang fliegen sollte, fragte sie sich kurz, wo das Ziel überhaupt sei und wann es kommen würde, aber der Freudentaumel und die fliegenden Ovationen der Betrachter, ließen sie schwelgend wieder in Gewinnergedanken versinken. Vor dem Aufprall Tiffanie noch an ihre Schwester, unter dem Jubel der Zuschauer zerschellte sie dann kurz darauf als Allererste an diesem Tag an der Windschutzscheibe eines daher gefahrenen PKW's. Solch ein überragender Sieg hatte noch keiner der Anwesenden in seinem ganzen Dasein miterleben dürfen und es war nicht nur unter den Tagesfliegen bis in den späten Abend hinein die Rede von der unsterblichen Tiffanie.

Hardy: Könnte man sich als Zeichentrick vorstellen. Tine: War auch so gedacht. Hardy: Jetzt bringen wir allerdings heute noch eine Geschichte unter. Wenn wir uns beeilen, Diotima! Diotima: Ich möchte weniger einen ganzen Film, als nur eine einzige Szenenbeschreibung aus meinem Roman vorlesen. Hardy: Alles klar, alles was von dem Wort über ausgelassene Lippen in unseren Köpfen zu irgendwelchen Vorstellungen führt, ist erlaubt, schieß los!


Mit der Freiheit kommt die Gleichgültigkeit (Von Diotima) Niemand versetzt sich in diese Geschichte! Sie wird zu theatralisch vorgetragen! Ich wachte an jenem sonnigen Morgen auf und wußte, es war vorbei. Meine innere Stimme, die ich schon glaubte im Griff zu haben, sagte mir, daß ich niemandem außer mir selbst vertrauen konnte. Ich schaute zu ihr hinüber. Es hatte sich nichts an ihr verändert. Sie lag da wie eine schlafende Prinzessin. Das Haar glänzte mit einem rötlichen Schimmer. Ihre Lippen ließen nur einen kleinen Spalt zum Ausatmen und ihre Augen schienen sogar geschlossen zu strahlen ... .

Hardy: (zu seinen Kollegen) Bla, bla, bla. Das haben wir schon alles gehört. Ich hol mir `nen Kaffee. Bender, sag mal im 10 Sekundenabstand immer „ja, mhm“ und „interessant“ (geht weg und kommt nach einigen Minuten wieder und setzt sich an das Mikro).

... Ja, ich liebe sie und werde sie immer lieben. Außerdem kann sie auf 2 Fingern pfeifen.

Diotima: Das war es! Hardy: Das war es? Guter Stoff für eine Kurzgeschichte. Der Roman, von dem du gesprochen hast, bedeutet dir bestimmt dein Leben, oder? Diotima: (verlegen) Vielleicht! Hardy: Gut finde ich die genaue Gegenwart- / Vergangenheit-Gegenüberstellung, die den „allwissenden“ Erzähler sauber vom Erlebenden Ich trennt. Positiv empfinde ich auch die „irrationalen“ Beispiele, die immer wieder den Hörer aus dem Fluß werfen. Ich finde es schade, daß du nicht früher das Alter der Personen erkennbar machst, sondern daß erst durch das Thema Berufswahl / Studieren der Zusammenhang deutlich wird. Der Hörer sollte solche Sachen früher wissen, um das Geschehen richtig deuten zu können. Was den Inhalt betrifft: meiner Meinung nach endet das sich so wunderbar Entwickelte bestimmt auch in einem mehr oder minder großen Fiasko. Ich hoffe nicht, daß du einen zweiten Teil von der Geschichte schreiben mußt, in dem du alles bisherige widerrufen mußt. Diotima: Ich versteh nicht alles was du gesagt hast, aber mal sehn. Du meinst vermutlich, wenn wir jetzt grau tragen, dann ist das, um unser Äußeres den perfekten Kontrast zu unserem Gemütszustand zu verpassen, und du denkst, daß sich das verändern wird. Hardy: Ja, und um auch in deiner Bildsprache zu bleiben: Man muß aufpassen, daß das ausgebleichte Grau mit der Zeit nicht nur den zeitlichen Charakter unterstreicht. Versteh mich richtig, so ein trautes Zusammensein hab ich immer nur begrenzt erlebt. Diotima: Vielleicht muß ich ja tatsächlich eine zweite Version von dem Stück schreiben, in der alles in die Brüche geht. Ich glaub aber nicht daran. Das ist und bleibt mein einziges Stück Schrift und das ist gut so. Hardy: Noch was, du verstellst deine Stimme doch, hm? Du tust nur so wie ein Mann, oder? Diotima: Nö, nö! Alles echt. Hardy: In deinem Fall: hoffentlich hören wir (leise) nichts mehr (laut) voneinander.

Im Wirtschäftle Hardy: (zum Wirt) Mach mal die Glotze an, unser Chef hat da was zu sagen. Wirt: (schaltet den Fernseher ein) Oh schade, scheint mir gerade schon der Schluß zu sein. Hardy: Nicht so schlimm, nehme ich an. Dr. Christ im TV: ... das Publikum soll mit Hardy einen Helden bekommen, der es schon allein aufgrund seiner Sprachgewandtheit wert ist angehört und geliebt zu werden. Mit bissigen, schnippischen, schnellen Dialogen soll nicht gespart werden. „Der Held soll den Schlappschwanz im Spiegel vergessen machen.“ Hardy läßt sich von der weltweit fehlgeleiteten Info- und Möglichkeitenflut nicht beeinträchtigen. Das Internet ist für ihn nur ein schwacher Anfang von etwas, was ganz entscheidendere Ausmaße haben müßte. Nicht auf die Fülle der Information kommt es an, sondern auf das Wesen der Information: die Bedeutung, und die läßt in dem Internet und auch in den Geschichten, die in seiner Show vorgetragen werden, zunehmend nichts mehr zu wünschen übrig. In STORYLINE ist alles dabei, für jeden, da sich jeder die Geschichten selber macht. Moderator: Und dann sprachen sie noch von Veränderungen ... Dr. christ: Ja, obwohl wir ständig wachsende Einschaltquoten haben, werden wir noch Veränderungen an der Show vornehmen, die noch einmal zu einem Popularitätszuwachs führen werden. Beispielsweise haben wir erst einmal eine zusätzliche peppige Moderatorin, wir werden zur Primetime senden, Zuschauerumfragen werden gemacht und mit unseren Hot Shots wird die gesamte Vorstellung auch zeitgerecht schnell sein. Moderation: Hört sich tatsächlich endlich einmal nach einem interessanten und intelligentem Programm an. Denken sie aber tatsächlich, daß sie – wie bereits erwähnt – dem Fernsehen Konkurrenz machen können? Dr. Christ: Wir haben schon einige Sender überholt. Vor allem unsere Parallelveranstaltungen im Internet, mit Bildern zu den augenblicklichen Geschichten erfahren ungemeinen Zuwachs. Moderator: Alle Achtung! Und das mit einem Programmchef, der sich – sie müssen das entschuldigen – auch nicht mehr in den jüngsten Jahren befindet. Darf man fragen wie a... Dr. Christ: 57, darüber gibt es keine Zweifel ... Hardy: Schalt ruhig wieder ab. Wirt: Hört sich gewaltig gut an, was man über deine Show hört. Hardy: Ja, unser Programmchef hätte Werbestratege werden sollen. Seine angeborene Freundlichkeit und Überzeugungskraft wünschen sich bestimmt viele. Wirt: Ich hab’s dir schon immer gesagt; aus dir wird noch mal was!!! Hardy: Stell mir lieber einen Kolben rüber.


STORYLINE Danach (von Apres-Soleil) Apres-Soleil stellt sich die Geschichte selbst vor. Iks  : So, jetzt ist es also offiziell. Sogar von einem Geistlichen abgesegnet. Die Rede war gut, obwohl mich der Redner überhaupt nicht kannte. Er wußte einiges über mich zu berichten. Er erwähnte auch Seiten, von denen ich gar nichts wußte. Mein Leben lang habe ich zu vergessen gelernt und nun werde ich vergessen werden. Jetzt ist es vorbei. Der Kasten ist unten. Die Erde über mich geschüttet. Langsam verhallen die Stimmen. Ich bin allein. Ganz allein. Also, der Körper ist verbraucht, der Geist nutzlos entschwunden, lassen wir der Seele mal freien Lauf. Gott: Von wegen. Das würde dir so passen, was? Iks  : He, wer spricht denn da? Gott: Ich! Iks  : Wer ist ich? Gott: Ich, das an was du glaubst. Dein Gott. Iks  : Mein Gott? Gott: Der Gott deiner Seele. Iks  : Aber ich bin Atheist, das muß eine Verwechslung sein. Gott: Bezeichne mich wie du willst, ich bin das an was du glaubst und du mußt zuallererst noch vor dein Gericht, weil Du - wie so viele - im körperlichen Leben nicht dazugekommen bist, in's Reine zu kommen. (Sein Gott, der kleine, schnauzbärtige Dicke mit Würfelgesicht, schwebt ihm bis zu den Stairways voraus.) Iks  : (grübelt für sich stumm vor sich hin) Oh nein, und ich war der vollen Überzeugung, daß das alles Humbug sei mit Himmel und Hölle und dem ganzen Kram. Oh nein, dann kommt ja das von meinen Sprüngen zur Seite doch noch an's Tageslicht. Wo hab ich denn noch gesündigt? Was darf man denn sonst nicht, wenn es schlimmstenfalls hier oben nach den Katholiken geht? Du meine Güte, das kann ja wirklich nicht mehr die Logik sein, die mich das Leben lang begleitete und nun soll alles wahr sein, was man mir als Kind mysteriös verklickern wollte oder was ein paar Spinner in der Fußgängerzone herumproleteten. Und jetzt dackle ich einem häßlichen Quadratkopf hinterher und weiß nicht was er von mir will oder was er mit mir anstellt. Gott: Ja genau! Iks  : Was, du verstehst meine Gedanken? Gott: Na klar, ich gehöre zu Dir. Iks  : Hör' mir doch auf! Gott: Ich bin an was du glaubst. Iks  : Dann hätte es sich ja vielleicht wirklich gelohnt anständig zu bleiben? Fromm dem Beispiel meines Freundes Üps zu folgen, der mir in den Tod hinein ein treuer, teurer Geselle blieb. Gott: Na ja, ich weiß - rein zufällig natürlich nur - daß er auch kein Engel der Unschuld auf Erden war. Iks  : Was, hat sich mein Verdacht bestätigt? Hatte er früher doch etwas mit meiner Frau gehabt? Den mach' ich fertig - ach nee, geht ja gar nicht - aber wenn er hoch kommt... Gott: Davon habe ich überhaupt nichts erzählt! Ich sage nur, daß er dir dein Leben lang etwas vorgemacht hat - Iks  : Das Schwein! Was? Gott: - aber ihr wolltet euch auch nie näherkommen. Das ist ja auch o.k., es ist so lange in Ordnung, so lange man nichts von einander erwartet, was wiederum gut verständlich ist, weil man schließlich nicht mit jedem hundertprozentig zusammensein kann. Iks  : Eben! Gott: Die Überbevölkerung entschuldigt in diesem Fall einiges. Sogar bis zu 50% der Faulheit. Was bei dir jedoch ein wenig seltsam ist, ist, daß du eigentlich dachtest Leute zu haben, aber schlußendlich niemanden wirklich hattest. Iks  : Aber so geht es doch vielen. Da laß ich mir von niemandem etwas einreden. Gott: Na ja. Iks  : Was heißt da „na ja„? Gott: Ich erkläre dir jetzt mal noch einmal kurz worauf es hier ankommt: es ist wichtig, daß du mit dir selbst zufrieden bist, also genau das machst, was du für richtig hältst und wie du gestorben bist. Iks  : Huh, (Wischt sich die Stirn ab) da bin ich aber froh. Ich dachte schon, die Regeln, wie man leben soll, würden einem auch von Oben vorgeschrieben. Gott: Erstens sind wir nicht „Oben„, sonder in dir und um dich herum und zweitens sehen wir uns die ganze Chose zuallererst noch einmal am Holograph an. (Sie laufen vom Ende der Stairways noch ein paar Schritte zu Fuß über Watte auf ein riesenhaftes Pult zu, an dem noch viel mehr von den kleinen, nur zum Teil schnauzbärtigen Dicken mit Würfelgesichtern sitzen) Iks  : Wer sind denn die da? Gott: Das sind die, mit denen du wesentliche Begegnungen in deinem Leben gemacht hast. Iks  : - Gott: Keine Angst, die Pflanzen, Vögel, Insekten und die übrigen Tiere haben nur jeweils einen Abgesandten geschickt, sie haben also auch hier ein minderbemitteltes Stimmrecht. Ansonsten würde es ziemlich schlecht aussehen. Gut, ein wenig Pech ist schon dabei, erst letzte Woche haben sie in höchster Instanz durchgesetzt, daß ihre 40-fache auf eine 50-fache Gewichtigung gesteigert wird. Es sind also pro Vertreter mindestens 50 Stimmen gegen dich. Das würde ich aber nicht persönlich nehmen, wenn ich dich wäre, weil sie verständlicherweise bei allen Menschen ohne Haustier so entscheiden. Iks  : (Zeigt auf einen verkrüppelten alten, kleinen, langbärtigen mit runzligem Würfelgesicht) Wer ist denn das? Gott: Ah ja, hätte ich beinahe vergessen, der ist der Vertreter von toten Materialien, wie Stein, Staub, Marmor, Öl, Wasser und so weiter. Der klagt gegen den Mißbrauch seiner Mandaten. Am schlimmsten trifft es nur - mit 30 Gegenstimmen - jene, die nach seiner Ansicht, die Materialien der Natur durch umformen Geschändet haben. Da du allerdings nicht im Kernkraftwerk oder als Bildhauer gearbeitet hast, brauchst du in der Regel nur mit 25 Minus rechnen. Iks  : Na toll! Gott: Und das ist nun endlich die Leutevertretung, mit denen du unwesentlich zusammen warst. Iks  : Also die, die ich nur kurzfristig kennengelernt habe. Gott: Nein, der Zeitfaktor spielt hierbei keine Rolle. Iks  : ? Gott: Die restlichen sind wichtigere Personen. Na ja, sehen wir uns das erst mal richtig an.- Fangen wir an (Laut zu allen) Die Sitzung ist eröffnet! Ich denke, daß alle damit einverstanden sind, wenn wir die Schändung von Natur, Lebewesen und natürlich auch den toten Gegenständen (verweist höflich auf den alten, kleinen, langbärtigen Dicken) absehen, weil diese Punkte Verteilung sowieso klar sein dürfte, da der Angeklagte in keinem Kernkraftwerk beschäftigt und nicht als Bildhauer tätig war. (Der alte, kleine langbärtige Dicke macht sich behend Notizen.) Allerdings hatte er keine Haustiere. - Vielleicht war das aber besser so. Dann mal los. Film ab! (Flüstert zu Iks) Wir sagen hier immer noch veraltet: „Film„

(Auf einmal ist der ganze Raum, der bislang nur mit den Personen aufgefüllt und mit billiger Watte angereichert war -wie Iks dachte- farbig , mit Tönen und wirren Stimmen erfüllt, die es Iks ein wenig mulmig werden ließen. So abrupt wie das Hologramm begann, so abrupt endete es auch wieder.)

Iks  : Was ist? Was war das? War's das? Gott: Na klar! Iks  : Wie soll denn das Urteil so gefällt werden? Gott: Stimmung! Kleine, bärtige Dicke unterhalten sich untereinander: - Das war ja wohl eindeutig - Glasklar! Endlich mal eine sichere Sache. - Obwohl er wohl wirklich nichts davon wußte. - Jetzt kommst du wieder. Unwissenheit schützt vor nichts! Iks  : (Zu seinem Gott) Wer ist das alles, (Er zeigt auf die kleinen, bärtigen Dicken um ihn) was sind das für Bekannte von mir? Ich meine, wer ist wer? Ich erkenne niemanden. Gott: Das ist auch Vorschrift. Die Richter dürfen von deiner Anwesenheit nicht beeinflußt werden. Sie bleiben anonym. Es handelt sich so wohl um Tote, als auch um lebendige Vertreter deiner Bekanntschaften. -So nebenbei: Ich bin dein Vertreter hier, wenn es um das Richten über andere geht. Ich bin hier als ziemlich nachtragend und Streng bekannt. Aber du weißt nichts davon; wenigstens nicht bewußt. Iks  : Können wir nicht tauschen? Gott: (Verzieht -der Unmöglichkeit Iks' Aussage wegen- sein Gesicht) Wenn du jetzt wissen würdest, wer die alle sind, könnten sie keine freie, gerechte, objektive Entscheidung treffen. Alle diskutieren und debattieren durcheinander (außer den Vertretern von Pflanzen, Vögeln, Insekten, den übrigen Tieren und dem einen alten, kleinen, langbärtigen Dick Vertreter der toten Materialien: - Er war ja beinahe nie mit sich zufrieden! - Ich würde sagen, er war nicht besser und nicht schlechter als alle anderen. - Kein Glaube an sich! - Schlimmer empfinde ich jedoch, daß er nie das gemacht hat, hinter dem er eigentlich stand. - Sag' ich ja! - Als Kind stand er noch richtig dahinter, hielt aber nur relativ kurz an den Träumen fest. - Und glaubte obendrein manchmal, Daß es doch richtig sei was er tat. - Ohne es zu wollen. - Sagen wir verhältnismäßig. - Finde ich auch, er war kein guter Spieler. Gott: (Zu allen) Kommen sie bitte zum Punkt. Sie wissen, daß wir heute leider noch zirka 700 Fälle haben, wir stehen hier schon 13 Zetzel (3 Erdentage) hinten an. Ich gebe ihnen noch 57 Sekunden (57 Erden Sekunden). Iks  : Aufgrund der Farben - von denen mir übrigens keine gefiel - von den Stimmen und Gerüchen und dem ganzen Kram, daraus bilden die da (er zeigt erneut in die Runde) ihr Urteil über mich nach ihrem eigenen Wohl empfinden? Gott: Wer sollte das auch sonst tun? Außerdem, daß es sich um ein Urteil handelt, dafür kann hier niemand was. Das hast du selbst entschieden. Iks  : Was, warum ich? Das hab' ich nie gewollt oder gefordert! Gott: Tja, das geht so wie auf der Erde. Entweder war bei dir etwas gut oder schlecht, etwas hübsch oder häßlich, hell oder dunkel, verständlich oder eben nicht und so weiter. „Wenn du richtest, wird auch über dich gerichtet werden.„ Iks  : Oh, wie biblisch. Gott: So wie du urteilst, in dem Maße wird auch über dich geurteilt werden. (Wieder in die Runde) Sind wir zu einem Ende gekommen? Ein kleiner, bärtiger Dicker steht auf: Ja, das Ergebnis liegt vor: wir haben beruhend auf seine Selbstlosigkeit, seines mißratenen Geschmacks, seiner Wertgleichgültigkeit und aufgrund seines Strebens, das durch Willensaufgabe den Tod geradezu heraus provoziert hat beschlossen, das Ergebnis von rund 72 zu 1007 Stimmen als ausreichende Begründung dafür anzusehen, seine Seele noch einmal durch die Geisel der Verkörperung zu jagen. Iks  : Reinkarnation war also doch keine rein menschliche Erfindung, um das von dem Religionsopium besessene Volk zu unterjochen. Gott: Hm, manchmal werden - und das ist zur Zeit leider immer häufiger der Fall - werden die Seelen von Körper und Geist - meistens sogar von dem eigenen -unterdrückt und erhalten auf der erde noch nicht die Reife dazu, sich im nichts zu tollen. Iks  : Ich hab's geahnt, daß Freiheit das Ziel ist. Gott: Ja ja, bla bla. Also gehen wir.(Er gehen, Iks hinterher) Iks  : Ach, ich kann's noch gar nicht fassen, gleich komme ich wieder als kleines Baby auf die Welt. Irgendwie, irgendwo und weiß womöglich überhaupt nichts mehr von der augenblicklichen Situation. Ob ich wohl genau so gut wo hinein geboren werde wie das letzte mal? Irgendwie süßsauer der Gedanke und ich freu' mich trotzdem darauf. Das gibt eine große Überraschung. Wieso laufen wir eigentlich in die andere Richtung? (Erschrocken) Ich komm# doch nicht etwa als Kuh zurück? Gott: Ich denke, da hast etwas falsch verstanden. Du kommst nicht mehr auf die Welt. Was sollen die paar Jahre, die du da unten noch zubringen könntest, bis das Land die Menschen verschluckt? Du würdest diesen Vorgang nur noch beschleunigen und dann hätten wir dich und deines gleich schon nach 20, 30 Jahren wieder hier stehen. Nein, damit würden wir uns unnötig mehr Arbeit machen, Jetzt, da sowieso alles hektischer wird. Nein, du spielst in Zukunft einen Molekülhaufen am anderen Ende dieser Galaxie. Dort kannst du keinen Schaden anrichten. (Er macht eine klein Redens- und Gehpause) Obwohl, man sollte dich eigentlich nicht unterschätzen... Iks  : (Schaut sich um) Dank sei Gott!


