MEMENTO - Erster Entwurf

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RÄUMUNG: Angedacht als Theaterstück.

DRITTER: (steht plötzlich auf der rechten Bühnenseite im Rampenlicht und schreit, wie wenn er eine Revolution ausrufen möchte) Die Vergangenheit ist tot, die Zukunft noch nicht reif. Es lebe der Augenblick. Redet euch zu Tode. Ihr dürft nie zu faul zum reden oder schreiben sein; sonst findet ihr nie ein Ende. Immer ein Stift parat, auch Nachts nie zu bequem aufzustehen und das Ende in einem Einfall suchen. Ihr müsst reif sein für den Schluss! Redet euch zu Tode. Seufzt, schluchzt, jammert, kümmert euch um nichts als um euch selbst. Lasst alles Leid aus euch heraus und glaubt an euren Sieg. Vertraut auf euch, lasst kein Gefühl unverbalisiert verstreichen und es wird eure Rettung sein. Schreit und hofft und ihr werdet eine Art Erlösung erlangen. Schreit und hofft bis die Vorstellung euch das Ende zuweist. Keine Angst, ihr werdet ein Ende finden. Das ist keine Vermutung. Ich weiß es! Wie wäre es mit ein bißchen ABBA? ZWEITER: (in der Bühnenmitte in schwachem Licht) Erinnert schon ein wenig an ein Gehirn. Hab nicht gedacht, dass es so viel zum räumen gibt. DRITTER: (sieht zu ZWEITER hinüber) Der alte Krempel sperrt! Jeder direkte Zugang zum Schalter (zeigt auf die linke Bühnenseite, wo ein Lichtschalterschwach leuchtet) ist blockiert. ZWEITER: (befindet sich in Mitten eines Müllberges und rudert mit den Armen. Abgeliebtes Kinderspielzeug, alte Medizinbücher, verbrauchtes Photopapier und alles mögliche sonstige Zeug, das Leute mehr oder weniger freiwillig über die Jahre hinweg zusammensammeln, liegt dort mehr oder weniger belanglos auf dem Boden herum und versperrte jeden Quadratmeter um ihn herum.) DRITTER: Viel Arbeit steht bevor. Keine Ahnung ob alles so einfach beiseite zu schaffen ist oder ob von den alten Sachen etwas so gefällt, dass es in helleres Licht zu setzen ist. Die Vulkanlampe ... ZWEITER: Die Vulkanlampe ziert nun unseren Fernseher im Wohnzimmer. DRITTER: Dachte er bei sich. ZWEITER: Eigentlich war es auch gerade diese Vulkanlampe, die mich auf die Idee brachte Ordnung zu schaffen, wenn das irgendwie möglich ist. DRITTER: Jetzt geht es erst einmal darum, sich über den ganzen Krimskrams drüber zu kämpfen, um überhaupt ein Licht in die Sache zu bringen. Tja, es wird noch eine gute Weile dauern, bis der Wurm auf die verrostete, schwarz bemalte Blechschachtel stoßen wird, die erklären kann. ZWEITER: Ich klettere am besten über die Pappkirschbäume, den Motorradhelm, das ausgediente Notebook, dann komme ich vielleicht tatsächlich noch mit den Fingerspitzen an den Lichtschalter hinter dem holzwurmzerfressenen Schreibtisch. (ironisch) Strategisch vollkommen richtig angeordnet dieser Lichtschalter: auf der gegenüberliegenden Seite von dem Eingang. Vermutlich absichtlich dort angebracht, dass man das Schlammassel an gewöhnlichen Tagen (an denen man sich nicht gerade mal vorgenommen hat aufzuräumen) nicht sehen muss. DRITTER: Es ist wirklich ein riesenhaftes Chaos. Alles von den verschiedensten Leuten. Teilweise ihr vergessener Besitz, irgendwelcher Müll, ausgedientes Gerät oder Andenken an Situationen und die dazugehörigen Leute. Alles gehört irgendwie zu jemandem. Eine Sammlung von übermenschlicher Größe. Dir fallen die Haribokirschen an den Pappkirschbäumen auf! Die müssen als erstes weg! ZWEITER: (macht, was DRITTER beschreibt) DRITTER: Nichts wie ab damit in den Müll. Nutzloses auf die eine Seite. Nützliches auf die andere. Das Meiste wurden über die Jahre hinweg bestimmt nicht besser. – Dir wird schon einmal im Voraus schlecht. ZWEITER: (sieht sich im Raum nach möglich anwesenden Personen um. Entdeckt niemanden und bekommt einen Brechreiz) DRITTER: (lacht) Süßigkeiten kleben an den Kirschbäumen fest, wie wenn sie wirklich aus ihnen gewachsen wären. Wirf die ganzen Bäume weg, bleib an den selbst gemachten Ohrringen hängen und stopf mit dem ganzen Schmuck die Ritzen zwischen den Bodenbalken. Lass sie dort, wo sie sich verklemmen, das Belanglose kannst du noch später erledigen. Theater und Kinokarten liegen auf dem Boden verstreut. Ein Massagegutschein ist noch darunter, kannst du dich noch erinnern? Aber das Fitnessstudio- hat bestimmt schon 7 Jahre geschlossen. Verstehst du? 7 Jahre! ZWEITER: (lächelt vor sich hin) Eine Geburtstagskarte an mich mit dem Erkennungszeichen meiner Lieblingsbrauerei: Gold Ochsen. Vermutlich die schönste Karte, die ich in meinem Leben bekommen werde. DRITTER: Bei der Unordnung kann es einem schon schwindlig werden; und übel. Igitt, du denkst, was für ein Schlamassel ist da auf dich hereingebrochen, dabei geschah alles schleichend. Nichts geschah wirklich plötzlich. ZWEITER: Irgend weshalb wird mir hier oben immer übler. (Plötzlich springt ihm eine Spinne ins Gesicht, er schreit auf, schlägt um sich und dabei an seine eigene Nase. Die Spinne ist wieder verschwunden. Mit ein wenig zu viel Ernsthaftigkeit für diese Situation schreit er:) Ich werde euch alle töten!!! DRITTER: ... aber die Spinne hat sich schon wieder im Dunkel irgendeiner Schachtel versteckt. Spür ihr nach! Schnell! Sonst entkommt sie dir! Schnell! ZWEITER: (sucht verzweifelt in verschiedenen Ecken in seiner Reichweite) Zeig Dich! DRITTER: Aber die Spinne ist schnell. Groß, aber schnell! ZWEITER: Diese Biester, sie sind wirklich die Hölle. Spinnen in der Nacht: eines der grausamsten Erlebnisse auf dieser Erde. DRITTER: Oh! Armer Wurm! Dir wird durch die Aufregung um die Spinne nur noch übler als zuvor. ZWEITER: (hält sich den Magen) Womöglich ist da eine Magenerkrankung im Anflug. (zur Spinne, die sich noch im Raum befinden muss) Wenn ich dich oder eine deiner Verwandtschaft noch einmal sehe, bringe ich euch um, das schwöre ich. DRITTER: Du hast wirklich keine besonders freundliche Einstellung zu diesen Viechern. ZWEITER: Höllengeschöpfe, für mich sind Spinnen die wirklichen Blutsauger auf der Erde. DRITTER: ... sagt du immer.

(Ein paar Zettel liegen zerstreut auf dem Boden: Manuskripte, Theaterstücke, Exposes, ... . ERSTER betrachtet die Stücke und packt sie in einen Schuhkarton.)

ZWEITER: Was soll der Quatsch? Unfertige Exposés von einem Schriftsteller, die nie an die Öffentlichkeit gelangt sind? Ah, ein Brief.

Du gibst meinem Leben Sinn Ich will Dich ewig lieben Wenn ich auch nicht der Beste bin Lass dich von mir lieben

ZWEITER: Ach nett, ein Liebesbriefchen. Muss glücklich gewesen sein. DRITTER: Sentimentaler Quatsch! Das Licht ist noch von undefinierbarem Gerümpel verstellt, aber gibt doch einen diffusen Schimmer von sich. Jetzt erst entdeckst du den versteckten Stauraum, der sich am unteren Ende der Dachschräge in eine weitere Tiefe erstreckt. Hier sind die Sachen untergestellt, von denen man rechnete, sie nie wieder zu gebrauchen. Hier sind Dinge, die absichtlich oder unabsichtlich vergessen werden sollen. Vielleicht sind sie aber auch nur versehentlich hier her geraten!?? Das ist Grund genug nachzusehen. ZWEITER: Schon wieder, du Miststück von Spinne. Dieses mal kriege ich Dich! DRITTER: Und tatsächlich, du hast eine Spinne mit einem Schuh erledigt, aber war es die erste und einzige oder eine von Unmengen? ZWEITER: Wenn es zu viele sind, fackle ich das Haus ab. DRITTER: Nachdem du dich wieder ein wenig beruhigt hast, kannst du dich wieder auf das Räumen konzentrieren. Eine ABBA-CD gleich zur Begrüßung vorne an. Das ausgediente Notebook, die Batterie ist bestimmt noch gut, leg doch die CD ein und spiel „Take a chance on me“! ZWEITER: (macht es so) Ja, das waren noch Zeiten. DRITTER: Vergangenheitssentimentalität! Wenn ich meine Geschichte erzählen würde, dann würde ich alle Namen nennen und alle Tatsachen schildern wie sie wirklich waren. Was hätte eine Lüge auch für einen Sinn? Ich würde es „Mal ehrlich“ betiteln. Oder „Schluss“. Oder ich-weiß-auch-nicht-wie. ZWEITER: Mir kommt es vor, wie wenn ich hier etwas suchen müsste. DRITTER: Da ist sie endlich. Die schwarze Schatulle! Wie aus dem Nichts hervorgetreten. (Das Nichts ist der Kinderwagen hinter der Hängematte.) Öffne die Schatulle, ein angenehm modriger, veralteter Geruch steigt dir in die Organe. Der schwarze Metallkasten ist voll mit Papier. Buchstabenverziert. Zögere nicht lange, sondern beginn endlich mit deiner Arbeit! Fang schon an das Geschriebene zu überfliegen, um endlich daran zu verzweifeln. Du willst es ja nicht anders. Wir werden sehen, was du davon hast. ZWEITER: (zieht einen Brief aus der Schatulle) Schade, die Überschrift ist durchgestrichen: Es könnte H.H. heißen. Was soll das denn bedeuten? (beginnt zu lesen) „Für mich kann jedes Gott ... „ ERSTER: (tritt auf die Bühne und setzt den Brief fort)

H.H. Für mich kann jedes „Gott“ in der Bibel durch „Gut“ ersetzt werden und es wird dem Sinn der Heiligen Schrift trotzdem noch gerecht. Die Leute wollen zwar ein Abbild oder einfach etwas handfestes haben, aber von den Schriftstellern wurde es bestimmt nicht anders gemeint. Was hältst Du von dem? (Seit wir uns entschieden haben, fällt es mir viel leichter offen mit Dir über meine kleinen Philosophien zu plaudern.) Ich schreibe zur Zeit an dem Musical weiter. Du mußt es unbedingt lesen. Es soll nicht so kommerziell werden. Die heiteren Lieder sollen sich am Schluß selbst kritisieren. Außerdem schreibe ich an einer Kurzgeschichte für Dich. Na du wirst ja sehen. Tut mir leid, daß ich jetzt nur so abgehackt meine Gedankensprünge schreiben kann. Ich freue mich auf morgen, hoffentlich wird es nicht so ein gekünstelt extremes Schauspiel wie das letzte mal. Hey, du schuldest mir noch 5 Massagen. Dafür wird’s auch bald Zeit. Bis dann!

DRITTER: Ohne Zweifel ein Brief, aber weder der Namen des Absenders noch der des Adressaten ist zu lesen. Sie sind mit einem dicken schwarzen Stift durchgestrichen. Wirft Fragen auf, oder? Warum steckst gerade Du in diesem Schlamassel? (Pause) Nur die Initialen „H.H.“ des Adressaten sind zu entziffern. Ich kenne niemanden mit diesen beiden Anfangsbuchstaben. Die Schrift ist ein wenig krakelig. Schwierigkeiten aufgrund des vergammelten Zustandes des Papiers alles zu entziffern? ZWEITER: Seltsamer Weise interessierte mich das Geschriebene, wie wenn es mich selbst betreffen würde ... DRITTER: Halt den Mund und lies weiter! ERSTER: H.H. Danke für den Einfall mit dem „Sehen“. Das übernehme ich auf jeden Fall. Ich finde sogar, daß man das zu dem gesamten Thema des Stückes machen könnte. Es hat einen Touch von „Der Sandmann“ von Hoffmann oder so. Die Schauspieler sollen immer geblendet werden, wenn sie sich einen Überblick in ihrer Gefangenschaft verschaffen wollen. Das soll die einzige Strafe sein, die es in dieser heilen Inselwelt gibt: „geblendet werden“. Von der Vogelperspektive könnten die Gefangenen einen „freien Blick“ erlangen. Es sollte ums Fliegen gehen. Wenigstens am Rande. Ich liebe Dich. Nach den ganzen Jahren, in denen ich dachte, daß meine Liebe nie wieder kommen würde, bin ich mir jetzt erstmals sicher, daß Du und nur Du der richtige Mensch für mich bist. Ich kann es offen sagen (ohne wie früher dabei das Gesicht verziehen zu müssen oder mich meiner Emotionslosigkeit ertappt zu fühlen), dass ich liebe!

DRITTER: Der Brief ist vermutlich über eine Geschichte und H.H. ist der Freund oder die Freundin von dem Absender. Scheint mir klar zu sein! Wenn man etwas geheimnisvolles entdeckt verfällt man wie in einen Rausch, was? Ein Schatzsuchereifer entwickelt sich oder sollte man besser sagen, dass man zu einem tratschenden, wunderwitzigen Waschweib wird? ZWEITER: Ich finde nichts unanständiges daran, Briefe von irgend jemandem zu lesen. Vielleicht kann ich aus der Geschichte sogar wieder Teile von mir selbst erkennen. Schade nur, daß mir meine Magen-Darm-Erkrankung so zu schaffen macht. Äh, pfui Teufel, schon wieder so ein hässliches Teufelsgeschöpf! (zieht einen Zettel heraus) Was ist das für eine Geschichte? ERSTER: Mit der Freiheit kommt die Gleichgültigkeit

Ich wachte an jenem sonnigen Morgen auf und wusste, es war vorbei. Meine innere Stimme, die ich schon glaubte im Griff zu haben, sagte mir, dass ich niemandem außer mir selbst vertrauen konnte. Ich schaute zu ihr hinüber. Es hatte sich nichts an ihr verändert. Sie lag da wie eine schlafende Prinzessin. Das Haar glänzte mit einem rötlichen Schimmer. Ihre Lippen ließen nur einen kleinen Spalt zum Ausatmen und ihre Augen schienen sogar geschlossen zu strahlen. Sie lag still und sanft mit ihrem mir so hübsch erscheinenden Nachthemd im Bett. Sie ist wunderschön, hat Geschmack und Stil, fiel mir da wieder ein. Und doch, jetzt war der Zeitpunkt, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, meine Zeit wieder für mich selbst zu verwenden, ich wollte wieder frei sein.

Ich weiß nicht, ob das normal ist oder ob es nur bei mir irgendwann dazu kommt, daß ich mich frage, ob das schon alles war, ob es das wohl schon gewesen ist? Die kleinen Welten, die man sich zusammenreimt, sind nie für die Ewigkeit geschaffen. Warum lasse ich mich immer wieder von Neuem auf andere kleinen Welten ein, wenn bei diesem Kompromiß meine eigene noch weiter schrumpft? Warum nur Raum für einseitige Erfahrungen lassen? Warum sich festlegen?

Ein weiterer Blick zu ihr hinüber tauchte mich in Erinnerungen. Als wir uns kennenlernten, war sie mit einem anderen Mann zusammen. „Ich pflegte in der endlosen Wüste der Einsamkeit Schwarz zu.“ So verquast, wie sich das anhört war das auch. Schwarz kleidet immer, dachte ich mir. Doch auf einmal hat das Spiegelbild von uns beiden auch ihr gefallen und das war ein sehr gutes Zeichen. Wir ließen es krachen. Farben. Das schnellste Karussell war uns das liebste. Über unsere Gefühle waren wir uns im klaren, was dann auch die körperliche Verwirrung gering hielt. Ich mußte zugeben, daß es mir mit ihr wirklich gut ging und zunehmend besser dazu. Das, was mir vor ihr schon am wichtigsten schien, verwirklichte sich auf einmal mit ihr: Leben!

Doch wir wußten, daß wir bei jedem vorigen Partner etwas gelassen hatten. Mit jeder Liebe ist in jedem von uns etwas gestorben. Nehmen und geben, fordert das Leben. Bis man für sich feststellt, daß man nur noch gibt. Manchmal möchte ich gleich von vornherein von allen Leuten enttäuscht sein, um keine bösen Überraschungen erleben zu müssen. Abstumpfung durch den Kopf! Irgendeine Krankheit ergriff mich damals. Dann traf auch ich, der ich mich bislang nur als gefühlsbetonten Opti¬misten kannte, die kommenden Entscheidungen nur noch rational. Ich wurde oft enttäuscht, aber ich ging stets weiter, oft allerdings auf dem bequemsten Weg, dem der Flucht.

Ich glaube, wir fühlten schon immer ähnlich, wir hatten nur verschiedene Blickwinkel. Aber man kennt sich schon seit langem und macht den Fehler zu meinen, daß man sich kennt. Was sie erkannt und durchschaut hat, ist das sinnlose Systemdenken der Gesellschaft. Nicht nur die übliche Rollenverteilung, die die Frau für die Hausarbeit und den Mann für das Finanzielle verantwortlich macht, hat sie bei unserem ersten Gespräch angeprangert und sich über das Überholte amüsiert: Sexismus kann ernsthaft sowieso nur für Halbwitze verwendet werden. Nein, für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, ihre Zeit an wichtige Dinge zu hängen.

Über die ernsthaften Dinge dachte ich früher auch anders als sie: Während mein größtes Anliegen darin bestand, daß fünf Laugenwecken billiger als ein Brot werden, dachte sie an größere, höhere, vernünftigere Ziele. Vor allem dachte sie auch daran, die „Gefangenen der Zeit zu befreien“ und den „Menschen die selbstauferlegte Illusionslosigkeit“ zu nehmen, wie sie es bezeichnete.

DRITTER: Soll das eine weniger ausdruckstarke Parallele zu Kants Aufklärungs-Definition darstellen? ZWEITER: Halt den Mund! ERSTER:

Auch meinem eingefahrenen Dahinleben hat sie mit ihrem Tatendrang ein Schnippchen geschlagen. Sie ist genial, sie hat den Drang, mit den Dingen etwas zu machen. Etwas Gegebenes bleibt nicht das Gegebene, sondern es verändert sich durch sie. Oft gestand sie mir dann allerdings in erweiterter Hoffnungslosigkeit: Sieh dir die Leute an: Sie sind bestellt wie ihre Felder und für sie gilt: Zahn um Zahn, Baum um Baum.

Auch wußte sie nie, welcher Beruf der Richtige oder wenigstens der Bessere sei. Schon die Entscheidung, ob es ein geistbetonter oder ein schöner althergebrachter handwerklicher Beruf (wie zum Beispiel das Schreinern) sein sollte, machte ihr Kopfzerbrechen. Das Umgehen mit Holz würde auch mir mehr als nur eine Lehrzeit lang Spaß machen. Und für das Studieren ist sie hundertprozentig nicht zu ungescheit, wie sie es sich mit falsch angebrachter Unvoreingenommenheit einzugestehen anschickt. Dumm ist nur, daß auch beim Erkunden des Sozialen die studierende Extravaganz vorkommt.

Ich denke gerade an einen guten alten Bekannten. Unter dem Vorwand, dass ihm das Elementare nicht mehr ausreichen würde, vergißt er ständig das Wesentliche. Er unterhält sich nur noch mit (und über) Nebensächlichkeiten. Er ist, genauso wie viele andere, den ganzen Tag damit beschäftigt, zu sagen, dass er nicht so wie alle anderen ist. Sie hingegen gibt mit einer gelassenen Einfachheit den Leuten zu verstehen, dass sie es gut meint. Ihre Worte reinigen mein Vertrauen von ihrer anerfahrenen, mißgünstigen Kruste. Es liegt ja schließlich auch im Wesen der Sprache, dass Wörter und Sätze etwas bedeuten. Jeder Wortteil bedeutet.

Sie behauptet zwar etwas anderes, sie strahlt jedoch Güte, innere Ruhe und einen warmen inneren Frieden aus, der noch die gestreßtesten Menschen dazu bringt, sich in ihren gemütvollen Augen zu verlieren. Auch die Unhöflichkeit und das Ungeschick mancher Freunde gleicht sie durch Erfahrung und vor allem mit großem Taktgefühl aus. Sie weiß, wann Energie gefordert ist oder wann mit geruhsam abwartender Zurückhaltung schwierige Lebenssituationen besser gemeistert werden.

Ihr Zuhören empfinde ich nicht als Selbstverständlichkeit. Lenken doch heutzutage die meisten Leute, auch ich, zu oft das Gespräch auf sich selbst oder auf die eigenen Interessen. Sie nimmt diese Gedanken auf und verwahrt sie behutsam, bis sie mit der Selbstlosigkeit einer Mutter im richtigen Moment einen jeden mit ihrem innigen Lächeln durchstrahlt. Freundlichkeit und einfühlsam sein strengen sie nicht so an wie mich. Leider glaube ich, aber vielleicht ist das vorschnell, dass diese Werte vielen Leuten nichts mehr bedeuten.

Auch habe ich im Gegensatz zu ihr zu viel Angst und Respekt vor Menschen. Ich könnte ja die falschen Worte treffen und in Ungnade derer fallen, die eigentlich nichts weiter vorhatten als eine gewöhnliche Unterhaltung zu führen, bloßer Bildung wegen. Eine solche untaugliche Kommunikation liegt uns beiden nicht besonders. Nötigenfalls beherrscht sie diese, sie weiß jedoch um die Einseitigkeit solcher Sprachformen Bescheid. Sie vergleicht sie mit dem Verhalten eines Bekannten von ihr, der mit jedem sprechen und mit jedem ein Fest haben kann. Er ist halt einfach falsch, stellt sie fest. Und sie hat Recht. Es ist nett mit ihm, aber auch nicht mehr. Sie nennt ihn immer „Gutwetter“. Er hat sicherlich auch seine Sorgen, aber es scheint so zu sein, daß für ihn nur diejenigen zählen, die gerade um ihn herum sind, die anderen werden vergessen.

Vergeßlich sind wir beide natürlich auch. Neulich hat meine Vergeßlichkeit neue, fast galaktische Dimensionen angenommen. Mir war nicht aufgefallen, daß ich das Buch, das ich an die Bibliothek zurückgeben wollte, anderswo gekauft hatte. Im Normalfall beschränkt sich das Phänomen des Vergessens bei uns auf ausgesprochene Gedanken, was auch gut ist, da wir uns auf diese Weise immer etwas zu sagen haben. Langeweile ist ein auf diese Art einfach zu umgehendes Gefühl. Auch das, was in unseren beiden Köpfen an Gesellschaftlichem verankert ist, ähnelt sich. Ich bezeichne es als weitaus ausreichendes Wissen. Vielleicht sollte ich auch sagen, daß wir irgendwie ungebildet sind. Ich ein wenig mehr. Das Dasein als ein wandelndes Lexikon wäre gewiß ein von angenehmem Erfolg geprägtes Leben. Zu unserem Trost: es hält selbständig denkende Menschen nicht zusammen und welches Lexikon schreibt Liebe wie wir es tun?

Gemeinsam haben wir auch Depressionen, die unser Zusammenleben nicht gerade zu der einfachsten Sache der Welt machen. Es ist das Bitter von tausend Grapefruits, wenn wir uns mit Sachen, die falsch laufen könnten, wie mit Stecknadeln traktieren. Es scheint ein Zwang zu sein, immer öfter diese Dinge, denen wir unterliegen, zu erwähnen. Einander zwanghaft weh zu tun. Wir hielten uns schon Stunden und Tage mit Gedanken auf, von denen wir wußten, daß es für deren Lösung kein Rezept gibt. Die Probleme, die für uns gar nicht real existent waren, wurden zur Möglichkeit hochstilisiert. Die Sorgen unserer gelb-grauen Umgebung wurden zur einzigen, tristen Zermarterungslahmlegung.

Gott sei Dank bemerkte sie eines Tages, dass man all das durchleben müsse, keine Angst davor haben und vor allem nicht fliehen dürfe. Ich bin mir darüber im Klaren, dass diese (wie auch andere) Erkenntnisse von ihr nicht auf eine übermenschliche Gestalt schließen lässt, aus welcher die Weisheit für den Rest der Menschheit fließt. Was ich allerdings zugeben muss ist, dass sie solche Erkenntnisse für mich immer zum passenden Zeitpunkt äußerte. Irgendwann anders wäre es nicht passend oder stimmig gewesen, aber sie traf den Punkt für mich!

„Nicht alles Wichtig nehmen!“ war ein Nebensatz von ihr, durch den mir erst ein Licht aufging und wir konnten ohne ultimative Lösung, aber doch um einiges gelassener ans Eingemachte gehen (wie sie unser Zusammenleben nennt). Von Zeit zu Zeit überkommen uns kleine Rückfälle. Wir wissen jedoch, daß uns diese gemütliche Trübsal nichts anhaben kann. Auch unsere übertriebene Höflichkeit schaffte es nicht, daß wir einander fremd wurden. Aber: unverschämte Gedankenberge schoben sich zwischen uns.

Es verhielt sich anfänglich so, dass, wenn wir gemeinsam in einem Raum waren, jeder zuerst gehen wollte, um dem anderen seine Gesellschaft, die er eigentlich gern gehabt hätte, nicht aufzunötigen. Ja, manche höflich gemeinten Gedankenkonstrukte waren noch komplizierter als der Bau des vorherigen Satzes. Meine Liebesbezeugungen müssen ihr alle furchtbar kalt, allgemein und banal vorkommen. Was noch schlimmer ist: sie hat sie alle wahrscheinlich schon dutzendfach daher gesagt bekommen. Ich kann dazu nur erklären, dass sie sich diese Sachen sagen lassen soll, da es bei ihnen nicht auf die Ausgefallenheit, sondern auf die Ehrlichkeit ankommt. Aber sie versteht das bestimmt schon längst.

Sie versucht immer zu verstehen. Charakter und Kreativität wird dadurch auch nicht ausgeschlossen, nein, beide ergänzen sich perfekt, wie ich finde. Auch gelingen meine Überraschungen, im Gegensatz zu den ihren, nicht immer. Es ist beinahe unverschämt, auf welch vielseitige Weise sie ihre Liebe zeigen kann. Ihre Zärtlichkeit spielt dabei keine unwesentliche Rolle.

Wir lasen zusammen das Buch eines Franzosen über einen kleinen Menschen. Ich kannte das Buch schon, konnte jedoch erst mit ihr die in der Geschichte beschriebene Liebe verstehen. Sie besitzt die Gabe, mich in die herrlichsten Träumen zu führen. Ich würde sogar sagen, dass sie mich in ihre Träume malen kann. Ehrlich gesagt, ich muss auch zugeben, dass ich von ihr viel gelernt habe. Gerade diese – ihre Ehrlichkeit war es, die mich am Anfang beinahe überwältigte. Sie ist sie selbst, egal was die anderen sagen (und plagen).

Verwunderung ist ein passendes Wort! Konnte sie Gedanken lesen oder fühlte sie so sehr wie ich die Einflüsse und Spannungen des Lebens, die auf uns wirken? Sie brachte diese Themen zur Sprache, hob sie hervor, drückte sie so perfekt aus, wie ich es nie zu sagen gewagt hätte. Was sich unter meiner Großhirnrinde versteckt hielt, lockte sie mit einem verspielten Wort hervor. Ihre Offenheit beeindruckt mich vollständig. Sie hat Klasse. Sie ist eine wirkliche Frau von Welt. Verführenden Situationen kann sie mit einem ablehnenden Lächeln entgegentreten.

Auch ihre Aufmerksamkeit für die Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens fasziniert mich. Durch sie bin auch ich aufmerksamer geworden. Mir fallen jetzt die Stimmungsschwankungen anderer Menschen auf. Durch sie sind mir die Menschen mehr wert geworden. Durch sie erkenne ich die schönen Seiten des Lebens. Banale Dinge: Vögel, Bäume, Blumen - [ich entschuldige mich nicht mehr für Romantikausrutscher!]. Immer seltener gibt es für mich eine triste Umgebung, die es mir schwer macht, Vertrauen zu ihr zu haben. Es gefällt mir so viel an ihr und doch ist noch so vieles an ihr unerforscht. Ihr habe ich meine augenblickliche Sehweise, meinen Blickwinkel, meine Augen zu verdanken.

Es fällt mir nicht schwer, mich von ihr lieben zu lassen. Es tut mir gut, mit ihr zusammen zu sein. Die schweren, schwarzen Wolken haben sich verzogen. Die innere Ruhe und Ausgeglichenheit, die ich durch sie gewonnen habe und die für einen Augenblick verloren gegangen zu sein schien, ist wieder zu voller Blüte aufgesprosst. Ich könnte mich noch Stunden in solchen ungeordneten, traumhaften Gedanken an sie baden. Da! Sie wacht auf. Sie öffnet ihre wundervollen Augen. Ihre Lippen! Wir sehen uns an. Vorhin erst wollte ich nicht mehr mit ihr zusammen sein. Aber solch Mißgeschick überlasse ich anderen.

Ja, ich liebe sie.

Außerdem kann sie auf zwei Fingern pfeifen!

ZWEITER: Diese Kurzgeschichte scheint mir aber ein ziemliches Traumbild einer Frau zu zeichnen. DRITTER: Wenn man sich so zu der Liebe überreden muß, dann läßt man leichter die Finger von dem Mädchen. ZWEITER: Na ja, ist ja nur eine Geschichte ... . DRITTER: Vielleicht gibt hier manches keinen Sinn oder spielt oberflächlich keine entscheidende Rolle, wenn du aber mal von dir ausgehst, dann spielt alles eine Rolle. Alles kann wichtig für dich sein. Du steckst in diesem Müllhaufen und beginnst zu Untersuchen. Warum – zum Beispiel – zweifelt der Mann am Anfang? Warum steht er nicht ununterbrochen zu seiner Liebe? Handelt es sich um Liebe, wenn man nicht ständig von der Beziehung überzeugt ist? ZWEITER: Wenn ich nur wüßte warum mich das Geschriebene so interessiert. (schlägt um sich) Jetzt hab ich Dich! So! Tod den widerlichen Krabblern! Du belästigst mich nicht mehr. DRITTER: Deine Sorgen! Zweifle doch! Spekuliere! Interpretiere! Les etwas in die Sachen hinein. ZWEITER: Da fällt mir ein, das muss doch alles einen Sinn haben. Die Briefe, Geschichten oder was auch immer das sein soll, das könnte ja von jedem sein. Vielleicht von meiner lieben Frau oder einem ihrer früheren Liebhaber? Von meinen Töchtern sind die Briefe nicht. Dazu sind die Briefe zu alt, zu vergilbt, zu modrig. Es ist das Haus meiner Eltern. Hatten meine Eltern diese Notizen geschrieben oder sind sie von den Untermietern, die über fünf Jahre hier wohnen? Vielleicht sind es Liebesbriefe, von denen einer beim Beenden der Beziehung das verwortlichte Gedanken- und Gefühlsgut zurück gefordert hat. So etwas soll ja vorkommen. Rückgabe der Liebes-Austausch-Utensilien, um das eigene Herz zu schonen. Der, der sich als Betrogener der Beziehung sieht, möchte manchmal wenigstens seinen Liebesbeweis nicht den Händen überlassen, die nun einen anderen Körper streicheln. Durch die Vorstellung, daß der Betrüger die aus der Seele gewachsenen Briefe unachtsam, respektlos wegwerfen könnte oder gar nach geraumem Abstandgewinnen die Briefe noch einmal durchlesen und sich dabei noch an guten Erinnerungen weiden könnte, verleitet schon dazu, so zu handeln. Ja, es sind bestimmt zurückgegebene Briefe! Zurückgeflossenes Herzblut! Im Nachhinein erscheint es einem immer lächerlich, wenn man sich so einfach verletzen läßt und nichts als Erinnerungsbewältigung im Sinn hat. Na ja, ich weiß ja nicht, aber so hätte es schon sein können. Angenommen die Briefe seien von meiner lieben Frau. Es würde mich schon interessieren, wie sie zu dem geworden ist, was sie jetzt für mich ist. Und natürlich würde mich auch interessieren auf welche Typen sie früher gestanden ist. DRITTER: Alle Achtung! (lacht respektvoll überrascht) Sehr begabt! Wirklich, sehr begabt! ERSTER: H.H. Leider hat J. noch nichts von sich hören lassen. C. und M. haben allerdings jeweils ein Text vertont. Von C. hab ich es schon gehört. Ich find es ganz gut. Vielleicht sollte ich bei J. anrufen, oder? Unsere letzten Karten haben sich übrigens verfehlt. Schade, am Anfang hab ich gedacht, Du hättest nicht erkannt von wem die Witze sind. Aber das war doch zu eindeutig, oder? An Weihnachten sehen wir uns im W.. Ein lieber Gruß übrigens von meiner Schwester. Es tut immer gut mit ihr zu reden, ich glaube ich hab sie schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Irgendwie erinnert ihr mich immer ein bisschen aneinander.

