Fleisch in der Kunstgeschichte - Teil 2

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Fleisch in der Kunstgeschichte
Von der Höhlenmalerei bis zur Meat-Art


Fleisch zieht seine blutige Spur durch die Kunstgeschichte. Offen oder geschlossen. Nackt oder bedeckt. Symbolhaft oder auf die Struktur reduziert. Fleisch tritt in der Kunst nicht nur als Motiv hervor, sondern ist teilweise auch der organische Werkstoff, aus dem Kunst gemacht wurde. Sogar als Farbersatz findet Fleisch seinen Platz in der Kunstgeschichte. Dabei ist nicht nur der Künstler selbst aus Fleisch und Blut, sondern auch derjenige, der an die Kunst herantritt. Diese Analyse des Fleisches in der Kunstgeschichte ermöglicht eine neue Sicht auf die Kunstgeschichte, das Fleisch an sich und den Menschen.



Abwesenheit des Fleisches

Jan Brueghel the Elder - Flowers in a Wooden Vessel - Google Art Project.jpg


Auch in der bewussten Abwesenheit des Fleisches wie bspw. bei Jan Bruegheld d.Ä. („Blumen-Brueghel“) – „Kleiner Blumenstrauß“ in einem Tongefäß (um 1607) arrangiert ein Mensch für Menschen Blumen. Hinweise auf das Fleisch ist hier z.B. die Irisblüte. Sie verweist auf den fleischgewordener Erlöser und ist auch ein Mariensymbol. Die Mohnblüten symbolisiert Vergänglichkeit bzw. die Offenbarung Gottes. Münzen und Juwelen beziehen sich auf den Reichtum des damals lebendigen Fleisches. Abb.: Jan Brueghel d.Ä. („Blumen-Brueghel“) – Kleiner Blumenstrauß in einem Tongefäß (um 1607)


Fleischlose Vanitas-Motive

Pieter Claeszoon- Vanitas - Still Life (1625, 29,5 x 34,5 cm).JPG


Vanitas-Motive dieses Stilllebens:

  • Totenschädel: Vergänglichkeit
  • Brief: Vergängliche Beziehung
  • Erlöschende Kerze: Sterbender Geist bzw. Seele
  • (Sand-) Uhr: Ablaufende Lebenszeit
  • Verwelkende Schnittblume

Weitere Vanitas-Motive wären z.B. Masken, Spiegel, leeres Glas, Schneckenhaus, Machtinsignien, Ruinen, Schmuck, aber auch verschiedene Tiere. Abb.: Pieter Claesz – Stillleben mit Brief und Kerze (1625)


Anatomie als Motiv

Anatomie Nicolaes Tulp.jpg


Ein Klassiker der Fleischkunst. Als Glanzstück der Fleischdarstellung gelten Rembrandt Hermenszoon van Rijns Ausführungen „Der geschlachtete Ochse“ (1643 & 1655). Das für die damaligen Verhältnisse untypische Motiv eines geschlachteten Ochsen, war im reichen Amsterdam kein Verkaufsschlager. Auch hier findet sich die Sterblichkeit alles Irdischen wieder, aber auf eine ganz neue, unverhohlene Art und Weise. Rembrandt malt die Dinge so, wie er sie sieht. Nicht zuletzt aus diesem Grund musste der Maler auch 1656 Konkurs anmelden. In Einbeziehung der biographischen Ereignisse kann die im Hell-Dunkel vollendete theatralische Wiederholung des Bildthemas 1655 als Selbstportrait gesehen werden. Abb.: Rembrandt Hermenszoon van Rijn – Die Anatomie des Dr Tulp (1632 / Ausschnitt)


