Hinführung zum Thema - Leseprobe - MOOC it! MOOCs für die Schule und das Studium

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LESEPROBE: „MOOC it! MOOCs für die Schule und das Studium“.


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Wandel durch Vernetzung

Digitale Medien sind allgegenwärtig. Wir gebrauchen sie routinemäßig für unsere alltägliche, wissenschaftliche und berufliche Kommunikation. Vor allem in der Bildung entstehen viele neue Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Hört man den Expert_Innen zu, die sich über Bildung im Internet äußern, dann kristallisiert sich eine klare Meinung heraus: der Schlüssel liegt in der Vernetzung. Die zentrale Frage und nebenbei auch das Motto von MIT (Center of Collective Intelligence) steht für mehrere Lebensbereichen im Raum: „How can people and computers be connected so that – collectively – they act more intelligently than any person, group, or computer has ever done before?“[6] Die Frage ist nicht mehr: Wird eine Neuorientierung stattfinden? Oder ist Bildung wichtig? Vielmehr stellt sich die Frage: Wie soll eine Neuorientierung – vor allem in der Bildung – aussehen? Die intensive Auseinandersetzung mit den „digital natives“, der Generation Y, der Generation Z und die Konfrontation mit anderen Generationen kann nicht der Gegenstand zahlloser Arbeiten sein, nur um herauszufinden, was offensichtlich ist: Die Nachfolgegenerationen nutzen Netzwerke. Nicht nur, weil diese da sind. Nein, sie nutzen die Netzwerke weil sie wollen. Weil diese Möglichkeiten und Vorteile versprechen und teilweise diese Versprechen auch einlösen können. Sie nutzen die Netzwerke weil sie müssen, weil bisherige Systeme in allen Lebenslagen bald überholt sind oder bereits jetzt versagen. Sie nutzen die Netzwerke aber auch aus Verzweiflung, weil ein optimistisches Gefühl präsent ist, das eine bessere Zukunft verspricht. Der Mangel an Alternativen verwässert unsere Grundrechte. Ein zentrales Problem besteht darin, dass niemand ein konkretes Bild für die Bildung zeichnet. Eine konkrete Vorstellung von einem digitalen System zu haben, das es noch nicht gibt, ist auch schwer. Wie soll es aussehen? Welche Funktionen soll es haben? Wer darf sich beteiligen? Wir sind keine Mark Zuckerbergs, die sich ein Konzept aus dem Ärmel schütteln. Aber wir haben einzelne Bilder, die wir zu einem großen Panorama zusammenfügen können.

Alte Strukturen vs. Neue Systeme

Die Anforderungen an die Systeme steigen. Hierarchische Strukturen werden obsolet. Informationen und Resonanzen werden im Netz wichtiger als Personen. Wir hangeln uns an Schlagwörtern wie den „digital humanities“, „Semantic Web 3.0“ und die digitale Kompetenz in der „Industrie 4.0“ entlang. Wir gehen nicht auf ein konkretes System ein und geben nicht annähernd eine Antwort auf die bereits gestellte Grundfrage: Welches digitale System hilft dem Menschen, sich mit anderen Menschen und Computern so zu verbinden, dass alle zusammen intelligenter sind, als alleine? Wer zeichnet uns das Bild der Bildung in der Zukunft? Selten finden sich konkrete Ansätze. Der Einsatz von MOOCs sowie die Lernkonzepte Blended Learning, Flipped Classroom und Problem-Based Learning sind Entwürfe für ein Umdenken im E-Learning-Bereich, die noch in den Kinderschuhen stecken. Eine aktuelle Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen, z. B. in einer Dissertation, gilt morgen schon als überholt. Und genau das ist der Kern des Problems: Wir versuchen alte Strukturen und Systeme auf die neue Welt zu übertragen. Mit einem Buch wird man einem sich ständig im Wandel befindlichen nichtlinearen Prozess nicht mehr gerecht. Streng genommen müsste diese Arbeit kein Ausdruck, leicht formatierbares ePub (eBook-Format) oder eine starre PDF sein, sondern im Internet – mit dem Ziel der Weiterentwicklung – zur Diskussion frei gegeben werden. Diesen Widerspruch und Clash von alten Systemen und neuen Gegebenheiten finden wir in vielen Lebensbereichen. Es verwundert nicht, wenn die Generation Y gespalten und orientierungslos (aber dennoch entschieden in ihrer Entscheidung) ist. Bei Umfragen wünschen sich ca. 50 % der 25- bis 35-Jährigen, dass bestehende Strukturen erhalten bleiben. Sie wollen eine klassische Karriere-Entwicklung, Aufstiegschancen, Zielorientierung, Diszipliniertheit und Sicherheit. Die andere Hälfte sucht Autonomie, Selbstentwicklung, Gestaltungsfreiheit, Eigenständigkeit und Kreativität. Sie befürwortet einen Systemwechsel.[7] Die Generation Y ist gespalten. Es herrscht eine Zerrissenheit zwischen maximaler Freiheit durch eine Flut an Möglichkeiten und einem totalen Freiheitsverlust durch das Eingespannt-Sein in ein System, welches uns alles jederzeit abverlangt: Daten, Zeit, Persönlichkeit. Wie können diese entgegengesetzten Gruppen miteinander kommunizieren? Kruse sieht eine Chance in der gemeinsamen Entscheidung und sieht den Diskurs als die Methode für zukunftsgerechte Kommunikation. Er ist sich allerdings darüber bewusst, dass noch keine neue systemische Lösung gefunden wurde, welche sich den neuen Gegebenheiten anpasst. „Die Leute sind nicht politikverdrossen. Im Gegenteil. Sie sind interessierter als je zuvor. Sie sind verdrossen am System. Sie sind verdrossen an den Definitionen von Macht.“[8]


