1001 German Angst vor der digitalen (R)Evolution in der Bildung

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Basis-Kolumne: "Eiertanz der Schulentwicklung in Deutschland" von Bob Joblin
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Prolog

Ich weiß nicht, was soll das bedeuten, dass wir noch nicht weiter sind. Nun sag, KUMI, wie hast du’s mit dem Fortschritt? Man braucht keinen Wetterdienst, um vorherzusagen, woher der Wind in der Bildung weht. Die Kultusministerien haben diese weltweite Brise der digitalen (R)Evolution allerdings noch nicht gerochen. Und wenn wir schon bei einfachen Wahrheiten sind: Das Böse – dieser Satz steht fest – ist stets das Gute, was man lässt. Die Kultusministerien müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und sich der digitalen Welt nicht nur mit Alibiprojekten und Versprechungen stellen. Bislang fehlen immer noch Visionen und Antworten auf die Ängste.  

Angst vor Schulentwicklung

Zu viele Schulen bauen immer noch auf alte Strukturen und beantworten komplexe Systeme mit veralteten Formen. Sie platzieren Kontrolle an der Stelle, wo Vertrauen stehen könnte. Sie haben Einzelkämpfer, wo in einem Team das WIR groß geschrieben sein könnte. Es gibt immer noch Schulen, die keine Antwort auf die Wucht der großen Klassen haben und Lehrervielfalt (pro Tag ca. 3-6 Lehrkräfte) der Beziehung eines Lernbegleiters zu den Lernenden bevorzugen.

Viele Schulen in Deutschland kämpfen mit respektlosem Verhalten, da die Schulen nicht mehr zu den Gegebenheit und Lernenden unserer Zeit passen. Unterrichtsformen müssen auf Frontalunterricht mit Lückentexten reduziert werden, um Unterrichtsstörungen zu vermeiden. Demotivation, Frustration und Resignation sind die Folge. Das Verharren in alten Strukturen und die gleichzeitige Konfrontation mit den aktuellen Gegebenheiten schädigt die psychische, geistige und körperliche Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten. Es fehlt bei den Entscheidungsträgern an dem Vorstellungsvermögen und der Aufklärung, dass z.B. die Auflösung des bisherigen Klassengefüges, wie wir es aus den letzten Jahrhunderten kennen, funktionieren kann. Es fehlt an Ideen, wie die digitalen Chancen genutzt und die digitalen Gefahren minimiert werden können.

Dabei gibt es zahlreiche Visionen und Beispiele, wie eine Wohlfühlschule mit einer angenehmen Lernumgebung, individuellen Zusatzangeboten und einem modernen Unterricht gelingen kann. Als Antwort auf die großen Klassen gibt es Jahrgangsstockwerke bzw. Jahrgangshäuser. Es gibt zahllose Möglichkeiten des differenzierten, individualisierten Lernens in zeitgerechten Unterrichtsformen. Es gibt flexible Strukturen, welche den aktuellen Entwicklungen und den Personen angemessen gerecht werden.

Um es sogleich zu sagen. Dies ist in erster Line möglich, da es digitale Entwicklungen im Bereich Bildung gibt. Mit bisherigen Klassenbüchern, Disziplinarordnern, Elternbriefen mit Briefmarken, Regelkatalogen als Vordruck zum Abschreiben und Büchern als einziges Wissenswerk kann das nicht geleistet werden.

Was hält die Kultusministerien, Schulleitungen, Lehrkräfte und schließlich auch die Lernenden an Schulen, Universitäten und anderen (Aus-)Bildungsstätten davon ab, die hilfreichen Entwicklungen produktiv in die Bildungsarbeit zu integrieren? Reformen werden einer Revolution vorgeschoben. So kennt man das aus bisherigen Entwicklungen. Und so wird auch mit dieser Problemstellung umgegangen. Schulentwicklung scheitert an der Angst vor der digitalen (R)Evolution.  

1001 German Angst

1001 Märchen: Es sind teilweise hanebüchene Märchen, die erfunden werden, um nicht auf die digitale Welt einsteigen zu müssen. Jeder, der in der Bildung beschäftigt ist, kennt die Ausreden, wenn es darum geht, Filme im Unterricht zu drehen, das Smartphone zuzulassen, MOOCs zu erstellen usw. „Das ist nicht mit dem Recht vereinbar.“ – „Wir hatten (vor Jahren) etwas anderes vereinbart.“ – „Das ist zu kompliziert.“ Ist es eine Verweigerung, eine Blockade der Entwicklung, ein Ausweichen von Unannehmlichkeiten oder ein Warten auf eine bessere Lösung?


Verbindliche German Angst: Ist dieses Verhalten typisch deutsch? Es gibt viele Entwickler und viele hervorragende Online-Projekte in Deutschland. In vielen Bereichen schauen die anderen Länder neidisch auf Deutschland. Im Bereich der digitalen Bildung sind wir aber nicht Top, sondern eher ein Flop.


Digitale Inselprojekt-Reförmchen in der Bildung: ... Wir wollen lieber 1000 Reförmchen, als eine Revolution. Darum bleiben auch alle Entwicklungen Inselprojekte, die eingehen werden wie sorglos gegossene Primeln im Hochsommer. Ohne Relevanz. Ohne Publikum. Ohne Sicherheit. Ohne Experten. Ohne Entscheidungsträger.


Mit der distanzierten Haltung / Kritik / Angst bleiben die Entwicklungen Inselprojekte, die dazu verdonnert sind im Schneckengang voranzukommen oder ganz eingestellt werden müssen, da es an Ressourcen fehlt... Blick auf Deutschland


SCHLUSS DES KAPITELS In diesem Buch gehen wir davon aus, dass unser Handeln in der Bildung von einer unbestimmten Angst gegenüber der digitalen (R)Evolution bestimmt wird. So werden wir immer neue Märchen erfinden, um uns nicht verbindlich auf die aktuellen Entwicklungen einlassen zu müssen.

eine generalisierte Angststörung, eine unbegründete diffuse Furcht, oder ein nur ostentativ vorgetragenes „Leiden an der Welt“

Bisherig Beispiele: Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015, Google Street View (dessen Erweiterung in Deutschland als einzigem Land eingestellt wurde), die Vogelgrippe H5N1, BSE, die Risiken der Kernkraftwerke sowie die auswuchernde Angst vor dem Weltuntergang bzw. der Apokalypse durch den Klimawandel oder das Tōhoku-Erdbeben 2011 sein Propaganda, der 2007 eingetretenen Finanz- und Wirtschaftskrise Terror, Totalitarismus, Trump

„deutscher Weltstellung und Weltgeltung“ Uns ist wichtig, wie wir in der Welt gesehen werden....

Ist unsere Furcht eine Seuche? furchtbare seelische Seuche die ganze Welt beherrschte

Psychoanalyse als ein Gefühl von Furcht beschreibt, das unfähig ist, ein Ziel zu finden

Keine „hysterischen Erscheinungen“

Feindbild: Digitale Entwicklung Man lernen nicht aus Angst...

Freiheit vor der Furcht Angst macht Menschen unfähig, sich frei zu entscheiden / Gedanken sind an Sorgen gebunden / Liebe erstickt in Verzweiflung

Man hätte Geld – tut aber nichts Wer profitiert von der Angst? Die Radikalen? Die Mächtigen? Die ...


Eiertanz um die Angst

Digitale (R)Evolution: Es ist die Evolution, die nicht mehr aufzuhalten ist. Es ist eine Revolution im Bildungswesen, die blockiert wird. Es ist ein Eiertanz der Schulentwicklung in Deutschland, der...

An vielen Schulen gestaltet sich die Kommunikation auf dem Weg der Schulentwicklung als schwierig und teilweise sogar widersprüchlich, da keine richtige Offenheit für einen Neuanfang gegeben scheint, den allerdings die meisten herbeisehnen. Auf dem Weg der Schulentwicklung gibt es...