ZWEITER: Jetzt weiß ich, was das erste „H“ von „H.H.“ heißen könnte. Es ist so banal, dass ich es mich beinahe nicht traue zu sagen: es könnte einfach „Hallo“, „Hey“ oder „Hai“ heißen. Das schränkt den Verdächtigenkreis gewaltig ein. Mal sehen, vielleicht verrät ein weiterer Brief mehr?“ ERSTER: H.H. Gute Idee, dass Du mitspielen möchtest. Es wird bestimmt eine gute Erfahrung für Dich werden. Ich selber werde mich ziemlich heraus halten, die Inszenierung ist mir zwar wichtig, aber mit den Mitteln in dem kleinen Laientheater kann ich meine Vorstellung von dem Stück nicht verwirklichen. Obendrein hab ich auch ehrlich keine Lust mit den Schauspielern eine pädagogische Konversation zu führen: Kennenlernspielchen, Lockerungsübungen, Psychodrama und das ganze Tam Tam. Schnickschnack zur scheinbaren Selbstverwirklichung. Reden um Brei und um das, was mir als das Eigentliche erscheint: das Stück und seine Kraft, die es geben kann. Die Leitung wird so ein Künstlerschwuchtel mit Turnschläppchen übernehmen. Choreographisch hab ich sowieso nicht viel mitzureden, hier regiert die eine Tussi, die immer eine auf froh spielende Ballerina macht. Der Lektor schreibt übrigens gerade mein gesamte Stück nach Rilke um. „Wir haben mit der Ewigkeit gehurt“ und „Du mußt dich in mich übersetzen“. So ein geeire kann nur von einem vollblut Saxophonisten kommen und Du weißt wie ich darüber denke: „Saxophon: das schlechteste Instrument der Welt“. Alles in allem sind das wirklich nicht die Leute mit denen ich Kompromisse finden kann. Trotzdem hoffe ich, dass du einen besseren Draht zu ihnen findest. Ich hoffe, daß ihr Schauspieler unter euch ein gutes Klima entwickelt und zueinander findet. Eine gut Gruppe ist schon die halbe Miete! Vielleicht entwickeln sich aus der „Arbeit“ auch längerfristige Freundschaften?

ZWEITER: (Zieht sich am Hemdkragen, der ihm scheinbar die Luft abschnürt. Ab diesem Zeitpunkt wird diese, nach Befreiung suchende Bewegung zu einem beständigen Bestandteil seines nonverbalen Verhaltens) Mir ist die Tage wirklich nicht gut. Vielleicht schleicht sich da tatsächlich eine Magen-Darm Grippe in meinen Leib. Mir wird leicht schlecht. (Ein Zettel klebt am nächsten Brief ...)




DRITTER: Das Exposé des Theaterstücks mit nachträglich eingefügten Nebenbemerkungen am rechten Blattrand: (trägt es spielerisch vor und ergänzt Regieanweisungen)

Flieger

Der Verlauf des Musicals

Lieder (DARSTELLER) Handlung

I. Teil

1. Grau - Lebensstil & Dasein - der Zwang als Anbeginn - das Nichts - in die Welt geworfen, auf dem Boden kriechend - beschränkte Möglichkeiten, Realität: Gefangenschaft - Durcheinander der Töne

Gefangenenchor (ALLE) Menschen werden von Wärtern in ihre Gefängnisräumlichkeiten geleitet. Auch Adam und Ela sitzen auf diesem Inselgefängnis ihre Strafe ab. Sie sehen sich zum ersten mal, sind im gleichen Raum einquartiert. Der Raum ist wohlständig vornehm ausgestattet (alle nur erdenklichen elektrischen Geräte, Luxusartikel usw.); eigentlich wie im „richtigen“ Leben. Ein Wärter bringt „hochwertiges“ Essen. Beide setzten sich widerwillig an den zentralen Tisch, um sich kurz darauf wieder jeder in seine Ecke zu verziehen.

Bildschnitte: nachdenkliches sich langweilen, willenlos gefrustete Sehnsucht nach Ablenkung, Stuhl- und Bettsitzen und -liegen, Kopfverstellungen, Annäherung an Buch, Radio, Fernseher. Ela: Nur damit das klar ist, ich laß mir nichts gefallen!

Adam und Ela diskutieren kurz mit dem wiedergekommenen Wärter über die Lage, er macht sie auf eine Trennwand aufmerksam. Beide bedanken sich und trennen wortlos den Raum in 2 Teile.


ERSTER: Die Logik hat nicht die Kraft sich über das Gefühl zu erheben, aber wenn sie es probiert, schafft sie es kurzweilig durch ihren Witz.

ZWEITER: Ich denke, dass zwischen den folgenden Briefen einiges an Zeit vergangen ist und sich viel zusammen und auseinander entwickelt hat. Der nächste Brief lässt auf ein getrenntes Intermezzo schließen, wobei – für mich – nicht eindeutig daraus hervor geht, wer da mit wem „Schluß gemacht“ hat. ERSTER: H.H. Liebe, ich bin so froh, dass wir wieder zusammen sind. Wir haben abgemacht, die Vergangenheit zu vergessen und uns einfach zu vertrauen. Es war ein Teufelskreis in dem wir uns bewegten. Ich wußte nicht, wie Du über mich denkst, was Du empfindest. Diese, meine Unsicherheit lies Dich eine Mauer zwischen uns aufbauen. Das was ich immer wollte: dass Du ehrlich zu mir bist, dass du mich vielleicht auch brauchst oder meine Hilfe wenigstens annimmst, hat sich gerade in das Gegenteil entwickelt. Anstatt Dich aufzubauen, hast Du mich in Deinen Extremsituationen mit runter gebracht. Klar ist es auch mein Fehler, wenn ich Dich nicht in Ruhe lassen kann, wenn ich mit den Situationen nicht umgehen kann. Obendrein konnte keiner dem anderen die Vergangenheit vergeben oder nur vergessen. Egal, was sich da so unsagbar unverständlich entwickelte, das bekommen wir jetzt in den Griff. Es wäre auch wirklich der Hammer, wenn uns so kleine irdischen Hürden aufhalten würden. In dem Monat der Trennung habe ich Dich noch mehr lieben gelernt als zuvor. Du bist mir unendlich viel wert. Jetzt wird endlich alles gut. Der Wille zum Verständnis ist in uns beiden vorhanden, das ist wesentlich. ZWEITER: Scheinbar eine herrliche Versöhnung. Was da wohl gewesen ist? Eine Affäre? Eine benötigte Einsamkeit? Andere Mißverständnisse? Für mich egal, ich bring‘ mal die erste Ladung Müll weg. (wirft Kartons auf die rechte hintere Bühnenhälfte) Vielleicht finde ich noch ein paar Magentropfen. Ein Brief lese ich noch: ERSTER: H.H. Letzte Nacht war es einfach genial mit Dir. Ich bin mir jetzt total sicher, daß wir füreinander bestimmt sind. Wir sind das Traumpaar – nicht nur von diesem Jahrzehnt. Du bist wundervoll. Es hat sich wirklich gelohnt, daß wir uns aufgerafft haben und uns nun aufeinander einlassen können. Es ist das herrlichste Gefühl von allen. Ich möchte hier nicht rumschleimen, aber zum ersten mal in meinem Leben entdecke ich eine Chance, daß sich eine ausgeglichene Liebe entwickeln kann. Das ist etwas, von dem ich schon immer geträumt habe. Du bist für mich. Du bist genau richtig für mich. Ich liebe Dich!!!

DRITTER: Das klingt wirklich ziemlich schleimig. Meine Güte, wenn das so weiter geht, kann ich gleich einen Arztroman lesen. ZWEITER: Es scheint hier wieder eine lange Schreibpause gegeben zu haben: ERSTER: Für mich! Die Generalprobe war für mich die Hölle. Ich sehe ein Stück, dass mit meinen Vorstellungen von der Umsetzung ziemlich wenig zu tun hat. Natürlich bin ich selbst daran Schuld. Ich war zu faul, mich selbst dafür zu engagieren. Die Theaterszenen sind viel zu flach. Die befreienden Momente, die das Schauspiel mit einbringen sollte, um die tragische Depression, die über dem Stück als Thema liegt zu vertuschen, sind nicht vorhanden. Das Werk droht zu moralisch zu werden. Die Stimmung droht ständig zu kippen. Ironie oder Dramaturgie. Ein Gradwanderung, die ich keinem von den Beteiligten zutraue. Von meinem Buch habt ihr wohl nur das sittliche, belehrende herausgesiebt und daraus ein „Fingerzeigstück“ gemacht. Mir kräuselt sich der Gehörgang,, wenn ich euch höre. Mir schwindet jede Lust und es verkrampft sich jede Hirnwindung, wenn ich an die Aufführungen denke. Meine Texte sind grausam! Eindeutig! Ich bekomme an unzähligen Stellen Beklemmungen, die mir verraten, dass ich mich länger mit der Ausformulierung hätte beschäftigen sollen. Ihr hattet die Aufgabe Leben in das Gerüst zu hauchen, aber ihr habt nicht einen Bruchteil Eigenleistung vollbracht. Leere Worthülsen blasen sich auf und vergehen, bevor sie in halber Blüte stehen. Wenn es gewollt wäre, könnte es zu einem anderen Stück passen, aber nicht zu diesem! Unglaubliche Inkompetenz breitet sich hier so selbstgefällig aus, das Stück schreit förmlich nach der befreienden Entscheidung zum Kitsch! Unglaublich, wie langweilig ich die interessantesten von den Beteiligten finde. Es fehlt auch das Einfache ...

MEA CULPA! Ich wollte ja von der Inszenierung nichts mehr wissen. Was hat mich nur dazu getrieben. Zeitnot? Faulheit? Interesse, was andere aus meinen Gedankengerüsten machen? Meine Schuld! Was mich noch mehr belastet wie das Stück ist die Angst vor einer weiteren Extremsituation, vor der wir nun beide wieder stehen. Hoffentlich nimmst Du meine Hand und weißt sie nicht zurück. Ich möchte für Dich sein. Diesen Brief werde ich nicht abschicken, ich möchte keine negative Stimmung in eure Höhenflüge im stetigen Auftrieb bringen. Von irgend jemand erfahre ich, dass Du ihn küssen wirst. Nur um „in der Rolle zu bleiben“. Ein bißchen kenne ich mich im Theater auch aus: das Schmusen muss aber nicht schon vor dem Spiel sein. Na ja, ich bin wieder so eifersüchtig. Wir haben ja gesehen, wohin das bei dem letzten mal führte, wenn es auch nur ein Teil unseres Mißverständnisses war, es begleitete das zwischenweilige Ende unserer Beziehung. Wir haben uns versprochen, dass wir uns vertrauen und das ist auch genau das, was ich jetzt machen werde: Ich vertraue Dir. Ich will es Dich spüren lassen. Ich bin auf die Aufführung gespannt.



DRITTER: Findest du das nicht interessant? 2. Rot - Lebensleistung, wie haben wir das verdient? - physisch (Natur Körper Erde) - Überleben und Entwicklung der Instinkte als Grund und Wurzel - maßlos rollen - passiv (die Natur) erkunden und keine Verbote bekommen - C

Neues Bewußtsein (ADAM / ELA)

Später: „Kein Horizont“

Angewiesenheit auf einander: Ela: Darf ich bei dir duschen? Adam: Na klar!

Intermezzo: Ela liest in der Zeitung nur positive Nachrichten. Jack tritt auf, er zieht die Trennwand wieder zurück. Es scheint seine Aufgabe zu sein, Adam und Ela zu einander zu führen. Beide befragen ihn zur Situation. Frühere Gemeinsamkeiten: Flieger und Kontostand.

Deine Lieblingsstelle!!!

Lage: Sie befinden sich auf einem Inselgefängnis, von dem kein Fluchtversuch lohnt, eine Karte an der Wand zeigt die kleine Insel in mitten des mächtigen Meeres. Er erzählt, wie die Welt gerade wieder in Ordnung kommt. Jack: Seit ihr hier seid ist draußen alles in Ordnung. Jack kündigt die Happy Hour an und zieht die beiden „hoch“. Happy Hour, Ankündigung (JACK) Adams Briefwechsel mit seiner Freundin funktioniert nicht. Er erinnert sich an sie und singt. Ela zieht die Trennwand wegen Adams Selbstbezogenheit wieder zu, sie singt aus Freiheitshoffnung. Liebe Liebe - Frei sein (ADAM / ELA)


ZWEITER: (greift nach dem nächsten Brief) ERSTER: H.H. Während das Spotlight auf den schwulen, brillant spielenden und singenden Gefangenen gerichtet ist, sehe ich dich mit ihm auf dem Bühnenboden liegen und – ich weiß nicht was das war – knutschen? Braucht man das um „in der Rolle zu bleiben“?

ZWEITER: Jetzt ist es passiert! Ich hab mich übergeben. Zum Glück habe ich einen Eimer hier. Der kommt wenigstens wie gerufen! ERSTER: H.H. Schade, dass Du nicht mehr Zeit für mich und dich hast. Schade, dass Du bei mir nicht mehr schlafen kannst (ich würde inzwischen ganz gern mal bei Dir schlafen). Schade, dass ich Dir vor kurzem einen wirklich schönen Liebesbrief schreiben wollte und Schade, jetzt muss ich das hier aufschreibe(n). Schade, es sind nicht so gute Voraussetzungen, verstehst Du was ich sagen will. Schade, ich denke, Du weißt, wie das gemeint ist. Schade, das Telephon klingt immer nach Dir, aber Du rufst nicht an. Schade, dass ich Dir vielleicht nicht das geben kann, was Du willst / brauchst / gern hast (Schade, dass Du es mich auch nie richtig wissen läßt.) Schade, dass ich immer noch aufpassen muss, was ich sage und Schade, dass Du nicht von alleine / ohne nachzufragen erkennst, dass ich Dich lieb habe. SCHADE! Schade, dass Du nur daran denkst, ob Du nach einem Telephonat gut schlafen kannst ... .

Das schreibe ich nicht nur, weil mein Tag total mies war: Eine versaute Prüfung, Übelkeit in Körper und Geist! Ich erwähne es nicht nur, weil ich mich vernachlässigt fühle, nein, ich hätte Dich auch an einem stink normalen Tag ganz gern gesehen.

Schade, dass Du gerade wieder dabei bist, Dich von mir zu entfernen / Dich zu verschließen. Schade, dass ich nur Dein „Laß mich mich sein“ und nicht Dein „Laß mich für Dich sein“ wahrnehmen / vermuten kann. Schade, dass es mir so vorkommt, wie wenn Du immer noch kleine Geheimnisse (in der Art: „wasmannichtweißmachteinennichtheiß“) vor mir hast. Schade, Schade, dass Du nicht weißt wie sehr ich Dich liebe und ich dabei bin mich hinzugeben und Du es anscheinend nicht einmal bemerkst. Schade, dass Du nicht mehr Zeit für mich / Dich hast. Und Schade, dass (s)ich vermutlich nichts ändern kann. Darf es sich, kann es sich, soll es sich ändern – sag Du, was Du denkst! Oder es bleibt schade und nur schade!

Es kommt immer etwas Nächstes, Wichtiges, das scheinbar Wert ist, nicht Zeit für sich selbst oder andere zu haben. Eigentlich brauche ich Dir das nicht erzählen, wissen tust Du es, aber ... .

Du bist krank, aber für mich sind es auch keine schönen Tage. Mein Stück wurde völlig umgekrempelt. Das könnte mir inzwischen aber ziemlich egal sein, weil es etwas schlimmeres gibt: meine Freundin: DU!!! Knutscht mit einem guten Bekannten von mir auf der Bühne herum. Nicht genug: in meinem Stück! Von mir geschrieben, von mir selbst ins Leben gerufen. Wenn man dem Gemunkel von einigen anderen Schauspielern glauben schenken darf, geschieht die vorübungsmäßige Theater-Zuwendung auch hinter den Kulissen. Um in die Rolle zu finden? Ich erkenne die Extremsituation sehr wohl und ich bleibe auch tolerant, da ich natürlich auch an deinem Erfolg und (ehrlicherweise auch) an dem Erfolg des Stückes interessiert bin! Das Theater gefällt mir nicht! Egal ob es stimmt, herumerzählt wird die Geschichte von euch. Wie würdest Du Dich in dieser Situation fühlen?

DRITTER: Das kannst du dir doch nicht teilnahmslos anhören. Du, der du doch das Empathievermögen erfunden hast. ZWEITER: Ein starkes Stück! DRITTER: Ist das alles? Wie lange willst du dich noch raushalten! ZWEITER: Das ist wirklich eine zerfahrene Situation. ERSTER: H.H. Wir haben nach der ersten Aufführung gestritten. Ich war ständig in der Verteidigerposition. Ständig! ABER: Ich habe niemanden angeklagt! Du hast mich beschuldigt, ich würde Dich verurteilen! Du hast gesagt, ich würde nicht vertrauen. Aber, kennst Du das: „Betroffene Hund bellen!“ Ich muß solche Unterstellungen nicht tragen! Ich habe nichts getan! Wenn Du das Theatergehabe an Dir behältst, bist Du nicht mehr die Frau die ich liebe!!! Weißt Du noch was Spiel und was Realität ist? Kannst Du es trennen? Möchtest Du es trennen? Du kommst mir vor wie in Trance!

Ich bin ehrlich und offen, ich gebe Dir sogar das Geschriebene von vor ein paar Tagen. Es ist für den Augenblick bestimmt nicht zu meinem Besten, aber ich glaube, dass sich Wahrheit immer irgendwie lohnt. Dir wird vieles überzogen vorkommen, aber ich will das loswerden! Und ich wünschte, Du würdest das auch tun. (Sachen loswerden, die Dich betreffen! Die interessieren mich nämlich viel mehr als das, was sonst so mehr oder wenige „abgeht“, das kannst Du glauben. Aber ich bin weit davon entfernt jemanden dazu zu nötigen, seine Anliegen und Wesentlichkeiten aus sich heraus zu lassen. Ich will nicht aufdringlich sein und mit Fragen nerven. Jeder kann selbst bestimmen, was er vermitteln will, daran erkennt man auch, wie wesentlich er es mit dem Gegenüber meint ... )

DRITTER: Findest du nicht, dass dieses romantische Sensibelchen ein wenig übertreibt! ZWEITER: (schüttelt den Kopf) DRITTER: Memme! ERSTER: H.H. Ich verstehe nicht, wie Du das Musical wichtiger nehmen kannst als eine Liebe, als unsere Liebe, die Liebe zwischen uns? Ich hab das Stück geschrieben, ich muss mich mindestens genauso für das alles Verantworten, wie Du oder ein anderer Schauspieler. Vielleicht muss ich mich noch mehr dafür verantworten. Ich muss für jeden Charakter, jede Szene, für jeden Satz, für jedes Wort gerade stehen. Ich muss entschiedener als jeder Schauspieler mein Gesicht für das Geschaffene herhalten, aber mir ist unsere Liebe so wichtig, dass ich in der Krise, in der wir gerade stecken, bestimmt keinen Gedanken an Publikumszahlen und die Wirkung der Philosophierereien verschwende. Du bist mir wichtig!!! Ich rede kurz mit Dir und jedesmal kommt: „Ich muss mal schnell etwas Blablabla erledigen ... .“ dann läufst Du weiter und unterhältst Dich mit jemandem anderen und hast kein Problem mehr mit Deinem Terminkalender. Das ist wirklich eine Zumutung. Sei doch endlich mal ehrlich, sag, wenn Du nicht mit mir zusammen sein willst. Ich verstehe das schon, aber führe mich nicht an der Nase herum ... .

DRITTER: Was schreibt er da überhaupt? Das klingt ja wie das Wehleiden eines Schulmädchens: (theatralisch) „Oooooh, du bist nicht gut zu mir, du gibst mir mein Eis nicht zurück und obendrein nicht die nötige Zuwendung, die ich einfach mal brauche! Bäh und Buh!“ So ein Müllgelaber. ERSTER: ... Mein Terminkalender richtet sich jetzt auch nach meinem Begehren und ich habe wirklich keine Zeit mit einer so verplanten Frau in den Urlaub zu fahren. Du willst ja sowieso nichts weiter als nur Prag besichtigen, weil Du schon immer davon geträumt hast. Es geht Dir dabei bestimmt nicht darum die Beziehung zu retten. So naiv bin ich nun wieder auch nicht. Sag nicht, dass Du Dich darüber wunderst, was hier geschrieben steht. Tut mir wirklich leid, aber ich lass mich nicht mehr so herum schikanieren. Was sollte die Aktion nach der Vorführung? Er schenkt Dir einen Strauß Rosen!?? Macht man das so unter Theaterleuten?

Ich wach mit einem tierischen Halsweh und dem Bewußtsein auf, daß Du es allen Recht machen wolltest. Da war ich wohl gestern Nacht noch zu lange beim Spazieren um darüber nachzudenken. War wirklich davon ausgegangen, dass sich alles zwischen uns zum Guten verändert hat ... .

ZWEITER: (schlägt sich eine Kuhle in die umliegenden Utensilien um es sich bequemer zu machen) ERSTER: H.H. Du hast mich davon überzeugt, dass Dir doch noch einiges an unserer Beziehung liegt. Wir haben gemeinsam viel zu bewältigen. Wir werden uns nicht mehr einengen. Bitte geh mit mir am Samstag nach Prag. Ich habe neue Hoffnung. Ich schreib es dir, auch wenn Du sagst, dass Du es zur Zeit nicht hören willst: Ich liebe Dich. Warum willst Du es eigentlich wirklich nicht hören.






DRITTER: (trägt den 3. Teil des Theaterexposes vor) 3. Orange - Beruf und andere Etablierungen - ätherisch (zart flüchtig vergeistigt, erdentrückt) - subjektives Bewußtsein, Kreativität (Geschlecht) - habsüchtig sitzen - aktives (Gesichter) erkunden, Liebe wähnen und nur belohnt werden - D

Happy Hour (ALLE) Umtrieb im großen Warteraum. Einige erzählen von der neuen Welt. Dem möglichen Frieden in Reichweite, der Umweltlösung, den Entlastungen und Befreiungen in allen Bereichen. Das Wort Menschlichkeit gewinnt wieder an Gehalt. Die neue Welt (ERZÄHLER; CHOR)

Intermezzo: Adam und Ela hören Radio und sehen fern. Wieder nur gute Nachrichten, die ineinander über gehen. Jack bietet ihnen als Freundschaftsgeste einen normalerweise unerlaubten Ausflug an. Er vertraut darauf, daß sie keine Dummheiten machen, die sich so oder so nicht rentieren würden. Ausflug: Adam und Ela genießen es, von der verbotenen Frucht zu naschen, in die Landschaft und in Jack ein romantisches Vertrauen aufbauen zu können. Ihre Freundschaft wächst daran. Der Fluß (JACK) Während Adam und Ela allein spazieren gehen macht Jack in seinem Boot ein Nickerchen. Sein Vertrauen scheint grenzenlos zu sein.

Verschiedene Gefangene stellen sich im großen Warteraum dar. „Schräge Vögel“ sind Künstler, Freigeister jeglicher Natur. Ein Gefangener erinnert sich an ein Traumbild: Laura (JOHANNES) Eine Gefangene besingt ihre lockere Einstellung zur Moral: Entschärfte 10 (X-WOMAN)

Du konntest in Deiner lockeren Einstellung nicht mehr überzeugender sein. Ich war eifersüchtig und für das Stück war das gut!!! Das STÜCK!!!

Adam und Ela lernen im Umtrieb Chris und den faulen Paule kennen. Chris sieht ein Bild eines kleinen Mädchens und erinnert sich. Ingrid (CHRIS)

Hättest Du singen sollen. Schade, Du bekommst ja immer gleich eine Neurose, wenn es um vergangene Freunde von mir geht, wie in diesem Stück.

Paul weiß, Chris hat sich an ihre eigene Jugend erinnert. Sie kommen auf das Gespräch: was bedeutet Freiheit überhaupt.

Ja, auf was bist Du mit ihm zusammen gekommen???

4er-Mix (ADAM / ELA / PAUL / CHRIS)


ERSTER: (schwebt auf verschiedenen Ebenen durch die Bühnenluft) H.H. Bitte gib mir bald zu verstehen, dass Du wieder mehr Vertrauen in mich und meine Liebe hast. Das Gespräch neulich war die Hölle, die Versöhnung der Himmel und doch sind mir Sätze im Hinterkopf geblieben. Da werden sie auch noch eine weile bleiben. Aber: Ich liebe Dich entschieden (kann es aber weder stilvoll schreiben, noch ohne Dialekt sagen)! Du bist mir für jetzt und für mein weiteres Leben wertvoll. Ich schätze sehr, was Dir wichtig ist und was Du machst (mir fällt da vieles ein, was uns verbindet, über das wir noch nie gesprochen haben und auch nicht müssen, da es einfach so klar ist. Sind unsere Einstellungen, Stimmungen, Vorlieben, .... so verschieden, dass sie im Wege stehen können. Ich denke nicht). Auch Dein neu entwickelter Ehrgeiz finde ich wichtig, ich bin nicht so ignorant wie es vielleicht aussieht. Nicht zuletzt von dem Ehrgeiz, Engagement, Deinem guten Herz, Deiner Hingabe für Deine Ziele liebe ich Dich. Mir ist auch Deine Familie Wichtig (obgleich ich denke, dass sich Deine Eltern einen anderen Freund für ihre Tochter vorstellen würden. Ich gebe zu, dass ich nicht sehr viel mache. Meine kleinen Geschichtchen langen nicht unbedingt, um eine „Größe“ zu sein, aber das ist ein anderes Thema ...) Deine Mutter hat allerdings in der Pause der letzten Aufführung inhaltlich zu mir gesagt: „Die machen da ganz schön `rum auf der Bühne, aber füreinander sind sie nichts.“ He, auch wenn Du es nicht hören willst: Du weißt was .... Es tut mir für alles leid, was ich Dir in vergangenen Tagen bewusst oder unbewusst angetan habe. Ich kann Dich nicht weinen sehen. Erst als wir getrennt waren und Du ein paar meiner Sachen bei mir abliefertest und Deine mitnahmst ging mir langsam ein Licht auf. Das Licht, wie gut, ja, perfekt wir zueinander passen. Jetzt lassen wir das Licht nicht mehr unter einem Scheffel stehen (hört sich schleimig dichterisch an, egal). Ich möchte für Dich da sein, laß mich wissen, was ich für Dich tun und sein kann (ich bin manchmal ein wenig unbeholfen, was das angeht – aus welchen Gründen auch immer).

Laß es uns noch einmal neu beginnen. Langsam. Wie Du willst. Mir alles Recht, aber bitte, bitte, bitte denk nicht daran ein Ende zu machen, das wäre so schade um das Traumpaar dieses und des nächsten Jahrtausends. Wir haben schon viel miteinander erlebt und jede Menge gute Zeiten miteinander gehabt. (Im Normalfall könnten wir jetzt schon allein von der Erinnerung zehren und es wäre mehr, als viele jemals erleben werden ...) Ich weiß nicht, ob ein Brief so toll ist. Versteh mich am besten, wenn ich Dir den Brief gebe!!! Grußkuss!!

You’ve got a friend!!!

ZWEITER: Seltsames hin und her. DRITTER: Pass auf, so geht es weiter! ERSTER: H.H. Gedanken: Ich möchte keine Entscheidung zwischen mir und Deinem Privatleben sondern eine Übereinkunft. Danke für den Großteil des erlebten in Prag! War eine wirklich schöne Zeit, auch wenn ich aufpassen mußte, was ich tue oder auch nur so sage. Wir können wirklich gut miteinander, wenn wir es wollen. Entschuldige die Rechtschreibfehler und die undeutliche Schrift! Meistens schreibe ich zur Zeit im Bett!

ZWEITER: Ach deshalb! ERSTER: Ich gebe Dir alle diese Papiere; Du selbst kannst entscheiden, was davon wert war aufgeschrieben zu werden, den Rest kannst Du gleich wegwerfen. DRITTER: In den Müll damit! ZWEITER: Ruhetage? Besinnungstage? Beziehungspause? ERSTER: H.H. Wieder „Danke“ für Deinen Anruf! Der Späte! Die letzten 2 Wochen habe ich mich schwer zurückhalten können, bei Dir vorbei zu kommen oder anzurufen. Ich will Dir Zeit geben, Dich „in Ruhe“ lassen. Das was wir haben, ist keine gesunde Beziehung, sie ist krank. Ich muss sagen, dass ich solche Entscheidungen (keine Zeit wegen Eigenverwirklichung) natürlich akzeptiere, sie selbst aber – wenn es um Liebe geht – nie verwenden würde, da es nur ein weiteres Wort für die gewollte Befreiung aus der Bindungsangst ist und Bindungsängste in der Liebe nichts zu suchen haben, sie haben damit nichts zu tun. Für mich sieht es immer noch so aus, dass die Zeit, die man mit einer wirklichen Liebe verbringt auch die Zeit für einen selbst bedeutet. Man kann also auch mit und bei dem Partner Erholung und Selbstverwirklichung finden (vielleicht auch gerade durch ihn). Bei uns scheint das weit davon entfernt zu sein. Ich denke nicht, dass meine Geduld daran etwas ändert! Es ist ja schon so weit: ich darf Dich nicht einmal mehr berühren und Du weißt, Deine Abneigung gegenüber meiner Anwesenheit und Berührung verletzt mich sehr. Kannst du dich noch an den „Prager Frühling“ erinnern? Warum das wohl alles so ist? Klar, ich habe Fehler gemacht – du lässt es mich auch ständig wissen. Bevor Du nicht aufhörst in der Vergangenheit zu leben, sehe ich keine Möglichkeit für uns. Am Rande: ich fand unsere gemeinsame Vergangenheit überhaupt nicht so negativ. Wenn wir zusammen waren, waren wir richtig zusammen. Du hast mir viel gegeben und ich hoffe, ich war Dir auch ein „Erlebnis“ ... . Du hast mir viel unterstellt und ich habe Dir zugehört und Dir teilweise auch zugestimmt, weil Du meistens dazu gesagt hast, dass es Dir „so vorkommt, wie wenn ...“. Klar kann ich Deine Vorstellung verstehen, aber sie hat nicht immer eine gleiche Basis mit meinem Blickpunkt von den Dingen. Zum Beispiel wollte ich Dich nie bewusst an der Nase herum führen oder Dir absichtlich weh tun. Ich denke, dass auch Du mir mit den jüngsten Aktionen nicht absichtlich Schmerzen zufügen wolltest – hoffe ich zumindest. Unsere Vergangenheit finde ich nicht so schlecht wie Du, weil wir so viele gute Erfahrungen und Erinnerungen sammeln konnten, dass ich gern an jene denke, bevor ich die Zeit analysieren will oder sie mit anderen Mißverständnissen verschwende. Eine „gesund Beziehung“ birgt gegenseitige Ergänzungen, die wir hatten und auch noch in uns tragen, aber diese können wir zur Zeit nicht heraus lassen. Was haben wir im Augenblick gerade voneinander? Ganz davon abgesehen, dass wir (scheinbar sowieso) nicht mehr miteinander schlafen, was haben wir voneinander? Du hast Deine Freunde, Deine Ziele im Leben, das ist gut, aber ich scheine keinen Platz mehr darin zu haben, weil Du ja ansonsten Deine Zeit für Dich brauchst und sie nicht bei mir für Dich gewinnen kannst.

ZWEITER: Jetzt haben wir den Spruch verstanden! DRITTER: War das ein Anflug von Gegenwehr? Endlich! ERSTER: Ich darf Dich nicht mehr berühren und ich berühre Dich auch nicht mehr.