Kruse, P.: BundestagTV, Peter Kruse - Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen


Die neue Macht der Resonanz

„Diese Systeme werden eine solche Dynamik entfalten, dass wir es uns schlicht und ergreifend nicht leisten können, uns nicht zu verändern.“ [9] Kommunikative Macht wird im Netz nicht wie früher durch Präsenz und Aufmerksamkeit (käuflich) erzielt, sondern durch Resonanz. Es findet im Netz eine „Verschiebung vom Anbieter zum Nachfrager“[10] statt, welcher auf Prozesse reagiert (Kruse bezieht sich auf das Cluetrain Manifest www.cluetrain.com). Kruse bezeichnet dies als eine Revolution durch die digitale Welt, welche mit der Systemarchitektur, genauer gesagt mit der hohen Vernetzungsdichte, hohe Spontanaktivität und kreisender Erregung zusammenhängt. Dadurch tendieren die Systeme zur „Selbstaufschauklung“ und werden unvorhersehbar (da nicht linear) mächtiger. Das Fehlen einer konkreten Zielvereinbarung in komplexen Systemen ist eine nicht zu unterschätzende Tendenz. Komplexität muss zugelassen werden. Gunter Dueck: „Es ist nicht die eine Intelligenz, die eine Rolle spielt, es geht immer um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Intelligenzen. Unsere heutige Premium-Welt will alles!“[11]

Umgang mit den Problemen. Wer besetzt die Lücke?

Auch in der Forschung und Bildung haben wir Lücken in der konkreten Aufarbeitung der neuen Entwicklungen. An die gesellschaftsrelevante Umsetzung scheint sich kaum jemand heranzuwagen. Was hält uns zurück? Wer profitiert von unserer Zurückhaltung? Private Unternehmen? Welche Rolle spielen die Kultusministerien im Bereich Bildung? Welche die öffentlich-rechtlichen Medien und andere Institutionen, die von den Bürgern finanziert werden? Werden in Zukunft Google, Apple, Facebook und Amazon den Bildungsauftrag übernehmen? Das klingt wie ein Horrorszenario, liegt aber nicht außerhalb des Vorstellbaren. Vor wenigen Jahren fühlte sich die analog agierende Musik- und Film-Industrie ebenfalls noch ganz sicher in ihren Sesseln bezüglich der Zukunftsprognosen. Heute sehen wir es als selbstverständlich an, dass digitale Systeme die Marktherrschaft übernommen haben. Der Wandel von linearen zu komplexen nichtlinearen Systemen findet in allen Bereichen statt. Auch die Bildung ist von der Schwierigkeit, Zielvereinbarungen zu treffen betroffen und fordert uns damit auf, zumindest eine der Kant’schen Fragen und damit auch die (Persönlichkeits-) Bildung neu zu denken: „Was können wir wissen?“ Heute fragen wir: Was müssen, sollen, dürfen wir wissen? Wird das Orientierungswissen das Verfügungswissen ablösen? Welche Rahmenbedingungen sind entscheidend für die neue Wissenssituation? Ist Wissen noch mit Macht gleichzusetzen? Was bedeutet Wissen in einer Share- oder Mitmachgesellschaft mit multiplen emotionalen Resonanzen? Ist der Dauer-Diskurs im Netz das Problem und die Lösung zugleich? Welche Bildungsinhalte und Bildungsziele leiten sich daraus ab? Der Paradigmenwechsel zu kooperativen, offenen Modellen in Netzwerken findet im Augenblick bereits statt (z. B. Wiki-Bildungsprojekte), wenngleich unstrukturiert. Ein kompletter Schnitt wird in vielen Bereichen häufig einer Systemoptimierung vorgezogen (16 % für eine Systemoptimierung, 84 % für einen Paradigmenwechsel).[12]