Auf dem Weg der Schulentwicklung gibt es verbrannte Erde der bisherigen Entwicklungen

Vielfach gab es Konzeptionsversuche, die scheiterten, da manche digitalen Entwicklungen noch nicht ausgereift waren. Dies hält auch heute noch vielen von der Nutzung eines Computers im Unterricht ab.

Auf dem Weg der Schulentwicklung gibt es ein Minenfeld an Vorurteilen

Einige Begriffe wie z.B. Tablet-Klassen oder digitale Entwicklungen lösen bei manchen Beteiligten Stress und Allergien aus, da keine Vision vorhanden scheint, wie ein Unterricht mit Tablets gelingen kann.

Auf dem Weg der Schulentwicklung gibt es Blockaden und Hindernisse

z.B. scheint die Präsentation von anderen Schulkonzepten (wie Wutöschingen) eine Abwehrhaltung hervorzurufen, welche Innovationen, Engagement und Motivationen bremsen könnte.

Der Weg der Schulentwicklung ist ein Eiertanz! Es scheint mehr um die Vermeidung von Problemen und das Erfüllen individueller Vorlieben zu gehen, als um die tatsächliche Optimierung! Das Gesamtbild der Schule in unserer Zeit scheint auf der Strecke zu bleiben. Es entsteht der Eindruck, dass keine Änderung erwünscht ist. Die Umschiffung der Mienenfelder und das Meiden der verbrannten Erde bestimmen die Diskussionen. Zusätzlich blockiert der bürokratische Apparat die Entwicklung.

Verkehrte Welt: Nicht die Visionäre sollten schweigen bzw. vorsichtig sein, wie und was sie kommunizieren. Diejenigen ohne Visionen sollten Visionen positiv bestärken und sich über die rasanten aktuellen Entwicklungen aktiv informieren.

WIR

WIR haben einen klaren Bildungsauftrag, dem WIR derzeit nicht gerecht werden. WIR sollten das gemeinsame Ziel haben, einen optimalen Unterricht zu gestalten. WIR sollten UNS aufklären und sollten die Chancen der Bildungspläne erkennen. WIR sollten nicht nur kleine Stellschrauben drehen. WIR sollten eher eine Revolution, als 1.000 kleine Reformen anstreben. WIR sollten einen WIR-klichen Neuanfang wollen. WIR sollten uns von den Vorurteilen und den bisherigen Misserfolgen lösen. Jetzt sollten WIR Visionen zulassen.


Angst vor Shit-Storm oder Der fünfte Reiter

Leere Kommentarfelder provozieren.

Heute morgen, habe ich die Zeitung aufgeschlagen. Nein. Dieser Satz ist nicht ganz richtig. Ich habe eine Nachrichten-App aufgerufen. Die Überraschung: Deutschland ist für die digitale Kulturrevolution nicht gerüstet. Scheint, als ob die Nachrichten-App mir wie „Googlzon“ vor allem die Dinge anbietet, die mich wirklich gerade interessieren. Beeindruckend. Vor einigen Stunden, also gestern Nacht hatte ich noch bis um 3.45 Uhr mit Freunden (wirkliche Freunde, keine Follower oder so) über den digitalen Wandel diskutiert. Eigentlich haben wir aber noch mehr über die weit verbreiteten Ängste und Hemmungen gesprochen, welche durch die Digitalisierung geweckt werden. Zusammengefunden hatten sich folgende Haltungen:

  1. Leugnen: Der Schock und das Nicht-wahr-haben-wollen der aktuellen digitalen Situation auf der Welt und in Deutschland.
  2. Intensiv aufbrechende Emotionen: Die Wut über dreiste Online-Konzernwölfe. Die nackte Angst vor fahrlässigen Normalbürger-Lämmern. Depressiv resignierte Stimmung, wenn an das Ungleichgewicht des rasanten technischen Fortschritts auf der einen und des fußlahmen ethischen Fortschritts auf der anderen Seite gedacht wird.
  3. Suchen, Finden, Loslassen: Das Suchen nach Lösungen in der guten alten Zeit und die Aussöhnung mit dem Gendanken, dass diese nun endgültig vorbei sind. Das Finden der Auswege unserer Tage. Das Loslassen alter Tage.
  4. Akzeptanz: Es dann auch die „produktive Aufbruch-Stimmung“. Die Katharsis durch das Zulassen euphorischer Zukunftsperspektiven. Sich den widrigen Umständen fügen, die Realität akzeptieren. Im Schlimmsten einen Neuanfang sehen. Die Goldgräberstimmung, die entsteht, wenn man denkt, was noch keiner zuvor gedacht. Wenn man macht, was keiner zuvor gemacht. Wenn man gewinnt, was noch keiner davor gewonnen hat. Kurz: Silicon Valley saß auch mit am Tisch. Und natürlich ohne Krawatte. Locker. Anzüge wollen nur über schlechte Produkte hinwegtäuschen.

Eigentlich saßen alle vier Phasen der Trauer nach Verena Kast am Tisch. Was wurde zu Grabe getragen? Das Grundgesetz. Die digitalen Möglichkeiten. Die eigene Vergangenheit. Am Ende blieb für mich eine Frage hängen: Wer profitiert eigentlich von unseren Ängsten und Hemmungen?

Bin am Ende des Artikels über das digitale Deutschland angelangt. Bin überzeugt, dass die Roboter und der Babelfisch kommen werden. Smart-Shirts und smarte Kontaktlinsen werden eine Veränderung der Welt bewirken werden, von der Deutschland vor allem als Konsument profitiert. Ausnahmsweise lese ich die Kommentare. Hier haben sich die apokalyptischen Reiter versammelt: Erstens: Weißes Pferd. Reiter. Sieg. Krone. – Sie kennen das. Hier verkörpert durch den Moralapostel, der den Bildungsjoker gleich am Anfang zieht: „Kann denn nicht wenigstens einmal jemand an die Kinder denken?“ Ungewöhnlich. Meist hören Debatten mit dieser Forderung auf.

Der zweite Reiter: Resignierter Gegner. Gegner gegen alles. Er steht für den Krieg bzw. in Deutschland für Rüstungsexporte. Oder dagegen? Unklar. Jedenfalls die alternativlose Alternative zur Friedenssicherung mit Augenmaß, um den ganzen Sozialtourismus zu bezahlen. Profit findet er geschmacklos. Er ist gehemmt durch verborgene Ängste, aber er ist auch der Eisbrecher für zahllose Emotionsgesteuerte. Die Drohnen seines Betriebs fliegen für einen guten Zweck. Er widerspricht sich innerhalb seiner 160 Zeichen dreimal. Aber Selbstwidersprüche können auch als ein Zeichen gewertet werden, dass man die Welt um sich herum verstanden hat. Mit feuerrot erhitztem Kopf fuchtelt er mit dem mehrschneidigen Schwert des Wortes herum. Beim Lesen des Antikriegs-Kommentars werden eingefleischte Pazifisten unmittelbar zu Kriegsbefürwortern.

Drei: Ein kritischer Wutbürger, der sich über Inkompetenz schwarz ärgert und Gerechtigkeit fordert; in einer Welt, die von Todsünden verseucht ist. Seine Zielscheiben: Hochmütige Regierung, geizige Aktionäre und Banken, wollüstige Prominente, andere Wutbürger, die Maßlosigkeit der schmierigen Daten-Phishing-Kraken-Konzerne, neidische Nerv-Staaten und vor allem die faule Lügenpresse. Seine Waage, sein Schlachtfeld bzw. seine Protestform: ein Kommentarfeld. Sein Pseudonym: „Eisbärchen“

Der sarkastische Intellektuelle. Stilistisch besser als der obige Artikel. Nicht so fahl. Nicht so trüb. Nicht so blass. Bissig. Vernichtend. Terrier. (Also Bullterrier. Nicht die kleinen süßen Jack Russell). Kulturwandel. Prozessmusterwechsel. Um was ging es im Artikel nochmal?