Es berührt Dich nicht mehr, was ich mache, was mir wichtig ist und so weiter. Es ist eine Farce mir zu sagen, ich sei nicht mehr an Dir interessiert. Als das kam, war ich wirklich überrumpelt, da konnte ich nichts mehr sagen, da war ich mal wirklich fassungslos. Gerade zu der Zeit – seit wir wieder zusammen sind bist Du mir so wichtig wie nichts anderes auf der Welt geworden und dann das! Und das Gerede von dem, dass ich nichts verstehen würde und so intolerant sei. Vielleicht verstehe ich ja zu viel von Dir, dass es Dir zu bedränglich vorkommt. Ich habe nämlich sehr wohl entdeckt, wie sehr Deine Liebe abgeflacht ist und ich bin mir sicher, Du hast Angst, ich könnte diese Tatsache noch tiefer erkennen (ich weiß noch nicht, wie bedeutend das hier sein kann). Wohin geht Deine Liebe? Warum können wir nicht offen zueinander sein? Am Telephon bist Du entweder zu müde oder zu empfindlich. Es kostet auch ganz schön Kraft einen Streit zwischen uns vermeiden zu wollen ... . Ring, ring, give me a call! Von uns 2 melde nur ich mich. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft nicht mehr zusammen sind. Wir sind es schon seit zirka 3 Wochen nicht mehr. Es scheint wieder so zu sein, dass ich Schluss mache, aber das ist bei Gott nicht so. Du willst es nur so hindrehen, um dich zu schonen oder so. Schade, dass es so weit gekommen ist. Du interpretierst immer noch nur das negative in meine Augen (was Dir bei anderen nicht passiert). Wenn wir so weiter machen wie die letzten 3 Wochen, bleiben wir ja gute Freunde, die sich über ihre gescheiterte Beziehung nicht unterhalten, sondern bis an ihr Lebensende das Unausgesprochene weiterhin erfolgreich verbergen. Geben wir weiter keiner Offenheit die Möglichkeit!?? Mir kommt es vor, wie wenn Dir das hier Ausgesprochene ganz recht ist, dann musst Du es nicht selbst tun. Ich gehe einfach davon aus, dass Du das so willst, da Deine Reaktionen – oder besser: Nichtreaktionen – auf nichts anderes schließen lassen. Zum Reden zu müde. Nicht einmal das bekommen wir auf die Reihe. Es würde mich wundern, wenn Du mir noch ohne Falschheit in meine Augen sehen könntest. Und noch mal: Ich verstehe Deinen Ehrgeiz und Deine Ziele und die damit verbundenen Anstrengungen. Sei ehrlich zu Dir, in einer intakten Beziehung können solche Anstrengungen zu einem besseren Zusammenhalt führen. Weiter: Es ist keine Schuldfrage. Wer wann wen anklagt und wo die Ursache des entstandenen Chaos liegt, das alles spielt jetzt keine Rolle mehr. Es geht darum etwas daran zu ändern, nicht zu stagnieren oder wenigstens die augenblickliche Situation bewußt zu erkennen.

DRITTER: Sie versteht unter „von den Zwängen befreien“ etwas anderes als du! ERSTER: Wenn Du mich nicht mehr liebst, kann keiner was dafür. Du und Ich, wir können Dich nicht zur Liebe zwingen. (Nebenbei: „zur Liebe“ = „zum Glück“). Keiner hat Schuld, auch nicht die (böse) Vergangenheit. So ist es eben. Jetzt! Du sagst: „Sehen was wird.“ Ich sehe uns nicht mehr zusammen! Zitat von irgendwem: „Zum Glück brauche ich ein schlechtes Gedächtnis (und eine Flasche Wein)!“

ZWEITER: Tucholsky? DRITTER: Würde passen! ERSTER: Egal, wer ein Ende macht, wenn es sich um einseitige Liebe handelt, ist das Beenden immer besser als eine grundlose Fortsetzung. Der eine will sich nicht auf Dauer verletzen lassen, der andere sollte so ehrlich gegenüber sich selbst und fair gegenüber dem ersten sein. Der Nichtlieber muss eingestehen, dass mit dem geringen Maß an Liebe, die von ihm ausgeht, keine Beziehung mehr aufrecht erhalten werden kann. (Wie ich das Wort „Beziehung“ verabscheue!) Ob aus „Angst vor Verletzung“ oder aus „Vernunft“ lohnt es sich nicht weiter zu machen. Der Schluss erhöht die Chancen wieder zusammen zu kommen (in Freundschaft oder mehr). Er ist besser als ein dauerhaft schlechter, kränklicher Kompromiss der zu schwachen Verliebtheit. Leider habe ich nicht genug Courage, um die negativen Briefe abzuschicken. Ich hab vermutlich Angst, Du könntest ernst machen ... .

ZWEITER: Sie sind noch zusammen, man kann seine Hoffnung nicht übersehen. DRITTER: Er hat keine Ahnung, was sie gerade treibt. Sie könnte ihn doch betrügen, ist das hier noch niemandem in den Sinn gekommen? ERSTER: H.H. Wir haben uns gerade gesehen! Küsschen auf die Wange ist o.k. . Es erinnert mich ein wenig an das Judas Stück, aber Du weißt ja, ich neige manchmal zu übersteigerten Formulierungen und meine es eigentlich gar nicht so schlimm. Ein Hauch von süßlich saurem Abschied lag für mich schon in der Luft. Wenn wir so weiter machen, erinnern wir uns wahrscheinlich bald überhaupt nicht mehr daran, wie und warum wir mal zusammen waren. Vielleicht sind damit Hand in Hand die schlechten Vergangenheitsgedanken aus unseren Köpfen. Vielleicht wäre es wirklich besser so!?? Nein! Es tut mir so leid, wenn ich so ein Sturkopf bin und immer noch glaube, jeder würde sich seine Zeit selbst machen und geben. Ein wenig habe ich mich schon von der Zeitnot anstecken lassen, ich glaube nämlich, ich möchte meine Zeit in Zukunft nicht mehr nur mit warten verbringen. Es tut mir auch leid, vieles zu streng aufgeschrieben zu haben. So ist es nicht immer gemeint. Na ja, bislang hast Du meine ganzen Briefe noch überhaupt nicht gelesen. Vielleicht bekommst Du sie nie zu Gesicht. Ich liebe Dich immer noch (ohne ein Unsicheres: „ich glaube“ als unnötiger Zusatz wie bislang; dafür aber mit einer wagen zeitlichen Bestimmung: „noch“)! Ich hoffe (wenn ich mich tatsächlich entschließen sollte, Dir meine aufgeschriebenen Gedanken und Gefühle zu geben), das alles hier verletzt Dich nicht zu sehr, es sollte nur ehrlich sein, ich bin nämlich immer noch der Meinung (für Dich vielleicht leider), dass man nichts (vor allem in einer Beziehung) voreinander verheimlichen sollte, weil es ansonsten doch irgendwann, irgendwie, vielleicht auch unabsichtlich ans Tageslicht gelangt. Es tut mir auch leid, wenn ich das alles hier so wichtig nehme, obgleich dafür vielleicht schon länger kein Anlaß mehr besteht – Deinem Verhalten nach zu schließen. Deinem Mangel an Zeit zu Folge ...

Es ist wieder ein Tag vergangen, endlich ist der Entschluss gefasst, ich gebe Dir die Briefe. Beachte bitte jeweils das Datum.

ZWEITER: Toll, die sind ja alle durchgestrichen, aber es wird hier schon geordnet sein? ERSTER: Versuche Dich an die damaligen Situationen zu erinnern, dann wird eher deutlich, warum ich es so wichtig genommen habe, es immer noch tue und es auch so ernst aufgeschrieben habe. Das dürfte eine ziemlich unbekannte Seite von mir für Dich sein. Ich hoffe, wir sprechen bald wieder mal über uns, wie es war und was werden soll; ansonsten bleibt meine Annahme bestätigt, dass Dir nicht mehr so viel an uns liegt. Sei ehrlich zu Dir, ich möchte Dir keine Steine in den Weg legen.

ERSTER: H.H. Diesen Brief schiebe ich vor, bevor Du das alles liest: Die Briefe, die meine Gefühle auszudrücken versuchen, wollte ich Dir ja schon länger geben. Ich habe in Prag gesagt, ich würde sie vernichten, aber das wäre nicht richtig. Ich glaube, diese Wahrheit in den Briefen (manchmal hart gesagt) ist ein Zeichen dafür, wie wichtig Du mir geworden bist. Das Datum der „Geschichten“ (einmal nach der Aufführung, einmal nach einem Smalltalk und so weiter) erklärt vieles. Nimm mir die Offenheit bitte, bitte nicht übel. Sei nicht verärgert, wenn nicht (nur) die schönen Dinge aufgeschrieben wurden. Sie sind auf jeden Fall in meiner Erinnerung und diese schönen Gedanken überwiegen auch. Um zum gegenseitigen Verständnis meinen Teil beizutragen, möchte ich für Dich so offen sein und von dem erzählen, was mich stört und was ich nur in Zusammenarbeit mit Dir „bewältigen“ kann. Vielleicht finden wir bald mal eine Gelegenheit miteinander in aller Ruhe darüber zu reden. Mir wäre es sehr wichtig. Ein lieber Gruß!

ERSTER: H.H. Wir haben telephoniert. Du hast meine Briefe tatsächlich nicht etwa schlecht sondern sogar noch ganz gut gefunden, das freut mich ungemein. Ich könnte es in diesem Fall nicht ertragen, wenn ich mißverstanden würde. Ich hoffe wir können uns bald treffen.

ERSTER: Das Treffen Nur so viel: Ich: „Was ist denn zur Zeit los?“ Du. „Ich bin verwirrt!“ Ich: „Warum bist Du verwirrt?“ Du: „Ich weiß nicht!“ Ich: „Liegt es an mir? (Pause) Liegt es an einem anderen?“ Du: (Schweigst und mir kommt es vor, wie wenn Du nur Zeit brauchst um den Holzhammer zu verzuckern) Ich: „Liegt es an C.?“ Du: „Vielleicht!“ (und Du weißt wie ich, das ist ein eindeutiges JA!) Ich: (gehe)

Zweiter: (übergibt sich und macht sich ein Bier auf) ERSTER: Selbsterfüllte Prophezeiung, oder wie? Was wird kommen? Ich weiß, dass unsere Erinnerung perfekter ist, als das augenblickliche Bewusstsein. Das ist die Hölle. Die Erinnerung kann es so gut mit uns meinen: „das Gras war grüner, die Nächte wärmer, das Licht näher ... .“, aber was nützt das dem Hoffnungslosen?

ZWEITER: Wie lange wird es dauern, bis er sagen kann: „Es war besser so?“ oder nur „Es geht mir gut ohne Dich!“? Weshalb hat sie gesagt, die Briefe wären gut? Ist es ihr damit leichter gefallen? Vielleicht waren die Spinnen für meine Übelkeit verantwortlich, wer weiß? Sie zu töten hatte scheinbar keinen Sinn, es waren unzählige. Vielleicht musste ich mich an sie gewöhnen? DRITTER: Im Theater ging es so weiter: 4. Gelb - Partnerorientierung - emotional (affektiv, gefühlsmäßig erregt) - Persönlichkeitsentwicklung, freier Wille - träge krabbeln - Verstecktes entdecken (sich spielend austoben, Spannung abbauen, Ausbruch üben, mit keinem Schuldgefühl lieben - E

Ein weiterer Ausflug: während Jack wieder im Boot schläft, spazieren Adam und Ela weiter als bei dem ersten Mal. Sie baden in einem Becken eines Wasserfalls. Sie steigen aus dem Wasser, Ela fragt nach seiner früheren Liebe. Adam ist sich nicht sicher, ob er überhaupt richtig liebte. Er stellt sich seine frühere Liebschaft vor.

Laß mich für dich, aber laß mich mich sein (ADAM)

Ela nimmt ihn in den Arm, er realisiert Ela wieder, legt sich mit ihr unter den nah gelegenen Kirschbaum. Sie kommen sich langsam näher ... .

Unter dem Kirschbaum (ADAM / ELA)

Kurz bevor sich ihre Lippen berühren muß diese Szene unbedingt unterbrochen werden.

Es war mir wichtig, daß es keinen richtigen Kuß in dem Stück gibt. Es war sowieso nirgends davon die Rede, daß sich die Nebendarsteller küssen sollen, um „in der Rolle zu bleiben“. ENDE 1. AKT

ERSTER: H.H. Man braucht keinen Wetterbericht, um zu sehen woher der Wind weht. Ohne Hellseher zu sein; ich hätte ich es kapieren müssen. Ich bin so naiv, an einen Laienschauspieler zu glauben. Es ist mitten in der Nacht. So schlecht habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Unfaßbar wie nah mir das immer noch gehen kann. Ich dachte, ich sei endlich abgestumpft genug für so etwas. Weit gefehlt. Wenigstens bin ich mir dessen sicher, mein Unwohlsein laß ich mir nach außen hin nicht anmerken. Ich will niemandem meine schlechte Laune aufnötigen, jemand mit dem belanglosen Scheitern meiner Liebe langweilen.

ZWEITER: Das kann ich dir versichern, mich langweilt es nicht. Wer das hier nicht versteht, hat auch noch keine Liebe erlebt. Zumindest nicht das Ende und genau das gibt es immer – irgendwie – glaube ich zumindest. ERSTER: Ich bin immer noch in Dich verliebt, egal wie sehr Du mich verletzt. Ich bin auf der dunklen Seite der Straße, frei wie ein Vogel ohne Sonne. Du hast Dich noch nicht eindeutig für ihn ausgesprochen, aber Du wirst es tun, das Neue ist immer in einer besseren, interessanteren Position. Ich vertrau nicht darauf, dass du erkennst und durchleuchtest. Zum Teil wirst Du mit ihm –was auch immer anfangen, um besser von mir wegzukommen. Du bist nicht der Typ, der lange alleine sein will / kann. Wir werden noch einmal miteinander sprechen und ich bin wirklich gespannt, wie es verlaufen wird nach dem Wochenende. Über ein paar Ecken habe ich erfahren, dass er auch auf der Hütte von eurem Chor ist. Meine Vorstellungen drehen hohl. Vielleicht liegst Du mit ihm schon in der Kiste –

DRITTER: Sicher doch! ERSTER: ... Obwohl ich kein so ein schlechtes Bild von Dir haben könnte, aber ich kenne Dich seit dem Theater nicht mehr wieder. Du bist mir fremd geworden. Schweigend kalt. So bist Du doch nicht wirklich!?? Vielleicht ist meine bescheuerte Hoffnung nicht unberechtigt, vielleicht bist Du aber auch nur damit einverstanden, dass wir uns freundlich trennen. Ich muss es ja bestimmt erledigen: der endgültige Schlussstrich, Du hast nicht den Mut dazu. Hart, eine Zumutung oder eine Frechheit fand ich es schon, dass Du so fröhlich natürlich meinen Vorschlag begrüßt hast, dass ich und nicht Du nicht in das Nachtreffen des Theaters gehe, um ein unangenehmes Zusammentreffen zu vermeiden. Man wird sagen, dann soll ich doch auch keine solchen Vorschläge machen, wenn ich mich nicht damit abfinden kann, aber wie sollte ich reagieren, als Du mir von dem Nachtreffen erzähltest? Du sagtest, dass ich ja sowieso nichts mit den Leuten anfangen könne. Das könnte ich schon, aber es kann sich auch anders entwickeln, wenn Du es weiter verhindern willst. Viel Spaß ohne mich. Vermutlich viel mehr Spaß ohne mich. In was für eine Rolle drängst Du mich eigentlich. Vielleicht lässt Du die anderen auch noch spüren, dass Deine Schlechte Laune an meiner Anwesenheit auf dem Erdball liegt. Wie soll ich zu denen einen Draht bekommen, wenn eine – ihnen durch die Proben näher stehende Person vermittelt, dass es sich in einem Autorfall wie diesem um eine zu komplizierte Sache handelt, an der eine so zarte, empfindsame Knospe, wie Du eine (ohne Zweifel in dem Spiel) bist nur eingehen kann. Sind wir in einem Psychodramaseminar oder was? Das Fest würde mit mir nicht funktionieren, ist mir klar. Gut, ich fahre über das lange Wochenende zu meiner Schwester. Den Brief erhältst Du danach, ich bin gespannt, wie wir zueinander stehen können.

ERSTER: H.H. Bei meiner Schwester ist es beruhigend. In Deiner Nähe (30 km Umkreis) schwebe ich in einem ganz anderen Film (der mich mit seiner zerstörerischen Schnelligkeit immer wieder in seinen Bann zieht). Vielleicht sollte ich das nicht nur in Klammern schreiben. Was ist unsere Möglichkeit? Die Vergangenheit bestimmt nicht! Wie lange ich warte, ist nicht die Frage. Für was! Warum habe ich Dir von meinen Zweifeln, von meiner Hoffnung und warum habe ich Dir von meiner Liebe geschrieben? Tausend Fragen. Du weißt, ich will keine Entschuldigung, ich will eine Veränderung! Treff Entscheidungen, die Du später nicht bereuen wirst. Die deprimierendste Tatsache wird sein, dass das Ende so ablaufen wird, wie üblich, wie überall auf der Welt. Aus dem jetzigen Chaos könnte noch eine unsterbliche Liebe wachsen, aber so optimistisch war ich noch nie veranlagt. Eigentlich sollte ich mir – wie Du – auch jemanden zum amüsieren fürs Wochenende suchen ... . Jetzt ist es wohl an der Zeit mich – genau wie Du – nur noch an unsere miesen Erlebnisse zu erinnern, um Dich zu vergessen, wie Du mich. Vollkommener Emotionsabfall. Hätten wir nur mehr miteinander gemacht, wie ich es wollte, mit Freunden, wirklichen Freunden! Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen? Weißt Du nicht mehr, Dein Lachen und freudiges Springen auf meinem Bett. Mit mir! Mit mir! Und nicht ...! Ich weiß nicht, was ich denken soll und noch weniger, was ich machen kann. Vermutlich nur nichts.

DRITTER: Der zweite Akt. II. Akt

5. Grün - Erklärungsbedarf - mental (Gedanken-, Verstand-, Denkorientiert) - Liebe, Entscheidung, Lebenshaltung, Hoffnung? - zorniges sich hochziehen - Bewegungsvergnügen, Ordnungswunsch (geistiger Gewinn, Möglichkeiten sehen) - F

So ist es eben (WÄRTER & GEFANGENE) Eine sehnlichst erwünschte Wende zurück zur Romantik und des Wohlbefindens vergangener Tage liegt in der Luft. Unbeschwertheit macht sich breit. Die überzogen dargestellte Freiheit in der Ablenkung setzt sich so aufdringlich durch, daß Adam und Ela lernen eine andere, äußere Wirklichkeit für unmöglich zu halten. Es wird so eindeutig, beinahe sogar lachhaft auf die gelogene Falschheit aufmerksam gemacht, daß es fragwürdig wird, weshalb sich Adam und Ela auf diese Lüge einlassen. Sind sie in ihrer Verliebtheit völlig erblindet? Umtrieb und hervorragende Stimmung im großen Warteraum, auch Adam klinkt sich in die Gemeinschaft ein, er besingt den Nichtgrund für sein Empfinden. Warum ich nicht liebe (ADAM)

Adam erwacht in dem zusammengeschobenen Bett von einem Alptraum. Er erzählt ihn Ela, die neben ihm liegt. „Mord des Kritikers“ & „Schwarzfliegen im Glasflugzeug“. Ela tröstet ihn mit einem eigenem Fluchttraum und Traumflugversuchen. ERSTER: H.H. Gerade in diesem Nachtreffen vor Deinem Hüttenwochenende mit ihm habt ihr euch zum ersten mal richtig aufeinander eingelassen (was das auch heißen mag, ich möchte die genauen Ausführungen überhaupt nicht wissen), wie ich jetzt von allen möglichen Leuten erfahre. Ihr habt euch immer wieder mal von dem Fest „um zu Reden“ verzogen, sagt man. Knutschereien auf einem Fest (teenmäßig, wie romantisch).

ZWEITER: Mir wird schon wieder schlecht! Und immer die Ahnung, daß die Spinnen noch überall sind. Aber wenn ich hier oben fertig bin, wird alles seine Ordnung haben und da wird kein Platz für die Miststücke sein.

Aus dem MÜLL kommen Stimmen. Undefinierbare Herkunft! Undefinierbares Geschlecht. Undefinierbare Zusammenhänge. Wortfetzen, Satzbrüche, die nicht mit dem Handlungsstrang in direktem Einklang verlaufen. Inhalt: Kritik an der Menschheit. MÜLL: I & I Die Entwicklung der Menschheit ist vorbei. In creation where ones nature nether honors nor forgives! Oder so ähnlich. Die Entwicklung der Menschheit ist vorbei!!! Es gibt nur noch Firlefanz zu entdecken! Das was wir brauchen, das haben wir. Was wir nicht brauchen, das können wir noch entwickeln, aber das gehört nicht zu einer Entwicklung der Menschheit, sondern zum Entwickeln des Luxus! Luxus ist eine Nichtwicklung. Einige werden darauf bestehen, dass der Markt, der Konsum und der übrige Kapitalistensport auch zur Menschheit gehört, aber denen wird hier das Gegenteil bewiesen.

ERSTER: Und das auf einem Fest, das ohne mein Impuls nie zustande gekommen wäre, mit Leuten, die sich ohne, dass ich den bekackten Text zu ihrem Theater geschrieben hätte, vermutlich nie so nah gekommen wären. So nah, wie ihr euch jetzt steht Es gibt viele Wege einen Partner zu verlassen. Von einer Distanz betrachtet kommt mir dieser aber wie an den Haaren herbei gezogen vor. Ich möchte mir überhaupt nicht vorstellen, was danach auf der Hütte gelaufen ist. Vermutlich brauchen wir nichts mehr weiter bereden. Die Dinge stehen, wie sie stehen.

DRITTER: Das dritte Erbrechen war nicht mehr so qualvoll wie das erstemal, was? ZWEITER: Vielleicht kann man sich sogar an das gewöhnen? DRITTER: Im weiterlesen wird deine Übelkeit bestimmt immer gleichgültiger. ZWEITER: Von einer seltsamen Trennung zum riesenhaften Liebesglück und wieder zurück zum miserablen Eifersuchtsdrama; das ist scheinbar ein kleiner Schritt. Ich habe dieses mal keine Briefe übersprungen. Kraß, man schreibt viel zu selten die wirklich schönen Momente auf. Der, der das hier geschrieben hat, hat echt nicht sehr viel für das Festhalten von glücklichen Augenblicken übrig. Schade, aber verständlich. Wer schreibt schon während er Karussell fährt? ERSTER: H.H. Es scheint so zu sein, dass man nicht zufrieden sein will. Hat man endlich alles erreicht, was man sich wünschte, dann muss man schon ausgefallene, verwegene Wege wählen, um wieder einen Anlass zum Unzufrieden zu sein erlangen kann. Die Vergangenheit muss zu Rate gezogen werden, ein neuer, Interesse versprechender Anfang muss in Erwägung gezogen werden, um das erreichte Ziel nicht mehr zu ertragen. Man muss sich schon einiges einfallen lassen, um das möglich beständige Glück nicht zu nah vor der Nase zu haben. Wieder ein traurige Schluss. Unfassbar. Wirklich unfassbar. Ich hoffe, dass ich mir heute die Finger wund schreibe, damit ich den ganzen Müll aus meinem Kopf bekomme. Das abartige Schlammassel, mit den üblichen Begleiterscheinungen. Einseitige Liebe, mit all ihren Konsequenzen. Ich müsste ein Buch schreiben! Titel: „Typisch Schluss“, „Handbuch zum Fertig werden“ oder „Das Ende leicht gemacht“ Stichpunkte zu einzelnen Kapiteln: • Alles interpretieren!!! • Den anderen mit seinen Handlungen nicht mehr verstehen versuchen, geschweige denn schätzen zu wissen. • Den anderen mit Haut und Haar aus Körper, Geist und Seele verdrängen! • Übersensibilität an den Tag legen, um eine freudige Unterhaltung zu vermeiden. Dazu gehört vor allem: kleine Missverständnisse, aus Schwäche entstandene, grundlose Versöhnungen, einen trostlosen Streit, Nicklichkeiten zum ständigen Thema zu machen. • Andere Partner als Ersatz für den „Alten“ deutlich in Erwägung ziehen, nicht, dass der sich erlaubt in der eh schon brenzligen Situation nicht eifersüchtig zu sein. (Der angenehme Nebeneffekt, dass die Möglichkeitenflut auf dem Fleischmarkt angenehm den Geist und die Sinne benebelt, sollte dem anderen auch nicht entgehen, damit der Eindruck nicht getrübt wird, dass das bisherige Zusammenleben von gähnender Langeweile gezeichnet war.

Wenn mindestens dem allem genüge getan wurde (es gibt noch unzählige andere Punkte, wer Zeit hat, kann beliebig ergänzen), können die dementsprechenden Sprüche kommen, die mit dem alles sagenden: „Wir müssen mal miteinander reden!“ eingeläutet werden. • „Du hast mich noch nie verstanden.“ • Das passende: „Was ist aus uns geworden? Wir haben doch so gut zueinander gepasst!??“ • „Wir haben sowieso noch nie richtig miteinander geredet oder uns auch nur angenehm unterhalten können.“

Es wäre wirklich ein mindestens so interessantes Buch wie das – im Thema allgemeiner berichtenderen – „Anleitung zum Unglücklichsein“. Im zeitigen Partner nicht die Erfüllung der eigenen Liebe zu finden ist eigentlich ganz einfach, man muss nur im falschen der Herzen danach suchen!!! Eigentlich muss man froh sein, wenn es solche Bräuche und Traditionen bei dem nervenaufreibenden Geschäft des „Schlussmachens“ gibt. Es erleichtert die Gedanken von der Last der Ernsthaftigkeit von Liebe. Jeder Schmerz hat eine Ursache. Wenn wir den Schmerz wahrnehmen liegt dieser Ursprung aber meist schon zeitlich versetzt zurück: in der Vergangenheit! Die Vergangenheit. Das Vergangene. Für viele Menschen ist genau dieser Moment jetzt, genau an dem Ort, an dem sie zu genau dieser Zeit sind, der Augenblick ihres höchsten Glücks. Das genaue Gegenteil von so einem perfekten Moment bringe ich mit dem nächsten Wimpernschlag auf die Reihe. Meist hilft der alte Dylan: „Denk nicht noch mal drüber nach, ist schon in Ordnung“. Hat mir in solchen Momenten immer geholfen (wenn man Verachtung gegenüber anderen und sich selbst als Hilfe bezeichnen darf). „Warst nicht schlecht zu mir, aber auch nicht besonders gut, na egal.“ Wie sich Deine Stimmung entwickelt. Wie Du mich Stück für Stück zerstückelst.

ZWEITER: Igitt, jetzt hat mich wieder eine angefallen. Die Biester haben keinen Respekt, sie schrecken vor überhaupt nichts zurück. Blutsauger! MÜLL: Die Notwendigkeit keine Entwicklung zu produzieren Es gibt so viele Pfeifen und Fluppen auf der Welt, dass es immer noch verwunderlich ist, dass der Mensch existiert. Praktisch unglaublich. Aber wahr: Menschen werden als „am Leben“ betitelt. Am Leben dran sind manche (auf Grund der Aussage) aber noch lange nicht. Am Leben dran: Schnaufen und sterben. Wenn man ein schlechtes Gedächtnis hat, ist die Chance auf ein glückliches Leben nicht einmal so schlecht. Am Leben und glücklich. Widerspricht sich da nicht irgend etwas oder fasse ich die Bedeutungsebene hier vollkommen verquert. Der Mensch produziert ständig. Und zwar keine Entwicklung. Es sind Nichtinhalte, die entstehen, die nicht einmal durch eine Doppelung derselben zu einem positiven Wirk-Dich werden. ERSTER: Fühlst Du das gleiche nicht wie ich! ... Du wolltest nie ein Gespräch über das Stück, vor allem nicht nach der Aufführung. Du wolltest Deinen Erfolg zuerst auskosten, hast gedacht ich will ihn Dir madig machen. Das war noch nie meine Absicht. Ich wollte mit Dir über das Stück reden, weil ich Deine Meinung und Deine Ideen zu dem Thema hören wollte. Es hätte ein reger Austausch sein können und es wäre unser Stück geworden. Hier jetzt im Nachhinein einige Ideen von mir:

DRITTER: Die Ideen zu der Aufführung, die nicht verwirklicht wurden. INSZINIERUNGSIDEEn

• ÜBERWACHUNGSIDEE: Adam und Ela werden die ganze Zeit mit versteckten Minikameras beobachtet. An der Saaldecke ist eine Leinwand zum Publikum hin geneigt, die die Überwachung (von Knopfkameras) ständig überträgt. Wenn die Hauptdarsteller von der Bühne verschwunden sind sieht das Publikum und die Wärter und (erst später) die übrigen Gefangenen die Übertragung an einer Riesenleinwand, die der Hintergrund der Kulisse darstellt. (Einmal wollen Adam und Ela die Wand bemalen, werden aber von ihren Graffitikünsten wieder von Wärtern abgelenkt. Die Leinwand ist aber zum Ärger aller Betrachter mit einem Meter hohen kitschigen Herz beschmiert ...). Auf beiden Seiten der Hauptbühne (es gibt zwischen den Publikumssitzreihen und an den Seiten noch Nebenschauplätze) befinden sich ebenfalls Leinwände, die dem Publikum, den Gefangenen und den Wärtern manipulierende Kurzfilme zeigen, während Adam und Ela schlafen oder auf dem Klo sind („Standbild“ auf der Hintergrundleinwand). Thema der Kurzfilme ist stets das Sehen: Augen herausreißende Gnome und Kieselsteine schleudernde Sandmänner sollen dem Betrachter ein Trauma versetzen, das ihn zum Kopf gesenkten Bodenbetrachter formen soll. Eine kleine Kamera fällt versehentlich von der Decke. Johannes und ein weiterer Wärter können diese Panne vor den Hauptgefangenen aber geschickt verbergen. Ein „normaler“ Gefangener kehrt die Trümmer der am Boden zerschellten Kamera zusammen. Die ständige Überwachung erlaubt in intime, manchmal peinliche Momente der Hauptgefangenen Einblick zu erhalten (beispielsweise, wenn sie sich versteckt küssen oder einen Wärter plump belügen wollen ...) • DAS AUGE: Schleier, Nebel und ein Irrgarten dichter Gewächse behindern den Inselbewohnern ihre Sicht. In die Nähe sehen ist erlaubt, einen Weit- oder Überblick zu bekommen ist den Gefangenen nicht erlaubt. Lupen, Mikroskope, Brillen für Weitsichtige und Schaufenster sind erlaubt; Ferngläser, Leitern oder Macheten sind zwar anwesend (weil es in der Welt alles geben muß) der Gebrauch ist aber verpönt. Wenn Gefangene aus Lust oder gespielter Revolution diese Geräte dennoch verwenden, werden sie mit einem empfindlichen Laserstrahl der Sonnenbrillen tragenden Wärter geblendet oder werden – für die Hauptgefangenen unauffällig – für einige Tage in eine Dunkelkammer gesperrt (wenn sie wieder frei kommen ist ihnen alles zu grell). Sie sollen am Boden bleiben. Das Auge wird immer wieder zum Thema in dem Stück: Erinnerungen an die Kindheit, als man noch „richtig“ sehen konnte werden aber auch mit „Blendstrafen“ erwidert; die Augenärztin Iris muß häufig Krankheiten wie den grauen Star und eine unbekannte Abart davon behandeln, hat aber mit ihren Heilungsversuchen wenig Erfolg (schließlich verschreibt sie den Erkrankten nur mehr Karotten zu essen ...). Die zunehmende Blindheit der anderen Gefangenen ist für Adam und Ela ein Wink mit dem Zaunpfahl. Sie entwickeln weltverbesserische Absichten, die allerdings aufgrund ihrer Unnötigkeit nur belächelt werden, da in einer perfekten Welt eine Sehschäche nicht gerade ein Problem darstellt, denn: „Welche Schwäche läßt sich nicht durch eine Stärke aufheben?“ und „Wer will denn hier gleich schon wieder weg?“ • GLASIDEE: Das Publikum ist durch eine Glasscheibe von den Theaterszenen getrennt, damit eine nüchterne Distanz zum Spiel entsteht. Die Innenseite des „Glaskastens“ scheint verspiegelt zu sein. Die Schauspieler drücken sich immer wieder ihre Nasen daran platt oder stoßen sich unabsichtlich den Kopf daran. Sie reagieren gleich wie Fliegen, sie probieren es immer wieder an der gleichen Stelle. Manche brechen nach dem „Kopfstoß“ zusammen und bleiben wie ein sterbender Vogel am Boden liegen und müssen von den Wärtern abgetragen werden. Am Schluß steigen Adam und Ela auf eine Glasempore über den Zuschauerreihen und betrachten sich das ganze Geschehen von oben. Sie fliehen weiter und sind nur noch auf der großen Hauptüberwachungsleinwand sichtbar. Als sie vor der Wüste stehen, werden sie so von allen Wärtern und allen Gefangenen von der Spielbühne aus beobachtet. • GITTERIDEE: An den Seitenausgängen von dem Theater befinden sich Flieger- / Fliegengitter, die Röhren zu den Sitzplätzen bilden. Gefangene (und beim betreten des Zuschauerraums auch das Publikum) sehen sich immer wieder dazu gezwungen durch die Gitter hindurch zu gehen. • SINNE: Die Gefangenen werden in allen Sinnen immer abgestumpfter gemacht. Nachtmasken sind üblich. Des Nachts werden den Gefangenen unauffällig Erdnüsse in die Ohren gesteckt. Klein Goldfische werden in die Nasenöffnungen geleitet. Knebelartig wird ihnen im Schaf der Mund mit einem Schwamm gestopft. Die Gefangenen werden scheinbar im Bett nur künstlich am Leben gehalten. Durch Gase werden alle ihre Wahrnehmungsorgane getrübt, so bekommen sie von der unnötig erscheinenden nächtlichen Grobheit der Wärter nichts mit. • LIEBE-ALS-FARCE: Adam und Ela werden von allen Seiten her zur Liebe zueinander genötigt und verfallen auch tatsächlich in eine romantisch kitschige Liebesstimmung. Anfangs machen sie sich noch über ihre eigene Unbeschwertheit lustig, aber bald schon wächst aus der verspielten Verliebtheit der freie, nein, fesselnde Blick für den anderen, so daß die Beziehung für sie selbst nicht mehr, aber nach außen hin (für das Publikum) als gefühlsüberfrachtete Farce erscheint. Es entstehen lächerliche, übertrieben kitschige Pathosszenen, die nur noch als Verarschung des emotionellen Ausverkaufs der großen Massenveranstaltungen (wie kommerzielle Musical Vermarktungen) gesehen werden kann. Erst am Ende entdecken die beiden Hauptdarsteller, daß sie sich nicht einmal selbst befreien können, daß die Moral log, daß das ewig siegende Gute nicht existiert und daß ihnen nach dem Ausblick auf „die Freiheit Wüst“ nichts weiter übrig bleibt, als sich in die Schlange der anderen Gefangenen und Wärter einzureihen. Vielleicht um sich selbst ein Lebtag lang als gefangen zu sehen oder vielleicht um als Wärter zu warten!??