„Digger“ (von Sicht)

Amerika: Für den wonneproppen lächelnden Selfmade-Millionär-Kleinbürger bricht die Fassade der bürgerlichen Berechenbarkeit durch sein „Nicht-Selbst-sein“ und dem „zu-sehr-sich-selbst-sein“ zusammen. Natürlich ist alles um und vermutlich auch bereits in ihm gelogen, aufgesetzt und irgendweshalb insziniert. Natürlich befindet sich jeder in einer falschen heilen Welt. Das nennen wir Leben. Mit einem Ausbruch würde man zum Dinunzianten der Realität werden. Was gegeben ist, ist gegeben. Wir müssen damit fertig werden. Die Vergangenheit lähmt nur unsere Zukunft. Also: Die ganze Zukunft wird gelebt! Jede Erfahrung gemacht, jeder Glaube ausprobiert, jede Sünde begangen. Im Höhepunkt dieser handlungslosen, Sex-&-Drugs-&-Rock’n’Roll durchströmten Darstellung des amerikanischen Traumes gelingt es dem von allen Lastern befallenen gesichts-, nam- und womöglich auch seelenlosen Hauptdarsteller, sich selbst so perfekt zu überreden, daß er die Meinung vertritt, alles hätte so kommen müssen und es solle so bleiben, da es gut ist.

Hardy: Kein Schluß? Digger-Erzähler: Keine Handlung, kein Schluß! Hardy: Abgefahren genug! Laß deinen Hauptdarsteller doch wie der Vogel mit selbst zusammengeschnürten Flügeln enden!?? Obwohl? Auf jeden Fall mußt du aufpassen, daß du nicht bei der plumpen, tausendfach wiederholten reinen Kritik an dem US-Alptraum bleibst; sondern vielmehr das aufrecht erhältst, was das Bilderfest verspricht: die Hoffnung auf eine Erweiterung in allen Ebenen des Bewußtseins. Kapiert was ich meine? Sinnlose Filme können mehr entwickeln als versinnte Filme: sie können Hoffnung rauben oder entwickeln. Jetzt aber erst mal danke, wir müssen nämlich für heute aufhören, zu letzt hätten wir noch ein vollständiges Exposé gehabt. Schade, die Zeit reicht nicht mehr. Hier geht es wie immer mit der Parade weiter. Bis demnächst. Tschüß. Servus. Ade.


OFF AIR

Telephonat: Hardy: P. Bichsel aus Kreuzberg! Du wärst unser nächster Vorsteller gewesen. Um was wäre es gegangen P. Bichsel: Mein Thema ist religiöser Natur. Hardy: Ja? Hast du die Möglichkeit mir dein Exposé zuzuschicken? P. Bichsel: Ich fax es dir einfach rüber. Hardy: Ah, gut. Ich laß dann wieder was von mir hören. Du hast deine Adresse ja bereits hinterlassen!!? P. Bichsel: Ja, nette Geste. Vielleicht ist es so auch besser. Bis dann.

Hardy: (Geht auf einen Berg und liest das Fax für sich allein durch.)


„J u d a s“ (von P. Bichsel) Fett: 1. Wirklichkeit: Judasgeschichte Normal: 2. Wirklichkeit: Das Theaterleben (Proben für das Musical) Unterstrichen: Übergriffe von beiden Wirklichkeiten ineinander „Kursiv“: Lieder


„Prolog an die Nachgeborenen“

I. Probentag

Judas schlendert mit einem lustigen, melodisch freudigem, textlich unpassend sinnlichen Lied auf den Lippen durch die Gassen der Stadt.

Hardy: Scheiß Gelaber. Naja, vielleicht zu einer Loyd-Webber-Verarschung geeignet. Mal den Schluß lesen ...

Tag der Premiere

Aufgeregte Schauspieler auf der ganzen Bühne hinter dem Vorhang. Judas ist ungewöhnlich ruhig, gelassen, besonnen. Es ist bereits eine Schlußszene in der sich die Premier befindet. Judas muß Abschied von dem Menschenhascher nehmen: „Ich kann dich nicht lieben, meine Liebe lebt an einem anderen Platz... .“ Knospe / Menschenhascher singt „Wähle mich“ und unterstreicht somit ihre offene Haltung zu Judas. Judas erwidert abweisend das gelingen der Kommunikation anhand eines eigenen Modells: „Verständnis“ Aber wenn da keine Liebe ist, kann keine gelungene Unterhaltung zu einem höheren Verständnis führen ... . Knospe weint unterdrückt auf der Bühne. Judas hat den Verrat begangen, er ist allein auf der Bühne und denkt noch einmal darüber nach wie er später wohl von der Nachwelt gesehen wird. Während er das Eingangslied singt (diesmal in Moll) „Niemand wird etwas genaues sagen“ knüpft er sich den Strick. Judas holt sich den Regiestuhl hinter dem Vorhang hervor. Er legt sich die Schlinge um den Hals. Er geht nicht hinter die Schattenwand! Er tauscht den Strick nicht aus! Judas erhängt sich. Ohne eine großartige Mine zu verziehen oder sonst einer Ankündigung erhängt sich Judas / X. Von dem Publikum steht einer auf, geht an den Bühnenrand, er scheint zu begreifen. Theateraktive kommen langsam aus den Seitengängen. Verstört zieht der Autor den Vorhang zu.

Hardy: Könnte man was daraus machen, wenn die Personen alle Register ziehen. Mal sehn ... .

DIE PERSONEN

X. Roman in der Theaterrealität spielt im Stück des Stückes Judas Eigentlich ist er immer zurückhaltend, hat anfangs noch hier und da ein paar kaum auffällige Hauptfigur-Allüren, die nach seinem Scheitern mit Julia von einem Anflug Melancholie abgelöst werden. Alle anderen beschäftigen sich mit seinem Leben oder nur mit dem Leben des Judas?

Die Regisseurin Sie ist ein emotionsgeladenes Organisationsgenie. Sie besteht absolut auf ihre Interpretation, unterbricht das Stück des öfteren, um mehr aus den Szenen zu machen. Sie ist selbst eine begabte Schauspielerin. Aus einem Streit entwickelt sich eine enge Beziehung zu dem Autor. Sie hat ihre Ticks und Gewohnheiten: mit aufberstender Geste und den Worten „also hopp“ auf den Lippen bringt sie immer wieder alles lahmende in Bewegung (vor allem die Requisite, welche immer träge und schlapp zu sein scheint). Knospe scheint sie in deren Liebenswürdigkeit nie ernst zu nehmen, was sich als Trugschluß herausstellt.

Knospe als Menschenhascher Sie ist lebhaft, quietsch fidel, „Kleiner Prinz“-Leserin, aufheiternd besinnlich, freiheitsliebend. Sie ist für jede Stimmung und Situation sensibel, freundlich zuvorkommend. Im Verlauf des Stückes entwickelt sich eine Liebe zu X, der allerdings daran scheitert, nicht mehr lieben zu können und sie „notgedrungen“ belügt. Bis er ihr seine Liebe abspricht ist sie unbeschwert.

Der Autor Zuerst eingebildet auf sein Werk, dann stellt sich diese Voreingenommenheit als Anerkennungsproblem heraus. Er kann sich nur schriftlich wohl überlegt ausdrücken, deshalb wird er auch des öfteren von der Regisseurin übergangen und überrumpelt. Er zerrt sich regelmäßig am Hemdkragen, um sich Luft zu verschaffen. Die Eitelkeit in ihm faßt es als Lob auf, wenn die Fülle, die Flut seiner geschriebenen Inhalte und Bedeutungen die Leute „erschlagen“ können. Dies empfindet er als Anerkennung der Macht seiner Sprache.

Jesus Kommt immer zu spät, ist ansonsten ein freundlich, freudiger Schauspieler, allerdings leidet er etwas unter Verfolgungswahn.

Julia als Maria Anfängliche Liebe des X und des Judas im Stück. Sie ist frech, rücksichtslos, hübsch, selbstsicher, ein wenig arrogant, stets auf sich selbst bezogen. Sie hat selbst als sie X verläßt noch Verhaltenserwartungen an ihn.

Requisite Ist immer zu langsam und zu faul. Sie stellt sich dumm, schwerhörig, blind, stotternd, ... . Ist zu ihren Vorgesetzten zurückhaltend verständnislos, macht aber verzögert doch alles, was ihr aufgetragen wird. Kurz: sie spielt ihnen ein Theater vor. Zu ihren Freunden (Licht, Raum, Judasfreund; Jünger, Jesus und dem trinkenden Unbeteiligten) gibt sie sich wie sie wirklich sein kann: eine verkannte Intelligenz, ein Genie.

Die Demonstranten Die Religionsphanatiker unter ihnen sind rücksichtslos und penetrant. Es gibt aber auch manche unter ihnen, die einfach nur still gegen einige in der Zeitung veröffentlichten provokativen Interpretationen (wie z.B. „Jeder ist Gott - Ich bin Gott“) protestieren wollen.

Die Jünger Treten meist nur in der Gruppe auf. Sie sondern sich als reine Spaßgesellschaft von den Hauptdarstellern ab. Der Freund von Judas hat in der 1. Wirklichkeit nichts mit X zu tun.

Der Direktor Bestimmt über das, was am Theater läuft, fällt aber nur durch seine Öffentlichkeitsarbeit, die die provozierten Demonstranten anlockt, auf. Ansonsten läßt er als Geschäftsmann-Figur nur Anmerkungen über die fehlende finanzielle Unterstützung verlauten. Nebenbei durchschaut und verurteilt er die Requisite, die sich mit weniger Auszeichnungen beworben hat, als sie besitzt. Eine Hauptrolle wäre ihr zugestanden ... .

Das Licht und der Raum Zwischen diesen beiden aufeinander angewiesenen Darstellern entwickelt sich ebenfalls eine Beziehung. „Raum ohne Licht wäre denkbar, man sieht ihn nur nicht ... .“ „Der Raum ärgert das Licht mit schwarz.“

Der Vorhang Bildet sich viel darauf ein, aus dem Schau- ein Hörspiel machen zu können, wenn er es möchte. Fürchtet den Zorn der Religionsphanatiker. Kündigt!

Der Unbeteiligte Die vielleicht doch nicht so tragische Randfigur dieses Stückes trinkt und beobachtet von der linken Bühnenhälfte aus das ganze Geschehen, auch das wirkliche Publikum.

Telephonat: Hardy: Als aller erstes interessiert mich, wie du auf so ein Thema kommst. Bist du so christlich oder das Gegenteil? P. Bichsel: Ich gehöre keiner Konfession an; aber dem Religiösen steh ich schon aufgeschlossen gegenüber. Hardy: Das muß man alles erst einmal verdauen. Kommerziell genug ist dein Thema auf jeden Fall. Du kannst dich mit dem Exposé sicher bei einem Theater bewerben. Die können es sich doch gar nicht leisten ein so populäres ausgehen zu lassen, oder nicht? P. Bichsel: Ich versuch mein Möglichstes! Hardy: Wir reden mal noch mal darüber, ich denk, da kann man einiges daraus machen. Man hört sich!


1. Hardy tritt in einer Fernsehshow auf, in der er sich nicht wohl fühlt, aber sympathisch gibt.


ON AIR

Interview

Alanis: Heute in „Radio Free-Leute“: Hardy „Hardcore“ Sonders, der Moderator der immer populärer werdenden Sendung: „Storyline“, die Sendung, in der alle ihre Geschichten erzählen können. Hardy, der schnellste Redner südlich des Nordpols, der Gottvater des Entertainments, dem James Brown ohne Neid in den After schlüpfen würde, wenn er ihn nur kennen wäre. Hardy, der Kritikerphilosoph, unter den Sterntalern der Macher ... Hardy: Hol mal wieder Luft! Alanis: Hardy, welche Art von Geschichten werden in eurer Sendung erzählt? Hardy: Es gibt alles Erdenkliche: Szenenbeschreibungen, Augenblicke, Drehbuchausschnitte, ganze Exposés, einfache Personenbeschreibungen, Kurzfilme oder -geschichten, aber auch ganz persönliche Erlebnisse, Erzählungen und Berichte. Alanis: Welche Ziele verfolgt deine Sendung? Hardy: Vor allem wollen wir noch unbekannten Autoren die Gelegenheit geben, ihre Werke in der Öffentlichkeit darzustellen. Es sind schon unzählige von unseren bisherigen Erzählern über uns von Verlegern angeschrieben worden und einige haben, weil sie clever genug waren auch einen Vertrag abschließen können. Die späteren Dankesbriefe sind die schönsten Bestätigungen über den Sinn unserer Arbeit. Zusätzlich ist Storyline für das Publikum eine gute, unkommerzielle, erfrischende und anregende Art von Unterhaltung. Das geschriebene Wort kommt in der Stimme des Autors über den Äther, um in unseren Köpfen zu einem Film zu explodieren. Text, Stimme, Idee und Träume. Der Leitfaden wird von dem Erzähler gegeben, aber den Inhalt, Ausführung, Ausführlichkeit und Bedeutung bestimmt der Hörer selbst. Es ist also nicht nur ein normales Radio hören, sondern Storyline fordert den Zuhörer heraus und bestärkt ihn in seiner Vorstellungskraft. In unseren Umfragen kann unsere Zuhörerschaft auch ihre persönliche Meinung dazu einbringen. Wir schalten da meistens 4 bis 5 Leute auf einen Kanal, daß sie sich gegenseitig ergänzen. Alanis: Nur 5 Meinungen. Hardy: Ansonsten geht das Gespräch im Durcheinander unter! Manchmal schalten wir aber auch mehrere Stimmen hintereinander. Alanis: Hardy, gibt es Spielregeln in deiner Sendung? Hardy: Natürlich gibt es die: die wichtigste lautet, der „Vorsteller“ – so nennen wir die Personen, die ihre Werke vortragen – darf immer ausreden, er soll möglichst nicht unterbrochen werden. Natürlich gilt es im Gegenzug für ihn auch, seinen vorbereiteten Text zügig und lebendig vorzutragen, um die vereinbarte Zeit nicht zu überschreiten. Alanis: Was ist das für eine Vereinbarung? Hardy: Wir haben in jeder Sendung verschiedene Runden. Die ausführlichen Exposés dürfen nicht länger als 10 Minuten gehen, sonst wird es für den Zuhörer zu langweilig oder zu anstrengend, wenn wir nicht gerade eine eingängige Stimme oder fetzig theatralische Erzähler am Hörer haben. Wir haben dann aber auch noch kürzere Runden, die Hot Shots, bei denen bereits nach einer halben Minute die Zeit abgelaufen ist. Diese Grenzen sind allerdings nur theoretisch vorgegeben, manchmal dauert es kürzer, manchmal länger und ich bin bestimmt nicht der Typ, der einen Gong schlägt, um eine spannende Geschichte wegen bekloppten Vorgaben zu unterbrechen. Da geht es bei uns schon freier zu. Alanis: Gebt ihr verschiedene Themen vor? Hardy: Als wir das Projekt starteten, haben wir uns so etwas überlegt, da es heißt, daß mit strengen Regeln eine eindeutigere und produktivere Arbeit entstehen würde. Wir setzen aber nicht den Anspruch „eindeutig“ zu sein, ganz im Gegenteil, wir wollen die Gesamte Vielseitigkeit aller möglichen Geschichten Zeigen. Es liegt in dem Wesen Wörter, daß sie bedeuten. Und sie bedeuten für jeden anders. Wir wollen die kreative Ader spüren. Wie gesagt, wir sind in solchen Dingen Ungebunden. Wir stellen nur immer wieder fest, daß es schließlich in einigen Erzählungen auf das gleiche Grundthema heraus läuft. Zum Beispiel ganz weitläufige Themen wie: „Mit anderen Augen sehen“, „Neue Welten entdecken“ oder „Bewußtsein“. Das hat uns auch dazu veranlaßt, bei einem Fernsehsender nachzufragen – dessen Name hier keine Rolle spielen sollte, er hat jedenfalls viel mit Kunst und Kultur zu tun – ob sie uns nicht eine Stunde pro Woche zur freien Verfügung stellen würden, in der immer verschiedene Themen von verschiedenen Künstlern behandelt werden würden. Mit Erfolg! Der Intendant kannte unsere Sendung bereits und wartet nun erst einmal auf unsere ersten Vorschläge. Alanis: Wird das dann eine Geschichten-Show? Hardy: Ich habe leider noch überhaupt keine absoluten, konkreten Vorstellungen davon, wie das alles ablaufen wird. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen. Alanis: Als Kritiker hast du ja keinen leichten Stand in der Sendung. Du mußt dich von Augenblick zu Augenblick auf neue Gedanken und Ideen einlassen ... Hardy: ... das ist ja gerade das Schöne daran ... Alanis: ... und dann sollst du das Neue - vielleicht sogar Unsinnige - auch noch bewerten. Hardy: Die Leute sehen mich immer viel zu sehr wie den Kritiker. Ich betrachte mich selbst eher als einfache Vermittlungsperson. Die Kritik ist nicht immer das Entscheidende. Manchmal geht es nur darum einen Vorsteller aufzubauen. Ich möchte nicht sagen, daß wir nur mit depressiven Stubenhockern telephonieren, denen wir das verlorengegangene Ego zu finden suchen, ich bin gewiß keine Telephonseelsorge, aber ein bißchen Gespür muß man schon aufbringen, um einen Anfänger nicht gleich wieder mit einer herausgeplapperten Meinung zu entmutigen und vom Schreiben weg zu bringen. Ich möchte, daß durch diese Sendung mehr Leute auf der Welt den Weg zum Schreiben finden. Man kann sich wirklich manches auch ohne Rhetorikkurse von der Seele schreiben. Wer schreibt verdrängt auch nicht, er verarbeitet; aber das sind Weisheiten, die es schon lange gibt, die haben wir nicht erfunden. Ein kleiner Gedanke in eigenem Interesse hinterher: Jedenfalls haben wir auch mehr Auswahl, wenn mehr Leute schreiben und uns anrufen! Alanis: Warum rufen die Leute an? Hardy: Zum großen Teil ist es bestimmt so, daß nicht das kommerzielle Ziel der Veröffentlichung im Vordergrund steht, sondern das vielmehr ein ungestilltes Bedürfnis nach Austausch vorhanden ist, der im alltäglichen Leben nicht mehr so einfach möglich ist. Alanis: Was bringt die Leute dazu weiter zu machen? Hardy: Warum erfindet man Geschichten? Warum schreibt man? Was soll die ganze Plackerei und Selbstauslieferung, wenn es dem Autor scheinbar nichts bringt? Anerkennung können sie erhoffen, nie erwarten. Ich kann nur das wiederholen, was ich bereits gesagt habe: jeder sollte schreiben, auch wenn er sich nicht dafür berufen fühlt. Wenn es auch „nur“ Tagebuchseiten sind. Wenn man sich dem Urteil und der Anerkennung von anderen unterwirft oder das Schreiben aus irgend einem anderen Grund aufgibt, hat man sich schon selbst „abgeschrieben“. Weiter machen ist die Devise. Ich hab heute mal wieder den Stoß Papier gesehen, den Firlefanz, den ich früher verfaßt habe. Vieles hab ich früher für genial gehalten. Jetzt denk ich darüber ganz anders; aber ich bereue keine einzige Zeile und ich schäme mich auch im Nachhinein nicht dafür, daß ich anderen meine Gedichte vorgelesen habe, obwohl sich das Resultat doch sehr der Beschreibung näher: „Sich-der-Lächerlichkeit-Preis-geben“. Man muß so lange weiter machen, bis man ehrlich zu sich selbst ist. Ich wiederhole es wirklich noch einmal: Schreiben kann zur Selbstheilung, zum Bewußtsein zur Eigenbestimmung, zur Religion werden. Einige erinnern sich immer herrlich daran, was sie sich hinter die Ohren schreiben oder in den Kopf gesetzt haben, aber Aufschreiben ist immer eine gelungenere Erinnerung und vor allem auch Dokument, aus dessen Fehlern man lernen kann, weil nichts ohne Fehlen sein wird. Alanis: Das hast du auch im Hinterkopf, wenn du die Geschichten hörst? Hardy: Wenn wir die Geschichten unserer Vorsteller hören, wissen wir, wie unmöglich es ist sich gegenseitig perfekt zu verstehen. Aber wir versuchen Verständnis für die Geschichten aufzubringen, das ist auch das, was wir von unseren Zuhörern verlangen: der Versuch zu Verstehen, Geduld mit dem Erzähler und seinem Werk zu haben. Es ist die Aufgabe des Zuhörers, die Geschichte zu dem zu machen, was er will!!! Wir machen das ja auch. Alanis: Du redest immer von wir, wen meinst du damit überhaupt? Hardy: Vor allem meine ich damit Flopp und Janet. Flopp ist unser Vorhörer, er hört sich die Geschichten schon einmal in einer knappen Zusammenfassung von dem Anrufer an, entscheidet ob - und wenn ja - in welchen Teil der Sendung der Vortrag passen würde, schreibt mir den Namen des Autors, den Titel und einige Stichpunkte auf meinen Rechner und ich kann dann von seiner Auswahl meine eigene Auswahl treffen. Wir verstehen uns da meistens blind. Er hat einen ähnlichen Geschmack wie ich. Janet ist für die Musik verantwortlich. Die macht das auch wunderbar und gibt uns zwischendurch auch manchmal noch Tips, wenn wir was übersehen. Zusätzlich sind in unserem wachsenden Sender noch viele andere beteiligt. Würde aber zu weit führen davon jetzt anzufangen. Alanis: Viele „Vorsteller“ geben sich in deiner Sendung einen anderen Namen, wie Cleopatra, Einstein oder sonstiges Erfundenes. Hardy: Ja das machen viele. Ich kann das auch gut verstehen, daß sie sich entweder nur mit dem Vornamen oder mit einem erfundenen Namen melden, der nur selten etwas mit ihrer Geschichte zu tun hat. Viele haben noch Angst sich in der Öffentlichkeit zu exibitionieren, da sie ihre Wörter als Kleidung betrachten. Sie wollen nicht schräg von der Seite angemacht werden, wenn sie allerdings erkennen, daß die Resonanz in den Umfragen zur Sendung und zu den Stücken gut war, sind sie dann froh, daß sie wenigstens uns ihre Adresse gegeben haben und sich die Chance offen halten, von einem Verlag angeschrieben zu werden. Apropos Verlag, von einigen Verlagen haben wir auch Angebote bekommen, ein Buch über diese Sendung zusammen zu stellen. In Zukunft lohnt es sich also, uns einzuschalten und vor allem sich zu beteiligen, denn es besteht die Möglichkeit von uns veröffentlicht zu werden. Wir werden auch einen Preis für den besten Titelvorschlag vergeben. Alanis:Da ist ja einiges am Laufen bei euch. Hardy: Ich bin selber überrascht, wie schnell sich das ganze Projekt entwickelt. Da bleibt nur noch zu hoffen, daß uns niemand als Talmi-Götter entzaubert. Alanis: Dann bedanke ich mich einmal für das Gespräch, ich wünsche dir noch viel Glück mit deiner Sendung und deinen übrigen Vorhaben im Fernsehen und in der Bücherwelt. Hardy: Tschüß, Servus, Ade!!!