Ein fader Geschmack verbleibt im Mund. Furcht. Angst. Lähmung. Lauter Leute mit schlechter Laune. Alle Wut will Ewigkeit –, will tiefe, tiefe Ewigkeit (nach Nietzsche, Also sprach Zarathustra). Ich wünsch mir einen fünften Reiter herbei, der einen Witz erzählt. Aber es kommen immer neue Kommentare rein, die sich die radikale Sinnentleerung des Netzwerktages zum Ziel gesetzt haben und einen Post am anderen ins digitale Nirwana feuern. 

USA steht für undemokratische Silicon-Valley Alternativen. Deutschland hat nicht nur keine Chance mehr, Deutschland ist die Chancenlosigkeit in Person. Leute reden einander klein, ziehen eine Show ab, wollen selbst gut dastehen, halten sich an keine Regeln, erzielen keine Ergebnisse. Der Vergleich des Online-Kommentarfeldes mit einer TV-Talk-Show liegt auf der Hand. Das nach unten scrollen hat sich gelohnt. Jedenfalls frage ich mich gerade nicht mehr: Warum gibt es die Gen Y? Meine Wenigkeit, als Generation X bzw. Generation Golf (oder erster apokalyptischer Reiter) lehnt sich zurück und sieht sich gemütlich an, wie sich Y über die Nachgeborenen Z aufregt. Digital Natives, die mehr auf Außendarstellung, als auf Sinn aus sind. Was kommt eigentlich nach Z? Umlaute? 0 oder 1? Das würde vermutlich das M2M Zeitalter, die „Machine to Machine Generation“ gut beschreiben. Menschen sind für die Bezeichnung der Generation nicht mehr relevant. Eine goldene Vorstellung in meinen Augen, da es bereits Mittag ist und ich immer noch an den Artikel und die Fußzeilen-Kommentare denke. Warum ich das schreibe? Ich bin der fünfte Reiter. Ich erzähle den Witz. Ich male das Bild von der konkreten Zukunft – so wie sie sein könnte. Hier in Deutschland. Wie wir die Grundrechte nicht verwässern. Wie wir Wissen neu denken. Wie wir Ängste überwinden. Wie wir produktiv mit den digitalen Möglichkeiten umgehen. Wenn Sie diesen Witz hören wollen, dann sind sie hier genau richtig. Wie alle apokalyptischen Reiter verbreite aber auch ich Furcht und Schrecken. Vor allem, wenn ihnen Willy Brandts „mehr Demokratie wagen“ seit 1969 immer wieder kurz einen Schauer über den Rücken jagt.

Joblin: Für meinen Freund Udo Glanz  

90 – 9 – 1: Ein weltweites Problem

„Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Mit folgender Behauptung lehnt man sich allerdings nicht allzu weit aus dem Fenster: Es wird durch die digitalen (R)Evolutionen einen Systemwandel in der Bildung geben. Die Kulturentwicklungen unserer Zeit sind mit den enormen Umwälzungen der Industrialisierung zu vergleichen. Die Kultusministerien müssen ein zentrales Bildungsportal einrichten, wenn sie nicht ihr Zertifizierungsmonopol an private Anbieter verlieren wollen. Die „Ein-Prozent-Regel“ gibt unser Verhalten im Internet wieder. In der Netzkultur findet zu wenig aktive Beteiligung statt: 90 % sind Lurker (engl. to lurk, herumlungern), also Leser, die keine eigenen Inhalte beitragen. 9 % sind Contributors, als Bearbeiter und nur 1 % sind Creators, Menschen, welche produktive, eigene Beiträge einbringen. Aber warum beteiligen sich selbst engagierte Lernende nicht aktiv im Online-Bildungsbereich? Sie verwenden zwar Lern-Apps und Bildungsportale, gestalten jedoch ihre Bildung nicht selbst. „Jugendliche machen vor allem Quatsch am Smartphone!“ Warum haben wir das Gefühl, dass dieser Vorwurf an unsere Jugend einen sehr großen Funken an Wahrheit beinhaltet? Die Antwort liegt auf der Hand: Es gibt keine Anerkennung für Online-Leistungen im Bereich Bildung. Ein Mehrwert in der kreativen Teilnahme an einem Bildungsnetz ist für Jugendliche nicht erkennbar. Die Verantwortung für die Nichtbeteiligung der Lernenden tragen vor allem die zurückhaltenden Kultusministerien in Deutschland, welche sich weigern einen Paradigmenwechsel auch offiziell zuzulassen.



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Countdown der Grundrechte

Die Forschung belegt: Es gibt eine demokratisch orientierte, sichere IT-Bildungsstruktur für mehr Mitbestimmung, mehr Transparenz in den Entscheidungen und vor allem für lebenslaufdienliche Wertschätzung der Online-Leistungen von Lernenden. Es hat die Form eines Diskursportals. Diese muss aber auch von den Machthabern bzw. Entscheidungsträgern der Ministerien deutschlandweit verbindlich, verpflichtend im Alltagsunterricht implementiert werden, damit dies eine relevante Alternative zu den privaten Anbietern ist und demokratische Prozesse garantieren kann. Für die Notwendigkeit eines digitalen Diskurses steht nicht zuletzt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Pate. Anhand unserer Grundrechte wird deutlich, wie digitale Themen unseren Alltag auf essenzielle Art und Weise beeinflussen, da im Silicon Valley mehr als nur ein paar neue Apps entwickelt werden. Wir müssen darauf achten dass Alphabet und Co. unser Bildungswesen nicht überrollen. Es bedarf einer schnellen Änderung der Verhältnisse, damit unsere Rechte nicht weiter aufgeweicht werden. Der Countdown der Grundrechte läuft, wenn wir nicht unsere Nachgeborenen auf die schöne neue Welt durch offene, demokratisch strukturierte Online-Diskurse vorbereiten. Demokratie, Bildung und Diskurs gehören zusammen. Der Diskurs ist die Methode der Demokratie und die Methode der (Selbst-) Bildung. Diskursprozesse zu optimieren heißt nicht nur eine Steigerung der Informationsqualität herbeizuführen, sondern auch Demokratie zu stärken. Wollen wir das wagen?

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Angst vor dem Anfang

Am Anfang war die Angst.
Der Urzustand ist Angst.
Mit der Welt sind wir auch in die Angst geworfen.


Wir haben das Sorgerecht und Sorgen machen wir uns genug, wenn nicht zu viel.... Über allen Gipfeln ist Ruh (Goethe, Wanderers Nachtlied). Gibt denn keiner, keiner, keiner Antwort (nach Borchert, Draußen vor der Tür)? Um Gutes zu tun braucht’s keiner Überlegung – bzw. Bewegung (nach Goethe, Iphigenie auf Tauris). Nach diesem Motto schalten und verwalten die Beamten der Kultusministerien die veralteten Systeme, damit die Erschütterung der Macht (nach Starwars) nicht all zu sehr beunruhigt. Und die Dicken an den Knöpfen brauchen sich auch nicht all zu sehr sorgen. Revolution will keiner und es ist landaus, landein bekannt: bevor das KUMI reagiert (KUMI klingt niedlicher als Kultusministerium, obwohl es für viele kein cooles Ministerium ist.), friert die Hölle zu. Seit niemand mehr an eine Hölle glaubt, ist dies obendrein noch unwahrscheinlicher geworden. Wobei: Die Hölle, das sind die ewig Analogen (nach Sartre, Geschlossene Gesellschaft). Der Machterhaltungstrieb führt Menschen (die nach dem Peterprinzip einen Schritt zu hoch gelobt wurde) dazu, „Wes Brot ich ess, des Bildung ich will“ zu singen (nach von der Vogelweide). Aber es wird was Neues entstehen. Mit oder ohne euch. Und seid ihr nicht willig, so brauchen wir nur Geduld (nach Goethe und Kruse , Erlkönig).  

Angst vor einem zentralen Bildungsnetz.