MÜLL: Wirk-Dich Wirk-Dich bleibt unerreicht, solang sich kein Inhalt schleicht. Schon die Griechen wussten von dieser Philosophie zu profitieren. Wirk-Dich kann der transzendentalpragmatischen Diskursethik übergeordnet werden, da der Diskurs in der Kommunikation immer auf ein Wirk-Dich herauslaufen sollte. (Sofern man glaubt, dass man nicht nicht Wirk-Dichen kann). ERSTER: H.H. Schon wieder ein Zettel! Die anderen – irgendwann vorher entstandenen Zettel schick ich Dir mit, weil ich an dem, mir nie Glück bringenden Handeln festhalten will: „Immer so ehrlich sein, daß man nie spielen muß“. In den früheren Briefen stehen nur aus Eifersucht gequollene Sehnsüchte und auch wieder Dinge, die Du als extreme Vorwürfe auffassen wirst (es ist nur, daß Du Gewißheit darüber hast, wie ich da dachte / fühlte). Vergiß die Dinge, ich hab mich nur darüber aufgeregt, daß ich scheinbar dabei bin verarscht zu werden. Jetzt weiß ich, daß ich verarscht worden bin. Ich betrachte meine Liebe nicht mehr als so etwas, was sie hätte werden können. Bla, bla, bla ..... H. ich laß mich nicht verarschen! Schade, dass Du es nie auf die Reihe bekommen hast. Bezeichne mich nicht als Lebenskünstler. Derjenige ist kein Lebenskünstler, der seine Beziehung aufrecht erhalten kann; es ist jemand der des Lebens fähig ist!!!

Andere Leute beginnen noch vor der 2ten Aufführung zu munkeln: Eine Deiner Freundinnen zu mir: „Sag mal, bist Du nicht eifersüchtig, wenn H. auf der Bühne so rummacht?“

Es geht nicht darum, dass Du zwischen Deinen großen Events Zeit für mich hast, sondern vielmehr darum, wie Du allgemein zu mir stehen kannst. In Extremsituationen sieht man das deutlicher. Sag ruhig, daß ich Dich nicht verstehe und so `nen Quatsch. Mir kommt es auf etwas anderes an und vielleicht ist Dein Verständnis weit davon entfernt die Lage einzuschätzen (ansonsten würdest Du Dich nicht von solchen Belanglosigkeiten ablenken lassen). Du warst voll im „Flieger“ drin und hast nichts von der Philosophie auf Dich übertragen können / verstanden schon, aber nicht gelebt. Du hast keinen Abstand, sonst hättest Du den „Überblick“ behalten. H., ich liebe Dich, aber Du bist nichts für mich. Es wäre so einfach gewesen mir jetzt zu vertrauen, mich jetzt Dich lieben zu lassen und Deine Liebe mir zu schenken. Ich weiß, daß Du eine schwere Zeit hast: Krankheit und Nervosität, psychische Probleme. Irgendwie kommt es mir vor, wie wenn ich Dich krank mache. Warum konntest Du mich nicht annehmen und mir nicht ständig Vorwürfe in meine Augen interpretieren (oder sonstigen Dreck, der uns mit Gewißheit auseinander bringen wird, wenn Du Dir irgendwann selbst die Wahrheit dafür zusprichst)? Überrede Dich nicht dazu, daß von mir alles schlecht ist. Ich bin kein Held, das weiß ich auch, aber so schlecht wie Du mich machst, bin ich auch nicht.

ZWEITER: Ich habe das Gefühl, dass hier durch die Zwischenbemerkungen in dem Exposé doch einiges aus dem zeitlichen Rahmen fällt. Die Briefe sind zwar verschärft geschrieben, aber sie stecken doch noch voller Hoffnung. Vielleicht stecken sie auch voller Verzweiflung. Die Situation ist doch eindeutig, oder? DRITTER: Sie zieht wirklich in dem Stück, das er geschrieben hat, mit ihrem Schauspielpartner ab und lässt den armen, armen Tropf sitzen. Als Häufchen Elend könnte er sich aber auch ein wenig würdiger geben. Er hat zu der ganzen Sauerei noch keine wirklich entschiedene Stellungnahme bezogen. ZWEITER: Vielleicht hat er es nur nicht schriftlich zu Wege gebracht? DRITTER: Hoffentlich, ansonsten sieht mir das schon ziemlich nach Selbstzerfleischung aus. MÜLL: Wirk, wirk, würg Das Darstellungsvermögen eines Durchschnittmenschen weist eine solche Ausdruckslosigkeit auf, dass es – nachdem es beängstigt hat – schon wieder total gagig ist. Pfiffiges dahinkommunizieren bis zur letzten Silbe. Eine unglaubliche Wortspielverzierung in Körper und Geist. Ein Beispiel: ERSTER: „Das verspreche ich!“ MÜLL: Sagenhaft, oder? Aber – wer nicht mitmacht ist blöde. Menschen sind Vollgasdeppen! DRITTER: Die Personen im Stück mit kurzen, knappen Randbemerkungen zu den Schauspielern.

FLIEGER Charaktere

Adam (Hauptgefangener, 33) Nicht gedankenversunken, normal träge und nachzüglerisch. Durch das Gefängnis von einer unbekannten „Liebschaft“ getrennt. Läßt sich anfangs unüberlegt von den inszenierten Stimmungen leiten. Wandelt sich zum sentimentalen Melancholiker.

Der Mann, der Dir von Anfang an wichtig war. Beginn der Eifersucht. Die gequälte Stimme war nicht hauptrollengerecht.

Ela (Hauptgefangene, 28) Rebellisch, selbstsicher, selbstbewußt, aktiv und stets mißtrauisch gegenüber der neuen, heilen Welt. Sie ist Freiheitsliebend und skeptisch gegenüber des Friedens und der Harmonie um sie herum. Als sie sich in Adam verliebt verliert sie sich jedoch auch in der hervorragende Stimmung im Gefängnis. Platzt dann später vor Wut über die entlarvte wirkliche Falschheit.

Daraus entwickelte sich eine Freundschaft zu Dir. Mein Fall war sie nie. Auch wenn sie alles ihr nur Mögliche gab, dann ist doch ihre schauspielerische Leistung nie ausreichend für mich gewesen. Dafür kann sie nichts. Für ihr arrogantes „Küßchen hier, Küßchen da“ Gehabe kann sie schon etwas.

Jack H. (Persönlicher Wärter von Adam und Ela, 57) Versonnen und besonnen ist er wie ein Vater zu Adam und Ela. Gealtert reifer Baß, gemütlich ausgeglichen, sympathisch ruhig und verständnisvoll weise. Freund von allen, wird von manchen Gefangenen „Gutwetter“ genannt. Im Verlauf des Stückes wird er oft vor brisante Fragen gestellt, die eine Wahrheit über die Gefangenschaft fordern. Er entkommt dem Antwort geben aber immer souverän. Ela nimmt ihm schließlich seine Zurückhaltung, seine auf Halbwahrheit beruhende Freundschaft übel

Spielte die Rolle so, wie ich es haben wollte. Das Publikum war um den Charakter dankbar.

Chris (Nebengefangene, 30) Aktiv zerstreut und temperamentvoll, aber auf wesentliches besonnen, ist unheilbar krank. Sie und ihr guter Freund Paul werden zu den besten Freunden von Adam und Ela.

Du!!! Für mich warst Du von den weiblichen Schauspielerinnen die herausragende Persönlichkeit. Du kannst hervorragend singen, hast im Schauspiel alles gegeben und (was für viele Betrachter bestimmt nicht der unwesentlichste Vorteil Deiner sein gewesen dürfte:) Du warst die hübscheste des ganzen Ensembles.

Paul (Nebengefangener, 39) Bodenständig, vernünftig souverän, hat um- und weitsichtig den Überblick Hat einen Tick: Zieht sich immer am Hemdkragen, um sich Luft zu verschaffen

Dein Freund im Stück und jetzt auch in der Realität! Bitter, daß ich den Text dazu geschrieben habe. Es kommt mir vor wie in einem schlechten Film. Wie an den Haaren herbeigezogen. Der „Faule Paule“ (die Kurzgeschichte) wurde wirklich in den Dreck gezogen.

Jirs N. (anfänglicher persönliche Wärter von Adam und Ela, 29) Wird aber (vermutlich auf Bobs Instruktionen) durch Jack ersetzt, da er die beiden auf die vorhandene Trennwand in ihrem gemeinsamen Gefängnisappartement aufmerksam macht.

Kaum eine Erinnerung!

X-woman (Gefangene) Unbeschwert spritzig, erotisch, frech und selbstbestimmt! Entschärft sich spielerisch die 10 Gebote des Gefängnisses.

Auch von Dir gespielt. Mein Lieblingslied von Dir gesungen. So etwas hätte uns verbinden können. Es hat das Gegenteil aus uns gemacht.

Johannes K. (Wärter, der als Gefangener verkleidet ist) Träumer mit verklärtem Blick. Er will für sich nur noch die Phantasie zählen lassen, vermutlich, weil er zuvor schon enttäuscht wurde; aber vielleicht auch um Adam und Ela von ihrem früheren Leben abzulenken. Er ist in seiner Doppelrolle als Spion und „Empfindlichmacher“ wie ein sich ständig wandelndes Chamäleon.

Eines der Solos, die zu viel waren. Da kann er persönlich nichts dafür. Trotzdem, daß es ein wirklich schönes Stück war, hat es die Gesamtheit zu langatmig gemacht.

Bob J. (scheinbarer Wärterchef, 44) Ist immer irgendwo im Hintergrund, bei ihm scheinen alle Fäden zusammen zu laufen, er schaltet sich aber nie wirklich in das Geschehen ein, er kontrolliert nur beobachtend. Alle Wärter flüstern im Hintergrund mit ihm, nachdem sie mit Adam und Ela zu tun hatten.

Der Alleskönner. Lektor, Inszenierungshelfer, Motivator, ... Künstler wie er im Lehrbuch steht. Zum brechen! ZWEITER: Mir ist so flau im Magen. Eigentlich sollte ich nach unten und mich von den ganzen Strapazen erholen, aber wenn ich schon einmal angefangen habe, möchte ich die halbe Arbeit nicht liegen lassen. Der Speicher muß aufgeräumt werden. MÜLL: Menschen sind Vollgasdeppen! Ja, alle! Leider auch die Verfasser, von Kolumnen. Aber wenigstens tragen sie es mit Erwartung. Mit Erwartung auf Nichts! Verquast bleibt man am Leben. Verquast ist nicht länger negativ. Verquast ist der ganze stumpfe Sumpf voll Menschheit. ERSTER: Ich möchte Dich aus meinen Gedanken haben. Du gehst jetzt mit ihm zum Einkaufen; unser gemeinsames Einkaufen war immer ein Fest. ZWEITER: Kleine Notizzettel auf ein vergammeltes Papier geklebt: ERSTER: Ich weiß, was das Hauptproblem der Eifersucht ist: man gönnt den anderen Menschen (wenn sie unter sich sind) nicht die Lust, die man selbst gerne erfahren würde. Man ist einfach neidisch nicht dabei zu sein. Wenn man erfahren würde, was die anderen Menschen für einen Spaß auch ohne einen haben, dann könnte man sich ganz schön ersetzbar vorkommen und das ist ja nicht gerade unser angestrebtes Ziel, oder? Im Gegenteil, es ist vielmehr unser Ziel, das Bewusstsein über unsere Vergänglichkeit zu vermeiden.

Schreib trotzdem Stimmungen und Empfindungen auf, auch wenn sie niemand zu verstehen scheint. Alle möglichen Kumpels wollen einem klar machen, dass auf jeden Regen auch wieder Sonnenschein kommt. Jeder Schlagersänger hat diese Lebensweisheit irgendwo in seinem Repertoire versteckt, also weshalb sollte man sich dieser geistigen Selbstverständlichkeit wehren. Blöd nur, daß es genau so wenig hilft wie der Spruch der Eltern, dass andere Mütter auch noch schöne Kinder haben.

Früher habe ich geglaubt, man könnte heutzutage eher daran verzweifeln, wenn man glaubt nicht mehr lieben zu können, als daran, wenn man durch einen unglücklichen Umstand nicht mehr lieben darf. Mumpitz! Die Augenblickliche unerträgliche Situation treibt mich zu der pathetischen Überzeugung, dass ich leichter selbst jemanden aus meiner Schuld verlassen hätte, als von meiner Liebe aus irgend einem Grund verlassen zu werden ... .

ZWEITER: Der Teppich auf den ich mich gelegt habe, ist zu meiner Freude so lang, dass ich mich in meiner ganzen, schwindelerregenden Länge in ihn einwickeln kann. Meine frühere Kommunionskerze gibt nach all den Jahren kein weniger geruhsameres Licht von sich, als man es von ihr gewohnt ist. Wenn nicht überall diese Spinnen wären, könnte man es sich auf dem Dachboden wirklich gemütlich machen. Einige Stechmücken quälen mit ihrem verheißungsvollen Surren. Das macht diese Angelegenheit hier nicht gerade romantischer. ERSTER: Erfüllung Man wird sich an der Distanz immer schwer tun, wenn man sich sicher ist, dass man schlecht behandelt wurde. Solange Leben noch erhalten ist (die Freundschaft ist nicht in jeder Hinsicht gestorben) besteht Hoffnung auf Friede, Liebe und Verständnis (was eigentlich alles das miteinander zu tun hat – die Begriffe bedingen sich). Hoffnung, es zu erlangen. Hoffnung, zu geben. Hoffnung, es von einem anderen Menschen zu erfahren (es muss nicht der Nächste sein, der das will, was man braucht ... ). Wenn ich ehrlich bin, dann schließe ich gerade meine Augen gegenüber den Menschen um mich. Es gibt viele gute Menschen. Manche können mich sogar zu Tränen rühren, wie meine Mutter in dem gestrigen Gespräch ... . Was durch des Schicksals (oder sollte man sagen: Gottes) Gewalt entrissen, wird durch die Zeit geheilt. Was durch Menschen Gewalt getrennt, blutet ein Leben lang. Der Trennungswahn, ein zu verachtender Auswuchs des menschlichen Fehlens in seiner Zeit.

Der Jubel kommt weinerlich, aber er kommt: Holdrio, endlich frei! Wie ist er? Bringt er’s? Kannst Du Dich wenigstens auf ihn länger als einen Anfang lang einlassen? Bist Du ausnahmslos ehrlich? Ich hab euch zusammen gebracht Ihr habt auf meine Melodie getanzt Seid euch durch meine Lieder näher Du als mein früherer Freund Du als meine frühere Liebe Jetzt als Paar – selig vereint (auf der Showbühne) Das gibt es sonst nur erfunden (an den Haaren herbeigezogen) in miserablen Hollywoodproduktionen.

Du sagst: „Ich bin verwirrt!“, klar, bin ich auch, aber ich bin es nicht deshalb, weil ich eine andere will. Warum hab ich Deinem verlogenen Theatergehabe vertraut? Warum hab ich es nicht ernst genommen, als mir auffiel, dass bei Dir was nicht mehr stimmt? Wann komm ich endlich zur schweigenden Einsicht? Ich bin so weit herunter gekommen, es glüht sogar noch ein Funke Hoffnung in mir. Beide sind verantwortlich. Beide sind schuldig (wenn man danach fragen will). Beide müssen einander vertrauen (können). Wenn Du Dich jetzt nicht mehr meldest kann das aus den verschiedensten Gründen geschehen: Stolz, gewollter, gelungener Neuanfang, Ärger über den Augenblick ... . Schlaf erst einmal über die Situation Dornröschen, wenn Du aufwachst geschieht das bestimmt aus einem angenehmen Grund. Schlaf und lass Dich auf kein Gespräch mehr ein, das Dir etwas abverlangen könnte. Bleib Dir treu, lass nichts an Dich heran. Deine Verwirrung empfinde ich nur als Sahnehäubchen. Was ist aus uns geworden? Wie konnten wir uns so voneinander entlieben? Wir haben doch so gut zueinander gepasst!?? Ich bin in meiner Liebe zu Dir nicht verwirrt, aber das spielt jetzt ja keine Rolle mehr.

DRITTER: Zeit, im Stück weiterzukommen 6. Blau - Engagement - astral (Gestirne, höchste geistige Stufe) - Bewußtsein über sich selbst und andere, Erwartung? - hochmütig an der Hand gehen - Phantasie (Gemeinschaft erleben, autonome Moralität) G

Im großen Warteraum sinnieren maskierte Gefangene über erzählte Geschichten. Geschichten (GEFANGENE) Sie protestieren gegen die - durch die perfekte Wirklichkeit provozierte - Trägheit. Der Konsument (GEFANGENER) Sie fragen sich nach dem „warum“. Der Sinn des Lebens: „Gefressen werden und gefressen sein!“ Schlafblues Es ist noch nicht Nacht, aber es wird Freiheit glauben Die Schlange, die schleicht

Die Ohnmacht, die Unbewusstheit über die einschläfernden Augenblicksstimmungen werden genauso angesprochen wie die Tatsache, daß man seine Freiheit nur glauben kann. Das dahinleben in Zufriedenheit (mit „Wasser und Brot - und Spielen“), das Akzeptieren des Betrugs, das ist der schleichende Tod. Adam und Ela beginnen sich zu fragen, warum alles so ist, wie es ist, warum die Gefangenen jetzt erst ihre Masken abnehmen ... . Obgleich sie am Aufruhr nicht beteiligt sind, sind sie die einzigen, die von den Wärtern abgeführt werden.

Im gemeinsamen Zimmer (die Trennwand ging fortwährend zurück, bis sie nun ganz verschwunden ist) beginnen Adam und Ela über den Zwischenfall zu diskutieren. Jack kommt ins Zimmer und entschuldigt sich für die anderen. Er bringt wieder neue Literatur und Videos. Ela ist darüber erbost, daß nicht die angeforderte Geisteserfrischung, sondern nur Liebesromane und Romantik usw geliefert wird. Als Jack wieder geht, stellt Adam Ela zur Rede: „Wie kannst du so mit Jack umspringen, die Wärter sind unsere besten Freunde.“ Ela schlägt einen Ausbruch vor.

In der Nacht stehen sie auf, rennen durch die Dunkelheit, plötzlich steht ein Wärter vor ihnen im Rampenlicht, sie drehen sich, ein weiterer steht vor ihnen. Wohin sie sich auch drehen, die Wärter stehen schon dort, wie wenn sie sie schon erwartet hätten. Adam und Ela verblüffen sich daran.

Ela dreht im Zimmer beinahe durch, als ihr Adam durch einen Brief zu verstehen gibt, daß sie ständig durch Kammeras überwacht werden und diese Art der Verständigung die einzige sei, die unbehelligt ablaufen könne. Ela geht nur kurz auf diesen Vorschlag ein, dann weigert sie sich ihre Emotionen zurückzuhalten. War alles nur Inszenierung? Wem konnte man jetzt noch vertrauen? War jede Stimmung schon im vorhinein geplant? Wem sollte Ela trauen? Die Liebe mit dem für sie bestimmten Adam war auf die frohe, friedliche Augenblickssituationen aufgebaut. Die Liebe hatte von Anfang an ein Fundament aus Sand. Die Steuerung, die Beobachtung und Kontrolle von außen ist ein nicht zu akzeptierender Zustand für Freigeister. „Die Liebe droht an der Falschheit der Außenwelt zu scheitern!“ Ela möchte für sich sein. Sie „bricht“ mit Adam.

Bei einem Ausflug reden sie nicht viel miteinander. Jack erzählt - wie immer - eine kleine Geschichte, die wieder einmal, diesmal auffällig genau zu der aktuellen Situation paßt. „Rast Schlad in seinem Glaskasten“. Jack schläft im Boot, Adam und Ela gehen getrennt zum spazieren. Ela kommt früher zurück und läßt sich von Jack trösten. Adam möchte viel mehr an dem Liebesscheitern mit Ela, als an der äußeren Problematik (kontrolliertes, überwachtes Leben) verzweifeln. Beständig / Die Brücke (ADAM) Die Szene wird ausgeblendet, als Adam kurz davor steht, sich von der Brücke zu stürzen. Ela geht zu Fuß wieder zurück in das Gefängnisgebäude, dort trifft sie Chris, welche bereits Bescheid weiß. Chris möchte, daß sich die beiden wieder verbinden, da sie an die Wirklichkeit Adams Liebe glaubt. Sie fordert Ela auf, den von Ela bereits verfaßten Entschuldigungsbrief an Adam auszuhändigen. Als Ela zögert wird Chris ungeduldig sarkastisch: Laß ihn ruhig geh’n (CHRIS)

Hast Du Dir Deinen Text gemerkt? „Jetzt hängt er wieder Bilder auf / Er wird nicht alleine sein ...“

Paul geht in einem anderen Raum auf Adam zu (er hat seinem Dasein natürlich kein Ende bereitet). Paul kann ihm nur raten, die Situation nicht überhand über ihn gewinnen zu lassen; dabei kann man die Dinge nicht aus nächster Nähe, sondern aus einem bestimmten Abstand respektvoller betrachten. Flieger (PAUL)

Das Hauptstück von Dem Schatz gesungen! Eine sagenhaftige Tragödie für das „wirkliche“ Leben. ERSTER: Er

Mit weniger Menschen um sich Leeren sich auch seine Gedanken Bis es schläft, sein Gesicht Und aufhört zu schwanken

Sein erster Akt ist sein letzter Sein erstes Kapitel sein letztes Er hält nichts mehr fest Läßt allem seinen Lauf

Macht einen auf Innenleben Warum schreib ich über einen solchen Charakter? Dieser Typ ist nach 2 Gesprächen von oben bis unten langweilig.

Genug Verständnis für meine Massakrierung gezeigt NIE MEHR WIR Denkst Du ich lass das alles so einfach über mich ergehen Denkst Du, Du gehst und ich bleib auf der Stelle stehen Ich hab noch mein ganzes Leben zu leben Ich hab noch meine ganze Liebe zu geben

Wenn sich Dein Charakter an meinem mißt Kann er lernen, wie unterentwickelt er selbst ist

DRITTER: Was für ein Glück für einen Schriftsteller, wenn er eine Liebe findet. Für seine Arbeit gibt es dann nur noch einen einzigen höheren Antrieb: wenn er verlassen wird! ZWEITER: Lieben ist in der Tat nie und nimmer die tiefste Emotion. Sich ablieben ist das, was am meisten betrifft. Der Mensch erfährt keine größere Wirkung in und an sich als das „Verlassenwerden“, das „Einsamsein“. Einsamkeit (natürlich unendlich mehr als „allein sein“) übertrifft Liebe in ihrer Intension um Längen. Dafür gibt es eine Erklärung: Selbstverständlich geht es in eine andere, vielleicht ungewollte Richtung und Liebe ist auch der Grund dafür, dass man sich statt nur allein auf einmal einsam fühlt. Das Empfinden der Liebe geht der Einsamkeit voraus. Die Ursache für die eigentliche Intension der Einsamkeit liegt in dem fortgeschrittenen Bewußtsein. Liebe wird nie vollkommen bewußt erfahren (es ginge zu sehr Richtung Verständnis) und das Gefühl ist in seiner ohnmächtigen Illusion vielleicht auch am schönsten ...?!? Das Wesen der Einsamkeit schließlich ist das Bewußtsein über sich selbst. DRITTER: Neben den folgenden Stücken sind mit einer anderen Handschrift Akkorde aufgezeichnet, es handelt sich dabei also vermutlich um Liedtexte, die eine andere Person vertont hat!?? ERSTER: Liebe Nr. 57c Liebe hat in allem Hoffnung Ihr steht kein Zweifel im Gesicht Übernimmt jede Verantwortung Aber solche Liebe willst du nicht

Liebe gibt auch auf Kleines acht Drängelt nicht und schränkt nicht ein Jeder Moment gemeinsam verbracht Wird Zeit für dich selbst sein, aber

Du willst keine Liebe Nein, Liebe willst du nicht Schon gut Es tut weh, aber Vielleicht liebe ich (dich) nicht

Das Feuer muss nicht künstlich ernährt werden Liebe ist kein Strohfeuer für eine Zeit Kann nicht veralten Sie kann nur dem Übel den Tag verderben Die kleine Flamme Liebe ist immer bereit sich zu entfalten

Liebe braucht keine Versprechen Verträge für sich braucht sie nie Lässt sich unverschämt belächeln Es gibt immer eine Tür für sie

Liebe möchte nicht belügen Oder dich zu weniger verführen Mit falschen Stimmungen betrügen Oder auch nur ein Mißverständnis schüren

Liebe kann keinem Willen schaden Macht sich nicht unnötig wichtig Braucht keinen Stolz, hat ihren Faden Leitet sich selbst immer richtig

Du willst keine Liebe Nein, Liebe, das willst du nicht Aber schon o.k. Es tut weh, aber Vielleicht liebe ich (dich) nicht

DRITTER: Das macht an! Verdichtete Sprache!

Was es zu dir zu sagen gibt Kein Spatz in der Hand Die Taube auf dem Dach Ohnmächtiger Verstand Dein Fleisch war schwach Was nicht ist, wird auch nicht werden Was lang währt, wird endlich sterben Denn Morgenstund mit Gold im Mund War das Wasser zum Bach getragen Allzu viel ist nie ungesund Das ewige: „Einmal ist keinmal“ sagen! Gut Ding, das Weile haben wollte Schweigen, das nie enden sollte Vorbei Genieß das Leben in voller Völle Denn Undank scheint der Welten Lohn Ein jeder ist sich selbst die Hölle Man fällt tief von dem besägten Thron Wolltest weder im Glashaus sitzen Noch in einem Porzellanladen schwitzen Doch Wer Gruben gräbt, fällt selbst hinein Ein blaues Auge und Zahn um Zahn Der Mensch lebt nicht vom Brot allein Aller Anfang fängt schwer von vorne an Was man nicht genau genug weiß Macht einen leicht heißer als heiß Heiß In kürzer Würze liegt die Kraft Kopf hoch und raus den Bauch Schnell was Klügeres angeschafft Die neuen Besen kehren auch Durch Reden wird der Judas reich Erinnerung bleibt ihm immer gleich Ja Die dicksten Kartoffeln liegen brach Man hört Alte lauter als Junge toben Die Klügeren geben nur manchmal nach Wenn sie den Tag schon vor dem Abend loben Es wird der Teufel an die Wand gemalt Bis man für Blätter vor dem Mund bezahlt Unser Gott lenkt, was der Mensch nicht denkt Schuster bleib bei deinen Leisten Der Gaul wurde dir samt Maul geschenkt Aber kannst dir keine Kuhhaut leisten Durch den Schaden wirst du hoffentlich klug Machen dir diese Sprüche nicht Mut?

ZWEITER: Das soll Mut machen? DRITTER: Wenn nicht, dann wenigstens ein bisschen Spaß! Lust am Reimen! ZWEITER: Hm. DRITTER: Versuch es doch auch mal. Warte, ich gebe dir ein paar vor ... Wolltest mit Kanonen auf Spatzen schießen? Dein Kind gleich mit dem Bade ausgießen Viele Köche verderben dir den Brei Und der Hundgebissene ist dir einerlei Schönheit vergeht und Tugend besteht Wenn keiner etwas von Schönheit versteht DRITTER: Jetzt du! Die großen Fische fressen die kleinen ZWEITER: (zaghaft) Wenn du dir kein nimmst ... Lass ihn weinen DRITTER: (lacht verhalten) Frisch gewagt ist halb gewonnen ZWEITER: (schüchtern) Hat noch nicht mit dem Dasein begonnen DRITTER: Gut! Wer sich selbst erhöht ... ZWEITER: (spontan) Wird erniedrigt werden ... Alleine Sterben DRITTER: Interessant! Die Sonne bringt es an den Tag ZWEITER: (wie aus der Pistole geschossen) Wasch dir die Hände in Unschuld ... Verzag DRITTER: Toller Reim! Richte nicht, auf dass du nicht gerichtet wirst ZWEITER: Bis die Jungfrau ... Ehm ... DRITTER: Es ist nicht alles Gold, was glänzt ZWEITER: Keine Lust mehr!!! DRITTER: Du! Gedanken sind zollfrei Behalte dein Haupt! ZWEITER: Wer redet da überhaupt? DRITTER: Komm schon! Das Eisen rechtzeitig schmieden Du hast wohl die Katze im Sack gekauft ZWEITER: Connected Redensarten und Sprichwörter! Wenn ich mal Zeit hab, mach ich das vielleicht mal. Jetzt geht es mir um mehr. DRITTER: Mehr, mehr, mehr! Buh! Auf jeden Fall sollte man an die Antworten einen Psychoanalytiker heranlassen. Die Ausdeutung würde bestimmt Stoff für 7 Woody Allen Filme geben ... ERSTER: Nicht mehr (Küss den Schatten)

Du zählst nur dazu – tut mir leid Dass du nicht die Einzige bist Ist man doch nie Auch mit dir kommt’s jetzt so weit Dass man dich hier ab jetzt vergißt in der Phantasie Warst eine große Liebe von mir Es wird nichts mehr bleiben von dir

Vor dir war mein Zimmer wie jedes andere auch – nicht mehr Nach dir, so kommt es mir vor, ist es unendlich leer

Du kommst um mir die Hand zu schütteln Versteh nichts und bin damit nicht allein Werde dich vermissen Aber an deiner Entscheidung ist nichts mehr zu rütteln Es wird wohl das Beste für dich sein Du musst es wissen Sah dich mit anderen Welten spielen Jetzt wird er – weißt schon wohin – schielen

Vor dir war mein Bett wie jedes andere – nicht mehr Jetzt, so kommt es mir vor, ist es unendlich leer

Ich wünschte, du würdest irgend etwas sagen oder tun Und ich wünsche dir – egal wie – das Beste das ist wirklich wahr Wann wird unser Schweigen ehrlich ruh‘n Ich schein‘ wieder jung, als ob ich noch teste einfach furchtbar Der Regenbogen hat sich verziehen müssen Und ich kann deinen Schatten küssen

Jetzt, so kommt es mir vor, ist es unendlich leer Vor dir war mein Herz wie jedes andere – nicht mehr

ZWEITER: Jetzt bekommen die Briefe auch noch Titel. DRITTER: Vielleicht sind es keine Briefe!?! ZWEITER: Vielleicht wurde das hier von keinem anderen als von dem Verfasser gelesen ... ? ERSTER: Bisherige Beziehungen Gibt es heute noch so etwas wie Liebe? Pluralismus, jeden Tag eine andere Möglichkeit. Wenn man sich auf jemanden einlässt, entdeckt man, nachdem eine anfängliche Hürde, eine gemeinsame Basis geschaffen ist, ist jeder Mensch liebenswert. Jeder Mensch ist der Liebe wert. Ihr lasst euch aufeinander ein. Ich gebe euch 1 bis 2 Jahre, wenn überhaupt, dann holt euch die Vergangenheit wieder ein. Meine „Liebschaften“ waren nicht besser. Schon 2 mal hat man mir meine Liebe gekündigt, um mit einem neuen Partner weiter zu machen. Klar, ich habe selbst auch schon einmal einen solchen Schluss geliefert. Um ehrlich zu sein, war es genau die letzte Beziehung die ich hatte. Man hat uns sozusagen Inflagrantie erwischt. Jetzt freut sich dieser früher von mir betrogene Mensch natürlich daran, dass es mir nun genau so betrügerisch widerfährt. Da kann man schon an eine ausgleichende Gerechtigkeit glauben. Mein Partnerleben waren im Nachhinein betrachtet immer eine einseitige Beziehungen (ich benutze das Wort „Beziehung“ trotz dem, dass ich eine unbändige Abneigung dagegen empfinde). Die Beziehungen: Eine wollte nur jemand Gleichsprachigen. Eine wollte jemanden, der für sie entscheidet, was Gut und Böse ist. Eine wollte jemanden zum repräsentieren. Eine wollte nicht nur mein Herz sondern auch meine Seele. Eine wollte .... Ich möchte mich nicht mehr erinnern.