STORYLINE

Frühlingsanfang ... (von mehreren theatralischen Girlies)

Es war Sonntag am späten Nachmittag, als ich in meiner Stadt mit der U-Bahn vom Park zurück in meine Wohnung fahren wollte. Es lag eine herrliche Frühlingsstimmung in der Luft. Der feste Schnee glänzte in der Sonne und vereinzelt traten schon grüne Stellen aus dem Weiß. Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse gaben sich die Ehre. Eigentlich war es Schade, daß ich wieder zurück mußte. Wo ich wohnte, war außer der Werbung alles grau. Schon in der U-Bahn konnte einem mal wieder jegliches gute Gefühl im Halse stecken bleiben. Ich saß da und betrachtete mir die gelangweilten Gesichter, die geschäftige Bessermenschen und vor allem abgebrühte, isolierte Normalbürger. Der Kontrolleur zog gerade 2 Punks aus dem Abteil, die ihn dann draußen vermöbelten und die Flucht über die Rolltreppe ergriffen. Im Abteil bekam das kaum jemand richtig mit; einige entsetzten sich daran. Jene, die dann neben dem Kontrolleur auf den nächsten Anschluß warteten, halfen ihm nicht einmal auf die Beine oder zeigten eine angemessene Betroffenheit. Warum soll man sich auch den Frühling wegen solcher Kleinigkeiten vermiesen lassen. Ich stoße in der Stadt jeden Tag eine so große Menge an Gleichgültigkeit aus, ich werde mich hüten sie anderen Personen vor zu werfen.

Die Türen wurden geschlossen, der Zug setzte sich in Bewegung und langsam geriet die Szene aus meinen Augen und hörte irgendwo vor meinem Herzen auf zu sein.

Und wieder war da das beleuchtet triste Innenleben, mit zum Teil anderen gleichen Gesichtern. Da sah ich sie. Sie stand direkt vor meinem Einzelsitz. Mein Blick wanderte von den Designerschuhen langsam ihren Strümpfen entlang in die Höhe. Die Beine schienen unter ihrem knielangen Rock zu keinem Ende zu gelangen. Als nächstes ließen sich meine Augen von einem schlanken wohl geformten Oberkörper entzücken, der von einem Top mit weitem Ausschnitt verhüllt wurde. Und dann das Gesicht! Sie sah mich aus ihren langen brünetten Locken heraus an. Sie hatte meine Blicke beobachtet. Ich fühlte mich ein wenig ertappt, aber wollte den Kontakt deshalb nicht abbrechen und wir blickten uns lang in die Augen. Sie war ganz in Elfenbeinweiß. Sie mußte ein Engel sein. Sie stand da, mit einer Hand an ihrer Handtasche, mit der anderen an der oberen Haltestange, was wiederum ihre perfekte Figur betonte. Mit jedem Atemzug, den sie nahm, hob sich auffallend sichtbar der Brustkorb ihres angespannten Körpers. Es müssen wohl 5-10 Minuten gewesen sein, in denen wir uns nur in die Augen sahen. Ich vergaß vollkommen die Welt um mich herum. Seit mehr als 3 Stationen hätte ich bereits aussteigen sollen. Noch nie war ich so weit in diese Richtung gekommen. Aber das machte mir nichts aus. In ihren Augen verloren fühlte ich mich geborgen wie noch nie. Plötzlich nahm sie meine Hand. Ich fühlte ihre zarte Haut, ihre zierliche Finger und hatte doch nie ein solches Glück erhofft. Längst ist es wieder Frühling geworden. Sie gab mir ein Zeichen zum Gehen und bevor die U-Bahntür sich wieder schließen konnten waren wir heraus gesprungen. Jetzt lief sie mir voraus und ich wie an ihre Hand gefesselt hinter ihr d'rein. Wir gingen über einen weiten Park und kamen dann irgendwann an eine prächtige Villa. Die Tür war nicht verschlossen. Aber als wir in das Innere traten, war ich mir sicher, daß dieses Schloß gerade menschenleer sein mußte. Wir traten in einen großen Saal, der wie ein Wohnzimmer eingerichtet war. Das Feuer im Kamin brannte bereits und auf dem Parkettboden lagen wertvolle Teppiche und weiße Schafsfelle. Sie ließ mich in diesem Raum allein zurück. Nachdem ich die Räumlichkeit besichtigt und die Bücher und Bilder an der Wand bewundert hatte, wurde ich neugierig wo sie nur bleiben würde. Wir hatten noch kein Wort miteinander gewechselt, aber vielleicht war das besser so. Die Sprache steckt voller Mißverständnisse. Ich trat an die angelehnte Tür heran, hinter der sie verschwunden war. Ich spickelte durch den Spalt. Da sah ich sie wieder. Mit dem Rücken zu mir stand sie vor einem Spiegel. Sie streifte sich gerade ein dünnes weißes Hemd über ihren entblößten Rücken, das langsam über ihren Slip fiel, der ansonsten das einzigste war, was sie trug. Kurz glaubte ich ihre Brüste im Spiegel zu erkennen. Ich klopfte an die Tür. Sie drehte sich um und wieder fingen mich ihre Blicke, die mich nun verworren und wild erregten. Wie auf Zehenspitzen ging sie auf mich zu und blieb vor mir stehen. Ihre Schönheit kannte keine Grenzen. Gleich würde sie sich ihr weit aufgeknöpftes Hemd über ihre Schultern streifen und es auf dem Boden sinken lassen. Dann würde sie mich küssen, entkleiden und in den Himmel entführen. Ich war angespannt und ließ der Musik meines Gemüts freien Lauf.


Hardy: Ja, weiter! Girly 1: Tja, und jetzt kommen die verschiedenen Vorschläge für den Schluß:


1) Dann streckte sie ihre Hand aus und ich wachte zuckend erschreckt in der U-Bahn

   auf. Seit mehr als 3 Stationen hätte ich bereits aussteigen müssen. Noch nie war ich
   so weit in dieser Richtung gekommen. Es war Frühling.

2) Dann streckte sie ihre Hände aus und erdrosselte mich sanft, ohne daß ich nur

   einmal einen Gedanken daran verschwendet hätte mich zu wehren.

3) Dann streckte sie ihre Hände aus und alles kam so wie es kommen mußte.

   Als ich schlotternd vor Kälte am späten Abend auf meiner gewohnten Bank im 
   Stadtpark erwachte, wußte ich, daß es wirklich Frühling geworden war. 

4) Dann riß sie sich ihre Kleider vom Leib, schnappte sich eine Motorsäge und

   zerstückelte mich zu kleinen appetitlichen Hundehäppchen. Das war mein letzter 
   Frühling.

5) Da traf mich von hinten ein Schlag auf den Kopf. Als ich erwachte fand ich mich im

   Keller dieser Villa wieder. 
   a) Meine Kleider waren zerrissen und mein Glied entfernt.
   b) Meine Kleider waren zerrissen und ich lag im Dreck neben einem Kohlehaufen.
       Was hatte das alles zu bedeuten? War ich einer Verschwörung aufgesessen?
       .....

6) Ich mußte diese Sünde einfach morden.



Nudelsalat (von Udo)

Nur Bilder. Ein Stummfilm. Es gibt anfangs keine Gesichter zu sehen.

Mutter (stink reich, kostümiert, geschmückt, ..., blättert in der Zeitung) Nore (normal, durchschnittlich, ..., zieht bessere Schuhe an als zuvor) Bediensteter (grob, ..., schlägt einer Ratte den Kopf ab) Vater (nicht so reich, kostümiert, ..., setzt ein Lachgerüst an seinen Mund an, kneift die Tochter in den Hintern) Tochter (S-Bombe, reich beschmückt, ..., dreht sich und reagiert wenig auf den Vater, Mundgerüst!) Bedienstete (zierliches Persönchen, ..., holt einen Silberteller mit Glocke aus dem Kühlschrank) Nore (zieht eine feinere Hose über die alte, holt Insekten-Vertilgungsmittel aus dem Schrank) Mutter (befestigt ein durchsichtiges Gerüst an ihrem Mund) Nore (Stellt eine Salatschüssel neben den Herd; geht, sich zuknöpfend und zunehmend versteifender auf härter werdenden Sohlen aus seiner Bude, über Teer- und Betonflächen zu der wohlhabenden Gesellschaft, läutet an der Tür, Brustkonfrontation mit der Tochter)

Zum ersten mal sieht man die Gesichter deutlich.

Bedienstete (seriös, ..., kommt und hebt die Glocke: Nudelsalat) Die Gesellschaft (erfreute Gesichter, die Mundwinkel werden durch die Halter nach oben gezogen, gegenseitiges sich angrinsen, alltägliche Gesichtslähmungen und -krämpfe. Bediensteter (seriös, ..., kommt mit falschem Hasen)

Das Fressen!

Nore (geht mit der Tochter - sich abnehmend versteifend und entkleidend - in seine Bude, jetzt sind beide durchschnittlich gekleidet, sich küssend; er geht, um Gläser für den Sekt zu holen; in der Küche steht ein leerer Topf neben der Salatschüssel auf dem Herd, in den er bricht, daß er beinahe randvoll ist) Tochter (kommt vom Nebenraum, sieht das Essen, stellt den Herd an, rührt) Nore (nur gering überrascht, ..., bietet ihr den Salat an) Tochter (weist dankend den Salat zurück) Beide (genießen das Essen aus dem Topf)

Nore (erwacht morgens allein in einem von Essensresten gefluteten Bett) Tochter (zurück im noch unaufgeräumten Gesellschaftsraum, sieht die Nudelsalatsilberplatte und bricht sie voll, was ihr ein heruntergekommenes Grinsen entlockt, ein Petersilieblatt fällt auf den Nudelsalat auf der Silberplatte, die Glocke!

Abend: Erneute Gesellschaft. Vater, Mutter, Tochter, Bedienstete, ein ähnlicher Nore. Es gibt falscher Hase und Nudelsalat.


Hardy: Oh man, fertig? Udo: So weit. Hardy: Ich will es mal so sagen: es ist nicht eure Schuld. Wir kennen das Lied „Gedanken sind frei“, es ist nur einfach so, daß unser Verhörer Flopp heute wahrscheinlich einen ziemlich witzigen Tag erwischt hat. Normalerweise hätte er vermutlich keine zwei Sätze von euch angehört; oder wie habt ihr es geschafft in die Sendung zu kommen? Udo: Tom hat ihm eine Geschichte von einem Ausländerschicksal erzählt. Hardy: Ah ja. Trotz allem Ekel: es waren mehr Bilder in meinem Kopf, als bei manchen anderen Geschichten. Bender lacht auch gerade aus seinem Nebenkämmerchen herüber. So wie es aussieht, hat es ihm auch gefallen.

Bender: Wir müssen mehr Rücksicht auf die breitere Masse nehmen. Hardy: Hemmungslose Selbstbefriedigung der Autoren, scheinbare Weltverbesserungs-Absichten oder „das ewige sich durch Extravaganzen profilieren“ sind ein Zeichen für den erbärmlichsten Versuch eines Selbstdarstellers einen Strom zu finden, gegen den er schwimmen kann. Mein geliebtes Gefühl, wenn ich „ON AIR“ angenehm mit Adrenalin durchströmt werde, verflacht zunehmend. Obwohl „Storyline“ zur Kultsendung avanciert und in den Einschaltquoten durch die Internetweite „Ausstralung“ sogar renommierten Fernsehsendern Konkurrenz machen kann, ist eine stumpfsinnige Rücksichtnahme auf das breite Publikum indiskutabel. Die Leute, bei denen ich Beifall ernte werden es mir danken. Bendere: Die werden doch nur genau so verarscht, wie alle anderen ... Dr. Christ: ... und sie nehmen in ihrer Zahl rapide ab.


Steinzeit-Sally (von Bine)