Kruse, P.: Xing-Studie: Wandel der Arbeitswelt


These: Der Diskurs ist die Methode der Demokratie

Wir haben einzelne Vorstellungen, mit denen wir arbeiten und welche wir diskursiv zu einem Gesamtbild zusammensetzen können. Der Prozess, der im Augenblick das Problem darstellt, könnte auch die Lösung sein. Wir müssen zusammenarbeiten um Qualität zu entwickeln. Für Kruse ist die Antwort auf die externe Komplexität „das sich wirklich einlassen auf das Risiko eigendynamischer Prozesse in einer intern kaum überschaubaren Komplexität.“[13]


Kruse, P.: Stifterverband-Interview mit Peter Kruse, Zukunftsforscher und Organisationspsychologe


Zahlreiche Gesetze bieten aufgrund der digitalen Entwicklungen Anregungen für den unterrichtlichen Diskurs der Fächer Deutsch, Kunst, Philosophie, Ethik, Geschichte, Politik, Gemeinschaftskunde, Englisch, Informatik, Computertechnologie und Musik. Exemplarisch werden im Anhang der Gesamtausgabe "Digitale Diskurskultur in der Bildung" (Kapitel 8.1: „Der Grundrechte-Countdown im digitalen Zeitalter“) stichpunktartig die Grundrechte (Artikel 19 bis 1 im Countdown) und die dazu passenden digitalen aktuellen Themen aufgeführt, um deutlich zu machen, welchen Einfluss die Entwicklungen auf unsere demokratische Grundordnung haben. Einzelne Bereiche werden auch in den Kurzfilmkanon-Filmen thematisiert. Diese Ausführungen verdeutlichen die Dringlichkeit eines effizienten, digitalen Diskurssystems für die Bildung welches nicht nur „Scheindiskurse“ ermöglicht.


Manche begreifen den Diskurs als Methode, um die Komplexität in den Griff zu bekommen. Ein wichtiger Gedanke hierbei: Komplexität zulassen und aushalten. Aber wie soll das aussehen, wenn manche Kommentarboxen im Netz an TV-Shows erinnern: Profilieren, Show abziehen, andere schlecht reden, keine Regeln einhalten, kein Ergebnis liefern. Online-Diskussionen werden in der öffentlichen Meinung eher mit einem Shit-Storm assoziiert (Godwin’s Law[14]), als mit der Möglichkeit „mehr Demokratie zu wagen“[15].

„Ich mache mich so nützlich wie möglich, was meiner Meinung nach alles ist, was ein bewusstes Wesen je zu tun erhoffen kann.“ HAL, der Computer in 2001: Odyssee im Weltraum

Der Diskurs wird sich in dieser Arbeit als die Methode der Demokratie herauskristallisieren. Mit jedem Artikel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland wird deutlich, warum wir in der Schule das „Diskursprinzip“ bewusst anwenden und konstant einsetzen müssen. In Artikel 20 (Teil II „Der Bund und die Länder“) des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland wird deutlich, welchen Schwerpunkt Bund und Länder allen Gedanken, Entscheidungen und Handlungen zugrunde legen und warum ein Diskurs für die Bildung wichtig ist: Demokratie fordert Mitbestimmung.

  1. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
  2. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
  3. Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
  4. Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.[16]