Das 3te mal gibt es jetzt diesen „fliegenden“ Wechsel. Und ich habe auch unendlich viele Fehler gemacht. Das alles muss meine kommende Liebe akzeptieren. Ich habe das, was ich bei anderen so verachte schon gelebt: ich habe alles Mögliche ausprobiert, bin vom einen zum anderen Extrem gewandert und habe mir keine Sorgen über meine werdende Identität gemacht. Das alles muss erst – bevor ich wieder an Liebe mit jemandem denken kann –geklärt werden. Meine Vergangenheit darf nie wieder so verschwiegen, so unterdrückt werden wie es der Fall war, sonst erdrückt sie die Beziehung. Meine Vergangenheit muss akzeptiert werden, nicht verdrängt. Das ist viel verlangt, aber es scheint mir der einzige Weg.

DRITTER erzählt ab diesem Zeitpunkt von seinen Liebschaften, welche er bislang durchlebte. Exzessive Ausschweifungen seiner jugendlicheren Jahre. Die Szenen werden in Vergangenheit erzählt, parallel zur Erzählung spielt sich allerdings die Geschichte nonverbal ab. Das heißt, während von den Frauen theoretisch berichtet wird, wird der „Liebesakt“, einzelne Liebes- oder Beziehungsdramen szenisch mit einer „Beispielfrau“ dargestellt. Es handelt sich bei der „Beispielfrau“ um eine einzige Darstellerin, welche nur von Szene zu Szene ihr Äußeres verändert.

DRITTER: Vergangenheitssentimentalität! Aber das kann vielleicht mal wieder meine Langeweile vertreiben. Knappe Erinnerungen an meine Mädels. Wenn ich meine Geschichte erzählen würde, dann würde ich alle Namen nennen und alle Tatsachen schildern wie sie wirklich waren. Was hätte eine Lüge auch für einen Sinn? Ich würde es „Mal ehrlich“ betiteln. Oder „Schluss“. Oder: „Und so ...“. Oder ich-weiß-auch-nicht-wie. Ich kann mich beispielsweise noch gut an C. erinnern. Sie machte ihren Job wirklich gut. Es war keine Liebe. Genauso wenig wie mit B., die zu der Zeit mein Flämmchen war. Als ich C. zum ersten mal sah war ich gerade auf der Suche nach B.. Ich wollte B. überraschend bei ihrer Arbeit besuchen. Das machte ich mit mehreren Leuten. Auch mit ganz normal befreundeten, in die man keine Erwartungen setzt. Eigentlich nichts außergewöhnliches. Nur nett! C. konnte mir die gewünschte Info geben. B. war nicht mehr am Arbeitsplatz. C. sah, dass ich mit dem Auto da war und fragt –oder fragte ich? – ob ich sie in die Stadt bringen könne. Klar! Nachdem wir uns in einer Kneipe erfrischt hatten setzten wir uns wieder in das heiße Auto. Irgendwie kamen wir überein, dass noch eine Erfrischung von Nöten sei. Keiner hatte einen Badeanzug dabei, aber ich denke gerne daran zurück, wie sie oben ohne auf dem Rücken schwamm. Überromantisch fanden wir in der Mitte des Sees zwei große wunderschöne Schwanenfedern. Wie für uns gemacht. Ich ging vor Lachen beinahe unter. Mir geht es nicht um einen allgemeinen Brustvergleich, eine Hitliste im Bett oder ein sonstiger unangemessener Vergleich, aber bei ihr ist es einfach so: was sie mir körperlich gab, ist jetzt eigentlich schon alles, was sich in meinem Kopf über sie festgesetzt hat. ZWEITER: Das Folgende scheint mir wieder einmal eine herausgerissene Tagebuchseite zu sein. In Briefform, ... DRITTER: ... allerdings niemals abgeschickt. ERSTER: Was erwarten? Warte ich darauf, dass Du zu mir zurück kommst und mich um Verzeihung bittest? Bin ich so naiv, dass ich tatsächlich an eine gemeinsame Zukunft in unbestimmten Tagen glaube? Kann es sein, dass ich mir auch nach den ganzen Alpträumen, die mir immer wieder Deinen entscheidenden Satz in mein Gedächtnis brennen: „Ich denke, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt!“ immer noch vormache, dass ich geliebt werde? Werde ich diese Alpträume überhaupt irgendwann los werden? Wann? Was ist noch zu retten? Kann aus einem solchen Chaos noch etwas anderes entstehen als ein Streit um die nicht entstandene Ordnung? Soll ich auf Dich warten? (Er-)Warten, bis Du meinen Namen rufst, meinen Rücken stärkst, mich respektierst, wie nie zu vor?

Mir ist zum ersten mal in einer solchen Situation wirklich auch körperlich schlecht. Vielleicht werde ich alt oder überempfindlich? Ich sitze nur da und warte, bis sich meine Gesichtslähmung wieder löst, die sich mit jedem Gedanken an die Situation einstellt. Nur ein Spiegel hilft da aus der Patsche. Bin so in die Sache verstrickt, dass ich mich nicht mehr von außen betrachten kann. Ich könnte wirklich brechen. Apropos „brechen“: Du liebst, lachst, täuschst, gibst Dich wie eine Frau, aber Du brichst wie ein kleines, unerfahrenes Mädchen.

ZWEITER: Da fällt mir ein, dass ich von der Kindheit und Jugendzeit meiner lieben Frau bislang noch nicht sehr viel weiß. Na ja, vielleicht auch besser so. Ich möchte mit ihr zusammen bleiben. Wenn ich es hier so dunkel habe locke ich die Spinnen nur aus ihren verstecken. Vielleicht sollte ich lieber noch eine Kerze anmachen? Ich will keinem unterstellen, dass er das hier geschrieben hat. Meinen Eltern nicht und auch nicht den Leuten, die hier in der Zwischenmiete ihre Dinge abgelagert haben. Vielleicht hat auch eine Goethe Reinkarnation den Werther neu verfassen wollen. DRITTER: Eure Gespräche! Schund und Schmonzes. Mit K.W., der lebensfrohen Kneipenattraktion vom Orange-Team hab ich mich – während sie in der gleichen Stadt (was auch immer) lernte – blendend verstanden. Wirklich locker. Sie konnte nicht so oft nein sagen. Vermutlich auch nicht zu anderen. Wahrscheinlich haben wir auch deshalb den 3-Zungen-Kuß mit F. eingeführt. Es gab keine Eifersüchteleien. Eigentlich der Himmel, wenn man es mit einigen anderen Geschichten vergleicht, die man im Laufe der Jahre so sammeln kann. Durchgesoffen und zu dritt im Bett aufgewacht. Manchmal wundere ich mich, dass ich so wenig Geschlechtskrankheiten am Hals habe. Meine Praktikumbekanntschaft der Slowakei: B.K. hatte beispielsweise ganz entschieden etwas dagegen, dass ich gleichzeitig mit H. zusammen war. Aber andersherum ging es ja auch so. Ich meine: ich hab H. auch mit B.K. betrogen, wenn man es genau sieht, oder? Wenn Liebe als längerfristige Sache bezeichnet wird, dann auf jeden Fall! Na ja, Ansichtssache; je nachdem, wie sie sich mir als „feste Freundin“ aufdrängten. Ja, in meinen meisten Beziehungen waren es die Frauen, die entschieden, was sie mit mir machen. Ich ließ nur zu. Wenn es allerdings auf ein Ende zuging hieß es natürlich, ich hätte zu viel und zu übel bestimmt. Egal. ERSTER: H.H. Bitte! Bitte! Bitte! – Verzeih mir meines. Ich verzeih Dir alles. Du kannst immer zu mir kommen, aber mach mit ihm Schluß. Schlittere nicht total in die Affäre hinein. Komm zu mir zurück. Bitte! (Oder gib Dir wenigstens Zeit. Vergewissere Dich. Ohne direkten Einfluss von einer anderen Person.) Es ist noch ein Funke Liebe in Dir für mich. Das weiß ich genau. Halt ihn am Leben. Bitte! Ich liebe Dich.

DRITTER: Ein klägliches Bitten und Winseln um eine längst verlorene Sache. Unfassbar, wie man sich so extrem in die Abhängigkeit eines anderen Menschen begeben und überhaupt keinen Bezug mehr zur realen Welt herstellen kann. ERSTER: H.H. Was wird werden? Ich bin absolut am Boden. Kleiner kann ich nicht mehr werden. Nichts klappt in meinem Leben. Ich sollte Lotto spielen, damit der Spruch „Glück im Spiel, Pech in der Liebe!“ in Erfüllung gehen kann. Stimmen über uns: „Überraschung!!! Weshalb?“ Mein Vater machte mir unerträglich lange vor, wie Du deinen Helden während der Aufführung angesext hast. Mein Kumpel meinte nur, dass ich einfach nicht gut genug singen könnte. Damit trifft er indirekt bestimmt eines Deiner (vielleicht unbewussten) Bewertungskriterien. Dir ist Musik wichtig. Mir auch, anders, na egal. Freunde von mir hören die Geschichte und ich kann nichts weiter tun als mit ihnen vom Galgenhumor angetan zu lachen, weil alles zu abgefahren ist, um ernst zu bleiben. Ein Italiener meint, dass Du für die Geschichte mich mehr lieben hättest müssen, weil ich das Eigentliche dazu beigetragen hätte. Weiter lacht er: „Ich habe einen Titel für Deine nächste Geschichte: Nie von der Bühne (ab)!“ oder „Backstage im Leben“ oder einfach „Die Bretter die die Welt bedeuten“. Andere beteiligen sich: „Nenn es Masofresse, so muss ihnen ja Deine jämmerliche Gestalt vorkommen: das Gesicht schreit danach betrogen und verkauft zu werden! “ Ich beteilige mich am Lachen und gebe ein „Wie ein Feuermelder – zum rein schlagen!“ und ein „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben!“ als Zugabe. Eine Deiner Freundinnen versteht die Welt nicht mehr, weil sie uns auch als gelungenes Pärchen angesehen hat. Bei den ständigen scheinheiligen Fragen nach meinem Befinden verbleibt nichts weiter als sarkastisch zu werden, um den Tröstungsversuchen der unzähligen Beteiligten des Stückes und den Abermillionen „beiläufigen Bekannten“ zu entkommen. Manchmal erzähle ich selbst von einer neuen Geschichte, die ich schreiben werde, um das alles aus meinem Gedächtnis zu bringen und um (wieder sarkastisch) wenigstens himmlisch kommerziell etwas daraus zu machen, wenn es mir sonst nur die Hölle brachte. Zwei der Flieger-Mitarbeiterinnen haben mich in eine seltsame Verlegenheit gebracht, sie hatten schon „mehr oder weniger“ etwas mit Deinem neuen Schwarm. Bin gespannt, wie ihr eure Vergangenheit verkraftet, wenn euch einfallen sollte (wie wir) ehrlich zueinander sein zu wollen.

DRITTER: B.K., die aktive, reich verwöhnte Landratstochter, gab sich gern den Anschein von Außergewöhnlichkeit, war aber nicht annähernd so interessant wie ihr durchschaubarer Kifferfreund, den sie sich so unschuldig wie möglich warm hielt. Ich weiß noch wie wir uns in ihrem Heimatbungalow zwischen Papas Bücher auf dem Boden schlängelten. Heiß! Ich denke, dass sie mir nicht verzeihen wird, dass ich ihr einen Tritt in ihren Hintern gegeben habe, als sie später einmal mit einem Popperschnösel im Anhang in meine Stammkneipe kam. ERSTER: H.H. Den Brief hier wirst Du auch nie bekommen. Am Ende wird sich zeigen, dass so ein Brief auch keinen weiteren Sinn hätte, als mir selbst eine Genugtuung zu verschaffen. Ich hab bei Dir angerufen, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Ein nettes Gespräch mit Dir hat mir vermittelt, dass ich für Dich noch wichtig bin und dass Du überhaupt nicht schnallst, was Deine Entscheidung für Ausmaße hat.

Nach einem langen, netten Gespräch frage ich, warum Du immer noch auf dem Klo telephonierst und nicht ins Bett gehst. Du bist ehrlich und sagst, er schläft in Deinem Zimmer. Das Gespräch habe ich unter einem anderen Aspekt gesehen. Es bleibt mein Eindruck: Du willst mit mir „gut Freund sein“ und steigst mit ihm halt ins Bett. Ein einprägsamer Eindruck. Das was ich wollte, wurde zumindest erreicht: ich bin wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Obwohl es zunächst so aussah, als würdest Du mir nicht die kalte Schulter zeigen wollen, bin ich mir jetzt wieder sicher: es wird sich zwischen uns nie wieder etwas entwickeln. Ich arbeite für mein Kunststudium zur Zeit an einem ziemlich widerlichen Projekt mit Fleisch, ich lese „Der Ekel“ von Sartre, aber nichts kann meiner augenblicklichen Übelkeit das Wasser reichen. Du bist mir wirklich kälter als jedes Material, das mir bislang in die Finger kam geworden. Kalt, unbarmherzig, widerlich, ..., das Gegenteil von liebenswert (wie man das auch immer bezeichnen will)!

DRITTER: An A.K. fand ich später viele Gemeinsamkeiten mit B.K., aber das stimmte nicht so ganz, sie war liebenswerter und angenehm faul. Ich denke, sie war nur von ihrem eigentlichen Freund enttäuscht und suchte Zuneigung, oder so. Sie hatte eine so spezielle Art zu küssen: Heiß machen, Abstand halten, heiß machen, Abstand halten und so weiter. Sie hatte mich so schnell konditioniert, dass mich das Abstand halten schon heißer als heiß machte. Tolle Unterwäsche! Auch später noch ein unmoralisches Angebot ... ZWEITER: Eine Kurzgeschichte? ERSTER: Perverses Verständnis Zu Leuten, die man liebt, kann man ungerechter sein, als zu Unbekannten. Ich weiß nicht, traut man sich bei Fremden nicht, weil man sie nicht kennt? Muss man sich erst vertraut machen, um jemanden richtig verletzen zu können? Steht eine Entscheidung auf Messers Schneide, kommt es auf jede Stimme an, die zur Entscheidung führen kann, so ist man nicht selten dazu geneigt, dem möglichen Guten in dem Fremden eine Gelegenheit zu geben, als von dem alten Bekannten eine weitere Enttäuschung zu erfahren (auch wenn dies nur einmal der Fall war). Hoffnung auf ein mögliches Besseres treibt uns zu immer Neuerem. Das ist in der Forschung schon kritisch genug, aber wenn Menschen so ersetzbar betrachtet werden, wird man noch entschiedener Scheitern als die ohnmächtige Zwangsevolutionierung. Das ist aber nicht das Thema von diesem Kapitel, das ebenfalls nie in Deine Hände geraten wird. (Wir führen die Tradition fort und reden nicht unnötig viel miteinander.) Ich verstehe Deine Aktion, ich bin so etwas, was man beinahe nur noch als sanftmütig bezeichnen kann. Du verlässt mich auf diesem unglaublich deprimierenden Weg und ich liebe trotzdem noch. Das finde ich pervers. Es ist nichts weiter als pervers, dass ich nicht ausraste, dass ich nicht mein Leben beenden will, es ist pervers, meine Liebe und Zuneigung hält sich über das Ganze Schlammassel, das Du mir angetan hast (von dem ich an diesem Ort auch keinen Abstand mehr gewinnen kann. Zu viele Dinge und Situationen erinnern mich an uns, zu viele Leute wissen und lassen mich immer wieder darum wissen, wie viel uns verbunden hat). Was soll es sein? Wir Freunde und Du pennst mit ihm? Soll ich noch sagen: „Partnertausch“! O.k., ich brauche keinen Ersatz, Hauptsache ich kann selbst noch meine Liebe geben? Ich möchte Dich zurückgewinnen! Das ist der Sinn von meinem perversen Verständnis. Warum ich das will, weiß ich auch nicht genau. Deine Küsse haben für mich jeden Gehalt verloren, weil andere Lippen sich daran labten während ich sie begehrte. Deine Berührungen können mich nicht mehr berühren, weil ein anderer Kopf an Deiner Schulter Umsorgung fand. Vielleicht möchte ich Dich zurückgewinnen, um selbst mit Dir Schluss zu machen. Meine Vorstellung sieht so aus: Ich inszeniere einfach eine größere Show als die letzte, die seinige! Und dieses mal spiele ich neben Dir die Hauptrolle. Ich gewinne schnurstracks Gefallen an diesem Gedanken; aber nur, weil es eine wirkliche Herausforderung wäre. Ein neues Spiel mit den alten Darstellern, aber neuen Gewinnern. Mit logischem Witz!!!

DRITTER: F. – oder wie sie hieß – war ein klassischer italienischer Punk-Emanzen-Verschnitt, der mich im Suff rumkriegen konnte. Sie stank wie ein Iltis, das weiß ich noch ganz genau. Wäh! Eigentlich nehme ich so etwas nicht übel; trotzdem hoffe ich ihr nicht mehr zu begegnen! ZWEITER: Wenn die Briefe nicht auch Stückweise etwas von mir selbst wären, würde ich eine solche Egozentrik bestimmt nicht verstehen. ERSTER: Wir haben uns wieder getroffen. Du bist noch mit ihm zusammen. Klar, es gibt nicht mehr viel zu sagen; bis auf die Tatsache, dass ich nach außen hin immer so stink freundlich bin und mich es innerlich beinahe zerreißt, was sich da alles so abspielt. Wie ein Nachtfalter das Licht sucht, so zieht sein falsches Grinsen meine Faust an. Die öffentlichen Plätze, an denen wir immer wieder „das Glück“ haben uns zu begegnen, sollten von mir gemieden werden, aber wie in einem chronischen Anflug von Masochismus muss ich euch immer wieder treffen. Masofresse!!! Ich bin mir sicher, dass Du Dir über die Ausmaße Deiner Entscheidung nicht im klaren bist. Das macht es für mich auch so hart Dich zu verachten. Ich möchte niemanden hassen, der im Nebel gebunden ist.

DRITTER: Da fällt mir eine Geschichte dazu ein. Ein Drehbuchansatz? Es lohnt sich fremd zu gehen! Die Geschichte beginnt mit einem Schuss, dem Selbstmord eines Verzweifelten und endet damit, dass eine Verzweifelte zu viel Tabletten nimmt, um nur mit dem Schreck und dem Mitgefühl ihrer Bekannten davon zu kommen. Was dazwischen passiert ist eine einzige Beziehungsenden-Orgie. Jedes der 5 Paare in dem Altstadthaus ist scheinbar nur zusammengekommen, um sich wieder zu trennen. Jeder Besuch bei einem Menschen scheint nur den Sinn zu haben, sich gegenseitig zu verabschieden. „Ein guter Abschied ist besser als ein gemeinsames dahinsiechen.“ Durch die lüsterne Abwechslung in einer unpersönlichen Affäre wägen sich die Leute in einer Zufriedenheit, welche die Blindheit der Verliebtheit als Ausgelassenheit betrachten lässt, die eine Beständigkeit nicht nötig hat. Durch das Programm führt Willhelm Lust! Es lohnt sich fremd zu gehen! Oder, was sagst Du? ZWEITER: „Die Spinnen machen mir nichts mehr aus.“ Das ist es, was ich mir ständig einreden sollte. Das Folgende ist eine detailliertere Ausführung des Klogespräches, das scheinbar richtig in die Hose ging, aber doch sein Ziel erreichte. ERSTER: Klotelephon Ich wollte nach dem nochmaligen durchlesen unserer gegenseitigen Briefe wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen, also rief ich Dich an. Deine Stimme, eine Erzählung von Deiner neuen Liebschaft und vielleicht ein ungerechtes Wort würden das schneller besorgen können, als es mir recht sein würde. Weit gefehlt, wir haben uns eine halbe Stunde lang hervorragend unterhalten. Als das nette Gespräch eigentlich schon zu Ende war ist mir noch eingefallen zu fragen, weshalb Du das ganze Gespräch auf dem Klo geführt und Dich nicht schnurlos in Dein Zimmer verkrochen hast. Die ehrliche Antwort kam wie aus derPistole geschossen aus deinem Mund: „Er ist da!“ und der lieblich klingende, unnötige Zusatz: „Er schläft schon!“. Rücksichtnahme ist die halbe Miete in einer Beziehung. Er hatte bestimmt einen schweren Tag gehabt und mußte seine schweren Glieder entspannen. Der Arme. Das hat mich dann doch noch von einem auf den anderen Augenblick auf meine Rolle in diesem Spiel zurück gebracht: die Betrachterrolle. Eine Rolle, in der man nicht eingreifen, aber sehr wohl betroffen sein darf. Was mir diese Klotelephonsache allerdings zu denken gibt, ist, daß Du mich vor ihm versteckst! Ein gutes Zeichen für eine unschlüssige, nicht unumstrittene Entscheidung. Geheimnisse voreinander sind mir grundsätzlich ein Greuel. Wie kann man unehrlich zueinander sein und behaupten, man würde sich lieben? Das meine ich hier ganz allgemein: des Lebens Ruhe findet man doch erst in der Ehrlichkeit zu den anderen und sich selbst (und natürlich in der Wahrheit, also dem Sinn, den man sich gibt). Unfaßbar, es werden Versuche zur Freundschaft ohne den Willen zur Ehrlichkeit unternommen. Na ich glaube, da muß ich mal dringend einen intellektuellen Aufsatz darüber ablassen. Ich hab mich zu dem Gedanken durchgerungen: eure Unehrlichkeit zueinander erfreut mich.

Wenn wir uns nicht mehr begegnen, ist das nicht so schlimm, weil wir uns sowieso nichts mehr zu sagen haben (und die Gefühle, die wir gegenseitig austauschen könnten, wären es nicht wert aus ihrer Ohnmacht geweckt zu werden). DRITTER: W.B.! Im Nachhinein klar! Sie war der Girlie-Prototyp, der irgendwann mit einem Esoteriköko durchbrennen muss, weil der ihr am meisten verspricht und das bis zur Abhängigkeit durchziehen kann. So etwas war abzusehen. Ihr schrieb ich eine Geschichte mit Herzblut und sie hat sie überflogen wie einen Zeitungsartikel. Ich kam mir auch nicht besonders wertgeschätzt vor, als wir uns wieder vertragen hatten und sie dann plötzlich auf meinen Freund abfuhr. Der erteilte ihrem Ansexen allerdings ebenfalls Abfuhr. Eine so verplante Frau, kenn ich bis heute noch nicht. Obwohl, T.Ü., eine Schmusebekanntschaft, ließ sich annähernd so ohnmächtig verführen. Bei ihrem Umzug in eine offensichtlich schlechtere Wohnung hab ich ihr geholfen und musste ihr ständig bestätigen, dass die neue besser sei als die alte. Gegenteiliges hätte sie vollkommen aus ihrer Harmonie gebracht. Ihre Hippie-Attitüde kam mir damals voll gelegen entgegen: sie übte Protestsongs während ich schlief, ich wachte auf und zog sie aus ... ERSTER: Was wir wollen Was ich will ist vermutlich das Gleiche, was viele wollen. (Natürlich nie alle, aber wenn ich noch einmal einen Partner haben sollte, dann sollten diese Wünsche auf jeden Fall von ihm respektiert werden. Ich möchte eine liebe, liebe Frau. Die Zeit für mich hat. Die immer zu mir steht (dazu braucht sie mir nicht immer Recht geben). Ich möchte 2 Kinder und ich bin auch so verträumt spießig, daß ich vielleicht heiraten möchte. Ich möchte am Stadtrand (eigentlich eher auf dem Land mit Stadtnähe) wohnen, in einem kleinen gemütlichen Häuschen meine Tage verbringen (muß es natürlich nicht besitzen) und möchte dort mit Dir alt werden. Natürlich möchte ich auch immer schreiben können und vor allem möchte ich geliebt werden. Das alles mindestens. Fortsetzung folgt, leider habe ich für den Roman „Meine Wünsche“ gerade nicht genügend Zeit. DRITTER: Da fällt mir gerade noch eine Liebschaft ein. Sie war Mitglied einer gut funktionierenden Partnerschaft mit einem „Kupferdächchen“. Beziehungsmarke: Unschuld vom Landei! Mein Gott, die Beiden hab ich vielleicht auseinander gebracht, aber das kann ich mir wirklich nicht übel nehmen. ERSTER: Die Briefe Das ist das Beste, das ich in meinem Leben zu Wege bringen werde. Darüber bin ich mir im Klaren. Wenn ich jetzt sterben würde, hätte ich ein wunderbares Lebenswerk. Alle Geschichten sind nur Ansätze im ersten oder höchstens zweiten Entwurf. Diese „Geschichte“ hier entsprang nicht aus gekünstelten Gedanken, sondern aus der Wirklichkeit meiner Empfindungen. Es ist die – für mich dramatischste Sammlung von Briefen, Tagebuchseiten und sonstigen Notizen, die existiert. Kein anderes Leid kommt mir an den Schmerz heran. Es wird niemand lesen, aber ich hoffe trotzdem, das man mich versteht.

DRITTER: Jetzt mach nur wieder halblang. Sie hat Dich betrogen, vergiß Sie. ERSTER: H.H. Wir haben uns wieder getroffen. Du bist betroffen. Ich sehe, daß Du mich immer noch liebst. Das macht den Abschied respektvoller. Du bist mir „heimlich“ bis zum Bahnhof gefolgt und hast mich wissen lassen, wie Du noch für mich empfindest. Du bist mir wertvoller als alles was ich bislang gedacht habe.

Na klar habe ich noch – und vor allem nach dem schönen Tag, dem guten Gespräch mit Dir gestern – Hoffnung, daß wir uns wieder finden, aber ich brauche mir nichts vormachen: Du bist weg,

ZWEITER: Das hätte mich auch schwer gewundert, wenn sie sich doch noch anders entschieden hätte. ERSTER: H.H. Wieder ein Tag voller Illusionen. Wenn es um Optimismus geht, schlägt mein Vorstellungsvermögen unbeschwerte Purzelbäume. Ich habe beinahe gedacht, das war hier alles nur ein böser Traum oder ich könnte durch die unsägliche Liebe, an die ich zwischen uns glaube, der Geschichte ein Happy End gönnen. Die Geschichte hätte so schön enden können. Du wärst meine „liebe Frau“ geworden. Es wären unsere 2 Kinder, die die Welt schauen. Es wäre ein froher aufbauender Schluß, der anderen Leuten etwas von dem Glück geben könnte. Ich wollte die Geschichte ganz anders, viel aufbauender enden lassen, aber warum soll ich gerade am Ende anfangen zu erfinden? Ich werde bei der traurigen Wahrheit bleiben, auch wenn sie niemand hören will und auch nie wird; vor allem nicht Du. Ich muß es mir tausendfach sagen: „Du liebst mich nicht. Du liebst einen anderen.“ Ich kann beides nicht glauben. Für mich stellt es sich eher so dar: „Du willst Dich von mir entfernen und läßt Dich auf einen anderen ein.“

S o läuft es manchmal im Leben. So ist es eben. C haos pur. H altlose Abgründe. E infach Ende, ohne Vorwarnung. Laß mich gehen. I mmer: das Wort der sterbevorbereitenden Erfahrung. Ich bin selber das miese Schwein. S alz auf die Wunden. S chön daneben. E nergie gleich Null.

Warum lasse ich mich immer wieder auf solche selbstzerfleischenden Gedanken ein?

DRITTER: Du bist tatsächlich ein unverbesserlicher Hoffer! Dein Urteil steht schon seit 1000 Briefen fest und du willst es nicht wahr haben. Du Vollidiot machst dich nur noch selbst kaputt. Eigentlich vergeblich, dir das zu sagen (dir, Geist der Briefe), du bist ein hoffnungsloser Hoffer.

ERSTER: Du reagierst nicht mehr auf meine Briefe ...

DRITTER: ... und bestimmt entdeckst du mit deinem abartigen unbändigen Verständnis darin ihren guten Willen und daß sie dich nicht verletzen will, oder? ERSTER:

Es ist grausam so wirkungslos zu handeln. Alles was ich mache wird von einer schwarzen Mauer verschluckt, die nichts weiter darstellt als ihr konturloses Wesen. Keine Aktion. Keine Reaktion. Ich sollte alles aus der Distanz betrachten können. Mein Musical Thema sollte ich endlich auf mich beziehen: Abstand zu den Dingen gewinnen. Räumlich und bestimmt auch zeitlich die Wunden heilen lassen. Du bist schon weit weg. Es gibt kein Wort mehr, das etwas bessern würde. Ist das wirklich das Ende? Es muß doch noch etwas geschehen!?? Etwas spannendes, etwas aufregendes, etwas interessantes für das es sich gelohnt hat sich Mühe zu geben. Nein!??

ZWEITER: Die augenblickliche Sorgen wie ein schon lange vergangenes Übel betrachten, das ist ein guter Ansatz dafür, daß man sich nicht selbst fertig macht. Der Gedanke hilft beinahe so viel wie die Betrachtung „im Angesicht des Todes“. Vielleicht bringt das mir für die Zukunft irgend etwas. Obwohl, was schon? Ich verstehe mich hervorragend mit meiner Frau und meine Kinder sind mir wie nichts anderes ans Herz gewachsen. Aus dem ließe sich auch gut eine Geschichte formen. ERSTER: Ich möchte die Zeiten (es waren nicht nur Augenblicke) in denen ich Dich wirklich liebe nicht vergessen. DRITTER: Aber Du machst Dir etwas vor. Sie wollte Dich noch nie wirklich. Wenn Sie Dich so verlassen kann, war ihre Liebe noch niemals mehr als eine Einbildung. ERSTER: Ich liebe Dich noch. Ich möchte Dich nicht verlieren. ZWEITER: Es ist eine Schande wie willenlos Du bist. ERSTER: Gib mir ein Zeichen. Ich spüre Deine Nähe noch immer, es muß so sein. DRITTER: Sei doch endlich still. ERSTER: Liebe mich. Liebe mich. Liebe mich, wie ich Dich. ZWEITER: Nein, ich weine nicht! ERSTER: Es ist Wochen und Monate her und ich schreibe immer noch über Liebe an Dich. Es fällt so schwer los zu lassen. Ich muß schon sagen, ich klammerte mich sehr an Dich. ERSTER: Suche nach dem Ende Nach dem „Höhenflug“ konnte ich einen „Abflug“ machen, aber jetzt bin ich wieder im Aufwind. Was hatte ich die Jahre über? Beruflich bin ich auf dem gleichen Stand. Für meine Karriere habe ich nur wenig dazu gelernt, nur für mich. In der Liebe war schließlich alles von Mißerfolg durchwaschen. Es ist alles nicht so sonderlich gelaufen, aber ich nehme an, daß beinahe jeder so negativ von sich denkt, also wird es schon normal sein. Es war eine Sackgasse, aber ich kann mich wenigstens an mich erinnern. Zum Beispiel wie lebensfroh und liebenswert ich war. „Wer in der Vergangenheit nichts positives findet, aus dem er eine Zukunft gestalten könnte, hat nicht lang genug gesucht!“, soll jetzt mein Motto sein! Es geht mir schon wieder besser. Ich hab mein Ölgemälde „Macht nix“ wieder aufgehängt. Das Motorrad bekommen wir in 3 Tagen. Es wird noch lange dauern, bis ich sagen kann: „Es war besser so! – So wie es gekommen ist.“ oder „Alles hat seinen Sinn!“, aber ich werde jetzt nicht mehr daran zögern, mir ein erfülltes Leben zu gönnen. Das hier wäre wirklich ein guter Schluß! Nicht übermäßig interessant, aber heilend (vermutlich ist das Gewöhnliche mit der Zeit immer heilend).