Auf einem kugeligem Ball, auf dem noch keine Nahrungsgarantie herrschte und die verschiedensten Katastrophen die Entwicklung jeglichen Lebens blockierten, lebte Steinzeit-Sally. Sie war genau gleich zufrieden, wie alle anderen Bewohner der Rotsteinhöhle, hinter dem Waldgebiet, am Ende des letzten Flußzipfels der ansonsten karg heiß flimmernden Wüste. Stalagmiten und Stalagtiten verhinderten den aufrechten Gang der Höhlenwesen. Sie ließen nur einen Slalomdurchgang zwischen Behausung der flachen Steine und dem engen, von der Natur unbequem angelegten Ausgang zu. Es gab für niemanden einen Grund glücklicher als andere zu sein und Steinzeit-Sally wußte diese Gleichheit auch zu schätzen, weil sie zu schwach gewesen wäre, Machtergreifern entgegen zu wirken und das höhere Glück derjenigen zu ertragen. Gering gehaltener Ehrgeiz ermöglichte die Gleichberechtigung der Schwachen. Eines morgens erwachte Sally jedoch aus einem wundersamen Traum. In jenem sah sie sich auf einem hohen, prunkvoll glitzernden Gefährt mit einem Computer in der Hand, mit den Zehenspitzen eine E-Gitarre betreibend, sitzen und dem herum tollenden Kleinvolk mit ihren künstlichen Fingernägeln zuwinkend. Mit Computer und E-Gitarre wußte sie nichts anzufangen. Der Traum schien so sinnlos zu sein. (Es war noch nicht einmal der PVC-Boden erfunden!!!) Aber künstliche Fingernägel, das mußte eine tiefere, weitere Bedeutung haben. Ja, es waren künstliche Fingernägel, die sie in ihrer Vorstellung; nicht aber in ihrer Steinbehausung hatte. Wieder erwacht, wurde sie vom Eifer gebannt, sprang sie von dem 1,40 m auf 2 Meter Flachstein hoch (schlug sich empfindlich den Kopf an einen Stalagtiten) und nervte den ganzen lieben, unschuldigen Tag lang alle mit der Idee, der Verkünstlichung der Fingernägel an. Es wäre ein Fortschritt sonders gleichen, verkündete sie noch abends, als die zur Nahrungssuche verordneten ganztägig Jagenden und Sammelnden mit der üblichen Halbtagesration für alle enttäuscht zurück kamen. Man könnte sich doch endlich besser durch kratzen den Alltagsschwierigkeiten wehren, meinte Sally. Was dies bedeuten sollte und weshalb künstliche Fingernägel besser wären als natürliche, wußte sie jedoch noch nicht so genau, aber sie hatte da irgend etwas im Gespür; obendrein gefiel sie sich im Traum ganz gut mit der kleinen kecken Veränderung ihres Arbeitswerkzeugs. Doch leider waren die anderen auf das Aufrichtigste, bis in den letzten Winkel ihres guten Willens nach Interesse dafür suchend, derart von der Idee des kollektiven Vernägelns gelangweilt, daß Steinzeit-Sally nichts anderes übrig blieb, als sich von der Gruppe abzusondern, um in einer abgelegenen Nebenhöhle, den Tod - der sich als Stein um sie herum materialisiert hatte - zu betrachten und mit ausgeprägtester Mimik zu schmollen. Einige behaupteten, Sally wäre nur ihrer Zeit ein wenig voraus, andere erklärten ihre Gedankengewichtungen für zeitlos unwesentlich, aber nichts desto trotz blieb Sally was sie war: die Steinzeit Sally. Und als solche, ließ sie sich die Chance nicht entgehen, durch die einzigartige Gelegenheit eine gehobenere Persönlichkeit, eine elegante Ausgefallenheit zu werden. Einerseits natürlich, um sich im Angriff ihrer peinlichen Schmach - die auf gesellschaftlichem Unverständnis gründete - zur Wehr zu setzen und es damit allen zu zeigen; andererseits, um sich durch das Einreden, daß sie niemandem etwas beweisen muß, etwas vorzumachen, was schneller geschehen kann, als diesen Sachverhalt auszuformulieren. Sie machte sich also ans Werk und versuchte noch in der Nacht bei zunehmendem Mondscheinlicht in der freien Wildnis ihr Glück zu finden. Vor wilden Tieren hatte sie nichts zu befürchten, im Gegenteil, alle Tiere fürchteten sich vor Wesen ihrer Art. Sie probierte es mit Holz, sie versuchte Grashalme an sich zu binden, (sie zersägte auch ein Stück Wellblech) und glaubte den Panzer eines Käfers mit Spucke an die Spitzen ihrer Finger kleben zu können. - Nichts funktionierte. Da kam sie endlich auf die einleuchtende Idee, ein starkes, schlagfestes, hartes und vor allem kratzfestes Material zu verwenden. Fünf Stunden später hatte sie die erste Stein-Fingernägel-Hand ihres kugeligen Balls, auf dem sie wohnte, geschaffen. (Vielleicht war das auf anderen Welten schon der Fall, wer weiß das schon genau. Sicher war sie sich jedoch darüber, daß kein anderer außer- und innerhalb der Rotsteinhöhle, je solch wunderbar große und kratzfeste Steine an sich gekettet sah, wie sie nun zu tragen pflegte.) Drei Stunden später war die zweite Hand geschmückt und um die Funktionstüchtigkeit und Qualität der Stein-Fingernägel-Hände zu testen kratzte sie alles an. Sie kratzte es an, weiter und fertig. Sie kratzte wo es nur ging. Sie kratzte den Boden, sie kratzte die Bäume, sie kratzte Tiere, sie kratzte auch Steine und kurz bevor sie vor vollkommener Zufriedenheit in Ohnmacht fiel, kratzte sie sich selbst. Als sie wieder aufwachte, fühlte sie sich leicht und frisch, aber mit ihrem neu gewachsenen Selbstbewußtsein und der aufgeblühten Souveränität kamen ihr plagende Gedanken, daß sie ihr Vorhaben, sich über andere zu stellen, nicht wahr werden zu lassen könne. Großmut und Großzügigkeit, Güte und Friedlichkeit kamen über sie. Ja sie glaubte sogar einen Anflug von Gnade in sich erhebend zu verspüren, was sie aus Gründen der Pietät so flott wie möglich mit Größenrelations-Besinnung (der „DU-ALS-PUNKT-IM-WELTRAUM-GEDANKE“) bekämpfte. War sie doch nichts weiter, als die kleine, auf einem kugeligen Ball lebende Sally, der schon seit jeher daran gelegen war, für alle eine ausgeglichene Zufriedenheit zu erhalten. Anfangs dachte sie, die Erfindung verheimlichen zu können, aber nachdem sie sich wieder selbst bis zur geistig nicht mehr faßbaren Zufriedenheit kratzte, wußte sie, daß alle dieses Glück erfahren sollten. Jedem sollte es möglich sein, an die Grenzen seines Wohlgefühl heran zu kratzen. Die Vorführung vor versammelten Gleichsprachigen war überwältigend. Nicht alle trauten dem Neuen; doch der Großteil aller Betrachter und Zuhörer war so angetan von der Technik und der Ausstrahlungsveränderung der kleinen Steinzeit-Sally, daß sie nicht umhin konnten sich selbst Stein-Fingernägel-Hände zu basteln. Stein-Fingernägel-Hände sollten zur Droge werden. Steine gab es genug; nur manche mußten sich mit kleineren und andere mit glattoberflächigeren Steinen begnügen. Das hatte wiederum zur Folge, daß sich nicht alle gleich vergnügen konnten. Einige schienen sogar überhaupt nichts für diese Methode zu empfingen. So verflog die anfänglich überschwengliche Freude zugunsten von Mißmut und Neiderei. Die Situation eskalierte und bald nach dem Anfang einiger vereinzelter Konflikte, schlugen alle auf einander ein. Das Stein-Fingernägel-Hand-Kratz-System wurde zu einem Instrument der Gewalt. Zum Schlagmittel umfunktioniert, bekamen sie die angewandte Härte nur schlecht in den Griff. Mit Steinen an den Fingernägeln wurde jeder Schlag um ein Vielfaches heftiger, als mit der bloßen Hand. Die neue Erfindung mit all ihren Begleiterscheinungen geriet unheilvoll außer Kontrolle. Des Ausmaßes der Tat bewußt oder unbewußt, fielen alle über einander her und brachten sich gegenseitig um den Funken, den man als Leben in sich trägt. Ein unsagbares Gemetzel fand statt. Blut. Böses Blut und Leichen, Leichen, überall Leichen! Alle kamen dabei ums Leben, nur eine war noch nicht ganz erschlagen: Steinzeit-Sally. Sie richtete sich auf, schaute um sich und war froh, daß sie sich tot gestellt hatte.

Hardy: Leider drängt die Zeit und wir müssen gleich mit unserem nächsten Beitrag weiter machen. Benn!


2. Als die ständigen Umfragen zur Sendung deutlich kritischer gegenüber Hardy werden und ihn der „Nobody“-Anrufer, der ihn schon früher belästigte, life in Grund und Boden redet, wie Hardy es im Normalfall mit den Hörern tut, droht die Umgebung für Hardy zu moralisch zu werden.. Der Nobody bezeichnet ihn als „Trendsetter, der auf der Suche nach der perfekten Unterhaltung noch nicht entdeckt habe, daß es sich dabei um das Schweigen handeln würde“. Hardy läßt ihn seinen Monolog fertig führen und geht nicht einmal auf dessen Entschuldigung ein, die jener nach Hardys schweigen anbringt, da er sich auf die gleiche Stufe der „überheblichen Kritik am Mitmenschen“ gestellt sieht und sich damit genauso schuldig fühlt. Hardy macht daraufhin lustig mit dem nächsten „Vorsteller“ weiter. „Der nächste!“


Lustspiel Depression Der gelbe Tod (von Benn)

Ein Traum als Einstieg Bilder in Musik und Tanz zu dem Thema „Menschen in ihrer Entwicklung“, „Mythos Tod“ und „Zeit“.

Christophs Ziel ist ein allumfassendes Kommunikationsmodell aus alten Weisheiten und neuen Ideen zu erstellen. Sophie sucht nach einer neuen, weltbewegenden Metapher für den Tod. Es befinden sich immer verschiedene Weltverbesserer (chronologisch nur grob geordnet) im gleichen Raum. Weltverbesserer oder jene, die sich als solche bezeichnen gibt es viele: Heilige, Philosophen, Schriftsteller, Maler, Musikanten (vielleicht sogar Physiker). In der Zusammenfassung soll nur von den Philosophen die Rede sein ...

Hardy: (unterbricht nach 2 Minuten) Das war ja noch alles sehr stichpunktartig. Erstmal finde ich, daß der Titel „Gelber Tod“ so gut ist, daß er eine eigene Geschichte verdient hätte, worüber du dir auf jeden Fall Gedanken machen solltest. Laß das mysteriöse gelbe Mädchen, das die Leute zur Nacht entführt in „Lustspiel Depression“, aber entwickle aus der Idee vom gelben Tod zusätzlich noch eine neue Erzählung. Dann meine ich, daß wenn die Geschichte schon so ähnlich werden soll wie die Physiker, dann soll sie die „Begrenztheit“ dieser alten Geschichte aber auch völlig sprengen. Ein guter Ansatz ist der ständig wechselnden Raum, die ständig unzusammenhängenden neuen Situationen, in die die Darsteller geworfen werden. Benn: Dein Vorschlag mit dem neuen gelben Tod wirft ja alles über den Haufen. Hardy: Na und? Das machst du schon. Ich nehme an, um die Charaktere der Philosophen genauer zu studieren, hast du „Die philosophische Hintertreppe“ und womöglich auch, wegen dem Namen, „Sophies Welt“ gelesen? Benn: Und „Das Cafe der toten Philosophen“! Hardy: Dann kannst du dich ja reichlich aus. Die Geschichte gab und gibt dir auch in Zukunft bestimmt noch viel Arbeit. Das ist eine Lebensaufgabe, Weltverbesserer zu deuten. Benn: So schlimm sehe ich das nicht. Am Ende soll ja zur Unmöglichkeit sich zu verstehen die Einsicht kommen, daß alle Personen, die aufgetreten und inszeniert worden sind, natürlich auch nur mit den Augen einer Person so geschaffen wurden. Hardy: Geschickte Idee. So kannst du alle Verantwortung von dir weisen, weil deine Interpretation keinen Wahrheitsanspruch sondern einen künstlerischen Wert vorgibt. Benn: Hat! Hardy: Was? Benn: Jedes Definieren hat einen künstlerischen Wert! Hardy: Darauf können wir uns einigen. Ich hoffe, wir hören bald wieder voneinander?!? Benn: Bestimmt. Tschüß, Servus und Ade!!! Hardy: Danke, daß du es vorweg nimmst. Bye.



HOT SPOTS II (Mit Hozenplotz)

Diamantenbucht (von Egon)

Der deutsche US-Körperkultautor und Regiseur: Furz, kommt in ein Schaffensloch. Ihm fallen dummerweise nur noch intelligente Texte ein. Seine Mitarbeiter machen sich erst einmal nur lustig über ihn. Sie denken er wolle sie veräppeln oder seinen ironischen Sarkasmus auf die Spitze treiben. Dann erahnen sie allerdings die fallenden Zuschauerquoten. Die Schauspieler rebellieren, die Produzenten wollen keinen Cent mehr locker machen. Seine Freunde versuchen ihn umzustimmen, daß er wieder die üblichen flachen, einfältigen, beliebten Dialoge wie früher aus sich heraussprudeln lassen soll: „ ... ansonsten kannst du gleich eine Telekollegsendung daraus machen ...“. Furz sieht seinen Fehler ein, will sich ändern und schämt sich auch für seine Aussetzer, aber er kann nicht anders. Mit all seiner Gewalt und seinem Privatvermögen setzt er die Veröffentlichung seiner neuen Serie „Hirn mich Hirn“ mit dem Pilot: „Johann Wolfgang Lama“ durch. Wie erwartet sinken die Einschaltquoten ins Bodenlose. Furz verliert alles was er besaß. Sein Haus, sein restliches Vermögen: samt Frau! Niedergeschlagen aber mit jeder Menge Wut im Bauch beginnt er sich wie Rocky wieder hochzuarbeiten. Schließlich gelingt es ihm durch den Softporno „Evanuels Diamantenbucht“ wieder im Filmgeschäft Fuß zu fassen. Seine intellektuelle Phase hat er nun endlich hinter sich gelassen. Mit dem Kassenschlagen „Wortlos in Seatle“ gelingt ihm der Durchbruch. Zusammen mit seinen intellektuellen Zwischenspielen hat er nun auch endlich wieder jegliche Moral abgelegt und zieht wie der Graf von Monte-noch-was durch die Filmstudios und übt an allen Rache, die seinen Untergang heraufbeschworen haben. Happy End!!!



Der Hauswinker (von Alan W.)

Der Hauswinker ist der Rauswinker. Ein einsam zufriedener Mann winkt aus seinem Haus heraus, um den anderen Menschen seine Freude an dem Leben allein zu zeigen. Viele Leute, vor allem angeblich glücklich verheiratete Pärchen, beneiden ihn um sein Glück. Er ergötzt sich an ihrem Neid und macht die Anderen immer noch eifersüchtiger auf ihn. Er kommt vor lauter Spaß aus dem Lachen beinahe überhaupt nicht mehr heraus. Wenn er an die eingefahrenen Beziehungen, Gruppenzwang und Freundschaftsgefängnisse denkt, muß er jedes mal an seinen Narzissen riechen, um die unendlichen Möglichkeiten, die ihm offen stehen überhaupt fassen zu können. Geld hat er zur Genüge. Er kann sich alles, was er und seine Narzissen zum leben brauchen schnurlos bestellen und ins Haus bringen lassen. Ein perfektes Leben, bis seine Nachbarn das Haus anzünden. Der Hauswinker hätte noch die Gelegenheit aus dem Haus heraus zu kriechen, ergibt sich aber schließlich (aus welchem Grund auch immer) dem Flammenmeer. Alle Nachbarn schwören derFeuerwehr und der Polizei bei ihrem Gott, daß in dem Haus keiner mehr wohnen würde, sie hätten nämlich niemals einen Besitzer aus dem Haus kommen sehen.



Es gibt
immer etwas
zu verlassen!

UMFRAGE II

Hals: Mir kommt es immer so vor, wie wenn die Leute von ihren vielen Geschichten nur eine aussuchen müssen und sie dann überhaupt nicht zufrieden mit ihrer Auswahl sind. Sie sollten noch einmal die Gelegenheit haben, in eine andere Richtung etwas zu erzählen. Ilse: Ich find die Stimmung genial. Außerdem fand ich den Titel genial, wie war der noch? „Lustspiel Depression“ oder so. Voll genial! – Außerdem finde ich Hardy genial!!! Thekla: Das mit dem Nudelsalat fand ich einfach geschmacklos und ekelerregend. Was bringt es mir, wenn ich meine „heilige Vorstellung“, wie ihr sie wohl bezeichnen würdet, dem Ekel oder ähnlich widerlichen Gedanken aussetze? Wenn ich vielseitig in meinen Erfahrungen sein will esse ich doch noch lange keine Scheiße, um alles ausprobiert zu haben, oder? Seppi: Wer weiß? Thekla: Man muß nicht alle Erfahrungen machen, nur damit sie gemacht sind. Hals: Bleib mal locker im Slip! Reier einfach mal fett ab, dann wird’s schon wieder. Thekla: Also das brauche ich mir nicht gefallen zu lassen. Adieu!

„Gute Geschichten sind ein Leben wert Wir sind Jäger und Sammler geblieben Das scheint es zu sein, was unser Glück vermehrt Wir suchen Geschichten, die wir lieben.“

Jakob: Mir sind die Girlies ans Herz gewachsen. Die würde ich mal gern kennen lernen. Ich geb mal schnell meine Nummer durch ... . Sack: Die Vorsteller nerven, die Probleme mit ihrer Anerkennung haben. Hardy hat ganz recht, wenn er sagt, daß man es nie allen recht machen kann, man kann nie alle interessieren, klar, das ist aber kein Grund dafür nichts auszuprobieren. Für den Erzähler ist es doch nicht weiter schlimm, wenn jemand sich nicht mehr interessieren läßt. Schlimm ist es umgekehrt für den Zuhörer, der nur das hört und versteht, was er hören und verstehen will. Das Eigentliche liegt bei dem Hörer, so wie Friedemann S.v. Thun das schon in „Miteinander Reden“ verklickert hat. Hellen: Also ich weiß nicht, was da manche immer haben? Wenn eine Sendung im Radio was taugt, dann ist das Storyline. Die Hitparadenkacke und das übliche möchte gern witzig getue von den übrigen Sendungen geht einem doch mit der Zeit so was auf den Senkel. Da ist man doch schon froh, wenn die Moderatoren nur einen Titel ansagen und kein Special bringen, das sowieso abstinken kann. Hier lernt man wenigstens noch das kennen, was die Leute sich nicht aus einem flapsigen Daherreden auskotzen.


PROJEKT TODESSTRAFE

Deutschland „Der moralische muß dem technischen Fortschritt gleichgestellt sein“ (von Steave mit Jürgen)

Peter und Paul treffen sich jeden Samstag in ihrer Stammkneipe „Kopf“, um danach friedlich bedüdelt den allwöchentlichen Weg zum Ereignis anzutreten. Peter sitzt bereits am Tresen, äscht neben den Aschenbecher und sieht in sein halbvolles Glas Weißbier, als Paul dazu kommt.