Schlachtung

Rembrandt Harmensz. van Rijn 037.jpg Slaughtered Ox by Rembrandt.jpg


Das für die damaligen Verhältnisse untypische Motiv eines geschlachteten Ochsen, war im reichen Amsterdam kein Verkaufsschlager. Auch hier findet sich die Sterblichkeit alles Irdischen wieder, aber auf eine ganz neue, unverhohlene Art und Weise. Rembrandt malt die Dinge so, wie er sie sieht. Nicht zuletzt aus diesem Grund musste der Maler auch 1656 Konkurs anmelden. In Einbeziehung der biographischen Ereignisse kann die im Hell-Dunkel vollendete theatralische Wiederholung des Bildthemas 1655 als Selbstportrait gesehen werden. Abb.: Rembrandt Hermenszoon van Rijn – Der geschlachtete Ochse ( 1643 & 1655)

Barent Fabritius - The Slaughtered Pig - WGA7719.jpg

Abb.: Barent Fabritius – Das geschlachtete Schwein, 1656


Puderfleisch im Rokoko

Francois boucher madame bergeret.jpg

Auch im Rokoko war das Fleisch ein Thema. An den Fürstenhöfen wurde die Haut gepudert und zur Porzellanfarbe geschönt. Das damalige Schönheitsideal des Fleisches war pastellfarben, rosig, duftig, locker & kühl. Eine Schönung des Fleisches wurde für die Menschen zum Dauerthema. Abb.: François Boucher – Madame Bergeret (1746)


Wo ist das Fleisch?

Vanitas 01.png


Hinter der Maske der Schönheit lauert der Tod. Abb.: Johann Caspar Lavater - Physiognomischen Fragmenten (1775–78) „Hier hingen diese Lippen, die ich geküsst habe, ich weiß nicht wie oft. Wo sind nun deine Schränke?“ (Shakespeare)


Literarisches Intermezzo

Émile Zola 1876: "Der Literat soll im Fleisch den Mechanismus des Lebens studieren.
Der Maler soll durch kraftvollen Farbauftrag den Gemälden Fleisch verleihen."


Link: Fisch und Fleisch Redewendungen, Bibel-Fleisch, Bibel-Fisch

Ein Fleisch

Mann und Frau werden ein Fleisch (Mose 2,24)


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Der Doppelehebruch des Paolo und der Francesca sollte Teil des Höllentors werden. Die Verbindung des Fleisches stellte eine leiblich-seelische Einheit dar. Der Augenblick der Begierde, Erotik, Lust, Sünde, Schuld wurde hier zur Perfektion gebracht. Der Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Verdeckung des eigentlichen Kusses (der nur von Oben sichtbar wird) spielt dabei eine prickelnde Rolle. Für Rodin beginnt Francesca mit dem Ehebruch. Was dann auch den Doppelmord durch den Ehegatten zur Folge hat. Abb.: Auguste Rodin - Der Kuss (1886)


Folgeküsse

  • Marcel Duchamps freche Hand
  • Cornelia Parkers Einbinden des Kusses
  • Pierce Butler Befreiung des verbundenen Kusses
  • Constantin Brâncuși (1907): „Der Kuss“ mit dem Hauptthema „Ein Fleisch werden“


Fleischige Entwicklung

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Abb.: Lovis Corinth – Im Schlachthaus (1893)


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Abb.: Lovis Corinth – Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar (1897)


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Abb.: Lovis Corinth – Der rote Christus (1922)


Lovis Corinth ist ein Meister der Schlachthausszene. Die Darstellung der Grenzsituation für den Menschen wird in seinen Gemälden zur Grenzverwischung. Mensch und Tier sind hier gemeinsam auf ein Bild gebracht und eine Oszillation zwischen Subjekt und Objekt, aber auch zwischen Ästhetik und Ekel, Grobheit und Schlichtheit finden hier ihre Balance, die in der Waage hinter dem Jungen im „Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar” (1897) verkörpert wird. Auch in dieser Fleischreihe vollzieht sich der Übergang vom Impressionismus zum Expressionismus in Corinths Oeuvre. Wird anfänglich noch in Hochachtung vor Rembrandt ein Ochse ausgenommen, so wird 1922 Jesus auf die Leinwand „gespannt“.


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