Interviews - Joblin

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Kunstlegenden JJ-Interview 1972

Leicht abgewandelter Fragebogen nach Marcel Proust Marcel Proust meinte, dass er Leute mit seinem Fragebogen gut kennenlernen würde.

  • T.G.: Wo möchten Sie gerne leben?
  • J.J.: New York – Deutschland
  • T.G.: Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
  • J.J.: Schlafen.
  • T.G.: Was ist für Sie das größte Unglück?
  • J.J.: Keinen Schlaf finden.
  • T.G.: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
  • J.J.: Fleischliche.
  • T.G.: Ihre liebsten Helden?
  • J.J.: Corinth, Dix, Grosz, Beuys, Bacon, Kafka, Brecht, Borchert, Goethe, Kant, Mozart und Dylan. Alle aus unterschiedlichen Gründen.
  • T.G.: Das ist sehr deutschlastig, oder?
  • J.J.: Ja, kommt mir auch so vor.
  • T.G.: Welche Eigenschaften schätzen sie bei einem Mensch am meisten?
  • J.J.: Den Willen zur offensiven fleischlichen Kunst.
  • T.G.: Ihre Lieblingsbeschäftigung?
  • J.J.: Schlafen.
  • T.G.: Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
  • J.J.: Nicht in der Öffentlichkeit.
  • T.G.: Ihr Hauptcharakterzug?
  • J.J.: Beobachter.
  • T.G.: Welches ist für Sie die wichtigste Erfindung?
  • J.J.: Ich sehe die Möglichkeit Kunst zu schaffen und zu erfassen als die entscheidende „Erfindung“ der Menschheitsgeschichte an. Feuer, Rad und Computer sind wichtige Mittel zum Zweck. Die Erfindungen des Geistes werden oft unterschätzt.
  • T.G.: Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
  • J.J.: Die wunderbare Normalität des Alltags.
  • T.G.: Ihr größter Fehler?
  • J.J.: Vollkommene Unvollkommenheit. Aggressionen. Trinken. Lügen. Ich kann mich nicht entscheiden.
  • T.G.: Was bewundern sie am meisten?
  • J.J.: Ich bewundere nichts. Ich lass mich aber von vielem begeistern.
  • T.G.: Ihre Lieblingsfarbe?
  • J.J.: Rot. Und neuerdings auch Anthrazit. Das ist die Farbe, welche meine Augen empfinden, wenn sie geschlossen sind.
  • T.G.: Rot ist vieles: Blut. Wein. Rote Hemden. Rote Socken. Roter Teppich. Rotes Kreuz. Roter Teufel. Rote Laterne. Rote Haare. Rote Käppchen. Rote Körperchen. Roter Riese. Rotes Meer. Rote Erde. Roter Fluss. Roter Halbmond. Rotes Licht. Rote Khmer. Rotes Blut. Rotes Fleisch. Roter Barsch. Roter Lachs. Was bedeutet die Farbe Rot für sie?
  • J.J.: Rote Haut. Rote Augen. Liebe. Erotik. Lust. Sexualität. Verführung. Begierde. Glück. Lebensfreude. Energie. Aktivität. Dynamik. Temperament. Kraft. Hitze. Wärme. Rosen. Blut. Fleisch. Feuer. Hass. Aggressivität. Wut. Zorn. Lärm. Unmoral. Gefahr. Verbot. Warnung. Scham. Verlegenheit. Wurzelchakra. Inkarnat. Fleischfarben. Einfach die ganze Bandbreite
  • T.G.: Ihre Lieblingsblume?
  • J.J.: Gänseblümchen.
  • T.G.: Ihr Lieblingstier?
  • J.J.: Schildkröte.
  • T.G.: Welche Menschen verabscheuen Sie am meisten?
  • J.J.: Niemanden. Ich sehe sie als Kunst.
  • T.G.: Welche übernatürliche Gabe möchten Sie besitzen?
  • J.J.: Unsichtbar werden.
  • T.G.: Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
  • J.J.: Klar. Wie mir scheint.
  • T.G.: Welches Thema hat sie ihr Leben lang beschäftigt?
  • J.J.: Der Mensch.

Joblin Interview 1972 (Teil 2)

  • T.G.: Wollen sie andere Menschen für sich arbeiten lassen.
  • J.J.: Eine Factory wäre vielleicht nicht schlecht. Einen einstellen, der Lachs klebt. Einen Kurator. Einen, der rumschreit, ständig den Hitlergruß macht, sich das Ohr ab- und die Stirn aufschneidet. Einen Verkäufer. Einen – und der ist der Wichtigste – ich brauche einen, der mir die Leute vom Kopf hält.
  • T.G.: Vom Hals!?
  • J.J.: Vom Kopf. So viel Kunst auf einmal macht mich irre. Die ganzen Bilder krieg ich nicht mehr los.
  • T.G.: Sie müssen Bilder loskriegen?
  • J.J.: Ja. Die setzen sich in mir fest. Kunst multipliziert Kunst. Während wir hier sitzen steigen Ideen wie Säulen aus meinem Hirn.
  • T.G.: Säulen?
  • J.J.: Alle nach oben. Die Ideen müssen umgesetzt werden. Wenn ich eine Säule abbrechen möchte, würde eine unheilbare Fleischwunde entstehen. Die Säulen gehören zu mir, wie meine Arme und Beine. Hätte ich die Fleisch- und Fischbilder nicht gemacht – ich wäre längst in der Irrenanstalt oder tot.
  • T.G.: Was haben sie jetzt, in diesem Augenblick gerade für eine Idee?
  • J.J.: Ich zeig sie ihnen in neun Monaten.
  • T.G.: Braucht das so lange?
  • J.J.: Das ist der natürliche Prozess auf Erden, bis etwas haltbar gemacht wurde. – Wenn nichts dazwischen kommt.





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