PAUL: Na Alter, alles klar? (Klopft Peter von hinten auf die Schulter und setzt sich auf einen Barhocker neben ihn) PETER: (Hebt seine Hand, dreht ein wenig den Kopf) Na freilich! PAUL: (Wartet die Antwort kaum ab) Das war vielleicht ein Scheiß! Mein Rasenmäher ist verreckt, der Nachbar dreht durch, weil unsere Kleinen ihm, wenn sie den Ball wieder holen seine Radieschen zertrampeln. Die Fingernägel meiner Frau sind scheinbar so spröde, daß sie heute Abend nicht mit auf die Jahresfeier kann und dabei muß ich sie immer noch von unserem Nachbar abhalten, dem sie wegen seiner Spießigkeit die Augen auskratzen will. Obendrein hat Holly heute Nacht den ganzen Wohnzimmerteppich verkotzt, weil ihm die Kinder gestern zu viel Schnaps in’s Essen gemischt haben. Hält nicht viel aus, so ein Hundemagen.Nicht zu fassen, wie das stinken kann; ganz davon abgesehen, wie es so halbverdaut aussieht. Ich glaub’, kein Mensch kann solch ein Gestank herstellen, wenn er will. (Der Tresenmann hat ihm schon das Übliche gebracht. Paul hebt die Hand zum Dank, trinkt ein wenig und läßt sich weiter nicht mehr unterbrechen) Warum Frauen wohl gerade, wenn man sie mal braucht - zum Ausgehen oder um anderswo das Familienleben zu repräsentieren - warum Frauen immer gerade dann nicht können, weil sie Mikräne oder so’n Quatsch haben, das frag’ ich mich wiklich. Also das mit den Fingermägeln ist mir Wirklich zu hoch. Wie kann ein Wesen, daß sich eigentlich vollkommen auf seine Zufriedenheit konzentrieren sollte, weil es alles hat was es braucht und sogar was es will - wie kann ein solches Wesen sich so vollkommen in die eigene Eitelkeit versinken und wenn man es zur Rede stellt noch darauf beharren? (Macht seine Frau nach) „Aussehen ist wichtig! Ich will nicht so rumlaufen wie eine Dahergelaufene!“(wieder normal) oder was weiß ich was. PETER: (trinkt, lächelt einwenig vor sich hin und läßt sich weiter unterhalten) PAUL: (trinkt) Jetzt müssen wir aber dann los, heute wird’s bestimmt voll. Heute morgen beim Einkaufen macht doch glatt so ein blöder Penner von Verkäufer meine Frau an, sie soll sich beeilen, nächsten Herbst muß er bei der Apfelernte helfen. So ein Seggl, bei dem Streß, den die machen klappt ihre Urbauswerbestrategie nie, da weiß man ganz genau, wo man ist, wie teuer alles ist und wie wenig Geld man doch hat. Na ja, ich muß zugeben, daß meine Frau auch manchmal an die Kasse hinschleicht, als wüßte sie nicht, daß man für das Genommene auch bezahlen muß. Sie denkt glaub’ sowieso nicht daran Gegenleistungen für ihren Luxus in Kauf zu nehmen. Als sie neulich auf dem Kindergartenparkplatz ausparkte, dachte sie nicht im geringsten daran, das andere beschädigte Auto zu begutachten, um danach erst Fahrerflucht zu begehen, nein, sie machte nicht einmal Anstalten meinem heiligen Blech ein wenig Würde beizumessen und es wenigstens dann heil an den eng angelegten Pfosten unserer Doppelgarage in seine Behausung zurückzufahren. Natürlich blieb sie mit der anderen Seite hängen. Jetzt haben wir eine Anklage wegen Sachbeschädigung und Fahrerflucht am Laufen und obendrein kein Auto mehr (er trinkt leer und legt einen Fünfer auf den Tresen). PETER: (trinkt ebenfalls aus -beide gehen) PAUL: Hab’ ich dir von Alex erzählt? - Er hat mir gesagt, ich soll’s niemandem weitererzählen, also behalts für dich - er hat sich neulich eine Hodenentzündung oder so etwas geholt, jedenfalls war Helga neulich zufällig auch wegen ihrer Krampfadern bei unserem Hausarzt Schlachter und der hat ihr dann gesagt, daß es sich ohne weiteres bei Alex nicht um Sträptokoken oder so, sondern um Tripper handeln könnte. PETER: Ach! PAUL: Der Abstrich und die Urinprobe ließen erst nächste Woche auf eine sichere Diagnose hoffen lassen. So vertröstete er mein Madel mal bis auf’s weitere. Weißt du was das heißt? Ich glaub’, Alex - ohne mal einen Blick hineinzuwerfen.... (Paul wird vom Straßenlärm übertönt. Man sieht beide von oben in den Stadtstraßen umherlaufen und schließlich in eine Straßenbahn einsteigen, die im Verlauf des folgenden Steh-Gespräches immer voller wird, bis sich kurz vor der Endhaltestelle fünf Leute zwischen beide gedrängt haben, ihnen zwischendurch Ellenbögen übers Gesicht fahren und sie sich einander zuschreien müssen) PAUL: Du weißt doch, mein kleinster schreibt manchmal Geschichten. Neulich hat er über seinen Teddy Paul geschrieben. Es ist so ein Stoffknäuel das immer so verschlafen und gelangweilt aussieht, als gebe es nichts Interessantes auf der ganzen weiten Welt. Der faule Paule ist so stink faul, daß er sich Solarrollen auf den Rücken baut, auf denen er liegen kann. Indem er von der Sonne angetrieben wird, ist es ihm möglich wie im Schlaf so durch die Welt zu fahren (er streckt seine Arme aus, schließt die Augen, macht Paule nach ...) PETER: Schön! PAUL: Das war’s doch noch gar nicht, das Ende, da kommt doch jetzt erst. Als ihn eine Bärin, so schlafend auf seinem per Zufallsgenerator gesteuerten Solarrollengefährt entdeckt, handelt sie abrupt, hält den faulen Paule an, macht etwas an seinen Rollen kaputt - gemein, was? - und weckt ihn dann erst auf und bittet Paule, ihn zu heiraten. PETER: Und Paule heiratet sie und wird glücklich!? PAUL: Wie langweilig, nein! Er repariert die Rollen dank seines Fachwissens und allgemeinen Bildung und fährt weiter. Ohne die Bildung wäre ihm das nicht geglückt und die Geschicht wäre nicht so glimpflich ausgegangen. PETER: (lacht kurz) Nicht von schlechten Eltern dein Kleiner. PAUL: Als Helge die Geschichte hörte, sagte sie zuerst:“Oh wie herzallerliebst“ und dann merkte sie:“Moment mal“ und hat Markus verboten auch nur das Geringste von dem „faulen Paule“ an die Öffentlichkeit zu bringen, geschweigedenn als nächsten Hausaufsatz abzugeben. ... PETER: Also ich finde die Geschichte gut; vor allem den Namen (sie gehen beide in einer immer größer werdenden Menschenmenge auf ein für den Betrachter noch unbekanntes Ereignis zu. Stehen zeitweise in einer Menschenschlange, wandern durch irgendwelche Katakomben, gehen Treppauf, Treppab.) PAUL: Kaum zu fassen, gestern morgen hatte ich versucht meinen Computer selbst zu reparieren, da hat sich doch glatt mein Mad’l einen Elektriker kommen lassen. Unfaßbar! Ich war gerade auf dem besten Weg das kleine Problemchen selbst zu lösen, als so ein Heini von dem unzuverlässigen Elektro-Horst bei mir hereinschneit. Ich war so überrascht und enttäuscht, daß mir im gleichen Augenblick der Schraubendreher- es heißt ja schon lange nicht mehr „Schraubenzieher“ - aus der Hand rutschte und dadurch ein noch größeres Unheil entstand, weil meine Frau vergessen hatte die Sicherung auszustellen. als ich von dem Elektroschock gelähmt wieder irgendwann zitternd zu mir kam, lachte sie mich auch noch aus., das Biest! Jetzt kostet das ganze natürlich einwenig mehr. Mit 3- bis 4-Tausend müssen wir wahrscheinlich schon rechnen. Naja, die Frauen. (Sie gehen in die Katakomben) PETER: Ja, ja, die Frauen!? He, Paul, bei uns ist neulich eine Razzia auf dem Bau gemacht worden. PAUL: Wieviele haben sie gekriegt? PETER: Rund zwölf PAUL: Da habt ihr aber noch Glück gehabt. Die Strafen für Schwarzarbeit sind nie so hoch wie der Gewinn daran. Neulich haben sie Frauesfrau auf 100 Millionen Steuerhinterziehung verklagt. PETER: Wieviel? PAUL: Kaum zu glauben, was? Wirtschaftlich gibt es schon so Füchse, wenn es denen gut in den Kram paßt, bescheißen sie den Staat noch um das Brutto-Sozial-Produkt! (Sie kommen an steilen Treppen an und bleiben irgendwo in der Menschenmenge stehen und sehen sich ein wenig um). Und wir dürfen dann dafür gerade stehen und schämen uns bereits dafür, wenn wir 2 Tomaten im IDLA-Markt nicht mit abwiegen oder versehentlich ein Kabariegel in der Einkaufstasche vergessen und nicht bezahlen. (Seufzt) Ach egal, was soll’s. Das ist doch alles nur ein Spiel. PETER: Stimmt! (Verhalten hört man im Getümmel einen leisen Pfiff). PAUL: Ah, jetzt fängt’s an. PETER: Gute Unterhaltung! PAUL: (lacht ein wenig) Ja, dir auch. (Kurz darauf ....) PETER:Hast du in der Zeitung über das 9-jährige Mädchen gelesen? PAUL: Nein, wieso? Wo stand das? PETER: Blick in die Welt! PAUL: Ach, das laß ich meistens aus. Da komm’ ich nur schlecht drauf. Mit den ganzen Katastrophen und so, traut man sich ja irgendwann mal überhaupt nicht mehr aus dem Haus. Umweltdreck, Kernkraftrotz und der ganze Schlonz. Nein, nein, das ist nichts für mich (kurze Pause) Wieso, was war? PETER: Sie wurde nach der Schule auf dem Nachhauseweg entführt. PAUL: Das Übliche, hab’ ich’s nicht gesagt.

KURZEINBLENDUNG: Paul stellt sich die Entführung vor. Zwei Männer zerren ein kleines Mädchen in ihr Auto.

PAUL: Na super, danke für das Gespräch (macht eine kurze Pause, nach vorne und zur Seite blickend) Wer war das Schwein. Ein besoffener Penner, der Lösegeld wollte, um sich bessere Drogen zu leisten? Ein Geisteskranker oder einfach ein Zuhälter? PETER: Nein, nichts von alledem. - Nicht direkt. PAUL: Was war es dann für einer? PETER: Ein Pärchen!

KURZEINBLENDUNG: Ein Paar zerrt ein Mädchen, von dem man das Gesicht nicht sieht, in ihren Wagen

PAUL: Was? (Schaut Peter verdutzt an) Das gab’s doch schon mal vor ein paar Jahren .... PETER: Letztes Jahr! PAUL: (Sieht wieder nach vorne) Die sind doch nicht mehr ganz sauber. Hat man sie jetzt? PETER: Ja, sie bekommen lebenslänglich, du weißt ja was das heißt? Mindestens 15 Jahre. (Der Bildausschnitt wird immer größer und größer. Man sieht immer mehr Leute, hört Peter und Paul aber noch gleichlaut reden) PAUL: Und das Mädchen? PETER: ...ist tot! (schüttelt den Kopf) PAUL: Warum machen die so etwas, Sind das Wiederholungstäter? Wollten sie? Geld? PETER: Nein, sie haben das Mädchen bereits mit 8 Jahren entführt und haben es eingesperrt.

KURZEINBLENDUNG: Ein Mädchen hat in einer kleinen Kammer auf dem Boden sitzend den Kopf in ihren Schoß gelegt

PAUL: Was bringt das? PETER: Zwischendurch haben sie Pornoaufnahmen mit ihr gemacht. Im Internet bringen sie zur Zeit illegal Bilder von den Filmen, in denen sie mitgespielt haben soll. PAUL: (Ist geschockt und redelt nicht mehr)

STADION: Im Vordergrund sieht man das Fußballfeld und die Spieler auf dem Platz

PETER: Sie haben sie gekidnappt und eingesperrt

KURZEINBLENDUNG: Paul stellt sich vor, wie das Kind in zerrissenen Kleidern auf dem Boden liegt.

STADION: Ein Raunen geht durch die Menge, ein Spieler läßt beinahe die ganze Abwehr aussteigen

PETER: Sie haben sie geschlagen und mißbraucht.

KURZEINBLENDUNG: Paul stellt es sich vor.

STADION: Der Spieler spielt einen Doppelpaß und kommt zum Schuß, das Publikum schreckt auf und kreischt.

PETER: Und das alles haben sie verfilmt und gut auf dem Markt verhökert. Das Geschäft geht gut.

STADION: Pfostenschuß, ein Raunen geht durch die Menge, der Ball prallt zurück).

PETER: Und schließlich, nach einem Jahr haben sie das Mädchen verhungern lassen und nachts im Garten begraben. PAUL: Wo ist das passiert? PETER: Hier! Es war Tanja! PAUL: Tanja? PETER: Tanja Schulz, deine Nachbarin!

KURZEINBLENDUNG: Zum ersten mal hat das Mädchen ein Gesicht!

STADION: Der Spieler kommt noch einmal zum Schuß und nagelt das Leder unter die Latte. Das Publikum tobt. Mit dem ausklingenden Jubel, entfernt sich auch unser Auge nach oben aus dem prall gefüllten Stadion. Dortmund gewinnt mit 2:1 gegen München.


Hardy: Genial, schreib doch noch ein paar von den Folgen, dann können wir hier endlich mit dem anfangen, was wir schon längst einmal machen wollten. Episoden zusammen stellen. Wie war dein erster Titel. Steave: Rußland!?! Hardy: Nein, davor!?? Steave: „Die letzte Jahreszeit“ oder „Immer noch“ Hardy: Genau, der erste Titel ist auch schon gefunden. Wenn zufällig jemand das Interview über unsere Sendung gehört hat, dann weiß er, daß wir vom Fernsehen ein Angebot über ein Serie, die ein mal in der Woche eine Stunde lang ausgestrahlt werden soll, bekommen haben. Das Thema wird jede Woche ein anderes sein: Beispielsweise: „Todesstrafe!“ und in jeder Serie werden verschiedene Künstler filmisch ihre Bedeutung von dem Themenbegriff in verschiedenen Techniken darstellen. Die Kurzbeiträge können durchaus auch in verschiedenen Ländern spielen. Was heißt können; sie sollen in verschiedenen Ländern spielen. Steave, dein Beitrag wird der erste für die Serie sein. Schick uns bitte deine Manuskripte. Im gleichen Momentsollten wir jetzt auch gleich damit beginnen, unsere Geschichten einem groben Thema unter zu ordnen, damit die Arbeit Hand und Fuß bekommt. Endlich hab ich eine richtige Vorstellung davon wie das alles werden soll. Wir machen eine abgefahrene Serie, wie man sie sich nur erträumen kann. Gleich morgen ruf ich bei den Redakteuren an. Weiter im Text.


Der Kinomörder (von Lemi)

Der Titel verrät eigentlich schon das Meiste. Ein scheinbar Geistesgestörter mordet in Horror- und Psychofilmen, die im Kino laufen. Jede Menge Leute bleiben von den Kinos fern. Doch noch mehr Leute gehen in jeden Film der annähernd für dieses Risiko in Frage kommen würde; einerseits um die wirkliche Angst auszukosten, andererseits, um den Mörder zu entlarven und die Belohnung dafür abzukassieren. Das Geschäft geht durch den wirklichen Thrill hervorragend. Die Kinobesitzer können sich vor Vorbestellungen nicht mehr retten, die Produzenten legen ihr ganzes Kapital in neue Horror- und Psychoverfilmungen und die Presse macht ihren Job: sie heizt die Emotionen an. Es gibt nur ein Problem: die wirklichen Leichen, über die man gehen muß, um den Erfolg des Kinobooms zu wahren. Es kann jeder sein. Alle sind verdächtig. Und es gibt immer mehr Verdächtige, weil mit Nachahmungstätern gerechnet wird. Viele werden verhaftet, aber das Morden geht weiter. Der Kinomörder wird für die linke, alternative Szene zur Kultperson, da sie seinen Taten einen antikapitalistischen Hintergrund zudefinieren. Der Mörder ist wahrscheinlich selbst Zuschauer, der sich wahllos neben irgendwelche anderen Kinogänger setzt und rücksichtslos, unbarmherzig, brutal und unauffällig zu Filmmordszenen tötet. Er bleibt nie in einer Stadt und kann auch nicht von den bereits in jedem Kino angebrachten Kameras überführt werden.

Natürlich ist der Täter am Ende eine unschuldig wirkende, junge, hübsche Politesse. Aber die Nachahmungstäter sind noch nicht gefaßt.

Hardy: Das soll später ein Kinofilm werden, bei dem es zig Folgeteile gibt, hab ich recht? Lemi: Klar, es muß richtig thrillen! Hardy: Ich hab die ganze Zeit an irgendeinen Geschäftemacher oder den Gärtner als Täter gedacht, der nach dem Prinzip: „Glaser schlagen Scheiben ein“ gierig ist, aber Überraschungen sind immer gut.


__„DEINE TRIEBE KANNST DU SELBST BEFRIEDIGEN! ALSO: WO IST DAS PROBLEM?“____.


USA „Bewußte Liebe bedeutet Verständnis“ (von Sam)

Mother Charlie wird im Gefängnis in eine andere Zelle versetzt Boh: Wegen was bist du hier? Charlie: Ich hab nur ein paar Autos geknackt. Ich weiß nicht warum ich hier bin. Nachdem ich ausbuchten wollte, haben sie mich noch länger verknackt. Mein Mädchen kommt auch nicht mehr mit meinem Jungen. Boh: Keine angenehme Sache! Charlie: Machen wir eine Partie? (Er hält Karten hoch)

Im Fitnessraum an den Hanteln. Charlie: Alle sind Verbrecher. Es gibt keine besseren Menschen, es kommen sich nur manche so vor. Und dann meinen sie, dich erziehen zu müssen. Joe: Hast du keine Verwandten oder bekannten, die für dich da sind? Charlie: Ich habe keine Familie mehr!

Balls to the wall (Accept) Mit einem Zellengenossen in einem Bett. Joe: Charlie, die Menschen sind immer noch Sammler und Jäger geblieben. Sie sammeln Geschichten, die es wert sind erzählt zu werden und jagen ihren eigenen Befriedigung hinterher. Die Kunst liegt darin, beide miteinander zu verbinden. Mit Geschichten Zufriedenheit erlangen! Am besten ist es die Geschichten selbst zu erleben. Thrillt irgenwie mehr, verstehst du?

Beim Ballspiel auf der Auswechselbank Mäc: Es geht doch nur darum, möglichst viele Mädchen dazu zu bringen, für dich alles zu machen. Gib ihnen ein bißchen Mystisches, Überirdisches, ein bißen Gelaber über die Erfüllung, Erlösung und laß sie nicht so frei sein, wie sie wollen; vor allem in der Liebe. Das ist, was sie wollen. Ein wenig Respekt, aber doch eine feste Hand, die sie leitet. Charlie: Ja genau, und nie die Ernsthaftigkeit verlieren, wenn alles auch noch so sinnlos erscheint. Und Angst sollen sie haben. Nachdem sie mir gehören, sollen sie angst davor haben in meine Ungnade zu fallen. Mäc: Charlie, wenn wir hier raus sind, werden wir die Könige der Straßen.

Er kommt aus dem Gefängnis, steht auf der Straße und sieht sich um. Charlie: So, was fangen wir nun mit der neu gewonnenen Freiheit an?

Commandante Che Guevara

Charlie versuchte alle möglichen Jobs: Aushilfskellner, Barmixer, Vertreter für Tiefkühlkost, Tankwart, Fernsehregieassistent, Zuhälter

Auf einer Party geht Manson auf ein blondes, buntgekleidetes Mädchen zu Charlie: Was hältst du von frier Liebe? Susanne: (Mustert ihn, blinzelt) Viel! - Und wie steht’s mit dir?

Bald hatte Charlie eine neue Familie um sich gegründet. Bald lebten sechs Jungs und über 10 Mädchen gemeinsam auf einer Ranch und es sollten immer mehr werden. Charlie stellte sich als geeigneter Führer heraus. Er konnte Menschen beeindrucken, er konnte sie förmlich mit Wort und Tat in seinen Bann ziehen. Vornehmlich waren es auch 18 bis 21-jährige Mädchen, die leichtgläubig einem solchen Charakter folgten und früher oder später alles für ihn tun würden. Sie bewunderten ihn für seine Lebenserfahrung, erzählte er ihnen doch alles von seinem bisherigen erfüllten, interessanten Leben, das er gegen die verlogene Gesellschaft geführt hatte. Autodiebstahl und weitere Verbrechen, das Leben im Gefängnis mit Kriminellen, Mördern, Vergewaltigern. Er hatte schon alles erlebt, alles mitgemacht und dafür bewunderten ihn die Leute um ihn und schlossen sich ihm an, um auch ihren Frust an der kapitalistisch orientierten Gesellschaft abbauen zu können und um einfach eine gute Zeit zu haben.

Hello Darkness

Die Familie unternahm beinahe alles miteinander und jeder trug für das Gemeinschaftswohl seinen Teil bei. Sie richteten die Ranch für ihre Zweck ein, es wurde gemeinsam gegessen, über Politik, die soziale Gesellschaft, über Gott und die Welt zusammen diskutiert, wobei sich immer deutlicher herauskristallisierte, daß Charlies Meinung scheinbar auf die größte Erfahrung beruhte und vor allem am konsequentesten; wenn auch am extremsten war. „Die Tendenz geht immer gegen Extrem!“, erklärte er, wenn ihn jemand beschwichtigen wollte. Charlie kam nach irgend einem LSD-Trip darauf, daß Angst eines der bewußtesten Gefühle sei. In ihr konzentriert sich ein Mensch auf nichts anderes mehr, er wird endlich nicht mehr von den Umwelteinflüssen und der ganzen betäubenden Informationsflut vom eigentlichen abgelenkt: dem Leben! Manchmal machten sie Ausflüge in die reichen Viertel der nahe gelegenen Stadt, stiegen in Häuser ein und ließen sich auf einer Woge von Angst gleiten und treiben. Es war dann Charlies Aufgabe, über den Dingen zu stehen und die anderen damit zu beruhigen, daß die feinen Pickel einem nichts machen würden, weil sie es seinen, die Angst zu haben brauchen. Sie wären es, die etwas zu verlieren hätten und deshalb würden sie nur dastehen und wollen, daß man ihnen alles nimmt, nur nicht ihr Leben.

Hey Joe (Jimi Hendrix) Charlie hatte irgendwo her eine ziemlich gute Kamera und damit machten sie Filme, die zum Teil surreal waren, aber auch gewaltverherrlichende Teile mit Messerstechereinen als Schattenspiel und beinahe realistischen Szenen enthielten. „Es war eine verrückte Zeit!“ sagten die Mädchen später. Gewalt war für Charlie der notwendige Ausweg aus der gesellschaftlichen Ohnmacht und der Unterdrückung. Ohne sie würden alle früheren Sklaven heute noch Sklaven sein. Nachts gingen sie in den Wald, hängten Leintücher an den Bäumen auf und zeigten mit ausgeliehenen Abspielgeräten ihren Freunden die Filme, die nicht selten so begeistert davon waren, daß sie die Familie häufiger besuchten oder sich ihr anschlossen. Vor allem gefielen die Filme über Drogen- und Sexorgien, die mit psychedelischer Musikund Bildern mehr Ausdruckskraft erlangten. Zahlreiche kurze Gruselfilme mit Katzen- und Hundeopfer verpaßten den ganzen Vorführungen noch ein exzentrisches, okkultistisches „I“-Tüpfelchen.