Es muss ein zentrales, digitales Bildungsportal geben. Ein Flickwerk kleiner Projekte kann keine Lösung sein. Diese Seiten haben entweder viel Informationsqualität, Expertenwissen oder Innovation zu bieten. Die Verbindung dieser drei Bereiche ist allerdings nur mit einem zentralen Bildungssystem machbar.

Angst vor dem Wandel durch die Vernetzung.

Am Anfang war das Wort und nicht der Shitstorm und am Ende wird hoffentlich mal wieder ein wohl gebildet Wort stehen (nach der Bibel und Benn), aber der Mensch bildet das Netz und das Netz bildet den Menschen. Das Internet ist nicht nur das Opium für das Volk (nach Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie), sondern auch ein Spiegel, aus dem kein gebildeter Demokrat herausblicken kann, wenn ein despotisch veranlagter Wutbürger hineinblickt (nach Lichtenberg, Sudelbücher).

Angst der alten Strukturen vs. Neue Systeme.

Unser Hauptproblem: Wir versuchen alte Strukturen und Systeme auf die neue Welt zu übertragen. Mit einem Buch (auch E-Book) wird man einem sich ständig im Wandel befindlichen nichtlinearen Prozess nicht mehr gerecht. Wie sollen also z. B. die Dissertationen der Zukunft aussehen?

  • Die neue Macht der Resonanz
  • Trümmerliteratur, Trümmerfrau_Innen
  • Kein Vertrauen ist besser?
  • Wir können uns nicht nicht verändern.
  • Wir müssen Komplexität zulassen.


Ein jeder Tag bricht uns was ab, von unseren Grundrechten bis ins Grab (frei nach Grimmelshausen, Der abentheurliche Simplicissimus Teutsch). Herr und Frau Kultusminister_Innen, die Not ist groß. Die Geister, die man rief, wird man jetzt nicht los (nach Goethe, Zauberlehrling). Wir zählen uns selbst im Grundgesetz-Countdown aus. Sie können es auch nicht mehr hören, dass ihnen die Grundrechte madig gemacht werden?

Angst vor Diskurs

Der Diskurs ist die Methode der Demokratie (vgl. Habermas, Faktizität und Geltung). Die digitale Welt bietet die Möglichkeit für einen solchen Bildungsdiskurs. Es kann die Partizipation aller an den Bildungsthemen (wie Z. B. die Entwicklung der Bildungspläne) interessierten Menschen angeboten werden.

Angst vor Anerkennung

Anerkennung ist die wesentlichste Triebfeder für Bildung (vgl. Honneth, Der Kampf um Anerkennung). Es besteht die Chance auf Wertschätzung der Personen, Meinungen und deren Arbeiten. Stattdessen werden die Schüler_Innen, Studierenden und Lehrkräfte im alten, trägen Schulsystem festgehalten, da kleine Inselprojekte nur eine weichgespülte Alternative zum veralteten Herumwerkeln an der Bildung darstellen. Anschauungen und Kommentare gehen in der Weite des Webs unter. Glänzende Arbeiten von Lernenden in allen Altersklassen sterben einen frühen Schubladentod. Was zum Adlerfulg geboren, wird zum Schneckengang verurteilt (frei nach Schiller, Räuber).



Was hält uns zurück? Angst! German Angst?

Die Angst vor Sicherheitslücken ist da. Na und? Die Jungen nutzen die neuen Medien bereits jetzt zum Spaß. Sie werden dadurch Schritt für Schritt gläsern. Ganz im Ernst (nach Fried, Gedichte). Die Kultusministerien finden sich mit ihrem rückschrittlichen Stand ab. Sie haben zurecht Sicherheitsbedenken: Datenmissbrauch, Datenklau, gläserne Bürger sind Alltagskriminalität, an dem sich Big Brother und Sister (Orwell, 1984) – also jeder mit einem Smartphone – kostenlos beteiligt. Nutzbringend für schlaue Füchse in der IT-Branche. Alter Kittel, das. Die Verantwortung für die Daten der Lernenden und Lehrenden haben die Ministerien jedoch schon heute. Sie bekommen sie nicht erst, wenn sie sich als kleines Küken vor der Schlange bewegen. (Wissen sie, wer in dieser Metapher die Schlange sein soll?) Es bringt nicht mehr Sicherheit, wenn man untätig auf Informationen herumsitzt. Die produktive Nutzung der bereits vorhandenen Daten wäre keine zusätzliche Belastung. Selbst die kleinste Firma weiß z. B. Kunden- oder Mitgliederdaten effektiv zu nutzen. Nur die Bundesländer und Kultusministerien haben scheinbar noch keinen Schimmer, wie die Daten der am besten erfassten Menschen der Welt (Lehrkräfte in Deutschland) produktiv einzusetzen wären. Arm.


Angst und Schockstarre

Wie müssen wir uns die Innovationsverantwortlichen der Kultusministerien vorstellen? Aufgerissene Augen, wie ein Schwälbchen, wenn es blitzt. Oi, das arme Ding. So hilflos. So klein. So unwissend. Einer unbändigen Naturgewalt gegenüber. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist bei denen berechtigt, die mit falschen Interessen an den Schalthebel des Bildungsglücks hantieren. Es muss hier kein moralisierendes Fass der machthungrigen Ministerien-Manager aufgemacht werden. Jeder dieser Bürodiener für die Menschheit in diesem Land wird für sich gegenüberstellen können, was er theoretisch machen könnte und was er tatsächlich macht. Erhobene Zeigefinger gehören zum alten System. Selbstbildung zum neuen. Der aktuelle, erschreckende (Rück-) Stand spricht offensichtliche Bände (bzw. Forumsbeiträge im online sehr beliebten Shitstormformat). Mut zu einem Anfang möchte der einfache Arbeiter den neuen Kräften zurufen, wenn ihn nicht Resignation vor den langsamen Mühlen und Verbitterung über starre Strukturen in das Land der Gleichgültigkeit zurückwerfen würde, wo die intuitive, wunderschöne neue Welt (nach Huxley, Schöne neue Welt) der Großkonzerne alles verspricht und auch hält. Das Beste: für einen Preis, den man nicht sieht.

Angst als Entschuldigung

„Ihr Weltverbesserer kotzt mich an.“ (Wer hat das denn gesagt? Klingt so, als ob es aus unzähligen Mündern eines Entscheidungsträgerchors schallt.) Klar, die Welt wird vielleicht nie gut (nach Zuckmayer, Hauptmann von Köpenick), aber wie desillusioniert muss man sein, um sich in bequemer Selbstgefälligkeit diese Welt als beste aller möglichen Welten erhalten zu wollen (nach Leibniz’ Theodizee). Etwas besseres als das aktuelle Bildungssystem findet man überall (nach Brüder Grimm, Die Bremer Stadtmusikanten) – vielleicht nur nicht gerade in der USA.

Angst und Verweigerung

„Du kannst! So wolle nur!“ (Goethe, Faust I)

Angst vor dem Bildungsplan

Die Angst, den Bildungsplan nicht mehr erfüllen zu können, beliebig zu sein, im Wettbewerb auf der Strecke zu bleiben usw.: Dies sind Ängste unterschiedlicher Personengruppen (Eltern, Lehrkräfte, Verantwortliche der Bildungseinrichtungen), welche dazu führen, dass der Bildungsplan nicht mehr erfüllt werden kann, Inhalte beliebig und Wettbewerbe verloren werden.

Angst vor Mitbestimmung

Die Angst vor mehr Mitbestimmung ist so alt wie der erste Mensch mit Knüppel in der Hand. Partizipation im öffentlichen Diskurs wird gemieden, Scheindiskurse sollen mit Brot und Spielen für mehr Zufriedenheit sorgen. Die höchste Expertise in Bildungsangelegenheiten sollte beim Kultusministerium liegen. Die höchste Expertise wäre allerdings die Verantwortung dafür zu übernehmen, junge Menschen zu mündigen Bürgern reifen zu lassen. Diskurse müssen geübt, verstanden und vor allem selbstverständlich werden. Auf dem Weg zum selbstverständlichen Diskurs muss man auch Entscheidungen wie das schweizerische Minarett-Verbot aushalten. Die Möglichkeit, dass sich das Volk im Sinne der höchsten Expertise „falsch“ entscheiden kann, kann nicht dazu führen, Menschen unmündig zu machen. Oder weigern wir uns wieder mehr Demokratie zu wagen.