ZWEITER: Geben wir es uns einmal richtig! DRITTER: Ein Liedtext des Musicals. ERSTER: Laß mich für Dich sein und laß mich mich sein

Jetzt trägst du deine Haare wieder offen Und läßt jeden Schönen auf dich hoffen Du ziehst die elegantesten Kleider an Läßt interessante Fremde ein wenig hautnah ran Sie meinen dann alle dich gut zu kennen Doch wir wissen, wie sie sich da verrennen Lange sind die Erinnerungen in meinem Gedächtnis gesessen Aber ich hab’ schon so viel von dir vergessen

Ich hab gehört, du wolltest mir noch einen Streich spielen Um mich zu erinnern und um dich oben zu fühlen Tut mir leid, daß ich es nicht gleich mitbekommen habe Ehrlich, mir ist es nicht richtig aufgefallen, dein Gehabe Aber ich nehm’ es dafür jetzt zur Kenntnis und nehm’s dir nicht übel Da schweb’ ich drüber mit meinem gleichgültigen Flügel Ich hab schon so viel von dir gegessen Und ich hab schon so viel von dir vergessen

Ich ließ dich gewähren Aber Du wolltest ja nichts hören Es wurde immer schlimmer Und ich sagte immer Laß mich für dich sein Und laß mich mich sein

Warum soll ich in der Öffentlichkeit lügen Ich brauch’ nichts von dir und du kannst mich nicht betrügen Jeder will eine Versöhnung seh’n Aber das kann mit dir nicht geh’n Du weißt nicht, was dir widerfährt Dir sind dabei andere nichts wert An dem, was man dir gab gemessen Hab’ ich noch nicht genug von dir vergessen

Du suchst jemand der Kraft für dich hat Von Zuneigung am Boden gestreckt und satt Von Bewunderung ohnmächtig und platt Spielst du dein Spiel in seidenmatt

Für das, wozu man sagt, es ist Liebe Gibt es für dich ein Ersatzwort, das heißt Triebe Für mich bist du vollkommen, vollkommen verkehrt Geh’ zu anderen, für die bist du vielleicht etwas Wert Such es dir heraus, ob du fährst oder gehst Wichtig ist nur, daß du nicht länger hier stehst Du warst so auf Beziehung versessen Und doch hab’ ich beinahe alles von dir vergessen

Ich ließ dich gewähren Aber du wolltest nie etwas hören Es wurde immer schlimmer und schlimmer Und ich sagte immer Laß mich für dich sein Aber laß mich mich sein

Es ist, wie wenn ich alles vorausgesehen hätte. Während dieses Stückes seid ihr euch auf der Bühne bereits näher gekommen. Mir verkrampft sich alles, wenn ich das Bild in mir wieder auferstehen lasse. Seltsam, welche Wirkung das Lied – erst im Nachhinein – für mich ausstrahlen kann.


DRITTER: Hab ich schon von H.C. erzählt? Bin 6 Jahre auf sie abgefahren. 6 Jahre, muss man sich mal vorstellen und ich war in der Mitte – also ca. nach 3 Jahren nur ein viertel Jahr mit ihr zusammen. Ich hab ein Ende gemacht und hab es 2 bis 3 Monate später bereut. 6 Jahre für was? Ich hab ihr gesagt, wenn wir nicht zusammen kommen, geh ich in eine andere Stadt und mach Quatsch aus meinem Leben. Das hab ich dann auch gemacht. Mir war damals schon klar, dass dieser Quatsch viel mit dem anderen Geschlecht zu tun hat. Damals konnte ich allerdings nicht ahnen, dass das mit so vielen Menschen geschehen wird. Ich finde immer noch, diese erste wirkliche Liebe von mir ist an meinem verkorksten Leben schuld. Hätte sie mich geheiratet, wäre ich ein anspruchsloses, liebes Windei ohne Zwang zur Sauerei geworden. ZWEITER: Er schreibt halbwegs distanziert, aber irgendwie kann er die Erinnerung doch nicht aus seinem Gedächtnis streichen, sonst würden nicht solche Texte entstehen. ERSTER: SPIDERS

Sie krabbeln an Deinen Wänden Sie krabbeln über Dich wenn Du schläfst Kannst Dich im Bett winden Egal welchen Weg Du noch wählst

Spinnen kommen wieder Merken sich Deinen Namen, Deine Gesichter Es gibt kein Entweichen Du bist nirgends vor ihnen sicher

Kannst Du sie sehn Kannst Du sie auf Deiner Haut fühlen Möchtest Du nicht gehn Wenn sie im Vergangenen wühlen

Du glaubst, Du hast sie Du denkst, Du weißt, wo sie sind Einen Ausweg gibt es nie Spinnen sind wie der Wind

Spinnen kommen wieder Merken sich Deinen Namen, Deine Gesichter Es gibt kein Entweichen Du bist nirgends vor ihnen sicher

Spinnen vergessen Dich nie Und besser: versuch‘s: vergiß Sie


(Durchgestrichener Anhang) Eine Deiner Spinnen, das bin ich In Deinem Kopf, in Deinem Herz Kein Entkommen, töte mich Ich leb für immer als Dein göttlicher Schmerz

Warum sollte die Sonnenfinsternis was abartig außergewöhnliches sein? Alle paar Stunden schiebt sich eine dicke Masse zwischen die Sonne und meine Augen; meist 6 mal so massig und nicht so weit weg. Daran kann ich nichts mehr außergewöhnliches finden.

Ich sollte zu meiner Liebe stehen.

DRITTER: Der siebte Teil! 7. Indigo - Sinnfindung, Perspektiven - spirituell (geistlich) - Wissen wird zur Weisheit, Weiterentwicklung (Drittes Auge) - wollüstig alleine stehen - Geschicklichkeit, Wertestreben (über sich hinaus wachsen, Wertepluralismus, Selbstwertfrage) - A

Adam und Ela sehen sich wie zufällig im großen Warteraum. Adam hat einen Brief in der Hosentasche. Sie rennen aufeinander zu, umarmen und küssen sich. Sie entschuldigen sich gleichzeitig für sich selbst. Versöhnungsmomente vertiefen den Glauben daran, daß sich die Liebe nicht aus einer bloßen Stimmung; sondern aus sich selbst heraus gebirt hat. Jack erzählt den beiden bei einem weiteren Ausflug, daß die schon längst durch ihre Krankheit geschwächte Chris nicht mehr (hier) ist.

In der eigentlichen Inszenierung bist Du natürlich nicht gestorben, das wäre zu dick aufgetragen gewesen. Im wirklichen Leben bist Du sehr wohl gestorben. In meinen Augen!!! ERSTER: Die Suche geht weiter Seit ich wieder ein Lachen auf meinen Lippen für andere übrig habe, fallen mir die Freundschaften nur noch so zu. Die Leute, die früher an mir achtlos vorüber gingen, geben sich jetzt eine Pause mit mir. Drei von ihnen umarme ich so herzlich, wenn man das sieht, könnte man von verliebtem Schmusen reden. Alles läuft nach Wunsch, aber die, die ich liebe läßt nichts mehr von sich hören. Sie kann mein Lachen nicht sehen, sie wird vermutlich nie mehr erfahren, wie ich auch wieder unbeschwert sein kann.

Bleibt mir nur vom Leib, wenn ihr nichts beständiges wollt! Macht euch vom Acker, wenn ihr nur den Augenblick genießen wollt. Geht mir aus den Augen, wenn ihr alles am Leib erfahren müßt.

Ob es Beständigkeit gibt, steht nicht zur Diskussion. Sie ist anstrebenswert für mich, war schon in Reichweite, ist wieder gegangen und das ist alles! Beständigkeit ist anstrebenswert. Wenn in euch darin kein Wille steckt, verstrickt euch ruhig in jede Gelegenheit und erstickt daran. Laßt Möglichkeiten unendlich auf euch wirken, aber belästigt mich nicht damit mit dieser Flut. Mir ging schon zu viel verloren.

Daß ich euch noch dabei zusehe, wie ihr (auch meine) Welten zerstört, deutet klar darauf hin, meine Akzeptanz hat einen Namen: „perverses Verständnis“!

Herzschlag erschüttert das Getränk auf meiner Brust. „Wer wird den Regen stoppen?“ klingt es aus den Lautsprechern. Vollkommen entgeistert, wie in einem Rausch. Man muß bis in den Tod aktiv sein. Nur zu! Ich bin es gewohnt nicht mehr gedacht zu werden. Von meinen engsten Freunden bleibt selten jemand in meinem Alltag erhalten. Nur zu! Vergessen. Vergeben. Vergessen. Bin ein Einzelgänger. Vermutlich. Schrecklich.

Lauf mit dem Kopf immer und immer wieder gegen die Mauer. Dahinter das Paradies. Meine Hoffnung! Das Wort ist mein Stemmeisen. Hart, unbarmherzig und entschlossen. Es ist nichts freundliches an ihm, aber es wird die Mauer zerbrechen.

Stimmt nicht, ich bin harmlos! Mein Fehler?!?

Ich hasse das körperliche. Immer zu schnell. Immer zu extrem. Hasse mich selbst, weil ich nicht besser als andere bin, die ich schon seit längerem verachte.

Ich bin es nicht gewohnt so scharf zu reden. Meine Erziehung oder sonst eine Erfahrung. Das hier soll niemandem mehr bringen als mir. Ich habe oft genug für „euch“ geschrieben ... .

Ich habe E. kennen gelernt. Ich habe im Gefühl, daß ich kein Ende für diese Geschichte erfinden muß. Ich bin dabei die 3. Rolle in dem ewigen Beziehungs- Eifersuchtsspiel zu spielen: Einmal Betrüger, dann Betrogener, jetzt Verführer!

E. macht einen Spagat! Sie meint, mein Mund würde auch im Vollsuff nach Erdbeere schmecken. Sie ißt gerne Erdbeeren. Sie ist gelenkiger als eine Schlange, Verführerischer als das, was mich bisher locker vom Hocker verführen konnte. Wir haben ähnliche Haare. Von hinten wären wir zu verwechseln. Auch unsere Vergangenheit scheint einiges an Spiegelcharakter aufzuweisen.

Gestern habe ich sie geküßt. Sich Erzählungen hingeben: „Nachts sind alle Katzen grau“ und der ganze Scheiß, macht es leichter für mich ohnmächtig zu werden.

Am meisten bin ich über mich selbst enttäuscht, weil ich immer noch nicht so gut sein kann, wie ich mir schon seit langem in den Kopf gesetzt habe. Ich bin von den moralischen Werten bis aufs Blut überzeugt, kann aber nicht danach handeln. Es ist schrecklich, erkennen zu müssen, daß man nicht anders ist als viele andere. Ich glaube weiterhin an die perfekte Liebe.

DRITTER: H2 ist eine wirklich intelligente Frau, die ein wenig zu viel säuft. Was brachte mich nur dazu, mit ihr so flott auf ein Zimmer zu gehen. Man könnte wirklich ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man nicht so skrupellos geworden wäre. „I can’t be good no more ...“! ZWEITER: H.H. Was soll das bedeuten? Warum soll das eine Bedeutung für mich haben? H.H. Vielleicht ist das nur einWitz? Ha, ha. ERSTER: Wenn ich das durchziehen kann, bin ich unendlich froh. Vermutlich kommt mir in meinem Leben keine Frau mehr unter, die ich vom Äußeren passender finde. Es hat vieles funktioniert, was uns beiden in den vergangenen Geschichten fehlte. Sie ist vermutlich zu sehr auf körperliche Wichtigkeiten fixiert, aber bei ihr stört mich das nicht im geringsten. Bei H. entwickelte sich diese Einstellung durch das amateurhafte Theater, das war keine Einstellung wert. H. nehme ich das gut und gerne und bestimmt gerechtfertigt übel. E. ist ein feiner Mensch, ihr Freund liebt sie und sie tendiert zu ihm, wenn ich nicht durchblicken lasse, daß ich zur Zeit ein glückliches Empfinden in mir trage. Ich bestärke sie in dem Gedanken, ihrem bisherigen Freund mehr Respekt zukommen zu lassen und ich fühle mich sehr, sehr wohl dabei. Vielleicht bin ich sogar auf dem Weg nicht immer so viel zerstörerischen Quatsch zu machen, wie das ganze bisherige Jahr über. Vielleicht komme ich wieder auf mich zurück? Wäre eine schöne Sache. Ich habe so viele Rollen übernommen, nicht nur die des Betrügers, des Betrogenen und des Verführers, nein, ich war auch Freund, Richter, Henker, das Mäuschen in jedem Zimmer, Dornenvogel, ein widerliches Insekt und noch so manches mehr.

Die „Herz Dame“ soll nicht ausgespielt werden. Von Ihr soll hier überhaupt nicht die Rede sein. Eine eigene Geschichte, ein eigenes Erlebnis. Nur so viel: Es gibt sie!!!

Ich habe tatsächlich den Mut ein Ende zu machen. Ein unbekanntes Selbstbewußtsein umhüllt mich mit dem Gefühl den richtigen Umgang gefunden zu haben: der Umgang mit den Möglichkeiten.

DRITTER: K.W. war mir wirklich mehr wert, als die speziellen Aktionen, die wir veranstalteten: Sogar auf dem Tischkicker. „Nöken“, oder wie sich das in ihrer Sprache nennt. K.W. will, wollte und bekam. Frau K.U. wollte und bekam nur ein Küsschen. Und das war ihr augenscheinlich zu wenig. Allerdings haben wir – wie mit V.U., meiner ersten Verliebtheit – eine wirklich gute Zeit erlebt. Wie oft wir zusammen die Kneipe schließen mussten, weil niemand mehr so lange machen konnte wie wir (außer vielleicht manchmal einer, der gerade auf Antidepressiva war und dem von der berauschenden Völlerei nichts bewusst wurde). Wie oft bin ich mit K.U. auf dem Boden gelegen vor lauter ausgemachtem Quatsch?!! Da ließ man die Mäuse wortwörtlich auf dem Tisch tanzen. ERSTER: H.H. Du sagst, es geht Dir besser, wenn Du mich nicht siehst. (Ich kann mir vorstellen, was Du meinst.) Das hört sich an, wie wenn Du früher mit einem Verbrecher zusammen gewesen wärst, der es nicht annähernd wert gewesen sein konnte, Dir Dein Wasser zu reichen. Es klingt so, wie wenn noch nie etwas gut war, wie wenn einer an einer Angelegenheit schuld sein könnte, die immer mit mehreren Personen und Menschen zu tun hat.

Ich schick Dir die Diskette mit unserer Geschichte. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Hab noch nicht einmal alle Briefe Geschrieben, die Du bereits kennst. Ich schreibe an der Geschichte weiter, keine Frage, sie wird jetzt noch nicht brach gelegt – wie die meisten anderen, die irgendwo in irgendwelchen Ecken von meinem Zimmer herumlungern und wohl irgendwann nichts weiter als ver- und ausgeräumt werden. Mach mit der Geschichte was Du willst. Veröffentlich‘ sie wegen mir, gib ihr einen anderen Namen, laß sie verrotten, leg sie auf ein Grab. Mir ist es egal, was noch passiert.

Was passierte war bestimmt nicht so schlimm wie das, was ich mir vorgestellt habe, aber ein Bruchteil meiner Vorstellung genügt, um ein negatives Menschenbild zu haben.

DRITTER: Die Ferienlager-Begegnung mit I. war sehr schön. Ich habe sie in Halle und in Dänemark besucht. Das Gedicht, das ich auf eines ihrer Kinderbilder und ihre unglücklich Männerentzauberte Jugendgeschichte schrieb kommt nicht annähernd an die Gefühle heran, die ich einer solchen sanftmütigen Persönlichkeit gegenüber empfinde. Einen solchen Respekt konnte später nur noch M. die „Young American“ von mir erlangen. Die von vielen meiner Freunde missverstandene Kalifornierin, die nach Räucherstäbchen, Sex & Drogs & Rock & Roll roch und eine so unglaubliche Ausgeglichenheit ausstrahlen konnte. Man musste schweigen, sie atmen und genießen. Hoffentlich war ihre Ruhe so wirklich, wie ich sie empfand. Leider sind wir uns zu einem falschen Moment im Leben begegnet. ERSTER: Möglichkeiten Die Möglichkeitenflut – Die Möglichkeitenflut – Die Möglichkeitenflut – Die Möglichkeitenflut

Du hast mir auch geholfen. Ich hatte schon immer ein Anerkennungsproblem. Du hast mir das indirekt zum Vorwurf gemacht. Nicht sehr fein, wenn man bedenkt, was man anderes machen hätte können. Vielleicht hättest Du einfach auf mich eingehen sollen, egal. Das hat mich dazu gebrach das ganze noch einmal intensiv zu überdenken. Ich wollte die Anerkennung besiegen, aber hatte nie die entscheidende Idee dazu. Es ist mir endlich gelungen die Nichtigkeit dieser Äußerlichkeit zu erkennen. Allerdings finde ich jetzt, dass das streben nach gesellschaftlicher Anerkennung nicht unterdrückt oder verdrängt werden muss. Vor allem nicht, wenn das hoch gesteckte Ziel nicht erreicht wird. Es ist normal, wenn man noch dem Ansehen der anderen verlangt. Und es ist noch normaler, wenn man meint daran zu scheitern. Wir glauben, das Auge des anderen und dessen Urteil sind ein Teil unseres Spiegels. Sie geben uns Aufschluß über unsere Wirkung in der Welt. Man sollte jedoch nicht die eigene Arbeit, das eigene Schaffen der Gesellschaft unterordnen, nur um in ihr Bestätigung erlangen und weiter zu kommen. Nein, man sollte sich schon selbst treu bleiben. (eine unbedingte Voraussetzung für denjenigen, welcher mit ruhigen Augen und einem lächeln auf den Lippen einschlafen will). Es gibt die Möglichkeit die Gesellschaft zu suchen, in der einem das gewünschte Maß an Aufmerksamkeit geschenkt wird. Man wird natürlich aktiv werden müssen, aber die Chancen, daß man fündig werden wird stehen in dem heiligen Pluralismus gut. Natürlich kann man auch das für das Ego noch edlere Ziel verfolgen und versuchen die Gesellschaft nach den eigenen Interessen zu ändern. Danke für die Erkenntnis! DRITTER: Eigentlich kann sie nichts für deine guten Ideen, das ist dir hoffentlich klar. „Ruhige Augen!“ Ich weiß, was du damit meinst. ERSTER: Abschied, oder? Du bist gestorben, also muß ich Dich auch wie eine Tote behandeln. Mit Blumen wird man mich nicht an Deinem Grab sehen. So wie Du die Welt verlassen hast, gibst Du sowieso nicht viel auf Blumen. Dein Grab ist trotzdem reich geschmückt. Du hattest viele Freunde. Der Stein ist porös, warum wolltest Du nichts beständigeres. Der Wunsch ging Dir in Erfüllung. Die Trauerfeier wurde leider nicht so unauffällig wie Du es Dir erhofft hättest. Du wolltest schlicht und beiläufig bleiben, aber die ganzen Umstände ließen eine andere Inszenierung entstehen. Sei nicht verärgert darüber. Dein Testament vermacht mir vieles; beinahe zu viel. Mir kommt es manchmal sogar vor, wie wenn es Dein letzter Wille gewesen wäre mir kurzerhand noch all Deine Schuldscheine unterzujubeln. Na egal. Ich bin in Trauer um Dich. Sätze wie: „Nichts macht mir den Verlust wett“ und „Man konnte sie nicht vergleichen!“, gehen mir noch leicht von den Lippen. Als ich Dich im Leichenschauhaus zuletzt sah, meinte ich eine Träne an Deiner Wange zu sehen. Wie erklärt sich einem so etwas? Wer in dieser Welt den Freitod wählt, schaut bestimmt bessere Welten. Keine Träne ist es ehrlich wert für das vergossen zu werden, was der Wille nicht trug. „Meine Augen können Dich nicht mehr sehen, wann schweigt mein Herz!“ Das ist bestimmt ein schleimiges Zitat von irgendwem, aber übersinnlicher weise fällt mir so etwas in manchen Momenten meines Lebens selbst ein (aber ich möchte nicht für das geeire verantwortlich sein). Der Leichenschmaus war grausam: die ganzen Verwandten und Bekannten, die einem Trost spenden wollen. Sie wissen nicht, was dieser Welt verloren gegangen ist. Sie reden nur kurz über die offensichtlichen Höhepunkte Deines Lebens, wie wenn Du nicht unendlich mehr wärst. Sie reden und erkennen nicht, was wir füreinander waren. Ich trage Schwarz. Obendrein kleidet es ganz gut. Ich habe mir wohl überlegt, ob ich diese Welt auch verlassen soll. Ob ich Dir in den Freitod folgen (und vielleicht mehr erhoffen) soll. Die Frage hab ich mir sehr oft gestellt und mußte sie immer entschiedener mit „nein“ beantworten. Es ist die Welt, die wir uns erschaffen hatten. Es ist die Welt, die aus allem erwuchs, was uns betraf. Es ist unsere Welt. Es war unsere Welt, die Du verlassen hast. Jetzt ist es meine Welt, mit viel Land das Brach liegt, weil es neuen Samen hofft ... . (bestimmt wieder ein schleimiges Zitat). Es war unsere Welt. Wenn Du dachtest, sie wäre zu klein für uns finde ich das schade, nichts weiter. Schade! Jetzt sitze ich da und unterhalte mich mit Dir, wie wenn Du im Himmel wärst, dabei müßte ich es sein, der vom Gegenteil am überzeugtesten ist. DRITTER: Dabei reichte früher dein Selbstbewusstsein bis zu der glaubhaften Erkenntnis: „Jeder ist Gott!“ ERSTER: H.H. Ja, ich liebe Dich noch, na klar. Das brauche nicht leugnen. Das würdest Du auch merken. Und ich schreibe tatsächlich, und auch noch auf dem Computer. Ungeachtet der üblen Tatsache, daß mein erster Brief an Dich auf dem Computer nach einer Seite aus irgendeinem Grund abgestürzt und verloren ist, das hier gar nicht mein Stil ist (wenn es den gibt), mehr Zeit in Anspruch nimmt und mehr Konzentration von mir abverlangt, so ist es doch das. Ich hab das Geschriebene, das ich Dir geschickt habe mal wieder durchgelesen. Da kann ich ganz schön froh sein, daß ich Dir gesagt habe, daß es sich dabei nur um einen Teil des bereits Verfaßten handelt, sonst würdest Du ja denken, das wäre alles, was es für mich bedeuten würde. Es fehlt sehr viel. Viel geht Richtung Philosophie, dann wieder von unseren Familien (obwohl ich von Deiner beinahe nur einen ersten Eindruck habe), dann wieder Kurzgeschichten etc. . Wenn ich die geschriebenen Seiten überblättere sind viele Tagebuchähnliche Gedanken Teils von dem richtigen Augenblick, Teils von dem viel perfekteren Gesichtspunkt der Erinnerung aus geschrieben. Die Erinnerung als die Hölle / um Sartre in „Geschlossene Gesellschaft“ ein wenig abzuleiten. Es gibt unzählige Fehler und verbesserungswürdige Wörter in dem Text, die in der endgültigen Fassung auf jeden Fall noch ausgebessert werden müssen. Jetzt, nachdem ich mich eine Zeit lang nur gedanklich damit beschäftigt habe, schreibe ich wieder daran weiter. Deshalb vermutlich auch der Brief ....

DRITTER: Es gibt bestimmt Schundromane über annähernd solche Tragik, die ich in jenen wenigen Monaten erlebte. Es muss tonnenweise ausgemachte Literatur über so einen ausgemachten Unsinn geben, der mir wirklich widerfahren ist. Aber kein Wort dreht die Zeit zurück oder kann annähernd mehr als den blanken Sachverhalt schildern. Eine solche Gelegenheit gibt es womöglich nicht so oft im Leben. Vielleicht hätte sich mehr entwickeln können, aber ich musste ja zu dem dialektvernarrten Landei zurückkehren. H.! Es geschieht ihr recht, dass sie jetzt mit elenden Langweilern zusammen ist. Es geschieht mir Recht, dass ich nicht mehr so gut sein kann (wie ...) ERSTER: Ja, ich kann Dich nicht vergessen. Alles erinnert mich an Dich. Und seltsamer Weise erinnert mich alles zur Zeit und in dieser eigentlich fremderen Heimat noch mehr als in Freiburg (vielleicht wegen der Ablenkungen dort. Mir kommt es da nämlich auch oft vor, wie wenn ich mich in Trance bewege. Eine Art Ohnmacht, Bewußtlosigkeit, auch ohne Drogen ...) Das gute Wetter und der Geruch des Wassers erinnern mich an Dein Grinsen, Dein Lachen, die zusammen verbrachten Stunden am Baggersee und auch an die Aktionen in Deinen Küchen. Das Bild mit den Fußreflexzonen von Dir (und Deiner Schwester) hängt an der Korkwand. Sogar die Korkwand und die Photowand (auf der Du nie warst / Photomangel: Deine Schuld – vielleicht besser so ...) erinnert mich an Dich. Ring, ring ABBA geht mir durch den Kopf. Das Klingeln klingt immer noch nach Dir, aber Du meldest Dich natürlich nicht. (Neulich habe ich versucht bei Dir anzurufen; erst war keiner da, später ging Dein Vater dran, da wollt ich dann auch nicht ...) Der verkrüppelte, blinde Holzstorch, das Antikriegsbild! Das Bücherregal! Warum erinnert mich das Bücherregal an Dich? Vermutlich steht ein Buch von Dir da drin oder wir haben nur irgendwann einmal die gleichen Worte gelesen. (Übrigens habe ich meiner Mutter zu ihrem Geburtstag feierlich die Geschenkausgabe von dem „Kleinen Prinzen“ überreicht, obwohl ich dachte, Sie hätte die kleine Ausgabe schon gelesen. Hat sie nicht! Noch besser!). Der CD-Player, den ich Dir mal geben wollte staubt hier ein, auch das Bild von „The Band“ weiß in meinem Hirn eine Verknüpfung zu Dir zu erstellen. Und und und, ich muß mich nur umsehen: Die aufgezeichneten Akkordgriffe an die Wand gepinnt, die Gitarre, eine Gold Ochsen Flasche steht wie eine Eins, ein Günzburgerglas, ein (bestimmt irgend wirksamer) Stein liegt im Schaukasten, ein leeres Blatt Papier, das sich nicht gegen meine Ideen an Dich wehren kann ... . Das alles frischt mein Gedächtnis bis zur Verzweiflung auf. Dinge, die vor ich Dich kannte entstanden sind, wie der Schmuck, die Kerzenmasse, die Malereien, die Collagen (die Du vermutlich nie gesehen hast) und so weiter haben scheinbar Deinen Geist geatmet. Warum erinnern sie mich an Dich? Es kommt mir vor, wie wenn sie nur wegen Dir durch mich entstanden sind. Jetzt, ohne Grund, ohne Ursprung haben sie an Gehalt verloren. Sie stehen sinn- und nutzlos in einem belanglosen Raum, der leer nicht wertloser sein könnte. Die Erinnerungen können wirklich eine tristere Hölle entwerfen, als man sich jetzt vorstellen kann.

Ja, ich kann Dich nicht hassen. Schlimm genug, wenn ich Dich noch liebe, aber wenn ich Dich nicht hassen kann, kommt mir alles so falsch vor, wie immer noch für Dich gelebt. (Wahrscheinlich sogar so, wie es zwischen uns noch nie war.) Gerade übe ich mich wieder in der halodrilosen Selbstreflektion und glaube einen gelungenen Abstand zu „den Dingen“ zu haben, aber ich weiß schon, daß ich mir dabei was vormache, sonst würde ich Dich ablieben können.

Und ja, ich möchte eigentlich nichts mehr von Dir hören. Das stimmt so natürlich nicht. Doch: ein Gespräch wäre nicht das richtige. Du hast Deine Entscheidung – mit der ich nicht leben (natürlich aber überleben) kann – getroffen und Du bleibst ja scheinbar auch dabei. (Hab oft genug nachgefragt, Du brauchst es mir jetzt nicht wieder erzählen.) Sogar das was mich erbauen würde, was mich zur Annahme bringen würde, daß alles mit Würde ablief („Würde wurde noch nie Photographiert“) oder nur in meiner Annahme (einer negativen Prophezeiung) bestätigen würde, kann mir nichts helfen, wenn Du nur für einen anderen da bist. Was würde mir das Gelaber bringen, wenn Du mir sagen würdest, daß Du vielleicht sogar Teile von mir vermißt, daß Du an mich denkst, mit mir reden willst? Sogar, wenn ich aus den unbewußten Abgründen Deiner Stimme heraus hören würde, daß er sich für eine andere entscheiden wird, weil Du mit dem Vergangenen nicht abschließen kannst oder aus welchem Grund auch immer, selbst das, was würde dies bewirken? Es wäre keine Genugtuung, es wäre nur eine weitere Erinnerung an Dich, die mir die Hölle beschert, weil wir nicht mehr zusammen sind. (Verdammt ich wollte nicht so beknackt hochtrabend daherschreiben. Das ist wirklich ein Problem bei mir, egal.)

DRITTER: So viele Mädchen, Frauen, Lieben. So viele bezeichnende Charaktere, so viel Empfindungen und was bleibt. Ein Satz und ein paar Bilder im Oberstübchen. Jede Menge leichte Mädchen, Unwissende, Verknallte, Verständnisvermutende, Hoffende, blauäugige und doch so liebenswerte Geschöpfe. Na ja, schöne Zeit, gute Zeit! Genuss und Abschied. Genuss und Abschied. Ich weiß gar nicht, in wie weit, das den jetzigen Zeitgeist noch trifft. Es war mein Geist, den es traf. Mein Gedächtnis, das noch immer betroffen ist. Es ist meine Erinnerung, die neue Entscheidungen trifft ... ERSTER: Leider ist das nicht nur eine Geschichte, so wie der bescheuerte „Flieger“, sonst würde mir schon was besseres einfallen. Ja, ich habe immer noch kein Ende für meine Geschichte gefunden, obwohl das mit dem schlechten Menschenbild bestimmt auch Dir ein bißchen gefallen wird (wenn Du die Geschichte lesen solltest, was ich ehrlich gestanden nicht annehme und auch nicht erwarten kann). Es ist aber noch kein wirklicher Schluß. Das Ende muß auch mit den ganzen Straßenbahnfahrten zu tun haben und vor allem muß es ein Mysterium besitzen (nicht weil ich ein Anhänger davon wäre, darüber denke ich eher wie über das Emotionsgeschwafel und die Frau-Mann-Rollenverteilung, Du weißt ja). Der Abschied, die Trennung, die Einsamkeit als entscheidendere, intensivere, bewußtere Erfahrung als die Liebe, braucht eine angemessene Metapher oder etwas, das in der Leere Vermutungen offen läßt. Man wird sehen.