Piggies (Beatles)

Charlie hatte schon lange die Idee, irgendwie den feinen Leutchen, der gehobenen Schicht eins auszuwischen. Waren sie es doch, die ihn unterhielten, waren sie es doch, die ihm nichts mehr, kein besseres Leben gönnten, als das, was er hier führen mußte. Täglich mußten einige der Familie losgehen und sich ihre Nahrung und Geld zusammenklauen. Immer war man dazu genötigt, die feinen Reichen sehen zu müssen, die sich nur mit ihren Fingernägeln beschäftigen. Sein Groll, den er über die falschen Leute hegte, war größer und immer größer geworden. Sein Zorn auf diese Art von Menschen wuchs Stunde um Stunde und er verdeutlichte seinen Haß der ganzen Familie: Charlie: Das sind gar keine Menschen, das sind Schweine. Asoziale Schweine. Sie wälzen sich mit ihren weißen gepuderten Hinterteilen im Dreck, in ihrem Geld.

Bald kam Charlie der Gedanke, die Welt zu retten. Er wollte sie so verändern, daß nichts mehr war wie es war. Die Ersten sollten die Letzten sein und die Letzten die Ersten.

Inzwischen war die Familie schon viele Wochen beisammen und ein angehender Soziologe wollte sich von der geschlossenen Gesellschaft trennen. Das mißfiel Charlie natürlich, der keinen Widerstand dulden konnte. Jetzt, da er drauf und dran war die Welt aus ihren Angeln zu heben brauchte er jeden Mitstreiter und vor allem das Geld, das Auto und die Drogen des ehemaligen Mitglieds, welche jener in einem eigenen Labor selbst herstellen konnte.

Alkohol (Gang Green)

Trotz allem wuchs die Familie ständig. Als militärischen Flügel konnte Charlie ein paar Motorradgangs für sich gewinnen. Vor allem die Satan Slaves und die Straight Satans, die sich beide mit SS abkürzten und die okkultistischen Handlungen der Familie als gut empfanden, waren nun beinahe ständig auf der Spahn Movie Ranch anwesend. Charlie ließ sie hier ihre Motorräder abstellen und reparieren, obendrein hielt er die Mädchen dazu an, die Rocker in allen Belangen zu verwöhnen und zu befriedigen. Donkey Dick Dan, der sich ebenfalls auf der Farm einnistete, war wie Charlie ein Waffenfan. Zusammen errichteten sie ein Munitionslager und eine Waffenkammer auf der Ranch. Zwischendurch gab es Reibereien und das Klima war nicht mehr so friedlich wie zuvor. Zu den Tischmanieren gehörte, daß die Hunde vor den Frauen zu essen bekamen. Donkey hörte schwarzen Jazz, was vielen ein Dorn im Auge war und die Mädchen waren verärgert, daß die Hengste auf der Farm kastriert wurden. Mit der Zeit war die Ranch einwenig heruntergekommen. Konzerte und wilde Nächte gaben der Ranch den Rest, aber ließen die Stimmung oben halten.

Journey to the center of eternaty (Ozzy Osbourne)

Mit seinen Vorlesungen, die Charlie gab, wußte er es geschickt bei den Zuhörern eine Paranoia auszulösen. Er sprach von einem Loch in der Wüste mit 12 Bäumen, die für sie Früchte tragen würden. Für jeden Monat ein Baum. Aus der Offenbarung der Bibel zog er parallelen auf sein Leben. Die „Pferde mit Brustplatten aus Feuer“ seien die geklauten Strand-Buggiers, die sie über die Zeit angesammelt hatten; die „vier Engel“, die einem Drittel der Menschheit den Tod bringen würden, sollten eine britische Boy-group, die Charlie wegen ihren zweideutigen und abartigen Texten so mochte, sein. Und das Drittel der Menschheit die stirbt, sollten die Schweine sein. Diejenigen, die jetzt durch ihr Geld so mächtig waren. Mystisch klang alles was er prophezeite. Das Universum würde sich auftun und alles im magischen Paradies enden, wenn man seiner Lehre folgen würde.


9. August 1969 Sharon Tate ermordet! In einer Villa in Los Angeles wird ein Verbrechen verübt, das Entsetzen in aller Welt auslöst. In dem Gebäude, das dem polnischen Filmregisseur Roman Polanski gehört, werden fünf Menschen auf bestialische Weise umgebracht, darunter die schwangere Frau des Regisseurs, die Filmschauspielerin Sharon Tate. Als Täter kann die Polizei später einen gewissen Charles Manson und seine Gefolgschaft festnehmen.

Helter Skelter (Beatles)

Mit dem Blut von Sharon Tate stand in großen Buchstaben „Pig“ an der Wand. 17 mal wurde auf die schwangere Frau eingestochen. Charlie hatte ein paar Jünger seiner satanistischen Familie auserwählt und ihnen angekündigt, daß die Zeit für Helter Skelter, wie er sein Projekt bezeichnete gekommen sei und sandte sie aus, um zu töten. Ein beliebiger, planloser, völlig willkürlicher Mord sollte der Auslöser für eine größere Aktion sein, zuvor wurden von der Familie allerdings für die Öffentlichkeit unaufgeklärte Morde begangen. Einer zum Beispiel an dem schwarzen Soziologen, der sich von der Familie trennen wollte. Er wurde in seiner eigenen Wohnung über Tage hinweg gefesselt und gefangen gehalten, bis er sagte wo sein Drogengeld versteckt war. Dann wurde er - entweder aus Angst vor Verrat, aus Panik oder sonst einem unergründlichen Anlaß hingerichtet. Mit dem Blut der Leiche wurde „Political Pig“ an die Wand geschrieben.

1970 Endlich gibt es nähere Informationen über das Vorhaben des Sektenführers und Massenmörders Charles Manson. Mit seinen Morden wollte er weiße gegen schwarze und schwarze gegen weiße Rasse aufwiegeln. Während er auf der einen Seite „Nigger“ an die Wände schmierte, nachdem er seine Morde an Dunkelhäutigen vollstreckt hatte, schrieb er „Pigs“ (Schweine) mit dem Blut der Leichen an die Zimmerwände seiner hellhäutigen Opfer. Manson nützte für seine grauenhaften Taten Hippies aus, die sich seiner Sekte leichtgläubig anschlossen und für ihn mordeten. Seine Opfer mußten für ihn mit „Vorliebe“ aus den gehobenen Kreisen sein, die „kapitalistisch veranlagt“ waren. Sein Plan sah vor, einen Rassenkrieg zu entfachen, den die Schwarzen wegen ihrer bislang unterdrückten Rolle, die zur Rebellenrolle wachsen sollte, gewinnen würden. Während dieses Krieges würde er und seine Gefolgschaft sich in der Wüste aufhalten und das Ende des Massakers abwarten, um danach wieder als Messias mit seinen Jüngern an die von „Schwarzen regierte“ Öffentlichkeit treten. Anerkannt, weil er die Krise vorausgesagt und die Revolution durchgeführt hätte. Eine wahnsinnige Psychopathenidee

19. April 1971 Todesurteil im Prozeß gegen „Satan“ Manson! Mit der formellen Urteilsverkündung werden in Los Angeles die Akten im „Mordfall Sharon Tate“ vorerst geschlossen. Die Hippie-Kommune unter Führung des sich selbst als „Satan“ einstufenden Charles Manson wird mit der Höchststrafe belegt: Sie lautet auf Tod in der Gaskammer. Manson wird sofort in die Todeszelle des Zuchthauses von St. Quentin gebracht, seine drei ihm blind gehorchenden Mädchen Patricia Kenzwinkel, Leslie von Houten und Susan Atkuns kommen in einen besonders gesicherten Zellentrakt des kalifornischen Frauengefängnisses in Frontera bei Sacramento, wo sie auf die Hinrichtung warten müssen. Noch im Gerichtssaal soll Manson gesagt haben: „Ihr erreicht nichts weiter, als mich von diesem an einen anderen Ort zu bringen!“

5. September 1975 Attentat auf US-Präsident Gerold Ford! Seit dem Mord an Präsident John F. Kennedy im Jahre 1963 ist kein Attentatsversuch auf einen amerikanischen Präsidenten bekannt geworden. Im September 1975 ist Gerold Ford jedoch gleich zwei mal in Lebensgefahr. Am 5. September richtet die 26-jährige Lynne Fromme eine Pistole auf Ford, als er ein Hotel in Sacramento (Kalifornien) verläßt. Sicherheitsbeamte werfen sich auf die Attentäterin und überwältigen sie, andere reißen den Präsidenten in Deckung. Später stellt sich heraus, daß Lynne Fromme zu der Gruppe der Charles-Manson-Anhängern gehört, der 1971 wegen Massenmord verurteilt worden war.

Manson Interview XXX

18. Februar 2003 Muß Charly doch dran glauben? Bis heute sitzt Charles Manson noch seine Strafe ab, da in dem Staat in den er versetzt worden war, die Todesstrafe abgeschafft wurde und alles hatte den Anschein, als würde Charles Manson recht behalten, wenn er nach seiner Verurteilung behauptete, es sei seinen irdischen Richtern nichts weiter gelungen, als ihn von einem an einen anderen Ort zu bringen. Heute noch hat Charles Manson Anhänger und das nicht nur in den Vereinigten Staaten, nein, seine Gefolgschaft ist weltweit Abnehmer von allen möglichen Manson-Artikeln. T-Shirts mit der Aufschrift „Free Manson“ (Befreit M.) sind auch heute und gerade heute wieder Reißer auf dem Markt, denn dieser Staat, der Manson bislang noch von der Vollstreckung der Strafe beschützt hat, ist drauf und dran die Todesstrafe wieder einzuführen. Wenn dieses Gesetz heute verabschiedet wird, muß eine erneute Geschworenengruppe darüber entscheiden, ob der Sektenführer und Massenmörder das Recht besitzt weiterzuleben oder ob sein geplantes Ende endlich Wirklichkeit wird.

Manson Interview R.P.: Was halten sie von den augenblicklichen Ereignissen? Manson: Scheinbar können sie sich nicht entscheiden. Einmal wollen sie mich um die Ecke bringen, dann doch wieder nicht und jetzt doch wieder. Aber die Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen zeichnet ja die Regierungen hier allgemein aus. R.P.: Bereuen sie eigentlich ihre früheren Taten? Manson: Ich mußte das alles tun, also, hab ich was falsch gemacht? XXX


19. Februar 2003 Endlich wieder Todesstrafe!? Das Unfaßbare ist eingetreten. Der Beschluß ist gefaßt. Im Manson-Staat gibt es wieder die Todesstrafe. Hier, vor dem Gefängnis hinter dessen Mauern sich Charles Manson, der Massenmörder der 60iger befindet, haben sich zwei Demonstrationsgruppen eingefunden. Eine Seite fordert den Tod des bereits ___jährigen, die andere Seite besteht auf das Verjährungsgesetz oder fordert einfach Gnade. Wir werden sehen was die Zukunft bringen wird.

27. Juli 2003 Satans irdisches Ende naht! Eine solch schnelle Beamtenleistung ist erstaunlich. Charles Manson wurde heute in seinem Wiederholungsprozeß, der ihn aufgrund der jahrelangen Schonfrist, die ihm durch die zwischenzeitliche Abschaffung der Todesstrafe gegönnt wurde, erneut von 8 Geschworenen zum Tode verurteilt. Der Prozeß wurde wiederholt, weil eine Verjährung des Urteils zur Diskussion stand. Jetzt wurde endgültig entschieden und es scheint, als wolle die Justiz Charly möglichst schnell unter der Erde haben, da sie die Vollstreckung auf nächste Woche Freitag verlegt haben.

29. Juli 2003 Jeden Tag zeigen alle Medien Bilder des Verurteilten. Seit dem Urteilsspruch findet Manson keine Ruhe mehr vor der Presse und die Regierung scheint dies noch zu unterstützen. Vergleiche zu Früher werden gezogen, als die Menschen nicht nur in Frankreich öffentlich ihren Kopf durch die Guillotine verloren, am Straßenrand erhängt oder erschossen wurden. Sinn dieser öffentlichen Morde war die Abschreckung der Gesamtbevölkerung um ihren Willen zu bändigen. (Filmeinblendung) Archivaufnahmen zeigen, wie auch heute noch in China zum Tode Verurteilte in einem Gitterlastwagen durch die Straßen der Stadt kutschiert werden, damit sie noch jeder begaffen kann und ein Exempel an ihnen statuiert wird, bevor sie dann - heutzutage allerdings nicht mehr öffentlich - hingerichtet werden.


Freitag 2003 Charlys Ende! Das ist also der Tag, an dem Charly Manson, der frühere Sektenführer und Massenmörder hingerichtet wird. Eines seiner Opfer war die damals schwangere Schauspielerin Sharon Tate, die Ehefrau des bekannten polnischen Filmregisseurs Roman Polanski. Charly wollte einen Rassenkrieg entfachen, um aus jenem als Herrscher, Führer oder als eine Art Messias hervorzugehen. Aber jetzt ist die Zeit für seine Anhänger gekommen Abschied von ihrer Kultfigur zu nehmen, denn heute ist der Tag, an dem Charly Manson sterben wird. Heute wird er für seine Morde mit seinem Leben bezahlen. Das Urteil wurde aufgeschoben, aber das ist - wie wir wissen - nicht aufgehoben.

Stimmen zum Todesurteil: (Interview) − Zu viel Trubel um so einen Spinner − Laßt ihn doch leben, dann wird er wenigstens nicht zum Märtyrer. − Macht ihn kalt! − Alle geilen sich an dem Tod auf, eine Wahnsinnsshow. Nicht schlecht für den alten Knacker. − Seine Ziele waren nicht so schlecht, die Schwarzen sollten auch heute noch mehr für ihre Rechte tun, aber den psychopathischen Weg, den er ging kann ich natürlich nicht vertreten. − Vielleicht schenkt er manchen Kapitalisten den Gedanken, daß sie nicht alles haben. − Für mich interessiert sich niemand, vielleicht sollte ich auch einige Leute umlegen oder ins Religionsgeschäft eintreten - oder beides. − Ich bin gegen Manson, aber ich bin auch gegen die Todesstrafe. − Wir wollen es ja nicht anders. Wir finden das ganze Spiel interessant, oder nicht?


Hardy: Ich hab schon einiges von dem Geisteskranken gehört. Wirklich kraß. Die Einzelheiten hast du wohl aus irgendeiner seiner Biographien!?? Sam: Ja, ich weiß aber nicht mehr genau wie das Buch oder der Verfasser geheißen hat. Es ist schon lang her, daß ich das geschrieben habe. Als ich das mit den Episoden mit der Todesstrafe gehört habe, war ich ruck zuck am Hörer, aber ich bin nie durchgekommen oder angenommen worden. Vielleicht war das Thema deinem Vorhörer zu verrucht? Hardy: Wenn du ihn kennen würdest, würdest du, wie ich, bestimmt nie auf den Gedanken kommen, daß Flopp etwas zu verkommen vorkommt. Womöglich ganz im Gegenteil. Wie es auch sei, gut, daß du doch noch durchgekommen bist. Die Geschichte ist bestimmt in der engeren Auswahl. Weiter.

Der gelbe Tod (von Norm)

Auf Erden gibt es viele Tode. Jeden Menschen begleitet sein gesamtes Leben lang, wie ein unsichtbarer Schatten, sein Tod, der je nach seiner Vorstellung Gestalt annimmt. Jeder bestimmt mehr oder weniger bewußt sein Bild. Es gibt natürlich noch die Vorstellung von dem schwarzen Sensenmann. Der graue Tod, der vor allem in heile Familienspielchen eintritt und oft als schwerster Schicksals(herz)schlag bezeichnet wird, ist weitläufig bekannt. Das Skelett und der Totenschädel sind auch noch gängige Vorstellungen. Es gibt aber auch noch die Tode, die Freigeister aus ihren Betten zerren und sie an sich verzweifeln lassen. Und es gibt natürlich den kunterbunten Tod, der den Erbleichenden ein Lächeln auf ihre letzten Gesichtszüge zaubern kann.

Nur Kinder und Leute, die im Sterben liegen, können diese Geisterwelt der Tode sehen und sie sehen die Begleiter des Menschen klar und deutlich; für die anderen menschlichen Augen ist er unsichtbar. Kinder erschrecken oder gewöhnen sich an die Gestalten, die aus der Vorstellung ihrer Vorfahren entwickelt worden sind und schaffen sich selbst ein Bild von ihrem eigenen Tod. Sie schaffen sich ihren eigenen Schatten. Wenn manche Sterbende ihren Tod erblicken ist es oft ein Schreckensbild, es kommt aber auch vor, daß sie sich selbst sehen (oder beides). Die verschiedenen Tode reden den Menschen immer wieder Furcht, aber auch Freude an dem Geschenk Leben zu. Die Tode verändern sich, wenn man die Einstellung gegenüber ihnen ändert.

Leute jedoch, die sich keine Vorstellung von dem Tod machen werden vom gelben Tod begleitet. Der gelbe Tod ist unter den Toden als Schweiger bekannt, er ist unscheinbar und ist in unserer Zeit der Mächtigste von allen geworden. Die Menschen sind sich ihres Todes nicht bewußt. Sie Leben ihr unbeschwertes Leben lang in Unwissenheit über ihren ständigen Begleiter. Diese Ohnmacht macht ihr Leben zu einem stetigen Sterben. Kinder können den gelben Tod nicht wirklich wahrnehmen, da er flink um seinen ahnungslosen Sterber herum tanzt, da er nie einen festen Bezug hat. Sterbende können den gelben Tod nicht erkennen, da sie ins Licht blicken. Auch wir werden von Licht geblendet.

Vorboten und Krankheitsbilder sind gelbe Finger und Zähne (Leute sagen, das würde vom rauchen kommen); gelbe Haut (Gelbsucht?); gelb eitrige Ekzeme ... .

Die meisten Menschen, die vorstellungsunfähig dem gelben Tod verfallen sind, fühlen sich so fröhlich und gut gelaunt, wie es ihnen nur möglich erscheint und wollen, daß es ihren Mitmenschen genau gleich ergeht und überreden sie zu der gleichen Ohnmacht


Hardy: Das ist jetzt aber erst der Hintergrund, oder? Eine Handlung läßt sich ja nicht direkt davon ablesen. Norm: Ja, die Geschichte kommt auch noch nach. Hardy: Gut, das mit dem Licht, von dem wir geblendet werden ist auch noch ausbaufähig, aber so weit, so gut, wir machen hier mal weiter.

UNTERHALTUNG

Hardy: (gibt einer Hörerin gerade Antwort auf ihr Vorgetragenes) Oh, Schleim. Da hat mir der Vormittag aber besser gefallen. Das ist ja voll in eine Liebesgeschichte abgedriftet! Carola: Ich weiß, da hat mich mein damaliger Freund während des Schreibens angerufen und so ist es einfach gekommen, daß der Sarkasmus durch Himmelei ersetzt wurde Hardy: Um es beinahe wissenschaftlich auszudrücken. Carola: Klar gefällt es mir auch besser, wenn die Geschichte nicht durch Liebe abflacht. Hardy: Schön gesagt! Carola: Aber so war es nun einfach. Hardy: Gut, dann wird es auch akzeptiert. Also gerade noch so! Carola: Danke. Hardy: Nichts zu danken. Außerdem hab ich gerade beschlossen, daß du ein Abendessen gewonnen hast! Carola: Holdrioh. Hardy: Allerdings mit mir. Während wir im Programm weiter machen, kannst du mir ja noch deine Adresse geben. Carola: Mal sehn ...