SCHWEIZ ALS BEISPIEL: DIE DUMMEN SIND WIR!

Angst vor der nächsten Generation

Die Angst davor, dass wir den Heranwachsenden nicht mehr die von uns bestimmte Rolle in der Gesellschaft zuweisen können ist berechtigt. Komplexe Bewertungssysteme können nicht verhindern, dass sich der Kapitalismus seine Knechte holt und für treibende Kräfte gut entlohnt.

Angst vor Hoffnung

Die Angst, dass da keine Hoffnung mehr ist. Ja, die ist auch präsent. Kommt noch durch irgend eine hohle Gasse eine Apfel aus dem Grab (nach Schiller, Willhelm Tell und Fontane, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland)?

Angst vor Komplexität

Die Angst vor der Komplexität. Einfachheit adé! Scheiden tut weh (frei nach Hoffmann von Fallersleben). Wir müssen uns der Komplexität stellen.

Angst vor Videos und Filmen

Die Weigerung Videos in den Unterricht zu integrieren ist weit verbreitet. Der deutsche Film ist ja auch nicht so... Es ist nicht viel Lärm um nichts (nach Shakespeare, Viel Lärm um nichts). Videos werden die Bildung extrem beeinflussen. Die Angst vor (bewegten) Bildern saugt der Deutsche mit der Muttermilch auf. Goethes Einsicht macht Schule:

Dummes Zeug kann man viel reden,
Kann es auch schreiben,
Wird weder Leib noch Seele töten,
Es wird alles beim alten bleiben.

Dummes aber vors Auge gestellt
Hat ein magisches Recht:
Weil es die Sinne gefesselt hält,
Bleibt der Geist ein Knecht.
(Goethe, Zahme Xenien I)


Schlussangst – Angstschluss

Die Angst nicht mehr mit Angst arbeiten zu können. „Ich will doch nur ins Schloss“, denkt sich der Lernende in kafkaesken Anwandlungen und fragt sich warum er sich schuldig fühlen muss. In der realen Welt gibt es so viele Wege die ihn mit den Worten „Verweile doch. Du bist so schön.“ zu sich rufen. Aber im Bildungswesen gibt es kein Erbarmen. Ein kleiner Mensch wird immer noch von einzelnen anderen Menschen abhängig gemacht. Dabei könnte die ganze Welt seine Talente sichten und ihn ohne Angst nach seinen Interessen fördern. Talentsichtung ist immer noch eine geölte, elitäre Maschine, die Vetterleswirtschaft liebt. Man sieht, wohin man sieht nur Eitelkeit in den Ministerien. (frei nach Gryphius, Es ist alles eitel)



Angst vor Visionen

Manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein, ... (Rilke, Der Panther). Wer zeichnet uns das Bild der Bildung in der Zukunft? Wo ist der Wegweiser durch den Irrgarten der digitalen Bildungsmöglichkeiten. Ein zentrales Problem besteht heute darin, dass niemand ein konkretes Bild für die Bildung zeichnet. Es fehlt eine Vision. Eine konkrete Vorstellung von einem digitalen System zu haben, das es noch nicht gibt, ist auch ein schwieriges Unterfangen. Wie soll es aussehen? Welche Funktionen soll es haben? Wer darf sich beteiligen? Wir sind keine Zuckerbergs oder Jobs die sich ein Konzept aus dem Ärmel schütteln (oder mit LSD-Konsum herauskitzeln). Aber wir haben einzelne Bilder im Kopf, die wir zu einem großen Panorama zusammenfügen können. Durch einen diskursiven Akt kann ein diskursives System entstehen. Wenn nicht wir, wer soll es dann zeichnen? Die Kultusministerien? Bei denen zu jedem Augenblick ein geradezu unendlicher Verkehr herrscht (frei nach Kafka, Das Urteil).


Artikel 15 und die Renaissance der Rationalisierung

Bildung im Diskurs bedeutet auch Bewusstsein darüber zu erlangen, was der „Markt“ vorgibt, was wissenschaftlich relevant ist, was andere wollen und was im Eigeninteresse liegt. Andere Denkweisen in einer Art Metasicht einzuordnen, zu respektieren, sich mit ihnen zu identifizieren oder sich ggf. zu distanzieren, dies sind Grundvoraussetzungen im Diskurs. Immer wieder entstehen in der Geschichte der Menschheit durch technische Entwicklungen Kluften, z. B. zwischen Arm und Reich. Der soziale Niedergang vieler Menschen kann durch die neue Rationalisierung begünstigt werden. Während im Industriezeitalter die Fließbänder Umbrüche erforderlich machten, ist es heute das Internet, welches das gesellschaftliche Leben umkrempelt. Von der Rationalisierung im Internet versprechen wir uns heute viele Erleichterungen, z. B. durch künstliche Intelligenz. Rationalisieren heißt bislang immer noch weniger Arbeitsplätze und sozialer Notstand für viele Menschen. Soziale Netzwerke schaffen keine Arbeitsplätze und helfen nicht, Ungerechtigkeit zu reduzieren. Im Gegenteil: Eine neue Dimension der Kapitalismuskritik ist erforderlich, bevor auch die Bildung unter die gut funktionierenden Zahnräder der unsozialen Marktwirtschaft kommt. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Sei es die Angst um den Arbeitsplatz, Angst aus finanziellen Gründen oder sonstige Ängste. Ängste halten die Bildung auf. Wie kann diesen Ängsten entgegengewirkt werden?


Einbindung von Vereinen und Freizeiteinrichtungen

Die Anbindung der Jugendlichen an einen Verein oder an andere Freizeiteinrichtungen ist nicht zu unterschätzen. Sportvereine, Jugendzentren, Theater, Kino, Galerien, Museen, Schwimmbäder, Bibliotheken, Gedenkstätten, Tierparks und soziale Einrichtungen versprechen beispielsweise eine vielfältige Bereicherung. Die Einbeziehung von Expert_Innen aus diesem Bereich lässt spannende Kombinationen mit den Lerninhalten zu. Warum sollten die SuS nicht andere Menschen und deren Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten über ein Schul-Netzwerk kennenlernen? Die Angst vor Missbrauch eines solchen Portals darf nicht dazu führen SuS zu isolieren. In der Öffnung der Lerninhalte liegt eine Chance auf Neugier und Interesse am Lernen.


Die Angst vor kostenpflichtiger Bildung

... ist real. Wir lassen Gelegenheiten aus, welche wir vermutlich bereuen werden. Wenn wir nicht einschreiten, wird die Bildung auch in Deutschland wieder kostenpflichtig werden. Die MOOC-Portale vor allem der USA machen es vor, wie es geht. Sie brechen das Zertifizierungsmonopol der Staaten. Bald wird ein online erworbenes (kostenpflichtiges) Zertifikat von Elite-Firmen wichtiger sein, als ein staatlich anerkannter Abschluss.

Die Angst vor der Auflösung des Zertifizierungsmonopols

... ist real. Es gibt aber eine Alternative P4P MOOC, deine Zauber binden wieder, was die (bisherigen) MOOC-Portale streng geteilt (nach Schiller, Ode an die Freude). Zertifikate für MOOCs von Lernenden für Lernende können eine Lösung sein. Der P4P Mini-MOOC, der die Zertifizierung von Online-Leistungen möglich macht, spricht: „Zertifikate, es ist euch gelungen, ihr habt das Herz mir bezwungen. Und Anerkennung, sie ist doch kein Lehrer-Wahn. So nehmt auch mich zum Genossen (Tovarishch) an. Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde die heißeste Schnitte“ (nach Schiller, Die Bürgschaft und Honneth, Der Kampf um Anerkennung).