Irgendwie erinnert es mich an meine erste Geschichte überhaupt. Hab ich Dir schon davon erzählt? (Bestimmt schon 1000 mal.) Die Geschichte (es sollte meine erste und einzige bleiben: ich wollte früher alles mal machen; nicht nur ein Buch schreiben und einen Baum pflanzen) fängt mit dem traurigen Ende einer Binnengeschichte an, die der Hauptdarsteller meiner Geschichte („Warum“) verfaßt hat. Er wollte ein fröhliches, nettes, lustiges Buch schreiben, ist sich aber mit der Zeit zu verlogen vorgekommen (seine Definition von Lüge) und mußte eine dramatische aber ehrliche Wende im Stück einbauen, um sich selbst treu zu bleiben. Sein Buch endet melodramatischer Weise mit einem Abschiedsbrief; dann geht er wie Hänschenklein in die weite Welt hinein, um zu sehen, ob es sich wirklich so verhält. Nach guten und schlechten Erfahrungen kommt er wieder zurück und schreibt seinen Geschichten-Abschiedsbrief erneut (nicht mehr an der Schreibmaschine, sondern handschriftlich). Ich bin weit davon entfernt, wie dieser Hauptdarsteller oder Judas an der Welt oder / und somit an mir selbst zu scheitern ((ver-)zweifeln vielleicht, ist ja nicht unbedingt das schlechteste, aber scheitern, nein!) obwohl das bestimmt die besten Gründe wären, aber es bringt mich echt wieder auf diese Situation heute: Es wäre wirklich leicht einen guten Schluß zu erfinden, wenn es verdammt noch mal einfach nur eine Geschichte wäre. Irgendwie sind meine Erfindungen doch ein wenig wie selbsterfüllende Prophezeiungen. Alles geschieht, wie es schon von mir selbst einmal irgendweshalb erzählt wurde. Egal, ich hatte in Zukunft eh vor meine Identifizierungsrollen (wow Fremdwort) so auszubauen, daß ich besser weg komme / daß ich den besseren Weg bekomme. Sowieso: So lange ich mich selbst befriedigen kann (die asexuelle Bedeutung des Begriffs – versteht sich, oder?!!) kann mir überhaupt nichts passieren (mein Lachen kann ich doch nicht so schnell verlernen, oder?).

MÜLL: MF: Zur Erinnerung allgemein: „Räumung“ ist nicht nur bei mir angesagt. Für die Leute, bei denen das Gras früher grüner, nicht nur die Werbung bunt war; das Licht näher, das Beste früh starb; Wasser noch mehr Bedeutung besaß und so weiter: man kann euch nur raten, den ganzen Krempel zu vergessen; verarbeiten dauert das Leben und wer zum Spaß auf der Welt ist – wie ihr – hat keine Zeit zum arbeiten. Wer will das noch, arbeiten? Keiner! Das heißt, ich schon! Vielleicht versetzte ich mich früher instinktiv – aus unvermeidbarem, da unbewußtem Selbstschutz (oder so) – in die unnötige Ohnmacht, damit ich nicht wieder meinen Job hier ausführen muß: die Geschichte, nein, meine Geschichte schreiben, damit vielleicht irgendeiner etwas daraus lernt, meine Kinder die Rente kassieren können und nicht mehr so schuften müssen wie ich, der Mustersklave der Erinnerungsindustrie. Eigentlich, ich als Masofresse, also Workaholic in dem Gebiet (dem altbewährten „ESLOHNTSICHUNZUFRIEDENZUSEINGESCHÄFT“) müßte ja über meine Anstellung zufrieden sein. Die Arbeitsbedingungen sind mir streng genug, ich will nicht weg und ich verfluche jeden Gewerkschaftler. – Aber Du und der Straßenbahnfahrer machen auch wirkliche Fortschritte. Karriereleiter, was?

DRITTER: Das mit den ganzen Freundinnen bringt es auch nicht. Ich komm mir schon vor wie jemand, der das nötig hätte. Dabei reichte früher mein Selbstbewusstsein bis zu der glaubhaften Erkenntnis: „Jeder ist Gott!“ MÜLL: Früher war es genau so Wer denkt, dass es früher besser war; einzelnes oder sogar alles, der ist auf dem Holzweg. Früher war alles genau gleich beschissen. Es gibt keinen Unterschied zwischen früher und heute. Es gab keinen Fortschritt und es wird vermutlich auch keinen geben. Und warum? Warum fragt man sich, wenn man den ersten Gedankensprung nicht mehr unterdrückt. Warum gibt es keine Entwicklung? Ganz einfach: der Kommunismus ist genau die gleiche Sache wie der Kapitalismus. „Das ist ein alter Kittel“ werden sich manche sagen, aber das Entscheidende kommt erst: Die beiden Nullpole sind präexistent und sich a priori aufhebend! Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich. Kann dann überhaupt etwas bedeuten? An dieser Stelle muss ich mit Entschlossenheit sagen: „Wegen mir gern!“ Warum auch nicht? Auf welchen Gebieten? Ich denke, es ist klar, dass wir zuallererst auf unsere Zweit- und Ersatzgottheit Musik zurückgreifen. Verquasseldiquaster ist ja nichts weiter auf der Welt wie Musik. Darum wollte ich früher – im Zenit meines verkappten Idealismus – schon immer einen Film drehen, dessen Handlung darin besteht, dass eine Dylanhörerin und ein Abbafreak in einem Zug zusammen kommen. Ziel der Reise wäre das idyllische Jerusalem gewesen. Vielleicht macht es mal noch jemand. Ich hab leider keine Zeit (mehr)! Die Zeit fehlt auch für meine Erfindung eines sagenhaften Instrumentes, das mich schon seit Jahren gedanklich beschäftigt: ein Raumscan-Orchester. Man muss sich den Straßenmusiker, der das Raumscan-Orchester bedient so vorstellen: er hat Handschuhe mit zig Detektoren an, die einem Scanner vor ihm mitteilen, wo sich die Fingerchen im Kubikmeter befinden. Je nach Stellung der Finger wird ein Ton erzeugt. Ganz einfach eigentlich. Obendrein kann man auch die Lautstärke, die Instrumente und so weiter wählen. Am geschicktesten wäre es, wenn der Straßenmusiker in einen Detektorenanzug schlüpfen würde, dann könnten die Funktionen vervielfacht werden. Ein Beckenstoß wäre vielleicht der Wechsel in eine andere Tonart. Natürlich wäre beim ersten Prototyp des Raumscan-Orchesters eine Visualisierung mit inbegriffen. Bewegungen werden nicht nur in Musik, sondern auch in Farben umgewandelt. Ein Beckenstoß würde hier vielleicht eine Rotlochprojektion bewirken – oder was weiß ich ...

ERSTER: Was es sonst so gibt: Die Operation ist gut verlaufen, ich konnte voll früh wieder aus der Anstalt. Der Mittelpunkt meines Gesichtes schwoll nicht auf die angenommene Größe; ekelerregender als meine Fleischarbeiten war es aber trotzdem. Vielleicht sollte ich etwas für meine Mappe verwerten? Wahrnehmen kann ich auch noch nicht so richtig. Meine Sinne orientieren sich immer noch an dem, was sie bereits entdeckt, erkannt und erlebt haben, da die augenblickliche Aufnahmefähigkeit viel zu gering ist, um eine Entscheidung zu treffen, ob etwas gut, schlecht, schön angenehm, verwertbar ... oder nutzlos ist. Heute Abend gab es einen wundervollen Mond. Er schien die Stonehill-Kirche zu bescheinen. Wäre ein Photo wert gewesen, aber ich kann mir ja das Bild, wie meine Urlaubserlebnisse merken. Zur Sonnenfinsternis gehe ich vermutlich zu meinem Schwesterherz. Bei ihr an der FH kann ich auch meine Bilder für Kunst ausdrucken. Teilthema: das was die meisten Leute interessiert, was auch wirklich in eine richtige Richtung laufen kann, es aber meistens nie tut. Trotzdem beschäftigen sich viele, viele damit: Selbstportrait. Ja, seltsam und doch zum empfehlen – bislang. Tanzend sieht man mich auf keinem Bild.

So jetzt beende ich aber den (nebensächlicherweise klammerreichen) Brief an Dich. Er wird bestimmt einen Grund und (was noch seltsamer wäre) eine Wirkung haben (Watzlawicks Paule wußte ja schon, daß alles, jede geglaubte Belanglosigkeit irgendeine Wirkung erzielt). Ich weiß, wem ich das erzähle. Glaub an DICH!!!

Gute Zeit! Ade! (... vom Acker!)

Was nicht mehr in die Geschichte kommt: Ich möchte keine Sprüche reißen und die zig harten, sanften, unbereuten, zerstörerischen, liebenswerten, gründlich nötigen Allerleiweltswörter, die ich schon verschwendet habe werden eh nichts ändern. Mir verbleibt nur mich einem schönen Anflug einer endgültigen (ausnahmsweise nicht gespielten) Sanftmut hinzugeben:

„Ich versuche Dich zu verstehen und ich habe Dich gern!!!“

War das das Ende?

Ich möchte Dir jetzt alles auf einmal schicken. Es ist doch eine relativ „lange“ Geschichte geworden. Ein dicker Stoß Briefe, Tagebuchseiten, Gedichtchen und andere Stellungnahmen dazu. Es ist Zeit, leb wohl zu sagen. Ich bin ein wenig müde. Hören wir auf zu fragen!

„Eine Frage stellt sich aber für mich: wenn alles abgeschickt werden sollte, wieso liegt es dann immer noch hier auf meinem Speicher herum und raubt meine Zeit?“

DRITTER: Es muß weiter gehen!!!

STORYLINE HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ES LOHNT SICH UNZUFRIEDEN ZU SEIN

Pseudolismus: Wüstenradio der Vorstellungsbefriedigung

Adam wird ein Radiomoderator, der sich auf dem Weg zu seinem Erfolg, von einem einfühligen, zweckshumanen Lyrikkritiker über den Weg des Labertaschendaseins zu einem unbarmherzigen, ehrlichen Verächter des Ideengeschmiere entwickelt. Sein Künstlername ist Hardy Hardcore (Sonders), er ist der Leiter der Radioshow „Storyline“, deren Inhalt von Höreranrufern bestimmt wird. Die Anrufer sind unbekannte Autoren / Schriftsteller aus aller Welt die eine Zusammenfassung ihrer eigens verfaßten Geschichte vorstellen. Es werden Kurzgeschichten, Theaterstücke, Trailer, einfache Personen- oder Stimmungsbeschreibungen usw. als Drehbuch vorgetragen. Das Motto der Sendung ist: „Das Wort explodiert über den Äther in den Köpfen zu einem Film!“ & Es ist dein Film – genieße die Vorstellung

MÜLL: Vom Ideengewichse zum Bestseller Das wäre der Titel eines erforderlichen Buches im Zeitalter der Nullentwicklung! Inhalt: Wie bring ich meine Verwirrung zu Papier. Anleitungen dazu, wie man das langweiligste aller Chaose strukturiert: „Das eigene Leben“. Erzählungen aus Fluppenhausen. Der Bericht eines Tu-nicht-gut-Taugenichts-Nullingers, der viel zu viel Geld von der Gesellschaft geschenkt bekam, um seine Orientierungslosigkeit auch noch veröffentlichen zu können. Gespinne aus der Werkstatt eines argumentierfreudigen, gesellschaftlich anerkannten Nichtssagers. Das Buch wäre ungemein erfolgreich! Jeder Trottel würde sich den einfachen Weg zur Selbstverherrlichung kaufen. Die Methode zur Selbstbefriedigung bekommt Methode. Mit Ideen, die nicht einmal den Kritischen Rationalismus durch die Kritische Theorie entkräftigen können. Jubelt und nennt es Selbstverwirklichung! Verwirklichung durch keine Ansätze und Anlässe. Verwirklichung durch Selbstverliebtheit und Gottesausreden. DRITTER: ERSTER, dir sind jetzt doch schon die anderen Geschichten wichtiger als die Liebesschnulze, oder. ZWEITER: Ich denke ERSTER will sich mit den Geschichten ein wenig privilieren. Kann man ihm auch nicht übel nehmen. Er will sein Selbstwertgefühl ein bißchen auffrischen. Er ist auf niemanden angewiesen. Er kann auch gut für sich selbst sein. ERSTER: DAS TICKET ES GAB EINE FRAU; DIE WAR SICH SICHER SIE WÜRDE NIEMALS MEHR VERLASSEN UND LAS DIE UNDEUTLICHEN; ZWEIDEUTIGEN ZEICHEN DIE AUF DER MAUER IHRES WEGES STANDEN

SIE MACHTE SICH NICHT VIEL DARAUS SIE KONNTEN FÜR ALLE UND NIEMANDEN BESTIMMT SEIN SIE WOLLTE AUF DIE STIMME IHRER REGUNG HÖREN

EIN WERDENDER SCHRIEB GERADE DIE BIBEL AB ALS SIE IHN TRAF; BOT IHM EINEN KOMPLEX AN DANN VERABSCHIEDETE SIE SICH VON IHM UND ER FRAGTE SICH WARUM DIESER ABSCHIED

VIEL HERZLICHER ALS IHRE BEGRÜSSUNG WAR WÄHREND ER SICH FRAGTE VERLOR ER SIE AUS DEN AUGEN UND WARUM HATTE ER ANGENOMMEN

WAS BLEIBT IST SEINE REINE SCHULD DER LEISER WERDENDE KLANG IHRES GEHENS DIE STIMMEN SEINES STERBENDEN GEISTES DER ALPTRAUM IHRES KUSSES

DIE NACHTIGALL; DIE IHN AUSLACHT DIE ELEND ENDLOSEN FRAGEN DER FLUCH DER LIEBE

FROH IHREN WEG GEFUNDEN ZU HABEN LIEF DIE FRAU OHNE RÜCKBLICK WEITER ES WURDE BUNT UND DUNKEL UM SIE BIS SIE ENDLICH STEHEN BLIEB

DIE NACHTIGALL LACHTE IHR NOCH HÖHNISCH ENTGEGEN ABER SIE KONNTE SIE NICHT MEHR SEHEN SIE HATTE IHR TICKET SCHON GELÖST


DRITTER: Jetzt werden wir aber ein bißchen zu metaphorisch, oder? ZWEITER: Ich finde das Geschriebene immer noch sehr treffend formuliert. DRITTER: Wer soll das verstehen? Das kann man nur als nicht peinlich interpretieren, wenn man den ganzen Schlamassel gerade am erleben ist. Ich bin ansonsten kein Fan von verbalem Saxophon spielen.


EPISODE V

JUDAS

Pseudonymnym: Decknamentheater zur Tarnung des Scheins

Hardy kommt in eine Stadt. Scheinbar wird er nicht mehr verfolgt. Die ihn überwachenden Ungewissen, die er immer wieder überall vermutet haben sich nicht mehr gezeigt. Scheinbar ist er frei. Wieder einmal gibt er sich allerdings einen anderen Namen um seine Spuren zu verwischen. Er schließt in einer Kneipe mit Julia Freundschaft und kann bei ihr übernachten. Um Geld zu verdienen bewirbt sich bei dem Theater, bei dem Julia auch als Schauspielerin arbeitet. Dort bekommt er aufgrund seines ausgeprägten Charismas die Hauptrolle in dem Stück „Judas“.


Personen

X. Roman in der Theaterrealität spielt im Stück des Stückes Judas Eigentlich ist er immer zurückhaltend, hat anfangs noch hier und da ein paar kaum auffällige Hauptfigur-Allüren, die nach seinem Scheitern mit Julia von einem Anflug Melancholie abgelöst werden. Alle anderen beschäftigen sich mit seinem Leben oder nur mit dem Leben des Judas? [ ... ]

Dieses Werk soll weder Wahrheitsmalerei sein noch zum Synkretismus verführen. Vielmehr ist der Hauptanspruch dieses Werkes, daß die Bibelgeschichte durch die interpretationsoffene Darstellung der tragischsten aller Bibelfiguren wieder in das Gedächtnis des Zusehers geführt wird und daß das Bewußtsein über die Manipulationen unseres Alltags aus seinem Schlummer geweckt wird.

ERSTER: H.H. Alles was ich mache, was ich denke, was ich bin basiert (noch) auf Dir. Selbst wenn ich andere Freunde suche, möchte ein Hintergedanke von mir Dir Schmerzen zufügen, um sich für das eigene Leiden zu revanchieren Egal was ich tue, ich tu es nur für Dich. Außer Dir gibt es keine Ursache für mich. Kann ich mich davon wieder befreien wollen, wenn ich doch so gerne in einer solchen Vertrautheit gefangen wäre? Die richtigere Frage ist wohl: wie kann ich mich von der Hoffnung in Dich befreien? Ich kann meine Liebe zu Dir nicht leugnen. Egal, was ich anderes versuche. Ich habe das Vertrauen in meinen Körper, daß ich – wenn ich Dir begegne – äußerliche Ruhe bewahre; aber was mein Leben noch länger bestimmen wird, als meiner Vernunft recht ist, ist, daß ich Dich liebe und dies alles andere als eine Ruhe in meinem Verlangen reifen läßt. Durch „dieses“ Schweigen finde ich bestimmt keine Ruhe. Es gibt nicht viel zu sagen, wenn man es so gewöhnlich betrachtet, wie es ist. Du liebst nicht in meine Richtung. „Zu spät!“ Du hattest vermutlich eine Wahrheit erkannt, als Du diesen Ausspruch zwischen uns stelltest. Meine Liebe kam zu spät. Eine in der Zeit verfehlte Liebe, ja, das kann es in der Tat geben, obgleich ich bislang dachte, es sei nie zu spät, aber nein, wahrscheinlich muß ich dir in Deiner Annahme recht geben. Schade. Ich wollte manchmal in Ruhe gelassen werden, aber nie von Freunden oder gar von dem Menschen, den ich liebe. Wer mich in Ruhe läßt ist für mich gestorben. Aber laßt mich alle in Ruhe und ich werde doch Dich lieben!

EPISODE VI

LUSTSPIEL DEPRESSION DER GELBE TOD

Pseudophil. Plural: Schein-Bildung im Traum um eine neue Welt

Ein Traum als Einstieg Bilder in Musik und Tanz zu dem Thema „Menschen in ihrer Entwicklung“, „Mythos Tod“ und „Zeit“.

[ ... ]

Die Chance auf Verständnis zu stoßen ist so gering, daß man eigentlich den ganzen Tag an einem kleinen Verständnis über sich selbst froh sein müßte. • Der gelbe Tod Sophie tanzt mit dem gelben Tod davon. Christoph geht hinterher.

MÜLL: KPD Spaßgesellschaft, Konsumgesellschaft, Fluppengeneration. Egal welche Reizwörter man für die aktuelle Zeit erfindet, reizen lässt sich keiner mehr. Nennt mich „Distanz“ sagt der Weltbürger und verliebt sich in sich selbst. Spiegel braucht er schon lange nicht mehr, denn er wendet seine ganze Phantasie dafür auf, sich selbst in verschiedenen Situationen zu sehen. Ein Hirn, um sich selbst und den dazugeklebten Körper zu verherrlichen. Nur manchmal ist noch der Körper ein Klotz am Geist oder anders herum. Das ist dann auch Schade für den Lebenspartner: Selbstzweifel haben keinen Platz! Dabei sind sie das Beste was einem passieren kann. Wie soll man sonst noch melancholisch werden. Die Gelegenheiten werden immer dünner, eine ausgeprägte Melancholie zur Depression wachsen zu lassen. Na ja, das ist ein anderes Thema. Jedenfalls sind spontane Zweifel am Selbst, an Alltagsgegenständen und vor allem auch an bereits für gefestigt eingestuften Beziehungen Frohmacher auf lange Zeit! Das unvermittelte, augenblickliche Tief soll nicht direkt im Sinuskurvenschema nach oben gehen, sondern ruhig unkontrolliert im Gewissenszweifel baumeln. Zurück zum Konsum: Kaufen sie alles, was ihnen angeboten wird. Achten sie nicht auf akute Geldmängel. Sie bilden sich doch bestimmt ein, dass sie später einmal mehr Geld besitzen werden. Diese Zukunftsvorstellung ist auch unbegründet vollkommen richtig. Jeder wird später in seinem Leben mehr Geld besitzen! Also! Warum nicht gleich ausgeben, was man sowieso früher oder später besitzen wird? Warum nicht jetzt schon mit den Artikeln Spaß haben, die man sich in einer wohlhabenderen Zukunft leisten wird? Und warum nicht Schulden machen? Macht doch jeder! Gibt nur keiner zu! Sie müssen endlich den Gedanken verdauen, dass andere mehr Freude am Leben haben als sie! Andere sind fähig den Augenblick zu genießen. Andere geben jetzt aus, was sie später besitzen. Andere sind klüger, weil sie unvernünftiger sind! Machen sie mehr aus ihrem Leben durch Produkte, die es wert sind von ihnen besessen zu werden. Produkte, die sie wollen! Die Konsum-Produkt-Dimension ist neben Raum und Zeit viel entscheidender, als dies sarkastische Kabarettisten übersteigern wollen. Man besorgt sich’s gern! ERSTER: H.H.

Zum Glück ein paar Schorle und ein schlechtes Gedächtnis. Ich höre öfter als zuvor ABBA. Hab die Musik für mich gewonnen. Danke für die Musik. He, ich würde Dir alles verzeihen. Ich weiß, daß sich das pervers für mich anhört, aber so sieht es nun einmal im Augenblick aus. Wir haben so viel Liebe zu geben. Was kann uns stoppen? Wir sind gut für die Welt. DRITTER: Ja, wir! Wer daran glaubt ... .

MÜLL: Man besorgt sich’s gern Fragen wie „Warum stehe ich morgens auf?“ und „Was will ich hier überhaupt?“ bestimmen mein Leben. Ich schlafe gern und steh nicht auf. Egal ob jemand sagt, dass ich mich vor der Realität drücke oder nicht. Ich liebe mein Traumland! Süßes, süßes Traumland. Wie hätte ich anders werden können? Wenn man mit Fresspapier und Rechneruhren aufgewachsen ist, kann man doch nicht anders, oder? Bin mir immer vorgekommen wie ein Mitglied eines Ottokataloges. Meine Aufwachsprodukte: ERSTER: H.H. ABBA nicht mehr aus Selbstmitleid, sondern aus fortgeschrittenem Verständnis für Deine harte Entscheidung. Klar tut mir einiges leid, was ich getan habe, aber daran liegt es nicht. Dir war etwas anderes wichtig – obwohl ich das nicht so recht wahr haben wollte – das ist zu akzeptieren. Mir tut viel leid, aber das scheint es wirklich nicht zu sein. Wenn mich mein Glaube nicht trügt können wir uns noch auf einer anderen Ebene lieben. Vielleicht ohne das man es voneinander weiß. Weißt Du wie ich das meine?

Ich weiß wieder einmal nicht an was es genau liegt, was ich da falsch mache. Vielleicht redet man zu wenig oder über die falschen Dinge. Um nicht ständig nur von dem Verständnis zu labern und zu philosophieren, muß ich es jetzt endlich einmal zeigen. Ich kenne Dich ein wenig und weiß, daß Du mich nicht absichtlich verletzen wolltest. Was kann man dafür, wenn man nicht liebt? Das ist keine Schuld! Werde glücklich, Du bist ein guter Mensch, werde glücklich. Und: Danke, was Du mir gegeben hast!

Du hast zu mir gesagt meine Liebe sei zu spät gekommen. Ich beginne langsam daran zu glauben; obwohl ich mich immer noch gegen eine „durch-Zeit-nutzlos-gewordene-Liebe“ wehre. Wie erwartet hast Du den Text noch nicht gelesen, den ich Dir gab. Der Grund dafür ist egal und ich nehme es Dir nicht übel. Du wolltest die Trennung und diese konnte mit diesen Erinnerungen nicht absolut sein. Das war der Sinn der Erinnerungen: eine letzte Chance für ein Uns. Ich denke, wenn Du die Briefe nach dieser (relativ) langen Zeit liest, ist es zu spät.

Ich wollte noch viele Silvester und Geburtstage mit Dir feiern ... .

DRITTER: Mach dir nichts vor: du hast immer Verständnis gezeigt. Sie hat keines gezeigt. Sie wird auch die nächste Zeit nichts von dir lesen. Ja, ja, aber leert nur eure Köpfe und Herzen. Es kann nicht mehr all zu lange dauern bis ihr eine Art Freiheit empfinden werdet. Dem ewigen „sich-leid-tun“ bin ich langsam überdrüssig. Ich erzähl dann mal von H. 2. Ihr wollt mich mit dem Gesabbel eh nur einlullen. H. 2 war wirklich in Ordnung. Leider haben wir uns nur im Rausch geküsst. Schade. Vielleicht aber auch nicht ... . ERSTER: Was untergeht 1

Irgendwas ist unklar Irgendwas am laufen Es ist nichts Nicht wahr Du rätst abzuwarten Wir sehen uns später Du bist Opfer und Täter Pass auf, was untergeht

Seh, was deine Verfassung treibt Schief gewickelt Wie Schlauere als du Alles ist falsch Wenn alles möglich ist Wir sehen uns später Du bist Opfer und Täter Pass auf, was untergeht

Paranoia schleicht sich ein Kommt mit ewiger Angst Der gelbe Tod nimmt sich Wen er braucht Auch dich, aber Wir sehen uns später Du bist Opfer und Täter Pass auf, was untergeht

Bewusste liebe wäre Das absolutes Verständnis Aber du hast kein Rückhalt Also bleib bei dir Wie der Wind auch weht Wir treffen uns später Du bist Opfer und Täter Passt auf, was untergeht

DRITTER: EPISODE VII WHY

Pseudantium: Die Scheinblüte eines Bewußtseins erweiternden Drogen-Roadmovies

Nero-Adam-Hardy-Roman-Christoph bezeichnet sich aufgrund seines nun zur Perfektion gebildeten Bewußtseins als Each, Ela-Sophie nennt sich Sonne. Each findet in einem Gefängnis das Buch seines Vaters Fläht. Er liest es interessiert und geht wieder auf Reisen, um sich von dem Geschriebenen zu überzeugen und vielleicht auch, damit die Prophezeiung in Erfüllung geht ... ? Anfangs kommen ihm alle Menschen wie in Trance vor, bis er Sonne „kennen lernt“ und sie erkennt.

Each: Geht wie Hänschenklein in die weite Welt hinein.

[ ... ]


MÜLL: Ableben in der Gefühlsfabrik Manchmal fühlt man sich nicht respektiert! Wer kennt das nicht? Ist aber auch gut so! Oder wenigstens nicht so schlimm.Es ist doch auch ein gutes Gefühl, wenn man krank ist. Hm? Ja, das hat einen Zusammenhang. Wenn man krank ist, kann man nichts weiter erledigen. Man unterliegt keinem Schaffenszwang. Man ist ohne Druck. Keiner erwartet was von einem Kranken. Wie beim Autofahren. Niemand um den Weg! Niemand verlangt. Es wird nur das erwartet, was man instinktiv macht: Auto fahren! Nur Auto fahren! Nichts weiter als einfach nur ein Auto fahren. Hab ich eigentlich in einer Geschichte schon erwähnt, dass ich bestimmt durch einen Unfall ums Leben komme? Nein? Davon bin ich jedenfalls vollkommen überzeugt. Was für ein gräuliches Ereignis es genau sein wird weiß ich nicht, aber es wird leider ein Unfall sein. Nicht übermäßig dramatisch. Normal ernüchternd, mittelmäßig erschreckend, durchschnittlich ergreifend. Tod. Tragischer als aus Altersschwäche, aber nicht spektakulär genug, um einem überlebenden eine Zeile darüber abringen zu können. Keine Frage, mein Tod wird wie mein Leben! DRITTER: Wenn das mal keine autobiographische Züge aufweist ... . ERSTER: H.H. Du meinst meine Gedanken seien an dem Ableben verhaftet. Das schmeichelt mir; aber ich bin nicht so bewußt, daß der Tod wirklich in zentrale Aufmerksamkeit rücken würde. Ja, vielleicht ist es die Angst vor dem Tod. Gewiß. Bestimmt. Natürlich aber nicht nur. Der Wille nach „immer währender Beständigkeit“ entwickelt sich nicht nur in Angesicht des Todes, sondern auch aus dem unbeschreiblichen Phänomen, das wir (nicht wir) als Liebe bezeichnen. Unsterblich zu sein ist eins. Vertraut geliebt zu werden kann den Sinn eines Lebens bedeuten. Bitte liebe mich, wir könnten 1000 Welten ... . Ich wollte übrigens noch nie in Ruhe gelassen werden, falls Du das annehmen solltest. Vor allem wollte ich noch nie von dem Menschen, die ich liebe in Ruhe gelassen werden. Wer mich in Ruhe läßt ist für mich gestorben. Laß mich sein, aber nicht in Ruhe. Was rede ich?

Personen die ständig im Hintergrund auftreten und somit eine beiläufige, die Aufmerksamkeit ablenkende Nebenhandlung erwirken: • Ein Mann fragt in jeder Episode nach Feuer, hat aber keine Zigarette. Nur einmal – in Episode VI – bekommt er Feuer und zündet mit den Streichhölzern ein Haus an. • Ein Beobachter betrachtet sich die Haupthandlung von einer Distanz. Er fällt den Hauptdarstellern nie richtig auf. In Episode III laufen sie ihm zufällig über den Weg und sehen ihn nach einer Frage suchend an. • Mira ist der Hund von Each. Er wird ihm in Episode III weggenommen, läuft ihm aber in Episode IV schon wieder zu. In der letzten Folge wird er erschossen. • Eine Frau läuft in jeder Episode mit einem Buch in der Hand durch das Bild. In Episode V sieht man welches Buch sie in der Hand hat: die von Fläht verfaßten prophezeienden Schriften. Sie läßt das Buch am Anfang der letzten Folge irgendwo liegen. Each findet das Buch ... . • Einer tolpatschigen femininen Schönheit passieren immer die dümmsten Unfälle: Spektakulärer Fahrradsturz, ein Ausrutscher auf der Treppe, den nur Stuntmen überleben, sie winkt unter der Fahrt verzweifelt um Hilfe ringend von außen in ein Zugabteil, ... . • Besoffene treten ständig auf.

[ ... ] ...

DRITTER: Das ist schon eher etwas, was mir gefallen könnte. ZWEITER: Aus dem Stoff könnte man schon etwas machen. Es ist wirklich schade, solche Gedankengewirre werden von keinem anderen gelesen als von mir jetzt. Sie wären bestimmt den Versuch wert, an der Öffentlichkeit eine Beständigkeit an Kunst zu werden. Aber ich lege die Geschichte genauso wieder auf die Seite, wie eine Putzfrau die Akten von einem lebenslänglich ordnenden, vorrentlich verstorbenen Beamten. Unachtsam, vielleicht von der unbegreiflichen Belanglosigkeit solcher Arbeit erschreckt, wird sie sich möglicherweise höchstens zu einem Mitleid hinreißen lassen, wenn sie das Lebenswerk nicht gleich unachtsam in den Mülleimer wirft. Unnötige Arbeit, gelegenheitslos in Hinblick auf ein liebendes Gehör, nachdem der so dürstet. DRITTER: Unser Räumer lässt sich gern zu ausschweifenden Emotionen hinreißen. Die veraltete Sprache macht ihn für mich aber sympathisch. Wer kennt denn noch das Vertrauen, das nichts erschüttern kann? Aber Du solltest wissen: Gleichwohl der Ursache: Jede unserer Handlungen und Nichthandlungen setzt ein Denkmal unser. Wir sind Schöpfer. ERSTER: H.H. Ich bin mir immer noch sicher, daß Du selbst nachdem Du meinen Brief bekommen hast das ganze Geschriebene nicht gelesen hast. Ich bin davon überzeugt, daß Du es nie „richtig“ lesen wirst. Vielleicht ist es auch besser so? Vielleicht soll es so sein? Bestimmt aber ist Dir der erleichternde Satz meines Briefes aufgefallen: „Ich möchte eigentlich nichts mehr von Dir hören.“ und vielleicht erkennst Du auch das „eigentlich“, das eigentlich etwas ganz anderes sagen möchte, aber nicht mehr anders kann ... . Vielleicht denkst Du jetzt auch, daß ich meine Ruhe vor Dir haben will, aber eigentlich könnte ich mir immer noch nichts schöneres vorstellen, als mit Dir zusammen zu sein. Was soll es, wenn Du ihn liebst? Warum willst Du das lesen? Naja, auch wenn alles Entschieden ist, so ist doch noch lange nicht alles gesagt. Was untergeht 2

Mein Verstand tankt sich voll Weiß wo du deine Runden drehst Komm raus, spiel dich toll Bis ich weiß, dass du dich verstehst Wir treffen uns dann später Wenn nichts mehr steht Du bist Opfer und Täter Pass auf was untergeht Verstand, wen du nicht killst Wow, wie du dich verdrehst Ich geb dir endlich was du willst Ich finde raus, wie du dich verstehst Wir treffen uns dann später Wenn nichts mehr steht Du bist Opfer und Täter Pass auf was untergeht Komm gerade aus der Hölle gekrochen Während ich mich hineingehen sehe Hab’s mit meinem Verstand besprochen Ich finde raus, wie ich ihn verstehe Wir treffen uns dann später Wenn nichts mehr steht Du bist Opfer und Täter Pass auf was untergeht Ich schups meine Seele Richtung Wolken Ich bleibe wieder bis du gehst Fall hoch und komm nicht runter Ja, bis du dich verstehst

Ich finde raus, wie du dich verstehst


ZWEITER: Auf Drogen oder was? DRITTER: Der letzte Teil des Stückes! 8. Violett, dann: schwarzweißundkunterbunt- Liebe, Freiheit glauben, Verständnis - KörperGeistSeelenEinheit, Harmonie in der Gesamtheit - innerer Friede - neidisch alleine gehen - vom Mißerfolg bis zum Ausbruchserfolg, Freiheitswille, Erlösung (von Außeneinflüssen „freischwimmen“) - H, dann: Tonleiter

Als Adam und Ela wieder gemeinsam spazieren gehen, beschließt Ela auszubrechen, da sie im Freien nicht überwacht werden können. Adam: (wird hinterhergezogen, dann selbstbestimmt folgend) Du siehst es aus der Fliegersicht, nicht wahr? Ela: Sonst hätten wir doch nichts gelernt!