KOMMT MAN SICH NUR

                                    UNTERLEGEN VOR
  KOMMT MAN MIT DEM ÜBERLEGEN 
                                   NICHT MEHR NACH

Me and Boby McGee (Janis Joplin)

ON AIR


GULP Kleine Existenz (Y8) C 212 war auf seinem Planet eine kleine Existenz. Als C212, den sie bei sich Zuhause liebevoll Gulp nannten, auf die Erde kam und zufällig gleich auf dem interessantesten aller Länder der Erde landete, war er anfangs von überhaupt nichts geschockt. Die Leute dort waren kreativer, ausgefallener und in allen Bereichen extremer als anderswo auf Erden. In allen Belangen waren diese Erdlinge ausgefallener als auf vielen anderen bekannten Planeten, aber irgendwie kam ihm jedes Verhalten, jede Extravaganz schon bekannt vor, weil es auf seinem Planeten das schon alles „irgendwann“ gegeben hatte und er wußte auch sofort, daß die Wesen hier auch „irgendwann“ in der Lage sein würden, wirkliche Spannung zu entwickeln, den Nervenkitzel bis zum Wahnsinn zu treiben und die Unterhaltung zu einem unmeßbaren Höhepunkt aus Quanti- und Qualität zu bringen, wie das schon lang auf seinem Planeten der Fall war. Wo er herkam, war das ganze Drum und Dran um Unterhaltung aber nicht mehr so gern gesehen, weil einige Extremisten sich zu sehr auf einen Unterhaltungszweig spezialisierten und darüber ihre Aufgaben auf ihrem Planeten vergaßen und das entstandene Chaos zu einer unbeschreiblichen Katastrophe führte, von der hier lieber nicht die Rede sein soll, da nur Horror-Fanatiker und Soap-opera-Rezipienten einen wirklichen Hörgenuß an solchen Gemetzel-Intrigen entwickeln würden. Wegen der gut übersichtlichen Lage hier, hatte er den Zweck seiner Reise - die Erkundung der Erde - schnell erfüllt. Gulp fühlte sich nach der Registrierung des Entwicklungsfortschrittes den Erdlingen ein wenig überlegen, er ließ sich aber trotzdem gerne auf die noch unbedenkliche Unterhaltung dieser so harmlosen Wesen ein. Keiner stellte fest, daß er von einem anderen Stern kam, weil er sein Äußeres zum Abbild von dem ersten Menschen machte, den er sichtete, (der 3 Tage später in der Klapsmühle landete, weil er Gulp in seiner vollen strahlenden Schönheit sichtete und hiernach die Häßlichkeit auf Erden nicht mehr ertrug). Äußerlich hatte Gulp jetzt ein durchaus normales, ja beinahe durchschnittlich bürgerliches Aussehen eines Bankkaufmannes. Als Gulp die Leute von näherem betrachtete, erschloß sich ihm ein bislang noch unbekanntes Problem: irgend etwas verführte die Leute dazu böses, schlechtes, häßliches und einfach unverständliches zu tun, das so weit ging, daß sich als Tatsache herauskristallisierte, daß die Leute sich selbst zerstörten. Gulp erkannte sofort, warum es einen so großen Unterschied zwischen Unterhaltungsentwicklung und Verhalten der Erdlinge gab: Die Erdlinge wußten überhaupt nichts von ihrer Aufgabe auf dem Planeten. Irgendwer mußte vergessen haben es ihnen zu sagen. Vereinzelt traf Gulp Leute, die sich nach ihr fragten und noch seltener Leute, die die Aufgabe erkannt hatten, aber stillschweigend für sich behielten. Gulp hatte Respekt vor jenen, weil sie sich die Aufgabe selbst gegeben haben mußten. Sie konnten sie von niemand anderem erfahren haben. ansonsten wären bei ihnen nicht so entzückende Zweifel an sich zu spüren gewesen. Zum Großteil hatten die Erdlinge aber die Aufgabe nicht erkannt und nach weiteren Forschungen verspürte Gulp auch wenig Hoffnung für eine Verbesserung der Lage, weil den Erdlingen alles nicht schnell genug gehen konnte und sie doch gerade aus diesem Grund nicht zum Überlegen kamen, was ihnen vielleicht vereinzelt das Glück des Wissens über die Aufgabe gebracht hätte. Gulp war enttäuscht und verwirrt zugleich. Zwischendurch dachte er sich, es sei vielleicht besser so wie es ist, weil dann womöglich die vorprogrammierte Katastrophe die es auf seinem Planeten gab nicht geben würde. Er wollte nicht mehr lang daran weiter grübeln, er dachte schon wieder gerne an seine Rückkehr auf seinen Planeten, auf dem noch alles klar war, alle Aufgaben verteilt waren und er den Entwicklungsstand der Erdlinge darstellen und obendrein alle mit einem Satz schocken würde: „Sie kennen ihre Aufgabe nicht“. Danach würde er sich zurückziehen, und sich gemächlich auf das Vergessen dieser seltsamen Eindrücke besinnen. Leider konnte er sich aber bei seiner Rückkehr wegen eines beinah unerklärlichen Energieverlustes nicht mehr zu seiner eigentlichen Schönheit zurück verwandeln, um seine gewohnte kleine Existenz zu erlangen. Da gab es wahrscheinlich irgend etwas auf der Erde, was diese Umkehr zum herrlichen herkömmlichen verunmöglichte. Gulp muß noch heute irgendwo auf der Erde sein; immer die Hoffnung in seinem Herzen, daß die Erdlinge ihre Aufgabe erkennen werden und daß er nicht unsterblich ist. Für uns - die wir davon wissen - ist das aber womöglich nichts weiter als schade.

Hardy: Kein Kommentar.

OFF AIR

Hardy: (Streitet mit Bender) Was soll den das wieder gewesen sein? Warum kann der Typ bei uns durchkommen? Wir sind doch keine Telephonseelsorge, oder? Bekommen wir nichts besseres? Bender: Er hat sich mit einer anderen Geschichte vorgestellt. Hardy: Wieso kriegst du es nie auf die Reihe die Arabella- oder Fliege-Leute auszusortieren. Mir haben die kein bißchen was zu erzählen. So ein Scheiß! (winkt auf Benders Zuredungsversuch ab und geht).


Was ich sonst so träume (Anne-Fried)

Die Geschichte hier tauf ich glaub „Bergab“, weil, sie läßt sich einfach so gehen. Ich laß mich auch manchmal gehen, wenn ich an die Geschichte denke. Heute lasse ich mich hoffentlich nicht gehen, wenn ich mich daran erinnere, was da an meinem letzten Geburtstag passiert ist. Naja, es fing an dem 10. Juli ganz angenehm wohlig an: Es war ein wahnsinnswetter Sonnentag und ein paar Kumpels von mir: Jimi, Bob, Janis, John und ich hatten den Tag zuvor beschlossen eine kleine Tour mit Picknick und allem was dazu gehört zu machen. (Jim wollte auch mit, aber die Karre war voll). Wir frühstückten bei mir, packten ein paar Sachen und machten uns mit Bobs Kutsche auf den Weg. Plötzlich sagte John: Guck ein Eichhörnchen. Ich wußte mit seiner brillanten Sprachgewandheit nichts anzufangen, aber es erinnert mich an einen belehrenden Satz meiner Mutter: „Lindau liegt im Bodensee, und wer‘s nicht glaubt fährt selbst dahin.“ Wir waren alle gut drauf. Wir fuhren gleichzeitig so circa 367 km/h waagrecht und 493 km/h senkrecht nach oben. Nach der Polizei hielten wir natürlich Ausschau, denn wir wußten, daß es illegal war. Wir wollten ja nur so fahren, ohne großes Aufsehen zu erregen. Wir lehnten uns aus dem Fenster, setzten uns auf das Dach vom Auto und spielten Surfer. Es ging alles so furchtbar schnell, daß ich befürchtete meinen Geburtstag verpaßt zu haben. Ich wollte noch unbedingt etwas wichtiges für die Erde hier tun, aber mir fiel nichts ein. Ich holte einen Block, um mein Tagebuch für den Tag und für die Nachwelt meine Eindrücke aufzuschreiben. Leider hatte ich keinen Stift dabei, aber Jimi wußte Rat: Er riß eine Saite von seiner Gitarre und daraus konnte ich Buchstaben formen, die ich dann in mein Tagebuch klebte. Mir war auf einmal klar, wie alles einen Sinn bekam. Es kam über mich wie ein zuckender Blitz mit Feuerzungen. Irgend so ein Geist, der aus welchem Grund auch immer auf mich herab stieg, gab mir die Lösung des Lebens. Es reimte sich durch den Nebel der Gesamtheit vieler Gedanken zusammen. Ein einmaliger Einfall. Ich klebte behutsam und vorsichtig. Ich klebte, bis die Reinheit des Gedankenzuges in seiner vollendeten, herrlichsten Ververbalisierung vor mir stand: >>Ich mach mich hier rar und fahr, fahr, fahr, fahr<< Die anderen meinten, daß diese Worte genau das ausdrückten, wonach sie ihr Leben so lang gesucht hatten, aber ich wußte ganz genau, daß ich schon bessere Sachen geschrieben hatte. (Aber man hilft ja gern bescheiden ...) Ja, wir waren alle glänzend drauf und so ungefähr nach einer halben Stunde fragte Bob dann, wohin wir eigentlich fahren würden. Keiner von uns wußte genau wo wir waren und wir stimmten ab und entschieden irgendwo zu sein; allerdings trotzdem wieder irgendwann auf den festen Boden der Tatsachen zurückzukommen. Nach einer viertel Stunde freiem Fall waren wir unten. Die Stoßstange federte uns noch einige Meter seitwärts, dann hielten wir direkt vor einem weißen Haus. Uns war‘s von dem abrupten Halt etwas schlecht geworden, deshalb stiegen wir aus unserem 300 m langen Wagen und übergaben uns ganz kräftig. Wir überdeckten mit unserem Erbrochenen eine Statue, die in entfernter Nähe von dem weißen Haus stand oder saß – ich weiß nicht mehr so genau. Das lockte viele Schaulustige. Um dem ganzen Schleimschlamassel noch eine gewisse Note zu verleihen schrieb Janis noch auf einen Briefumschlag, den sie flink zur Hand hatte: „Frisch gestrichen“ und legte es an die Statue, für alle gut sichtbar . Wir hatten einen üblen Mundgeruch, wußten aber, daß wir leichter einen schlechten Geschmack im Mund hatten, als solche Kleider wie die Statue tragen zu müssen. Ein wirklich schlechter Geschmack war das. Dann gingen wir zu einem nahegelegenen rechteckigen Teich und spülten uns den Rachen. Naja, das war noch nicht das schlechteste von dem Tag, bisher war alles noch ziemlich ruhig verlaufen. Wir machten ein Picknick. Bob, John und ich aßen ein wenig und ruhten uns dann aus, um uns von der Muse küssen zu lassen, die im gelobten oder besagten gesegneten Land manchmal nicht lange auf sich warten läßt. Während sich die Muse an diesem Tag doch Zeit ließ, schossen sich Janis und Jimi noch eine Palette Bierdosen durch den Kehlkopf. Es war ein herrlicher Nachmittag geworden, bis John einfiel, daß wir noch irgend etwas für den Frieden auf der Welt tun müßten. Ja, wir stellten einige Peace-Plakate auf, nannten sie „Session GUT“ und legten uns wieder hin. Janis wollte der Statue unbedingt noch ein Kind dazu kotzen, schaffte es aber nicht so recht. Als dann Jimi beinahe noch an Janis erbrochenem erstickte, waren wir uns einig, jetzt konnten wir wieder heim. Nachdem ich dann kurz nach 4.00 Uhr den kompletten Hair-Film geträumt hatte, war es dann endgültig so weit, wir gingen mit den 115000,-- Mark, die wir uns nebenbei mit einem Glühweinstand verdienten, nach Hause. Um 5 vor vier Uhr trotteten wir dann also endlich in unser Anwesen ein. Wir dachten, daß uns unser Personal schon Pantoffeln und Fernbedienung entgegenreichen würden und wir nur noch 33 Geburtstagstorten zu löschen hätten, um uns dann - wie geplant - in den Whirlpool sacken zu lassen, damit der Bademeister was zu tun hätte. Weit gefehlt! Als wir ankamen wartete die Polizei auf uns, scheinbar erfreut darüber, daß sie dem Steuerzahler unsere Hinterziehungen wieder überschreiben konnte. Das war auch weit gefehlt. Ein Polizei-Sheriff trat zu mir heran und sagte mit düsterer Stimme: „Wir haben neben dem verkotzten Lymkolm-Denkmal einen Brief gefunden, auf dem ihr Absender geschrieben steht. Haben sie dazu etwas zu sagen.“ Ich sagte: „O ja, Herr Offizier, ich kann sie nicht belügen, wir haben den Brief neben dem verkotzten Lyncoln-Denkmal aufgestellt. Danke, daß sie ihn uns wieder gebracht haben, aber das wäre nicht nötig gewesen, das war durchaus kein wichtiger Brief. Trotz allem, danke ...“ Wir unterhielten uns dann noch so 3 Stunden in der Untersuchungshaft und es wurde dann festgelegt, daß wir am nächsten Tag die Statue zu reinigen hätten. Wir wurden wie die größten Verbrecher behandelt. Nur weil wir unser Inneres nach außen brachten wurden wir verurteilt. Das war ja wie im Mittelalter. Leute, die ihr Innerstes nach außen tragen, werden von der Öffentlichkeit nie respektiert. Wenn es einem schlecht geht, muß man ja bekanntlich nie selber dafür sorgen, daß es einem gleich darauf noch schlechter geht. Wir mußten über die ganze Nacht mit den schrecklichsten Verbrechern vom ganzen Land unsere Knastunterkunft teilen. Die 13-jähriges Alanis aus unserer Zelle sagte, sie hätten ihr einen Lutscherdiebstahl angehängt. Ein weiterer Junge wurde bezichtigt auf einem öffentlichen Rasenplatz Go gespielt zu haben. Er leugnete jegliche Anschuldigung. Aber was, wenn er es doch war? Wir hielten uns jedenfalls von ihnen fern. Zur Ablenkung dachten wir über unser Schicksal nach, das es mit harmlosen „Inneres-Nach-Außen-Lassern“, wie wir nie gut meint. Wir fragten uns, wieviel wirkliche Verbrechen unbestraft bleiben? Wieviel Gauner und Halunken konnten der Polizei schon durch ihre löchrigen Lappen gehen. Aber wir, die wir anständige, teils steuerzahlende bürgerliche Bürger waren, uns schlossen sie hinter Schlösser und riegelten uns hinter so manchen Riegel. Der Tag danach fing schon um halb acht an. Unsere Köpfe dehnten sich an der Gefängniswand entlang und quetschten sich durch die Gitterstäbe an der Tür und schienen das Gefängnis zu sprengen, aber leider hielt der Kater nicht das was er versprach. Das war alles kein Traum. Jimi spielte lebensfroh seine Frühstücksexperience und Bob gab uns mit einigen seiner komponierten Stücken ein Rätsel auf. Janis sagte, sie hätte es schon beantwortet, schwieg und schlief weiter. Endlich kam ein zuständiger Beamter in seiner farbenfrohen Tracht. Er hielt dann einen Zettel hoch und eine Stunde lang eine Ansprache. Keiner von uns hat irgend etwas von dem Geleiere verstanden, es war womöglich eine Sprache, die wir so nicht verstehen konnten, deshalb haben wir wahrscheinlich wegen Verständigungsproblemen die Sprache nicht verstanden. Er gab uns den Wisch und vor Jim ihn mit seiner Gitarre in der Luft zerstückelte, glaubte ich noch folgende Buchstaben wahrgenommen zu haben: Sie haben sich zu Rast gelegt ... Die Buße beläuft sich auf 3000,-- Marken. „Erst die Muse, dann die Buße“ Bob machte einen Song draus. Ein schüchterner Bengel, der seinen Vater vergewaltigt haben soll, fragte, was wir verbrochen hätten, daß unsere Strafe so ungnädig ausfalle. Wir erklärten ihm, daß es uns in Washington schlecht wurde und wir einen Briefumschlag liegen ließen. Seinem Gesichtsausdruck nach muß er sich vorgekommen sein, wie der Papst im Knast. Wir plauderten noch ein bißchen, er bat uns von seinen Mixed Pickles an und wir hatten eine wirklich gute Zeit, bis uns der Polizeimann nach einer knappen Minute in Handschellen ausquartierte. Wir quartierten schnurstracks in einen Streifenwagen (den John später in einer Seauce enthemmt und eigenhändig verbrannte) Auf der Fahrt erklärten wir den Bewaffneten von uns, daß wir mit dieser Tat nur für Mißverständnisse ein Denkmal setzen wollten, weil diese ja immer zum Reinspeien seien. Was uns auch brillant gelang. Am Tatort des Mißverständnisses verstanden wir unsere eigenen Worte besser: kaum hatten wir 12 Kilo aufgewischt, mußten wir uns wieder dem Reiz ergeben, bis alles von uns im Eimer war. Wirklich zum Kotzen was?

Jetzt hab ich mich schon wieder gehen lassen. Jedesmal, wenn ich an meinen Geburtstag denke, kommt’s mir hoch.

Hardy: Oh mein Gott! Nächster!


Die letzte Jahreszeit oder: „IMMER NOCH“ (von Steaven)

Obgleich es bei näherem betrachten dieser Episoden nicht immer direkt um das „zum Tode verurteilen“ geht, ist „Die letzte Jahreszeit“ eine Sammlung von Geschichten über die Todesstrafe in verschiedenen Ländern. Nicht überall auf Erden wird gleich über Würde (nach-)gedacht, nicht überall versteht man das gleiche unter einem Menschenleben. Es gibt hierfür keine universelle Selbstverständlichkeit. Diese lebensnahen Erzählungen öffnen die Augen der Menschen so sehr, wie die Menschen ihre Augen verschließen werden, wenn sie ihr Spiegelgesicht in diesem Bild erkennen.

Die Episoden Rußland, Deutschland, Israel und USA haben wir ja schon gehört.




Kafkas Tierleben

Kafkas Tierleben setzt sich aus verschiedenen Episoden zusammen.


Episoden:

• Die Verwandlung (als Leitfadengeschichte) • Bericht an eine Akademie (Ein gezähmter Gorilla kommt des öfteren zu Besuch und diktiert der Mutter von Gregor Samsa) • Der Geier (Dem Großvater 2 von Gregor passiert ein ungewöhnlicher Unfall auf dem äußeren Fensterbrett ...) • Die kleine Fabel (Die Maus ist Beobachterin und Sprecher der Verwandlung. Die kleine Fabel markiert das Ende der gesamten Geschichte.) • Der Hungerkünstler (Großvater 1 ist ein arbeitsloser Hungerkünstler und trainiert bei den Samsas) • Forschungen eines Hundes • Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse?? • Der Riesenmaulwurf???