  • Problem: Erwachsene beklagen sich, dass Jugendliche Online nur auf den sozialen Netzwerken „rumhängen“ und nichts Produktives tun. Jugendliche können mit unzähligen Angeboten zwar freiwillig lernen, aber eine Anerkennung für eine online erbrachte Leistung erhalten sie nicht.
  • Lösung: Auf MOOCit gibt es mehrere Wege der Wertschätzung: A) Zertifikat der Gewerbeschule, B) Wettbewerb, C) Man hilft anderen beim Lernen (z.B. Asylbewerbern), D) Extranoten des eigenen Lehrers
  • MOOCs können eine Alternative zur PowerPoint-Präsentation sein. Die Schülerarbeiten müssen keinen „Schubladentod“ sterben.



Searching, seek and suffer

300 Stunden Videomaterial werden pro Minute bei YouTube hochgeladen. Das ist der Stand von 2014, dürfte trotzdem einen ungefähren Eindruck darüber geben, welche Qualitätsprobleme mit dieser Quantität auf uns zukommen. Suchen Lernende nach Videos für die Bildung, dann finden sie auf den ersten Plätzen der Trefferliste Werbung, dann kommt das, was von der Community angeklickt wird, weil es lustig ist und erst dann kommen die überaus schlecht gemachten Teilwahrheiten von Hobby-Filmern. Perlen sind schwer zu finden. Die meisten wären eh nur vor Säue geworfen...

Wie wenig du gesehen hast, wie wenig du kennst – vom geheimen Algorithmus hängt es ab, was du bist (nach Canetti, Provinz des Menschen). Wer sich in Deutschland bilden will, muss weite Wege gehen. Auch und gerade im Netz der scheinbar kurzen W-W-Wege. Lehrkräfte, Eltern, aber auch SuS suchen zunehmend verzweifelt nach einer klaren Orientierung und nach qualitativ hochwertigen Beiträgen, um Bildung zu ermöglichen. Manche klicken sich durch 4Teachers, dem ZUM-Wiki oder Lehrer-Online. Bildungspläne werden von den Kultusministerien online angeboten. Sie werden heruntergeladen, gelesen und unverstanden in einen PDF-Friedhof im eigenen Ordnerdschungel verschoben. Konkrete Hilfen bleiben aus.

Dabei ist es so einfach: Gemeinschaftskundelehrer_Innen gehen gleich zur Bundeszentrale für politische Bildung und finden unendlich viel Material für alle Klassen. Mathelehrer_Innen suchen bei der Khan-Akademy nach hilfreichen Lernvideos (sollten allerdings Englischkenntnisse mitbringen). Das ertragreichste Material für den Kunstunterricht findet man auf ______________. Unterrichtsentwürfe für die Fächer Deutsch und Geschichte werden auf ______________ von bezahlten Expert_Innen kontrolliert. Der internationale Austausch gelingt nur mit dem Programm ______________. Schulen können es sich nicht mehr leisten auf das Online-Angebot von ______________ zu verzichten. Am Online-Wettbewerb ______________ sollten sich besonders SuS mit dem gleichnamigen Interesse beteiligen. Der Verlag für das Thema ______________ ist ______________. Die zentrale Homepage für wichtige Kontakte kann ______________ sein; wer aber gut vernetzt sein will, geht besser gleich auf ______________. Instant Messaging nur noch über ______________. ¬______________ wurde für Schulangelegenheiten verboten (wurde aber auch Zeit). Gesicherte Orientierung für die aktuellste Methodik und Didaktik ist gegeben, wenn man ______________ aufruft. Die erfreulichsten und obendrein noch frei zugänglichen interaktiven Bausteine und hochwertige Medien findet man auf ______________ (das gilt allerdings nicht für Apple-User). Schulorganisation funktioniert mit den Apps ______________ am einfachsten. Ein tolles Bildungsprojekt, das jede Lehrkraft interessieren sollte ist ______________. Es gibt kein besseres Portal für aktuelle Themen wie der/die/das ______________. Die folgenden Links sind essenziell: ______________ .

(Wenn Sie hier manche Lücke füllen wollen, verstehen Sie vermutlich die Problematik.)


Schubladentod Deiner Hausarbeit oder Die Auflösung des staatlichen Zertifizierungsmonopols



Schubladentod.png




Szenario oder Realität?

  • 2015: Die Online-Akademie „Udacity“ hat über 3 Millionen Kursteilnehmer_Innen in über 120 Ländern. Die Bevölkerung wird langsam auf die Auflösung des Zertifizierungsmonopols der staatlichen Institutionen vorbereitet.
  • 2020: Studien-Abschlüsse der Online-Universitäten werden auch ohne die Vergabe von ECTS-Leistungspunkten weltweit von Firmen akzeptiert. Rufe nach virtuellen Schulen werden lauter. MOOC-Ersteller lassen sich MOOCs von staatlichen Universitäten teuer bezahlen.
  • 2025: Qualifizierte Lehrkräfte und talentierte SuS werden (ab dem 6. Lebensjahr) von zahlungskräftigen, privaten Bildungsinstitutionen abgeworben. Staatlich organisierte Schulabschlüsse genießen weniger Anerkennung als Online-Abschlüsse. Eine gute (Aus-)Bildung können sich nur wenige Menschen leisten.
  • 2030: Die künstliche ist der menschlichen Intelligenz überlegen. Computer bzw. Roboter übernehmen immer mehr Teile der Wissensbildung von Menschen. Lehrer_Innen-Stellen werden wegrationalisiert. „Materielle Schulen“ werden geschlossen.
  • 2035: Privatunternehmen übernehmen mit Supercomputern den Bildungsauftrag auch in Deutschland. Das Kultusministerium stellt seine Arbeit ganz ein.

Die Angst vor kostenpflichtiger Bildung ist real.

Wir lassen Gelegenheiten aus, welche wir vermutlich bereuen werden. Wenn wir nicht einschreiten, wird die Bildung auch in Deutschland wieder kostenpflichtig werden. Die MOOC-Portale vor allem der USA machen es vor, wie es geht. Sie brechen das Zertifizierungsmonopol der Staaten. Bald wird ein online erworbenes (kostenpflichtiges) Zertifikat von Elite-Firmen wichtiger sein, als ein staatlich anerkannter Abschluss.

Die Angst vor der Auflösung des Zertifizierungsmonopols ist real.

Die praktische Umsetzung eines Bildungsdiskurses in einem digitalen System strebt eine hohe Informationsqualität bei maximalem Innovationspotential an. Häufig sind Online-Diskussionen geprägt von Uneinheitlichkeit, Divergenzen, Polarisierungen, dogmatischen und performativen Widersprüchen. Sie hemmen durch ihre Begrenzungen im Zugang, dem Mangel an Intermedialität und unzureichende IQ-Entwicklungsmöglichkeiten. Es fehlt an einer direkteren demokratischen Beteiligung und an Transparenz im offenen Diskurs.


Anhand der DQ-Kriterien wurden Standards formuliert und Online-Portale im Hinblick auf den digitalen Diskurs kritisch analysiert.

In der Kombination von Redaktionsseiten, Expert_Innen-Foren und Open Space Netzwerken wird ein Weg gesehen, die Vorteile unterschiedlicher Seitentypen zu vereinen und die Nachteile zu minimieren. Die wesentlichsten Voraussetzungen für dieses Vorhaben sind die Herrschaftsberücksichtigung, die Dauerevaluation, eine Reputationsausweisung unter Anonymitätsoption und vor allem die strukturierte Einbindung von internen und externen Expert_Innen.

In der Verknüpfung von Web 1.0 mit Web 2.0 liegt die Innovation dieser Plattform. Der Kurzfilmkanon schlägt eine Brücke zwischen

  • offenen, innovativen aber unstrukturierten, unwissenschaftlichen Crowdsourcing-Seiten (Open Space Ebene);
  • qualitativ hochwertigen, aber häufig abgeschlossenen Expert_Innen-Foren

(Expert_Innen-Ebene) und

  • klar strukturierten, aber starren Redaktionsseiten (Redaktionsebene).