Gefangenenchor (ALLE)

Nach langem durch das Dickicht irren, gelangen sie endlich aus der fruchtbaren, schönen Paradieslandschaft, bleiben stehen und erkennen nicht etwa das weite Meer, in dessen Fluten sie sich stürzen könnten; nein, sie stehen vor einer endlos erscheinenden Wüste. Leere gähnt ihnen ins Gesicht. Selbst die Insel als Paradies war erlogen. Was sollten sie tun? In die frohe, friedliche, lustreiche, unterhaltsame Oase der Falschheit zurückkehren oder die ehrliche Wirklichkeit in der unbequemen, heißen, trockenen, wahrscheinlich todbringenden Wüste leben und vielleicht nach einem erfüllten gemeinsamen Leben hinter den Hürden der irdischen Realität suchen? Eine Kamera, die die beiden in diesen Gedanken versunken, Händchen haltend im Visier hat, wird von einem Wärter ausgeschaltet. Wärter: JETZT! Vorhang DRITTER: Aber das Stück fand ja kein Ende! ERSTER: H.H. Jetzt haben wir scheinbar doch ein Ende gefunden. Wieder einmal muß ich Dir im Nachhinein recht geben: „Man kann auch zu ehrlich sein.“ Ich meine damit, den verletzenden Schuldenberg, den Du mir gestern unterjubeln wolltest, nehme ich nicht an. Für mich existiert er überhaupt nicht, er lebt nur in Deiner Ideenwelt, aber das alles brauche ich mir nicht aufnötigen lassen. Nicht mehr! Der letzte Programmpunkt den Du bringst, klingt für mich, wie im Stile des immercoolen Schlusssatzes: „.Ach ja, und der Orgasmus war übrigens auch gespielt!“ In die Richtung geht doch Dein würdeloser Selbstschutz, oder? Du findest andere Worte, aber die Schuldzuweisungen bleiben auf anderer Ebene bestehen. He, ich hab es kapiert, dass ihr zusammen seid und hab auch verstanden, dass ihr glücklicher seid als wir es je waren. (Das entnehme ich jedenfalls Deinem Schweigen zu der aktuellen Beziehung. Eine andere Interpretation von dem Schweigen wäre, dass Du versuchst mich warm zu halten, auch wenn es aus dem Grund geschehen würde, dass Du es nur allen recht machen willst – und Dich vielleicht als angenehme Nebenerscheinung mit meinen Freunden gelassener zu treffen. Das würde ich Dir noch übler nehmen als die von unbeständigen Tränen; wenn Du mich unbegründet hoffen lassen würdest.) Du kannst mir von Deinem neuen Glück erzählen, das macht mir nichts; im Gegenteil, ich komme dadurch vielleicht ein wenig besser von Dir weg, aber reit nicht ständig auf den alten Kamelen herum. Ich hab gecheckt, dass Du das alles anders als ich sehe, aber die Unterstellungen gingen jetzt wirklich zu weit. Ich bin nicht so schlecht, wie Du mich in Deiner Phantasie machst und ich habe es nicht nötig mir das immer wieder zu geben. Du hast mich leider total missverstanden. Ich hatte sehr wohl Lust auf Dich. Da frage ich mich wirklich, wie Du auf den Schmodder kommst. Ich habe nicht vor, mich gegen solche lächerliche Vorwürfe zu verteidigen. Du hast sehr wohl mitbekommen, dass ich das mit der Pille danach gut verdrängt habe, tut mir leid, aber ich bin bestimmt nicht so unsensibel wie Du mich glaubst. Ich wollte auch eine Freundschaft versuchen, aber so kann das nicht gehen. Von Deiner Seite scheint sowieso keine entschiedene Nachfrage danach zu bestehen, ansonsten würdest Du doch nicht so „verletzend ehrlich“ sein, oder? „Verletzend ehrlich“, Dir ist klar, dass ich diesen Begriff von Dir habe? Versuchst Du mir Komplexe einzureden, oder? Rache? Mach ich das mit dir? Warum schreibe ich die ganzen Liebesbriefe nachdem Du mich so verlassen hast? Ich bin gespannt wie Deine Räumung aussieht. (Man sieht es ja nicht nur an Geschriebenem.)

DRITTER: Pfeffer! Hui! Wie Reflektiert! Wie hintergründig. Pädagogisch wertvoll. Allerdings alltagsbezogen sinnlos. Nur der Verlassene reflektiert wirklich. Das müsstest du aber aus deiner Erfahrung her wenigstens erkannt haben. Oder meinst du genug über deine verschuldeten Beziehungsenden nachgedacht zu haben. Du hast sie doch genauso liegen lassen. Genau so, wie sie, deine H. dich links liegen lässt und dich schon vor sie weiter geht vergessen hat. ERSTER: H.H. Dir ist vielleicht bewusst wie viel Arbeit hinter dem allem steckt, aber kannst Du Dir auch ein Bild davon machen, wieviel Liebe dahinter stecken muss? Jedes Wort für Dich. Eine Geschichte für sich. Eine Geschichte nur für Dich.

Jetzt hatte ich Zeit über das Gespräch von uns nachzudenken. Ich versuche wieder das zu respektieren, was Du sagst und tust; und natürlich musst Du so agieren. (Selbstschutz gibt man selten zu – ich muss meinen leider offen gestehen.) Klar redest Du negativ von mir. Klar, ansonsten würden wir nie voneinander weg kommen. Eigentlich müsste ich mich für das, was Du mir damit antust (für das wie Du mich verletzt) bedanken. Eigentlich müßte ich mich bedanken, es wäre ja möglich, dass Du es für mich tust. Wegen dieser Möglichkeit müsste ich mich bedanken. Ich merke wieder wie sehr mich das alles wieder aufbringt. Es ist wirklich schwer. Und Du weißt, ich sehe das Zwischenmenschliche eigentlich nie als all zu kompliziert an (aus welchen Gründen auch immer). He, ich wäre voll gerne ein Freund von Dir. Ich schätze Dich wie keinen anderen Menschen. Es ist trotz allem noch meine Überzeugung: wir würden ideal zueinander passen ... .

Ich habe Dich voll lieb, aber solange Du mit einem anderen zusammen bist, kann ich nicht mit Dir reden. Es wird so einfach unmöglich für mich sein, mich unbeschwert und „normal“ mit Dir zu treffen. Wenn Du an einen anderen gebunden bist, werden wir uns nicht mehr begegnen.

Vermutlich bist Du noch ein wenig verwirrt und bleibst bei dem, was Du (vielleicht) ohnmächtig oder willenlos entschieden hast. Mir ist klar, es würde auch viel Mut dazu gehören etwas anderes zu beschließen. Etwas gegen das bequemere Jetzt.

Wenn es so weiter geht, rückt der erlösende Moment erschreckend nahe, an dem alles gesagt ist. Es bleibt „einfach“ dabei: Eine Beziehung mit ihm oder eine Freundschaft mit mir. Mehr als diese (vielleicht letzte) Entscheidung habe ich Dir leider nicht anzubieten.

Ich wünsche Dir Liebe! (Vermutlich: „Lebe wohl!“) Dein! P.s.: Ich weiß: DULIEBSTMICHNOCH!!! Warum wehrst Du Dich dagegen?


Leider hast Du nie erfahren wie es ist, wenn ich liebe. Liebe wie nichts zuvor. Liebe, wie der Augenblick nur sein kann und liebe, wie es nur beständig sein kann. Das kam für Dich zu spät. Vermutlich hätte ich das (wenn ich Dich gewesen wäre) auch nicht erwartet. Tja, was gibt es hierfür für ein Resümee? Mir fällt nichts mehr ein. Die eine Entscheidung lässt noch einmal, ein allerletztes mal auf sich warten und ist doch schon längst gefallen. Gleich ist es so weit: Du kommst zu mir um Dich zu verabschieden. In Zukunft wird wohl nur noch der Glaube zählen, der eine Distanz zwischen uns bringt!?! Leider hast Du nie erfahren wie es ist, wenn ich Dich liebe. ... Tatsächlich, Du warst da und hast Dich zum letzten mal – dieses mal wirklich zum letzten mal – entschieden.

DRITTER: ZWEITER hatte heute einen freudigen Tag ERSTER. ERSTER: Wer spricht? DRITTER: Stell dich nicht so an! Du weißt es! Erzähl ihm, ZWEITER. ZWEITER: Ach, ich weiß nicht so recht. DRITTER: Erzähl es ihm, er wird es wissen wollen. ERSTER: Was? ZWEITER: Also gut. Na ja, ich habe sowieso nichts damit am Hut. Ich laufe also heute morgen aus der Tür, bin überrascht und gleichzeitig erfreut über einen Brief einer alten Freundin. Nach dem öffnen entdecke ich allerdings, dass der Brief nicht von meiner alten Freundin, sondern von einer anderen Bekannten kommt. Die Wörter waren für mich wie in einer anderen Sprache. Vielleicht verstehst du es besser. Sie hat sich endgültig entschieden, schreibt sie. Sie sei es leid über das Vergangene nachzudenken und sei es leid sich zu erinnern. Ihr würde es schlecht gehen lässt sie mich wissen, aber ich frage dich, was das mich angeht? ERSTER: Tut mir leid ZWEITER, aber der Brief ist offensichtlich in die falschen Hände geraten. ZWEITER: Der Brief hätte an dich adressiert sein sollen? ERSTER: Der Brief war für mich bestimmt! DRITTER: Eine kleine Verwechslung, oder? ERSTER: Nichts weiter! ZWEITER: Dann hat sie deine Briefe nie gelesen? ERSTER: Nein, das wird sie auch nie tun. ZWEITER: Tut mir leid! DRITTER: Ach ... ERSTER: Keine Ursache für mich Mitleid zu entwickeln. DRITTER: Gott sei dank! ZWEITER: Aber es wird dich doch bestimmt an deine anderen Verflossenen erinnern, von denen auch keine einzige dein Geschriebenes gelesen hat, obwohl du sie wissen ließt, dass man dich durch das besser erkennen könne, als durch körperliche ... . DRITTER: Es geht hier mehr um Triebe und ihre Auswüchse. Es geht nicht um verbalisierte Gedankenspiele. Heute nicht mehr! ZWEITER: Aber um das was dabei zwischen den Zeilen ... ERSTER: Ich möchte euch nicht mehr mit meiner Angelegenheit belästigen. DRITTER: Gut. ZWEITER: Wir hören gerne ... ERSTER: Ich lass mich nicht mehr betreffen. Gebt mir den Brief und ich kann meiner heiteren Sisyphosarbeit nachkommen und meine Geschichte in die Ewigkeit führen. Wenn sie es nicht liest, wird der Zweck der Katharsis vielleicht bei anderen erfüllt. Mich soll das alles nicht mehr betreffen. DRITTER: So, ja? ERSTER: Ja! DRITTER: Was ist dann mit dem Aktphoto von ihr, das bald überall für alle zu sehen sein wird. ZWEITER: Teufel ... ERSTER: Was für ein Bild? DRITTER: Sie hat dir doch von der Künstleraktion erzählt, bei dem sie „etwas halten“ mußte. ERSTER: Ja, und? DRITTER: Liebenswerte Naivität. Was denkst du, was sich in den Köpfen von Künstlern abspielen kann? Sie schickte dir ein Bild von der Schöpfung? ERSTER: Ja, das weißt du genau. DRITTER: Jetzt wirst du erkennen müssen, dass sie nur als Objekt für Schöpfer dient. ERSTER: Woher weißt du das? DRITTER: ZWEITER hat ... ZWEITER: ... Ich habe die Bilder mehr zufällig zu Gesicht bekommen. Es ist nicht so wild. Es sieht wirklich harmlos aus. DRITTER: Aber mit deiner Phantasie wirst du dir schon ausmalen können, wie die Photosession ablief. Da muss überhaupt nichts dabei passiert sein, aber du schaffst dir bestimmt wieder einmal deine eigene Hölle. Die Hölle, das bist du für dich selbst! ERSTER: Das hilft mir nur dabei – sie zu vergessen. DRITTER: Du bist deine Hölle. ZWEITER: Ich weiß wie du das meinst, aber ich denke nicht, dass das so einfach sein wird. ERSTER: Es sollen nur noch die Erinnerungen zählen, die zu einer Distanz führen und das gelingt mir jetzt! DRITTER: Wer’s glaubt! ZWEITER: Ich würde es gerne glauben, aber die Spinnen ... . ERSTER: Nein, wirklich! Ab diesem Moment sollen nur noch die Gedanken zählen, die uns voneinander Trennen. DRITTER: Ja genau, beginne endlich damit dich abzufinden. Hasse sie. Hasse ihre Art wie sie gegangen ist. Hasse die Weise, wie sie mit dir umging. Hasse ihre tränenden Augen. Hasse alles an und in ihr. Jede Einzelheit. ZWEITER: Vielleicht wirklich besser! Verachte, wie sie ihre Augen bemalt, das sollte dir nicht schwer fallen, du konntest es noch nie richtig leiden, wenn sich jemand schmückte. Ekle dich an einzelnen Makeln ihrer Figur. DRITTER: Hasse wie sie eigenwillig ist. Hasse wie sie dich missversteht. Hasse sie für das was sie ist: eine ... ERSTER: ... danke für eure gut gemeinte Hilfe! ZWEITER: Lass dir von mir sagen, es scheint so zu sein: nur durch das entwerten von den Erinnerungen bekommst du Ordnung in deinen Speicher. DRITTER: Spuck darauf wie sie sich freute! Was hatte sie für einen Spaß, nicht? Alles erstunken und erlogen. Alles gespielt. Jetzt lacht sie dich mit einem anderen aus. ZWEITER: Wir werden zu sarkastisch. DRITTER: Es wird Zeit, dass euch die Augen geöffnet werden! ZWEITER: Euch? ERSTER: Ich bedanke mich für eure Ausführungen! DRITTER: Hier können wir dir helfen. Wir wissen, wie du dich fühlst. ERSTER: Aber ich habe diese Hilfe nicht mehr nötig. Ich werde nicht zu einem von euch werden. Es wird ganz anders laufen. Meine Zukunft gehört ... . DRITTER: Ihr sterbt! Wie ich es gesagt habe. ERSTER: Was soll denn das? He ZWEITER, warum müssen wir uns den Typ immer anhören? ZWEITER: – DRITTER: Er weiß weshalb er nichts mehr sagt. ERSTER: Wieso, was ist denn jetzt schon wieder passiert? ZWEITER: Nichts, es ist nur ... DRITTER: Er hat mit seiner Frau Schluss gemacht! ERSTER: Aber warum denn das. Ihr wart doch glücklich. – Und die beiden Kinder!?? ZWEITER: Ja ... DRITTER: Ja, die beiden Kinder! ZWEITER: Ich konnte nicht anders. Die Spinnen, sie haben gewonnen. DRITTER: Ihr sterbt an euch selbst. Gebt es zu! ERSTER: Ich lass mich nicht mehr von allen Seiten verurteilen. Ich ziehe die Konsequenzen selbst. Jetzt ist endlich Schluss. DRITTER: Das wurde aber auch Zeit. Ich habe gesagt, dass ich euch ermorde. Es wird so sein. Und scheinbar muss ich dabei nicht einmal Hand anlegen ... ZWEITER: Mit mir lass ich das nicht machen. DRITTER: Du bist schon tot. ZWEITER: Wie? DRITTER: Du lebst schon nicht mehr. Du bist die ganze Zeit über gestorben. ZWEITER: Aber was hab den ich mit dem allem zu tun? Mich bekommst du nicht dazu ... . DRITTER: Schweig‘ endlich. Ich kann das Gewinsel nicht mehr hören. Alles ist vorbei. Ihr seid bewältigt worden. Nur das Neue zählt. Ihr seid jetzt nur noch die Briefe, die Spinnen und der Unrat in einem alten Speicher, der nicht aufgeräumt werden will. Ihr seid in euren Vorhaben kläglich gescheitert, aber schlaft, ruht in Frieden. Wir werden euer vielleicht gedenken. Oder, wie sagt man das immer so schön? ZWEITER: Lebt wohl damit! ERSTER: Halt, was soll das? Wir können nicht sterben. Wir leben als Idee weiter, wir können nicht sterben. Man kann uns zurückhalten, aber keiner hat die Macht uns auszulöschen. ZWEITER: Ja, selbst wenn wir nicht gehört oder gelesen werden. Ich hatte heute einen Traum. Ohne es bewusst mitzubekommen habe ich das wichtigste von dem Traum mit meiner Zahnbürste an den Spiegel geschrieben. Vermutlich weil ich nichts weiter zum Schreiben fand. Nur so konnte ich mich heute morgen daran entsinnen. DRITTER: Was stand auf dem Spiegel? ZWEITER: Es stand: „RE“ DRITTER: RE? ZWEITER: Ich glaube, das ist die lateinische Vorsilbe für „wieder“ oder „rück“. DRITTER: Wie bei Reinkarnation, reflektieren oder Respekt? ZWEITER: Respekt? DRITTER: Ja, das Zurückblicken, das Sich-um-sehen; Rücksicht. So lautet wenigstens die direkte Übersetzung. ZWEITER: Hab ich nicht gewusst. DRITTER: Du kannst viel von mir lernen. ZWEITER: Ja, ja, aber weiter im Text: Das Zeichen stand für eine Gruppe von Leuten, die mich den ganzen Traum über verfolgten. Ich wusste nicht weshalb, aber als sie mich auf der Anhöhe von einem Berg oder Turm in die Enge gezwungen hatten ... DRITTER: Wie im Film. Wie wenn man dort einen Ausweg, Rettung oder Erlösung von der Verfolgung erwarten könnte. ZWEITER: Ich weiß nicht warum, aber ich bin nach oben geflohen. Da stand ich dann und konnte nur noch darauf warten, was die Leute mit mir anstellen würden. ERSTER: Was geschah dann? ZWEITER: Die ganze Verfolgung lässt sich schlecht beschreiben. Sie hatten mich wirklich gehetzt wie Vieh. Ich war total am Ende. Die Angst die ich spürte lässt sich nicht in ein paar Wörter fassen. DRITTER: Weiter! Wenn die Geschichte nicht spannender wird, kannst du dein Leben damit nicht weiter verlängern. ZWEITER: Sie sagten mir, dass ich mich immer im Kreis drehen würde und alles immer wieder durchleben würde. Wenn ich nicht ihr Reich der Ideen entdecken würde. Sie meinten, ich solle mir die Leute die um mich sind ansehen und feststellen, dass es denen auch nicht anders ginge. Langsam stellte ich fest, sie wollten mir nichts Böses. Sie wollten mich nicht verletzen oder auch nur auslachen. Nein, sie wollten mich von meiner Angst vor ihnen befreien. Sie wollten die Menschen von dem Zwang befreien, nichts zu ändern. Ich sah die verschiedensten Menschen. DRITTER: Im Traum! ZWEITER: (sucht nach einem Gegenstand, mit dem er DRITTER erledigen kann) Im Traum! Sie studieren und sind gleich klug wie zuvor. Sie arbeiten und können sich nur am leben halten. Ich sah Künstler und Weltverbesserer und solche, die sich so bezeichnen. Ich sah sie und sie erkannten nicht den Tod hinter sich und sie waren nur bemüht, nichts wirklich zu ändern. Obwohl sie es vorgaben. Ich sah es, hörte und spürte es genau: man machte sich nur etwas vor. Ich sah mich selber und musste erkennen, mein Schicksal war bislang auch nur die Wiederholung. Mein ganzes Leben: „RE“! Ein ständiges Wieder, ein andauerndes Zurück. DRITTER: Ich bin überrascht! Die Lösung auf unser Problem kommt von dem Mittleren. Ich dachte ich, der Weitere sei die Erfüllung. ZWEITER: Auch du kannst lernen. DRITTER: Vielleicht schaffst du es doch noch, ein wenig Ordnung in deinen Raum zu bringen. – Falls du es nicht gemerkt hast. Das war Sarkasmus. VIERTER: Du! ERSTER: Wer? VIERTER: Genau du! ERSTER: Ja!? VIERTER: Sag es laut! ERSTER: Was? VIERTER: Du weißt es! ERSTER: Was soll ich wissen? VIERTER: Sag es laut! Was dir am schwersten fällt. ERSTER: Warum soll ich das tun? VIERTER: Tu es! (Pause) Nun mach schon! ERSTER: Na gut! Ich weiß nicht was das helfen soll aber: (leise) Ja, ich liebe sie! VIERTER: Das konnte man noch nicht richtig hören! ERSTER: (schreit überlaut) Ja, ich liebe sie. Ich liebe sie. Und sie ist gegangen. Verschwunden. (noch lauter) Sie ist mit einem anderen zusammen. VIERTER: Gut. Was siehst du weiter? ERSTER: Sie verhält sich wie erwartet: sie hat nichts gelesen. ZWEITER: Selbst nach einem Jahr noch nicht? DRITTER: Natürlich nicht! (steckt für die anderen unbemerkt die Briefe in Brand und begibt sich unauffällig zum nächsten „Feuerziel“) ERSTER: Sie ist labil, empfindlich, sensibel, übersensibel. Sie kann unmöglich alleine sein. Traurig für sie. Sie ist eigentlich ärmer dran als ich. Und dann noch ihr unnötiger Stress. Es gibt eigentlich keinen Grund für sie wegen oberflächlicher Dinge so nervös zu sein; aber sie macht sich diese Angelegenheiten wichtig, um sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Das heißt, sie beschäftigt sich schon mit sich, aber genau so wenig in die Tiefe gehend wie im übrigen Allgemeinen. Eigentlich ist sie ein lachendes, scheinbar fröhliches psychisches Frag. Unfähig auf eigenen Beinen zu stehen, auch wenn sie es sich vormacht. Verärgert (über sich selbst – aber das darf ihr keiner sagen) schimpft sie sich durch ihr leben. DRITTER: (steckt unauffällig weitere Utensilien die auf der Bühne herumliegen in Brand) ERSTER: Der kleinste Anreiz, das kleinste Missgeschick nimmt sie zum Anlass scheinbar aus ihrem ich heraus zu gehen, es sind allerdings nur Cholerikerausbrüche, es ist kein reflektiertes Aggressionspotentialabbauen. Sie sucht wo anders obwohl sie vielleicht weiß, dass sie sich damit immer weiter von ihrer Lösung – von sich selbst – entfernt. Sie weiß es vermutlich, aber so wie sie meine Masken nicht erkannt hat, so stur oder nur stolz behält sie ihr Marionettenleben. An den Fäden: ihr Un- und Unterbewusstsein. ZWEITER: So gesehen kannst du froh sein. ERSTER: Danke! VIERTER: Nun zu dir. Deine Frau und deine Kinder warten auf dich. Muss ich mehr sagen? Es ist eine so liebe Idee. Geh. ZWEITER: Du hast recht. DRITTER: (schießt mit einem alten Revolver in die Luft) Was soll das hier wieder? (alle werden auf ihn aufmerksam und bemerken gleichzeitig das lodernde Feuer, das im Begriff ist, sich auf den ganzen Raum zu übertragen) VIERTER: Sei still, du verdrängst deine Ängste nicht durch die überheblichen Ablenkungen. DRITTER, du bist mir fremd. Warum wolltest du sie auslöschen? Weil du Angst vor mir hast? DRITTER: Es ist kläglich was sie sind. (hält mit einer drohenden Revolverbewegung ERSTER und ZWEITER vom Löschen ab) VIERTER: Lass sie doch schreien und lass sie hoffen. Sie sind nicht du. Und sie sind nicht ich. DRITTER: Jeder bleibt – zu seiner Zeit; in seiner Zeit! VIERTER: ... und die Zeiten ändern sich. DRITTER: Du bist nur eine, aber du hast keine Ahnung! VIERTER: Glaubst du!?! ERSTER: Wie kann er das sagen? ZWEITER: Wie haben wir das alles nur angefangen? DRITTER: Hört ABBA und redet euch zu Tode! ZWEITER: Ja genau, du warst derjenige, der mit uns abrechnen wollte! Du wolltest uns beiseite schaffen! ERSTER: Nicht geglückt! DRITTER: Auf der Suche nach einer Art Erleichterung seid ihr schon beide recht weit fortgeschritten. Eine Hilfe: es ist für einige Zwecke gleichgültig, wie schwer ihr euren Schuldenberg vermutet. Objektiv geht es nicht um diese Schuldfrage. ERSTER: Was soll das nun wieder heißen? ZWEITER: Ich habe wieder meine Familie! Meine Kinder ... . VIERTER: Eine Wunderbare Familie. Das kann ich bestätigen. ZWEITER: Ich möchte keinen Moment mit ihnen vermissen. VIERTER: Schade nur ZWEITER, dass sie zu deiner Zeit nur ein Ziel, nur ein Wunsch, nur deine Vorstellung sind. Aber tatsächlich, der Traum hat sich erfüllt. Das, was wir durchgemacht haben braucht man nicht zu streichen. Verdrängen und Vergessen ist ja nie die Lösung. Das habt ihr schon öfters erkannt, aber nie gelebt. Diejenigen, welche ihr als Freunde bezeichnet habt, blieben nicht für immer, eure Interessen haben sich gewandelt, aber es ist viel von euren Ideen geblieben. Schon allein die Tatsache, dass ihr euch im Nachhinein mit dem ganzen noch einmal so intensiv beschäftigt habt: das ehrt euch. Alles, was ihr euch behalten habt, das, was ihr beständig in eurem Herzen getragen habt, das ist es, was das alles wert war zu leben. Und alles Erlebte, jede Erfahrung – und erscheint sie noch so gering – gehört zur Gesamtheit von euch. Von uns! Ihr seid noch keine klaren Charaktere. Schreit und hofft. Das Schicksal unseres Nächsten ist es das Vorhergehende zu beurteilen und seine Aufgabe ist es dies mit Nachsicht und Liebe zu tun. Es wäre auch müßig Hasserfüllt zu bewerten. Ich persönlich wäre dafür schon viel zu faul und vor allem zu geizig, weil die Zeit des Ärgers von meiner übrigen, guten Zeit abgehen würde. Und nachdem ihr euch ausgedrückt habt, lasst endlich die Ruhe sprechen! Seid über das froh, was ihr euch beständig lasst. DRITTER: (der Brand ist außer jeglicher möglicher Kontrolle geraten) Jetzt ist es Zeit! (er erschießt ERSTER) ZWEITER: (fassungslos) Was soll das? Bist du verrückt? DRITTER: Siehst du wie lebendig man als Idee bleibt. Jetzt werdet ihr zum letzten mal lernen. Es gibt kein danach für euch wenn einmal Schluss ist. ZWEITER: Du bist ja krank. ERSTER war ein wesentlicher Bestandteil – auch von dir. Du schneidest dir ins eigene Fleisch. VIERTER: Du beschneidest dein Leben. DRITTER: Wenn schon. Hast du noch etwas zu klären, ZWEITER? ZWEITER: Warum willst du das tun? Was haben wir falsch gemacht? Wir wollten doch nur Gutes!?! DRITTES: Ja genau! (er erschießt ZWEITER) VIERTER: (bevor sich DRITTER ihm zuwenden kann schlägt er ihm die Waffe aus der Hand und kann sie schneller aufheben als DRITTER – er hält DRITTER in Schach) DRITTER: (gefasst) So, nun sind wir nur noch zu zweit. VIERTER: (sieht sich um – beinahe jede Erinnerung brennt) Werde doch endlich vernünftig. DRITTER: Lustig, dass du das Wort erwähnst, aber es spielt bekanntlich in dieser Angelegenheit keine Rolle. VIERTER: Du hast Vernunft keine Rolle spielen lassen, wolltest du wohl sagen, oder? Du lässt alles geschehen, wie es nach dir geschehen soll. DRITTER: Was willst du tun? Du kannst mir nichts anhaben. Ich kenne Dich! VIERTER: Lass uns versuchen miteinander auszukommen! Was hat der Tod besseres, was das Leben nicht haben kann? Du wirst ja nicht so verrückt geworden sein, die Erlösung von der Qual suchen zu wollen!? Das gibt es nicht! Nicht für uns!!! DRITTER: (verdreht seine Augen) Ich gebe dir recht. VIERTER: Finde dich ab. – Komm, wir versuchen einen Neuanfang, ein Verzeihen oder wenigstens ein versuchtes Vergessen. DRITTER: (sieht auf den Boden) Vermutlich der einzige Ausweg. VIERTER: Ein Lichtblick. – Komm in meine Arme. Es wird alles Gut. DRITTER: (geht auf VIERTER zu) Es ist alles Gut. VIERTER: Ja, wir ... DRITTER: (umarmt VIERTER versöhnend und entreißt ihm dabei die Waffe – er geht einen Schritt zurück und zielt auf VIERTER) VIERTER: (nicht angsterfüllt sondern nur enttäuscht) Du hast nichts gewonnen. DRITTER: Und deine Zeit ist noch nicht gekommen (erschießt VIERTER – er setzt sich neben die Leichen auf den Boden, lädt den Revolver neu und hält ihn sich an ...). VORHANG

SCHLAGERSÄNGER: (tritt mit seiner Gitarre vor den Vorhang und beginnt fetzig loszusingen / im Hintergrund sind Löscharbeiten zu hören)

Meinem Leben Sinn

Du gibst meinem Leben Sinn Ich will Dich ewig lieben Wenn ich auch nicht der Beste bin Lass dich von mir lieben

Lass mich für dich sein Und lass mich mich sein Du weißt, im Laufe der Zeit Kommt Freiheit mit der Gleichgültigkeit

Lass dich von mir lieben Wenn ich auch nicht der Beste bin Ich will dich für immer lieben Du gibst meinem Leben den Sinn Jaaaaaaaaaaaa! (Verneigung / Abgang)



INSZENIERUNGSIDEEN für das Theaterstück MEMENTO

EINSCHÜBE / ERGÄNZUNG

INSZENIERUNGSIDEE 1: H. tritt auf. H. ist nicht in 4 Personen aufgeteilt! Ihre Vorstellung ist chronologisch geordnet. - 1. PHASE: Anfangs ist H. abgekapselt. Sie Redet nur für sich allein. Sie führt Monologe wie ERSTER! (Briefe / Tagebuchseiten / Gedanken ...) - 2. PHASE: Sie tritt mit ERSTER in Kontakt. ERSTER kann sie nicht sehen. Sie steht ihm im Rücken. H. weist diesem offen, unverschlüsselt und in einer unnötigen Aggressivität seine Fehler auf (teilweise um der Wahrheit willen; teilweise, um sich selbst zu schützen). - 3. PHASE: Sie tritt (zusätzlich) mit ZWEITER in telephonischen Kontakt. Obgleich der ihr nichts Böses will, beschuldigt sie ihn, den ganzen Müll – in dem jener sich befindet – selbst verursacht zu haben und damit die ganze Welt zu verpesten. Sie versteht jede Bemerkung von ihm als persönlichen Angriff. Missverständnisse prägen die Kommunikation der beiden. - 4. PHASE: Nach einer großen Aussprache, welche sie gegen DRITTER verliert (er hat das letzte und entscheidende Wort: „H. trägt Schuld. – Nichts weiter interessiert. H. trägt Schuld!!!“) erfolgt eine Versöhnung mit ERSTER, eine Zuwendung zu ZWEITER und eine Hassliebe zu DRITTER. - 5. PHASE: Sie verliebt sich in VIERTER. Sie geht aus der „Geschichte“, da sie von DRITTER belogen wird: Er warnt sie vor der Freundschaft zu VIERTER, da sich jener mit seiner gespielten Zuneigung scheinbar nur für ERSTER rächen wolle.

- INTERMEZZO-PHASEN: Einschübe an Erinnerungen an schönere gemeinsame Stunden werden szenisch dargestellt. Wenn diese Liebeserinnerungen stattfinden kommen Tausende von Spinnen aus dem Erinnerungsmüll gekrochen und ZWEITER wird beinahe verrückt in seiner Spinnenphobie. Er strampelt verzweifelt in seinem Müllhaufen und versucht sich vergebens zu befreien.