Haben wir eine wirkliche Demokratie, wie sie im Grundgesetz verankert ist? Sind wir ein sozialer Bundesstaat? Diese Fragen sind nicht mit der Gesetzgebung abgeschlossen. Die Legislative bildet nur die Grundlage. Alle Bürger_Innen sind aufgefordert sich in die demokratischen Prozesse einzubringen. Es gibt neue demokratische Prozesse, durch die ein Diskurs der Bürger_Innen, Expert_Innen und Entscheidungsträger_Innen möglich wird. Diese Prozesse systematisch und strukturiert weiterzuentwickeln ist Grundlage für eine demokratische Zukunft für Deutschland. Diskurs (von lateinisch discursus „Umherlaufen“) ist mehr als ein einfacher Dialog, eine unbedeutende Diskussion oder eine Erörterung. Im Diskurs steckt die Grundhaltung unserer Demokratie, die Wertschätzung jeder einzelnen Meinung und das Vertrauen in das Volk als Souverän. Die Wertschätzung des diskursiven Willens ist nicht allein für die Bildung entscheidend. Auch andere kommunikativen Zwangshandlungen lassen sich als grundlegend undemokratisch entlarven. Wenn wir uns nicht auf diese Bedrohung der Demokratie vorbereiten, dann werden die Rechte der Menschen beschnitten werden. Das Grundgesetz steht Pate für die Notwendigkeit eines digitalen Diskurses in der Bildung. Um das deutsche Grundrecht umsetzen zu können – wohlgemerkt, es geht nicht um neue Grundrechte oder anstehende Gesetzesänderungen – ist eine aktive Auseinandersetzung mit der digitalen Welt erforderlich. Einzelne Stiftungen, Forschungseinrichtungen, Institute oder auch private, bürgerliche Initiativen können hier nur kosmetische Eingriffe bewirken. Der Bund und die Länder müssen handeln. Sie haben die Kapazität, die Expertise und die Informationen. Welches Land, wenn nicht Deutschland, hätte solch hervorragende finanzielle Voraussetzungen dazu? In keinem anderen Land sind die Menschen so gut erfasst wie in Deutschland. Bund und Länder haben also die Daten um zu handeln. Sie haben aber auch die Verantwortung, diese Daten positiv, im demokratischen Sinne zu verwerten bzw. einzusetzen. Sie haben die Macht, das Grundrecht mit allen Mitteln umzusetzen, die Einschränkungen der Bürgerfreiheiten zu verhindern, Faschismus unmöglich zu machen, soziale Abstiege zu verhindern und dem zügellosen Kapitalismus die Stirn zu bieten. Nehmen Bund und Länder ihre Verantwortung nicht wahr, leben wir zukünftig auf einem Flickenteppich an teildemokratischen Nischen, die uns nicht vom Staat, sondern von wohlwollenden Initiativen angeboten werden.

Der digitale Diskurs ist die Zukunft der Demokratie.

Der Wandel wird allen Betroffenen viel abverlangen. Es wird Volksentscheide geben, die in der Weltöffentlichkeit als peinlich empfunden werden (man denke an einige Entscheidungen in der Schweiz). Dies darf kein Grund sein, sich der neuen Demokratie zu verweigern. Es wird vielmehr erforderlich sein, die Rolle der Politiker_In, aber auch die der Lehrkraft neu zu definieren. Der digitale Diskurs wird viele Unsicherheiten mit sich bringen und vermutlich nicht zu einem vertieften Politik- und Bildungsinteresse aller Bürger_Innen führen, aber er ist erforderlich, um die demokratischen Grundrechte unserer Zukunft zu sichern. Damit der digitale Diskurs auf oberster Ebene ankommen kann, muss die Bevölkerung auf die neuen Verantwortungen vorbereitet werden. Es ist also vor allem die Aufgabe der Kultusministerien, diese Herausforderung anzunehmen und sich den veränderten Verpflichtungen aktiv zu stellen. In der Schule werden wir uns auf ein solches digitales Diskutieren einstellen und die Schülerinnen und Schüler (SuS) darauf vorbereiten müssen. Wenn sich die Kinder von heute als mündige Bürger_Innen von morgen ihrer Verantwortung nicht bewusst sind, werden die demokratischen Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland nichts mehr wert sein. Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Umsetzung eines demokratischen Bildungskonzeptes leisten. Wird eine Frage gestellt, dann werden einige Personen angesprochen. Wird ein Universum geschaffen, wo Fragen gestellt werden können, so können Millionen von Menschen angesprochen werden. In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Grundlagen für eine digitale Diskurskultur in der Bildung erfüllt sein müssen, um dem Bildungsauftrag gerecht zu werden.