Die Ebenen werden auf einer Plattform verbunden, damit die jeweiligen Vorteile genutzt werden können. Der Kurzfilmkanon.de beinhaltet neben Informationen über Kurzfilme auch verschiedene interaktive Bausteine. Dazu gehören u.a. (Dauer-) Feedback- und Evaluationsmöglichkeiten, Unterrichtsangebote sowie Anregungen zur Eigenproduktion.


Das durchlässige Diskurssystem durchbricht bestehende hierarchische Strukturen durch den Einsatz einer digitalen „Quorumsmembran“. Bestehende Reputationsgrenzen können so aufgebrochen werden und lassen eine Beitrags- und Talentförderung zu. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz einer multimedialen Kommunikationsbox (Addbox) und dem umfangreichen Einsatz von Bildungsfiltern. Kurzfilmkanon.de wurde durch einen Kurzfilmwettbewerb für Studierende, aber auch für SuS bekannt gemacht. Die Entwicklung der Rahmenbedingungen für eine digitale Diskurskultur kann exemplarisch für den Bildungssektor sein.

In der Entstehungszeit dieser Arbeit haben sich ständig Neuerungen der technischen Möglichkeiten ergeben. Die Grundbedingungen für diesen Themenbereich haben sich durch die rasante Entwicklung in der digitalen Welt grundlegend geändert. Es sind neue Möglichkeiten für den Diskurs, den Kurzfilm und die Bildung entstanden. Der Kurzfilm wird für die Bildung immer entscheidender werden. Mit dem Smartphone haben User nicht nur zu jeder Zeit an jedem beliebigen Ort Zugriff auf unzählige Filme, sondern können auch in jeder Lebenssituation selbst neue Kurzfilme produzieren und mit der Welt teilen. Beinahe jeden Tag stehen für diese Arbeit relevante Themen in den Schlagzeilen: Einfluss auf diese Arbeit hatten sowohl aktuelle Themen wie die NSA- und Datenskandale, Schwarmintelligenz-Studien, Computer im Unterricht, Smartphone, Smart Home, Smart City, Smart Wearables, Film-Stream-Plattformen, Weiterentwicklungen der Netzwerke, dem Breitband, neue Applikationen oder Extensions, ausgeklügelte Synchronisierungsverfahren, der massive Einstieg der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender ins Netz, Entwicklung der Online-Universitäten als auch Fortschritte in extrem ausgefallenen Nischenbereichen.

Forschungsergebnisse wurden durch die Auswertung öffentlich zugänglicher Expert_Innen-Interviews (vor allem in Videoform) ergänzt. Dabei wurde immer wieder festgestellt, dass viele dieser Entwicklungen kritisch zu betrachten sind und nicht selten unsere Demokratie in den Grundfesten erschüttern. Das Sammeln der persönlichen Daten unterschiedlicher Institutionen ist hierfür nur ein Beispiel. Dem muss entgegengewirkt werden. Es liegen aber auch ungehobene Schätze für die Bildung in der digitalen Evolution. Es gilt einen Weg zu finden, der Verantwortung zulässt, Sicherheit bietet, aber vor allem aufgrund der entstehenden Ängste Bildungsinstitutionen und damit die beteiligten Menschen nicht in Stagnation verfallen lässt.

Der Diskurs ist die Methode der Demokratie. Von dieser These geht diese Arbeit aus. Ein strukturierter, systematischer digitaler Diskurs kann zu einer neuen Dimension der Bildung führen. Schwerpunkt der Arbeit ist aus diesem Grund neben der kommunikationswissenschaftlichen Einordnung des Diskurses und der Entwicklung einer exemplarischen digitalen Diskursplattform die Rückwirkung auf den Diskurs in der Bildung im Allgemeinen. Aufgrund der Fortschritte im Bildungsbereich, insbesondere der Sonderrolle des Kurzfilms in einem MOOC (Massive Open Online Course), wurde eine zusätzliche Ausführung (Kapitel 5) notwendig, welche keinen theoretischen, sondern einen ganz praktischen, realistischen Ausblick auf ein zukünftiges Online-Schuldiskursportal bietet. Mit dem auf Media-Wiki basierenden „MOOCit.de“ wird ein Übergang vorgestellt, der die reellen Bedingungen berücksichtigt und sich den aktuellen Entwicklungen stellen kann. Durch die Öffnung des Bildungsplans können Konzepte wie das „Blended Learning“ oder das „Flipped Classroom“ (Inverted Classroom) eine fortschrittliche Erweiterung zum bisherigen Unterricht bieten. Die Neugier ermöglichenden und Interesse fördernden Kontaktmöglichkeiten, die verantwortungsbewusste und reputationsgebundene neue Anonymität, lebenslaufdienliche Anreize, die relevanten, transparenten Entscheidungen und das Anerkennungspotenzial im Austausch können Basis-Elemente einer digitalen Schuldiskurskultur sein und dazu beitragen das Bildungssystem in Deutschland zu revolutionieren.

Die heranwachsende Generation muss auf die modernen Entwicklungen vorbereitet werden. Wenn wir nicht im Informationsdschungel untergehen oder kostenpflichtige Bildung wollen, müssen anspruchsvolle, kommerzunabhängige, digitale Diskursmöglichkeiten für die Bildung entstehen. Bund und Länder, insbesondere die Kultusministerien, können es sich nicht mehr leisten, sich dem digitalen Diskurs zu verweigern. Diskurs ist nicht nur ein wissenschaftliches Konzept. Der Diskurs ermöglicht demokratische Prozesse. Der Film ist in diesem Zusammenhang nicht allein ein „Kunstmedium“, sondern ein für alle Bildungsinhalte relevanter Kommunikationsgegenstand der durchdrungen werden muss. Filmbildung ist heute ein wesentliches Mittel zur (Selbst-) Bildung.






Der fünfe Reiter

Leere Kommentarfelder provozieren!


Heute morgen, habe ich die Zeitung aufgeschlagen. Nein. Dieser Satz ist nicht ganz richtig. Ich habe eine Nachrichten-App aufgerufen. Die Überraschung: Deutschland ist für die digitale Kulturrevolution nicht gerüstet. Scheint, als ob die Nachrichten-App mir wie „Googlzon“ vor allem die Dinge anbietet, die mich wirklich gerade interessieren. Beeindruckend. Vor einigen Stunden, also gestern Nacht hatte ich noch bis um 3.45 Uhr mit Freunden (wirkliche Freunde, keine Follower oder so) über den digitalen Wandel diskutiert. Eigentlich haben wir aber noch mehr über die weit verbreiteten Ängste und Hemmungen gesprochen, welche durch die Digitalisierung geweckt werden. Zusammengefunden hatten sich folgende Haltungen:

  • Leugnen: Der Schock und das Nicht-wahr-haben-wollen der aktuellen digitalen Situation auf der Welt und in Deutschland.
  • Intensiv aufbrechende Emotionen: Die Wut über dreiste Online-Konzernwölfe. Die nackte Angst vor fahrlässigen Normalbürger-Lämmern. Depressiv resignierte Stimmung, wenn an das Ungleichgewicht des rasanten technischen Fortschritts auf der einen und des fußlahmen ethischen Fortschritts auf der anderen Seite gedacht wird.
  • Suchen, Finden, Loslassen: Das Suchen nach Lösungen in der guten alten Zeit und die Aussöhnung mit dem Gendanken, dass diese nun endgültig vorbei sind. Das Finden der Auswege unserer Tage. Das Loslassen alter Tage.
  • Akzeptanz: Es dann auch die „produktive Aufbruch-Stimmung“. Die Katharsis durch das Zulassen euphorischer Zukunftsperspektiven. Sich den widrigen Umständen fügen, die Realität akzeptieren. Im Schlimmsten einen Neuanfang sehen. Die Goldgräberstimmung, die entsteht, wenn man denkt, was noch keiner zuvor gedacht. Wenn man macht, was keiner zuvor gemacht. Wenn man gewinnt, was noch keiner davor gewonnen hat. Kurz: Silicon Valley saß auch mit am Tisch. Und natürlich ohne Krawatte. Locker. Anzüge wollen nur über schlechte Produkte hinwegtäuschen.