PERSONEN

GREGOR SAMSA: Gregor Samsa (30) ist die Hauptperson der Rahmengeschichte. Ihm widerfahren mehrere tragisch-komische Missgeschicke (Kostüm klemmt, er kann sich nicht helfen lassen, ...). Er beobachtet, wie die Gesellschaft scheitert, scheitert an dem, was von der Gesellschaft übrig bleibt und scheitert im eigentlichen an sich selbst. VATER: Sein Vater ist ein arbeitsloser, depressiver Zirkus-Clown, der öfters mit Torten und Äpfeln nach ihm wirft. SCHWESTER: Seine Schwester ist eine Seiltänzerin. Gregor liebt sie. Immer! Ihr Verhältnis zu ihm ändert sich allerdings im Laufe der Geschichte. Anfangs besitzt Gregor ihr Vertrauen und auch Mitleid; später möchte sie das Ungeziefer aus dem Haus haben, da ES zu überhaupt nichts mehr nütze ist ... MUTTER: Seine Mutter ist eine ehemalige Dressurreiterin. Nach einem Sturz ist sie querschnittsgelähmt und für ihr restliches Leben an den Rollstuhl gefesselt. Sie bringt der Familie nach Gregors „Berufsausfall“ durch Diktataufnahmen einen kleinen Nebenverdienst. GORILLA: Ein gezähmter, sprachbegabter Gorilla kommt regelmäßig zu den Samsas um der Mutter Abschnitte eines langen “Briefes an die Akademie“ zu diktieren. Er bezahlt sie gut dafür. GROSSVATER 1: Sein Großvater 1 ist ein arbeitsloser Hungerkünstler, der am Zirkus keine Attraktion mehr ist und deshalb bei den Samsas wohnt. Unnötigerweise trainiert er seine Enthaltsamkeit auch noch hier. GROSSVATER 2: Sein Großvater 2 ist ein unauffälliger Mitbewohner in dem kleinen Haus der Samsas, bis er eines Tages aus heiterem Himmel auf dem Fenstersims von einem Geier angefallen wird. Großvater 1 möchte ihm helfen, die Hilfe kommt allerdings zu spät. PROKURIST: Der Prokurist möchte Gregor Samsa nach seinem Fehlen bei der Arbeit zu Hause abholen, als er feststellt, dass sich Gregor in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt hat. 3 HERREN: Da Gregor kein Geld mehr verdienen kann, entscheidet sich die Familie 3 Herren zur Untermiete aufzunehmen. Es handelt sich um junge, strebsame, unfreundliche Geschäftsleute.


Die Verwandlung Als Gregor Samsa an jenem Morgen erwachte, entschied er sich für sein „Ungeheures-Ungeziefer-Kostüm“.

Klaus, die Maus im Haus, berichtet als neutraler Erzähler von Gregor, der nicht mehr aus seinem Lack-Leder-Kostüm heraus kommt. Sein Kostüm schnürt ihm die Kehle zu. Sein Mund ist verriegelt. Da Gregor sich nicht mehr verbal äußern kann, ist jede seiner Handlungen offen für Interpretationen, die eine Welt zulässt, die auf Kommunikation angewiesen ist. Die Situationen warten förmlich darauf ausgelegt zu werden. Es entstehen Bilder der Verzweiflung, des Glück, der Orientierungslosigkeit und der Erwartung, dass mehr Interpretation entsteht.

Gregor Wunsch war immer, dass er seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachkommen und sich und seine Familie nicht mehr ernähren muss. Als er an jenem besagten morgen sein Kostüm nicht mehr ablegen kann, erscheint es ihm wie eine zufällige und doch selbsterfüllte Prophezeiung.

Die Familie reagiert irritiert. Ist Gregor psychisch krank, sturköpfig oder nur ein Drückeberger vor der Arbeit? Sie versuchen ihn zur Vernunft zu bringen. Er solle doch das Käferkostüm wieder ablegen. Es legt jedoch keiner an ihn Hand an, da Gregor bereits eine Woche zuvor schon allergisch mit Rundumschlägen die Eingriffe in sein Privatleben erwidert hatte.

Der Prokurist der Firma, der sich wegen Gregors Ausbleiben erkundigen will, verlässt entsetzt die Wohnung, als er ihn erblickt. Gregor hätte diesem gerne eine Erklärung gegeben, aber Gregor versteht nur was die anderen sagen, kann selbst jedoch nur unartikulierte Laute von sich geben. Schnell wird deutlich, dass er diese Arbeit nie wieder zu erledigen hat. Ihm wird gekündigt.

Gregor versucht aus der Wohnung auszubrechen, da er sich von seiner Familie keine Befreiung aus dem Kostüm verspricht. Doch Gregor muss zuhause bleiben. Die Schande will der Vater nicht auf die Straße lassen. Anfangs lässt seine Familie ihm noch einige Anteilnahme zukommen, die Schwester kümmert sich um seine Bedürfnisse, doch mit der Zeit verwahrlost Gregor zunehmend. Die Eltern konzentrieren sich zunehmend auf ihr normales Kind und die Schwester erlangt somit eine unerwartet gehobene Stellung in der Familie. Gregor ist zu nichts mehr nutze. Er erscheint vor den Familienaugen nur noch als Parasit und Schmarotzer.

Mutter Samsa hat indes einen Job angenommen. Sie schreibt für einen Affen Briefe. Der Affe diktiert ihr Briefe an 'Hohe Herren' einer Akademie. Er berichtet von seiner allmählichen Menschwerdung. In Afrika wurde er mitten aus seiner Herde heraus angeschossen, auf ein Schiff geschleppt und nach Europa gebracht, um dort verkauft und dressiert zu werden. Im engen Schiffskäfig auf Unterdeck wurde ihm klar, dass eine Flucht unmöglich war und dass ihn nur eines retten konnte: Er musste sich anpassen und einen Ausweg finden. Er begann damit, dass er sich der insgesamt freundlichen Besatzung des Frachters anpasste, dass er die Pfeife rauchte, sich zum Schnapstrinken überwand ¬ und mit einem Mal entfuhr ihm auch ein menschlicher Laut. Also brauchte er nur so zu tun, als sei er ein Mensch, und schon würde ihm die Menschennatur zuteil werden.

Der Affe war begeistert von Gregors Verwandlung. Er interpretierte eine prächtige Extravaganz in den Charakter des Gregors hinein und streichelte ihn gerne behutsam, während der Diktatzeit.

Der Affe verglich Gregor mit sich selbst. Äußerlich ist er selbst Tier geblieben. Er hat nach wie vor ein Fell und tritt im Varieté auf. Er konnte jedoch seine Affennatur ablegen und sich die durchschnittlichen Kenntnisse und Fertigkeiten eines Mitteleuropäers aneignen, um nicht hinter den Käfiggittern eines Zoos zu landen. Gregor hingegen sei womöglich innerlich auch noch Mensch, aber das wisse man ja nie so genau ...

Die Erzählermaus berichtet dem Affen von einer nahen Verwandtschaft; einer Hausmaus, die ebenfalls menschliche Züge angenommen hätte: »Ach«, sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« - »Du musst nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.

Während die Erzählmaus ihre Geschichte erzählt, wird Gregors Großvater auf dem Balkon von einem Geier unbarmherzig zerfleischt. Der Großvater hätte sich gegen das Tier wehren könnte, allerdings gibt er seinen Lebenskampf teilweise begründet und doch bis in tiefste Abgründe unvernünftig auf. Keiner nimmt Notiz davon. Nur die Erzählmaus läuft nach ihrer Verwandtschaftsgeschichte hinaus und holt sich einen kleinen Knochen, um jenen in ihrem Bau zu vernaschen.

Als Gregor sich eines Nachmittags mal wieder ins Wohnzimmer verirrt, verliert der zunehmend entnervte Vater die Beherrschung und wirft mit Torten und Äpfeln nach ihm. Ein Apfel bleibt in seinem Rücken stecken und ruft eine Entzündung hervor. Gregor zieht sich wieder in sein Kämmerchen zurück und blickt aus dem Fenster.

Auf dem zweiten Balkon des Hauses sitzt der zweite Großvater. Gregor bewundert ihn, denn dieser ist Hungerkünstler. Aber auch für ihn sind schlechte Zeiten angebrochen. Früher hatten die vorbeiflanierenden Leute noch bewundernde Blicke für ihn übrig gehabt. Heute geht jeder achtlos an dem „armen Irren“ vorüber. Gregor sieht seinem Großvater nur ungern bei seinem schleichenden Sterben zu. Liebend gerne hätte er ihm Hilfe angeboten oder nur andere auf dessen ausweglose Situation aufmerksam gemacht. Aber Gregor ist in sich gefesselt und kann nicht einmal einen aufmunternden oder erlösenden Satz zu dem Hungerkünstler sprechen. Nichts dringt an dessen Ohr.

Während sich Gregor tödlich angeschlagen in seinem verdreckten und abgedunkelten Zimmer aufhält, beobachtet er die Vorgänge in dem Haus: Die Eltern und seine Schwester haben eine Arbeit gefunden und an drei Herren wurde untervermietet. Das kleine Haus platzt dadurch beinahe aus den Nähten. Gregors Zimmer verkommt zur Höhle. Die Familienmitglieder schlafen alle in einem anderen Zimmer. Die 3 Herren teilen sich ebenfalls einen Raum. Eines Abends steckt Gregor seinen Kopf wieder ins Wohnzimmer, während sich die Untermieter dort aufhalten. Es kommt zum Eklat. Für die Familie steht nun fest, dass er fortgeschafft werden muss. In diesem Augenblick verlassen Gregor seine Kräfte ¬ er schleppt sich mit letzter Kraft in sein Zimmer und stirbt.


HOT SHOTS


Der kleine Prinz (Neufassung) (von Sahab)

Der kleine Prinz sollte wirklich neu verfilmt werden. Mit Drogenproblemen in Hamburg, Waffenmachenschaften und freizügigen ....


Verloren

Der Vater Hippie, die Mutter anerkannte Tänzerin, die Tochter Neonazi! Was will alles erwarten?


UMFRAGE

Hardy: Wir machen mal eine Zwischenumfrage. Habt ihr eigentlich nicht mehr als das was da jetzt noch kommt? Ihr wiederholt euch, langweilt und bezeichnet es als neue Welten, große Charaktere, alles sagende Metaphern. Was man will. Jede Variation von Liebe, Freiheit und Tod. Beklopptes Gesabbel um den kalt gewordenen Brei, sag ich. Das Gesagte, angebliches erkennen. Ein Möchte-gern-clever-sein. Psychologische Spielchen mit dem Gemüt. Vorgetäuschte Philosophie. Versteckte Weltverbesserer Selbstbefriedigung. Abstraktionsversuche von Vernünfteleien. Geistiges Saxophon geeire. Jane: Man muß heutzutage extrem sein, um zu landen! Hardy: „Man muß heutzutage extrem sein, um zu landen!“ Wenn ich das schon höre. Extreme wurden längst zum langweiligsten überhaupt und außerdem: Wer will denn überhaupt landen. Jeff: Ist doch genial, wenn man sich der Infoflut hingeben kann. Hardy: Ja, wir leben im Infozeitalter der Geistesverherrlichung. Wir verbergen unser Nichtswissen kreativer als früher, was aber nur zu einer langatmiger werdenden unteren Unterhaltung beiträgt. Jane: Aber was will die Sprache sonst machen? Jeff: Genau, ich glaub, du erwartest zu viel von der Sprache. Sie entsteht aus dem Rationalen und kann sich nie mehr als den Anschein zu mehr geben. Emotionen kannst du durch sie andeutungsweise versuchen zu wecken, aber vermutlich kann Sprache nicht einmal alle Gedanken – egal, wie bewußt sie auch sein mögen – ausdrücken. Niemand: Es bleibt der Ewige Versuch zu einem Ziel zu gelangen oder, wie bei allem: das Gegenteil! Wir haben keine Möglichkeit uns absolut zu verstehen. So idealistisch kann niemand sein. Jane: Ich hab das sowieso immer vorausgesetzt, daß man sich nie genug Verständnis entgegenbringen kann. Also: Was willst du? Hardy: Die leeren belanglosen Angriffe auf das Gefühl ist doch einfach zu banal! Machen wir uns doch nichts vor: es ist doch alles immer und immer wieder das gleiche hier. Wie sollen wir da unsere Episoden zusammen bekommen, wenn keinem etwas besonderes einfällt? Es will nur scheinbar interessant sein. Hören wir nur noch mal kurz in die Schaltungen der Hot Spots hinein.

• In dem Film „Check das Mann“ geht es um sprechende Marihuanapflanzen, die Tiere dazu überreden, eine Revolution auf Erden durchzuführen, um es den Menschen heimzuzahlen. Ihre Codeworte lauten „Check das Mann, du bist tot!“ Die Menschen sollen für Umweltverschmutzung und Hanfverbote bestraft werden. Schließlich stellt sich aber alles als abgefahrene Wahnvorstellung von einem durchgeknallten Kiffer heraus – oder vielleicht auch nicht – wer weiß!?? Hardy: Danke!

• Die krebskranke Lilly erfährt kurz vor ihrer Operation vom Tod ihrer lesbischen Mutter... Hardy: Danke!

• Meine Geschichte geht um die blinde Evanuell, die mit dem stummen Paul und dem tauben Elmar eine außergewöhnliche Dreiecksbeziehung anbandelt... Hardy: Danke!

• Check den Vers, den ich bringe; den ich räppe und nicht singe. Tsch, tsch, tsch ... . • Also, ehm. Also in meiner Action-Komödie .... Hardy: Danke! Um jeden Preis interessant sein, was?

Niemand: In meiner Geschichte geht es um so etwas ähnliches wie um einen Radiomoderator, der eine Geschichtenshow hat. Hardy: Dann leg mal los. Ich hoffe nur, du willst dich nicht einschleimen. Niemand: Nichts liegt mir ferner. Du wirst schon sehen.

Niemand stellt sich hierzu etwas vor. Hardy und seine Kollegen hören sich die Geschichte nur an, die da aus dem Telephon kommt. Manchmal sieht man Rückblenden auf den bisherigen Handlungsverlauf. Kurzszeneneinblendung, wie Hardy Jody kennenlernte usw..

BRAIN (Niemand)

Mit einer neuen Methode einer Gehirnforschung lassen sich ganze Lebensläufe in elektrische Wellen umwandeln und in einem anderen Gehirn wieder zu Eindrücken von Erziehung und Erfahrung umwandeln. Diese Methode ermöglicht einen Umfassenden Überblick über Persönlichkeiten und soll die eigene Identitätsfindung erleichtern. Wissenschaftler sind stolz auf ihre Erfindung und machen sie illegaler Weise für jeden über das Internet zugänglich. Das nötige Zubehör: ein Siber-Space-Helm wird von verschiedenen Videospielfirmen für wenig Geld vertrieben. Im Chatroom werden Gehirnströme ausgetauscht. Lebensgeschichten von Teilnehmern werden autarker veröffentlicht, als Biographien jemals geschrieben werden können, und das alles mit dem nicht unwesentlichen Vorteil, daß der Gesamteindruck nach einer Minute zusammengefaßt ist. Die Möglichkeit alles erleben zu können, macht dieses Medium zur Droge. Eine Sucht zur Persönlichkeitsanreicherung stellt sich bei den Teilnehmern ein. Stars von Musik und Film stellen ihre Persönlichkeit der Öffentlichkeit (manchmal nicht freiwillig) für viel Geld zur Verfügung. Da die Dateien nicht in Wort und Tat zu fassen sind, haben die speicherintensiven Computerfirmen ein Monopol auf diesem Markt. Natürlich gibt es Leute, die Mißbrauch betreiben. Junkies verwenden dieser Methode, um mit den anderen Teilnehmern zu spielen. Ein ständiger Deal von flashigen Persönlichkeiten ist an der Tagesordnung. Persönlichkeiten von Pennern werden während sie schlafen ins Internet gestellt. Sozialgemeinschaften bringen Lebensläufe von Kindern der 3. Welt ins Netz und bereichern sich an den Spendensummen. Vor allem die Teilnahme von Geisteskranken ist beliebt, da diese die Ungewöhnlichsten Strukturen aufweisen und unglaubliche Störungen zur folge haben. Solche Störungen sind teilweise gewollt, da die meisten Abnormalitäten mit einer „Psychiatereingabe“ wieder behoben werden können. Immer mehr wird das Spiel mit Persönlichkeiten zu einem „Russischen Rollette“. Viele Teilnehmer treibt es in den Wahnsinn. Einige Psychopathen wurden von gesunden Menschen angeschlossen, Teils aus wissenschaftlicher Neugier, Teils aus unbedachter Willkür. Eine Epidemie bricht aus, als sich die psychischen Störungen wie ein Lauffeuer verbreiten. Der Drang zur Kommunikation der neu Infizierten läßt die Krankheit wie ein Kettenbrief um sich greifen. Es fehlt der Messias, der die Leute heilen könnte. Religiöse Gruppierungen haben Hochkonjunktur; einige predigen Zurückhaltung und Enthaltsamkeit, andere verkünden den Weltuntergang und versuchen ihn mit Propaganda in eigener Sache zu beschleunigen. Sarkastische Bemerkungen werden laut, daß sich die Selbstzerstörung des Menschen jetzt nur unerwartet schnell beschleunigen würde, aber, daß sich dies doch schon lange abgezeichnet hätte. Die Wirkung sind nach einem halben Jahr der ratlosen Gegenwehr weltweit unübersehbar: Einerseits Angst vor einer Infizierung; andererseits: Massenweise Melancholie, Depressionen und Suizid (beinahe jeder auf der Welt ist Schriftsteller geworden). Die Droge Persönlichkeitsflut läßt eine Lösung unmöglich erscheinen. Sie schadet den Menschen dort, wo er am empfindlichsten ist: an sich selbst. Die Krankheit hat 5 Stadien, die der Betroffene Durchwandern muß, bis er sich selbst in den Tod treibt: eine anfängliche sanfte Nachdenklichkeit wird zu einer angenehmen Melancholie, die sich bald in eine ernsthafte Depression verwandelt. Daraufhin kommt das Stadium des Wechselbades der Gefühle in einer manischen Depression zum Vorschein. Die letzte Phase der Krankheit ist das eigentliche Resignieren. Aber nicht irgend ein Resignieren, sondern das schlimmste, das einem Menschen widerfahren kann: das Scheitern an sich selbst! Die alte Massenmanipulationsmaschine: Fernsehen rückt wieder in den Vordergrund. Hier versuchen sich die Menschen zu orientieren. Gesunde suchen nach Gewißheit, um der Versuchung unter Garantie zu entgehen, die neusten Informationen über die Seuche zu erfahren und ihre Kinder davor zu schützen. Kranke informieren sich, ob es irgendwo auf der Welt doch eine Erlösung gibt. Hoffnung keimt auf, als erste Heilungen durch einen Spirituellen aus dem Himalaja bekannt werden. Bald darauf weiß die ganze Welt davon. Der Guru heilt die Leute mit der gleichen Methode, wie sie erkrankt sind. Während er sich in Meditation befindet, wird der Kranke mit seiner Persönlichkeit „kurzgeschlossen“ und kann sich dadurch nach wenigen Minuten schon von der Seuche befreien. Bei einer groß aufgezogenen „Allgemeinheilung“ gibt es allerdings einen technischen Defekt und beinahe alle Beteiligten ermorden sich in der gleichen Nacht.

Niemand: Hardy, du bist immer noch auf der Suche! Du suchst die perfekte Unterhaltung, stimmt`s? Die ideale Kommunikation. Du bist von allen verschiedenen Interessen, über die ausgefallensten Charaktere, den phantasiereichsten Ideen, über Leichen bis zu dem, was dich jetzt noch betrifft gegangen, und das ist nicht mehr viel. Wenn man sich so von den Geschichten zuschütten läßt, dann ist es nur mehr als verständlich, daß man irgendwann nicht mehr genug kriegt, daß das Ausgefallenste noch zu langweilig ist. Klar! Hardy: Das sehe ich ein wenig anders, die Schuld liegt weniger bei denen, die sich alles anhören und es ertragen müssen; nein, wenn der Autor es nicht versteht den Hörer zu fesseln, ist es seine Schuld, ich war lange genug geduldig und verständnisvoll. Irgendwann muß man etwas sagen, damit nicht immer das gleiche gesagt wird.

Der Abspann Der 28-jährige Kinobesucher steht von seinem Sitz auf. Er lächelt und setzt seinen Kopfhörer wieder auf. Er geht aus dem Kino. Er geht auf die Straße und taucht in die Menge der Menschen dort ein.