Filmbildung ist Selbst-Bildung

Filmbildung ist heute ein wesentliches Mittel zur Selbst-Bildung geworden. In vorliegender Arbeit wird deutlich werden, dass wir den Begriff Film in seiner Definition erweitern müssen. Im Film kann seit langem nicht mehr nur das unterhaltende Kinoereignis gesehen werden. Filme sind auch mehr als die abendfüllenden, erzählenden Spielfilme oder informierenden Dokumentationen im Fernsehen. Weiterentwicklungen der Technik (z. B. Animationen) und die Ausweitung auf andere Bereiche (z. B. Werbung, Kunst, Musik) führten zu einer ersten Loslösung von dieser einschränkenden Sichtweise. Durch die Videotechnik sind völlig neue Voraussetzungen entstanden. Das kurze Video könnte als „der neue Film“ bezeichnet werden. Früher wurde anhand des Budgets, der verwendeten Kameras bzw. des Filmmaterials (z. B. VHS oder 35 mm) oder der Professionalisierung der Produktion zwischen Video und Film unterschieden. Durch die digitale Wende und die Entwicklung der Videoportale (insbesondere YouTube seit 2005) sind professionelle Produktionen auch mit wenig Kosten und Aufwand möglich. Dieser Umstand lässt die bisherigen Grenzen verschwimmen. Auch Hollywood produziert teilweise mit digitalen Videokameras (z. B. Star Wars Episode 2 und 3). Die Videoportale werden von einer Filmflut überschwemmt. Mit den heutigen Mitteln können alle Personen jederzeit gefilmt werden oder selbst filmen. Filmkompetenz ist daher für Menschen unerlässlich geworden, nicht zuletzt, da sich neben der unterhaltenden auch die alltägliche und die berufliche Nutzung des Kurzfilmes (z. B. in Webinaren) etabliert hat. Der Umgang mit dem Smartphone sozialisiert die heranwachsenden Generationen. Kurzfilme nutzen, erstellen und teilen ist ein wesentlicher Bestandteil der Verständigung geworden. Durch Filme werden wir informiert, aber auch manipuliert. Filme können auf unsere Wertvorstellungen und Handlungen Einfluss nehmen. Filmkompetenz zu besitzen heißt heute nicht nur Filme im Fach Kunst, Deutsch oder Musik analysieren zu können. Filmkompetenz zu erlangen ist gleichbedeutend mit: „Kommunizieren können“. Der Film ist nicht nur ein „Kunstmedium“, sondern er ist ein Kommunikationsgegenstand entsprechend der Schrift geworden. Die Entwicklungen des Films sind durchaus mit den Entwicklungen des Buchdrucks vergleichbar. Das Medium muss durchdrungen werden, damit zwischenmenschliche Interaktionen gelingen können. Der Film ist für alle Bildungsinhalte relevant. Wenn in dieser Arbeit von Filmbildung die Rede ist, so ist damit stets auch der vielschichtige Begriff „Selbst-Bildung“ gemeint.


Literatur für diesen Abschnitt

[6] Massachusetts Institute of Technology (MIT), Center of Collective Intelligence: Homepage-Index, http://cci.mit.edu/, aufgerufen am 20.03.2015
[7] Kruse, P.: Zukunft von Führung: kompetent, kollektiv oder katastrophal? https://www.youtube.com/watch?v=gLa4ropqcuY, aufgerufen am 20.03.2015
[8] Kruse, P.: BundestagTV, Peter Kruse - Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen, https://www.youtube.com/watch?v=e_94-CH6h-o, 2011, aufgerufen am 06.04.2015
[9] ebda.
[10] ebda.
[11] Dueck, G.: Professionelle Intelligenz. Worauf es morgen ankommt. Eichborn, Frankfurt am Main, 2011
[12] Kruse, P.: Xing-Studie: Wandel der Arbeitsweilt, https://www.youtube.com/watch?v=dst1kDHJqAc, Alternativlink: https://spielraum.xing.com/2014/11/stakeholder-statt-shareholder-professor-dr-peter-kruse-im-xing-klartext-video-interview/, aufgerufen am 20.03.2015
[13] Kruse, P.: Stiftungsverband, Interview mit Peter Kruse, Zukunftsforscher und Organisationspsychologe, Universität Bremen, 2011; Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5e21bPydGaQ, 2011, aufgerufen am 06.02.2015
[14] Godwin, M.: Cyber Rights: Defending Free Speech in the Digital Age. MIT Press, 2003 (Godwin’s Law: „Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.“)
[15] Brandt, W.: Regierungserklärung am 28. Oktober 1969, Seite 19/19. Video: https://www.youtube.com/watch?v=w0otNPt50uY t=2m52s, aufgerufen am 30.04.2015
[16] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 100-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 11. Juli 2012 (BGBI. I) geändert worden ist. (Ausfertigungsdatum: 23.05.1949) Online: https://www.bundestag.de/grundgesetz, aufgerufen am 24.08.2015


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