Eigentlich saßen alle vier Phasen der Trauer nach Verena Kast am Tisch. Was wurde zu Grabe getragen? Das Grundgesetz. Die digitalen Möglichkeiten. Die eigene Vergangenheit. Am Ende blieb für mich eine Frage hängen: Wer profitiert eigentlich von unseren Ängsten und Hemmungen? Bin am Ende des Artikels über das digitale Deutschland angelangt. Bin überzeugt, dass die Roboter und der Babelfisch kommen werden. Smart-Shirts und smarte Kontaktlinsen werden eine Veränderung der Welt bewirken werden, von der Deutschland vor allem als Konsument profitiert. Ausnahmsweise lese ich die Kommentare. Hier haben sich die apokalyptischen Reiter versammelt: Erstens: Weißes Pferd. Reiter. Sieg. Krone. – Sie kennen das. Hier verkörpert durch den Moralapostel, der den Bildungsjoker gleich am Anfang zieht: „Kann denn nicht wenigstens einmal jemand an die Kinder denken?“ Ungewöhnlich. Meist hören Debatten mit dieser Forderung auf.

Der zweite Reiter: Resignierter Gegner. Gegner gegen alles. Er steht für den Krieg bzw. in Deutschland für Rüstungsexporte. Oder dagegen? Unklar. Jedenfalls die alternativlose Alternative zur Friedenssicherung mit Augenmaß, um den ganzen Sozialtourismus zu bezahlen. Profit findet er geschmacklos. Er ist gehemmt durch verborgene Ängste, aber er ist auch der Eisbrecher für zahllose Emotionsgesteuerte. Die Drohnen seines Betriebs fliegen für einen guten Zweck. Er widerspricht sich innerhalb seiner 160 Zeichen dreimal. Aber Selbstwidersprüche können auch als ein Zeichen gewertet werden, dass man die Welt um sich herum verstanden hat. Mit feuerrot erhitztem Kopf fuchtelt er mit dem mehrschneidigen Schwert des Wortes herum. Beim Lesen des Antikriegs-Kommentars werden eingefleischte Pazifisten unmittelbar zu Kriegsbefürwortern.

Drei: Ein kritischer Wutbürger, der sich über Inkompetenz schwarz ärgert und Gerechtigkeit fordert; in einer Welt, die von Todsünden verseucht ist. Seine Zielscheiben: Hochmütige Regierung, geizige Aktionäre und Banken, wollüstige Prominente, andere Wutbürger, die Maßlosigkeit der schmierigen Daten-Phishing-Kraken-Konzerne, neidische Nerv-Staaten und vor allem die faule Lügenpresse. Seine Waage, sein Schlachtfeld bzw. seine Protestform: ein Kommentarfeld. Sein Pseudonym: „Eisbärchen“

Der sarkastische Intellektuelle. Stilistisch besser als der obige Artikel. Nicht so fahl. Nicht so trüb. Nicht so blass. Bissig. Vernichtend. Terrier. (Also Bullterrier. Nicht die kleinen süßen Jack Russell). Kulturwandel. Prozessmusterwechsel. Um was ging es im Artikel nochmal?

Ein fader Geschmack verbleibt im Mund. Furcht. Angst. Lähmung. Lauter Leute mit schlechter Laune. Alle Wut will Ewigkeit –, will tiefe, tiefe Ewigkeit (nach Nietzsche, Also sprach Zarathustra). Ich wünsch mir einen fünften Reiter herbei, der einen Witz erzählt. Aber es kommen immer neue Kommentare rein, die sich die radikale Sinnentleerung des Netzwerktages zum Ziel gesetzt haben und einen Post am anderen ins digitale Nirwana feuern. USA steht für undemokratische Silicon-Valley Alternativen. Deutschland hat nicht nur keine Chance mehr, Deutschland ist die Chancenlosigkeit in Person. Leute reden einander klein, ziehen eine Show ab, wollen selbst gut dastehen, halten sich an keine Regeln, erzielen keine Ergebnisse. Der Vergleich des Online-Kommentarfeldes mit einer TV-Talk-Show liegt auf der Hand. Das nach unten scrollen hat sich gelohnt. Jedenfalls frage ich mich gerade nicht mehr: Warum gibt es die Gen Y? Meine Wenigkeit, als Generation X bzw. Generation Golf (oder erster apokalyptischer Reiter) lehnt sich zurück und sieht sich gemütlich an, wie sich Y über die Nachgeborenen Z aufregt. Digital Natives, die mehr auf Außendarstellung, als auf Sinn aus sind. Was kommt eigentlich nach Z? Umlaute? 0 oder 1? Das würde vermutlich das M2M Zeitalter, die „Machine to Machine Generation“ gut beschreiben. Menschen sind für die Bezeichnung der Generation nicht mehr relevant. Eine goldene Vorstellung in meinen Augen, da es bereits Mittag ist und ich immer noch an den Artikel und die Fußzeilen-Kommentare denke. Warum ich das schreibe? Ich bin der fünfte Reiter. Ich erzähle den Witz. Ich male das Bild von der konkreten Zukunft – so wie sie sein könnte. Hier in Deutschland. Wie wir die Grundrechte nicht verwässern. Wie wir Wissen neu denken. Wie wir Ängste überwinden. Wie wir produktiv mit den digitalen Möglichkeiten umgehen. Wenn Sie diesen Witz hören wollen, dann sind sie hier genau richtig. Wie alle apokalyptischen Reiter verbreite aber auch ich Furcht und Schrecken. Vor allem, wenn ihnen Willy Brandts „mehr Demokratie wagen“ seit 1969 immer wieder kurz einen Schauer über den Rücken jagt.

Joblin: Für meinen Freund U.G.



Quellen

  • Nach Heine, Die Lore-Ley: „Ich weiß nicht, was soll das bedeuten, dass ich so traurig bin.“
  • Nach Goethe, Faust I: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion
  • Nach Busch, Fromme Helene: „Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Gute, was man lässt.“
  • Ein Zitat, welches Niels Bohr, Winston Churchill, Kurt Tucholsky, Mark Twain und Karl Valentin gleichermaßen zugeschrieben wird.
  • Wikipedia: Ein Prozent Regel, https://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Prozent-Regel_(Internet), aufgerufen am 29.06.2016
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (MPFS): JIM-Studie 2015 – Jugend,
  • Information, (Multi-) Media, Problematische Handynutzung, URL: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf15/JIM_2015.pdf, S. 50, aufgerufen am 29.06.2016
  • Beispiel, Artikel 13 und die Überwachung: Thema dieses Artikels ist die Unverletzlichkeit der Wohnung. „Smartphone“ und „Smart Wearables“ begleiten uns auf Schritt und Tritt. Sie sind mit dem „Smart Home“ verknüpft, das in unserer „Smart City“ steht. Hier wird „Big Data“ gesammelt. In wie weit greifen heute Online-Institutionen in die Privatsphäre und die Unverletzlichkeit unserer Wohnungen ein? Ist Überwachungssoftware eine mächtigere Waffe als Panzer und Drohnen geworden?
  • Vgl. MOOCit – MOOCs für die Schule und das Studium: Der Grundgesetz-Countdown im digitalen Zeitalter, URL: http://moocit.de/index.php?title=Der_Grundrechte-Countdown_im_digitalen_Zeitalter, aufgerufen am 29.06.2016
  • Kruse, P.: BundestagTV, Peter Kruse - Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen, URL: https://www.youtube.com/watch?v=e_94-CH6h-o, 2011, aufgerufen am 06.04.2015









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